„Wir sind in keiner Erholung“

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Die Autorin und Journalistin Nomi Prins („It Takes a Pillage“) erklärt in einem Exklusiv-Interview ihre Sicht auf die Unruhen im Nahen Osten, die Ursachen für den steigenden Ölpreis und die großen Geschichten in den Edelmetall-Märkten.

Von Lars Schall

Nomi Prins wuchs im US-Bundesstaat New York auf. Nach ihrem ihrem Universitätsstudium der Mathematik und Statistik arbeitete sie für Chase Manhattan, Bear Stearns in London und als Managing Director bei Goldman Sachs an der Wall Street. Nachdem sie die Finanzbranche verließ, wurde sie eine herausragende Finanzjournalistin, die drei Bücher geschrieben hat, darunter das sehr zu empfehlende Werk „It Takes a Pillage: Behind The Bailout, Bonuses, and Back Room Deals from Washington to Wall Street”, das im September 2009 bei Wiley veröffentlicht wurde.

Sie ist ein Senior Fellow bei „Demos“ (http://www.demos-usa.org/) in New York City, gab bislang zahlreiche TV-Interviews unter anderem auf BBC World, BBC, Russia TV, CNN, CNBC, CSPAN und Fox, und ihre Artikel erscheinen beispielsweise in der New York Times, Fortune, Newsweek, The Nation, The American Prospect sowie dem Guardian in Großbritannien. Ihre Website ist: http://www.nomiprins.com/.

Nomi Prins lebt in Los Angeles, Kalifornien.

Das nachfolgende Interview, das das erste seiner Art für eine deutsche Publikation darstellt, ist ein Exklusiv-Beitrag für Goldseiten.de und LarsSchall.com.

Zusätzlich zu diesem Interview möchten wir dieses „Info-Schall“-Audiovideo mit Nomi Prins und William K. Black empfehlen, „Die Krise ist nicht im Entferntesten vorbei“:

Frau Prins, Sie haben in der jüngsten Vergangenheit über Gründe für den Aufstand im Mittleren Osten und anderswo geschrieben (i) – und ein wichtiger Faktor sind für Sie die steigenden Rohstoff-und Nahrungsmittelpreise. Warum das?

Nun, zunächst gibt es definitiv ein zeitliches Verhältnis zwischen den Aufständen, die wir im Nahen Osten sehen, und dem Anstieg der Rohstoffpreise – bei allem von Zucker zu Baumwolle bis Öl, und umgekehrt gibt es einen zusätzlich hochtreibenden Effekt auf die Rohstoffpreise wegen der Revolution selbst. Ein Großteil des Anstiegs der Rohstoff- und Nahrungsmittelpreise, die wiederum Gegenstände des Grundbedarfs der Menschen einschließen, können mehr dem spekulativem Kapital und dem Investorenbedürfnis nach schnellen Gewinnen durch den Einsatz von synthetischen Handelsinstrumenten zugerechnet werden, statt dem Problem von einfachem Angebot und Nachfrage der physischen Rohstoffe, was der Grund dafür ist, dass sich ein Großteil der Medien darauf konzentriert, wenn sie über den Grund für die steigenden Preise reflektieren.

Selbst die Vereinten Nationen weisen in ihrem jüngsten Bericht vom Januar darauf hin, dass sich ihre Nahrungsmittel- und landwirtschaftlichen Preisindizes auf historischen Höchstständen befinden, und als Erklärung nennen sie – Angebot und Nachfrage rund um den Globus. Ich denke aber, dass der Anstieg viel mehr im Zusammenhang mit der Zunahme des Volumens der Spekulation in Lebensmitteln und anderen Waren steht, die sie und andere ignorieren. Und das wiederum hat leider eine negative Auswirkung auf die Menschen, die gezwungen sind für bestimmte Artikel mehr bezahlen zu müssen, denn wenn sich die Termin- oder Optionsmärkte oder Indizes, die auf Rohstoffe lauten, aufgrund spekulativen Kapitals erhöhen, treibt das in einer Art Teufelskreis auch die echten Preise für Lebensmittel hoch, und das bedeutet, dass die Menschen, die diese Dinge kaufen, negativ durch die Marktkapitalisierung beeinflusst werden. Das Handelsvolumen mit Rohstoffen wie Lebensmittel, Öl und Edelmetalle ist gestiegen, weil dieser Bereich derzeit wirklich der einzige Ort ist, an dem die Anlegerklasse Chancen zum Geldverdienen sieht, und es schert sie nicht wirklich, wer höhere Preise für ihr Bedürfnis zum Scheffeln von Gewinnen zu zahlen hat.

Glauben Sie hinsichtlich des Aufstands im Mittleren Osten, dass dies tatsächlich ein spontaner Aufstand ist, oder haben die USA ihre Hand hinter den Kulissen in einem größeren Umfang im Spiel, als dies allgemein anerkannt wird? (ii)

Ich glaube nicht, dass die Vereinigten Staaten direkt den Aufstand verursachen, die Vereinigten Staaten haben Hosni Mubarak in Ägypten seit Jahrzehnten unterstützt. Aber indirekt schoben die Vereinigten Staaten eine wirtschaftliche und finanzielle Agenda an, mit der sie explizit oder implizit eine Deregulierung ihrer Bankenbranche beförderten, was wiederum die nationale und globale Wirtschaft schwächte. Die Branche wurde bei ihren rücksichtslosen Praktiken von der Federal Reserve durch die Rettung und die Subventionierung unterstützt, indem Billionen von Dollar an Schulden aufgeboten wurden, um notleidende Aktiva zu erwerben und zu garantieren.

Diese Schulden machen den Wert des Geldes billiger. Dieses billige Geld stimuliert Investoren dazu, die Rohstoffpreise, über die wir gerade sprachen, zu erhöhen, und das tut den Leuten weh. Darüber hinaus begannen speziell ab 2004 Ägypten und anderen Länder ihre finanziellen Grenzen zu öffnen, damit ausländische Investoren, Banken, außerbörsliches Eigenkapital, Hedge-Fonds und so weiter aus den USA und Europa hineinkamen, um große Anteile an ihren Banken aufzukaufen, womit einige ihrer Schlüsselindustrien und Teile des Finanzsystems privatisiert wurden. Externe Unternehmen konnten internationales Kapital in ihren Ländern investieren, jedoch ohne es dort für die langfristige Entwicklung oder nachhaltige Schaffung neuer Arbeitsplätze für die lokale Bevölkerung halten zu müssen.

Interessant für mich ist zu sehen, dass das ägyptische Ministerium für Investitionen sagte, dass sich das Volumen an der ägyptischen Börse in den letzten fünf Jahren als Folge der Öffnung Ägyptens für die internationalen Kapitalmärkte um das Zwölffache erhöhte. Und obwohl andere Länder im Mittleren Osten dies nicht in gleichem Maße wie Ägypten taten, versuchten auch sie mehr internationales Kapital freier in ihre Länder einzuladen. Die Weltbank und die Internationale Finanz-Corporation geben einen Bericht heraus, der Entwicklungsländer in Bezug darauf bewertet, wie sehr sie offen sind für Investitionen von außerhalb, dafür, dass finanzielle Interessen von außerhalb in ihre Länder kommen, und Ägypten rangierte in den letzten vier von fünf Jahren in den Top 10 dieses Berichts.

Das Ergebnis der weltweiten Depression, die 2008 einsetzte, ist, dass eine Menge des Kapitals, das in diese Länder auf der Suche nach schnellem Profit hineinging, gleich wieder herauskam, dass Investitionen von außerhalb stoppten, ausländisches Kapital floh, und die künstliche Blase, die vorübergehend erzeugt wurde, platzte, so dass die sich entwickelnden Volkswirtschaften zerfielen. Die Folge ist, dass Menschen, die bereits zuvor gelitten hatten, die bereits zuvor Schwierigkeiten auf der Suche nach Arbeitsplätzen besaßen, dementsprechend noch viel weniger in der Lage waren, sie zu finden. Die junge Bevölkerung im ganzen Mittleren Osten – 25 bis 40 Prozent der Bevölkerungen sind unter dem Alter von 30 Jahren – kann keine guten Arbeitsplätze finden. Zum Aufstand kam es aufgrund der Verzweiflung, die dieser Situation innewohnt: hohe Arbeitslosigkeit, hohe Preise für Waren, hohe Lebenshaltungskosten und keine finanziell stabile Zukunft. Diese Verzweiflung ist greifbarer aufgrund des Verhaltens des spekulativen Kapitals, als es das sonst gewesen wäre.

Und ja, es sind diktatorische und korrupte Regime in der Region, aber diese sind in Bezug auf den Aufstand zeitlich gekoppelt mit spekulativem Kapital und internationalen Investitionen und der allgemeinen globalen Blase und Pleite, die die Bürger dieser Länder unterdrücken, was die Revolutionen, die stattgefunden haben, weiter katalysierte. Und ich glaube, dass wir diese Entwicklungen nicht nur im gesamten Mittleren Osten und in Afrika sehen werden, sondern auch in Mittel- und Südamerika, wo wir eine vergleichbare Art der wirtschaftlichen Situation haben.

Ebenso in den Vereinigten Staaten?

Ja, dies ist ein sehr guter Punkt, auch in den Vereinigten Staaten. Und in Europa. In den Vereinigten Staaten sehen wir gerade die Sache, die einer Revolution am nächsten kommt, das sind die Proteste, die im Staate Wisconsin aufgrund des Wunsches des Gouverneurs vor sich gehen, einen Haushalt zu verabschieden, der Leistungen kürzt, einschließlich Renten und bestimmte Kosten für das Gesundheitswesen von Leuten wie Lehrern. Die zentrale Frage ist die der Arbeiterschaft im Vergleich zu den reicheren Interessen. Eine der anderen Sachen, die Scott Walker, der Gouverneur von Wisconsin, tun will, ist das Beseitigen der kollektiven Verhandlungsmacht der öffentlichen Arbeitnehmer, was bedeutet, dass sie in Zukunft eine geringere Fähigkeit haben werden, ihre Verträge auszuhandeln und sich zu schützen. Er will auch die Verpflichtung, einer der Gewerkschaften anzugehören und damit Gewerkschaftsbeiträge innerhalb von Wisconsin bezahlen zu müssen, beseitigen, was die Macht der Gewerkschaften vom Verhandlungsstandpunkt schwächt. (iii)

Es gibt zwei Arten von Staaten – nun, es gibt verschiedene Möglichkeiten, um die Staaten in den USA zu kategorisieren, aber es gibt eine Bezeichnung für bestimmte Staaten, die die Konservativen „Recht auf Arbeit-Staaten“ nennen. Das bedeutet genau das Gegenteil von dem, was es impliziert. Ein „Recht auf Arbeit-Staat“, von denen es 22 gibt, erlaubt es öffentlichen Arbeitnehmern, den Beitritt zu einer Gewerkschaft zu vermeiden, und nimmt die Fähigkeit, kollektiv Tarifverhandlungen zu führen. Was „Recht auf Arbeit“ bedeuten sollte, ist das Recht auf Arbeit in Würde und die Fähigkeit, Vergütungen und Sozialleistungen festlegen oder zumindest von einem gewissen Punkt der kollektiven Stärke verhandeln zu können.

Viele der Bürger von Wisconsin protestieren gegen Walkers Wunsch nach Beseitigung der Macht der Arbeiterschaft, ein Mitspracherecht bei ihrer eigenen finanziellen Zukunft zu haben, da sie wissen, dass es weder die Gewerkschaften und die Arbeitnehmer sind, die Haushaltsprobleme verursachen, noch die Kosten für ihre Leistungen, sondern die vielen Steuerschlupflöcher, die die Unternehmen genießen und die sie davon abhalten, einen fairen Anteil an den Steuereinnahmen für den Staatshaushalt bereitzustellen, oder die Möglichkeit, dass diejenigen mit dem meisten Geld bestimmen können, was mit denjenigen geschehen soll, die am wenigsten haben. Das sind also gemeinsame Probleme in den Vereinigten Staaten und auf der ganzen Welt, von denen wir gesehen haben, dass sie in Revolutionen im Mittleren Osten und Nordafrika resultierten.

Was sind Ihre Gedanken zur Aufwärtsbewegung des Ölpreises und damit zu den Erwartungen für die Wirtschaft insgesamt? Wie Sie wissen, definieren Physiker Energie als die Fähigkeit, Arbeit zu verrichten, und das Finanzsystem, wie es heute ist, erfordert unendliches Wachstum von der realen Wirtschaft, um überleben zu können – das ist also ein kleines Problem, nicht wahr? (iv)

Das Problem mit den Ölpreisen, und mit Rohstoffpreisen im Allgemeinen, ist, dass jene, die das tatsächliche physische Öl oder die tatsächlichen physischen Rohstoffe abwickeln, nicht die gleichen Leute sind, die damit auf dem freien Markt handeln. Mit den jüngsten Unruhen im Mittleren Osten besteht die offizielle Meinung der Mainstream-Medien zur Zunahme der Ölpreise darin, dass befürchtet wird, dass die Aufstände zu einem Würgegriff bezüglich des Öls führen könnten, das in verschiedenen Ländern wie Libyen und so weiter produziert und extrahiert wird.

Jedoch ist ein anderer großer Teil der Aufwärtsbewegung bei den Ölpreisen das Volumen der Spekulation, die sich diese verewigten Gründe zunutze macht. Die Investitionsgelder, die auf den Preis von Öl-Futures wetten, treiben wiederum die tatsächlichen Preise für Rohöl hoch. Auch das wird letztlich den Portemonnaies der Leute schaden, die die Kosten für die Dinge zahlen müssen, die auf Öl basieren, während die Spekulanten, die den Ölpreis noch stärker erhöhen, als Angebot und Nachfrage das nahelegen würden, ihre Gewinne mitnehmen und abhauen, um die Leute, die es benötigen, oder die Firmen, die es benutzen und ihrer Auslagen weitergeben, auf den höheren Kosten sitzen zu lassen.

Selbstverständlich gibt es Unternehmen, die kein Problem damit haben. Exxon Mobil und internationale Ölgesellschaften kümmert es nicht wirklich, ob es an einem bestimmten Tag vielleicht weniger Produktionskapazitäten gibt, weil sie in der Lage sind, ihre Kosten an die Personen weiterzugeben, die ihre raffinierten Ressourcen benutzen, und sie handeln ebenfalls mit Öl-Futures und profitieren unabhängig davon, ob der Ölpreis nach oben oder unten geht, was ein Problem für die Verbraucher darstellt.

Im Lichte dieser Entwicklungen: Was sind Ihre Erwartungen für Edelmetalle und was ist Ihre Meinung bezogen auf eine der großen Geschichten im Edelmetallsektor dieser Tage – den Silber-Shorts?

Die Silber-Shorts sind in der Tat eine interessante Geschichte gewesen, die im Grunde in den letzten paar Jahren im Internet berichtet wurde, dabei zumeist fokussiert auf den SLV-Exchange Traded Fund, der auf Silber basiert, dessen Depotbank des Silbers, das angeblich die Anteile deckt, JP Morgan ist. Heute zum Beispiel haben wir gesehen, dass 42 Millionen Anteile dieses ETFs gehandelt wurden. Diese Art von Volumen ist teils auf den allgemeinen Anstieg der Investitionen und Spekulationen mit Rohstoffen zurückzuführen, teils, weil Silber derzeitig als eine fast inoffizielle Währung angesehen wird, wie Gold, wenn auch mit mehr industriellen Verwendungen als beim Gold.

Man kommt nicht auf 42 Millionen Aktien des größten Silber-ETFs, der angeblich über ausreichende Mengen an Silber-Deckung verfügt (obwohl ein Teil der Silber-Short-Geschichte der ist, dass es nicht klar ist, wie viel physisches Silber wirklich als Abdeckung vorhanden ist, von daher könnte JP Morgan Silber hinter den Kulissen verkaufen, um so den Preis so niedrig zu halten, wie sie können, um zu verhindern, dass SLV-Aktionäre große Mengen davon zu höheren Preisen einlösen, die JP Morgan zahlen müsste, um das Silber bereitzustellen), ohne eine Menge an begleitenden Handel – Index-Handel, Hedge-Fonds-Handel und so weiter – auf dem Wege. Dies alles trägt dazu bei, das Volumen und den Preis zu steigern, und falls es einen massive Engpass im Silbermarkt gibt, können die Dinge sehr chaotisch werden, wenn die Shorts sich umorientieren und Silber kaufen müssen – es würde die Preise sogar noch höher treiben, und das sehr schnell.

Zum Beispiel habe ich mir bei dem reduzierten Silberangebot heute die Kataloge auf der Website der US-Münzprägeanstalt angesehen (die US-Mint schafft neue Münzen, von denen manche in Umlauf kommen, und einige andere sind Sammler-Münzen, die nicht in Umlauf kommen, wie die unzirkulierenden American Eagle Silbermünzen). Und sie haben effektiv die Produktion dieser Münzen eingestellt, tatsächlich sagt die US-Mint auf ihrer offiziellen Webseite, dass sie die Produktion der unzirkulierenden American Eagle Silbermünzen nicht wieder aufnehmen werden, bis sie genug Silber haben, um all die verschiedenen Arten von ihnen herstellen zu können, die in der Vergangenheit zum Standard gehörten. (v)

Der US-Mint ist also im Grunde ausreichend Silber ausgegangen, um die Nachfrage der physischen Silber-Investoren und -Spekulanten erfüllen zu können. Und der SLV-ETF ist mittlerweile der am höchsten gehandelte Vertreter für Silber geworden, und weil es, noch einmal gesagt, nicht klar ist, wie viel Silber den SLV-ETF deckt, suchen die Menschen nach anderen Wegen, um Silber zu kaufen, was ein anderer Grund für den Preisanstieg ist, wie er von der Angebots- und Nachfrage-Situation der US-Mint zusätzlich zu der Angebots- und Nachfragesituation bei den nicht-physischen Spekulanten gekennzeichnet wird. Und ich denke, dass das auch weiterhin die Preise hochtreiben wird, begleitet von Gewinnmitnahmen, die sie kurzzeitig hier und dort dämpfen werden.

Zurzeit ist gerade sehr viel von einer hortenden Mentalität vorhanden, eine Blase, die sich mit künstlichen Fonds wie dem SLV selbst fortsetzt. Wenn die Aktionäre sich wirklich entscheiden, große Mengen ihrer Aktien für physisches Silber einzutauschen, oder wenn JP Morgan gezwungen ist, transparent zu machen, was sie wirklich im Vergleich zu ihrem ETF an Silber halten, werden wir einen interessanten Punkt erreichen. Im Moment denke ich, gibt es noch eine Menge Kaufrausch für jegliche Form von Silber, die sicherlich die beim Gold übertrifft, obwohl Gold offiziell als potenzielle Reservewährung angesehen wird und Silber nicht.

Denken Sie generell, dass beide Metalle noch viel höher steigen werden?

Ja, ich glaube, das werden sie. Es gibt eine grundlegende Schwäche der Weltwirtschaft. Es gibt eine grundlegende Schwäche der US-Wirtschaft. Der Federal Reserve-Vorsitzende Ben Bernanke, Präsident Obama und Finanzminister Geithner reden alle über diese Erholung, in der wir uns angeblich befinden. Offenbar sind wir für sie in einer Erholungsphase seit Mitte 2009 gewesen, aber echte Menschen sehen das nicht. Je weniger sie Arbeitsplätze finden, je länger sie aus Arbeitsverhältnissen heraus sind, desto teurer es für ist, Lebensmittel, Benzin und andere grundlegende Dinge zu kaufen, einschließlich ihre Gesundheitsversorgung, und je mehr Leute von Zwangsvollstreckungen inmitten des Monats mit den niedrigsten Immobilienpreisen konfrontiert werden, seit diese „Erholung“ offiziell begann, desto klarer erkennbar ist, dass wir in keiner Erholung sind.

Wir sind in einer schwachen, nicht in einer stabilen Situation trotz all diesem Gerede. Der Dollar ist schwach, und das zieht Geld beispielsweise aus den Taschen der Amerikaner, die mehr für eingeführte Dinge bezahlen und weniger für exportierte Dinge erhalten. Außerdem sind unsere Staatsschulden von $ 5,4 auf $ 9,4 Billionen innerhalb von zwei Jahren hochgegangen, das ist eine außerordentliche Menge und Erhöhung. Das sind Schulden, mit denen die Regierung ihre eigene Währung kauft und ihre eigenen Schulden zirkulieren lässt, aber es geht nicht raus in die reale Wirtschaft. Solange das der Fall ist, solange die Wirtschaft schwach ist und immense Schulden verwendet werden, um den Dollar zu stützen, und solange spekulatives Kapital existiert, das nach halbwegs sicheren Investitionen sucht, zumindest kurzfristig, wird der Metall-Markt weiter nach oben gehen. Es könnte Tage geben, wo er auf der Basis von Gewinnmitnahmen oder aus anderen Gründen runtergeht, aber im Allgemeinen wird er höher klettern.

Eine weitere große Geschichte, jedenfalls in der alternativen Finanz-Medienszene, ist die Bemühung des Gold Anti-Trust Action Committee, GATA, eine unabhängige Prüfung der US-Goldreserven herbeizuführen, und auch um herauszufinden, ob die US-Notenbank, die Fed, geheime Swap-Vereinbarungen mit anderen Zentralbanken im Zusammenhang mit Gold und vielleicht auch Silber unterhält. Was ist Ihre Meinung dazu?

Nun, die Federal Reserve ist in der Regel zurückhaltend bei allen Überprüfungen. Die Tatsache, dass sie zwei Jahre brauchten, um bestimmte Einzelheiten ihrer Bilanz nach den Rettungsaktionen und der Subventionierung des Bankensystems zu offenbaren, zeigt, dass die Fed sorgfältig entscheidet, welche Informationen sie der Öffentlichkeit anbietet, im Gegensatz zu einer, sagen wir, unabhängigen Stelle, die eine saubere Prüfung und Offenlegung ausübt. Die Informationen der Fed waren einigermaßen nützlich, die bestimmte zusätzliche Details bereitstellten, aber man muss die Quelle in Frage stellen. Es ist im Interesse der Fed, ihre Handlungen erfolgreich erscheinen zu lassen.

In Bezug auf Gold wäre es sicherlich hilfreich, ihre wahre Position zu kennen, weil die Fed diese Geheimhaltung und Intransparenz über den Zustand von Fort Knox betreibt. Es hat keine Überprüfung seit mehr als 50 Jahren gegeben. Gerade jetzt mit dem globalen wirtschaftlichen Chaos, das vor sich geht, macht es durchaus Sinn, auf die Fed Druck auszuüben, um ihre Karten zu zeigen. Das gesagt habend, bezweifle ich, dass eine vollständig unabhängige Prüfung passieren wird, obwohl der Mangel an Transparenz mehr Angst und Unsicherheit zu schaffen neigt, und wenn doch, dann wird es eine lange Zeit brauchen.

Eine „naive“ Frage in Bezug auf dieses Problem: Wenn man nichts zu verbergen hat, kann man völlig offen darüber sein, richtig?

Das ist sehr wahr. Bezogen auf die Stützung des US-Bankensystems versprach die Fed, alles zu veröffentlichen, jedoch wurden nur ausgewählte bestimmte Elemente offenbart. Es ist wahrscheinlich, dass dasselbe beim Gold eintreten würde, selbst wenn es eine Prüfung gäbe. Meine Vermutung ist, dass wir einen Rückgang des Goldes vorfinden würden.

Offiziell hat Deutschland die zweitgrößten Goldreserven der Welt. Rund 66 Prozent des Gesamtbetrages befinden sich in den Gewölben der New Yorker Fed. Denken Sie, dass Deutschland seine Goldreserven von New York City nach Frankfurt verlegen sollte, nur um in der Zukunft auf der sicheren Seite zu sein?

Nun, ich würde nicht 66 Prozent mein Goldes bei der Fed behalten. (lacht.)

Ja.

Wenn ich Deutschland wäre und davon Kenntnis nähme, was los ist in der globalen Wirtschaft, in der US-Wirtschaft, und wie die Fed künstlich die Dinge abstützt, würde ich meine Gold-Vermögenswerte abziehen wollen. Ich würde greifbare physische Vermögenswerte in meinem Besitz haben wollen. Ich sehe nicht, warum die deutsche Zentralbank das nicht tun wollen würde. Es macht einfach keinen Sinn für mich.

Letzte Frage: Ist es für Sie ein großes Problem unserer Zeit, dass wir Währungen haben, die durch nichts oder nur durch ein Versprechen gedeckt werden, die Schulden zurückzuzahlen? Und auch, dass eine quasi-private Organisation wie die Fed Geld aus dem Nichts schaffen kann und die Weltleitwährung in der Hand hält?

Ich denke, die Tatsache, dass die Fed nicht nur in der Lage ist, Geld aus dem Nichts zu drucken, sondern dass sie auch wesentlich das Drucken dieses Geldes, das durch kein greifbare Gold oder Silber oder sonst irgendetwas in dieser Angelegenheit gedeckt wird, erhöht hat, hat das Problem der Verwendung von Schulden zur Finanzierung der globalen Spekulation und einer globalen Wirtschaft, die überwiegend auf Papier basiert, übertrieben. Ein hoher Prozentsatz des BIP von vielen Ländern steht mit nichts Anderem als mit Finanzdienstleistungen im Zusammenhang. Jede Art von Quasi-Schulden, die verwendet werden, um Transaktionen zu erleichtern, die nichts Wirkliches hinter sich stehen haben, tauchen also im Börsen- oder Rohstoff-Futures oder Options-Volumen auf, aber das ist nicht die reale Wirtschaft. Papier-Gewinne übersetzen sich nicht in die Löhne, die den meisten Menschen Nahrung liefern. Diese sind nicht wirkliche Dinge, sondern nur billig geliehenes Geld, das sich temporäre Orte zum Aufhalten sucht. Angesichts der zunehmenden Versorgung mit billigem Geld und dem Fehlen der Verpflichtung von Sachanlagen dahinter, hat sich die globale Papier-Wirtschaft tatsächlich seit Herbst 2008 trotz der Aussagen der führenden Vertreter der Finanzwelt, dass sie die Katastrophe zerstreut haben, beschleunigt, und das ist in der Tat ein sehr gefährlicher Stand der Dinge.

Vielen Dank für Ihre Zeit, Frau Prins!

Quellen:

i Siehe Nomi Prins: “Egypt’s Uprising: Direct Response to Ruthless Global Capitalism“, veröffentlicht auf Alternet am 4. Februar 2011 unter:

http://www.alternet.org/story/149793/the_egyptian_uprising_is_a_direct_response_to_ruthless_global_capitalism/,

und “Egypt Needs an Economic Revolution and the US could learn from its unrest“, veröffenlicht auf New York Daily News am 13. Februar 2011 unter:

http://www.nydailynews.com/opinions/2011/02/13/2011-02-13_time_for_an_economic_revolution.html

ii Vgl. zum Beispiel DJ Pangburn: “Wikileaks: U.S. Government Behind Egypt Revolution?“, veröffentlicht auf Death and Taxes am 4. Februar 2011 unter:

http://www.deathandtaxesmag.com/50553/wikileaks-u-s-government-behind-egypt-revolution/

Siehe auc “Egypt protests: secret US document discloses support for protesters“, veröffentlicht auf The Telegraph am 28. Januar 2011 unter:

http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/africaandindianocean/egypt/8289698/Egypt-protests-secret-US-document-discloses-support-for-protesters.html,

und Mahdi Darius Nazemroaya: “Libya: Is Washington Pushing for Civil War to Justify a US-NATO Military Intervention?“, veröffentlicht auf Global Research am 24. Februar 2011 unter:

http://www.globalresearch.ca/index.php?context=va&aid=23375

iii Vgl. zum Beispiel David Bailey / Stefanie Carano: “Wisconsin governor unveils deep spending cuts“, veröffentlicht auf Reuters am 1. März 2011 unter:

http://www.reuters.com/article/2011/03/02/us-wisconsin-budget-idUSTRE72041C20110302

Der Bericht besagt: „Wisconsin Republican Gov. Scott Walker unveiled a budget that makes deep cuts in spending on Tuesday, and he said the cuts could be even worse if Democrats continue to block his plan to curb the power of public sector unions.

Walker, whose proposal to restrict collective bargaining sparked huge protests and a nationwide debate, said his budget would reduce state spending by 6.7 percent and slash more than 21,000 state jobs.“

iv Vgl. zum Beispiel Jeff Rubin: “Only A Recession Stands in the Way of $200 Oil“, veröffentlicht auf Jeff Rubin’s Smaller World am 2. März 2010 unter:

http://www.jeffrubinssmallerworld.com/2011/03/02/only-a-recession-stands-in-the-way-of-200-oil/

v Vgl. “American Eagle Silver Uncirculated Coin“ unter:

http://catalog.usmint.gov/webapp/wcs/stores/servlet/CategoryDisplay?catalogId=10001&storeId=10001&categoryId=13738&langId=-1&parent_category_rn=10191&top_category=10191,

wo erklärt wird: “Production of United States Mint American Eagle Silver Uncirculated Coins continues to be temporarily suspended because of unprecedented demand for American Eagle Silver Bullion Coins. Until recently, all available silver bullion blanks were being allocated to the American Eagle Silver Bullion Coin Program, as the United States Mint is required by Public Law 99-61 to produce these coins ‚in quantities sufficient to meet public demand . . . .’“

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