Wie steht’s um Peak Oil?

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Ich habe verschiedene kürzlich publizierte Analysen zusammengefasst, die sich auf die eine oder andere Weise dem Thema Peak Oil widmen. Das sich ergebene Bild ist zwielichtig. Nur eines scheint eindeutig zu sein: bleibend höhere Ölpreise – negative Konsequenzen für “die wirtschaftliche Erholung“ inklusive.

Von Lars Schall

Eine der größten Auffälligkeiten, die sich für mich ergeben, so ich mir die gegenwärtige Verfassung der Erdölbranche ansehe, ist die Tatsache, dass das globale Produktionsangebot an konventionellem Rohöl seit dem Jahre 2005 nicht über ein Limit von 75 Millionen Barrel pro Tag angehoben werden konnte. Einerlei, wie sehr die Erdölunternehmen nach dem teuren Gut suchen, einerlei, wie tief sie zu bohren beginnen, einerlei, wie sehr der Bedarf steigt, einerlei, wie hoch die Ölpreise klettern: diese 75 Millionen Barrel an konventionellem Rohöl scheinen (zumindest einstweilen) nicht übertroffen werden zu können.

Des Weiteren fällt auf, dass der Zenit der richtig großen Funde an Mega-Ölfeldern überschritten wurde: zunächst in den 1930er Jahren in den USA, in den 1960er Jahren dann auch im Rest der Welt. Die Erdöl und -gasvorkommen in Zentralasien, dem von Pepe Escobar so treffend benannten “Pipelineistan“, (1) sind längst nicht mit denen rund um den Persischen Golf zu vergleichen, wo sich über 60 Prozent des globalen Erdölangebots auf einem denkbar kleinen Raum ballen:

– das “goldene Dreieck des Öls“ erstreckt sich von Nordirak hin nach Iran, geht von den Vereinigten Arabischen Emiraten durch Saudi Arabien und dann nordwärts wieder hoch in den Irak.

Ebenso schwinden seit den 1980er Jahren die Ölreserven, da der Verbrauch weltweit steigt. Für jedes Barrel Öl (159 Liter), das gefunden wird, werden drei Barrel verbraucht. In über 60 Ländern der Erde fällt die Ölproduktion. Überdies hat das zweitgrößte Erdölfeld, das sich in Betrieb befindet, sein Fördermaximum im Jahre 2005 offiziell überschritten: das 1938 entdeckte “Burgan“ in Kuwait. Die Daten für “Ghawar“, das größte, 1948 entdeckte Erdölfeld der Welt, werden von Aramco, der nationalen Erdölfirma des Königreichs Saudi-Arabien, wie Staatsgeheimnisse gehütet. Das mexikanische “Cantarell“, das drittgrößte Erdölfeld der Welt, hat 2007 das Fördermaximum nach offiziellen Angaben hinter sich gelassen.

In Anbetracht solcher Entwicklungen und eines höher steigenden Ölpreises heizt sich wieder einmal die Peak Oil-Debatte auf, wie verschiedene Analysen zeigen, die in den letzten Wochen erschienen. Diese möchte ich im Folgenden näher vorstellen. Versorgungssicherheit mit Energie stellt schließlich eines der größten Themen der Gegenwart und Zukunft dar, welches jeden Einzelnen betrifft.

PEAK OIL ALS SACHE DES ANGEBOTS

Doch lassen Sie mich zunächst persönlich zu Peal Oil Stellung beziehen. Dieses ist für mich zuvorderst ein Angebotsproblem. Es geht nicht darum, dass uns das Öl verlustig geht – oder wie der 2010 verstorbene Energie-Investmentbanker Matthew Simmons am Ende seiner Powerpoint-Präsentationen bisweilen zu sagen pflegte: „The world will never run out of oil.“ In meiner Lesart dreht sich das Problem nicht so sehr um das Öl, das sich noch im Boden befindet, sondern eher um diese Fragen: wie viel davon kann herausgeholt werden, so dass es sich wirtschaftlich rechnet, wie schnell kann es herausgeholt und wie am besten an die Märkte gebracht werden?

Bezüglich des Letzteren erweisen sich Pipelines als sehr kostenintensiv, wie das Hin und Her des Nabucco-Projekts zeigt, welches Europa mit den Erdgasvorkommen in Zentralasien über die Türkei verbinden sollte, um so neue Gasquellen für Europa zu erschließen. (2) Gegenwärtig sieht es danach aus, als ob Nabucco nicht realisiert werden würde, was nicht zuletzt den davon galoppierenden Kosten geschuldet ist. (3) Überdies verfügen Pipelines über eine beschränkte Kapazität. Wenn die Infrastruktur, die der Welt zur Verfügung steht, pro Tag höchstens 80 Millionen Barrel Erdöl bereitstellt, so ist es das eben, was der steigenden Nachfrage zur Befriedigung angeboten werden kann. Dafür spielt es keinerlei Rolle, wie viel Öl letztlich noch im Boden steckt.

Hierzu tauschte ich mich für diesen Artikel mit Thomas Bachheimer aus, einem in Zürich ansässigen Öl- und Gold-Analysten, der über hervorragende OPEC-Verbindungen verfügt. Im Prinzip schloss er sich meiner diesbezüglichen Sichtweise an: “Der Transport und das Transportnetz gehören zu den ganz zentralen Dingen des Peak Oil-Theorems. Peak Oil werden wir wahrscheinlich eher über die Pipeline- und Bringungsproblematik erleben. Das ist der Teil, der uns wesentlich zu interessieren hat, nicht der Punkt des Fördermaximums. Die Bringung des Öls an den Markt stellt anhand von Ölexperten die größte Gefahr dar. Die Frage ist: habe ich die richtigen Pipelines an der richtigen Stelle? Wir haben Erdölfelder, die zur Neige gehen. Sehr viele davon sind aus dem Ölpreisschock von 1973 entstanden. Die laufen jetzt aus. Bei den neuen Feldern ist der Bringungsweg noch nicht gestaltet und muss noch massiv ausgebaut werden. Deswegen würde auch ich eher hier die Versorgungsprobleme der Zukunft verorten.“

Fernerhin werden zweifelsohne mehr Förderanlagen installiert. In den USA sorgt dies derzeit dafür, dass der stete Rückgang der US-Erdölförderung seit Anfang der 1970er Jahre angehalten, ja sogar ein Stück weit umgekehrt werden kann. Die Suche nach neuem Öl ist verstärkt unterwegs. Rückte in den 1990er Jahren das Kaspische Becken rund um die zentralasiatischen Republiken der ehemaligen Sowjetunion in den Fokus, so sorgen nun die Produktionsaussichten vor der Küste Brasiliens fürs Schwärmen. Viel häufiger jedoch sind die Standorte, an denen neues Öl gefunden wird, in politisch unstabilen, bisweilen auch unfreundlichen Plätzen angesiedelt – jedenfalls aus westlicher Sicht. Und wie von Thomas Bachheimer bereits festgestellt wurde: die Pipeline-Infrastruktur muss dort oftmals erst noch geschaffen werden.

Vor allem aber wird Öl gebraucht, mit dem sich billiger Hoch-Oktan-Brennstoff herstellen lässt. Dafür bedarf es eines Erdöls mit einer sehr hohen spezifischen Dichte. Dieses wird in der Tat immer knapper (das von der NATO “befreite“ Libyen hat übrigens genau solches Erdöl). Erdöl dagegen, dass wie in Saudi-Arabien einen hohen Schwefel-Anteil aufweist, eignet sich im Vergleich nicht besonders gut zur Benzinherstellung. Dieses Erdöl mit hoher Dichte wird schwer zu ersetzen sein.

Nun heißt es immer, wenn Peak Oil zur Sprache kommt, dass man sich mit der abiotischen Theorie der Ölentstehung auseinandersetzen soll. Diese habe ich “durchaus studiert, mit heißem Bemühn“. Neben den faszinierenden Forschungsarbeiten, die Giora Proskurowski, ein Wissenschaftler von der School of Oceanography an der University of Washington in Seattle, auf diesem Gebiet durchführt, (4) möchte ich insbesondere jene des Mikrobiologen Stephen Giovannoni erwähnen, der Ende 2010 bakterielles Leben tiefer als je zuvor in der Erdkruste entdeckte – um genauer zu sein: 1,4 Kilometer unterhalb des Meeresbodens. Die Art der Bakterien, die man vorfand, waren nicht die gleichen, die in Basaltgesteinen gefunden wurden. Die Organismen waren in der Regel mit dem Abbau von Kohlenwasserstoffen verbunden. Das könnte bedeuten, dass sich Kohlenwasserstoffe in dieser Region abiotisch (das bedeutet: aus nicht-lebenden chemischen und physikalischen Faktoren in der Umwelt) bilden. Das wiederum hieße, dass Kohlen- und Wasserstoff-Moleküle aus Kohlendioxid und Wasserstoff in Wechselwirkungen zwischen Wasser und Gesteinen entstehen. Diese Wechselwirkungen stellen organische Substanzen her.

Allein, bloß weil Erdöl abiotischen Ursprungs sein könnte, bedeutet dies mitnichten, dass die Verfügbarkeit an Öl (und besonders desjenigen mit einer hohen spezifischen Dichte) nicht knapper wird. Es gibt Tiefbohrungen in Vietnam und Russland, die das weiter im Erdinnern befindliche Erdöl erschließen; aber solche Bohranlagen sind teuer zu bedienen, brauchen eine Menge Zeit, um zu den gewünschten Ergebnissen zu kommen, und sie produzieren nicht sonderlich viel. Die Russen schätzen zwar, dass der Mittlere Osten nachhaltig ist; allerdings nur dann, wenn die dortige Produktion um circa 35% gekappt und Gelder im mehrstelligen Milliardenbereich für die Umstellung auf tiefere Bohrungen ausgeben werden. Hinter diesem “wenn, dann“ steht ein Fragezeichen, das kaum größer sein könnte.

Darüber hinaus müssten sich die flachen Felder erst neu befüllen. Wenn diese entleert sind und man hat nur noch die tiefen, teuren Erdöle übrig, die niedriger produzieren, dürften höhere Preise nicht zu umgehen sein.

Ein sehr großes Problem, das ich bei der Peak Oil-Diskussion gegeben sehe, sind zudem die unklaren Daten bezüglich der verschiedenen Reserve-Arten und -Berechnungen. Mit besseren, transparenteren Daten könnten Analysten zur globalen Produktion wie auch zu einzelnen Feldern Profile erstellen, die helfen würden, Peak Oil zu be- oder entkräftigen.

Sicherlich könnte man ohnehin, falls man die Peak Oil-Thematik ernst nimmt, zur Auffassung gelangen, dass eine vorausschauende staatliche Energiepolitik mehr Öl verbrauchen würde, statt es zu konservieren. Immerhin könnte man auf den Trichter kommen, soviel billiges Öl wie möglich zu benutzen, um sich für eine Zeit vorzubereiten, da dies nicht mehr möglich ist. Die Frage ist hingegen, ob das ohne Weiteres bewerkstelligt werden kann. Ehrlich gesagt, scheint das nicht der Fall zu sein. Denn was die eingangs erwähnten 75 Millionen Barrel pro Tag an konventionellem Rohöl angeht, die derzeit als globale Obergrenze produziert werden, so gab Gregor Macdonald neulich auf seiner sehr zu empfehlenden Website “gregor.us“ zu bedenken, dass der europäische Ölkonsum seit 2005 “um 1,5 Millionen Barrel pro Tag gesunken ist. Und im gleichen Zeitraum ist der US-Ölverbrauch um 2 Millionen Barrel pro Tag gesunken. Wenn Öl bei 60 Dollar pro Barrel, statt 100 Dollar pro Barrel verkauft werden würde, dann könnte ein angemessener Teil dieser verlorenen Nachfrage zurückkommen. Stattdessen ist seit 2005 die globale Ölförderung bereits gegen eine Obergrenze von rund 74 Millionen Barrel pro Tag gestoßen. Damit ist das enorme Wachstum der Ölnachfrage, das von der Dritten Welt und vor allem Asien ausgeht, durch die Reduzierung der Nachfrage in Europa und den Vereinigten Staaten beliefert worden. Warum erhöht die Welt nicht einfach die Produktion von Öl auf 77 oder 78 Millionen Barrel pro Tag? Immerhin, das ist genau die Geschichte der globalen Ölproduktion: eine kontinuierliche Zunahme des Angebots, um den Vorsprung steigender Preise einzuholen.“

Für die Unmöglichkeit der kurz- bis mittelfristigen Produktionssteigerung nannte Macdonald folgende Beispiele: “Für jedes zusätzliche Barrel Öl, das während der vergangenen sieben Jahren in Russland und Kanada produziert wurde, hat es einen Produktionsausfall von der Nordsee über Mexiko bis hin nach Indonesien und anderswo gegeben. Und im Fall der OPEC hat es eine hartnäckige Verflachung des Produktionswachstums gegeben, das im wahren Geist des argumentum ad ignorantium als Beweis der versteckten und geheimen Versorgung der OPEC angesehen wurde.“ (5)

Hier ist ein dazugehöriger Chart, den Gregor Macdonald zur Veranschaulichung des Limits von knapp 75 Millionen Barrel pro Jahr beifügte:

© Gregor Macdonald / gregor.us

Das heißt mitunter also, dass des Weltangebot an Erdöl seit 2005 nicht gesteigert werden konnte. Des Weiteren befindet sich die Welt seit 2007/08 in der größten Finanz- und Wirtschaftskrise seit den Zeiten der Großen Depression in den 1930er Jahren. Sollte es nun so sein, dass eine Angebotsreduzierung langfristig gegeben ist, dann würde dies zu einer Reduzierung an Möglichkeiten führen, um aus der “Großen Rezession“ je wieder voll und ganz herauszukommen.

DAS ERDÖL UND DAS GELD

Wieso das? Nun, abgesehen davon, dass die Schulden, die über “exotische“ Derivat-Wettprodukte im OTC-Bereich angelaufen sind, ungefähr das Zwölffache dessen überschreiten, was die Welt pro Jahr überhaupt wirtschaftlich zu leisten vermag, ist die Rechnung, die im Kern vorliegt, diese:

“Unser gegenwärtiges Geldsystem erfordert ständiges Wachstum, um die Bezahlung der Zinsen auf diejenigen Schulden zu ermöglichen, die das Geld überhaupt erst geschaffen haben. Da billige Energie die Grundlage des Wirtschaftswachstums ist, das das Finanzsystem vor dem sofortigen Absaufen bewahrt, sind wir also auf Gedeih und Verderb darauf angewiesen, beständig und steigend Energie zu verbrauchen. Für unsere Zeit, in der ein allgemeiner Rückgang der Ressourcen wie Öl gegeben scheint, kann das Finanzsystem nicht gut funktionieren. Stattdessen befinden sich hier zwei gegensätzliche Blöcke auf Kollisionskurs: ‚Finanzsystem/Ewiges Wachstumsdogma‘ einerseits, und ‚begrenzt vorhandene Energie durch Öl‘ andererseits.

Das Finanzsystem, wie es geworden ist, lässt sich auf eine Geschichtsphase zurückführen, in der der Zugang zu Energie (das heißt: die Fähigkeit, Arbeit zu verrichten) stetig wuchs. Ohne Energie, insbesondere Erdöl, hätte es den derart raschen Aufbau unserer Industriegesellschaften so nicht geben können, sie lieferte die unabdingbare Grundlage. Für eine Zeitlang hatten Finanzen und Energie also eine Gemeinsamkeit: exponentielles Wachstum. Wobei das Wachstum, auf dem das Finanzsystem beruht, in der Schaffung von Schulden (Anleihen, Kredite und als ‚Sahnehäubchen‘ obendrauf: in der Kapitalisierung der Zinsen, sprich der Zinseszinsen) besteht. Geld wird im Grunde aus dem Nichts geschaffen und hat einen höchst fiktiven Charakter, insofern es mit der physischen Welt, zu welcher der Block ‚begrenzt vorhandene Energie durch Öl‘ gehört, nur sehr wenig zu tun hat.

Bloß: ‚Wenn dem aber so ist, haben wir hier ein Problem. Woher kommt dann das Geld, um damit die Zinsen auf diese Anleihen und Kredite zu bezahlen? Letztendlich muss dieses Geld aus neuen Krediten kommen, die andere an irgendeiner anderen Stelle innerhalb des Finanznetzwerks unserer Wirtschaft aufgenommen haben. Wenn keine neuen Kredite mehr gegeben werden, wird es irgendwo in diesem Netz Leute geben, die die Zinsen ihrer aufgenommenen Kredite nicht mehr zahlen können und daraufhin Bankrott gehen. Daher ist die Notwendigkeit eines ständigen Wachstums der Geldmenge ein Strukturmerkmal unseres Finanzsystems.‘

All das kann nur so lange reibungslos gewährleistet werden, so lange auch die Realwirtschaft wächst – wofür es ein wachsendes Angebot an Energie geben muss. Nimmt das Energieangebot ab, nimmt auch die Produktivität ab: das Eine ist ohne das Andere nicht zu haben.

Anders gewendet: die Finanzwirtschaft diktiert die Ausrichtung der Realwirtschaft. Sie verlangt von der Realwirtschaft beständiges Wachstum, um sich die ungebremste Geldschöpfung durch das Mindestreserve-System bei einhergehender Kapitalisierung der Zinsen erlauben zu können. Gibt es kein Wachstum, kollabiert das System. Grundlage für die Möglichkeit, Wachstum zu erzielen, ist der Verbrauch von (erschwinglicher) Energie, insbesondere gewonnen durch Erdöl – insofern ‚der gefährlichste(n) bewusstseinsverändernde(n) Substanz der Welt‘.(6)

Von daher kann es auf die eine oder andere Weise nur förderlich sein, sich mit dem Thema des Peak Oil zu beschäftigen. Allzu mal Gail Tverberg in einem kürzlich veröffentlichten Artikel davon ausgeht, dass eine generelle Verflachung des Ölangebots dazu führen wird, dass der Ölkonsum in den OECD-Ländern einerseits zurückgehen dürfte, jedoch würden andererseits die Entwicklungsländer einen umso größeren Anteil dessen verbrauchen, was anderweitig verfügbar bleibt. Sollte dem so geschehen, hätte das wohl eine fortwährende Finanzkrise einschließlich signifikanter Zahlungsausfälle auf staatliche Schulden zur Folge. (7)

Zumindest teilweise würde dies zu steigenden Preisen führen. Wobei der Prognose von Preisen eine gewisse Reserviertheit entgegengebracht werden darf, wie zurückliegende Preisprognosen u. a. von IHS Cambridge Energy Research Associates (CERA) eindrucksvoll unter Beweis stellten. Nichtsdestoweniger müssen höhere Ölpreise mit Sorge ins Auge gefasst werden. Wie Chris Martenson nach einem Blick in den historischen Rückspiegel schreibt:

“Es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen hohen Ölpreisen und Rezessionen, was die Idee bestätigt, dass der Ölpreis die gleiche Auswirkung auf die Wirtschaft hat wie höhere Zinsen (vielleicht heutzutage sogar noch mehr). Beide sind eine Quelle der Reibung. Bei höheren Zinsen findet weniger Kreditaufnahme und Verbrauch statt. Bei einem höheren Ölpreis wird mehr Geld für Energie aufgewendet, ein Großteil davon geht an ausländische Produzenten von Öl, und damit steht weniger Geld für anderen Verbrauch zur Verfügung. (…) Es ist nicht allzu weit hergeholt, dass wirtschaftliche Erholungen und die hohen Ölpreise invers zueinander korrelieren.“ (8)

Schauen wir uns vor diesem Hintergrund einmal zwei Schaubilder an. Zunächst eines, das zum einen die tägliche Ölproduktion von circa 75 Millionen Barrel pro Tag zeigt, zum anderen den hohen Ölpreis:

© Gail Tverberg

Als nächstes sehen wir die Goldproduktion und -preise; das Bild ist im Großen und Ganzen dasselbe: stagnierende Produktionskurve, steigende Preisentwicklung.

© Gail Tverberg

Gail Tverberg, eine Redakteurin von “The Oil Drum“, die diese beiden Schaubilder zusammenstellte, schreibt hierzu: “Das Problem ist ein zweifaches: Es ist ein Preisproblem und ein Problem dadurch, dass die Gewinnung nicht erhöht wird, wie man es sich wünschte. Das Thema ist eines der sinkenden Qualität der Ressourcen, da minderwertige Quellen gefunden werden und das Öl schwieriger zu extrahieren ist. Es stehen genügend Ressourcen zur Verfügung: das Thema ist nur, dass wir uns die hohen Kosten der Gewinnung nicht leisten können.“ (9)

Hinzu kommt, dass die emporsteigenden Energiepreise jetzt schon “die sich langsam drehenden Rädchen einer wirtschaftlichen Erholung im Westen blockieren, aber das würde nichts im Vergleich zu dem wirtschaftlichen Schock sein, den ein israelischer Angriff auf Iran darstellen würde“, wie es neulich in einer Analyse auf Reuters hieß. (10)

Das hängt vor allem mit der Seestraße von Hormuz zusammen. Der US-Sicherheitsexperte Michael T. Klare zu diesem Nexus: “Erdöl bleibt die weltweit wichtigste Energiequelle und etwa ein Fünftel der Ölversorgung des Planeten reist per Tanker durch die Meeresenge. ‚Hormuz ist aufgrund seines tägliche Öl-Flusses von fast 17 Millionen Barrel im Jahr 2011 das weltweit wichtigste Öl-Nadelöhr‘, bemerkte das US-Energieministerium am Ende des letzten Jahres. Weil keine andere Region in der Lage ist, diese 17 Millionen Barrel zu ersetzen, würde jede längere Schließung einen globalen Mangel an Öl, einen Preisanstieg und zweifellos damit verbundene wirtschaftliche Panik und Unordnung bewirken.

Niemand weiß genau, wie hoch die Ölpreise unter solchen Umständen gehen würden, aber viele Energie-Analysten glauben, dass der Preis für ein Barrel sofort um $ 50 oder mehr springen könnte. ‚Sie würden eine internationale Reaktion bekommen, die nicht nur hoch sein würde, sondern irrational hoch‘, sagt Lawrence J. Goldstein, ein Direktor der Energy Policy Research Foundation. Auch wenn militärische Experten davon ausgehen, dass die USA ihre überwältigende Macht nutzen würden, um die Meerenge von iranischen Minen und Hindernissen binnen weniger Tage oder Wochen zu räumen, würde das Chaos, das in der Region folgte, vielleicht nicht so schnell enden, was die Ölpreise für lange Zeit oben halten würde. Tatsächlich fürchten einige Analysten, dass die Ölpreise, die jetzt schon bei rund 100 Dollar pro Barrel schweben, sich schnell auf mehr als 200 Dollar verdoppeln könnten, um jede Aussicht auf eine wirtschaftliche Erholung in den Vereinigten Staaten und Westeuropa auszulöschen und möglicherweise den Planeten in eine erneute Große Rezession zu stürzen.“ (11)

BYE BYE PEAK OIL?

Da trifft es sich vortrefflich, wenn in großen Medien wie Bloomberg / Businessweek und von großen Unternehmen wie BP und Citigroup generelle Entwarnung kommt, was den zusätzlichen Preisfaktor Peak Oil angeht. So veröffentlichte Bloomberg Businessweek am 26. Januar einen Text von Charles Kenny, der besagte, dass schlichtweg alles falsch sei, was man über Peak Oil zu wissen meinte: “Everything You Know About Peak Oil Is Wrong“. Laut Kenny sei die Angst, uns könnten Öl und andere Ressourcen ausgehen, völlig übertrieben. Durch neue Technologien scheine stattdessen allmählich die Möglichkeit zur Erlangung der Energieunabhängigkeit für die USA auf, die bislang knapp 50 Prozent ihres Erdölbedarfs importieren. (12)

Bald darauf folgte auf Bloomberg von Joe Carroll ein Artikel (“Peak Oil Scare Fades as Shale, Deepwater Wells Gush Crude“), der ins gleiche Horn stieß. Folgt man Schätzungen des US Geological Survey, einer wissenschaftlichen Behörde des US-Innenministeriums, so sind noch “mehr als 2 Billionen Barrel Rohöl unberührt in der Erde verschlossen, genug, um beim derzeitigen Verbrauchstempo für mehr als 70 Jahre auszureichen. Technologische Fortschritte ermöglichen es Unternehmen, nach unterirdischen Felsen mit einer nie geträumten Präzision zu bohren und diese zu sprengen.“ Es seien Billionen Barrel Erdöl gefunden worden, von denen bisher angenommen wurde, dass sie “unerreichbar oder nicht-existent“ seien (wo diese Billionen Barrel gefunden worden seien und wie viele exakt, behält Carroll für sich). Insgesamt wäre “das Wetten gegen die menschliche Erfindungsgabe ein Fehler gewesen“, zitiert Carroll den Portfolio-Manager Daniel Lacalle, der bei Ecofin Ltd in London arbeitet. „Die Ressourcenbasis ist absolut enorm“, sagt Lacalle, “so sehr, dass uns das Öl nicht in meinem Leben, Ihrem Leben und zu unserer Kinder oder unserer Enkel Lebzeiten ausgehen wird.“(13) Die Peak Oil-Theorie habe sich als „irreführend“ herausgestellt, wie bereits 2006 eine CERA-Studie prognostizierte. CERA geht davon aus, dass die Erdölproduktion bis 2030 auf 130 Millionen Barrel pro Tag angehoben werden kann. (14)

Neuere Studien, die ähnlichen Optimismus verbreiten, sind vor kurzem von BP und Citigroup veröffentlicht worden. BP geht in seinem Annual Energy Outlook 2030 beispielsweise davon aus, dass sowohl der amerikanische Kontinent als auch Eurasien davor stünden, “Energie-Selbstständigkeit“ zu erlangen, “während der Mittlere Osten ein Überschuss-Angebot für Asiens Überschuss-Nachfrage erzeugen wird“. Das zusätzliche Öl wird den BP-Vorhersagen zufolge insbesondere von Tiefseebohrungen, Energieeffizienz und der Ausbeutung einheimischer Energieressourcen stammen. (15) Das heißt aber im Umkehrschluss: nicht von konventionellem Rohöl, auf das die industrialisierte Welt bislang zurückgriff. Positiv ausgedrückt: die neuen Technologien verwischen zunehmend die Grenzen zwischen konventionellem und unkonventionellem Erdöl. Insofern können sich die ultimativ auszubeutenden Reserven in der Tat erhöhen. Allein, vom Preis her gibt es da ein Problem: die neuen Technologien (wie tiefere Bohranlagen) sind extrem teuer und brauchen Zeit, um sich auszuzahlen. Ferner ist eine zügige Belieferung damit noch längstens nicht gewährleistet. (16)

Wie dem auch sei, vorerst weiter im Optimismus. Citigroup verabschiedete Peak Oil nämlich unlängst für die USA ein für allemal in die ewigen Jagdgründe. Laut dem 23-seitigen Report unter dem Titel „Resurging North American Oil Production and the Death of the Peak Oil Hypothesis“ darf Peak Oil ob der neuen Produktionsmöglichkeiten im US-Bundesstaat North Dakota als “tot“ und “begraben“ gelten: “Die USA scheinen nach vielen schwachen Starts auf dem Kurs, in diesem Jahrzehnt Energieunabhängigkeit zu erlangen.“ (17) Ähnlich rosig sieht es für den Rest der Welt aus, denn immerhin gäbe es ja Schieferöle, die mit neuen Technologien bearbeitet werden könnten, nicht nur dort in North Dakota, sondern geradezu überall auf dem Erdenrund.

Diesen Optimismus will dagegen Barclays Capital nicht teilen. Zwar seien die Funde in North Dakota vielversprechend; bisher aber entstünden dadurch nur 0,5 Millionen Barrel pro Tag. Von Energieunabhängigkeit seien die USA bei einem täglichen Ölverbrauch von 9 Millionen Barrel noch weit entfernt. So heißt es in einem Report von Paul Horsnell and Amrita Sen für Barclays:

„Während es einige rührende Aussichten nach fast einem Jahrzehnt schlechter Leistungen von Nicht-OPEC-Ländern bietet, ist Schieferöl allein einfach nicht genug, um den Rückgang in anderen Teilen der Nicht-OPEC wettzumachen und das inkrementelle Wachstum der Nachfrage zu befriedigen. (…) Hilft Schieferöl den USA, ihre Abhängigkeit von ausländischem Öl zu verringern? Ja, tut es. Aber verwandelt es die USA in das nächste Saudi-Arabien? Nein, zumindest noch nicht.“ (18)

Der niederländische Öl-Analyst Maarten van Mourik, der in der Vergangenheit unter anderem für die OPEC gearbeitet hat, schickte mir exklusiv für diesen Artikel eine kurze Stellungnahme zum Citigroup-Report, die ich hiermit ins Deutsche übersetze:

“Ist Schieferöl der finale Nagel im Sarg von Peak Oil?

Nun, das ist das, was Citi in dem Rohstoff-Strategiepapier vom 15. Februar zu vermitteln versucht. Es ist klar, dass Schieferöl ein massives Wachstum in den vergangenen Jahren in den USA erlebte. Technologische Fortschritte und vor allem der Preismechanismus liefern 1 Million Barrel pro Tag auf den US-Markt. Citi erwartet bis 2020 weitere 2 Millionen Barrel pro Tag basierend auf ‚konservativen‘ Annahmen. Citi zieht den Schluss, dass Peak Oil tot ist. Laut Citi haben die Internationale Energie Agentur und ihresgleichen die zugrundeliegende Erhöhung der Kapitaleffizienz missachtet, was zu fortwährenden Fehleinschätzungen bezüglich des Angebotswachstums der Nicht-OPEC-Länder führte. Somit seien die Annahmen der Agentur bezogen auf den Rückgang zu hoch. Die bessere Kapitaleffizienz und die Entwicklung einer Reihe von großen Feldern sollte den Rückgang langfristig um 4 bis 5% pro Jahr umkehren. Dazu wäre aber jedes Jahr eine Steigerung der Kapazität an neuen Flüssigkeiten um 3 bis 4 Millionen Barrel pro Tag nötig. Diese Schätzung zeigt, dass der Nagel keinesfalls reingerammt worden ist.

Ferner, wenn der Rückgang eher 5% statt 4% beträgt, dann erkauft die Schieferöl-Revolution nur ein wenig Zeit. Dieser 1%-Punkt bedeutet jedes Jahr einen Rückgang in der Größenordnung von 1 Millionen Barrel pro Tag. Schieferöl soll zusätzliche 2 Millionen Barrel pro Tag über die nächsten acht Jahre liefern. Worum es hier geht, sind Ausmaß und Geschwindigkeit.

Brasilien ist das weltweit führende Land im Bereich des Tiefsee-Öls. Die Produktion beträgt über 2 Millionen Barrel pro Tag. Über die Hälfte der Felder befinden sich im Niedergang. Der Rückgang beträgt durchschnittlich 13% pro Jahr. Um diesen Rückgang stillstehen zu lassen, müsste jedes Jahr ein neues Feld in Betrieb genommen werden, das 200.000 Barrel pro Tag produziert. Stattdessen ist das Wachstum sehr viel langsamer als prognostiziert. Die Kosten sind in der Zwischenzeit unerbittlich gestiegen. Citi nennt Angola als weiteres Wachstumsfeld im Bereich des Tiefsee-Öls. Citi bietet aber keine Erklärung für das mangelnde Wachstum, das dort im Laufe der letzten Jahre auftrat. Groß angelegte Felder sind zwar in Betrieb genommen worden, aber der Rückgang ist ebenso weit verbreitet wie in Brasilien oder in der Tiefsee im US-amerikanischen Golf von Mexiko, wo ein Rückgang von 15% pro Bohranlage üblich ist.

Massive Anstrengungen sind erforderlich, um für Wachstum zu sorgen. Groß angelegte Investitionen müssen vorgenommen werden, um Gewinne abzuliefern. Im Gegenzug müssen diese Gewinne ein Dividendenwachstum erzielen.

Es ist wahrscheinlich, dass Schieferöl diese liefern wird, solange die Preise günstig bleiben. Die Kosten aber sind sehr hoch, Citi geht von 60 bis 70 USD / Barrel aus. Das ist ein klarer Hinweis darauf, wo die allgemeine Ressourcenbasis hingegangen ist. Das leichte, frei fließende Öl wurde aufgebraucht oder zurückgelassen worden, da die Gewinne stocken und die Projektgrößen für Big Oil zu klein sind. Das ist einer der Gründe, warum das Nordsee-Erdöl nunmehr seit zehn Jahren wie ein Stein gefallen ist. Das Resultat passt allen. Eingeschränkte Investitionen im rükläufigen Bereich des konventionellen Öls erzeugt hohe Preise und damit Investitionen in anderen Ölsorten, die sich im Hinterhof des Westens befinden. Hier wiederholen sich Vorgänge, die aus dem Ölpreisschock von 1973 resultierten. Wegen der Preis- und Produktionskontrollen hat sich der Ölmarkt nicht entlang einer glatten Kurve entwickelt. Es war ein Aufwand von hinten nach vorne, und jetzt sehen die OPEC-Länder ihre Felder in einer Phase des Rückgangs, während die Nicht-OPEC mit teuren Ölsorten kämpft. Das ist ein Rezept von konvergierenden Interessen für hohe Preise. Wenn überhaupt irgendetwas, dann beweist die Entwicklung von Schieferöl das Peak-Oil-Problem.“

Ein besonders nüchternes Bild zeichnet darüber hinaus eine neue Studie der Wissenschaftler David King (University of Oxford) und James Murray (University of Washington), die den Titel “Climate policy: Oil’s tipping point has passed“ trägt. (19) Trotz größerer Erdölfunde, wie sie vor der Küste Brasiliens gemacht wurden, trotz des Booms, wie er gegenwärtig in North Dakota stattfindet, und trotz der Anstrengungen, wie sie in Sachen Ölsandumwandlung unternommen werden, reicht das neugewonnene Petroleum gerade einmal aus, um die Produktionsrückgänge auszugleichen, die in älteren Feldern auftreten. Auch King/Murray sehen die tägliche Produktion an konventionellem Rohöl seit dem Jahr 2005 auf einem Plateau zwischen 72 und 75 Millionen Barrel stagnieren. Dabei berufen sie sich auf die Auswertung von Daten, die von der US Energy Information Administration stammen. (20) “Mit Blick auf den Einsatz und die Entwicklung der Produktion bringen die beiden zur Kenntnis, dass seit 2005 die Produktion im Wesentlichen unverändert geblieben ist, während die Preise (ein Surrogat für die Nachfrage) wild schwankten. Dies legt nahe, so die Autoren, dass es nicht mehr ungenutzte Kapazitäten gibt, um auf eine erhöhte Nachfrage zu reagieren“ – sei dies nun aus politischen oder ökonomischen Gründen. King/Murray: „Uns wird das Öl nicht ausgehen, aber uns geht das Öl aus, das leicht und billig hergestellt werden kann.“ (21)

Auf Nachfrage für diesen Artikel bestätigte mir Maarten van Mourik die Kapazität von 75 Millionen Barrel pro Tag an konventionellem Rohöl ausdrücklich. “Vielleicht kann eine weitere Million Barrel pro Tag herausgequetscht werden (oder wenn der Irak über Nacht entwickelt werden würde, könnte für eine kurze Zeit sogar eine ganze Menge hinzugefügt werden, um die Probleme später zu verschärfen). Es ist kolossal viel Geld ausgegeben worden, um bei 75 Millionen Barrel pro Tag zu bleiben. All die zusätzliche Nachfrage über den 75 Millionen Barrel pro Tag ist aus anderen Quellen erfüllt worden. Sobald das Plateau endet, wird es entsetzlich werden. Allerdings wird das Problem durch den Preis gemindert, denn der Preis zerstört die Nachfrage. Die Peak Oil-Anhänger lagen diesbezüglich immer falsch.“ (22)

Um zu erörtern, ob das Erdöl wirklich teuer ist, bietet sich übrigens zum Schluss hin ein Blick auf das Preisverhältnis zweier Rohstoffe zueinander an, und zwar von Öl zu Gold. Darüber sprach ich mit dem Wiener Rohstoffanalysten Ronald Stöferle von der Erste Group Bank, der mir gegenüber äußerte: “Öl in Gold ausgedrückt ist ziemlich genau am langfristigen Mittelwert. Man sieht hier, dass Gold seine Kaufkraft behält, wohingegen der US-Dollar seit 1971 erodierte. Hinzu kommen Preisaufschläge durch die ungeheuer große Liquidität am Markt, die derzeit in Rohstoffe und vor allem auch in Rohöl geht. Hier zeigt sich das Quantative Easing der Federal Reserve in den USA.“

Ebenso befragte ich Thomas Bachheimer nach dem Öl/Gold-Verhältnis, und dies angefangen bei der Frage, ob der Ölpreis, wo er im Moment steht, gerechtfertigt sei.. “Die Rechtfertigung des Preises eines Gutes erkennt man über die vielen Umsätze, die darüber laufen. Man weiß, dass die OPEC einen Preis von über 85 US-Dollar favorisiert. Die Kunden kaufen auch. Wir befinden uns heuer wieder auf Rekordniveaus mit dem Tagesverbrauch. Insofern sehe ich ihn gerechtfertigt. Ferner sehe ich, dass ich zurzeit mit einer Unze Gold 17 Barrel Erdöl kaufen kann, was ungefähr einem historischen Durchschnitt entspricht. Aus meiner Sicht erscheint mir das ausgeglichen.“

Frage: “Der Durchschnitt liegt ja bei 14 oder 15:1?“

Thomas Bachheimer: “Ja, die häufigsten Ausprägungen lagen bei 16:1, aber je nach Berechnungen kann man sagen: 13, 14, 15, 16, 17:1 – das ist alles okay. Im vergangenen Oktober gab es ein Verhältnis von 23:1, und da musste man natürlich beim Öl long gehen, denn da wusste man, dass man unterbewertet war.“

Frage: “Es war klar, dass man wieder in Richtung 16:1 gehen würde?“

Thomas Bachheimer: “Na ja, es hätte auch sein können, dass wir zuerst auf 25:1 gehen, aber irgendwann gehen wir auch wieder auf 16:1. Es hat natürlich ein Goldpreisverfall in dieser Zeit mitgespielt, aber der Rohölpreis ist seit Oktober ebenso recht stark angestiegen.“

Dass Öl in Gold stabil ist, dürfte gewiss für den gewöhnlichen Verbraucher des schwarzen Gutes hier und jetzt wenig tröstlich sein. Und überhaupt geben King/Murray dieses zu bedenken, womit ich enden möchte: “Der globalen Wirtschaft wird bei Ölpreisen von $100 oder mehr schwer zugesetzt, was einen wirtschaftlichen Abschwung und eine Verhinderung der wirtschaftlichen Erholung erzeugt.“ (23)

Quellen:

(1) Vgl. Pepe Escobar: “Welcome to Pipelineistan“, veröffentlicht auf TomDispatch am 24. März 2009 unter:

http://www.tomdispatch.com/post/175050/pepe_escobar_liquid_war

(2) Vgl. „Die „Nabucco”-Gaspipeline als Teil der EU-Energieaußenpolitik“ – Wissenschaftlicher Dienst des Deutschen Bundestags, 18. Juni 2007.

(3) Siehe “Aus für die ‚Nabucco‘-Pipeline“, veröffentlicht auf WirtschaftsWoche am 11. Februar 2012 unter:

http://www.wiwo.de/unternehmen/energie/erdgas-versorgung-aus-fuer-die-nabucco-pipeline/6195808.html

(4) J. S. Kim: “Im Innern des illusorischen Reiches des Banken- und Waren-Schwindels“, veröffentlicht auf LarsSchall.com am 28. November 2010 unter:

http://www.larsschall.com/2010/11/28/im-innern-des-illusorischen-reiches-des-banken-und-waren-schwindels/

(5) Vgl. Gregor Macdonald: “Global Oil Production Update: A Strange Future Has Arrived“, veröffentlicht auf Gregor.US am 29. Januar 2012 unter:

http://gregor.us/oil/global-oil-production-update-a-strange-future-has-arrived/

(6) Siehe Lars Schall: “Mordanschlag 9/11: Eine kriminalistische Recherche zu Finanzen, Öl und Drogen“, Schild Verlag, Elbingen, 2011, Seiten 25 bis 26.

(7) Vgl. Gail Tverberg: “The Most Important Resource for Our Future: Inexpensive Oil“, veröffentlicht auf Financial Sense am 1. Februar 2012 unter:

http://m.financialsense.com/contributors/gail-tverberg/the-most-important-resource-for-our-future-inexpensive-oil?device=mobile

sowie Gail Tverberg: “Businessweek Gets it Wrong – Everything You Know About Peak Oil is ‚Not‘ Wrong“, veröffentlicht auf Energy Bulletin am 6. February 2012 unter:

http://www.energybulletin.net/stories/2012-02-06/commentary-businessweek-gets-it-wrong-everything-you-know-about-peak-oil-not-wron

(8) Chris Martenson: „Why Our Currency Will Fail“, veröffentlicht auf Chris Martenson am 8. Februar 2012 unter:

http://www.chrismartenson.com/blog/why-currency-fail/70928

(9) Gail Tverberg: “Businessweek Gets it Wrong – Everything You Know About Peak Oil is ‚Not‘ Wrong“, veröffentlicht auf Energy Bulletin am 6. February 2012 unter:

http://www.energybulletin.net/stories/2012-02-06/commentary-businessweek-gets-it-wrong-everything-you-know-about-peak-oil-not-wron

(10) Zaida Espana und Dmitry Zhdannikov: “Analysis: Oil price rise raises specter of global recession“, veröffentlicht auf Reuters am 27. Februar 2012 unter:

http://www.reuters.com/article/2012/02/27/us-oil-recession-idUSTRE81Q1UQ20120227

(11) Michael T. Klare: “Kein Exit im Persischen Golf?“, veröffentlicht auf LarsSchall.com am 22. Februar 2012 unter:

http://www.larsschall.com/2012/02/22/kein-exit-im-persischen-golf/

Siehe zu diesem Thema der Preisentwicklung infolge des Irankonflikts auch Frank Bremser: “Öl in Euro so teuer wie nie zuvor“, veröffentlicht auf Financial Times Deutschland am 23. Februar 2012 unter:

http://www.ftd.de/finanzen/maerkte/rohstoffe/:folge-des-irankonflikts-oel-in-euro-so-teuer-wie-nie-zuvor/60172987.html

(12) Charles Kenny: “Everything You Know About Peak Oil Is Wrong“, veröffentlicht auf Businessweek am 26. Februar 2012 unter:

http://www.businessweek.com/magazine/everything-you-know-about-peak-oil-is-wrong-01262012.html

(13) Joe Caroll: “Peak Oil Scare Fades as Shale, Deepwater Wells Gush Crude“, veröffentlicht auf Bloomberg am 6. Februar 2012 unter:

http://www.bloomberg.com/news/2012-02-06/peak-oil-scare-fades-as-shale-deepwater-wells-gush-crude.html

(14) Ebd.

(15) Vgl. “The 2012 BP Energy Outlook 2030“, veröffentlicht auf The Oil Drum am 3. Februar 2012 unter:

http://www.theoildrum.com/node/8897

(16) Vgl. Dahr Jamail: “Oil: In perpetuity no more“, veröffentlicht auf DahrJaail.net am 22. Februar 2012 unter:

http://dahrjamail.net/oil-in-perpetuity-no-more

(17) Vgl. https://www.citigroupgeo.com/pdf/SEUNHGJJ.pdf .

(18) Vgl. Steve LeVine: “The Weekly Wrap“, veröffentlicht auf Foreign Policy am 17. Februar 2012 unter:

http://oilandglory.foreignpolicy.com/posts/2012/02/17/the_weekly_wrap_feb_17_2012

(19) Siehe: http://www.nature.com/nature/journal/v481/n7382/full/481433a.html

(20) Vgl. David Biello: “Has Petroleum Production Peaked, Ending the Era of Easy Oil?“,veröffentlicht auf Scientific American am 25. Januar 2012 unter:

http://www.scientificamerican.com/article.cfm?source=patrick.net&id=has-peak-oil-already-happened

(21) Ebd.

(22) Siehe hierzu auch Lars Schall: “Geld treibt alles an“, Interview mit Maarten van Mourik, veröffentlicht auf LarsSchall.com am 11. Dezember 2012 unter:

http://www.larsschall.com/2011/12/11/geld-treibt-alles-an/

(23) Vgl. David Biello: “Has Petroleum Production Peaked, Ending the Era of Easy Oil?“, a.a.O.

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