Die Rockefeller-Welt, der Council on Foreign Relations und die Trilaterale Kommission

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Hier sind ein paar von Andrew Gavin Marshall zusammengetragene Fakten zum Einfluss des Council on Foreign Relations und einigen Einrichtungen in dessen Windschatten.

Von Andrew Gavin Marshall, Übersetzung Lars Schall

Der nachfolgende Text ist eine kurze Vorabveröffentlichung aus einem Buch, an dem Andrew Gavin Marshall im Rahmen von The People’s Book Project arbeitet. Marshall ist ein 24 Jahre junger Schriftsteller aus Montreal, Kanada. Er hat mehrere Dutzend eigene Artikel und Essays über ökonomische, politische, kulturelle und historische Themen veröffentlicht, insbesondere auf Global Research (http://www.globalresearch.ca/). Zusammen mit Professor Michel Chossudovsky brachte er die Essaysammlung “The Global Economic Crisis: The Great Depression of the XXI Century” heraus, die eine kritische und nuancierte Untersuchung der Finanz- und Wirtschaftskrise bietet, die 2007/08 begann.

Ein Artikel von Andrew Gavin Marshall, auf den ich bezüglich der Finanzkrise nachdrücklich aufmerksam machen möchte, ist “The Great Global Debt Depression: It’s All Greek To Me“ – zu finden unter: http://andrewgavinmarshall.com/2011/07/15/167/.

Sein eigener Blog ist zu finden unter: http://www.andrewgavinmarshall.com. Das umfangreiche Buch, an dem er derzeit arbeitet, widmet sich den Institutionen und Ideen der Macht in unserer Welt.

Ferner möchte ich auf folgende Podcasts von und mit Andrew Gavin Marshall aufmerksam machen:

Corbett Report Radio 046 – The People’s Book Project with Andrew Gavin Marshall

http://www.corbettreport.com/corbett-report-radio-046-the-peoples-book-project-with-andrew-gavin-marshall/,

und:

Empire, Power, and People

http://www.boilingfrogspost.com/2012/01/11/empire-power-and-people-with-andrew-gavin-marshall-episode-1/.

Die nachfolgende exklusive Übersetzung auf LarsSchall.com erfolgt durch persönliche Genehmigung von Andrew Gavin Marshall.

Die Rockefeller-Welt, der Council on Foreign Relations und die Trilaterale Kommission

von Andrew Gavin Marshall

Es ist ziemlich offensichtlich in der Geschichte Amerikas vom späten 19. Jahrhundert bis ins 20. Jahrhundert hinein, dass die Rockefeller-Familie massiven Einfluss bei der Gestaltung der sozio-politischen, wirtschaftlichen Landschaft der Gesellschaft ausgeübt hat. Doch bis die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts zu Ende ging, gab es mehrere andere große dominante Familien, mit denen die Rockefellers die Macht teilten, namentlich vor allem mit den Morgans. Im Laufe des Jahrhunderts verbanden sich ihre Interessen noch weiter, und nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Rockefellers zur dominierenden Gruppe in Amerika, und wohl auch der Welt. Natürlich gab es die gut etablierten Geschäftsbeziehungen zwischen den großen Familien, welche aus der amerikanischen Industriellen Revolution, die ins 20. Jahrhundert überging, aufstiegen, gefolgt von der Gründung der großen Stiftungen, die entwickelt wurden, um sich im “Social Engineering“ zu betätigen. Es war innerhalb des Council on Foreign Relations (CFR – Rat für außenpolitische Beziehungen), dass die sich verändernde Dynamik des Morgan-Rockefeller-Clans am deutlichsten wurde.

Wie bereits in diesem Buch erwähnt wurde, ist der Council on Foreign Relations die ultimative Networking-Institution der amerikanischen Elite. Der Einfluss des CFR ist einmalig unter anderen Think Tanks. Eine Studie ergab, dass zwischen 1945 und 1972 rund 45% der Top-Außenpolitik-Beamten, die in der Regierung der Vereinigten Staaten dienten, auch Mitglieder des Rates waren, was ein prominentes Mitglied einmal damit erklärte, dass die Mitgliedschaft im Rat im Wesentlichen ein “Eintrittsritual“ für eine Mitgliedschaft im außenpolitischen Establishment ist. Ein Mitglied des Rates, Theodore White, erklärte, dass des Rats “Mitgliedsliste für eine Generation, unter republikanischen und demokratischen Regierungen gleichermaßen, der Hauptnährboden für das Anwerben von Kabinettsbeamte in Washington gewesen ist.“ [1]

Die CIA, wie zuvor untersucht wurde, ist auch kein Fremder gegenüber diesem Netzwerk, da eher öfter als nicht in den ersten Jahrzehnten des Bestehens der Agentur ihre Führer aus Ratsmitgliedern gewählt wurden, wie Allen Dulles, John A. McCone, Richard Helms, William Colby und George H.W. Bush. Wie einige Forscher untersucht haben:

Der einflussreiche, aber private Rat, der sich aus mehreren Hundert politischen, militärischen, wirtschaftlichen und akademischen Top-Führungskräften zusammensetzt, ist seit langem der wichtigste „Wahlkreis“ der CIA in der amerikanischen Öffentlichkeit gewesen. Wenn die Behörde prominente Bürger für ihre eigenen (Schein-)Unternehmen oder für andere besondere Unterstützungen benötigte, hat sie sich oft an Mitglieder des Rats gewendet. [2]

Rund 42% der obersten außenpolitischen Positionen in der Truman-Regierung wurden von Ratsmitgliedern ausgefüllt, von 40% in der Eisenhower-Administration, von 51% in der Kennedy-Regierung und 57% in der Johnson-Administration, von denen viele Überbleibsel aus der Kennedy-Regierung waren. [3] Der Rat hatte und hat weiterhin großen Einfluss in den Mainstream-Medien, durch die er in der Lage ist, seine Ideologie zu verbreiten, seine Agenda voranzutreiben und seinen Einfluss zu verbergen. Im Jahre 1972 waren drei von zehn Direktoren und fünf von neun Führungskräften der New York Times Ratsmitglieder. Im selben Jahr war eines von vier redaktionellen Führungskräften und vier von neun Direktoren der Washington Post auch Mitglieder des Rates, einschließlich ihrer Präsidentin, Katharine Graham, sowie des Vizepräsidenten Osborn Elliott, der auch Chefredakteur von Newsweek war. Sowohl vom Time Magazine als auch von Newsweek waren fast die Hälfte der Direktoren im Jahre 1972 Mitglieder des Rates. [4]

Der Rat hat auch umfangreiche Verbindungen zu den anderen großen amerikanischen Think Tanks, vor allem zur Brookings Institution sowie zur RAND Corporation, dem Hudson Institute, der Foreign Policy Association, und natürlich zu den Spezial-Stiftungen wie dem Carnegie Endowment for International Peace, von denen fünfzehn seiner 21 Treuhänder (Stand 1971) auch Mitglieder des Rates waren, und ihr Präsident von 1950 bis 1971, Joseph E. Johnson, war während des gleichen Zeitraums auch ein Direktor des Rates. [5]

Der Rat und die großen philantropischen Stiftungen verfügten nicht bloß über umfangreiche Beziehungen zueinander, sondern auch durch die Zusammenarbeit beim Aufbau von Forschungs- und Studienprogrammen in der Außenpolitik. Das Außenministerium der USA unternahm eine Studie von 191 Forschungszentren für außenpolitische Angelegenheiten, die mit Universitäten verbunden waren. Die Studie ergab, dass die größten Quellen der Finanzierung von der Ford-Stiftung (die 107 von den 191 Zentren förderte), der Bundesregierung (die 67 Zentren förderte), der Rockefeller-Stiftung (18 Zentren) und der Carnegie Corporation (17 Zentren) kamen, und dass „für elf der Top-Zwölf-Universitäten mit Instituten für internationalen Studien Ford die wichtigste Quelle der Finanzierung ist.“ [6] Diese Stiftungen, abgesehen davon, dass sie große Quellen der Finanzierung für den Rat im Laufe der Jahre von seinen Ursprüngen an waren, teilen sich auch umfangreiche Führungskräftebeziehungen mit dem Rat. An der Spitze der Liste steht die Rockefeller-Stiftung, von neunzehn ihrer Direktoren im Jahre 1971 waren vierzehn auch Mitglieder des Rates war; die Carnegie-Corporation folgte mit zehn von siebzehn; dann kam die Ford-Stiftung mit sieben von sechzehn; und der Rockefeller Brothers Fund mit sechs von elf Vorstandsmitgliedern, die auch Mitglieder des Rates waren. Es sollte ebenfalls darauf hingewiesen werden, dass das Carnegie-Netzwerk über die Carnegie-Corporation hinausging und auch das Carnegie Endowment, das Carnegie Institute of Washington und die Carnegie-Stiftung für die Förderung der Lehre (Carnegie Foundation for the Advancement of Teaching) umfasste. Von seiner Gründung bis 1972 hatte ein Viertel aller Direktoren des Rates auch als Treuhänder oder als Direktoren von mindestens einer der vielen Carnegie-Stiftungen gedient. John J. McCloy hatte zur gleichen Zeit als Vorsitzender des Rates und der Ford Foundation gedient, von den 1950er Jahren bis in die späten 60er Jahre. [7]

Von allen Netzwerken, die mit dem Rat einhergehen, ist das am stärksten vertretene das der New Yorker Finanzoligarchie. Dies bezieht sich allgemein auf die kapitalistische Klasse, und genauer gesagt auf die Elite der Finanz- und Bankengruppen. In einer Erhebung aus dem Jahre 1969 wurde festgestellt, dass sieben Prozent der gesamten Mitgliedschaft des Rates von den besitzenden Reichen besetzt wurde, und weitere 33% von Top-Führungskräften und Direktoren von großen Konzernen. Rund 11% der Mitglieder des Rates hatten Verwandte, die auch Mitglieder waren, und die häufigste Beschäftigung für die Mitglieder des Rates, bei 40%, war in der Wirtschaft. Wenn Medien-Unternehmen hinzuaddiert werden, erreicht die Anzahl fast 50%, von denen weniger als 1% Gewerkschaften oder Organisationen der Arbeiterklasse repräsentieren. [8]

Wenn es um die Führung des Rates geht, so wird sie beinah ausschließlich aus Mitgliedern der herrschenden kapitalistischen Klasse ausgewählt. 22% der Direktoren des Rates hatten Verwandte, die auch Mitglieder des Rates waren. Die Finanzierung für den Rat wurde ebenfalls weitgehend aus dieser Gruppe bezogen, vor allem aus Stiftungen und Unternehmen sowie durch verschiedene Investitionen und den Abonnements für Foreign Affairs. Als der Rat 1929 ein eigenes Gebäude erhielt, trug einer der Direktoren des Rates, Paul Warburg, einen erheblichen Teil dazu bei, und John D. Rockefeller II. trug sogar noch mehr bei. Als der Rat in ein größeres Gebäude im Jahre 1945 umzog, wurde das Haus von Mrs. Harold Pratt gespendet, deren Mann sein Vermögen mit dem Rockefeller-Unternehmen Standard Oil gemacht hatte, und John D. Rockefeller II. trug $ 150.000 für die Instandhaltung des Hauses bei. Zwischen 1936 und 1946 betrugen die Finanzierungsmittel, die von den großen Stiftungen kamen, im Durchschnitt rund $ 90.000 pro Jahr, zumeist von der Rockefeller-Foundation und der Carnegie-Corporation kommend, die ihre Finanzierung in den 1950er, 60er und 70er Jahre fortsetzten. Im Jahr 1953 gab die Ford-Stiftung ihren ersten großen Beitrag an den Rat von $ 100.000 für eine Studie der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen, die von John J. McCloy geleitet wurde. Im selben Jahr wurde McCloy Vorsitzender des Rates, der Ford Foundation und der sich im Rockefeller-Besitz befindlichen Chase Bank. [9]

Unter den Top-Unternehmen und -Banken, die im Rat vertreten waren (Stand 1969/70), befanden sich: US Steel (gegründet von JP Morgan im Jahr 1901 nach der Übernahme von Andrew Carnegies Stahlunternehmen für eine stattliche Summe), Mobil Oil (heute mit Exxon fusioniert), Standard Oil of New Jersey (später zu Exxon Mobil geworden), IBM, ITT, General Electric, Du Pont, Chase Manhattan Bank, JP Morgan und Co. (jetzt mit Chase zu JP Morgan Chase fusioniert), First National City Bank, Chemical Bank, Brown Brothers Harriman, Bank of New York, Morgan Stanley, Kuhn Loeb, Lehman Brothers, und einige andere. [10]

Die New Yorker Finanzoligarchie konnte zuvor in getrennte Gruppen eingeteilt werden, insbesondere unter ihnen in die Rockefeller-Gruppe, die Morgan-Gruppe, die Harriman Gruppe, die Lehman-Goldman-Sachs-Gruppe, und in ein paar ausgewählte andere. Die Rockefeller-Gruppe enthielt: die Chase Manhattan Bank, Chemical Bank, Bank of New York, Equitable Life, Metropolitan Life, Mobil Oil, Kuhn, Loeb, Milbank, Tweed, Hadley und McCloy (Anwaltskanzlei) und Standard Oil. Die Morgan-Gruppe enthielt: JP Morgan und Co., Morgan Stanley, New York Life, Mutual of New York, Davis, Polk (Anwaltskanzlei), US Steel, General Electric und IBM. Wie Laurence Shoup und William Minter in ihrem Buch über den Rat untersuchten:

Seit dem Ursprung des Rates und bis in die frühen 1950er Jahre hinein wurde der prominenteste Platz im Rat von Männern besetzt, die mit den Morgan-Interessen verbunden waren. Seit den 1950er Jahren haben die Rockefeller-Interessen die wichtigste Rolle bei der Leitung der Angelegenheiten des Rates übernommen. [11]

Der Rat, der immer schon ein Vertreter der Rockefeller-Interessen war, schien offiziell von Morgan-Händen in die der Rockefeller-Familie im Jahre 1953 überzugehen. Drei von den Söhnen von John D. Rockefeller II, John D. III, Nelson und David, traten dem Rat in den späten 30er und frühen 40er Jahren bei, und David wurde ein Direktor im Jahre 1949. Von 1953 bis 1971 wurde George S. Franklin der Geschäftsführer des Rates. Franklin war ein College-Zimmermitbewohner von David Rockefeller, und sie wurden durch Heirat miteinander verwandt, und er hatte bei der Anwaltskanzlei Davis, Polk (innerhalb der Morgan-Gruppe) gearbeitet, bevor er ein Assistent von Nelson Rockefeller wurde. Im Jahre 1950 wurde David Rockefeller ein Vizepräsident, und John J. McCloy, ein langjähriger Vertreter der Rockefeller-Gruppe, wurde 1953 der Vorsitzende des Rates sowie der Chase Bank der Rockefellers. Man könnte auch sagen, dass die Rockefeller-Gruppe die Ford-Gruppe in dieser Zeit übernahm, worauf die Übernahme der Position als Vorsitzender der Ford Foundation im gleichen Jahr durch McCloy hinweist (während er auch ein Treuhänder der Rockefeller Foundation war). In den folgenden Jahren wurden mehrere Führungspositionen im Rat von Organisationen innerhalb der Rockefeller-Gruppe besetzt. John W. Davis, Robert Roosa und Bill Moyers waren alle Ratsführungsfiguren, die mit der Rockefeller Foundation verbunden waren. [12]

Als die Jahre und Jahrzehnte vergingen, wurde die Rockefeller-Gruppe noch mächtiger und dominanter im amerikanischen Establishment und in der Tat auf der ganzen Welt, indem sie sich neben der Familie Rothschild als die prinzipiell dynastischen Herrscher der globalisierten Welt etablierte. Selbstverständlich gab und gibt es mehrere Verbindungen zwischen diesen dynastisch herrschenden Familien, vielleicht sogar so sehr, dass es schwierig sein kann, sie völlig voneinander zu unterscheiden. Beide waren an der Gründung der Bilderberg-Gruppe beteiligt und bleiben in ihrer Führung eingebunden. In den 1970er Jahren wurde es jedoch offensichtlich, dass die Rockefellers zur sicherlich einflussreichsten Dynastie in Amerika geworden waren, wenn nicht gar in der Welt (denn Amerika war und ist der imperiale Hegemon der Welt). Genauer gesagt, wuchs David Rockefeller zum vielleicht einflussreichsten Mann in Amerika, wenn nicht der Welt empor.

David Rockefeller machte seinen Abschuss in Harvard im Jahr 1936 und ging dann zur Schule an der London School of Economics, wo er zum ersten Mal John F. Kennedy begegnete und sogar JKFs Schwester Kathleen den Hof machte. [13] Während des Zweiten Weltkrieges diente David Rockefeller in Nordafrika und Frankreich, indem er für den militärischen Nachrichtendienst arbeitete. [14] 1947 wurde er Mitglied des Vorstandes des Carnegie Endowment for International Peace, ein bedeutender internationaler Think Tank. Es war ein Job, der ihm vom Carnegie-Präsidenten, Alger Hiss, angeboten wurde. Weitere Mitglieder des Vorstands waren John Foster Dulles, der im Jahr 1953 Außenminister werden sollte; Dwight D. Eisenhower, der 1953 US-Präsident werden sollte; und Thomas J. Watson, der CEO von IBM.  [15] Thomas J. Watson hatte zuvor die tiefen Geschäftsbeziehung von IBM mit Hitler bei der Bereitstellung der technischen Anlagen für die Organisation des Holocaust beaufsichtigt. [16] Im Jahre 1949 trat David dem Vorstand des Council on Foreign Relations bei. Im Jahr 1946 hatte er sich der Chase Bank angeschlossen, im Laufe der Jahre stieg er bis zur Ernennung zum Präsidenten im Jahre 1960 auf, und 1969 wurde er Vorsitzender und CEO von Chase Manhattan.

David Rockefeller besaß schon lange familiäre Bindungen zu den Dulles-Brüdern, die er persönlich seit seiner College-Zeit kannte. [17] Allen Dulles war der CIA-Direktor und John Foster Dulles war Eisenhowers Außenminister. David war ebenfalls verbunden mit Richard Helms, dem ehemaligen Top-CIA-Beamten, sowie mit Archibald Roosevelt Jr., einem ehemaligen CIA-Agenten, der bei Chase Manhattan gearbeitet hatte, und dessen Bruder Kermit Roosevelt, ein weiterer CIA-Agent, der verantwortlich für die Organisation des Putsches im Iran 1953 war. [18] David Rockefeller entwickelte auch enge Verbindungen mit einem weiteren ehemaligen CIA-Agenten, William Bundy, der enge Beziehungen zu CIA-Direktor Allen Dulles hatte und später im Verteidigungs- und Außenministerium sowohl in der Regierung von John F. Kennedy als auch Lyndon Johnson diente, wo er eine zentrale Beraterfunktion für Fragen des Vietnam-Kriegs innehatte. Im Jahre 1971, ein Jahr, nachdem David Rockefeller zum Vorsitzenden des Council on Foreign Relations geworden war, wurde Bundy von David eingeladen, der Herausgeber von Foreign Affairs zu werden, der einflussreichen Zeitschrift des Council on Foreign Relations, die er dann 11 Jahre lang leitete. [19 ] David wurde auch ausführlich über verdeckte geheimdienstliche Operationen von verschiedenen CIA-Abteilungsleiter unter Anweisung von Direktor Allen Dulles informiert, Davids „Freund und Vertrautem.“ [20]

Somit war David Rockefeller in den frühen 1970er Jahren auf eine Position von großem Einfluss als Vorsitzender des Rates und der Chase Manhattan emporgestiegen, die ihn in das Zentrum jenes Netzes platzierte, das Amerikas imperiale Interessen definiert, entwickelt und von ihnen profitiert. Das war die internationale Lage in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren, als ein allgemeines Gefühl des amerikanischen imperialen Niedergangs, der Erhöhung des Wettbewerbs und der Abnahme der Zusammenarbeit zwischen den großen Industrienationen vorherrschte, und als die allgemeinen Unabhängigkeits- und Befreiungskämpfe in der „Dritten Welt“ und daheim ein generelles Gefühl der oligarchischen Unsicherheit hervorriefen. Von besonderem Interesse und umso mehr für einen Bankier, war die internationale Funktion des Schuldenmarkts, speziell für die „Dritte Welt“-Nationen. Wie in Holly Sklars Buch Trilateralism: The Trilateral Commission and Elite Planning for World Management untersucht wurde:

„Westeuropäische und japanische Firmen drangen in den US-amerikanischen Markt in und konkurrierten um den wachsenden Markt der Dritten Welt. Darüber hinaus begannen europäische Nationen, den Ländern der Dritten Welt Unterstützung und Kredite zu geben, wodurch sie zu einer alternativen Quelle der Hilfe für ihre ehemaligen Kolonien wurden und die wirtschaftlichen Beziehungen zu ihnen stärkten. Länder der Dritten Welt begannen US-Hilfe zu verwenden, um Schulden an Westeuropa zurückzuzahlen oder sie verließen sich auf US-Hilfe, um chronische Bilanzzahlungsengpässe auszugleichen, die zum Teil durch den Kauf europäischer Produkte entstanden. In der Tat sahen sich die USA als Zahlstelle für Dritte-Welt-Importe von europäischen und japanischen Waren … Kurz gesagt, das Problem aus der Perspektive der USA war, dass die Situation, die sich dann entfaltete, den Kreditnehmern unter den Dritte Welt-Nationen zu viel Freiheit gab, um das System zu manipulieren, um teilweise Westeuropa und der Dritten Welt Vorteile zu verschaffen und definitive Nachteile für die USA zu bewirken … Insbesondere waren die USA wegen der Ausweitung ihrer wirtschaftlichen (und politischen) Hegemonie über die aufstrebenden, politisch unabhängige Nationen der Dritten Welt besorgt, ohne übermäßige Spannungen mit dem betroffenen westlichen Europa und Japan zu schaffen.“ [21]

Natürlich erhöhten diese Bedenken die Bedeutung und das wachsende Potenzial hinter solchen Institutionen wie dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank, die selbst Produkte des Council on Foreign Relations sind. Verschiedene Vorschläge begannen aufzutreten, um diese Institutionen zu “reformieren“, damit sie den sich verändernden internationalen Rahmenbedingungen gerecht werden würden. Ein Vorschlag sah vor, die Praxis von dem zu erhöhen, was als „gebundene“ Hilfeleistungen (“’tied‘ aid“) bezeichnet wurde: „Hilfeleistungen an ein Land unter den Bedingungen, dass sie durch das Land verwendet werden, um amerikanische Waren und Dienstleistungen zu kaufen.“ Ein anderer Vorschlag favorisierte die Zusammenarbeit zwischen den großen Industrienationen, ein „gemeinsamer Ansatz zur Hilfe, die verstärkte Koordination zwischen den Geberländern zum Planen von Zahlungen durch die Empfängernationen.“ Ferner „würde jede Gebernation sich weigern, Hilfe zu garantieren, außer zu gleichen Konditionen, die andere Geberländer im Konsortium gewähren.“ Ein dritter Vorschlag, der an Popularität gewann, wurde als „Programm-Beihilfen“ bezeichnet, was “Hilfen“ waren, die mit “bestimmten Auflagen gegeben werden, oftmals im Rahmen eines umfassenden Programms der wirtschaftlichen Planung, denen eine Empfängernation zustimmen muss, um die Beihilfen oder Darlehen zu erhalten.“[22] George Ball, lange Zeit Ratsmitglied und Bilderberg-Teilnehmer, der Staatssekretär für wirtschaftliche Angelegenheiten in den Regierungen Kennedy und Johnson war, sagte im Jahr 1967, dass „die politischen Grenzen der Nationalstaaten zu eng und starr sind, um den Umfang und die Tätigkeit der modernen Geschäftswelt zu definieren.“ [23]

Das war der Kontext, in dem Zbigniew Brzezinski, damals Mitglied sowohl des Council on Foreign Relations als auch der Bilderberg-Gruppe, sein Buch Between Two Ages geschrieben hatte, in dem er zur Schaffung einer „Gemeinschaft der entwickelten Länder“ aufrief. David Rockefeller hatte Kenntnis von Brzezinskis Schriften genommen und war “besorgt geworden über die Verschlechterung der Beziehungen zwischen den USA, Europa und Japan“ als Folge der wirtschaftlichen Schocks durch Nixon. Im Jahr 1972 hatten David Rockefeller und Zbigniew Brzezinski „die Idee einer trilateralen Gruppierung beim jährlichen Bilderberg-Treffen präsentiert“, was aufgrund des Einfalls zurückgewiesen wurde, dass man nicht die Japaner in der Bilderberg-Gruppe aufnehmen wollte. Viele Europäer wollten die Japaner nicht am hohen Tisch dabei haben. Im Juli 1972 trafen sich siebzehn mächtige Leute auf David Rockefellers Anwesen in New York, um für die Schaffung der Kommission zu planen. Bei dem Treffen waren Brzezinski, McGeorge Bundy, der Präsident der Ford Foundation, (Bruder von William Bundy, dem Herausgeber von Foreign Affairs) und Bayless Manning, Präsident des Council on Foreign Relations, anwesend. [24] 1973 wurde also die Trilaterale Kommission gegründet, um diese Probleme anzugehen. Die Anschubfinanzierung zur Einrichtung der Kommission kam von David Rockefeller und der Ford Foundation. [25] Für die ersten Jahre kamen die meisten der Gelder zur Finanzierung der Kommission von Stiftungen, mit zunehmender Unterstützung von großen Unternehmen, die in den Jahren 1973-76 rund 12% und im Jahr 1984 rund 50% der Mittel beisteuerten. [26] Somit stieg David Rockefeller in den 1970er Jahren zu einer noch wichtigeren internationalen Position empor, indem er gleichzeitig eine führende Position innerhalb der Bilderberg-Gruppe innehielt und Vorsitzender der Chase Manhattan Bank, des Council on Foreign Relations und der Trilateralen Kommission war.

Zbigniew Brzezinski war der ausführende Direktor der Trilateralen Kommission und diente zur gleichen Zeit als Direktor des Council on Foreign Relations. Die Trilaterale Kommission fungierte als eine Organisation, durch die eine „Hegemonie der Zustimmung“ organisiert werden konnte, insbesondere durch Geselligkeiten der Eliten aus den „trilateralen“ Nationen untereinander, die ihre Ansichten, Ideologien, Ziele und Methoden integrierten, ebenso wie es Think Tanks wie der Council on Foreign Relations in den Vereinigten Staaten gemacht hatte. Wie der CFR im Inland handelt, so handelt die Trilaterale Kommission international (zumindest mit den führenden Industrienationen des Nordens). Der erste europäische Vorsitzende der Kommission, Max Kohnstamm, betonte die Rolle der „Intellektuellen“ beim Bau von Hegemonie innerhalb der Kommission:

„Dieses, das von absolut erstklassigen Intellektuellen getan werden muss, wird dazu neigen, irrelevant zu sein, es sei denn, es wird in ständiger Rücksprache mit denen getan, die an der Macht sind oder die einen erheblichen Einfluss auf die Machthaber haben. Es scheint mir, dass die Verknüpfung zwischen der Art von Leuten, die wir für unsere Trilaterale Kommission bekommen müssen, und den Intellektuellen, die die unverzichtbare Arbeit des Denkens über die Elemente für ein neues System verrichten müssen, von größter Bedeutung ist. Eine Trilaterale Kommission ohne die Intellektuellen wird sehr bald zu einem Zweite-Klasse-Verhandlungsforum werden. Die Intellektuellen, die nicht gezwungen sind, ihre Ideen ständig am Establishment unserer Welt zu testen, werden dazu neigen, abstrakt und damit nutzlos zu werden… [Es muss] die gemeinsame Anstrengung von unseren besten Köpfen und einer Gruppe von wirklich einflussreichen Bürgern in unseren jeweiligen Ländern sein. “ [27]

In einem Vortrag von 1972 beim Bilderberg-Treffen, bei dem David Rockefeller (neben Zbigniew Brzezinski) die Gründung der Trilateralen Kommission vorschlug, erklärte er, dass die Kommission „die besten Köpfe der Welt bringen wird, um die Probleme der Zukunft zu tragen …, um das Wissen zu sammeln und zu synthetisieren, das eine neue Generation in die Lage versetzt, den konzeptionellen Rahmen der Außen- und Innenpolitik neu zu bilden.“[28]

Quellen:

[1]            Laurence H. Shoup and William Minter, Imperial Brain Trust: The Council on Foreign Relations and United States Foreign Policy (Authors Choice Press, New York: 2004), pages 58-59.

[2]            Ibid, pages 60-62.

[3]            Ibid, pages 62-64.

[4]            Ibid, pages 66-67.

[5]            Ibid, pages 66-70.

[6]            Ibid, pages 77-78.

[7]            Ibid, pages 78-79.

[8]            Ibid, pages 86-88.

[9]            Ibid, pages 92-95.

[10]            Ibid, pages 97-98.

[11]            Ibid, pages 102-104.

[12]            Ibid, pages 106-107.

[13]            David Rockefeller, Memoirs. (New York: Random House, 2002), page 85.

[14]            Ibid, page 113.

[15]            Ibid, pages 149-151.

[16]            Richard Bernstein, ‘I.B.M. and the Holocaust’: Assessing the Culpability. The New York Times: March 7, 2001: http://www.nytimes.com/2001/03/07/arts/07BERN.html?pagewanted=all

[17]            David Rockefeller, Memoirs. (New York: Random House, 2002), page 149.

[18]            Ibid, page 363.

[19]            Obituaries, William Bundy. The Telegraph: October 9, 2000: http://www.telegraph.co.uk/news/obituaries/1369483/William-Bundy.html

[20]            Cary Reich, The Life of Nelson A. Rockefeller: Worlds to Conquer 1908-1958. (New York: Doubleday, 1996), page 559.

[21]            Holly Sklar, ed., Trilateralism: The Trilateral Commission and Elite Planning for World Management (South End Press, Boston: 1980), page 472.

[22]            Ibid, pages 472-473.

[23]            Ibid, pages 474-475.

[24]            Ibid, pages 76-78.

[25]            Stephen Gill, American Hegemony and the Trilateral Commission (Cambridge University Press: New York, 1990), page 141.

[26]            Ibid, page 165.

[27]            Ibid, page 52.

[28]            Ibid, page 117

 

 

 

 

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