„Selbstständigkeit ist der Schlüssel“

Empfehlen / Bookmarken

In der Matterhorn-Interview-Reihe sprach Lars Schall mit dem geopolitischen Trend-Entdecker, Experten für natürliche Ressourcen und Ökonom Chris Berry über die verschiedenen Faktoren, die die Preise für Edelmetalle und Rohöl höher treiben; die kurzsichtige Energiepolitik des Westens; die Seltenen Erden-Industrie; und die Bedeutung von Kali, um die weltweite Armut zu bekämpfen.

Von Lars Schall

Das englische Original des nachfolgenden Interviews erschien auf der Website von GoldSwitzerland unter diesem Link:

http://goldswitzerland.com/index.php/self-sufficiency-is-key-the-matterhorn-interview-november-2011/.

Chris Berry (geboren 1974 in Phoenix, Arizona) hat einen MBA in Finanzen mit internationalem Fokus von der Fordham University und einen BA in Internationale Studien vom Virginia Military Institute. Er arbeitete mehr als ein Jahrzehnt lang in verschiedenen Aufgabenbereichen an der Wall Street. Im Jahr 2010 gründete er House Mountain Partners LLC. Das Unternehmen konzentriert sich auf die Schnittstelle dreier Bereiche:

  • Den neuen geopolitischen Beziehung zwischen Schwellen- und Industrieländern;

  • Dem Rohstoff- und Energiebereich;

  • Junior Mining und Rohstoffaktien.

Chris Berry ist Mitglied des Canadian American Business Council, trägt zusammen mit seinem Vater, Dr. Michael Berry, aktiv zum Morning-Notes-E-Mail-Newsletter bei (siehe: DiscoveryInvesting.com), und schreibt Kolumnen für verschiedene Publikationen wie dem Gold Report. Er lebt in New York City, U.S.A.

Herr Berry, lassen Sie uns mit Gold beginnen. Wie fassen Sie das diesjährige Geschehen in diesem Markt zusammen?

Chris Berry: Wir sind in einem seit 10 Jahre andauernden sekulären Bullenmarkt für Gold und nichts hat sich im Jahr 2011 gewandelt, um meine Meinung abzuändern. Bezüglich der Zusammenfassung des diesjährigen Geschehens beim Gold, erreichte das gelbe Metall ein Allzeit-Hoch von $1922 pro Unze in diesem Sommer, wurde dann ein wenig verkauft, und ist seither seitwärts gehandelt worden. Es gibt einiges an Volatilität, die mit dem Goldpreis verbunden ist, jedoch bieten die Faktoren, aus denen sich der sekuläre Bullenmarkt zusammensetzt, dem Goldpreis weiterhin einen guten Boden und sie sind immer noch intakt. Dazu gehört ein geringes neues Angebot, das auf den Markt kommt, ein starker Kauf von Barren aus Indien und China, und die Zentralbanken werden zu Netto-Käufer von Barren, da sie Fiat-Papierwährungen durch ein angemessenes Wertaufbewahrungsmittel zu ersetzen suchen. Trotz der Tatsache also, dass Gold in den letzten Monaten seitwärts gehandelt werde, erwarte ich höhere Goldpreise in der Zukunft zu sehen.

Glauben Sie, dass kurzfristige Spekulanten ein Faktor sind?

Chris Berry: Ich denke gewiss, dass es ein Element der Spekulation im Goldmarkt gibt. Kürzlich versuchte die London Bullion Market Association die Größe des Goldmarkts herauszufinden, indem man sich den Goldterminwarenhandel in London ansah. Was sie vorfanden war, dass an jedem einzelnen Tag über 19.6 Millionen Unzen Gold gehandelt werden, was vielleicht oder vielleicht auch nicht nach viel ausschaut, abhängig von Ihrer Perspektive, aber wenn Sie an die Tatsache denken, dass im vergangenen Jahr nur 86 Millionen Unzen Gold global abgebaut wurden, bedeutet das im Grunde, dass in jeder Woche in diesem Jahr der gesamte Bestand des letztjährigen Goldproduktion gehandelt wurde. Eine andere Geschichte: Ich habe einen Freund, der Gold-Futures in New York handelte, und zufällig arbeitete er am 11. September 2001. Er sagte, dass keiner der Händler verstehen konnte, was geschah, als Gold um $10 stieg. Heute bewegt sich Gold routinemäßig um $10 und oft mehr an einem Tag, was mir sagt, dass es mehr Aktivität im Goldterminwarenhandel und Chancen für Spekulanten gibt.

Was sagt Ihnen das?

Chris Berry: Das sagt mir, dass Spekulation sicherlich ein Faktor im Goldmarkt ist. Die Tatsache, dass allein nur in London jede Woche der gesamte Goldbestand des vergangenen Jahres gehandelt wird, erzählt einiges. Die Volatilität des Goldpreises ist ein weiterer Indikator. Dies ignoriert die Aktivität im Futures-Handel in New York, in Shanghai und an anderen Terminmärkten auf der ganzen Welt. Die Exchange Traded Funds haben den Massen ebenfalls eine Möglichkeit zum Spekulieren im Goldmarkt gegeben. Diese Art des spekulativen Handels fügt den Märkten Volatilität hinzu, was die Unsicherheit und die Richtung der globalen Wirtschaft ergänzt. Insgesamt jedoch haben die Kreditblase und die daraus resultierende Schuldenkrise, vor der wir jetzt in der Eurozone sowie in den Vereinigten Staaten stehen, mehr als alles andere den Goldpreis höher getrieben und sie werden dies auch weiterhin tun, da die westlichen Regierungen das Problem vor sich herschieben und jede Lösung dieser Krise verzögern. Ich sehe keine kurzfristige Lösung hierfür. Wenn man eine langfristige Perspektive einnimmt, ist Gold ein großartiger Ort, um sich aufzuhalten.

Angesichts der Entwicklung von Gold während der letzten 10 Jahre, warum würden Sie sagen, dass Gold noch nicht in einer Blase befindlich ist?

Chris Berry: Gold ist aus verschiedenen Gründen in keiner Blase. Ein paar der Gründe haben wir bereits erwähnt, aber sie verdienen es, wiederholt zu werden. Nummer eins: Die Verbraucher in Ländern wie China und Indien sind jetzt Käufer von Gold und Silber aufgrund ihrer steigenden verfügbaren Einkommen und der steigende Lebensqualität. Diese Bürger wollen ihren neuen Wohlstand durch den Kauf von physischem Gold und physischem Silber schützen. China hatte bis in die 1930er Jahre einen Silberstandard, weswegen ihnen die Idee, eine durch harte Vermögenswerte gedeckte Währung zu haben, nicht fremd ist. Nummer zwei: Zentralbanken sind Netto-Käufer von Goldbarren. Ich habe Berichte gesehen, wonach Zentralbanken insgesamt 500 Tonnen netto an Goldbarren im Jahr 2011 akkumulierten. Dies ist gegenüber insgesamt 77 Tonnen im Jahr 2010 zu sehen. Davor waren die Zentralbanken Nettoverkäufer. Von China über Mexiko bis Kasachstan eilen Zentralbanken auf der ganzen Welt hin zu einem Wertaufbewahrungsmittel – das ist genau so wie seit Jahrhunderten Gold. Nummer drei: Das neue Angebot an Gold, das auf den Markt kommt, ist gering und war es in den letzten paar Jahren gewesen. Wenn die Nachfrage weiter steigt, werden die großen Minengesellschaften „Unzen ersetzen“ müssen, was ein gutes Omen für die kleineren Goldminenfirmen und Explorationsunternehmen für die Zukunft darstellt. Nummer vier: Das neuentdeckte Interesse seitens von Investoren im „Besitz“ von Barren durch Exchange Traded Funds. Kürzlich habe ich mir die Größe von GLD angeschaut, dem Exchange Traded Fund, der angeblich von Goldbarren gedeckt wird. Der Fonds existiert seit sieben Jahren und hat ca. 64 Milliarden US-Dollar an Vermögenswerten, was größer ist als das Bruttoinlandsprodukt von 142 Ländern auf der ganzen Welt. Nummer fünf: Der vielleicht wichtigste Grund für den Aufstieg des Goldes ist die wirtschaftliche Lage, in er sich heute sowohl die Vereinigten Staaten als auch die Eurozone befinden. Die beträchtliche Schuldenlast auf den Ebenen der Verbraucher und Staaten zeigt keinerlei Zeichen der Abschwächung. Da die westlichen Regierungen versuchen, sich ihren Weg aus dieser Schuldenkrise durch das Drucken von Papierwährungen per Inflation zu bahnen, werden Gold und Silber weiterhin als sichere Häfen profitieren.

Möchten Sie uns Ihre drei Lieblingsedelmetallminengesellschaften nennen, kleinere oder größere, sowohl für Silber als auch für Gold?

Chris Berry: Sicher. Aber diese sind in keiner bestimmten Reihenfolge; es sind nur diejenigen, auf die ich mich konzentriere. Bitte beachten Sie auch, dass ich kein Anlageberater bin, eine gründliche Prüfung seitens Ihrer Leser ist daher ein Muss. Beginnend mit Silber, ist eine Firma, die ich mag, Endeavour Silver. Dies ist ein in Vancouver ansässiges Unternehmen, das von Brad Cooke geführt wird.

Ich kenne Hugh Clark, der die Unternehmenskommunikation leitet.

Chris Berry: Hugh ist ein fantastischer Repräsentant für die gesamte Silber-Industrie, ein sehr intelligenter Kerl.

Ja.

Chris Berry: Endeavour Silver hält Grundstücke in Mexiko, und ich besuchten eines davon in Guanajuato, Mexiko im Mai 2010. Dies ist ein Unternehmen, dessen Silberproduktion und Reserven zweistellig wachsen. Sie produzieren auch eine kleine Menge an Gold, was die Gesamtkosten der Produktion senkt. Endeavour ist ein aufstrebender Silberproduzent, der eine enorme Menge an Cashflow auf der Tatsache gründend generiert, dass der Silberpreis derzeit bei rund $ 33 pro Unze steht. Das letzte Mal, als ich mir die Produktionskosten bei Endeavor ansah, waren es $ 5.03 pro Unze unter Anrechnung der Goldkredite. In ihrer jüngsten vierteljährlichen Aktualisierung sind die Nettoergebnisse, EBITDA (das heißt: rein operatives Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen – Anm. des Übersetzers), der Cashflow und die Einnahmen alle deutlich gestiegen, genau wie ihre Silber- und Goldproduktion (alles im Vergleich zum dritten Quartal 2010). Um das hinzufügen, ihre Barkosten sind gefallen, was alles zusammen zu einem sehr positiven Quartalsergebnis und Ausblick für die Zukunft führte. Endeavour erhöhte die Kapazität der Anlage in Guanajuato auf 1.000 Tonnen pro Tag, was eindeutig dazu beigetragen hat, diese positiven finanziellen Resultate zu liefern.

Zweitens ist ein anderes Unternehmen, das ich mag, Hecla Mining, was eine Firma ist, die als ein größerer Produzent von Silber erachtet werden würde. Dieses Unternehmen ist der größte Silber-Produzent in den Vereinigten Staaten. Es betreibt Minen in Alaska (Greens Creek, die seit 1989 in Betrieb ist) und Idaho (Lucky Friday, die seit 1942 in Betrieb ist), und besitzt weitere Grundstücke, die Explorationsaktivitäten unterzogen werden. Das Unternehmen hat keine Schulden, besitzt über $ 400 Millionen an Cash, und zahlt ihrer jüngsten Unternehmenspräsentation zufolge eine Dividende. Hecla produziert jährlich zwischen 9 und 10 Millionen Unzen Silber und ist dabei, seine Produktionskapazität um rund 50% über die nächsten fünf Jahre auszubauen. Ich denke, basierend auf der Produktion und den Plänen für das künftige Wachstum in der Branche ist dies ein unterbewertetes Unternehmen. In den USA wird es zurzeit um $ 5,75 pro Aktie gehandelt.

Ein weiterer interessanter Produzent ist Alexco Resources. Einer der zwei oder drei “Brennpunkte“ des Minengeschäfts, wenn man so will, für die Exploration und Produktion weltweit ist der Yukon in Kanada. Dies ist ein Gebiet, das vor etwa einhundert Jahren den Yukon-Goldrausch erlebte, und es erlebt nunmehr einen ähnlichen Ansturm aufgrund hoher Metallpreise und Fortschritte in der Bergbau-Technologie, die aus bestimmten Vorkommen berechtigte Kandidaten für fortgeschrittene Explorationstätigkeiten machen. Alexco ist schon seit einiger Zeit im Yukon und sie betreiben eine Mine, die Bellekeno genannt wird, die derzeit einzige primäre Produktionssilbermine in Kanada. Das Silber, das hier abgebaut wird, ist zudem sehr hochwertig – man denkt, dass es zu den höchsten Silbergraden in der Welt zählt. Das Unternehmen wird 2011 zwischen 2.2 bis 2.5 Millionen Unzen Silber produzieren, und es hat das ehrgeizige Ziel, in drei Jahren bis zu 5 Millionen Unzen Silber zu produzieren. Das letzte Mal, als ich hinsah, hatte das Unternehmen über $ 50 Millionen an Cash auf der Bilanz, so dass sie klar positioniert sind, um zu wachsen. Alexco ist ähnlich wie Endeavour Silver: sie werden als “mittelständische“ Produzenten angesehen, die reichlich Potential zur Produktionserweiterung haben. Darüber hinaus befinden sich beide Unternehmen in großartigen Rechtsgebieten für das Betreiben von Minen. Ein letzter Aspekt, den ich an Alexco mag, ist die Führung, es ist ein sehr gut geführtes Unternehmen. Der CEO, Clynton Nauman, ist ein Mann mit einer Fülle an Erfahrung in der Minenindustrie und er ist die richtige Person am richtigen Ort an der richtigen Stelle.

Bezogen auf Gold möchte ich auf Midway Gold hinweisen. Midway ist ein Unternehmen, das an der fortgeschrittenen Exploration nach Gold beteiligt ist, wie es sein Name vermuten lässt. Sie haben Grundstücke in den westlichen Vereinigten Staaten, vor allem in Nevada. Das Herzstück ihres Besitzes, wenn man so will, ist ein 70/30-Joint-Venture mit Barrick Gold, das Spring Valley genannt wird. Ich glaube, die qualifizierte NI 43-101-Ressourcenschätzung beträgt 2.1 Millionen Unzen Gold in den gemessenen und indizierten Kategorien und etwa 1.9 Millionen Unzen Gold bei einer Abtrennung (cutoff) von 0,14 Gramm pro Tonne in der abgeleiteten Kategorie. Immer dann, wenn ein Junior-Unternehmen einen Senior-Produzenten anziehen kann, um an einem seiner Grundstücke mitzuverdienen, sagt das viel über das Kaliber des Unternehmens und auch über das Kaliber des Vermögenswertes aus. Midway hat weitere Grundstücke, die sich in verschiedenen Stadien der Entwicklung befinden, einschließlich dem Pan-Vorkommen in Nevada. Für 2013 haben sie ein Produktionsziel auf diesem Grundstück erklärt, welches nach NI 43-101 eine qualifizierte nachgewiesene und wahrscheinliche Reserve von 864.000 Unzen Gold bei verschiedenen Abtrennungen von 0,21 Gramm pro Tonne und 0,27 Gramm pro Tonne besitzt sowie eine gemessene und indizierte Ressource von 1.130.000 Unzen Gold bei einer Abtrennung von 0,14 Gramm pro Tonne. Für diese Lagerstätte wurde eine Machbarkeitsstudie abgeschlossen, die Nach-Steuer-Kapitalinvestition betrug $ 99 Millionen und man geht von einer jährlichen Produktion von 81.000 Unzen bei Gesamt-Cash-Kosten von $ 585 pro Unze aus. Ich besitze Anteile an Midway Gold.

In Bezug auf die Senior-Goldproduzenten muss ich sagen, dass sie im vergangenen Jahr eine wirklich raue Strecke hatten, wenn man sich den Goldpreis ansieht. Er ist zwischen 10 bis 20 Prozent hochgegangen, und einige der Senior-Produzenten konnten einfach nicht mithalten. Das gesagt habend, ist der Senior-Goldproduzent, den ich derzeit verfolge, Goldcorp. Dies ist eine Firma, die eine Dividende zahlt, die enorme Mengen an Cashflow erzeugt (über $ 680 Millionen im dritten Quartal 2011), und die Barkosten für die Produktion (auf einer Nebenprodukt-Basis) von $ 258 pro Unze Gold hat. Bei einem Goldhandel von ungefähr $ 1.650 bis $ 1.700 pro Unze können Sie sehen, warum sich das Unternehmen in einer starken finanziellen Position befindet. Von Goldcorps Penasquito-Mine in Mexiko wird das Erbringen eines starken Cashflows für die Zukunft erwartet, da das Unternehmen Gold, Silber, Blei und Zink in der Mine produzieren wird, was abermals die Gesamt-Cash-Kosten für die Firma senkt. Goldcorp wird in der Zukunft von der Produktion von Edel- und Basismetallen und einer starken Entwicklungs-Pipeline profitieren. Ich besitze Anteile an Goldcorp.

Die letzte Firma ist ein Hybrid in dem Sinne, dass sie sowohl Edelmetall- als auch Basismetall-Grundstücke in Nordamerika hält, und das ist Quaterra Resources. Das Unternehmen befindet sich in fortgeschrittener Exploration in ganz Nordamerika und wird von Dr. Tom Patton geleitet. Dr. Patton verfügt über eine reiche Erfahrung in der Minenindustrie, sowohl bei Senior- als auch Junior-Unternehmen, und als CEO von Western Silver Corp war er an der Entdeckung der Penasquito-Mine beteiligt, auf die ich oben hingewiesen habe. Am meisten begeistert mich an dieser Firma das Potential, das sie mit ihren Kupfer-Grundstücken in Nevada besitzt, speziell das Yerington-Grundstück. Dies ist ein ehemaliger Tagebau mit einer historischen Ressourcenschätzung, die Quaterra NI 43-101 konform zu machen versucht. Ich persönlich bin optimistisch, was Kupfer angeht, und ich möchte vielversprechende Vorkommen in verlässlichen politischen Rechtsgebieten wie Nevada finden.

Das sind also ein paar Namen, die ich derzeit in der Edelmetall-Arena verfolge.

In Anbetracht der Möglichkeit für eine Depression, denken Sie, dass sich Silber unter diesen Umständen gut entwickeln würde?

Chris Berry: Wenn wir in eine Depression gehen, würde ich behaupten, dass sich Silber nicht gut entwickelt, und der Grund dafür ist der, weil Silber überwiegend ein industrielles Metall ist. In einer Depression gäbe es sehr wenig wirtschaftliche Aktivität oder Wachstum, wenn überhaupt. Wir würden wahrscheinlich mit einem Szenario der fortwährenden wirtschaftlichen Kontraktion konfrontiert werden, was mir sagen würde, Silber zu meiden.

Sehen Sie in der Tat eine Depression auf uns warten?

Chris Berry: Ich sehe darauf aus amerikanischer Perspektive, und ich denke, in den Vereinigten Staaten bewegen wir uns auf eine deflationäre Spirale zu. Schauen Sie, was Fed-Chef Ben Bernanke mit der Zentralbankgeldmenge (monetary base) getan hat. Er hat die Druckerpressen angeworfen und sie haben nicht aufgehört, was die Geldmenge in den USA exponentiell erhöhte. Lassen Sie mich Ihnen diesen Chart zeigen, der ein relativ stetiges Wachstum der Zentralbankgeldmenge in der US-Wirtschaft zeigt – und dann ist es einfach absolut explodiert, als die Große Rezession eintrat:

Als nächstes schauen Sie, was mit dem Geldschöpfungsmultiplikator in der US-Wirtschaft passiert ist:

Grundsätzlich sollte für jeden Dollar, der in der US-Wirtschaft in Umlauf gebracht wird, mindestens ein zusätzlicher Dollar durch Kreditvergabe und Wirtschaftswachstum geschaffen werden. Dieser Chart zeigt uns, dass jeder Dollar, der der US-Wirtschaft zugeführt wird, jetzt weniger als einen Dollar des Wachstums erschafft. Während also die Geldmenge steigt, erzählt uns der Geldschöpfungsmultiplikator, dass das Geld nicht geliehen wird, was darauf hindeutet, dass wir bestenfalls ein schleppendes Wirtschaftswachstums in der Zukunft haben.

Die Theorie hinter dieser Idee ist, dass man die Wirtschaft mit Geld flutet, um die gesamtwirtschaftliche Nachfrage, Kreditschöpfung, Kreditvergabe und letztlich die Inflation zu schüren. Inflation ist ein schmutziges Wort, allgemein gesprochen, aber eigentlich ist ein wenig Inflation in einer Volkswirtschaft eine gute Sache. Es gibt natürlich Unterschiede zwischen Kostendruck- und Nachfrage-Inflation, aber das ist ein anderes Thema für ein anderes Mal. Nach all dieser Aktivität vergeben die Banken keine Kredite, was, wie ich denke, etwas über den wahren Zustand ihrer Bilanzen aussagt. Was die Banken in den Vereinigten Staaten getan haben, ist im Grunde, dass sie sich dieses Geld von der Fed nahmen und dass sie daran festhalten. Dennoch setzt die Fed das Drucken von noch mehr Geld fort, was ein weiterer Grund dafür ist, warum die Menschen auf der ganzen Welt hin zum Gold eilen.

Es scheint ein wenig Wachstum in der US-Wirtschaft im dritten Quartal mit einer Steigerung des BIP um 2% zu geben, aber dieses Wachstum ist nicht robust genug, um die gesamtwirtschaftliche Nachfrage in den Vereinigten Staaten zu schüren. Diese Herausforderung wird durch eine hohe strukturelle Arbeitslosigkeit verschärft. Man hat eine gewaltige Konjunkturflaute, und das ist es, warum ich glaube, dass wir eine Deflation sehen werden, bevor wir die Inflation zu sehen bekommen. Jeder Kreditzyklus muss sich klären und beenden, ehe ein neuer beginnen kann. Alle Schulden müssen zurückgezahlt werden. In den USA wursteln wir uns immer noch durch eine zerplatzte Kreditblase hindurch. Man hat einen gigantischen Schuldenüberhang auf der Ebene der Verbraucher und der Unternehmen, und bis sich das nicht geklärt hat, bis dieser Entschuldungsprozess, der stattfinden muss, nicht abgeschlossen ist, werden die Banken nicht weiter auf einem Niveau Kredite vergeben, die dem Wirtschaftswachstum zu helfen vermögen. Die meisten Entschuldungszyklen können zwischen fünf und sieben Jahren dauern. Die Fed kann so viel Geld drucken, wie sie will, es scheint nicht, dass es irgendetwas Gutes bewirkt.

Warum ist die Gold-Politik in den sich entwickelnden Ländern fundamental anders im Vergleich zur Gold-Politik des Westens?

Chris Berry: Nun, nehmen wir China. Wie ich bereits erwähnte, hatte China bis in die 1930er Jahre einen Silberstandard. Die Idee soliden Geldes ist kein Fremdwort für die Chinesen. China hat natürlich $ 2,5 bis $ 3 Billionen an Währungsreserven, die überwiegend aus Papier-Fiat-Währungen bestehen. Die Chinesen realisieren dies offensichtlich, und das ist der Grund, warum sie eine Diversifizierung raus aus Dollar und Euro und rein in harte Vermögenswerte wie Gold vornehmen. Nur als Beispiel: im Jahr 2000 war China verantwortlich für 6 Prozent der weltweiten Goldbarren-Nachfrage. Zehn Jahre später, im Jahr 2010, waren sie verantwortlich für 18 Prozent, und das wird angeblich wieder steigen im Jahr 2011. Ein weiteres Beispiel ist Indien, das der größte Importeur von Goldbarren in der Welt ist. Im vergangenen Jahr importierten sie 958 Tonnen. In diesem Jahr werden sie mehr als 1000 Tonnen importieren. China und Indien müssen ihre Bevölkerungen mit gesundem Geld unterstützen. Papierwährungen werden nicht die Tagesregel sein – sind sie nie gewesen. Darüber hinaus lohnt ein Blick auf die jüngsten Maßnahmen der Zentralbank von Kasachstan, die das ausgeübt hat, was als „Vorrecht“ bekannt ist. Dieses gibt der Zentralbank das Recht, die gesamte inländischen Goldproduktion ab 1. Januar 2012 aufzukaufen. Ein letztes Beispiel ist Mexiko. Im Januar 2011 importierten sie 7,3 Tonnen Gold, im Juli 2011 importierten sie 100 Tonnen – es stieg binnen sieben Monaten um mehr als den Faktor Zehn. Dies sind nur zwei relativ obskure Zentralbanken in den Entwicklungsländern, die in Richtung Gold eilen, weil sie die Torheit der Fiat-Währungen erkannt zu haben scheinen.

Sie erwähnten China. Was sind Ihre Gedanken in Bezug auf die Tatsache, dass China nicht nur der größte Silber-Produzent der Welt ist, sondern auch eine Menge davon importiert?

Chris Berry: Dies spricht für ihren unersättlichen Appetit auf Metalle im Allgemeinen. China ist der größte Produzent und Verbraucher einer ganzen Reihe von Metallen. Gold und Silber sind nur zwei von ihnen. Sie sind auch für über 40 Prozent des weltweiten Verbrauchs von Kupfer verantwortlich. Mit Bezug auf Silber exportierte China bis 2005 jedes Jahr 100 Millionen Unzen Silber. Im vergangenen Jahr importierten sie über 100 Millionen Unzen. Diese dramatische Umkehr hat vor allem mit dem Wirtschaftswachstum und der unverzichtbaren Rolle des Silbers als industrielles Metall zu tun, aber auch wiederum mit dem Fiat-Währungs-Argument und der Rolle des Silbers als Wertaufbewahrungsmittel.

Es gibt klare Anzeichen für „umfassende Beziehungen“ zwischen China und Russland, wie es der chinesische Präsident Hu Jintao nannte. Was sind die Gründe dafür und was erwarten Sie davon?

Chris Berry: Ich denke, es dreht sich um den Zugang zu natürlichen Ressourcen. Chinas Führer versuchen, in Ermangelung eines besseren Ausdrucks, ihre Bevölkerung glücklich zu halten, und sie werden dies tun, indem sie eine Steigerung der Lebensqualität für ihre Bürger bereitstellen. Diese Steigerung der Lebensqualität wird auf dem Rücken von Ressourcen aufgebaut. Russland ist ein Land, das ähnlich wie Australien oder Kanada mit reichlich vorhandenen natürlichen Ressourcen gesegnet ist. Diese „umfassenden Beziehungen“ drehen sich also wirklich um den Zugang zu natürlichen Ressourcen. Darüber hinaus sind China und Russland nicht gewillt, dass sich die Vereinigten Staaten in ihrem Hinterhof einmischen, so wie sie es 2005 taten, als George W. Bush nach Indien ging und eine zivile Kernenergie-Vereinbarung unterzeichnete, um Indien den Zugang und Transfer von Nukleartechnologie für zivile Zwecke zu gewähren. Die jüngsten Maßnahmen von Präsident Obama, um eine US-Truppenpräsenz in Australien zu etablieren, haben in Peking und Moskau sicherlich ebenfalls für einiges Stirnrunzeln gesorgt. Es ist auch lehrreich zu sehen, dass Vladimir Putin vor kurzem nach einer „Eurasischen Union“ rief, die verschiedene Staaten der ehemaligen Sowjetunion zusammenführen und ihre Stärken steigern soll. Ich denke, dass das auch ein Zurückdrängen der Vereinigten Staaten und ihrer militärischen und diplomatischen Präsenz in der Region darstellt.

Glauben Sie, dass China und Russland eines Tages zwei von Gold gedeckte Währungen oder vielleicht sogar eine gemeinsame herausgeben werden?

Chris Berry: Na ja, wenn die Dinge so weitergehen, wie sie sind, tue ich das absolut. Ein Zeichen für kommende Dinge ist die Vereinbarung, die Russland und China unterzeichneten, um den US-Dollar im bilateralen Handel zu meiden. Das Denken ist hier, dass dies ein kleiner Schritt in Richtung der Entthronung des US-Dollar als globale Leitwährung ist. Jedoch ist der US-Dollar im Moment so flüssig und so tief verwurzelt – etwa 85 Prozent des Welthandels werden in US-Dollar abgerechnet, und 60 Prozent davon haben mit Handel zu tun, der aus Ländern außerhalb der Vereinigten Staaten stammt. Es ist ein überwältigender Anteil des Welthandels, der in Dollar abgerechnet wird, und letztlich ja, ich sehe, dass sich das ändert, aber ich sehe nicht, dass das bald geschehen wird. Und um zu betonen, warum das so ist: die Vereinigten Staaten haben die stärkste Militärmacht der Welt, und solange sie die stärkste Militärmacht der Welt haben, werden sie die Leitwährung haben. Dies ist die Art von politisch unkorrekten Aussagen, die die Politiker nicht machen können, aber seien wir ehrlich, es ist wahr.

Da man das Argument vorbringen könnte, dass die USA ihr Militär benutzen, um sicherzustellen, dass sie einen großen Teil der weltweiten Versorgung mit Rohöl abbekommen, das in Dollar gehandelt wird: Was sind Ihre Gedanken in Bezug auf Peak Oil?

Chris Berry: Ich denke, wir haben den Punkt des „Peak Cheap Oil“ hinter uns gelassen, sozusagen. Wenn das nicht der Fall ist, warum bohrt dann British Petroleum 3 Meilen tief im Wasser vor der Küste von Louisiana? Oder in Saudi-Arabien, warum müssen sie immer mehr Wasser in die Ölfelder wie Ghawar hineinpumpen? Es scheint mir, dass das leicht zugängliche oder billige Öl gefunden wurde. Peak Oil ist ein bisschen ein bewegliches Ziel – wenn wir es nicht schon erreicht haben, sind wir gewiss nahe dran. Und das ist ein Problem, wenn Sie von den Wachstumsraten in den Schwellenländern auf dem derzeitigen Tempo ausgehen. Diese Volkswirtschaften benötigen den Zugang zu Öl, um das Wachstum ihrer Volkswirtschaften zu unterstützen. Darüber hinaus haben wir uns im Westen an eine hohe Lebensqualität gewöhnt, die auf dem Rücken von Kohlenwasserstoffen wie Öl gebaut ist. Sind wir bereit, eine geringere Qualität des Lebens zu akzeptieren, so dass die Menschen in den Schwellenländern uns aufholen können? Ich glaube nicht.

Deshalb werden Sie einen Aufwärtsdruck für den Ölpreis sehen, und es wird schwieriger werden, Öl zu finden, und teurer, es zu verfeinern. „Peak Cheap Oil“ ist also der passendere Ausdruck. Die jüngsten Entdeckungen von Schieferöl und -gas in Nordamerika mit Fracking-Technologie und Horizontalbohrungen bieten Hoffnung, aber das Endspiel bleibt abzuwarten.

Verfolgen wir im Westen eine kurzsichtige Energie- und Natürliche Ressourcen-Politik?

Chris Berry: Darauf aus US-Sicht antwortend, glaube ich nicht, dass wir überhaupt eine klare Politik haben.

Nun, zumindest Richard Cheney hatte eine in der Vergangenheit mit seiner „National Energy Policy“, die im Mai 2001 veröffentlicht wurde. (1)

Chris Berry: Ja. Aber im Allgemeinen lautet der Ausdruck, der hier zu verwenden ist: „NIMBY“ – Not In My Back Yard, nicht mit mir. Wir haben eine sehr hohe Lebensqualität im Westen, um diese zu unterstützen bedarf es jedoch einer zunehmenden Menge an Ressourcen. Die Leute wollen einige einheimische Energiequellen wie Kohle ignorieren, weil sie schmutzig ist, und stattdessen wollen sie sich auf andere Formen der Erneuerbaren Energien wie Windkraft- und Solaranlagen konzentrieren. Diese haben sicherlich ihren Platz, da der Energiemix der Zukunft Erneuerbare Energien umfassen wird – aber keine einzelne Quelle wird obsiegen. In den Vereinigten Staaten muss unsere politische Klasse dieses erkennen und sich mit den Wählern darüber verständigen und sagen: Schaut, Kohle wird für eine lange, lange Zeit gebraucht werden, genauso Öl und Kohlenwasserstoffe im Allgemeinen, und Erneuerbare Energien haben ihren Platz, aber sie werden weiterhin einen sehr kleinen Prozentsatz der Stromerzeugung in der Zukunft meiner Meinung nach ausmachen. Wir müssen eine Balance zwischen „business as usual“ und einer nachhaltigen Zukunft finden, weil wir gegenwärtig weltweit auf Konflikte um Ressourcen zusteuern, da Milliarden von Bürgern nach einem besseren Leben streben.

Glauben Sie, dass der Ölmarkt wirklich ein freier Markt ist, der durch Angebot und Nachfrage bestimmt wird?

Chris Berry: Überwiegend, nicht gänzlich, aber überwiegend lautet die Antwort auf diese Frage ja, doch wieder zu dem zurückkehrend, worüber wir zuvor mit Bezug auf Gold, ETFs und dem Futures-Handel gesprochen haben, bin ich sicher, dass es auch Spekulationen in den Ölmärkten gibt. Als Öl $147 pro Barrel im Jahr 2008 erreichte, schaut man sich den Chart an, und es ging einfach zu schnell zu weit. Es ging dort viel Spekulation vor sich, keine Frage, denn so schnell, wie es auf $147 schoss, fiel es runter auf $35. Das gesagt habend, ist es aber das Lebensqualitäts-Thema, das ich mehrfach in diesem Interview erwähnt habe, das der eigentliche Treiber der Nachfrage nach Öl für die Zukunft ist.

Glauben Sie, dass es unvermeidlich ist, dass Kontinentaleuropa so etwas wie eine Energie-Partnerschaft mit Asien aufbauen muss?

Chris Berry:. Ich würde diese Frage leicht abändern, ich denke, dass eine Energie-Allianz unvermeidlich ist, aber es wird eine mit Kanada oder den Vereinigten Staaten sein. Ein großer Teil von dem Gas und ein großer Teil von den Ressourcen, die in Asien produziert werden, werden intern verbraucht. Europa ist offensichtlich sehr abhängig von russischen Gasimporten, aber wegen diplomatischer Patzer können die Russen buchstäblich „den Hahn zudrehen“ und plötzlich beginnt Europa während der Wintermonate zu zittern. Das ist ein großer Trumpf, den Russland gegenüber Europa hält, und wenn ich ein Politiker in Westeuropa wäre, würde ich aktiv nach engeren Beziehungen mit den Vereinigten Staaten und den Schiefergas-Vorkommen, die jetzt dort entdeckt werden, oder mit Kanada und den Ölsand-Lagerstätten in Alberta und Saskatchewan Ausschau halten.

Sie widmen der Lithium-Industrie viel Aufmerksamkeit. Warum?

Chris Berry: Lithium ist einer der leichtesten, wenn nicht das leichteste aller Metalle, und die Lithium-Ionen-Batterie steht am Rande der Revolutionierung der Transport-Industrie und des Energiespeicher-Geschäfts. China und die Vereinigten Staaten geben Milliarden von Dollar für die Batterieforschung aus. Tatsächlich gibt China ein bisschen mehr für die Innovation und Entwicklung geistigen Eigentums rund um Batterien und Fahrzeug-Elektrifizierung aus. Lithium ist an der Spitze des Rennens für Technologien der nächsten Generation. Es ist ein wichtiges Metall, und es wird zukünftig an der Spitze und im Zentrum bleiben. Lithium wird vor allem in China, Chile, Argentinien und Australien von vier primär produzierenden Unternehmen abgebaut. Wenn die Annahme von Elektrofahrzeugen (sowohl Elektroautos als auch Elektrorädern) wirklich greift, wird Lithium ein sehr profitables Metall sein, da sich die technologischen Fortschritte gewiss aufgrund der Forschungs- und Entwicklungs-Dollar ergeben werden, die die Regierungen in aller Welt in die Batterieforschung stecken.

Eine weitere Branche, die Sie genau beobachten, sind Seltene Erden. Was sind die Schlüssel, um diese Branche zu verstehen? Werden Seltenen Erden zunehmend Gegenstand geopolitischer Spiele?

Chris Berry: Ja, absolut. Seltene Erden sind politisierte Metalle. Vor zwei Jahren waren sie überhaupt nicht in den Nachrichten, und jetzt sind sie regelmäßig auf der Titelseite vieler Zeitungen auf der ganzen Welt. Politiker in Brüssel, Washington DC, Ottawa und Peking sind sich alle der strategischen Bedeutung einer zuverlässigen Versorgung mit diesen Metallen für industrielle und militärische Zwecke bewusst. Für Investoren war es eine großartige Fahrt in der Seltenen Erden-Industrie, aber diese Fahrt ist fast vorüber. Das Problem ist hier, dass es mehr als 300 Unternehmen weltweit gibt, die an der Seltenen Erden-Industrie beteiligt sind und sich auf der Suche nach Lagerstätten Seltener Erden außerhalb Chinas befinden, das 97 Prozent eines Marktes mit einem Angebot von rund 130.000 Tonnen kontrolliert. Diese 300 Unternehmen sind bei weitem viel zu viele. Diese Branche wird so schnell, wie sie hochschoss, auf fünf oder zehn Kernunternehmen herunter schrumpfen, die Vorkommen außerhalb von China haben und in der Lage sind, eine Versorgungskette in Gang zu setzen. Das wird zwischen fünf bis zehn Jahren dauern, so dass dieser Versorgungsengpass, von dem ich denke, dass wir ihn bei den Seltenen Erden sehen, bleiben wird, aber im Hinblick auf Investitionen ist das schnelle Geld gemacht worden. Man sollte sehr vorsichtig sein und den Schwerpunkt auf die Vorkommen legen, die sich in sicheren politischen Rechtsgebieten befinden, zum Beispiel Kanada oder Schweden. Man sollte sich auf Vorkommen konzentrieren, die ein Übergewicht an der Mineralisierung von schweren Seltenen Erden im Gegensatz zu leichten Seltenen Erden haben, und man sollte nach Unternehmen suchen, die ein gutes Verständnis für die Metallurgie der Ablagerungen besitzen, weil man alle siebzehn Seltenen Erden eine nach der anderen trennen muss. Dies ist der Schlüssel und es ist eine enorm schwierig zu erfüllende Aufgabe, sowohl technisch als auch finanziell.

Glauben Sie, dass sich das Erpressungs-Potential, das mit Seltenen Erden verbunden ist, erhöhen wird?

Chris Berry: Ich denke schon, aber es wird sich bis zu einem Punkt erhöhen. Wenn die Preise für diese Seltenen Erden weiterhin im dreistelligen Bereich hochgehen, wie sie es getan haben, wird man Firmen wie Toyota oder BMW dabei sehen, wie sie abseits der Verwendung Seltener Erden in den Motoren und Magneten für ihre Fahrzeuge bauen werden. Die Nachfrage nach Seltenen Erden wird also nicht verschwinden, es wird ein sehr eng versorgter Markt sein und für eine Reihe von Jahren aus dem Gleichgewicht bleiben, was bestimmte Elemente der Seltenen Erden angeht, aber man beginnt Unternehmen zu sehen, die so bauen, dass sie um den Einsatz dieser wichtigen Materialien herumkommen, und sie sind wirklich wichtig, beispielsweise bezogen auf die Magnete. Die Chinesen haben Exportquoten für Seltene Erden-Oxide in den letzten Jahren eingeführt, und ich erwarte, dass dies in verschiedenen Formen so weitergeht, da die Chinesen bemüht sind, ihren Würgegriff bei den Seltenen Erden zu behaupten und ihre eigene Clean Tech- und Verteidigungsindustrie aufzubauen.

Der Buchautor F. William Engdahl schrieb vor ein paar Monaten:

„‚Ein Mensch kann sich mit der Zeit an so ziemlich alles gewöhnen, außer ans Sterben … und selbst daran mit ein wenig Übung.‘ Nun, wie das Schicksal es will, scheint es, dass wir, die überwiegende Mehrheit der Menschheit, dabei sind, diesen Ausspruch in Bezug auf die Verfügbarkeit unseres täglichen Brots auszutesten.“ (2)

Wie denken Sie, wird sich dieser Test eines Lebens ohne Nahrung im globalen Umfang darstellen?

Chris Berry: Eine hungrige und wachsende Bevölkerung zu füttern, ist der Schlüssel für jede Gesellschaft, und ich denke, dass das eine interessante Frage ist, weil nach Angaben der Vereinten Nationen am 31. Oktober 2011 der 7-Milliardenste Mensch auf der Erde geboren wurde. Man sieht eine Weltbevölkerung, die in zunehmendem Maße zunimmt. Von diesem Anstieg wird nicht vorhergesagt, dass er sich auf unbestimmte Zeit fortsetzt, dennoch hat man auf der einen Seite eine Bevölkerung, die zunimmt, und auf der anderen Seite Ackerland, das in Höhe von 103.000 Quadratkilometern pro Jahr abnimmt. Um das in ein Verhältnis zu setzen: dies ist die Größe des Landes von Island. Also, das nächste Mal, wenn Sie auf eine Karte blicken, schauen Sie auf Island, das in etwa das, was jedes Jahr im globaler Maßstab an Anbauflächen verloren geht. Dieser Trend liefert die Gründe für ein anderes meiner Lieblings-Elemente, und das ist Kali. Ich bin sehr an Kali und seine Nutzung interessiert.

Warum?

Chris Berry: Wegen dem, was es für Pflanzen macht. Es besitzt eine ganze Reihe von positiven Faktoren: es erhöht den Ertrag, es hält Wasser im Boden fest, erbringt frischeres Obst und Gemüse, alle möglichen Dinge. Kali und Phosphate werden Schlüssel in der Zukunft aufgrund steigender und hungriger Bevölkerungen und sinkender Anbauflächen sein.

Glauben Sie, dass Monsanto darauf zielen wird?

Chris Berry: Wenn sie es nicht bereits getan haben, werden sie’s. Der Kali-Markt wird von einer kleinen Anzahl großer Akteure gesteuert und kann als ein Oligopol gedacht werden. Monsanto ist in diesem Oligopol nicht enthalten, es ist eigentlich mehr ein agrarwirtschaftlicher Riese.

Eine der Anwendungen für Kali besteht im Wachstum von Biokraftstoffen. Dies ist eine Art von Frage, die die Büchse der Pandora öffnet: Ist es richtig, Mais zu nehmen und ihn zu verwenden, um Ethanol oder Bio-Diesel für den Transport herzustellen, wenn es weltweit eine Milliarde Menschen gibt, die in Armut leben und etwas zu essen brauchen? Das ist wahrscheinlich ein weiteres Gespräch für ein weiteres Interview, aber das ist eine offene moralische Frage, die wir uns zu stellen haben, da die Bevölkerung immer größer und es noch schwieriger und härter wird, um jeden ernähren zu können.

Welchen Rat möchten Sie unseren Lesern am Ende geben, um die harten Zeiten, durch die wir gehen, zu überstehen?

Chris Berry: Selbstständigkeit ist der Schlüssel. Sich auf den Staat zu verlassen, sich auf irgendwen zu verlassen, außer auf sich selbst oder seine Liebsten, ist eine sehr schlechte Wette für die Zukunft. Soll ich Ihnen sagen, was meine persönliche Philosophie in dieser Hinsicht ist?

Bitte.

Chris Berry: Ich habe ungefähr 5 bis 7 Prozent meines Vermögens in harten Vermögenswerten, Gold- und Silberbarren und -münzen, und ich fahre fort, weiterhin beides anzusammeln. Ich habe sechs Monate Lebenshaltungskosten leicht verfügbar und nicht in einer Bank. In Bezug auf Investitionen, praktizieren wir das, was wir Discovery Investing (Entdeckungsinvestieren) nennen, wo wir einen Zehn-Punkte-Raster benutzen, um kleinere Unternehmen (micro-cap companies) zu bewerten, die das Potenzial haben, Entdeckungen zu machen, seien dies nun Gold-Lagerstätten oder ein Heilmittel gegen Krebs. Wir glauben, dass Wohlstand durch Entdeckung erzeugt wird. Ich lade Ihre Leser dazu ein, sich für unseren kostenlosen Newsletter anzumelden, und zwar unter: http://www.discoveryinvesting.com.

Ich würde versuchen, um jeden Preis Schulden zu vermeiden. Liquide sein, liquide bleiben, schuldenfrei bleiben, sich schützen und kluge Investitionen in Edelmetalle und ausgewählte Unternehmen machen, die auf die Rohstoffmärkte fokussiert sind, ist weise, denke ich.

Und auch das Bewusstsein, dass Gefahren wie eine Depression drohen.

Chris Berry: Ja, sich dessen bewusst sein, ist ein großartiger Punkt. Dies ist wiederum, was ich tue: Ich versuche alles, was ich kann, darüber zu lernen, wie der Rest der Welt sein Leben lebt, ich reise ausgiebig und blicke in die Geschichte als Leitfaden, und ich konsumiere Informationen über Ressourcen, Ressourcen-Abhängigkeit, Ressourcen-Kriege und Ressourcen-Nationalismus, denn dies ist ein anderes Thema, das ebenfalls weiterhin sein hässliches Haupt mit einigen potenziell fatalen Folgen erheben wird.

Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, Herr Berry!

Quellen:

(1) Vgl. “National Energy Policy. Report of the National Energy Policy Development Group”, Mai 2001 unter: http://www.wtrg.com/EnergyReport/National-Energy-Policy.pdf

(2) F. William Engdahl: “Getting used to Life without Food. Wall Street, BP, bio-ethanol and the death of millions”, veröffentlicht auf Global Research am 3. Juli 2011 unter:

http://www.globalresearch.ca/index.php?context=va&aid=25483

Both comments and pings are currently closed.

Comments are closed.

Subscribe to RSS Feed Lars Schall auf Twitter folgen