“Wir sind inmitten einer epochalen tektonischen Verschiebung” – Teil 1

Empfehlen / Bookmarken

Angesichts der Tatsache, dass der Ölpreis in diesen Tagen auf starkes Interesse stößt, ist es passend ein ausführliches Gespräch mit einem der prominentesten Beobachter des Geschäfts mit dem  “schwarzen Gold” zu haben: F. William Engdahl. In dem folgenden Exklusiv-Interview diskutiert er seine Ansichten über den aktuellen Ölpreis, der Geschichte der Öl-Interessen im 20. Jahrhundert, die wahren Ziele des “Kriegs gegen den Terror”, und last but not least Peak Oil.

Von Lars Schall

F. William Engdahl, geboren am 9. August 1944 in Minneapolis, USA, ist eine amerikanisch-deutscher Journalist, Historiker und wirtschaftlicher Forscher. Er wuchs in Texas auf und arbeitete nach einem Studium an der Princeton University und an der Universität von Stockholm als Ökonom und freier Journalist in New York und in Europa. Sein Hauptgebiet der Forschung ist die Geopolitik des Öls. Neben der Erörterung von Öl-und Energiefragen widmet er sich Fragen der Landwirtschaft, GATT, WTO, IWF, Politik und Wirtschaft seit als 30 Jahren, beginnend mit der ersten Öl- und Welt-Kornkrise in den frühen 1970er Jahren.

Er ist Autor des Bestsellers über Öl und Geopolitik, “Century of War: Anglo-American Oil Politics and die New World Order”, veröffentlicht 1992, erweitert 2004 (auf Deutsch im Kopp-Verlag erschienen.)

Darüber hinaus hat F. William Engdgdahl folgende Bücher verfasst (ebenfalls auf Deutsch im Kopp-Verlag erhältlich):

– “Seeds of Destruction. The Hidden Agenda of GMO”, Centre for Research on Globalization Publishing 2007;
– “Full Spectrum Dominance: Totalitarian Democracy in the New World Order“, Boxboro, MA: Third Millennium Press, 2009;
– “Gods of Money: Wall Street and the Death of the American Century”, edition.engdahl, 2010.

Er ist redaktioneller und wissenschaftlicher Mitarbeiter von Michel Chossudovskys “Centre for Research on Globalization“ (www.globalresearch.ca) und hat an zahlreichen internationalen Konferenzen zu geopolitischen, wirtschaftlichen und energiepolitischen Themen gesprochen.

F. William Engdahl lebt bei Frankfurt am Main und kann über seine Website www.engdahl.oilgeopolitics.net.erreicht werden. Das nachfolgende Gespräch ist der Auftakt eines Exklusiv-Interviews in zwei Teilen für Goldseiten.de und LarsSchall.com.

Herr Engdahl, wird der Ölpreis im großen und ganzen durch massive Spekulation angetrieben? Mike Norman, der Chefökonom der Wall Street Firma John Thomas Financial (http://www.johnthomasbd.com), schrieb mir im Oktober des vergangenen Jahres beispielsweise:

“Die gesamten offenen Kontrakte für Rohöl an der NYMEX entsprechen 1.4 Millionen oder ungefähr 1.4 Milliarden Barrel Rohöl. Das Tagesvolumen von Rohöl, mit dem an der NYMEX gehandelt wird, beträgt über 1 Milliarde Barrel pro Tag. Insgesamt ist die weltweite Nachfrage nur 83 Millionen Barrel pro Tag. Die Menge, die an nur einer einzigen Börse gehandelt wird, beträgt also mehr als das Zehnfache des gesamten täglichen Konsums. Es ist ein riesiges Casino mit Preisen, die durch Spekulanten angetrieben werden, und es sind die Verbraucher, die mehr und mehr zu zahlen haben.“ (i)

Was ist Ihre Meinung dazu?

FWE: Ich schrieb in der Zeit von 2008, als Öl kurzfristig bis zu 147 USD pro Barrel dotierte und Goldman Sachs Kundenberatungen veröffentlichte, dass der Preis schnell auf $ ​​200 gehen würde, und als JP Morgan die chinesische Regierung beriet, dass China “alles physische Rohöl, dass Sie bekommen können”, kaufen sollte, “weil es auf 200 USD gehen wird” – an diesem Punkt schrieb ich, dass etwa 60-70% des Ölpreises damals reine Spekulation war, manipuliert durch den GSCI, den Goldman Sachs Commodity Index. Es ist ein perfektes Szenario, dass sie an der Wall Street erstellt haben, um den Ölpreis unabhängig von Angebot und Nachfrage zu kontrolieren. (ii) Ich würde nur hinzufügen, dass die entscheidende Zutat in diesen Tagen nicht die NYMEX für die globale Ölpreissetzung ist, sondern der ICE Futures in London.

Warum sage ich das? Da der ICE Futures ein Tochterunternehmen des International Commodity Exchange in Atlanta, Georgia ist, der sich im Besitz von Goldman Sachs, Morgan Stanley, JP Morgan Chase usw. befindet – der großen Öl-Banken, die enorm von innen heraus profitieren. Es gibt absolut keine ernsthafte Regulierung des ICE Futures. Die Briten halten ihre Hände fern, und die Commodity Futures Trading Commission der USA, die CFTC, erlaubt seit 2006 im Rahmen des “Commodity Modernization Act 2000″ ICE Futures den Handel von Energie-Termingeschäften  ohne Offenlegung gegenüber der CFTC im US-Markt durch London. Also hat sie in Wirklichkeit den gesamten Terminwarenhandel von Energie, insbesondere von Öl, dereguliert und jeder staatlichen Aufsichtsfunktion entzogen.

Dies ist ein manipuliertes Spiel. Alles, was man jetzt braucht, ist ein plausibles Ereignis wie diesen Verrückten Gaddafi, der durchdreht, oder auch nur eine CNN-Wahrnehmung dessen, um einen Schneeballeffekt in den Terminmärkten loszutreten. Diese Spiele sind selbstverständlich nicht über eine Spanne von zehn Jahren nachhaltig. Letztendlich muss es immer wieder zu Angebot und Nachfrage auf einer bestimmten Ebene zurückkommen, aber die Realität ist, dass es derzeitig eine reine Preis- und Wahrnehmungsmanipulation ist.

Wie sehr ist die gegenwärtige Aufwärtsbewegung des Ölpreises mit den Turbulenzen im Nahen  Osten verbunden?

FWE: Nun, die Aufwärtsbewegung des Ölpreises begann weit vor Weihnachten. Die Hegde-Fonds und Banken, die die NYMEX, den ICE Futures und die Börse in Dubai besitzen und kontrollieren, benutzen die Ereignisse im Nahen Osten. Ich denke, sie wollen sie dazu versuchen zu nutzen, um den Preis vielleicht auf 150 bis 200 USD pro Barrel in den nächsten Monaten zu drücken. Und warum? Um massiven politische Druck auf Deutschland und die Europäische Union auszuüben. Warum sie das tun wollen, ist natürlich eine andere Frage. Aber letztlich, um Druck auf den Schwellenländer-Riesen China auszuüben, der unabhängiger zu handeln beginnt, als sich das einige in Washington wünschen würden.

Im Falle dessen, dass mehrere Ereignisse im Nahen Osten die Versorgung in gravierender Weise unterbrechen: Besitzt die Welt gegenwärtig genug Öl in den Lagern oder an freien Kapazitäten, um diesen Rückgang abzudecken und einen Preisanstieg zu verhindern? Gregor Macdonald schrieb zum Beispiel in einem Artikel mit der Schlagzeile “Kapazitätsreserven-Theorie” (iii):

“In Wahrheit sind die ungenutzten Kapazitäten, die die Welt – die die Öl-Terminmärkte – interessiert, nicht die Lagerbestände. Sondern die tatsächliche Produktionskapazität, die sofort erbracht werden kann.” (iv)

Wie stehen Sie dazu?

FWE: Das Problem ist, dass es keine unabhängige, überparteiliche Autorität auf dem Planeten gibt, die die Gesamtheit des wirklich Verwertbaren an Öl-Kapazitätsreserven kennt. Die Saudis hüten es als ein Staatsgeheimnis und die meisten anderen arabischen OPEC-Staaten hüten es ebenfalls als ein Staatsgeheimnis. Vermutlich haben die NSA und verschiedene Geheimdienste Zugriff auf bestimmte sensible Daten in diesen Ländern, aber wir haben es nicht. Darüber hinaus gibt es Berichte, dass die OPEC seit langer Zeit bezüglich der Quoten betrogen hat, und dass sie schon an der Kapazitätsgrenze pumben. Die Saudis haben gesagt, dass sie eine Kapazität haben, um Libyens Öl-Fehlbetrag zu absorbieren. Ich denke, wenn wir ein weiteres Land sehen, sei Oman, Bahrain oder Algerien, das durch eine schwere Krise geht, dann betreten wir kurzfristig einen neuen Gefahrenbereich. Die Frage ist dann, wie lange dies andauern wird.

Vertrauen Sie Saudi-Arabiens Fähigkeit, seine Ölproduktion zu erhöhen, oder werden sie mit erheblichen Schwierigkeiten konfrontiert werden, dies zu tun? (v)

FWE: Ich denke die Frage ist, wie viel Infrastruktur in Saudi-Arabien angeschlossen ist und wie schnell dies in den Markt gebracht werden kann. Dass Saudi-Arabien über mehr als bloß reichliche Ölreserven in der Erde verfügt, ist keine Frage für mich. Ich wurde vor 15 Jahren in Washington DC von einem Insider informiert, dass die US-Satelliten und andere nachrichtendienstliche Informationen die Anwesenheit von genügend Öl alleine in dem umstrittenen Gebiet zwischen Saudi-Arabien und Jemen bestätigten, um auf der ganzen Welt den Appetit nach Rohöl in den nächsten 50 Jahren sättigen zu können – und das ist nur dieses eine Stück in der Wüste. Dass also das Öl in diesem Teil der Welt unter der Erde ist, stellt keine Frage für mich dar. Im Irak ist es dasselbe. Im Iran hat man die Sanktionen, die zu diesem Zeitpunkt bequemer Weise viel iranisches Öl vom Markt halten.

Ich denke, dass all dies Teil einer sehr komplexen und langjährig geplanten Wiederholung der US-Ölkrisen der 1970er Jahre ist, mit dem Ziel vor Augen, nicht nur die US-Kontrolle über die Ölmärkte zu erhalten, sondern über die globale Wirtschaftsentwicklung. Zu viele Länder beginnen seit September 2001 Lösungen außerhalb der Abhängigkeit von Washington zu erkunden und zu finden. Ich weiß aus direkten Gesprächen mit führenden Personen in den traditionell “pro-amerikanisch” eingestellten arabischen OPEC-Ländern, dass es ihnen bis hier steht mit Washington und seinen an sie gestellten Forderungen, mit seinen Militärstützpunkten und seinen Versuchen, einen Krieg gegen den Iran zu bringen und ständige Unruhe zu verursachen. Sie blicken auf Europa, sie blicken auf Russland, sie blicken auf China, es gibt alle Arten von Querströmungen und Aktivitäten,  die in diesen Ländern vor sich gehen. Ich denke, dass ist der Grund, warum das ganze Schachbrett im Nahen Osten gerade dabei ist, von Washington in die Luft geworfen zu werden. Ob das bedeutet, dass Saudi-Arabien das Öl hat oder nicht, darüber gibt es keine zuverlässige Quelle für Informationen, die ich kenne, die ja oder nein besagt, jedenfalls gewiss nicht dieser Schweizer Bericht, den die Ölhändler immer zitieren.

Der Ölpreis steht inzwischen weit über 100 Dollar pro Barrel. Das mag gut sein für Erdöl exportierende Länder, da sie unter der Abwertung des US-Dollars gelitten haben, aber ist es nicht Gift für das Wirtschaftswachstumsmuster der Industriegesellschaften und insbesondere für China?

FWE: Es ist sicherlich nicht gut für China. Ich denke, wir haben eine Spanne zwischen 80 bis 110 USD, wo es kein Wachstumskiller für China und die Weltwirtschaft ist, aber es ist wie eine Steuer, eine 20%-ige Steuer auf den Energieverbrauch in China und dem Rest der Welt, in Dollar ausgedrückt. Ich denke, das ist etwas, das die Chinesen handhaben können, solange es kurzfristig bleibt und auf diesem Niveau. Würde sich der Preis auf rund 200 Dollar pro Barrel verdoppeln und dort bleiben, könnte das ernsthafte Probleme für China im Übergang darstellen. Aber das hängt davon ab, ob die Chinesen bilaterale und langfristige Erzeuger-Verbraucher-Lieferverträge-Verträge mit ölproduzierenden Ländern abschließen können, die sie vom Dollar-Preiseffekt isolieren würden.

Herr Engdahl, bevor wir weiter über Öl reden, möchte ich gerne einen Blick auf den Ort werfen, an dem Sie geboren wurden, die Vereinigten Staaten von Amerika. Ohne Zweifel haben die USA einige tiefgreifende wirtschaftliche und finanzielle Probleme. Aber ist nicht vielleicht die amerikanischen Elite das größte Problem von allen, da es scheint, dass jenen Leute, die zu ihr gehören, nicht die besten Interessen der amerikanischen Öffentlichkeit am Herzen liegt?

FWE: Nun, wenn man sich die amerikanische Geschichte im letzten Jahrhundert und noch länger anschaut, bis zurück auf den Bürgerkrieg gehend, mit dem Aufstieg des Hauses JP Morgan, der auf Betrug zu Lasten der Regierung beim Verkauf von Waffen in diesem Krieg gründete, als Morgan  als Titan und die Nr. 1 unter den Wall Street “Geldgöttern” aufstieg, wie ich sie in meinem Buch genannt habe, wird es deutlich. Der amerikanischen Elite – den Leuten mit wirklicher Macht wie den Rockefellers, die das Haus von Morgan nach 1931 beerbten – lag in diesem Sinne nie das Interesse der amerikanischen Öffentlichkeit am Herzen, und das werden sie auch nie tun. Sie verstehen sich einfach wie vielleicht einige der russischen Oligarchen sich gegenüber dem russischen Volk sehen, nur mehr noch, sie denken, sie seien buchstäblich die Götter der Welt. Die Leute sind einfach für sie viele Objekte, mit denen man umgehen kann, wie sie es als passend erachten, so wie viele Drohnen in einer Insektenkolonie.

Wenn es mit den Vereinigten Staaten zu tun hat, muss man immer unterscheiden zwischen rund 300 Millionen normalen Menschen wie Sie und ich, die versuchen, mit ihrem Leben klarzukommen, und versuchen, für ihre Familien zu sorgen und einer anständigen Arbeit nachzugehen und ein menschenwürdiges Leben zu führen, und vielleicht einer Handvoll von ein paar Dutzend ultra-mächtigen Leute wie David Rockefeller oder in einer früheren Generation das Haus von Morgan. Sie sehen sich buchstäblich als eine seperate Rasse. Das ist einer der Gründe dafür, warum sie fanatischen Befürworter der Eugenik im Laufe der Jahrzehnte wurden. Schon lange vor dem Dritten Reich finanziert sie das, was später die Hitler-Nazi-Eugenik in Deutschland wurde – ich rede von der Rockefeller Foundation. Dies ist die Art der Mentalität dieser Eliten.

Sie glauben also, dass diese Elite in Amerika kein Interesse daran hat, die nächste Große Depression zu stoppen?

FWE: Nun, lassen Sie mich Ihnen ein Beispiel geben: Im Mai 2009 wurde im Haus des Präsidenten der Rockefeller University eine sehr, sehr elitäre Versammlung von ausschließlichen Milliardären – nicht Millionäre, sondern nur Milliardäre – auf Geheiß von David Rockefeller und Bill Gates eingeladen, sie unterzeichneten die schriftliche Einladung. Sie nannten sich “der gute Club”. Dies sind einige der reichsten Leute der Welt – David Rockefeller natürlich, und Bill Gates mit seinem Microsoft-Vermögen, Warren Buffet war da und Ted Turner, der mit CNN Ruhm erlangte. Das Thema der Diskussion war nach Berichten, die durchsickerten, nicht: “Wie gehen wir mit dieser weltweiten Finanzkrise und der große Depression um?” Ihre Leidenschaft bei diesem Zusammentreffen, das sie in New York an der Rockefeller University hatten, war: “Wie stoppen wir das globale Bevölkerungswachstum in den nächsten Jahrzehnten? (vi) Das sollte Ihnen eine Vorstellung geben.

Es ist meine Einschätzng zu diesem Zeitpunkt, dass sie versuchen, die große Depression zu benutzen, die durch ihre finanziellen Machenschaften verursacht wurde. Sie haben ganz bewusst nach 1999 diesen Verbriefungsbetrug geschaffen, dieses Ponzi-System, als Tim Geithner und Larry Summers beide im Finanzministerium  der Clinton-Regierung waren und die Gesetzgebung für die Deregulierung des Bankensystems entwarfen, die den Handel von Finanzderivaten ohne jegliche Kontrolle durch die Commodity Futures Trading Corporation, der Derivate-Aufsichtsbehörde der US-Regierung, erlaubte – und sie wussten, was sie taten. Als Paul Volcker in einem interessanten Interview sagte – und ich bin sicherlich aufgrund seiner Vergangenheit kein Fan von Volcker, aber in diesem Fall stimme ich mit ihm überein. Paul Volcker sagte vor etwa einem Jahr, als er gefragt wurde, worauf er als positiven Beitrag an Banken-Innovationen in den letzten zwanzig Jahren zeigen würde: Nun, wenn ich darüber nachdenke, gibt es einen positiven Beitrag – die Erfindung des Geldautomaten. (vii) Alles andere als dies, seien es Derivate und all diese Innovationen der Finanzmärkte, hat nur geschadet. Das ist eine Paraphrase, aber ich denke in diesem Fall, dass Volcker mit seiner Einschätzung richtig liegt.

Ein großes Problem unserer Zeit könnte sein, dass sich die Zentralbank der USA, das Federal Reserve System, in Privatbesitz befindet.

FWE: Ja.

Zunächst einmal: Ist das normal, dass eine Zentralbank im Besitz eines privaten Banken-Kartells befindet, das in diesem Fall die Geldpolitik der USA durchführen kann?

FWE: Lassen wir den Begriff “normal” einmal außen vor, denn das ist die Richtung, in die diese Geld-Interessen die ganze Welt zu treiben versuchen, um das Welt-Bankensystem von jeder Art partizipativen Drucks von den Wählern zu entkoppeln. Die Federal Reserve wurde, wie Sie wissen, im Jahre 1913 geschaffen. Sie wurde von einer fast leeren Sitzung des Kongresses zwei Tagen vor Heiligabend im Jahre 1913 verabschiedet und innerhalb weniger Stunden von Präsident Woodrow Wilson unterzeichnet, von dem einige Leute sagen, dass er als Präsident eingesetzt wurde – er war zuvor der Präsident der Princeton University und dann Gouverneur von New Jersey -, aber dass er durch das Geld von JP Morgan, Rockefeller und so weiter als Präsident mit dem alleinigen Zweck eingesetzt wurde, um als Demokrat eine linke Verkleidung, wenn Sie so wollen, für die Schaffung des Federal Reserve zu geben. Es war ein sehr umstrittener Gesetzesvorschlag, um den schon lange vor der Finanzkrise von 1907 gestritten wurde.

Tatsache ist, und nur wenige Amerikaner sind sich dessen überhaupt bewusst – sie denken, dass der Präsident einen Vorsitzenden der Federal Reserve vorschlägt, und also ist die Federal Reserve eine staatliche Behörde. Das ist sie mitnichten. Die verschiedenen regionalen Banken der Federal Reserve – die Dallas Fed, die San Francisco Fed, die St. Louis Fed, und vor allem als das primäre Zwischenstück: die New Yorker Fed – sind Aktiengesellschaften, zu deren Aktieninhabern  Unternehmen wie AIG, JPMorgan Chase und so weiter gehören. Das sind also Einheiten in Privatbesitz, aus denen sich das Federal Reserve System zusammensetzt. Und das ist der Kern des Problems.

Der Vorsitzende der Federal Reserve hat einen wesentlichen Auftrag: die Macht der Großbanken zu bewahren – wie eine Kongress-Anhörung sie in den 1920er Jahren nannte: die “Money Trust”-Banken. Und das sind in Wirklichkeit nur etwa acht oder höchstens neun Institutionen, würde ich schätzen, die wirklich die weltweiten Multi-Billionen-Derivate, den Verbriefungsbetrug  und die Politik des US-Finanzministeriums in Washington völlig dominieren.Die privat geführte Federal Reserve ist, glaube ich, eines der Hauptprobleme für den Ruin der amerikanischen Industrie- und Sozialwirtschaft seit, sagen wir, der Abkopplung vom Gold im August 1971 ganz gewiss, und selbst noch davor.

Würden Sie als Historiker sagen, dass es eine übertriebene Aussage wäre zu sagen, dass die gesamte Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika bis zum Jahr 1913 die Geschichte des Kampfes einer Republik gegen eine Zentralbank ist, die sich hochkonzentriert in den Händen von ein paar Männern befindet?

FWE: Ich denke, das ist eine sehr interessante Möglichkeit, um diese Geschichte zu betrachten. Es gab die Gründung der ersten Bank der Vereinigten Staaten unter Alexander Hamilton, dem ersten Finanzminister. Viele, auch amerikanische Historiker, haben den Eindruck, dass sei eine nationale Bank gewesen, die der US-Regierung gehörte. In keiner Weise war diese Bank-Mehrheit im Besitz der US-Regierung. Ein Minderheiten-Anteil der Aktien wurde durch die US-Regierung gehalten, aber die Hauptaktionäre waren private Banken-Interessen. Interessanterweise wurde einer der größten Aktienblöcke der Bank der Vereinigten Staaten durch das Haus Rothschild in London gehalten. Das, was die Briten während des Unabhängigkeitskrieges nach 1776 verloren, versuchten sie also durch die Hintertür durch den Besitz der Bank, die die US-Staatsverschuldung verwaltete, wieder zu erlangen. Die Charta dieser Bank wurde nicht erneuert, es gab erbitterte Kämpfe in der Geschichte darüber. Es wurde einige Jahre später eine zweite Bank der Vereinigten Staaten geschaffen und Andrew Jackson war als Präsident ein erbitterter Feind der Idee, dass die Schulden der Vereinigten Staaten von einem privaten Unternehmen gehandhabt werden sollten.

Und dann während des Bürgerkriegs gab Lincoln Greenbacks heraus. Das war eine Form von Papiergeld in einer Notsituation, aber was es bewerkstelligte, wenigstens teilweise, war, dass es die Kontrolle über die US-Schulden vorübergehend aus den Händen der Londoner und New Yorker Banken nahm. Das missfiel London in einem außergewöhnlichen Maß. Interessanterweise deuten die Beweise, die über die Ermordung von Lincoln am Ende des Bürgerkrieges auftauchten, alle  auf die Hand des Hauses Rothschild und der London City Banker, die durch Judah Benjamin, einem führenden Beamten der Konföderierten, den ganzen Mordanschlag von John Wilkes Booth auf Lincoln finanzierten. Judah Benjamin verschwand aus den Vereinigten Staaten nach dem Attentat und verbrachte den Rest seiner Jahre in England. Man kann also Rückschlüsse ziehen, wer ein Interesse an der Beseitigung von Lincoln hatte, obwohl wir es natürlich niemals endgültig wissen werden.

Die andere Sache war der Krieg von 1812. Ein sehr bizarrer Krieg, wenn man sich die amerikanische Geschichte anschaut. Die Briten begannen ihn mit ihren Schiffen vor der Küste von Washington und New Orleans. Sie fingen an Washington zu bombardieren und erklärten den Krieg, und dann versuchten sie sich von Kanada aus nach unten zu bewegen. Und das war offenbar ein Racheakt der Londoner Banken für die Tatsache, dass der US-Präsident die Charta der Erste Bank der Vereinigten Staaten auslaufen ließ und nicht erneuerte. Von daher hat viel von der Geschichte der Vereinigten Staaten bis 1913 mit diesem Kampf zu tun.

Auch die ganze Frage von Silber gegenüber Gold. Gold war etwas, das im Interessen des Hauses Morgan in New York und sicherlich der Londoner Banken lag, weil sie das Herz des Goldstandards der damaligen Zeit bildeten. Wenn also die Vereinigten Staaten auf einem Silberstandard oder auch nur einen zweigeteilten Metall-Standard gegangen wären, würde das erheblich die Macht der JP Morgan, Rothschild und deren Freunde in London, Barrings und andere, verringert haben. Sie kämpften erbittert gegen William Jennings Bryant, ein Mann, der für die Rede: “Du sollst nicht Menschheit an einem Kreuz aus Gold kreuzigen” berühmt wurde. (viii)

Ja.

FWE: Aber sie besiegten die Silber-Fraktion im Wesentlichen durch allerlei Korruption und Manipulation und so weiter im Kongress. Sehr viel der amerikanischen Geschichte hat also mit diesen Kämpfen zu tun, ja.

Wenn all dies wahr ist, dann ist es umso wichtiger, zu verstehen a), wie der Federal Reserve Act in Kraft gesetzt wurde, und b), wie das Federal Reserve System tatsächlich funktioniert. Ich denke, in Bezug auf a) könnten Sie vielleicht ein bisschen über die Bankenpanik von 1907 sprechen.

FWE: Ja.

Wer steckte dahinter?

FWE: Na ja, Überraschung, Überraschung: Es war das House von Morgan und seine Freunde. Sie schufen einen Run auf eine große unabhängige Bank in New York City und lösten damit das aus, was die Panik von 1907 wurde. Sie verwandelte sich in eine industrielle, wirtschaftliche Depression in Amerika mit einer riesigen Arbeitslosigkeit. Durch die Panik und ihre Lobbyarbeit bekamen sie den Kongress dazu, für die Einrichtung einer nationalen Währungskommission zu stimmen, um zu prüfen, wie zukünftige Paniken zu verhindern wären. Nun, es war eine Panik, die durch das Haus von Morgan und Freunden entwickelt wurde, und der Weg, um in der Zukunft Paniken zu verhindern, würde der sein, ihnen die Kontrolle über das Geld der Nation zu geben – weg vom Kongress, wo es nach Artikel 1, Abschnitt 8 der Verfassung hingehörte, und hin zum Kartell der Privatbanken, die die New Yorker Federal Reserve Bank bilden, welche bewusst so gestaltet wurde, dass sie die mächtigste aller Banken im Federal Reserve System ist.

Und dann wurde der Federal Reserve Act verabschiedet. Wie funktioniert das Federal Reserve System ?

FWE: Sie meinen heute?

Ja.

FWE: Grundsätzlich hat sie unbegrenzte Macht, Geld zu drucken, um es im populären Jargon auszudrücken. Dies ist es, was wir Ben Bernanke seit 2008 tun sehen, dies sind Billionen von Dollar, aber natürlich weigert sich Bernanke, irgendwelche großen Details darüber preiszugeben, was sie tatsächlich mit den Banken tun und welche Banken es sind, die von dieser Großzügigkeit der Federal Reserve profitieren. Sie kaufen all die giftigen Abfälle auf und legen sie auf die Bilanz der Federal Reserve, und dafür geben sie den Banken dreifach A bewertete US-Schatzanweisungen zurück.

Die Federal Reserve hat ein Open Market Committee, das FOMC. Sie treffen sich alle sechs Wochen, um die Zinspolitik festzulegen, im Wesentlichen bis heute. Dazu gehören mehrere Mitglieder des Federal Reserve Board in Washington, immer ist der Vorsitzende der Fed, in diesem Fall Bernanke oder vor ihm Greenspan, im FOMC, die anderen zehn oder elf Reserve-Banken im ganzen Land haben rotierende Sitze im FOMC. Also nicht alle elf Banken sind zu allen Zeiten vertreten.

Die Sache ist geschickt so entworfen, um die Mehrheitsmacht an die New Yorker Fed zu geben. Die New Yorker Fed ist aufgrund der internationalen Rolle der New Yorker Fed immer im FOMC – und die Tatsache ist, dass der Federal Reserve Act von Morgan & Company und Rockefeller entworfen wurde, um die Macht den Banken des New Yorker Geldzentrums zu geben. Sie sind daher immer im  FOMC. Und natürlich hat der Fed-Vorsitzende enorme Macht über die Entscheidungen des FOMC.

Offiziell ist eines der Mandate der Fed, die Stabilität und den Wert des US-Dollars zu erhalten.

(Herr Engdahl lacht.)

Aber einer der realen Ergebnisse der Fed scheint die anhaltende Abwertung des US-Dollar in einer recht bemerkenswerten Art und Weise zu sein – was sich seit den 1970er Jahren beschleunigte. Warum?

FWE: Ganz einfach, weil das zum Vorteil der Wall Street war. Nach dem Bruch der Verbindung mit Gold im Jahr 1971, den ich zuvor erwähnt habe, stellte die Gruppe um David Rockefeller, damals bei der Chase Manhattan Bank, der Familien-Bank, fest, dass sie  mit einer gleitenden Währung und der Tatsache, dass die USA die einzige militärische Supermacht außerhalb der Sowjetunion war, eine unglaubliche Fähigkeit in den Händen hielt. Die Fiat-Dollar, die von den USA gedruckt wurden, trieben diese Abwertung weltweit in diesem Zeitraum an – ich glaube, es gibt eine 2900 %-ige Inflation, das heißt, einen 2900%-igen Anstieg der Menge an Dollar, die in der Weltwirtschaft seit August 1971 zirkuliert, nach den letzten Daten, die ich gesehen habe, und in den zwanzig Jahren davor war es ungefähr etwa ein 56%-iger Anstieg der Dollar-Reserven weltweit, das war also eine Periode der relativ stabilen Inflationsraten oder tatsächlich der Nicht-Inflation, und dann nach der Bruch hatte man diesen höchst inflationären Zeitraum.

Nun, was bestimmte Leute um Paul Volcker und andere herausfanden, das war, dass die Schulden ihre besten Vermögenswerte waren – das heißt, am besten für die Banken, für die privaten Banken, nicht für die Nation, aber für die Privatbanken. Solange US-Schulden dreifach A bewertet werden, und absolut notwendig: solange der US-Dollar die Leitwährung des Handels und in den Zentralbankreserven weltweit bleibt, können die Vereinigten Staaten im Wesentlichen ihre Inflation exportieren, wie sie es in Japan während der 80er Jahre taten, heute nach China, der Europäischen Union und dem Rest der Welt. In der Tat haben die Dollar-Überschuss-Länder gar keine andere Wahl mit ihren Überschuss-Dollar, als US-Staatsanleihen zu kaufen – um Amerikas Kriege auf der ganzen Welt zu finanzieren, sei es im Irak, der gegen die ultimativen Interessen Chinas oder Russlands ultimativen Interessen gerichtet ist, oder alle anderen US-Kriege. Diese werden in gewisser Weise durch die Dollar-Ansammlungen in den Zentralbanken Asiens und anderswo in der Welt finanziert. Es ist also ein diabolisches und sehr cleveres Arrangement, dass sie erkannt haben. Sie konnten es tun, nachdem die Abkopplung des Dollars vom Gold im Jahr 1971 statfand.

Seit den frühen 1970er Jahren wird der Dollar im Wesentlichen durch Öl gedeckt.

FWE: Nun, das ist, wie ich es nannte. In meinem Buch “Century of War” spreche ich über den  Petrodollar. Das ist etwas, das von einigen Autoren in der letzten Zeit missverstanden wird, sie denken, dass der Dollar noch heute ein Petrodollar sei. Öl ist der größte in Dollar gehandelte Rohstoff der Weltwirtschaft, ohne jede Frage, das ist sehr klar. Aber heute ist der Dollar, würde ich sagen, eine Währung, die nicht so sehr durch Erdölpreise gesichert wird, die in Dollar notiert werden, sondern mehr durch F-16-Kampfjets und Abrams-Panzer, mit anderen Worten: durch rohe militärische Macht der USA und der NATO. Das bricht hier immer mehr auf das Wesentliche der Macht hier seit Beginn der Bush-Administration runter. Bush und Cheney wurden von den Eliten in Position gebracht, um den Samthandschuh abzuziehen und der Welt die eiserne Faust zu zeigen, weil mehr und mehr Dinge aus der Lage einer amerikanischen Hegemonie oder einzigen Supermacht mit dem Aufstieg Chinas, Russlands und einigen andere Dinge, die in der Europäischen Union vor sich gingen, außer Kontrolle gerieten.

Sagen wir dann, dass der Dollar im Wesentlichen durch Öl gedeckt war.

FEW: Ja, zurückgehend auf die Zeit nach 1973.

Ich möchte mit Ihnen über ein wichtiges Ereignis in diesem Zusammenhang sprechen. Dies war die Ölkrise von 1973/74.

FWE: Richtig.

Sie fanden in Ihrem Buch “Century of War” heraus, dass dieses Ereignis politisch von einem Club beabsichtigt war, der sich 1973 auf einer schwedischen Insel traf. Können Sie bitte etwas Licht mit uns bei diesem Thema teilen?

FEW: Gewiss, äußerst gerne. Ich besaß das faszinierende Vergnügen, persönlich von Scheich Zaki Yamani im September 2000 für sein jährlichen Treffen außerhalb von London eingeladen worden zu sein. Er hat ein Energie-Zentrum in London gegründet, nachdem es Washington geschafft hatte, dass er als saudischer Minister für Energie während der umgekehrten Ölkrise von 1986 entlassen wurde, als Yamani gegen den Druck des US-Außenministeriums auf die saudische Monarchie war. Yamani lud mich ein, weil er das “Century of War”-Buch gelesen hatte – ein irakischer Freund hatte es ihm gegeben. Er rief mich zu einem Vortrag vor dieser Gruppe von Energie-Bankern aus der City of London und Öl-Leuten über das, was wirklich im Jahr 1973 passierte. Er führte ihn mit den Worten ein: “Dies ist die einzige Erzählung, die von dem existiert, was wirklich ’73 geschah, als ich der Vorsitzende der OPEC und der saudische Energieminister war. Ich durchlebte dies, und Herr Engdahl hat es zutreffend beschrieben.”

Was passierte ist folgendes: Es gab ein Treffen – und einige Leute werden es jetzt mit der Angst bekommen und sagen, das ist Verschwörungstheorie, aber ich bin im Besitz der eigentlich vertrauliche Dokumente, die ganz legal vor einigen Jahren in meinen Besitz durch Zufall in Paris kamen: Das Protokoll des Treffens vom Mai 1973 der Bilderberg-Gruppe in Saltsjöbaden, Schweden. Ich habe die Teilnehmerliste vom Hoover Institute of War and Peace in Kalifornien und das  Faksimile des amerikanischen Sekretärs des Bilderberg-Clubs über die Gäste, darunter Henry Kissinger von der amerikanischen Seite, die zu dieser Mai-Sitzung eingeladen worden waren. Und dort, wenn Sie die Kalkulation machen, hören sie einen Vortrag und eine Diskussion, und das sind einige der mächtigsten Menschen in Europa und den Vereinigten Staaten – übrigens handverlesen von David Rockefeller. Die Leiter aller großen Ölkonzerne, die Siebn Schwestern, waren ebenfalls anwesend. Sie reden über das, was auf eine 400%-ige Steigerung des Preises für OPEC-Öl in der sehr nahen Zukunft hinausläuft. Natürlich geben sie keine Details, sondern sprechen im Abstrakten.

Die ganze Diskussion war nicht: “Wie können wir als einige der mächtigsten Vertreter der  Industrienationen der Welt die arabischen OPEC-Länder davon überzeugen, die Ölpreise nicht so dramatisch zunehmen zu lassen?” Stattdessen sprachen sie darüber: “Was werden wir mit all den Petrodollars tun, die unweigerlich zu den Londoner und New Yorker Banken aus den arabischen OPEC-Öleinnahmen kommen werden?” Henry Kissinger, der den Begriff nach dem Ölschock in den Jahren 1973/74 prägte, sprach über das “Recycling von Petrodollars.” Und in der Tat, was passierte war – und das kam direkt von einem Privatgespräch mit Scheich Yamani mit mir in seinem Haus im Jahr 2000, er sagte: “Ich wurde von meinem König, dem saudischen König, als vertrauenswürdiger Bote losgeschickt, um mit dem Schah von Iran zu sprechen und zu fragen, warum der Schah beim OPEC-Treffen im September 1973 nach dem Yom Kippur-Krieg so  unerbittlich beim Durchsetzen eines derart großen OPEC-Preisanstiegs als einem dauerhaften Preis war.” Und er sagte: “Der Schah wandte sich zu mir und sagte: ‘Teilen Sie Seiner Exzellenz, dem König von Saudi-Arabien, mit, wenn er eine Antwort auf diese Frage haben will, muss er nach Washington gehen und Henry Kissinger fragen.'” (ix) Mit anderen Worten, dies wurde dem Schah diktiert.

Ja.

FWE: Dieser Öl-Schock kam also zwei Jahre nach dem freien Wechselkurs des Dollars, als der Dollar im Wesentlichen wie ein Stein fiel, weil die US-Wirtschaft große Brüche gegenüber der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg zu zeigen begann, als die US-Industrie eine führende Weltklasse-Industrie war und die Goldreserven und alles andere in einer idealen Korrelation zueinander standen. Die US-Wirtschaft geriet in sehr, sehr schwere strukturelle Probleme in den frühen 1970er Jahren. Der Dollar fiel, und die französische und die deutsche Wirtschaft begannen wirklich zu boomen, wie auch die japanische Wirtschaft, und bestimmte Eliten, die mit den Geldzentrumsbanken in New York verbunden waren, beschlossen, so glaube ich, dass es Zeit für einen großen Schock war, um die Richtung der globalen Wirtschaft umzukehren, selbst zum Preis einer Rezession in der amerikanischen Wirtschaft – das bekümmerte sie nicht so sehr, solange sie die Kontrolle über die Geldflüsse besaßen.

1975 schickte Washington einen sehr hohen Beamten des Finanzministeriums nach Riad, der Riad im Wesentlichen sagte, dass die OPEC kein einziges Barrel Öl verkaufen dürfe, wenn diese nicht in Dollar notiert wären, da damals die deutsche Regierung, die französische Regierung und die Regierung von Japan alle an der Tür der OPEC anklopften und versprachen, ihre Qualitäts-Werkzeugmaschinen, die ausgezeichneten, hochwertigen deutschen Werkzeugmaschinen zu liefern, und den französischen oder japanischen Handel anboten, den die Länder des Nahen Ostens so sehr wollten, um ihre Volkswirtschaften aufzubauen. Aber sie forderten, dass das gegen Ölpreise in ihren eigenen Währungen verkauft werden müsse, damit sie weniger abhängig vom Dollar wären. An diesem Punkt intervenierte Washington und sagte: “Das ist ein Tabu. Öl darf nie außer in Dollar verkauft werden.” (x)

Warum war das von essentieller Bedeutung für die USA?

FWE: Weil die Machtprojektion der USA seit 1945 in der Welt auf zwei Säulen ruhte. Eine Säule ist, dass die USA die überwältigende militärische Macht auf diesem Planeten haben. Heute geben sie mehr für militärische Ausrüstung, Personal und Machtprojektion aus als die nächsten 42 Länder der Welt, einschließlich Russland, China und ganz Europa zusammen! Die zweite Säule der US-Macht ist die Rolle des Dollars als Leitwährung der Welt. Beide besitzen kombinierte Synergien. Wenn jemand die Macht des “amerikanischen Jahrhunderts”, wie Henry Luce, der Eigentümer des Time-Magazins, es im Jahre 1941 nannte, verstehen will, dann müssen sie sich diese Doppel-Säulen ansehen und wie sie beide miteinander interagieren.

Der Ölpreis, der um 400 Prozent in den Jahren 1973/74 sprang, rettete den Dollar. Der Dollar  schwebte auf einem Meer von Öl hinauf. Auch hier dürfen wir nicht vergessen, dass Nixon die Verbindung des Dollars zum Gold unilateral im August 1971 brach, und nach dieser Zeit stürzte er um rund 40 Prozent gegen die wichtigsten Handelswährungen wie die D-Mark und dem japanischen Yen ab. Was den Dollar rettete, was die Wall Street und die Macht des Dollars als eine finanzielle Sache, aber nicht die US-Wirtschaft in irgendeiner Weise rettete, war der 400%-ige  OPEC-Preisschock. Das hielt das Wachstum in Europa an, zerschlugen die Entwicklungsländer, die eine schnelle Wachstumsdynamik in den frühen 1970er Jahren genossen, und es bekräftigte die Machtverhältnisse wieder in die Richtung der Wall Street und des Dollar-Systems.

Wenn man sich also die ganze daraus ergebene Geschichte der lateinamerikanischen Schuldenkrise der Dritten Welt-Schuldenkrise in den 1970er Jahren bis in die 1980er Jahre hinein anschaut, die auch Jugoslawien, Polen und einige andere Ostblock-Länder zerstörte, all dies hatte mit dem Recycling von Petrodollars durch die Eurodollar-Banken, US-Banken in London, britische Banken zu tun. Dies war das Herzstück des sogenannten Eurodollarmarktes damals, die City of London. – wie auch auswählte Banken wie Deutsche Bank, UBS und ein paar japanischen Banken waren als Juniorpartner dabei.

Aber die Hauptsache war: Die angloamerikanische Banken-Elite betrieb das Recycling der Überschuss-Dollars, die Saudi-Arabien, Kuwait, die Emirate und all die anderen OPEC-Länder, darunter Iran bis zum Sturz des Schahs, in Umlauf brachten. Übrigens ließ der Schah die gesamten Ölgewinne der iranischen Ölgesellschaft über eine einzige Bank laufen, und das war die Chase Manhattan Bank von David Rockefeller – interessante Tatsache der Geschichte. Somit war durch das Recycling von Petrodollars der Dollar an den Ölpreis und die Ölkonzerne gebunden, an die Sieben Schwestern, die amerikanischen und britischen Ölkonzerne, die wirklich der Ölpreis steuerten. Sie schoben es auf die arabischen Scheichs, aber die Kontrolle lag in New York und London.

Heute denke ich, werden die USA alles in ihrer Macht Stehende unternehmen, damit Öl in Dollar notiert bleibt, aber die Rolle des Ölpreises in Dollar ist nicht so stark wie es in der Mitte der 1970er Jahre war, wurde aufgrund der Entstehung dieser Terminmärkte, die durch Banken wie Goldman Sachs kontrolliert werden – dem Aufkommen des sogenannten “Papier-Öls”. Mit dieser Kontrolle über Futures wie der ICE Futures in London können sie den Ölpreises hochtreiben, wie sie es 2008  mit einem Preis von 147 USD machten, um ihn dann bis auf die höheren 30er USD abstürzen zu lassen. Aus welchem ​Grund? Sie klopften den Wind aus den Segeln von Russland zu dem Zeitpunkt, als Putin und Medwedew dabei waren mit Öl- und Gas-Exporten  einen wichtigen Gegenpol zur US-Macht in der Welt zu schaffen.

Ein hoher Ölpreis ist gut für Russland und schlecht für China, ist das die Gleichung?

FWE: Im Allgemeinen ja. Das Problem für Russland ist, dass es keine Kontrolle über den Markt hat.

Das war auch eine sehr wichtige, aber selten erkannte Ursache für ein echtes Großereignis  des 20. Jahrhunderts: dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Dieser Zusammenbruch hatte ebenfalls mit dieser Kontrolle über den Ölpreis zu tun, richtig? (xi)

FWE: Es waren mehrere Dinge. Die Neo-Konservativen in den USA kamen erstmals zu politischer Prominenz, als sie die Demokratische Partei verließen – ich rede von Irving Kristol, Richard Perle und anderen. Sie gingen in die Republikanische Partei während der Reagan-Ära. Sie spielten mit der vereinfachenden Sicht Reagans auf die Welt – er war ein B-Movie-Hollywood-Schauspieler und sehr nützlich, um der amerikanischen Öffentlichkeit wohltuende Worte zu sagen, aber hinter den Kulissen der Reagan-Politik wurde diese von George Bush Senior, den Nachrichtendiensten, dem  Außenministerium und einer Handvoll dieser Neo-Konservativen bestimmt, und sie waren Falken gegenüber der Sowjetunion. Sie wollten die Sowjetunion in hundert Stücke zerbrechen, was letztlich 1989 geschah.

Ein großer Teil der Strategie der Reagan-Bush-Politik – denn es war Bush, der viel von der Reagan-Präsidentschaft als seine Vize-Präsident ausführte – sowohl in Afghanistan gegen die russische Marionetten-Regierung in Kabul (interessanterweise eine Politik, die tatsächlich schon von Zbigniew Brzezinski initiiert worden war, als er Carters Nationaler Sicherheitsberater war xiii), und die Contra-Operation gegen die gleichzeitig gewählte Regierung in Nicaragua, die nach Washingtons Geschmack zu sehr linksgerichtet war und indirekt durch die Sowjetunion und Kuba unterstützt wurde – all diese Brennpunkte wurden simultan zueinander aktiviert, auch das “Star Wars”-Raketenabwehrsystem-Programm, das Reagan im Jahr 1983 angekündigt hatte, die sogenannten “Strategic Defense Initiative“ – oder die Raketenschild, dass erst kürzlich von der Bush-Cheney-Administration gegenüber Russland mit der Raketenbasen und Radar Verteidigungen in Polen und der Tschechischen Republik wiederbelebt wurde.

Das beiseite lassend, der wichtigste Punkt in meiner Einschätzung, der  – um es im Jargon zu sagen – in Bezug auf die Sowjetunion dem Kamel den Rücken brach, war die bewusste Entscheidung von George Bush und George Schultz, dem Mann von der Bechtel Corporation, einem der größten militärischen Auftragnehmer der Welt, der damals Außenminister war – sie initiierten mit Druck auf das Königreich Saudi-Arabien bewusst, dass die Saudis Anfang 1986 am Ölhahn drehten und die Welt mit billigem Öl fluteten. Nun, das gelang glänzend aus der Sicht dieser US-Strategie. Es ruiniert Tausende von kleinen, unabhängigen Öl-Unternehmen in den Vereinigten Staaten, aber für Rockefeller, Standard Oil, BP, Shell und so weiter bedeutete es, kleinen Wettbewerb loszuwerden, und es erlaubte ihnen, ihre Öl-Vermögenswerte auf die billige Tour aufzukaufen.

Aber der eigentliche Punkt war: zu diesem Zeitpunkt war die Sowjetische Militär-Wirtschaft abhängig von harten Dollarwährungseinkünften. Und der einzige Weg, den sie hatten, oder für den größten Teil von bis rund 70 Prozent, den sie hatten, um diese harten Dollar zu verdienen, war durch  Exporte in die westlichen Märkte von Öl und in geringerem Maße von Erdgas. Also wurde die russische Wirtschaft durch die einstürzenden Ölpreise von den niedrigen 30ern Dollarständen – es waren 32 oder 33 USD, glaube ich, am Anfang – auf 9 Dollar während der Tiefe der Operation Mitte 1986, plötzlich zum Zerreißen gedehnt . Gorbatschow musste an diesem Punkt einfach den letzten Tropfen Blut aus den Satelliten-Volkswirtschaften Ost-Deutschlands, Polens, der Tschecheslowakei und so weiter saugen, um verzweifelt zu versuchen, Schritt zu halten mit dem Wettrüsten beim “Star Wars” mit Washington, denn wenn Washington das Wettrüsten gewonnen hätte, und sei es nur halbwegs gewesen, und Russland lag zurück, hätten sie einfach auf die Knie fallen und aufgeben müssen. Daher war es das, laut russischen Ökonomen mit denen ich nach dem Zusammenbruch im Jahre 1994 in Moskau gesprochen habe, was wirklich die Sowjetunion 1988-1989 brach.

Quellen Teil 1:

i Vgl. Lars Schall: Der Wert des US-Dollars nimmt ab, der Ölpreis steigt, veröffentlicht auf LarsSchall.com am 19. Oktober 2010 unter: http://www.larsschall.com/2010/10/19/der-wert-des-us-dollars-nimmt-ab-der-olpreis-steigt/

ii F. William Engdahl: “Perhaps 60% of today’s oil price is pure speculation“, veröffentlicht auf Globalresearch am 8. Mai 2008 unter: http://www.globalresearch.ca/index.php?context=va&aid=8878

iii Gregor Macdonald: “Spare Capacity Theory“, veröffentlicht auf Gregor.us am 21. Februar 2010 unter: http://gregor.us/oil/spare-capacity-theory/.

Macdonald definiert die “Spare Capacity Theory“ derart: “the assumption among western bankers, policy makers, economists, and stock markets that OPEC producers can lift oil production at will, and, export all of that spare production to world consumers.“

iv Ebd.

v  Vergleiche John Vidal: “WikiLeaks cables: Saudi Arabia cannot pump enough oil to keep a lid on prices. US diplomat convinced by Saudi expert that reserves of world’s biggest oil exporter have been overstated by nearly 40%“, veröffentlicht auf The Guardian am 8. Februar 2011 unter: http://www.guardian.co.uk/business/2011/feb/08/saudi-oil-reserves-overstated-wikileaks?CMP=twt_fd, Tyler Durden: “Did WikiLeaks Confirm ‘Peak Oil’? Saudi Said To Have Overstated Crude Oil Reserves By 300 Billion Barrels (40%)“, veröffentlicht auf Zero Hedge am 8. Februar 2011 unter:http://www.zerohedge.com/article/did-wikileaks-confirm-peak-oil-saudi-said-have-overstated-crude-oil-reserves-300-billion-bar, Tyler Durden: “Jim Rogers: ‘Saudi Arabia Is Lying About Being Able To Increase Its Oil Production’, veröffentlicht auf Zero Hedge am 28. Februar 2011 unter: http://www.zerohedge.com/article/jim-rogers-saudi-arabia-lying-about-being-able-increase-its-oil-production, und Lars Schall: „Die schwelenden politischen Risiken sind nicht vollständig im Öl-Preis diskontiert”, veröffentlicht auf LarsSchall.com am 17. März 2011 unter: http://www.larsschall.com/2011/03/17/die-schwelenden-politischen-risiken-sind-nicht-vollstandig-im-ol-preis-diskontiert/

vi Vergleiche John Harlow: “Billionaire club in bid to curb overpopulation“, veröffentlicht auf The Sunday Times am 24. Mai 2009 unter: http://www.timesonline.co.uk/tol/news/world/us_and_americas/article6350303.ece

vii Vergleiche Alan Murray: “Paul Volcker: Think More Boldly“, veröffentlicht in The Wall Street Journal am 14. Dezember 2009 unter: http://online.wsj.com/article/SB10001424052748704825504574586330960597134.html

viii Die “Cross of Gold“-Rede von Bryant gilt als eine der berühmtesten in der US-amerikanischen Geschichte. Sie wurde am 9. Juli 1896 beim Parteitag der Demokraten in Chicago gehalten. Es ging um ein Silber zu Gold-Verhältnis von 16 zu 1. Die Rede findet sich in “The Annals of America, Vol. 12, 1895–1904: Populism, Imperialism, and Reform“, Encyclopedia Britannica, Inc., Chicago, 1968, Seiten 100–105.

ix Vgl. hierzu Oliver Morgan / Faisal Islam: “Saudi dove in the oil slick”, veröffentlicht auf The Guardian am 14. January 2001 unter:

http://www.guardian.co.uk/business/2001/jan/14/globalrecession.oilandpetrol, und

Opec will play a different role in the future, says Sheikh Yamani“, veröffentlicht auf Business Intelligence Middle East am 17. Oktober 2010 unter:

http://www.bi-me.com/main.php?id=48966&t=1&c=38&cg=4&mset=1011

x Siehe David E. Spiro: “The Hidden Hand of American Hegemony. Petrodollar Recycling And International Markets“, Cornell University Press, Ithaca and London, 1999.

xi Siehe James R. Norman: “The Oil Card. Global Economic Warfare in the 21st Century“, Trine Day, Walterville, 2008, und Peter Schweizer: “Victory: The Reagan Administration’s Secret Strategy that Hastened the Collapse of he Soviet Union“, TheAtlantic Monthly Press, New York, 1994.

xii Siehe beispielsweise das Interview von Le Nouvel Observateur mit Zbigniew Brzezinski, Paris, 15-21 Januar 1998, zitert in Peter Dale Scott: “Drugs, Oil, and War: The United States in Afghanistan, Colombia, and Indochina“, Rowman & Littlefield, Lanham, 2003, Seite 35:

Q: When the Soviets justified their intervention by asserting that they intended to fight against a secret involvement of the United States in Afghanistan, people didn’t believe them. However, there was a basis of truth. You don’t regret anything today?

Brzezinski: Regret what? That secret operation was an excellent idea. It had the effect of drawing the Russians into the Afghan trap and you want me to regret it? The day that the Soviets officially crossed the border, I wrote to President Carter: We now have the opportunity of giving to the USSR its Vietnam war. Indeed, for almost 10 years, Moscow had to carry on a war unsupportable by the government, a conflict that brought about the demoralization and finally the breakup of the Soviet empire.

Both comments and pings are currently closed.

Comments are closed.

Subscribe to RSS Feed Lars Schall auf Twitter folgen