Die Wall Street gewann schon vor der Wahl

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Für die US-Finanzjournalistin Nomi Prins ist der Fall klar: Ehe unsere amerikanischen Freunde an die Wahlurnen schreiten, um einen Präsidenten-Darsteller zu küren, stehen die großen Wall Street-Banken bereits als eigentliche Sieger fest. Washington knuddelt und subventioniert die größten Banken – nicht um das Land zu verbessern, sondern um harte Wahrheiten darüber einzudämmen, wie schlecht die Banken mit der Nation umgesprungen sind und noch immer mit ihr umspringen.

Von Nomi Prins, Übersetzung Lars Schall

Nomi Prins, die im US-Bundesstaat New York aufwuchs, arbeitete nach ihrem Universitätsstudium der Mathematik und Statistik für Chase Manhattan, Bear Stearns in London und als Managing Director bei Goldman Sachs an der Wall Street. Nachdem sie die Finanzbranche verließ, wurde sie eine herausragende Finanzjournalistin, die vier Bücher geschrieben hat, darunter das sehr zu empfehlende Werk “It Takes a Pillage: Behind The Bailout, Bonuses, and Back Room Deals from Washington to Wall Street”, das im September 2009 bei Wiley veröffentlicht wurde. Im Oktober 2011 erschien ihr neuestes Buch, “Black Tuesday“, ein historischer Roman im Umfeld des Börsencrashs von 1929. Derzeit arbeitet Prins an ihrem nächsten Buch, “All the Presidents‘ Bankers“.

Nomi Prins ist Senior Fellow bei “Demos” (http://www.demos-usa.org/) in New York City, gab zahlreiche Interviews unter anderem auf BBC World, BBC, Russia Today, CNN, CNBC, CSPAN und Fox, und ihre Artikel erscheinen unter anderem in der New York Times, Fortune, Newsweek, The Nation, The American Prospect sowie dem Guardian in Großbritannien. Ihre Website ist zu finden unter: http://www.nomiprins.com/.

Die nachfolgende Übersetzung für LarsSchall.com wurde von Nomi Prins ausdrücklich und persönlich autorisiert. Das englische Original erschien hier.

Zusätzlich zu dem untenstehenden Artikel möchte ich noch drei exklusive Interviews zur Lektüre empfehlen, die ich mit Nomi Prins führen durfte, und zwar “Wir sind in keiner Erholung”, “Market Manipulation and the Second Great Depression““, und “We Are Crashing“.

Außerdem sei ergänzend zum folgenden Artikel auf dieses aktuelle Gespräch zwischen Nomi Prins und Max Keiser verwiesen, das ab Minute 13:34 beginnt:

 

Die Wall Street gewann schon vor der Wahl

von Nomi Prins

Bevor die Wahlkampfspender Milliarden von Dollar für ihren Lieblingskandidaten verschwendeten und lange nachdem sie auf ihren Gewinner anstoßen oder aber trinken, um ihren Verlierer zu vergessen, war die Wall Street bereits vorbereitet, ihre Vorherrschaft über die Wirtschaft fortzusetzen.

Denn nach drei Debatten (naja, vier) ist die Haltung der beiden Präsidentschaftskandidaten, wenn es ums Bankengeschäft, die Finanzen und die fortwährende Subventionierung der Wall Street geht, gegenüber dem Bankensektor ähnlich – das heißt, er muss – wie er ist – zu jedem Preis bewahrt werden, ungeachtet der gegenteiligen Rhetorik.

Obama brachte keine “umfassenden Reformen” über die Banken des Etablishments, und Romney braucht auch kein Deregulierungsgeschwätz absondern, weil nichts strukturell Substantielles unternommen worden ist, um die größten Banken des Finanzsektors darin zu zügeln, wozu sie durch Entitäten von der SEC über die Fed und das Schatzamt bis hin zum Weißen Haus befähigt sind.

Und obwohl außerdem viel aus den Steuerplänen der jeweiligen Kandidaten und den damit verbundenen Rechnungen, die (bei beiden Kandidaten) nicht aufgehen, gemacht wurde, bleibt unter dem Strich doch festzuhalten, dass Obama nicht genau erklärt hat, WARUM es $5 Billionen mehr an Schulden während seiner Präsidentschaft gab, und dass Romney nicht erklärt hat, WIE $5 Billionen an Einsparungen zustande kommen sollen.  

Fürs Protokoll: beide sehen oder verstehen nicht, dass nahezu 32 Prozent von den Schulden des Schatzamts (im Übermaß) bei der Fed gebucht sind, die das Bankensystem fluten, welches angeblich keiner Hilfe bedarf. Die “schlimmste wirtschaftliche Phase seit der Großen Depression“ hat laut Bundesdaten kaum einen Rückgang bei den durchschnittlichen persönlichen und unternehmerischen Jahressteuereinnahmen von $200 Milliarden produziert.

Ziehen Sie in Betracht, dass der Betrag der Steuereinnahmen seit 2008 für individuelle Einkommensabgaben von $1.15 Billionen im Jahre 2008 auf $915 Milliarden im Jahre 2009 und $899 Milliarden im Jahre 2010 gefallen ist, und dann auf $1.1 Billionen im Jahre 2011 anstieg. Die Steuerabgaben von Unternehmen fielen (natürlich weitaus mehr) von $304 Milliarden im Jahre 2008 auf $138 Milliarden im Jahre 2009, auf $191 Milliarden im Jahre 2010, und auf $181 Milliarden im Jahre 2011. Somit können wir im Höchstfall davon ausgehen, dass wir $420 Milliarden an individuellen Einnahmen und $402 Milliarden an unternehmerischen Einnahmen verloren haben, oder aber $822 Milliarden von 2009 aufwärts. Die Fed hat darüber hinaus durchschnittlich $1.6 Billionen an Staatsanleihen in Überschussreserven gehalten. Dies läuft mit den $822 Milliarden auf $2.42 Billionen hinaus, und wenn man noch die anderen $900 Milliarden an Hypotheken-Wertpapieren hinzuzählt, die die Fed hält, gelangt man zu $3.32 Billionen, NICHT  $5 Billionen, und das Meiste davon ist dafür da, um Banken schwimmen zu lassen.

Die konsequenteste politische Plattform ist die, dass die Großfinanz über die allgemeine Wirtschaft triumphiert, und dass die Bedürfnisse des Bankensektors über die der Bevölkerung triumphiert. Wir haben einen nationale Politik, die eine Null.Zinsraten-Politik (zero-interest-rate policy, ZIRP) als irgendwie Arbeitsplätze-schaffend duldet. (Die Finanzierungsraten der Fed fielen am Ende des Jahres 2008 auf 0 Prozent, wo sie seither verharrten.)

Wir haben eine Ordnungspolitik des Anscheins. Statt wieder Glass-Steagall einzusetzen, um die Geschäftsbanken vom Investmentbanking und von Versicherungsaktivitäten zu trennen, und dadurch die Plattform für die vom Staat (oder der Öffentlichkeit) unterstützten Spekulation und Unkosten zu beseitigen, werden Führungskräfte gestützt, die so tun, als ob linguistische Frotzeleien finanzieller Kraft ebenbürtig seien. Wir haben keine Führungskräfte, die es mit Jamie Dimon aufnehmen, dem Vorsitzenden der größten Bank des Landes, JPM Chase, der 15 Prozent des Kapitals von JPM Chase, das durch die Kundeneinlagenversicherung geschützt ist, dafür verwenden kann, um auf mögliche Unternehmenspleiten zu wetten, und durch zwei Untersuchungen des Kongresses gleitet, als seien dies Spaziergänge im Park.

Säulen der Kollusion

Vor einigen Monaten schrieben Paul Craig Roberts und ich einen Artikel über den LIBOR-Skandal, dessen springender Punkt in den meisten Medien verlorenging. (1) Dieser ist, dass die Banken, die Fed und das Schatzamt wussten, dass Banken die Zinsen nach unten manipulierten, um künstlich die Preise für blutende Vermögenswerte und Schuldtitel zu unterstützen. Aber niemand in Washington beschwerte sich, weil sie mit drin hingen. Es ließ das übergreifende Problem der Schuldenherstellung und die Aufblähung der Fed-Bilanz, um eine Bankenindustrie zu Lasten der nationalen wirtschaftlichen Gesundheit zu subventionieren, in den Äther der Verblendung verschwinden.

In der gleichen Richtung kündigte die Fed QE3 an, die unbegrenzte Version, wonach die Fed pro Monat $40 Milliarden an Hypotheken-gedeckte Wertpapiere von den Banken aufkauft. Warum – wenn doch die Rezession angeblich vorbei ist und der Häusermarkt angeblich seinen Tiefpunkt erreicht hat – sollte dies nötig sein?

Ganz einfach. Wenn die Fed Wertpapiere kauft, dann geschieht dies, weil die Banken sie nicht anderweitig verkaufen können. Und weil die Banken diese Hypothekenvermögenswerte immer noch loswerden müssen, werden sie keine Gelder verleihen oder Kredite zu schnelleren Raten refinanzieren, wodurch sie ihren Vorteil zu billigerem Geld teilen, was jeder, der auch nur versucht hat, eine Hypothek zu refinanzieren, herausgefunden hat. Daher sind die Banken einfach nicht “gesund“. Das endlose QE-Programm ist eine bloße Verewigung der Illusion, dass alles in Ordnung ist, solange die Bankvermögenswerte höher bewertet werden (durch künstliche Käufer, Null-Prozent-Zinsraten oder aber, indem sie nicht neu bewertet werden).

In der Zwischenzeit knuddelt und subventioniert Washington die größten Banken – nicht um das Verleihen von Geld zu ermutigen, nicht um das Sparen zu ermutigen, und nicht um das Land zu verbessern, sondern um harte Wahrheiten darüber einzudämmen, wie schlecht die Banken mit der Nation umgesprungen sind und noch immer umspringen.

Die Rolle der SEC

Laut dem eigenen Reportzeugnis der SEC, “Enforcement Actions: Addressing Misconduct that led to or arose from the Financial Crisis”, hat die SEC gegen 112 Einrichtungen oder Personen Anklage erhoben, von denen 55 CEOs, CFOs und andere führende Unternehmensoffizielle waren.

Was Bußgelder angeht, so hat die SEC $1.4 Milliarden an Strafen “angeordnet oder sich darauf geeinigt“, $460 Millionen an Abschöpfungen von Vermögensvorteilen und Ansprüche vor der Verurteilung, und $355 Millionen an “zusätzliche monetäre Entlastungen, die für geschädigte Investoren erwirkt wurden“. Das ist eine Gesamtsumme von $2.2 Milliarden an Strafgebühren. (Das Justizministerium hat zusätzliche Anklagen und Strafaktionen abgewiesen.)

Goldman Sachs wurde mit einer Strafzahlung von $550 Millionen belegt, indem es keine Verantwortung (im SEC-Sprech: falsches Tun “weder bestätigend noch abstreitend“) für das Schnüren von CDOs im Auftrag eines Kunden übernahm, was ihre bestehende Handelsposition unterstützte, und für das Aufzwingen von ihnen an Investoren, ohne diese Information zu offenbaren, was die Preisgestaltung und Attraktivität wesentlich verändert hätte. (Das Justizministerium fand nicht anderes, um Goldman zur Kasse zu bitten; offensichtlich hat es die Irreführung von Investoren, Betrug, nicht in Betracht gezogen.)

Die von Obama ernannte Leiterin der SEC, Mary Shapiro, einigte sich ursprünglich mit der Bank of America auf freundliche $34 Millionen, ehe der Richter Rakoff die Strafzahlung auf $150 Millionen verfünffachte, und zwar für die Irreführung von Anteilseignern während ihrer von der Fed genehmigten und vom Schatzamt forcierten Akquisition von Merrill Lynch hinsichtlich der Boni-Zahlungen.  (Merrills $3.6 Milliarden an Boni wurden vor dem Ende des Jahres 2008 ausgezahlt, während TARP und andere Subventionen ausgenutzt wurden.)  Als sie noch immer in fortdauernde Gerichtsverfahren wegen ihrer Akquisition von Countrywide verwickelt war, stimmte die Bank of America bei einer Nicht-SEC-Einigung zusätzlichen $601.5 Millionen zu sowie $2.43 Milliarden bei einer anderen im Zusammenhang mit diesen Merrill-Boni. Desgleichen stimmte Wells Fargo zu,  $590 Million für seine Akquisition von Wachovias faulen Krediten und Wertpapieren im Herbst 2008 zu zahlen. Dies sind geringe zu zahlende Preise, um den Vermögenswert- und Kundenstamm zu vergrößern.

Citigroup stimmte zu, der SEC $285 Millionen zu zahlen, um Anklagepunkte für die Irreführung von Investoren und das Wetten gegen sie beizulegen, und zwar beim Verkauf von einer (einer!) CDO im Wert von $1 Milliarde. Richter Rakoff wies die Einigung zurück, aber Citigroup hat Berufung eingelegt. Sie ist also ihre Freundin, die SEC. Abseits dessen hat Citigroup zusätzlichen $590 Millionen zugestimmt, um eine CDO-Gerichtsklage eines Aktionärs beilzulegen – falsches Tun abstreitend.

JPM Chase stimmte einer SEC-Strafe von $153.5 Million hinsichtlich einer (einer!) CDO zu. Außerhalb von Washington stimmte es einer $100 Million-Einigung für das Hochschrauben von Kreditkartengebühren zu, und einer $150 Millionen-Einigung in einem Gerichtsverfahren, das vom Rentenfonds der American Federation of Television and Radio Artists und anderen Investoren wegen Verluste angestrengt worden war, die nach dem Kauf von JPMs Sigma Finance Hedge Fund auftraten, als dieser mit AAA bewertet worden war.

Da haben Sie es. Niemand hat etwas Falsches getan. Die Gesamtsumme von $2.2 Milliarden an SEC-Strafen und ungefähr $4.4 Milliarden in anderen Gerichtsverfahren sind läppisch. Betrachten Sie, dass im gleichen Zeitraum (seit 2007) die Boni der Wall Street $679 Milliarden übertrafen – oder aber nahezu das 309-fache wie die SEC-Strafgebühren und das 154-fache wie alle Einigungen zusammen.

Der SEC- und Dodd-Frank-Tanz

Die SEC hat 90 Aktionen begonnen, unterteilt in 15 Kategorien, die im Zusammenhang mit der Dodd-Frank-Gesetzgebung stehen und auf Vorschläge oder Übernahmen von Regeln hinauslaufen, die Schlupflöcher en masse aufweisen, und sie bringt Berichte hervorbringen, die Dinge zusammenfassen, die wir kennen. Einige der offensichtlichen Kategorien, wie Vermögenswert-bezogene Produkte und Derivate, schließen nicht einmal CDOs mit ein, die den Löwenanteil an den SEC-Strafen und der Indifferenz des Justizministeriums ausmachen.

Anstatt die Regularien für die krassesten Finanzprodukte, die Versicherungsswaps wie Kreditausfallversicherungen, die in CDOs eingebettet sind, enger zu ziehen, hat die SEC diese gelockert. Sie tat dies, indem sie eine Anordnung guthieß, die viele der Anforderungen des Exchange Act für Wertpapier-basierte Swaps unanwendbar machte. In einer neuen Post-Dodd-Frank-Anordnung sagte sie, ein “Produkt wird nicht als ein Swap oder ein Wertpapier-basierter Swap erachtet, wenn…er in die Kategorie innerhalb von…Versicherungen fällt, einschließlich solche gegen Zahlungsunfähigkeit bei einzelnen Hypotheken für Wohnimmobilien.“ Daher benötigen Kreditausfallversicherungen, die seit ihrer Schaffung als Versicherungen erachtet wurden, keine besondere Aufmerksamkeit im Land der umfassenden Reform.

Die Bonitätskategorien beinhalten 20 Punkte, die vorgeschlagen, gefordert oder übernommen wurden. Unter den erreichten Dingen gab die SEC dem Kongress einen Report, der im Wesentlichen besagt, dass der Großteil des Geschäfts der Ratingagenturen von den Emittenten bezahlt wird (was wir wussten), und verkündet (ich binde Ihnen keinen Bären auf), dass ein Wertpapier als “erstklassig“ bewertet wird, wenn es von mindestens einer Ratingagentur als “erstklassig“ bewertet wird. Weitere Inspektionen dessen, was die SEC selbst als erfüllte Leistung deklariert, bereiten keinelei Zuversicht, dass sich irgendetwas zum Sicheren geändert hat oder ändern wird.

Das Weiße Haus und der Kongress

Dennoch will uns das Weiße Haus glauben machen, dass Dodd-Frank eine “umfassende Reform“ war. Romney und die Republikaner empören sich heftig darüber, einfach weil es existiert und wie Regulierung klingt, und Demokraten portraitieren es verteidigend als effektiv.

Ignorieren Sie sie beide und stellen Sie sich die relevanten Fragen. Sind die großen Banken größer? Ja. Können sie Märkte bestimmen und miese Wertpapiere in ihren Bilanzen behalten, so lange wie sie wollen, während sie diese in noch kompliziertere Wertpapiere umwandeln können, getragen von QE-Maßnahmen und ZIRP? Ja. Müssen sie ihre Positionen in Real-Welt-Verhältnissen evaluieren, so dass wir wissen, was vor sich geht? Nein.

Dann gibt es die Volcker-Regel, die Private-Equity-Handelsbereiche ausgliedert oder sie in Vermögensverwaltungsarme bewegt. Wenn dies so gestaltet werden könnte, dass jedwede spekulative Aktivität oder damit verbundene Wertpapierschaffungen auf dem Rücken von FDIC-versicherten Einlagen verboten würde, könnte dies funktionieren; dafür bräuchte man aber Glass-Steagall, was die einzige Form der Regulierung wäre, die uns wirklich von einer von Banken verursachten Krise schützen könnte.

In der Zwischenzeit können die Banken nach wie vor Märkte machen und in allem handeln, worin sie zuvor handelten, solange sie sagen, dass sie es im Namen ihrer Kunden tun. Das war das ganze Problem in der Phase vor der Krise. Die Implosion von Bergen toxischer Vermögenswerte, die auf wackeligen Krediten oder anderen Vermögenswerten basierten, resultierte nicht vom Private-Equity-Handel oder auch nur von der Trennung der bankeigenen Bücher (außer in Fällen wie dem vom Bear Stearns Hedgefonds), sondern von staatlich subventionierten, hochriskanten, absurd gehebelten Vermögenswerten, die als “maßgeschneiderte“ Kundenwünsche oder Marketmaking-bezogene “Nachfragen“ verkleidet waren.

Als der Banking Act im Jahre 1933 verabschiedet wurde, verstanden selbst republikanische Millionärsbanker wie der Kopf von Chase, Winthrop Aldrich, dass die Reduzierung von systemischen Risiken ihnen langfristig helfen könnte, und sie unterstützten ihn öffentlich. Heute meidet ein Jamie Dimon alle Formen der Trennung oder Regulierung, und keine politische Partei wagt es, dazwischenzufunken.

Aber für Dimon haben die Dinge funktioniert. Der Vorstand von JPM Chase (von dem er der Vorsitzende ist) genehmigte sein Kompensationspaket von $23 Millionen für das Jahr 2011 (die höchste Banken-CEO-Kompensation), trotz der Enthüllung eines Verlustes von $2 Milliarden (nunmehr ungefähr $6 Milliarden) infolge des anrüchigen Whale Trade. 2010 erhielt er $20.8 Millionen, womit er auch in jenem Jahr der höchstbezahlte Banken-CEO war. 2009 machte Dimon  $1.32 Million, aber in Wirklichkeit steckte er Aktien und Optionen im Wert von $16 Millionen ein. An Gesamtkompensation machte er 2008 eine Summe von $19.7 Millionen, und 2007 bekam er  $34 Millionen. Als ein Class-A-Director der New York Fed erwies er sich als unantastbar.

Dennoch kriechen jene Geschäfte, die so problematisch waren, wieder hervor. Laut Asset Backed Alert war JPM Chase der Top-Emittent von durch Aktiva gesicherten Wertpapieren (Asset Backed Securities, ASB) in der ersten Hälfte des Jahres 2012 – mit ABS-Transaktionen in den USA im Wert von $66 Milliarden.

Hinzu kommt laut Asset Backed Alert, dass das Volumen im Handel von öffentlichen ABS in den USA um 92.8 Prozent in der zweiten Hälfte von 2012 gegenüber 2011 anstieg, während die Emission von erstklassigen MBS in den USA um 50.6 Prozent fiel. Die Gesamtemission von DCOs stieg um 50.2 Prozent. (Citigroup ist der führende Emittent – mit einem Anstieg von 552 Prozent.)

Die versteckten Verluste von ZIRP

Laut einer umfangreichen Analyse von Daten, die aus regulativen Dokumenten von Bill Moreland und seinem Team auf meiner neuen Lieblingswebsite, www.bankregdata.com, zusammengestellt wurden, ragen ein paar wirklich erschreckende Zahlen hervor. Hier ist der Hammer: ZIRP kostet die Bürger und hilft den größten Banken unverhältnismäßig, und zwar ungefähr $120 Milliarden pro Jahr.

Zwischen 2005 und 2007 hielten die US-Geschäftsbanken geschätzte $6.97 Billionen an zinstragenden Kundeneinlagen. Während der letzten beiden Quartale hielten sie einen Durchschnitt von $7.31 Billionen. In der ersten Zeitspanne, als die Fed-Finanzierungsraten durchschnittlich 4.5 Prozent betrugen, zahlten die Banken ihren Kunden einen Durchschnitt von $39.6 Milliarden an Zinsen pro Quartal. Mit ZIRP zahlen sie in jüngster Zeit einen Durchschnitt von $8.9 Milliarden an Zinsen pro Quartal – oder aber fast 77 Prozent WENIGER. In Dollar-Verhältnissen ausgedrückt sind das ungefähr $30.7 Milliarden pro Quartal weniger, oder $123 Milliarden weniger pro Jahr.

Seit ZIRP im Jahre 2008 auf Touren kam, haben Banken nahezu $486 Milliarden an Zinszahlungen eingespart. Die durchschnittliche Vergütung und Kompensation stieg um geschätzte 23 Prozent. Dividendenauszahlungen gingen um 14.05 Prozent zurück.

Die größten Banken sind die größten Nehmer. Schauen Sie sich die Kürzung bei JPM Chase an. Obwohl ihre Einlagen unverhältnismäßig um 46 Prozent von 2007 (das heißt, vor ZIRP und von der Akquisition von Washington Mutual geholfen) bis 2012 anstiegen, gingen ihre Zinsaufwendungen um nahezu 89 Prozent zurück. Von 2004 bis 2007 zahlte Chase $34.4 Milliarden an Zinsen an seine Einlagenkunden aus. Von 2008 bis Mitte 2012 zahlte es $3.4 Milliarden aus. Das Verhältnis von ausgezahlten Zinsen zu Einlagen beträgt bei JPM Chase .27 Prozent. Dies ist der niedrigste Wert der großen vier Banken, die durchschnittlich ohnehin weniger zahlen als die kleineren Banken.

Die Anteil der Vermögenswerte von JPM Chase, die sich aus Darlehen und Leasinggeschäften zusammensetzen, ist bei 36.04% niedriger im Vergleich zu den 52.4% bei den Standesgenossen. Der Handelsanteil von Vermögenswerten ist höher, nämlich 14.78% vs. 6.88% bei den Standesgenossen, und 4.23% für alle Banken.

Vorausschau

Zur Erinnerung: Sparer, Kreditnehmer und die Wirtschaft verlieren noch immer Geld aufgrund der Illusionsbewahrung der Banken-Gesundheit. Wichtiger: die großen Banken wuchsen durch Akquisitionen und die fortdauernden Schließungen von kleineren regionalen Banken, die den Bürgern bessere Bankenkonditionen anboten. Die großen Banken haben mehr Vermögenswerte und Einlagen, auf die sie über-bewertete Preise draufschlagen. Ferner zahlen sie weniger Zinsen als zuvor, und zwar aufgrund einer Kombination an von der Fed und dem Schatzamt abgesegneten Zusammenschlüssen, QE und ZIRP. Dennoch sollen wir angeblich glauben, dass diese Situation irgendwie eine solidere und produktivere Wirtschaft hervorbringen soll.

In der Zwischenzeit werden bisher fehlerbehaftete Wertpapiere und Kredite anschwellen, bis ihr Transfer hin zur Fed abgeschlossen ist oder diese fällig werden, während neue ihren Platz einnehmen. Dies wird unausweichlich zu einem harten Durchgreifen gegen Kredite für produktive Zwecke und einem weiteren wirtschaftlichen Abbau und einer weiteren Instabilität führen. Finanzpolitik kommt vor Wirtschaftspolitik. Banken kommen vor Bürgern, und sollte es keine ernsthafte Rekonstruktion des Bankensystems geben, wird sich dieser Kreislauf absolut und eindeutig fortsetzen.

Quelle:

(1) Siehe hierzu Paul Craig Roberts / Nomi Prins: “Der wirkliche Libor-Skandal“, veröffentlicht auf LarsSchall.com am 15. Juli 2012 unter: http://www.larsschall.com/2012/07/15/paul-craig-roberts-und-nomi-prins-der-wirkliche-libor-skandal/

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