Gold ist totes Material

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Für die vom Schild Verlag produzierte Filmdokumentation “Der Krieg um Gold und Silber“ drehen wir demnächst in Österreich, um unter anderem mit Professor Franz Hörmann von der Wirtschaftsuniversität Wien zu sprechen. Vorab hat er einige meiner Fragen bezüglich Finanzsystem-Crash, Währungsreform, Eliten und Gold schriftlich beantwortet.

Von Lars Schall

Franz Hörmann, der 1960 in Wien geboren wurde, ist Professor für Unternehmensrechnung an der Wirtschaftsuniversität Wien. Er zählt zu den Kritikern des derzeitigen Finanzsystems, das er als “Betrugsmodell“ bezeichnet. Hierbei setzt er sich insbesondere mit der Geldschöpfung heutiger Prägung auseinander. Zusammen mit Ottmar Pregetter hat er das Buch “Das Ende des Geldes: Wegweiser in eine ökosoziale Gesellschaft“ geschrieben, das dieses Jahr im Galila Verlag erschien. Die Website von Professor Hörmann bei der Wirtschaftsuniversität Wien ist zu finden unter:

http://www.wu.ac.at/taxmanagement/Institut/Mitarbeiter/Hoermann/new2006/index.html.

Kommt der globale Finanz- und Währungs-Crash? Und wenn er kommt, worauf ist er zurückzuführen?

Professor Hörmann: In Wahrheit ist er schon längst eingetreten. Nur durch Bruch sämtlicher internationaler und nationaler Verträge bzw. Gesetze (EU-Vertrag von Lissabon wegen Griechenland-Bailout, dt. Grundgesetz durch Finanzmarktstabilisierungsgesetz etc.) kann ein funktionierendes Geldsystem der Bevölkerung noch vorgetäuscht werden.

Zurückzuführen ist es einerseits auf den Umstand, dass Geld nur als Schuld (im Kredit) und gegen Zinseszins erzeugt wird. Andererseits werden laufend neue sogenannte fungible Wertpapiere in Form von Wetten erzeugt (z.B. CDS, Credit Default Swaps, also Kreditausfallversicherungen), welche in Wahrheit nur eine Ausweitung der Geldmenge für kleine Bevölkerungsgruppen (sog. Eliten) darstellen, die auf diese Art und Weise leistungslose Einkommen erhalten. Leider funktioniert dies im Nullsummenspiel des aktuellen Geldsystems aber immer nur auf Kosten anderer Bevölkerungsgruppen, wie z.B. jener Menschen, denen nun in den südlichen europäischen Ländern sogenannte Sparpakete zugemutet werden.

Könnte der Crash verhindert werden?

Professor Hörmann: Der Crash des Währungssystems hätte nur durch den Umstieg auf ein anderes Währungssystem verhindert werden können. Dies ist bis jetzt noch nicht geschehen, ist aber nach wie vor noch eine Option für die Demokratien.

So er verhindert werden könnte, warum wird er dann nicht verhindert?

Professor Hörmann: Die politischen Eliten müssen auf jeden Fall verhindern, dass die Bevölkerung das Geldsystem versteht, denn durch die Einführung eines anderen Geldsystems würden diese kleinen Gruppen ihre Machtstellung als Elite verlieren. Ein demokratisches Geldsystem, welches z.B. auf Leistung und nicht auf Eigentum und Erbschaft beruht, würde auch zu einer verbesserten menschlichen Evolution führen, da Menschen dann für neue und verbesserte persönliche Fähigkeiten belohnt würden und nicht für Einheirat, Betrug oder Gattenmord. Im bestehenden System hingegen verkümmern die Fähigkeiten der Eliten in beschleunigter Form, denn schon heute sind sie hilflos ihren Beratern ausgeliefert und diese sind es in Wahrheit, die die Fäden der Macht in Händen halten.

Wie wahrscheinlich ist die Realisierung eines (teilgedeckten) Goldstandards?

Professor Hörmann: Dies ist ziemlich unwahrscheinlich, da die Goldvorräte der Zentralbanken schon lange in privaten Kanälen verschwunden sind und niemand heute noch sagen kann, wer es tatsächlich besitzt. Aus diesem Grund müssen die internationalen Banker auf jeden Fall verhindern, dass ein Goldstandard jemals wieder eingeführt wird.

Doch auch aus Sicht der menschlichen Entwicklung wäre ein Goldstandard ein Rückschritt, da dabei wieder ein „Wert“ einem knappen Material (nämlich Gold) zugeschrieben wird, anstatt menschlichen Leistungen bzw. Fähigkeiten. Menschen werden ihre Fähigkeiten nur dann sinnvoll weiterentwickeln, wenn diese in der Gesellschaft auch wertgeschätzt und belohnt werden und nicht totes Material, das in elitären Familien vererbt wird.

Gold als Geld oder als private Vorsorge – ein Widerspruch?

Professor Hörmann: Gold ist ein künstlich verknapptes Material ohne nennenswerten Funktionsnutzen. Wenn die Menschen nicht künstlich darauf konditioniert würden, es mehr zu schätzen als ihre eigenen Fähigkeiten, dann würde es in unserer Gesellschaft auch nicht diese unangemessene Beachtung erfahren.

Wer wären die großen Verlierer/Gewinner einer Währungsreform hin zu einem (teilgedeckten) Goldstandard?

Professor Hörmann: Verlierer wären v.a. die Zentralbanken, die nicht erklären könnten, wo das Währungsgold geblieben ist. Aus diesem Grund ist jede Form eines Goldstandards weltweit völlig undenkbar.

Was sind die Grundlagen einer Währungsreform?

Professor Hörmann: Es ist zu befürchten, dass einfach Zettel in anderer Farbe (und mit bedeutend niedrigerem Wert, also einem sog. Währungsschnitt) eingeführt werden, wobei die Regeln der Geldschöpfung (als Schuld durch einen simplen Buchungssatz einer Geschäftsbank in der Kreditvergabe) weiter beibehalten werden. Dies würde bedeuten, dass die breite Bevölkerung enteignet wird (da ihre Spareinlagen und sonstigen Geldvermögen zu einem nachteiligen Kurs in die neue Währung übergeleitet würde), während die Eliten, welche ihr Vermögen längst in Immobilien, Aktien und andere „reale Werte“ umgeschichtet haben, davon, so wie in jeder Währungsreform, unangemessen profitieren würden. Aus diesem Grunde müsste eine Währungsreform auch mit der vollständigen Enteignung von Unternehmens(finanz)eigentümern, Eigentümern von Zinshäusern etc. kombiniert werden, alles andere wäre tatsächlich gleichheitswidrig.

Welche Wechselwirkung bestünden zwischen einer Währungsreform und der Finanz-Elite?

Professor Hörmann: Die Eliten erzeugen solange Geld für sich selbst (in Form von fungiblen Wertpapieren und „Finanzinnovationen“), bis das Geldsystem durch diesen Missbrauch zusammenbricht.  Zuvor schichten sie das Vermögen in „reale Werte“ (Aktien, Immobilien, Rohstoffe etc.) um. Da sie ja die Politik beherrschen, können sie auch entscheiden, wann der Crash erfolgt (also „den Stecker ziehen“). Das geschieht erst, wenn ihr Vermögen in Sachwerte umgeschichtet und jenes der breiten Bevölkerung in Geld umgeschichtet (liquidiert) ist. Diese Situation liegt nun wieder einmal vor.

Solange die breite Bevölkerung diesen einfachen Zusammenhang zwischen ungedecktem Geld („Geld aus Luft“) und Eigentum an Unternehmen, Rohstoffen und Immobilien zu reinen Ausbeutungs- und Spekulationszwecken nicht durchschaut und die Geldschöpfung in staatlicher Hand bzw. Unternehmen, Rohstoffe und Immobilien eigentumslos verwaltet werden, werden diese Missbrauchszyklen sich immer wiederholen und auch noch zahllose Kriege zur Ablenkung bzw. Eroberung von Rohstoffquellen angezettelt werden.

Erst eine auf friedlicher Kooperation beruhende Zivilisation, welche in finanziellen Zahlen keine Werte sondern nur Hilfsmittel zur gleichmäßigen Verteilung von Gütern und Dienstleistungen in der Gesellschaft sieht, jeden Menschen in gleicher Weise respektiert und alle Individuen in Freiheit und Selbstbestimmung leben lässt, kann diese durch die Zwangsschul-Verdummung getarnte Sklavenwirtschaft endgültig überwinden.

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