EINBLICK IN DIE 9/11-DEBATTE: „Die Ökonomen haben Angst“

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In diesem Exklusiv-Interview spricht der US-Ökonom Paul Zarembka über drei solide wissenschaftliche Studien, die auf Insider-Handel im Zusammenhang mit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 hindeuten. Des Weiteren kritisiert er die Mitglieder seines Berufsstands, denen er Angst vorwirft; die Frage ist zu groß für sie, um sie zu behandeln.

Von Lars Schall

Kürzlich brachte ich auf Asia Times Online einen exklusiven Investigativ-Bericht heraus:

http://www.atimes.com/atimes/Global_Economy/NC21Dj05.html.

Unter der Überschrift “ Insider trading 9/11 … the facts laid bare“ berichtete ich darin von Hinweisen auf Insiderhandel im Zusammenhang mit den Anschlägen vom 11. September 2001.

Zum gleichen Thema brachte Asia Times Online diese Woche ein Interview, das ich mit dem US-Ökonom Paul Zarembka geführt habe:

http://www.atimes.com/atimes/Global_Economy/ND27Dj02.html.

Es folgt unten die Übersetzung ins Deutsche.

Darüber hinaus möchte ich auf meinen Film „Terror Trading 9/11“ hinweisen, zu finden unter:

http://www.larsschall.com/2012/03/31/terror-trading-911/.

Paul Zarembka ist Professor für Ökonomie an der State University of New York (SUNY) in Buffalo. Er ist seit 1977 der Herausgeber von Political Economy , ist der Autor von Toward a Theory of Economic Development, Herausgeber von Frontiers in Econometrics, und Co-Herausgeber von Essays in Modern Capital Theory.

Er forscht zum Konzept der Akkumulation von Kapital. Ferner ist er ein Experte zur marxistischen Theorie und Wirtschaftsentwicklung. 2008 brachte Zerembka das Buch The Hidden History of 9-11 heraus, das aufzeigt, wie viel über 9/11 weiterhin unbekannt bleibt und wo tiefere Recherchen vonnöten sind. Sein eigenes Kapitel befasst sich mit der Untersuchung des 9/11-Insiderhandelsproblems. [1].

Professor Zarembka, wie begannen Sie sich als Ökonom für das Thema von Insiderhandel-Aktivitäten vor den Terroranschlägen von 9/11 zu interessieren?

Paul Zarembka: Nun, ich war nicht direkt daran interessiert, ich war direkt an 9/11 selbst interessiert. Das hat schließlich zum Insider-Handel geführt, und da ich in der Ökonometrie spezialisiert bin, war es die natürlichste Sache für mich, darauf zu springen und es selbst zu untersuchen.

Unmittelbar nach den Anschlägen tauchte eine beträchtliche Anzahl von Artikeln in den Mainstream-Finanzmedien auf, die darauf hindeuteten, dass es informierten Handel im Zusammenhang mit 9/11 gab. Was glauben Sie, warum diese Berichterstattung bald verschwand und danach nie wieder gesehen wurde?

Paul Zarembka: Das ist eine gute Frage, und ich sage Ihnen, was ich denke, aber es ist irgendwie spekulativ, ich kann es nicht sicher wissen. Was ich denke, was passiert war, ist, dass viele Menschen, die in keinerlei Weise mit 9/11 zu tun hatten, die extremen Niveaus von Put-Optionen auf bestimmte Wertpapiere vor 9/11 bemerkten. Das sind öffentlich verfügbare Informationen, insbesondere wenn Sie die Dienste haben, die Ihnen diese Daten zur Verfügung stellen. Einigen dieser Leute fielen die extremen Volumen auf, und sie dachten, glaube ich, dass es dazu führen würde, Osama bin Ladens Verantwortung  für 9/11 festzunageln. Also hatten wir über ein bis zwei Monate lang nach 9/11 eine Menge Berichterstattung darüber, und dann plötzlich war sie gestorben. Ich denke, der Grund, warum es gestorben ist – und das ist Spekulation -, ist, dass irgendwie das Wort die Runde machte, dass es nicht zu Osama bin Laden führen würde.

Und so sagte es die 9/11-Kommission in ihrem Bericht.

Paul Zarembka: Richtig, aber das war viel später, nachdem es gestorben war, und ich meine, dass es wirklich sehr schnell starb. Auf der anderen Seite bedeutete die Tatsache, dass es überhaupt nach draußen drang, dass der Report der  9/11-Kommission etwas dazu sagen musste. Sie sagten Minimales, aber sie sagte etwas, und wenn es nicht die Nachrichten-Geschichten darüber gegeben hätte, wäre wahrscheinlich nichts darüber rausgekommen.

Was war die Position der 9/11-Kommission im Zusammenhang mit Insiderhandel, und warum glauben Sie, dass ihre Schlussfolgerungen nicht überzeugend sind?

Paul Zarembka: Das ist eine große Frage, vielleicht größer, als Sie erwarten. Lassen Sie mich ein wenig in der Geschichte der Diskussionen über mit 9/11 verbundenen Insider-Handel zurückgehen. Die erste wissenschaftliche Abhandlung, die darüber herauskam, war von Professor Allen Poteshman, der damals an der University of Illinois at Urbana-Champaign arbeitete. Sein Artikel wurde im Journal of Business veröffentlicht, das niemand bezüglich seiner Seriosität und der Integrität seines Peer-Review-Prozesses kritisieren kann, und doch kam er zu dem Schluss, dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit (nichts ist jemals sicher in der Statistik) zu Insiderhandel in American Airlines-Aktienoptionen und in geringerem Maße in United Airlines gegeben hat (2). Es wurde, denke ich, um 2004 herum zur Veröffentlichung akzeptiert, weit bevor der 9/11-Kommissions-Report herauskam, aber sie machten keinen Bezug darauf. Ich bin nicht sicher, ob sie davon wussten oder nicht, aber meine Vermutung wäre, dass sie darüber informiert worden sind, dass diese Studie erstellt worden war.

Nun machte die 9/11-Kommission ihren Bericht und sagte, sie habe Ermittlungen in der gesamten Finanzwelt durchgeführt, nicht nur in den USA, sondern auch im Ausland, und zwar nicht nur im Handel mit Put-Optionen, sondern auch in anderen Finanzinstrumenten, und sie kamen zu dem Schluss, dass sie keine Hinweise auf irreguläre Finanztransaktionen finden konnten. In ihrem Bericht zitieren sie nur zwei Fälle, jene, die Potesham untersuchte, namentlich der Put-Optionshandel in American Airlines und United Airlines. Allerdings stellte die Kommission fast keinen direkten Beweis dafür zur Verfügung, was ihre Erkenntnis war, sondern nur Behauptungen. Also, was die 9/11-Kommission sagte, ist im Grunde wertlos, weil sie uns keine Beweise für ihre Aussage gab.

Das Drama vergrößerte sich, als zwei weitere Studien durchgeführt wurden, die abermals bestätigten, dass Insider-Handel stattfand. Wo es ebenso dramatisch wird, ist, dass im Jahr 2009 einige Teile der Untersuchung, die der 9/11-Kommission zugeführt wurden, veröffentlicht wurden, und ehrlich gesagt, ich muss Ihnen sagen, dass der Bericht zumindest für American Airlines überzeugend ist, dass es keinen Insiderhandel in American Airlines gab. Ich sage das nicht, weil es das Endergebnis stark ändern würde, sondern ich denke, dass es eine tiefe Warnung an all jene ist, die an dieser Art von Fragen arbeiten, dass diese Fragen nämlich kompliziert sind, und dass letztlich die Regierung über Daten und Wissen verfügt, die wir nicht haben – deswegen basiert einiges von dem, was wir tun, auf harten Fakten, aber einiges davon spekuliert um Dinge herum, von denen wir die harten Fakten nicht besitzen.

Und dann erhebt die Etikettierung „Verschwörungstheoretiker“ sehr schnell ihr hässliches Haupt, wenn man spekuliert.

Paul Zarembka: Ja, und deshalb bin ich am Spekulieren nicht interessiert. Ich versuche ehrlich zu sagen, was immer ich entdecke. Zum Beispiel waren die Ergebnisse Poteshman nie eine Gewissheit, sie wurden immer als eine hohe Wahrscheinlichkeit ausgegeben. Aber von einer ökonometrischen Sicht, wenn Sie Ergebnisse haben, die eine Wahrscheinlichkeit von 99 Prozent aufweisen, nehmen Sie die sehr ernst. Und das führt uns zu etwas anderem. Ich habe genug Erfahrung mit ökonometrischen Problemen, die umstritten sind, um zu wissen, dass in aller Regel, wenn Sie kontroverse Ergebnissen bekommen, dass jemand anderes kommt, der  eine Reihe von Einwenden gegen die Methodik erhebt, die Sie verwendet haben, und Sie erhalten eine große Kontroverse.

Niemand reagierte je auf den Artikel von Poteshman aus einer kritischen Perspektive heraus, und das ist schon kurios. Es ist ein wichtiges Werk, und er erhielt die Daten von der Chicago Board Option Exchange in einer Weise, die der Rest von uns nicht hatte, er bekam vertrauliche Daten für seine Arbeit. Ich vermute, dass die CBOE eine Methodik ermitteln wollte, die nützlich sein könnte zur Prüfung von Insiderhandel bei anderen Vorkommnissen, nicht nur in diesem, und ich denke, dass das der Grund ist, weshalb ihm die CBOE die Daten gab. Was auch immer der Grund war, er hatte Daten, die der Rest von uns nicht hat. Es war also wirklich etwas, um es weiter zu untersuchen, aber seine Arbeit wurde nie in Frage gestellt. Und dann bekommen wir zwei andere Papiere dazu, die das, was Potesham sagte, mehr als bloß verstärkten.

Eines dieser Papiere stammte von zwei Professoren und einem Studenten an der University of Wisconsin-Madison, die abnormalen Handel in den S & P 500 Index-Optionen vor den 9/11-Angriffen untersuchten. (3) Die Studie kam zu dem Schluss, dass es eine hohe Wahrscheinlichkeit von Insiderhandel in S & P 500 Index-Optionen vor dem 11. September gegeben hat. Was an den Ergebnissen sehr interessant ist: die zugrunde liegenden Berichte, die der 9/11-Kommission verfügbar gemacht wurden (die wir erst später zu sehen bekamen),  sagen aus, dass sie die S & P 500 Index-Optionen nicht untersuchen konnten, weil der Handel zu umfangreich sei. Nun, warum das interessant wird, ist, weil der Report der 9/11-Kommission gesagt hatte, dass sie eine breit angelegte Studie gemacht hätten und sie keine Hinweise auf irgendeine Art von finanziellen Unregelmäßigkeiten vor 9/11 fanden, er sagte aber auch, dass die S & P 500 Index-Optionen nicht einmal untersucht werden konnten – die Kommission widerspricht sich selbst auf eine Art. Und mehr als das, als jemand die S & P 500-Index-Optionen untersuchte, haben sie erfahren, dass es in der Tat abnormen Handel vor 9/11 mit hoher Wahrscheinlichkeit gegeben hat.

Das andere Papier, das dritte, ist von Professor Marc Chesney und zwei seiner Kollegen an der Universität Zürich in der Schweiz. (4) Sie sind in einem langfristigen Projekt engagiert, das seit nunmehr etwa fünf Jahren andauert, sie verbessern ihre Arbeit kontinuierlich und sie wird immer größer und größer. Was sie tun ist, dass sie auf 14 Unternehmen schauen – fünf Fluggesellschaften, fünf Banken und vier weitere Aktien. Sie finden ebenfalls, dass es Insiderhandel vor 9/11 in einer Reihe von Aktien gab, zum Beispiel bei Boeing und Merrill Lynch.

Wir können das weiter diskutieren, aber die grundlegende Botschaft ist jetzt, dass es drei Studien gibt, die mit hoher Wahrscheinlichkeit Insiderhandel vor 9/11 zeigen, während es keine Berichte gibt, die das Gegenteil zeigen. Wir haben nur den Report der  9/11-Kommission, der etwas anderes sagt.

Ebenfalls interessant an Chesneys Arbeit ist dies: Michael Ruppert machte eine Menge Lärm wegen der Ungeheuerlichkeit der Gewinne, die mit Put-Optionen vor 9/11 gemacht wurden, und er spricht auch über Optionen, die nach 9/11 nicht ausgeübt wurden, was darauf hindeutet, dass einige Menschen vor der Ausübung ihrer Optionen Angst hatten. (5) Wenn Sie aber Chesneys Papier sorgfältig anschauen, zeigt das Detail von Chesneys Papier, dass jede einzelne Put-Option zum Zeitpunkt ihrer Fälligkeit ausgeübt wurde. Es blieb also nichts übrig. Und ich habe noch etwas anderes dadurch gelernt: Wenn sich eine Put-Option am Ablauftag im Geld (in the money) befindet, wird sie automatisch ausgeübt. Es ist ihr nicht erlaubt, einfach nur auszulaufen.

Die andere Sache, die von Chesney kam, die ich sonst nicht wüsste: er berechnet die tatsächlichen Gewinne aus der Ausübung der Put-Optionen, und Sie können seine Zahlen hochrechnen, er kommt auf bis zu 15 Millionen Dollar nur auf den Put-Optionen, die er betrachtet. Und wenn Sie das verdoppeln, um auf gewisse Art die anderen Put-Optionen hinzuzurechnen, die er nicht untersuchte, würden es 30 Millionen Dollar sein, die als Folge der Ausübung des Put-Optionshandels  erlangt worden sein könnten. Worauf ich hinaus will ist, der Put-Optionshandel  ist zwar wichtig, aber wir sprechen hier nicht über Milliarden von Dollar. Es gibt andere Dinge, die vor und nach 9/11 passierten, die viel mehr als 30 Millionen Dollar wert waren.

Habe ich Recht, dass weder das Papier über den S & P 500 Index noch die Studie von Professor Chesney in Frage gestellt worden sind?

Paul Zarembka: Das ist richtig.

Im Lichte dieser ökonometrischen Erkenntnisse, was denken Sie über die Darbietung der SEC und des FBI, da ihre Untersuchungen die Grundlage für die Schlussfolgerungen der 9/11-Kommission abgegeben haben?

Paul Zarembka: Nun, lassen Sie uns zurückgehen zu den Implikationen von Poteshman, weil das angibt, wo die Schwächen der Schlussfolgerungen der 9/11-Kommission sind und womit sie vielleicht durchgekommen sind. In erster Linie nennt der Bericht, der 2009 freigegeben wurde, einen Kerl von der SEC mit Namen Joe Cella, und dieser Bericht gab im Grunde den Beweis dessen her, was der Report der  9/11-Kommission behauptete, ohne anzugeben, wie sie zu dieser Behauptung kamen. (6)

Cella sagte, dass sie eine Finanzberatung gefunden haben, die am 9. September 2001 per Fax ihren Abonnenten empfahl, Put-Optionen auf American Airlines zum aktuellen Preis zu kaufen. Cella berichtet, dass seine Ermittler die Liste der 2000 Teilnehmer an diesem Newsletter hatten, Options Online. Sie fanden heraus, dass 55 dieser Teilnehmer Put-Optionen auf American Airlines gekauft hatten. Und sie kontaktierten etwa die Hälfte davon, und ihnen wurde gesagt, dass sie die Put-Optionen am 10. September aufgrund der Empfehlung des Newsletters gekauft hatten. Cella behauptete also, dass sie 50 plus-Abonnenten dieses Newsletters ausfindig machten, die Put-Optionen auf American Airlines kauften. Diese Zahl ist nicht dramatisch, etwa 2,5 Prozent der Abonnenten, die die Empfehlung erhalten hatten. Aber es ist ein überzeugender Bericht und scheint für die Mehrheit der Put-Optionskäufe am 10. September verantwortlich zu sein.

Es gab auch den Kauf von Put-Optionen auf American Airlines und anderen Aktien in den Tagen zuvor, vielleicht folgte Options Online nur als Reaktion darauf.

Paul Zarembka: Das ist, wo es interessant wird. Wir kennen nicht die genauen Beweggründe für die Beratung von Options Online. Was Sie erwähnen bedeutet, dass wir jene anderen Put-Optionen ermitteln müssen, die Professor Chesney und seine Kollegen fanden,  namentlich Boeing, Merrill Lynch, Morgan, Citigroup, und so weiter. Mit anderen Worten, es könnte sehr wohl ein Klima für den Kauf von Put-Optionen vor dem 11. September von den Leuten hervorgerufen wurde, die Bescheid wussten, von Leuten mit Insider-Wissen über das, was passieren würde, und dass dies auf einige Leute übersprang, die kein Insider-Wissen hatten,  zum Beispiel vielleicht der Herausgeber von Option Online, der die Empfehlung für den Kauf von Put-Optionen auf American Airlines machte.

Es gibt einen weiteren Grund zu denken, warum das Sinn ergibt. Der Artikel von Wong, Thompson und Teh stellt fest, dass der tatsächliche Kauf von Put-Optionen auf American Airlines und United Airlines auf gewisse Weise das Dümmste gewesen wäre, was man hätte tun können, wenn man wusste, was kommen würde, und dass Flugzeuge von American Airlines und United Airlines beteiligt sein würden bei 9/11, weil der Kauf von Put-Optionen auf eben jene Fluggesellschaften das Risiko eingeschlossen hätte, sich zu verraten.

Auch habe ich darauf hinzuweisen, dass ich als Ökonometriker meinen Beruf in einer bestimmten Weise verteidige. Ich habe mir diese ökonometrischen Arbeiten sehr sorgfältig angeschaut und ich fand keine erhebliche Schwäche an ihnen. Sie sind keine verrückten Forschungsstücke, sondern solide. Und von ihrer Arbeit gelangen wir auch zu inneren Widersprüchen des Cella-Berichts, wenn man sagt, dass alle Möglichkeiten untersucht wurden, aber dann sagte man: Oh, übrigens, wir haben nicht die S & P 500 Index-Optionen untersucht. Als sie durch die Menschen an der University of Wisconsin-Madison untersucht wurden, fanden sie heraus, dass es in der Tat hohe Evidenz für Insiderhandel in Put-Optionen im S & P 500 Index gab.

Wong, Thompson und Teh sagten auch, dass sie bessere Handelsdaten benötigen, um es wirklich festnageln zu können.

Paul Zarembka: Das ist in der Tat ein Faktor in allen drei Studien.

Ich denke, ein anderes Problem mit dem Konkretisieren der Beweise von 9/11 Insider-Handel ist, dass, wenn die Regierung ein Interesse an der Verfolgung dieser Sache hätte, würden sie Schutz für einige Leute anbieten, die über den Insider-Handel aus erster Hand wissen, korrekt?

Paul Zarembka: Ja, richtig. Ich meine, es ist eine weit verbreitete Methode zur Ermittlung von Straftaten, bestimmten Personen Schutz zu bieten, um an andere heranzukommen.

Sie fordern eine internationale Untersuchung. Warum?

Paul Zarembka: Weil ich überhaupt nicht zufrieden mit der Studie bin, die von Behörden der Vereinigten Staaten durchgeführt wurde. Sie gaben uns nicht die Wahrheit über die Geschehnisse, zum Beispiel mit dem Merrill Lynch-Insiderhandel vor 9/11, oder mit Boeing. Sie hatten die Gelegenheit dazu, und sie bieten uns nicht die Informationen. Sie lieferten sie nur für American Airlines, das ist das Einzige, das überzeugend ist.

Ist nicht auch ein wichtiger Grund die Tatsache, dass es mit Massenmorden verbunden ist, die nicht verjähren, und deshalb muss das noch gerichtlich verfolgt werden?

Paul Zarembka: Absolut. Es muss strafrechtlich verfolgt werden. Wir müssen zurückgehen und Genaues herausfinden über die Put-Option-Trades, von denen Chesney spricht, zu jedem einzelnen von ihnen – bei Boeing, Merrill Lynch, Morgan, Citigroup etc. Man muss sich jeden einzelnen von ihnen ansehen und genau anschauen, wer es tat, und nicht eine Vermutung anstellen, dass So-und-so amerikanischer Staatsbürger ist und nie so etwas getan haben würde, etc. Das ist nicht die Art, wie man ernsthaft arbeitet. Das muss getan werden.

Warum ist es so, dass diese wissenschaftlichen Arbeiten, über die wir gesprochen haben, nicht von anderen Ökonomen angegangen werden?

Paul Zarembka: Um ehrlich zu sein über meinen Beruf, der eigentliche Grund ist, dass sie Angst haben. Ich kenne meinen Berufsstand. Normalerweise, wenn Sie ein solch heißes Thema wie dieses haben, oder vielleicht ein nicht ganz so heißes Thema, aber eines mit enormen soziale Auswirkungen, will man das erforschen, weil man seine Karriere damit wirklich vorwärts bringen kann; ich spreche lediglich in normalen akademischen Begriffen. Also würde man denken, dass es andere Ökonometriker da draußen gibt, die ihre eigene Studie machen oder die anderen Studien kritisieren würden, aber das in einer sehr ernsten Art und Weise, in der Hoffnung, dass sie ihre eigene berufliche Karriere nach vorne bringen – und es geschieht nicht. Und ich denke, der Grund ist, was ich gesagt habe, sie haben Angst. Dies ist zu groß für sie zu behandeln. Sie fürchten, dass sich überhaupt mit dem Thema zu beschäftigen bedeutet, ihm Kredenz zu verleihen. Ich sage es noch einmal: Selbst der Einstieg in das Thema rechtfertigt das Thema. Das ist es, warum Poteshmans Papier im Journal of Business so enorm wichtig war: es legitimierte das Thema.

Es scheint, als gäbe es noch mehr offene Fragen zu finanziellen Themen im Zusammenhang mit dem 11. September. Zum Beispiel ist etwas, das mehr Aufmerksamkeit fordert, die erstaunliche Zunahme

„der außerhalb der Banken zirkulierenden US-Währungsmenge … im Juli / August 2001. Das Wachstum belief sich in den Milliarden von Dollar. Der Währungsbestandteil der Geldmenge M1, der von der Fed berichtet wurde, stieg um $ 13 Mrd. (in den nicht-saisonbereinigten Daten), was den höchsten Juni-August-Anstieg von solchen Wachstumsraten in den 55 Jahren seit dem Zweiten Weltkrieg darstellte. Bilanzdaten für die Reserve-Banken zeigen einen ähnlichen Rückgang bei den Währungslagerbeständen  im Juli / August 2001, während die Daten aus dem US-Finanzministerium zeigen, dass sich das Wachstum im Bargeldumlauf  in 100 $-Scheinen konzentrierte. „ (7)

Haben Sie eine Meinung dazu?

Paul Zarembka: Bill Bergman, den Sie zitieren, sagt hier im Grunde, dass es einen Bereich der Forschung gibt, der mehr Erklärung bedarf, und ich verstehe, worauf er uns zu schauen lassen versucht, und es ist wichtig. Wie Sie sagten, es gab einen enormen Anstieg vor allem von der  $ 100-Banknoten-Bargeldversorgung im Juli / August des Jahres 2001, es war eine enorme Steigerung. Das bringt die Frage nach einer Erklärung auf, warum es passiert ist. Und Bergman verlor offenbar seinen Job dafür, auch nur die Frage gestellt zu haben, auch nur auf das Problem hingewiesen zu haben. Das ist mein Verständnis. Aber das gesagt habend, habe ich nichts zu bieten, das dem, was er getan hat, hinzuzufügen wäre, außer, dass ich darauf hinweisen möchte, dass es wichtig ist, was er getan hat.

Aber es gab noch andere Dinge, die an jenem Tage geschehen sind, die mit finanziellen Fragen verbunden waren. Zum Beispiel, ich weiß nicht, was dazu zu sagen ist, aber die spezifischen Etagen, in denen die World Trade Center Türme getroffen wurden, waren besonders wichtige finanzielle Etagen. Ich spreche nicht über die gesamten Gebäude, ich spreche über spezifische Etagen, die getroffen wurden. Oder der spezifische Teil des Pentagon, der getroffen wurde, war auch extrem wichtig für finanzielle Fragen.

Für das Rechnungswesen.

Paul Zarembka: Ja, für das Rechnungswesen, richtig. Es ist fast zu viel, zu glauben, dass dies nur ein Zufall ist. Eine andere Sache, die berichtet wurde, ist, dass es enorme Goldbestände unterhalb des World Trade Centers gegeben habe, und Lastwagen seien reingefahren. Wohin wurde das Gold gebracht. Erstens, ist es wirklich geschehen, und wenn ja, wohin ist das Gold gekommen? Und in  Gebäude 7, das dritte Gebäude, die eingestürzt ist, hat man die SEC-Akten, die zerstört wurden. Ich kenne eine Person, die im Washingtoner Büro der SEC arbeitet, sie erzählte mir hinterher – sie führten alle Arten von Untersuchungen durch, und ein Verfahren nach dem anderen musste eingestellt werden, weil sie keine Kopien an anderen Standorten hatten, die Dokumente, die sie gebraucht hätten, um diese Unternehmen strafrechtlich zu verfolgen.

Was ich sagen will ist, dass der Fall der Geldmenge M1 nur einer von vielen Fällen darstellt. Die Bedeutung des Put-Optionen-Problems ist, dass die Zahlen klar sind, und auch was man als Strafverfolgungsbehördenperson tun sollte, ist klar: Sie gehen zu den Leuten, Sie gehen zu den genauen Namen, die genauen Leute, die Geschäfte getätigt haben, und Sie können das hinbekommen, keine Frage.

Durch die Makler.

Paul Zarembka: Ja, die das wissen sollten, richtig. Aber ich sage nur, dass Insiderhandel das sauberste Beispiel ist, das wir an finanziellen Unregelmäßigkeiten haben, weshalb er attraktiv ist,  untersuchen zu werden. Es gibt weitere Dinge. Versicherungsauszahlungen für die Gebäude, die zerstört wurden, sind ein anderes Beispiel, Milliarden von Dollar, über die wir hier reden.

Und wir wissen, dass auf einige Rückversicherer wie die Münchener Rück und Swiss Re auch via Put-Optionen abgezielt wurde.

Paul Zarembka: Ja, richtig.

Sie sind nicht nur ein Experte für Ökonometrie, sondern auch ein Experte für marxistische Theorie. Könnten Sie uns am Ende dieses Interviews eine Interpretation aus einem marxistischen Ansatz für die kritische Frage „Cui Bono 9/11“ geben?

Paul Zarembka: Nun, zunächst einmal möchte ich sagen, da ich marxistische Forschungen gemacht habe  und jahrelang der Herausgeber einer marxistischen Serie war – als 9/11 geschah, dauerte es eine Weile, zu entscheiden, dass 9/11 als solches einer Untersuchung wert war. Während es ein schockierendes Ereignis in menschlichem Sinne ist, ist es kein schockierendes Ereignis aus theoretischer Sicht – ich meine, es ist nicht schockierend aus der Sicht dessen, was ich als das marxistische Verständnis von dem verstehe, was der Staat selbst den eigenen Bürgern anzutun in der Lage ist. Es ist nicht schockierend aus diesem Blickwinkel.

Aber wie auch immer, man geht dann zur nächsten Frage weiter: Warum sollten der US-Staat womöglich so etwas zu dieser Zeit und zu welchen Zweck tun? Nun, das kann eine Art von Trickfrage sein, denn egal, was ich sage, kann jemand darauf zurückkommen und sagen: Nun, sie könnten das Gleiche auch ohne 9/11 erreicht haben. Trotzdem werde ich einfach eine Tatsache sagen: der militärisch-industrielle Komplex der Vereinigten Staaten hat Milliarden über Milliarden von Dollar als Folge von 9/11 verdient. Ich denke, es wäre sehr viel schwieriger gewesen, diese Summen ohne 9/11 zu erreichen. Die US-Militärausgaben sind bereits in der Größe von all dem Rest der Welt zusammengenommen. 9/11 hat sicher geholfen, die ideologische Unterstützung für solch eine unglaublich großes Militär zu geben.

Denken Sie aus Ökonomen-Sicht, dass es Wirklichkeit geworden ist, wovor Präsident Eisenhower gewarnt hatte, dass der militärisch-industrielle Komplex zu groß und zu mächtig geworden ist, und nun wirtschaftlich das Sagen hat? (8)

Paul Zarembka: Die kurze Antwort lautet ja, aber die kompliziertere Antwort ist, dass mein Verständnis von Eisenhowers Erklärung die ist, dass es lange in Vorbereitung war, es war ein Jahr in der Herstellung. Aber auf der anderen Seite, ich meine, man kann sich die Frage stellen: Na ja, warum hat er es nicht zwei Jahre früher getan? Es war irgendwie etwas, was er in der letzten Minute hinwarf und keine Verantwortung dafür übernehmen musste.

Zur gleichen Zeit setzte er die Invasion in der Schweinebucht in Gang, die er Kennedy untergeschob. Also, ja, es ist eine tolle Sache zu zitieren, was Eisenhower sagte; ich mag es, und es erweist sich als richtig, aber ich verstehe nicht ganz seine Motivation, als er bis zur letzten Minute wartete, um es zu sagen und danach konnte er nichts dagegen tun, und das, was er als Präsident tat, befand sich im Einklang mit dem Rest der US-Außenpolitik.

Nun,  sein Nachfolger John F. Kennedy ging mit dem militärisch-industriellen Komplex ein wenig anders um.

Paul Zarembka: Ja, er war derjenige, der ihn wirklich herausforderte. Es gibt ein wunderbares Buch darüber, das von jedermann gelesen werden sollte: JFK and the Unspeakable von Jim Douglas. (9)

Ja, es ist einfach brillant, ich stimme zu.

Wenn die Leute etwas über die Herausforderung des militärisch-industriellen Komplexes durch JFK lesen möchten, ist dies definitiv das Buch, das es zu lesen gilt, kein Zweifel.

Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, Prof. Zarembka!

Quellen:

(1) Paul Zarembka:, “Evidence of Insider Trading before September 11th Re-examined”, International Hearings on the Events of September 11, 2001, September 8-11, 2011, Ryerson University, Toronto, Canada, online at: http://ithp.org/articles/septemberinsidertrading.html, September 9, 2011.

(2) Allen M. Poteshman: “Unusual Option Market Activity and the Terrorist Attacks of September 11, 2001”, published in The Journal of Business, University of Chicago Press, 2006, Vol. 79, Edition 4, page 1703-1726.

(3) Wing-Keung Wong, Howard E. Thompson und Kweehong Teh: “Was there Abnormal Trading in the S&P 500 Index Options Prior to the September 11 Attacks”, Multinational Finance Journal, Vol. 15, no. 1/2, pp. 1–46 online at: http://mfs.rutgers.edu/MFJ/Articles-pdf/V15N12p1.pdf.

(4) Marc Chesney, Remo Crameri and Loriano Mancini: “Detecting Informed Trading Activities in the Option Markets”, University of Zurich, April 2010, online at: http://www.bf.uzh.ch/publikationen/pdf/publ_2098.pdf

(5) See Michael C. Ruppert: “Crossing the Rubicon: The Decline of the American Empire at the End of the Age Of Oil“, New Society Publishers, 2004.

(6) See Commission Memorandum: “FBI Briefing on Trading“, dated August 18, 2003, online at: http://media.nara.gov/9-11/MFR/t-0148-911MFR-00269.pdf

(7) Bill Bergman: “A 9/11 Paper Trail: Benjamin Franklin, Rolling Over In His Grave”, published March 23, 2012 at: http://www.boilingfrogspost.com/2012/03/23/a-911-paper-trail/

(8) See Dwight D. Eisenhower: “Farewell Address”, delivered 17 January 1961, online at:

http://www.americanrhetoric.com/speeches/dwightdeisenhowerfarewell.html

(9) James Douglass: “JFK and the Unspeakable: Why He Died and Why It Matters”, Orbis Books, 2008.

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