Plunge Protection Team in Aktion

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Folker Hellmeyer, seines Zeichens Chefanalyst der Bremer Landesbank, gehört zu jenen Vertretern der Finanzzunft, die kein Blatt vor den Mund nehmen. Mit MMNews sprach er ganz offen über Marktmanipulationen durch das „Plunge Protection Team“, Chancen für Goldkäufer und den inflationär gebräuchlichen Begriff des „Verschwörungstheoretikers“.

Von Lars Schall, 11. August 2009

Spätestens seit Veröffentlichung seines wärmstens zu empfehlenden Buches „Endlich Klartext! Ein Blick hinter die Kulissen unseres Finanzsystems“ ist offenbar geworden, dass Folker Hellmeyer eine wohltuende Ausnahmeerscheinung unter Deutschlands Finanzexperten darstellt. Themen, um die andere Analysten öffentlich einen größtmöglichen Bogen machen, geht er frontal an, indem er immer wieder nachdrücklich warnt: „Erst sterben die freien Märkte, dann die Demokratie.“ Eventuell hat dieses atypisch anmutende Verhalten damit zu tun, dass der 1961 geborene Hellmeyer ein Bankkaufmann und Bankfachwirt ist, der auf eine 25-jährige Praxiserfahrung zurückblicken kann, die von keinem universitären Volkswirtschaftsstudium „getrübt“ wird.

Und damit direkt ohne Umschweife in medias res:

Herr Hellmeyer, sind Sie Verschwörungstheoretiker?

Folker Hellmeyer: Bevor ich hier eine Antwort gebe, ist zu klären, was eine Verschwörung ist. Eine Verschwörung bezeichnet einen heimlichen Bund zur Durchführung eines Planes mit entweder egoistischer Zielsetzung zum Schaden Dritter oder mit dem Ziel, Missstände zu beseitigen.

Diese Definition belegt, dass Mobbing in der Firma, dass Kartellabsprachen bei Siemens, dass die Irreführung der UN im Fall des Irak durch die USA oder auch ein Seitensprung eines Ehepartners alle diese Voraussetzungen erfüllen.

Ergo ist die Verschwörung weitaus häufiger die Norm, als es diejenigen behaupten, die bei dem Begriff Verschwörungstheoretiker in verächtlicher Manier ein Schlagwort bemühen, um eine sachliche Debatte über harte Indizien im Keim zu ersticken. So etwas ist übrigens nicht mehr als gelebte Arroganz.

Ich sehe mich als eine Person, die sich um eine realitätsnahe Beurteilung von politischen und ökonomischen Zusammenhängen bemüht und dabei selbstredend zu einem subjektiven Urteil gelangt.  Dabei untersuche ich sehr wohl auch die Themen, von denen behauptet wird, dass es sich um Verschwörungstheorien handelt. Fakt ist, dass dort wo Rauch ist, regelmäßig auch Feuer anzutreffen ist. Wer diese Themen in seiner Urteilsfindung von vornherein ausblendet, läuft Gefahr, auf Basis eines unvollständigen Bildes Urteile abzugeben.

Die Frage, ob jemand Verschwörungstheoretiker ist oder nicht, ist hier nicht Ziel führend. Die Notwendigkeit, sich mit den Theorien auseinanderzusetzen, ist der wesentliche Punkt!

Ich stellte Ihnen diese Eingangsfrage, weil Sie in Ihrem Buch „Endlich Klartext! Ein Blick hinter die Kulissen unseres Finanzsystems“ über das so genannte Plunge Protection Team (PPT) schreiben, als wäre dieses existent.[1] Und Leute, die das PPT für existent halten, wurden in der Vergangenheit schon mal gerne mit Leuten in einen Topf geworfen, die von „erfundenen Mondlandungen“ der U.S.A. fabulieren.[2] Insofern sei vielleicht zunächst diese Kontrollfrage gestattet: haben Sie je Zweifel daran gehegt, dass Neil Armstrong auf dem Mond spazieren ging?

Folker Hellmeyer: Nun, ich wünsche Neil Armstrong, dass er auf dem Mond spazieren war.  Ich habe mich mit diesem Thema jedoch nicht tiefer auseinandergesetzt. Ergo kann ich mir kein ultimatives Urteil erlauben.

Aber Zweifel daran, dass es das PPT gibt, hegen Sie keine?

Die Working Group on Financial Markets oder umgangssprachlich das „Plunge Protection Team“ ist real und wurde unter Präsident Ronald Reagan als Reaktion auf den Crash 1987 mit der „Executive Order 12631“ ins Leben gerufen. Damit beantwortet sich Ihre Frage. Ich habe keine Zweifel, dass es das PPT gibt.  Wer die Existenz des PPT in Frage stellt, ist mindestens des Lesens nicht mächtig!

Die entscheidende Frage ist, ob das PPT an den Märkten in unsachgemäßer Art und Weise zum Vorteil weniger elitärer Marktteilnehmer aktiv wird und damit wie ein Kartell agiert. Genau diese Aktivität lässt sich implizit nachweisen. Das habe ich unter anderem auch in meinem Buch „Endlich Klartext!“ dargelegt.

Eventuell sollten wir dann erst einmal den eindeutig negativ besetzten Begriff „Verschwörungstheoretiker“ erörtern, welcher ja mittlerweile recht inflationär gebräuchlich ist. Wie schaut Ihre Auffassung von diesem Begriff aus? Warum und zu welchem Zweck wird er sooft verwendet?

Folker Hellmeyer: Verschwörungstheorien ranken sich häufig um die Thematik Machtmissbrauch durch Eliten der Gesellschaft, ob in der Politik, in der Realwirtschaft oder, diese Abgrenzung ist notwendig, in der Finanzwirtschaft.  Dabei basieren diese Verschwörungstheorien grundsätzlich auf Indizien und impliziter Beweisführung.

Um die eigene Seriosität zu verteidigen und der gegnerischen Seite die Seriosität abzusprechen ohne in eine sachliche Debatte einsteigen zu müssen, bietet sich den Machteliten mit Hilfe gleichgeschalteter Medien, aber auch anderen Betroffenen, der Vorwurf der Verschwörungstheorie an.

Dieser Vorwurf wird öffentlich immer noch viel zu häufig als ein so genanntes „Totschlagargument“ wahrgenommen und umgesetzt. Diese Umsetzung basiert auf der öffentlichen Autorität der Eliten als auch der Willfährigkeit und Gutgläubigkeit der Öffentlichkeit.

Schlussendlich ist das Reaktionsmuster der Öffentlichkeit Ausdruck einer nicht unerheblichen Naivität vor dem Hintergrund der aktuellen Datenlage, ob in der Politik oder der Finanzwirtschaft, aber auch in der Realwirtschaft. Skandale, ob Überwachungen durch Deutsche Bank und Deutsche Bahn oder Vorteilnahme bei Siemens und MAN erfüllen alle die Definition der Verschwörung!

Befassen wir uns dann nunmehr eingehender mit der „Verschwörungstheorie“ rund um das PPT. Seine Entstehung verdankt es wohl dem Crash vom 19. Oktober 1987, dem größten Verlust, der je an einem einzigen Tag an der New Yorker Börse verzeichnet wurde. Könnten Sie einmal die Ursachen für diesen Crash im Zeitalter der, wie J. K. Galbraith es formulierte, „höchst zutreffend titulierten ‚Junk Bonds’“ näher erklären?[3]

Folker Hellmeyer: Der Crash von 1987 mit einem Tagesverlust von 22,6% des DowJones am Montag, den 19. Oktober, war geprägt von zu großer spekulativer Spielfreude am Finanzmarkt im Vorfeld. Der Aufwärtstrend, der dann ein abruptes Ende fand, begann 1982.

In der Phase vor dem Crash waren die Aktienmärkte getrieben von feindlichen Übernahmen, die zu größten Teilen mit „Junk Bonds“ finanziert wurden. „Junk Bonds“ sind Anleihen mit hohen Ausfallrisiken und entsprechend hohen Zinskupons.

Vor dem Crash trübte sich die konjunkturelle Lage ein. Das Bewertungsniveau der Aktien des S&P lag bei einem KGV von 20 und war ambitioniert. Inflation zog an. Zinserhöhungen  standen im Raum. Steuervergünstigungen für Fusionen wurden gestrichen. Mithin wurde das Spielfeld für diesen Katalysator Übernahme via „Junk Bonds“ des Aktienanstiegs von allen Seiten unterminiert.

Im Zuge des Ausverkaufs an den Börsen sind die technischen Handelssysteme überfordert worden. Mithin führte die technische Ineffizienz zu einer Eskalation der Krise.

Konsequenz des Crashs war die Executive Order 12631, die Ronald Reagan, der damalige Präsident der Vereinigten Staaten, am 18. März 1988 in Kraft treten ließ. Ich möchte gerne direkt das Regelwerk zitieren, dann können wir uns, wenn jeder weiß, worüber wir reden, fortfahren mit der Erörterung der Sachlage. So heißt es unter der Überschrift:

Executive Order 12631 — Working Group on Financial Markets

By virtue of the authority vested in me as President by the Constitution and laws of the United States of America, and in order to establish a Working Group on Financial Markets, it is hereby ordered as follows:

Section 1. Establishment. (a) There is hereby established a Working Group on Financial Markets (Working Group). The Working Group shall be composed of:

(1) the Secretary of the Treasury, or his designee;

(2) the Chairman of the Board of Governors of the Federal Reserve System, or his designee;

(3) the Chairman of the Securities and Exchange Commission, or his designee; and

(4) the Chairman of the Commodity Futures Trading Commission, or her designee.

(b) The Secretary of the Treasury, or his designee, shall be the Chairman of the Working Group.

Sec. 2. Purposes and Functions. (a) Recognizing the goals of enhancing the integrity, efficiency, orderliness, and competitiveness of our Nation’s financial markets and maintaining investor confidence, the Working Group shall identify and consider:

(1) the major issues raised by the numerous studies on the events in the financial markets surrounding October 19, 1987, and any of those recommendations that have the potential to achieve the goals noted above; and

(2) the actions, including governmental actions under existing laws and regulations (such as policy coordination and contingency planning), that are appropriate to carry out these recommendations.

(b) The Working Group shall consult, as appropriate, with representatives of the various exchanges, clearinghouses, self-regulatory bodies, and with major market participants to determine private sector solutions wherever possible.

(c) The Working Group shall report to the President initially within 60 days (and periodically thereafter) on its progress and, if appropriate, its views on any recommended legislative changes.

Sec. 3. Administration. (a) The heads of Executive departments, agencies, and independent instrumentalities shall, to the extent permitted by law, provide the Working Group such information as it may require for the purpose of carrying out this Order.

(b) Members of the Working Group shall serve without additional compensation for their work on the Working Group.

(c) To the extent permitted by law and subject to the availability of funds therefor, the Department of the Treasury shall provide the Working Group with such administrative and support services as may be necessary for the performance of its functions.

Ronald Reagan

The White House, March 18, 1988.[4]

Aus der zitierten Executive Order 12631 geht hervor, dass die Hauptaufgabe des PPT, zusammengesetzt aus dem US-Finanzminister, dem Chef der Fed, dem Vorsitzenden der Wertpapieraufsichtsbehörde und demjenigen der Terminmarkt-Handelskommission,  darin bestehen sollte (und wohl nach wie vor darin besteht), die Finanzmärkte zu stabilisieren und das Vertrauen von Investoren zu stärken. Dies allerdings nicht auf eine Art und Weise, die für jedermann ersichtlich ist, sondern hinter den Kulissen. In Ihrem besagten Buch sprechen Sie diesbezüglich von „verdeckter Einflussnahme“. Muss man sich dieses als moderne Variante der „unsichtbaren Hand“ eines Adam Smith vorstellen?

Folker Hellmeyer: Ein netter Vergleich. Verdeckte Einflussnahme ist nichts anderes als Intervention. Adam Smith’s unsichtbare Hand bezieht sich implizit auf einen funktionierenden Markt und unter moralphilosophischen Gesichtspunkten auf mehr individuelles und gesellschaftliches Glück. Intervention und funktionierender Markt harmonieren per se nicht miteinander. Sie haben das dann wohl ironisch gemeint.

Zurück zum PPT. Wenn Sie sich den dort zusammensitzenden Verein anschauen, dann stellen Sie sehr schnell fest, dass zu den Teilnehmern im Rahmen von Konsultationen auch die „Major Market Players“ gehören.

Hank Paulson, seines Zeichens damaliger Chef der Treasury, sagte am 21. August 2007, dass das PPT tätig sei. Es sei sein Job mit den Regulierern und Marktteilnehmern zu sprechen, um sich hinsichtlich der Themen und Probleme abzusprechen und in Richtung identischer Lösungen zu arbeiten.

Entspricht eine solche Regelung den Gepflogenheiten wirklich „freier Märkte“, und wenn nicht, wieso?

Folker Hellmeyer: Freiheitliche Systeme bestechen durch „Checks and Balances“. Hier sitzen die, die „checken“ sollen, mit denen, die „gecheckt“ werden sollen, zusammen und machen gemeinsame Sache, die zu eindeutigen Informationsvorsprüngen gegenüber den übrigen Marktteilnehmern führt. So sieht nicht die Grundlage eines freien Marktes aus, sondern die Basis, die der Manipulation Tür und Tor öffnet.

Wenn man über das PPT recherchiert, kommt man nicht umhin, sich mit dem Crash des Hedgefonds-Giganten Long Term Capital Management (LTCM) im Jahre 1998 zu beschäftigen. Oftmals wird argumentiert, dass damals das PPT zum ersten Mal merklich aktiv wurde. Können Sie uns auch diesen Zusammenhang der Vergangenheit einmal kurz erläutern?

Folker Hellmeyer: Nun, bei der LTCM-Krise unterstellten die seinerzeitigen Eliten ein systemisches Risiko. Im Rahmen von Investmentbanking der Sorte „Light“ übergaben Banken, Finanzinstitutionen und sogar eine europäische Zentralbank dem Hedge Fund Kapital ab einer Minimumgröße von 10 Mio. USD für eine Mindestanlagedauer von 3 Jahren zur Anlage, ohne nachhaltige  Informationen über die Art der Geschäfte zu bekommen.

Dass eine derartige Firma überhaupt zu einem systemischen Risiko werden konnte, sagt übrigens viel über notwendige „Due Diligence“ und Professionalität der seinerzeitigen Entscheidungsträger aus.

Schlussendlich wurde unter Federführung der Fed nach dem Zusammenbruch eine Rettungsaktion für den Hedge Fund LTCM, ich betone einen Hedge Fund und damit dem spekulativsten Teilnehmer am Finanzmarkt, eingeleitet.

Die Fed arrangierte für LTCM frische Kapitalzufuhr in Höhe von 3,75 Mrd. USD. Die neuen Investoren übernahmen dann maßgeblich die Geschäftsführung bei LTCM.  An der Rettungskonferenz am 23. September 1998 nahm der Präsident der NY Fed McDonough und die Vorsitzenden der Traveler’s Group, von Goldman Sachs, von Merrill Lynch, von Chase Manhattan Bank, Bankers Trust, Smith Barney, Bear Stearns, Lehman Brothers, Morgan Stanley, JP Morgan, von der Deutschen und der Dresdner Bank teil. Mit anderen Worten war die internationale Bankenaristokratie umfänglich versammelt. Unter Alan Greenspans Führung griff der US-Offenmarktausschuss dann auch noch zum Breitbandantibiotikum Zinssenkung.

Hinsichtlich der Definition des Auftrags des PPT war dieses Team zwingend in irgendeiner Form an der Intervention beteiligt. In wie weit aktive Kursbeeinflussung eine Rolle spielte, lässt sich heute nur vermuten. Fakt ist, dass per September 1998 Tiefstkurse des Dow Jones bei 7.400 Punkten markiert wurden und es dann in den beiden folgenden Monaten Oktober und November 1998 zu Befestigungen des Dow Jones bis auf 9.380 Punkte kam. Ein Anstieg um knapp 27% in zwei Monaten ist fraglos unüblich und nährt Vermutungen einer aktiven Teilnahme des PPT am Marktgeschehen.

Ein Scheitern von LTCM hätte aus heutiger Sichtweise voraussichtlich die aktuelle Krise verhindert oder zumindest milder gestaltet, da die ungebremste „Spielfreude“ an den Finanzmärkten nicht so ausgeprägt ausgefallen wäre.

Gesetzt, ich habe das Arbeitsschema des PPT zumindest ansatzweise verstanden, läuft es dann auf folgendes hinaus:

  1. dem Team stehen enorm große Geldbeträge zur Verfügung, mit denen es enorm große Käufe von Aktienindex-Futures tätigen kann, um so die Kurse nach oben zu treiben, wenn diese unter Druck geraten?
  2. von dem positiven Sog werden weitere Marktteilnehmer, die nicht wissen, was gespielt wird, zu Investitionen angeregt?
  3. die Käufe laufen vor allem über die großen Investmentbanken?

Folker Hellmeyer: Sie haben ins Schwarze getroffen. Üppige Liquidität mit Treasury und Fed am Tisch ist der Schlüssel. Derivate wirken mit höherer Durchschlagskraft und sind deshalb das ausgewählte Medium und es ist die „Bankenaristokratie“, die das Spiel betreiben darf und sich dann für die „hart erarbeiteten“ Erfolge entsprechende Bonifikationen zugesteht.

Eine weitere Manipulation läuft über die Verwendung von Gold. So schrieb der US-amerikanische Investigativ-Journalist Michael C. Ruppert am 7. Juni 2002 in einem Artikel namens “The Gathering Storm” dieses:

Gold activist David Guyatt, relying on information obtained from GATA Chairman Bill Murphy, pointed to the PPT in October 2000. „The hand of the Plunge Protection Team (PPT) is clearly visible for the first time. The entire short gold play over the last few years is a technique that has been used to ‚prop up key stocks‘ and ‚fund futures‘ operations. In the simplest form it works like this. Borrow (at negligible interest rates) someone’s [America’s, Germany’s, Britain’s, Goldman Sachs‘] gold and sell it in the market. This gives a handsome pool of near-interest-free dollar cash. Whenever the stock market looks shaky, or key stocks come under pressure, dive in and buy, buy, buy…“[5]

Wären Sie bereit, diesen Vorgang einmal in einfachem Deutsch zu übersetzen, damit es jeder unserer Leser verstehen kann?

Folker Hellmeyer: Selbstverständlich komme ich Ihrem Wunsch gerne nach. Ich erlaube mir jedoch eine freie Übersetzung, die die angesprochenen Punkte besonders betont.

„Goldaktivist David Guyatt, auf Informationen des Vorsitzenden der GATA, Bill Murphy, vertrauend, verwies auf das ,PPT’ im Oktober 2000. Die Hand des ,Plunge Protection Teams’ (PPT= Working Group on Financial Markets) ist das erste Mal deutlich zu erkennen. Die gesamte Positionierung mit Leerverkäufen im Gold während der letzten Jahre ist Teil einer Handelstechnik mit dem Ziel, einige Schlüsselwerte am Aktienmarkt nach oben zu manipulieren. In der einfachsten Form funktioniert das System wie folgt. Man leiht sich für vernachlässigbar niedrige Zinsen (häufig unter 0,1%) maßgeblich bei Zentralbanken der westlichen Hemisphäre Gold und verkauft es am Markt. Damit baut man sich USD-Liquidität zu Niedrigstzinssätzen auf. Immer wenn der Aktienmarkt einen angeschlagenen Eindruck macht oder Schlüsselwerte am Aktienmarkt unter Druck kommen, treten diese Marktteilnehmer aus dem elitären Bankenkreis des ,PPT’ als aggressive Käufer auf …“

Könnten Sie ferner einmal diesen Vorgang erläutern, den David Guyatt damals im Oktober 2000 wie folgt umriss:

„But it is not only necessary to manipulate the stock market to succeed. It is also necessary to manipulate the gold price and keep the price of gold below the price PPT sold the leased gold for…”[6]

Warum ist das wichtig, wovon David Guyatt hier sprach?

Folker Hellmeyer: Nun, durch den Verkauf des Golds haben diese Banken eine offene Flanke. Ein steigender Goldpreis kann die Lukrativität des Geschäfts gefährden oder sogar umkehren. Also ist eine fortgesetzte Manipulation des Goldpreises Grundlage einer fortgesetzten Stabilisierung des Aktienmarkts durch diese Banken.

Die Diskussionen, dass der Goldmarkt durch das PPT manipuliert wird, reißt seit Jahren nicht mehr ab.  Bill Murphy, der Vorsitzende des Gold Anti-Trust Action Committee, spricht beispielsweise davon, dass der Goldpreis längst über die 2000-Dollar-Marke hinaus wäre, gäbe es keine künstlichen Preiskorrekturen nach unten.7 Teilen Sie diese Auffassung?

Folker Hellmeyer: Ich teile diese Auffassung zu 100%. Gerade die aktuelle Krise mit dem Infarkt des Finanzsystems, einer Situation, die noch im Frühjahr 2007 für den Mainstream vollständig unvorstellbar war, mit der unterproportionalen Reaktion am Goldmarkt als auch der überproportionale Hinkehr zu AAA-Staatsbonds, sind die besten impliziten Belege!

Hätte ich im Frühjahr 2007 die Situation zum Ende des Jahres 2008 mit allen Interventionen und Stabilisierungsmaßnahmen bis hin zu antiautoritären Bilanzierungsstandards nach Art „Level 3“ beschrieben, hätte man mir empfohlen, zu überprüfen, was ich rauche oder ansonsten zu mir nehme mit dem Verweis, dass diese Produkte aus Amsterdam der Gesundheit und dem Verstand abträglich seien.

Worin besteht überhaupt das vorrangige Interesse, den Goldpreis nach unten zu drücken? Ist es der „psychologische Faktor“, der dem Gold für das Börsengeschehen insgesamt zukommt? Wie äußert sich dieser „psychologische Faktor“?

Folker Hellmeyer: Paul Volcker, der Vorgänger Alan Greenspans an der Spitze der Fed, betonte vor nicht allzu langer Zeit, dass es sein einziger Fehler gewesen sei, nicht den Goldpreis zu manipulieren, der 1980 auf 850 USD pro Unze emporschoss. Mit anderen Worten sehen Zentralbanker auch heute die Preisbewegung des Golds als Indikator der Stabilität des Finanzsystems. Steigt der Goldpreis schnell und unkontrolliert, so wird dem Markt Schwäche des Systems angezeigt mit entsprechenden Wirkungen auf die Bewertung der übrigen ökonomischen Aktiva. Ergo hat die Politik ein Interesse an dem Desinteresse des Marktes für Gold und Edelmetalle.

Das ist aber nicht alles. Nun wird es investigativ und damit wird es heikel. Der zuvor beschriebene „Gold-Carry-Trade“ (Verschuldung in Gold bei Zentralbanken und Anlage in Aktien/Bonds/BRIC etc.) war bei den „Bullion-Banken“ äußerst „en vogue“! Mithin sind hier voraussichtlich nicht unerhebliche Leerpositionen aufgebaut worden und immer noch gegeben. Im Goldmarkt ergibt sich seit mehreren Jahren eine sinkende Produktion (Ausnahme China). Die Exploration dümpelt mit der Folge, dass die Produktion auch zukünftig mit Ausnahme Chinas sinken wird, da sich Minen im Zeitverlauf erschöpfen. Die Nachfrage ist robust. Wie soll in dieser Konstellation das Gold für die „Shortpositionen“ eingedeckt werden? Ist das ohne Manipulation des Preises möglich? Die Antwort lautet selbstredend „Nein“. Voraussichtlich erhalten hier die großen Banken im Dunstkreis der Wall Street (Ansatz Derivatebuch – JP Morgan) und der City Londons, die im „Gold-Carry-Trade“ aktiv sind, einmal mehr eine Alimentierung durch Zentralbanken und Politik des westlichen Systems.

Diese beiden Interessen sind für mich die entscheidenden Katalysatoren für die Umgangsformen der Politik und der Zentralbanken mit dem Thema Gold. Freie Märkte sind schon klasse, oder?

Das heutige Marktgeschehen betreffend, erklärte Bill Murphy im Juni diesen Jahres, dass die Kraft und Handlungsfähigkeit des PPT allmählich nachlässt.8 Ähnliches äußerte Mike Ruppert in einem Exklusiv-Interview mit MMNews vom 29. April diesen Jahres.9 Sehen Sie auch Anzeichen dafür insbesondere vis-à-vis der Derivatenblase? Immerhin ist von letzterer besonders das Bankhaus JPMorgan Chase betroffen, das keine ganz unwichtige Rolle für die Aktivitäten des PPT zu spielen scheint.

Folker Hellmeyer: Ich stimme Bill Murphy und Mike Ruppert grundsätzlich zu, dass die Handlungsfähigkeit des „PPT“ tendenziell nachlässt.

Ultimativ führen Interventionen gegen die Realität ohnehin nicht zu den gewünschten Resultaten. Kaprizieren wir uns zunächst auf den US-Aktienmarkt. Aktuell liegt die Kurs-Buchbewertung des DAX (5.400) bei knapp über 140%. Der S&P 500 (1.006) offeriert eine Kurs-Buchbewertung von mehr als 205%. Diese Divergenz lässt sich definitiv nicht mit den vertrauensvolleren Bilanzierungsstandards in den USA begründen. Sie können ja Spaß verstehen, oder? Das ist übrigens ein impliziter Beleg für die Aktivität des „PPT“. Mit anderen Worten kommt man irgendwann an die Grenzen der Manipulierbarkeit, wenn man nicht jedwedes Vertrauen riskieren will.

Im Gold liegt der Fall anders. Das Problem für die fortgesetzte Manipulation besteht bei Gold darin, dass Gold grundsätzlich nicht gedruckt werden kann. Mit anderen Worten erschöpfen sich die physischen Bestände im Zeitverlauf. Deswegen werden derzeit ETFs/ETCs aufgelegt, die keine physische Auslieferung vorsehen (u.a. Barclays). Vor diesem Papiergold kann nur gewarnt werden. Lediglich ETFs/ETCs mit physischer Auslieferungsgarantie sind akzeptabel. Nachdem Gordon Brown sich in seiner Funktion als Schatzkanzler mit Goldverkäufen bei 250 -300 USD pro Unze bereits vollständig der Lächerlichkeit preisgegeben hat, stehen hier weitere politische Protagonisten nicht mehr Schlange. England, Kanada und Australien haben ihre Goldbestände zu größten Teilen atomisiert. Wir wünschen diesen Ländern mit ihren erworbenen USD viel Vergnügen.

Was ich sagen will ist, dass die Schwäche des US-zentrischen Finanzsystems auch eine Schwäche des „PPT“ bedingt. Die Tatsache, dass die Existenz und das Procedere des „PPT“ bekannt sind, nimmt dieser Veranstaltung Teile ihres Einflusses. Der Mangel an physischen Metall bei den Zentralbanken wird die Handlungsfähigkeit des „PPT“ in dem Goldsegment beschneiden.

James Turk, der Gründer von goldmoney.com, und Trace Mayer von “Seeking Alpha“ sehen überdies Möglichkeiten, dass die Commodity Exchange (COMEX) an die Grenzen ihrer Leistungskapazitäten stößt, was zur Implosion des ganzen Manipulationssystems führen kann, insofern offenbar werden dürfte, dass den Bullion Banken in London und Zürich bei weitem nicht soviel Gold zur Verfügung steht, wie laut Papier ausgewiesen wird.10 Nehmen wir zunächst einmal an, dem käme so: was würde das für Konsequenzen haben? Und für wie wahrscheinlich halten Sie dieses Szenario?

Folker Hellmeyer: Wenn man sich allgemein mit den Standards am US-Finanzmarkt, unter anderem „Naked Short Selling“, befasst, stellt man sich die Frage, wie es sein konnte, dass Profis die US-Standards als erstrebenswert erachteten. Das gilt auch für die COMEX und ihre Leistungsfähigkeit der Belieferung. Eine Implosion ist vor diesem Hintergrund denkbar. Ich erachte sie jedoch bis Ende 2010 für nicht wahrscheinlich. Die obwaltenden Kräfte auf G-10- Ebene haben hier aktuell noch zu synchrone Interessen. Ende 2010 müssen wir schauen, wo wir ökonomisch und strukturell stehen, bevor eine weitere Analyse sinnvoll ist. Langfristig erwarte ich, dass die USA nicht die Rohstoffleitbörsen stellen werden. Es wird Alternativen außerhalb der USA geben, die die Standards liefern werden, die nicht nur für bevorzugte Eliten Vorteile bringen, sondern für die Teilnehmer dieser Veranstaltung.

Angesichts solcher Entwicklungen: würden Sie Anlegern hic et nunc einen massiven Kauf von physischem Gold und Goldminenaktien empfehlen?

Folker Hellmeyer: Ich empfehle Gold als Teil der Anlagen seit 2001. Das gilt umso mehr hier und jetzt. Insgesamt ist in einer monetären Krise der Fokus auf reale Werte der beste Schutz der Anlagen. Hier gilt es einen sinnvollen Mix herzustellen. Edelmetallquoten von mindestens 15% sind dabei zulässig. Je nach „Sportlichkeit“ darf das Portfolio im Edelmetall auch größer ausfallen. Physischer Besitz ist aber absolut unverzichtbar. Papiergold ist im Extremfall eben nur Papier …

Zwei abschließende Fragen, Herr Hellmeyer. In Ihrem Buch weisen Sie darauf hin, dass sich der damalige Finanzminister Hank Paulson in einem Interview vom August 2007 wie folgt äußerte:

We’ve reenergized the President’s Working Group on Financial Markets. I think it is my job to talk regularly to market participants but also to talk regularly to key regulators and make sure that we are seeing the same issues, the same problems, working toward the same solutions.”11

Das hört sich ganz danach an, als wäre das Gespenst PPT tatsächlich existent. Von einer „Verschwörungstheorie“ kann wohl kaum mehr die Rede sein, oder? Und was ist eine „Verschwörung“ eigentlich anderes als eine Verabredung bzw. Absprache hinter verschlossenen Türen?

Folker Hellmeyer: Sie treffen den Nagel auf den Kopf. Das „PPT“ ist existent. Mit Verschwörungstheorie hat die Existenz nichts zu tun! Interessant ist die Frage, ob es sich nach US-Recht um ein Kartell handelt. Schlussendlich stellen diese Verabredungen Vorteile der anwesenden Banken gegenüber dem Rest des US-Bankenmarkts dar.

Vielen Dank für Ihre Ausführungen, Herr Hellmeyer!

QUELLEN:


[1] siehe Folker Hellmeyer: „Endlich Klartext! Ein Blick hinter die Kulissen unseres Finanzsystems“, Finanzbuch Verlag, München 2008, Seite 59, 61, 63.

[2] vgl. Caroline Baum: „Amerikanische Finanzmärkte. Manipuliert das Plunge Protection Team die Kurse?“ auf www.faz.net vom 28. März 2003.

[3] vgl. John Kenneth Galbraith: „Der große Crash 1929“, Finanzbuch Verlag, München 2009, Seite 25.

[4] Veröffentlicht auf der Website der Präsidentenbibliothek von Ronald Reagan unter: http://www.reagan.utexas.edu/archives/speeches/1988/031888d.htm

[5] siehe Michael C. Ruppert: “The Gathering Storm“, veröffentlicht am 7. Juni 2002 unter: http://www.fromthewilderness.com/free/ww3/070802_alert.html

[6] ebd.

7 siehe Lara Crigger: “Manipulation of the Gold Market”, Interview mit Bill Murphy, veröffentlicht am 5. Juni 2009 unter: www.hardassetsinvestor.com/features-and-interviews/1/1604-bill-murphy-manipulation-of-the-gold-market.html

8 ebd.

9 siehe Lars Schall: „Die sinkende Titanic“, Interview mit Michael C. Ruppert, veröffentlicht am 29. April unter: http://www.mmnews.de/indexphp/200904292838/MM-News/Die-untergehende-Titanic.html. „Das PPT ist derzeit völlig überfordert. Dieser Kollaps war wie ein Tsunami und hat das PPT weitestgehend nutzlos gemacht. Es war in der Lage künstlich zu intervenieren, um Einbrüche des Aktienmarktes zu verhindern, wenn es nur um einige Milliarden Dollar ging. Nun, wo es aber um Billionen geht, kommt dem PPT keine allzu große Bedeutung zu. Streng genommen ist das amerikanische Finanzministerium (nahezu Eigentum von Goldman Sachs) schon selbst ein PPT mit zunehmender Ineffizienz. Die U.S.A. erlebt aktuell die größte ,Sucker Rally’ aller Zeiten.“

10 vgl. „GoldMoney’s James Turk Reports On Getting Real Metal“, 10. Oktober 2008, unter: http://www.gata.org/node/6756, sowie des Weiteren Trace Mayer: “Potential COMEX Gold Fail”, 19. Juni 2009, unter: http://www.seekingalpha.com/article/14427-potential-comex-gold-fail

11 siehe Hellmeyer: „Endlich Klartext!“, Seite 61.

 

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