Weltbank und IWF: Die Expansion der Wall Street-Reichweite rund um den Globus

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In einem exklusiv übersetzten Auszug aus dem neuen Buch “All The Presidents‘ Bankers“ bringt die ehemalige leitende Wall Street-Bankerin Nomi Prins vor, dass das Mantra bei den Verhandlungen in Bretton Woods lautete: „Diejenigen, die die Banken kontrollieren, die von der Währung gedeckt werden, welche die Welt dominiert, kontrollieren die Weltfinanz.“

Von Nomi Prins, Übersetzung Lars Schall

Die Übersetzung des nachfolgenden Artikels, der im englischen Original hier und hier erschien, geschieht mit der persönlichen und ausdrücklichen Genehmigung von Nomi Prins. Zugrunde liegt ein Auszug aus dem Buch “All the Presidents’ Bankers: The Hidden Alliances that Drive American Power“, erschienen im April 2014 bei Nation Books.

Nomi Prins, die im US-Bundesstaat New York aufwuchs, arbeitete nach ihrem Universitätsstudium der Mathematik und Statistik für Chase Manhattan, Lehman Brothers, Bear Stearns in London und als Managing Director bei Goldman Sachs an der Wall Street. Nachdem sie die Finanzbranche verließ, wurde sie eine herausragende Finanzjournalistin, die vier Bücher geschrieben hat, darunter das sehr zu empfehlende Werk “It Takes a Pillage: Behind The Bailout, Bonuses, and Back Room Deals from Washington to Wall Street”, das im September 2009 bei Wiley veröffentlicht wurde. Sie ist Senior Fellow bei „Demos“ in New York City, gab zahlreiche Interviews unter anderem auf BBC World, BBC, Russia Today, CNN, CNBC, CSPAN und Fox, und ihre Artikel erscheinen unter anderem in der New York Times, Fortune, Newsweek, The Nation, The American Prospect sowie dem Guardian in Großbritannien. Ihre Website ist hier zu finden. Sie lebt in Los Angeles, USA.

Die Weltbank und der IWF: Die Expansion der Wall Street-Reichweite rund um den Globus
von Nomi Prins

Just nachdem die Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg eingetreten waren, entfalteten sich zwei gleichzeitige Initiativen, die Elemente der Finanzierung nach dem Krieg diktieren würden, und zwar durch die gemeinsamen Initiativen der Außenpolitik-Maßnahmen und der Launen des privaten Bankenwesens. Pläne wurden bereits im Hintergrund formuliert, um den Nachkriegsfrieden zu navigieren, vor allem seine internationalen Macht-Auswirkungen auf Wirtschaft und Politik. Amerikanische Politiker und Wissenschaftler begannen das Konzept der „Einen Welt“ aus wirtschaftlicher Sicht zu bedenken, frei von Trennungen und Ungleichgewichten. Oder so ähnlich ging die Theorie.

Die ursprünglichen Pläne, eine Reihe von multinationalen Entitäten zu erschaffen, die den Wiederaufbau und die Entwicklung der Einen Welt finanzieren würden (und angeblich die verschiedenen Volkswirtschaften der Welt ausgleichen würden), wurden von zwei Wissenschaftlern konzipiert: John Maynard Keynes, ein Berater des britischen Schatzamts, und Harry Dexter White, ein Wirtschaftswissenschaftler in der Division of Monetary Research des US-Finanzministeriums unter US-Finanzminister Henry Morgenthau.

Bis zum Frühjahr 1942 hatte White Pläne für einen „Stabilisierungsfonds“ und eine „Bank für Wiederaufbau und Entwicklung“ entworfen. Sein Konzept für den Fonds wurde der Samen für den Internationalen Währungsfonds. Die andere Idee wurde die Weltbank. Aber bevor diese Einheiten durch die Bretton Woods-Konferenzen ins Leben gerufen wurden, würden viele Argumente über ihre Machart stattfinden, und Millionen von Menschenleben würden verloren gehen.

Keynes, White und der Macht-Transfer in die Vereinigten Staaten

Bis Anfang 1944 waren fast zwei Drittel des europäischen Bruttosozialprodukts dem Krieg gewidmet worden; Millionen von Menschen hatte man geschlachtet. Aber sechs Monate nach der vollständigen Befreiung von Leningrad waren es die internationalen Finanz-Aspekte des kommenden Friedens, die die Phantasie der politischen Eliten bestimmten. Im Juli 1944 versammelten sich 730 Delegierte, die die vierundvierzig alliierten Nationen vertraten, im Mount Washington Hotel in Bretton Woods, New Hampshire. Inmitten malerischer Berge, Wanderwege und drückender Hitze setzten sie sich zusammen, um das wirtschaftliche Nachkriegssystem festzulegen.

Drei Wochen lang debattierten sie die Charta für den Internationalen Währungsfonds und diskutierten, wie die Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, oder die „Weltbank“, operieren würde.

White und Keynes hatten in den letzten zwei Jahren um Einfluss auf dieses Ergebnis konkurriert. Zu einem großen Teil, die persönliche Vehemenz eines jeden der beiden Männer beiseite lassend, taten sie dies als eine Erweiterung des Positionsgerangels zwischen den Vereinigten Staaten und Großbritannien als die aufkommenden und vergehenden Finanzsupermächte. Zunächst lehnte nahezu jeder amerikanische Banker und Politiker die wichtigsten Aspekte der Keynes-Pläne ab, vor allem seine Idee zur Schaffung einer neuen globalen Währung – der Unitas –, die Gold und den Dollar ersetzen sollte.

Viele spätere historische Darstellungen der Bretton Woods-Konferenz betrachten die endgültigen Konzeptionen für den IWF und die Weltbank als klaren Kompromiss zwischen White und Keynes. Aber sie lehnten sich weit mehr in Richtung des Modells und der Vision von White.

Aus Sicht der Banker war Whites Modell erträglicher, weil es die Vormachtstellung des Dollar bewahrte. Der ehemalige Präsident James A. Garfield sagte einmal: „Der, der die Geldversorgung einer Nation kontrolliert, kontrolliert das Volk.“ Bei den Verhandlungen rund um diese Bretton Woods-Sitzungen war das Mantra hingegen: „Diejenigen, die die Banken kontrollieren, die von der Währung gedeckt werden, welche die Welt dominiert, kontrollieren die Weltfinanz.“

Während sich die endgültigen Entwürfe nach den Sitzungen im Juli 1944 durch den Kongress schlängelten, hielt ein wichtiger US-Banker seine öffentliche Opposition gegenüber Bretton Woods aufrecht. Selbst nachdem klar war, dass die multinationalen Entitäten dollarbasiert sein würden, blieb der Chase-Vorsitzende Winthrop Aldrich Gegner der Idee. Am meisten fürchtete er den geringsten Wettbewerb durch eine unkontrollierbare Quelle. Obwohl Aldrich die Beseitigung von Handelshemmnissen befürwortete, die den US-Banken ein breiteres Feld für grenzübergreifende Finanzierungen bieten würde, wollte er keine supranationale Organisation im Wege der privaten Kreditvergabe haben, um den Handel zu erleichtern.

In seinem “Proposed Currency Plan” (“Vorgeschlagenen Währungsplan“) vom 16. September 1944 kritisierte Aldrich die Abkommen scharf, die er als eine besondere Herausforderung für die Macht der privaten Banken ansah. „Der IWF“, sagte er, „wird ein Mechanismus für Instabilität statt Stabilität werden, da er Wechselkursänderungen fördern wird.“

Wie die meisten Banker war Aldrich einverstanden damit, dass die Weltbank die Verantwortung für die Fremdwährungsstabilisierungskreditvergabe (exchange-stabilization lending) übernahm. Dieses Element würde den Bankern helfen; eine supranationale Entität, die Gelder an Länder gäbe, die am Hungertuch nagten, würde sie ausreichend stärken, um mehr Geld über Privatbanken leihen zu können. Aber die Banker wollten keinen Fonds, der als Konkurrenzkreditmechanismus konstruiert war und ihnen möglicherweise unter dem Deckmantel der wirtschaftlichen Sicherheit Geschäfte wegnehmen würde.

Aldrich warnte: „Wir werden den Schatten der Stabilität ohne das Wesentliche haben. … Vielleicht ist der gefährlichste Aspekt der Bretton Woods-Vorschläge, dass sie als ein Hindernis für die sofortige Betrachtung und Lösung dieser grundlegenden Probleme dienen.“

Aldrichs öffentlicher Aufschrei war beunruhigend für Präsident Roosevelt und Finanzminister Henry Morgenthau, der wusste, dass es politisch wichtig war, die Unterstützung aller wichtigen Banker zu erhalten. Nicht nur, dass sie einen soliden Umfang der US-Staatsverschuldung hielten; sie waren zu Verteilungsmechanismen dieser Schulden an mehr und mehr Bürger und Länder geworden. Es konnte keinen IWF ohne die Unterstützung der privaten Kreditgeber geben, und wenn die USA das Kommando über eine solche Einrichtung aus einer globalen Perspektive innehaben sollten, mussten die US-Banker mit an Bord sein. Zugeständnisse gegenüber den Bankern zu machen war keine Frage leeren Appeasements, sondern der wirtschaftlichen Vormachtstellung.

Die American Bankers Association, bei der Aldrich Vorstandsmitglied war, wollte die Befugnisse des IWF ebenso beschränken. Burgess, der als Vorsitzender der American Bankers Association und als stellvertretender Vorsitzender der National City Bank diente, war nicht bereit, die Bretton Woods-Vorschläge zu unterstützen, es sei denn, White würde mehr Zugeständnisse machen, um die Vormachtstellung der US-Banken und des Dollar zu stärken. Er würde mit harten Bandagen kämpfen und Morgenthau involvieren, wenn er musste.

Obwohl sich White weigerte, sich Burgess‘ Wünschen zu beugen, integrierte sie der Kongress in den Schlussdokumenten. Um die Banker glücklich zu machen, wurde ein Kompromiss gestaltet, der die IWF-Mittel auf Kredite zum Ausgleich kurzfristiger Wechselkursschwankungen beschränkte, zum Beispiel wenn ein Land eine scharfe und plötzliche Wertverschiebung seiner Währung im Vergleich zu einer anderen erfährt. Dieses Schlupfloch ließ viel Platz für Banken, um eine aggressive Finanzierung für Entwicklungsländer über die lose definierte lange Dauer anzubieten. Es bedeutete auch, dass alle Nationen, die kurzfristige IWF-Hilfen empfingen, wahrscheinlich hinterher am Haken von noch kostspieligeren Schulden in den Händen der Banker zappeln würden. Aber in der Systematik des White-Plans war diese Veränderung mehr kosmetisch, denn substantiell.

Das Bretton Woods-Abkommen

Der Kongress billigte das Bretton Woods-Abkommen am 20. Juli 1945. Siebenundzwanzig andere Länder traten ebenfalls bei. Die Sowjetunion nicht. Dies war ein Zeichen dafür, wie schnell die Welt in den Kalten Krieg fiel und wie schnell sich die Vereinigten Staaten ihre eigenen ausländischen Allianzen in der Nachkriegswirtschaft schmiedeten.

Zu der Zeit, als sich die Bretton Woods-Delegierten wieder versammelten, um im März 1946 die letzten Details der Vereinbarung in Savannah, Georgia zu regeln, hatte Churchill bereits den Begriff „Eiserner Vorhang“ geprägt, um die Grenze zwischen der kommunistischen Sowjetunion und dem Westen in seiner berühmten “Sinews of Peace”-Rede am Westminster College zu beschreiben.

Neben der wachsenden Kalten Kriegs-Mentalität, oder vielleicht gerade wegen ihr, wurden die Erwartungen, dass White den IWF führen würde, zerquetscht, als das FBI Präsident Truman alarmierte, dass White und andere leitende Beamte Geheiminformationen an die Sowjetunion gegeben hatten. Es ist bestehen Zweifel, dass Truman die Vorwürfe glaubte; obwohl er White aus dem Wettbewerb um die leitende Position herausnahm, blieb White ein Geschäftsführer.

Der Vorfall diente als Präzedenzfall für die Art, wie die Top-Positionen bei der Weltbank und dem IWF entlang politisch-geographischer Linien zugeordnet werden würden. Der Posten sollte stattdessen dem belgischen Ökonom Camille Gutt angeboten werden, die Regel etablierend, derzufolge der IWF von einem Westeuropäer und die Weltbank von einem US-Amerikaner geleitet werden würde.

Während die Politik die ersten Führungsentscheidungen diktierte, sollte das Verhalten der Privatbanker alsbald die Funktionen der beiden Gremien überschatten. Trotz ihrer „internationalen“ Namen dienten die Weltbank und der IWF überproportional den Interessen der westeuropäischen Staaten, die den Vereinigten Staaten von Beginn an am wichtigsten waren. Die Banker konnten ihren Einfluss auf beide Entitäten ausüben, um ihre eigenen Unternehmen zu expandieren.

Später wurde ein weiteres Element, das diese Dynamik verstärkte, hinzugenommen. Dank eines kleineren technischen Details, das von Trumans Finanzminister John Snyder eingeführt wurde, wurden „Hilfsgelder“, die an „freundliche“ Länder gingen, als „Zuschüsse“ betrachtet, die sich nicht als Staatsverschuldung zeigten, wodurch die Illusion der besseren wirtschaftliche Gesundheit erzeugt würde. Gelder, die für militärische Operationen oder den freundlichen Ländern gewährt würden, zeigten sich ebenfalls nicht als Schulden. Dies stellte eine ausländische Geschäftsmöglichkeit dar, bei der die Banken Kredite zu besseren Konditionen an größere Ländern vergeben und mehr Geld mit Krediten zu höheren Zinsen an Entwicklungsländer machen konnten, und zwar wegen der Unterschiede bei ihren wahrgenommenen Schuldenlasten.

Darüber hinaus, wie Martin Mayer in seinem klassischen Buch The Bankers beobachtet, „würde der wachsende und unregulierte Eurodollar-Markt ein Kessel für außer Kontrolle geratene Schulden und heftige Gewinne für US-Banken werden.“ Durch diesen Markt sollten viele der großen Nachkriegsdarlehen zur Jahrhundertmitte getätigt werden.

Die Weltbank für die Wall Street arbeiten lassen

Der Kongress hatte den National Advisory Council gegründet, um die „Koordinierungsstelle für die internationale Finanzpolitik der Vereinigten Staaten zu sein“, und als Mechanismus, diese Politik durch die internationalen Finanzorganisationen zu lenken. Insbesondere befasste sich der Rat mit der Abwicklung der Leih- und Pacht-Vereinbarungen und anderer Arrangements der Kriegszeit, einschließlich das Aushandeln der Bedingungen von Auslandsanleihen, der Details der Hilfsprogramme und der sich entwickelnden Politik von IWF und Weltbank. Als Vorsitzender des National Advisory Council trug US-Finanzminister John Snyder eine große Menge an Einfluss über diese Entitäten, da viele wichtige Entscheidungen bei Ratsversammlungen privat diskutiert und dort beschlossen wurden.

Es gab einen ehrgeizigen Anwalt, der die Bedeutung von Snyders Rolle verstand. Das war John McCloy, ein ausgesprochener Republikaner, dessen Karriere viele öffentliche und private Rollen (inklusive des Vorsitzes von Chase in den 1950er Jahren) durchqueren würde, und der gerade als Staatsekretär des Kriegsministeriums unter Roosevelts Kriegsminister Henry Stimson gedient hatte. McCloy und Snyder würden eine Allianz bilden, die die Art, in der die Weltbank betrieben würde, und den Einfluss, den Privatbanker über sie haben würden, ändern sollte.

Es war Snyder, der die endgültige Entscheidung traf, McCloy als Chef der Weltbank zu ernennen. McCloy, ein stämmiger Ire mit stählernen Augen, war von seiner Mutter in Philadelphia aufgezogen worden. Er wurde der einflussreichste Banker zur Mitte des Zwanzigsten Jahrhunderts. Er war ein Jahrzehnt lang Partner bei Cravath, Henderson und de Gersdorff gewesen, einer mächtigen Wall Street-Kanzlei, ehe er ausgewählt wurde, um FDRs Beraterkreis beizutreten.

Nach dem Krieg kehrte McCloy zu seiner alten Anwaltskanzlei zurück, aber sein öffentlicher Dienst übersetzte sich nicht in die Karriereflugbahn, die er sich erhofft hatte. Seine Ungeduld bekannt werden lassend, erhielt er viele Angebote an anderer Stelle, darunter einen Botschafterposten in Moskau; die Präsidentschaft seiner Alma Mater, Amherst College; und die Präsidentschaft von Standard Oil. An diesem Punkt eilte niemand anderes als Nelson Rockefeller mit einem verlockenden Vorschlag herbei, der McCloy erlauben würde, in New York zu bleiben und gut bezahlt zu werden – als Partner bei der Familien-Anwaltskanzlei Milbank, Tweed, Hope und Hadley.

Der Job brachte McCloy den Status ein, den er suchte. Er begann eine neue Phase seiner privaten Karriere bei Milbank, Tweed am 1. Januar 1946. Der wichtigste Klient der Firma war Chase, die Bank der Rockefeller-Familie. McCloy sollte jedoch alsbald nach Washington zurückkehren.

Truman hatte Eugene Meyer, den siebzigjährigen alten Veteran-Banker und Herausgeber der Washington Post, ernannt, der erste Chef der Weltbank zu werden. Aber nach nur sechs Monaten verkündete Meyer am 4. Dezember 1946 abrupt seinen Rücktritt. Offiziell erklärte er, er habe nur beabsichtigt, für den Start dort sein zu wollen. Aber privat gab er zu, dass seine Meinungsverschiedenheiten mit den liberaleren Ansichten der anderen Direktoren über die Kreditvergabe die Dinge für ihn unhaltbar gemacht hatte. Seine Position blieb drei Monate lang unbesetzt.

Als Snyder im Januar 1947 das erste Mal für die Rolle an McCloy herantrat, lehnte er diese ab. Aber Snyder war unerbittlich. Nachdem er McCloy für mehrere Sitzungen nach Washington eingeladen hatte und nach New York gereist war, um zu diskutieren, wie man seinen Bedingungen für den Job nachkommen könnte – Bedingungen, die mehr Kontrolle über die Richtung der Weltbank und das Recht auf die Ernennung zweier seiner Freunde enthielten –, stimmte Snyder seinen Konditionen zu.

Nicht nur, dass Snyder McCloys Kollegen billigte, er billigte auch McCloys Bedingung, dass die Anleihen der Weltbank durch die Wall Street-Banken verkauft werden würden. Diese scheinbar geringfügige Zustimmung sollte die Weltbank für immer in einen Wertpapierverkaufsautomaten für Privatbanken verwandeln, die aus der globalen Verteilung dieser Anleihen Profit schlagen und die Darlehen der Weltbank mit ihren privaten anreichern würden. McCloy hatte die Weltbank effektiv privatisiert. Die Banker würden entscheiden, welche Anleihen sie verkaufen könnten, was bedeutete, dass sie Kontrolle darüber haben sollten, welche Länder die Weltbank unterstützen würde, und in welcher Höhe.

Indem dieser Deal gemacht ward, wurde McCloy am 17. März 1947 offiziell zum Präsidenten der Weltbank. Seine Wall Street-Unterstützer, die wollten, dass sich die Weltbank von den liberalen Ansichten der New Dealer entfernen sollte, war eine machtvolle Gruppe. Sie enthielt Harold Stanley von Morgan Stanley; Baxter Johnson von der Chemical Bank; W. Randolph Burgess, stellvertretender Vorsitzender der National City Bank; und George Whitney, Präsident von J. P. Morgan. McCloys lieferte für sie alle.

Ein beherrschender, doch übersehener Aspekt der McCloy-Ernennung spiegelte den Nachkriegselitismus der Organisation selber wider. Das Kreditvergabeprogramm der Bank gründete auf einer Zufuhr von Mitteln aus den Ländern, die Überschüsse produzierten, insbesondere diejenigen, die Dollar hielten. So geschah es, dass „die einzigen Länder [mit] Dollars zum Ausgeben die Vereinigten Staaten und Kanada [waren].“ Als Ergebnis würden alle gemachten Kredite weitgehend aus Geldern stammen, die durch den Verkauf von Wertpapieren der Weltbank in den Vereinigten Staaten aufgetrieben wurden.

Dies gab den Vereinigten Staaten die ultimative Macht durch das Bereitstellen des meisten Anfangskapitals und damit die Kontrolle über die künftige Ausrichtung der Finanzinitiativen der Weltbank – allesamt Richtlinien, die wiederum darauf basierten, wie die Banker die Anleihen absetzen konnten, die diese an Investoren gegebene Kredite absicherten. Die Weltbank würde mehr für die globale Expansion der US-Banken leisten, als jeder andere Vertrag und jede andere Vereinbarung oder Einrichtung, die vor ihr bestanden.

Um die private Bankenkontrolle zu festigen, fuhr McCoy fort zu betonen, dass „ein großer Teil des Bankenkapitals durch den Verkauf von Wertpapieren an die Investment-Öffentlichkeit beschafft wird.“ McCloys gleichgesinnte Kollegen bei der Weltbank – Vizepräsident Robert Garner, der Vizepräsident von General Foods und ehemalige Schatzmeister des Guaranty Trust; und der Vizepräsident von Chase, Eugene Black, der den „liberalen“ US-Direktor Emilio Collado ersetzte – wirkten bei dem Plan mit, der die Weltbank zu einer Verlängerung der Wall Street machen würde. McCloy betonte Garners und Blacks weitreichende Erfahrung beim „Vertrieb von Wertpapieren“. In anderen Worten, sie waren bewandert in der Kunst des Verkaufs, was bedeutete, dass private Investoren erreicht werden würden, um das ganze Unternehmen abzusichern.

Das Weltbank-Dreigestirn wurde auch von anderen mächtigen Männern unterstützt. Nachdem er seiner Freude über ihre Berufungen gegenüber Snyder am 1. März 1947 zum Ausdruck gebracht hatte, bot Nelson Rockefeller den drei amerikanischen Direktoren seine Georgetown-Villa plus Getränke, Lebensmittel und Dienstboten für einen Zeitraum von drei Monaten an, während sie Strategien entwarfen. Keine Frauen waren erlaubt. Noch die anderen Direktoren. Dies sollte ein exklusives Rendezvous werden.

Es ist hier wichtig zu beachten, dass der ursprüngliche Plan, der in Bretton Woods vereinbart worden war, nicht beinhaltet hatte, die Verwaltung und Organisation der Weltbank an die Wall Street auszuhändigen. Aber die neuen Welt-Banker schienen gegenüber den idealistischeren Aspekten der ursprünglichen Absicht hinter Bretton Woods bloß Verachtung übrig zu haben, diesem malerischen alten Begriff des Ausgleichs der wirtschaftlichen Vorteile unter den Nationen zur Verbesserung der Welt. Mit dem Überschwang der Medien-Fanfaren von den wichtigsten Zeitungen bewaffnet, machten sie sich daran, eine Anleihe-Produktionsmaschine aufzubauen.

Indem der Kalte Krieg schwer in der politischen Atmosphäre hing, wurde die Weltbank auch ein politischer Mechanismus, um den Kommunismus auszubremsen, da Gelder nur nicht-kommunistischen Ländern zur Verfügung gestellt wurden. Die Politik bestimmte Kreditentscheidungen: westliche Verbündete erhielten das meiste Geld und zu den besten Konditionen.

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