Wem gehört und dient die Fed?

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In Zeiten, da vermehrt über die US Federal Reserve und die Geldschöpfung aus dem Nichts diskutiert wird, habe ich ein paar Informationen zusammengetragen zu Rockefeller, J.P. Morgan, Wall Street-Banken, dem Council on Foreign Relations und den vernachlässigbaren Interessen des gemeinen US-amerikanischen Volks.

Von Lars Schall

Der nachfolgende Artikel ist ein Auszug aus einem im Entstehen begriffenen Buch zum Thema Tiefenpolitik & 9/11 – und wurde zuletzt am 8. August 2014 aktualisiert.  Ein weiterer Auszug steht hier bereit.

WEM GEHÖRT UND DIENT DIE FED?

Bei einem Mordverbrechen gilt es seit jeher die grundsätzliche Frage zu stellen, wem es zum Vorteil gereicht: Cui bono? Um bei der Betrachtung der Terror-Anschläge vom 11. September 2001 in einem finanziellen und wirtschaftlichen Rahmen nicht zu kurz zu greifen, möchte ich eingangs die Frage erörtern, wer es ist, der im Wesentlichen die US-Notenbank Federal Reserve bildet. Eine der begünstigten Parteien des „Kriegs gegen den Terror“, der aus den 9/11-Anschlägen resultierte, könnte in gewisser Weise jene Federal Reserve sein (bzw. indirekt oder direkt auch die Privatbanken, die Mitglieder der regionalen Fed-Ableger sind), insofern hier eine denkbar simple Gleichung vorliegen könnte:

„Die US-Notenbank erschafft Geld, um den Krieg zu finanzieren, und verleiht es an die amerikanische Regierung. Die amerikanische Regierung wiederum muss auf das Geld, das sie sich von der Zentralbank ausgeliehen hat, um den Krieg zu finanzieren, Zinsen zahlen. Je größer die Aufwendungen für den Krieg sind, desto größer fallen die Gewinne für die Banker aus.“ (1)

Von dieser inneren Logik ausgehend, die auf dem Spielfeld womöglich letzten Endes herrscht, könnten zur Klärung der Frage, wie die Federal Reserve das Licht der Welt erblickte, und wer damals dahinter stand, sie auf den Weg zu bringen, viele unterschiedliche Perspektiven eingenommen werden. Ich wähle als Ausgangspunkt die Mitte des 19. Jahrhunderts und die Thematik der Energie, die Antriebskraft hinter der Industriellen Revolution. Das kann nicht schaden, da hier der Energieträger Erdöl eine prominente Rolle spielt – und Erdöl ist bei der Betrachtung der Terror-Anschläge vom 11. September 2001 in einem finanziellen und wirtschaftlichen Rahmen von enorm großer Bedeutung. Obendrein, und deswegen allein lohnte sich die Behandlung des Sachverhalts in einem Buch, das den 9/11-Anschlägen gewidmet ist, sehen wir hier par excellence die Definition des Begriffs „Verschwörung“ am Werk, die Mark Twain zugeschrieben wird: „Eine Verschwörung ist nichts anderes als eine geheime Übereinkunft einer Reihe von Männern zur Verfolgung von Vorhaben, die sie sich in der Öffentlichkeit nicht zuzugeben trauen.”

Der Beginn des Ölzeitalters

Als in den USA die ersten großen Erdölfunde stattfanden, nutzte man dort, zumindest im Vergleich zum Vorreiter der Industriellen Revolution, Großbritannien, eher wenig Kohle, um die industrielle Entwicklung voranzutreiben. Das hatte seine besonderen, eigenen Gründe, da man in den Vereinigten Staaten von Amerika mit Wäldern und Flüssen gesegnet war, auf die sich lange Zeit fast grenzenlos zur Energiegewinnung zurückgreifen ließ. Holz- und Wasserkraft waren die Energieressourcen erster Wahl. Darüber hinaus wurden für die Landwirtschaft, besonders zum Anbau und Pflücken von Baumwolle, die aus Westafrika eingeschleppten Sklaven ausgebeutet. Der Süden der USA, der auf diese Art der Arbeitskraftgewinnung und Warenproduktion setzte, geriet allmählich gegenüber dem Norden wirtschaftlich ins Hintertreffen, nachdem die dortigen Industriefabriken im wachsenden Umfang auf Kohle und mechanische Arbeitsleistung umstellten. Ein weiterer Schub in diese Richtung verstärkter Kohlenutzung erfolgte mit der Verbreitung von transkontinentalen Eisenbahnstrecken und dem Rückgang der zu stark in Anspruch genommenen Wälder. Gleichwohl dauerte es bis in die letzten beiden Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts hinein, ehe die Kohle allen anderen Energielieferanten den Rang ablief. Um 1910 schließlich gingen rund drei Viertel der gesamten Energiegewinnung in den USA auf die Verwendung von Kohle zurück. Weltweit betrug ihr Anteil zu dieser Zeit am Energievorkommen 90 Prozent, um danach peu à peu vom Erdöl abgelöst zu werden. (2)

Der bei weitem größte Erdölanbieter, den es in dieser Ära auf dem gesamten Erdenrund gab, war die Firma Standard Oil. Begonnen hatte alles durch die Entdeckung, dass sich Mineralöl als Maschinenschmiermittel und Kerosin als Lampenbrennstoff hervorragend verwenden ließen. Ein Bedarf nach Erdöl war somit von Anfang an gegeben, nachdem Ende der 1850er Jahre die ersten Vorkommen in Pennsylvania gefunden worden waren. Alsbald kamen weitere Funde in Ohio und West Virginia hinzu. Das geförderte Rohöl begann ein junger Geschäftsmann aus Cleveland in Massen aufzukaufen, zu raffinieren und zu vermarkten, der hernach zur „wichtigsten einzelnen Person beim Prägen der Ölindustrie“ wurde: John D. Rockefeller. (3) Dahinter stand der Plan, dass derjenige, der die Ölraffinerien kontrollieren würde, letztlich die Möglichkeit besäße, die gesamte Ölindustrie beherrschen zu können. 1862 erwarb Rockefeller seine erste Raffinerie und kaufte sukzessive konkurrierende Unternehmen auf. Hierbei halfen ihm Rabatte, die er mit Eisenbahngesellschaften zum Transport seines Öls auf geheimer Basis aushandelte, um auf diesem Wege die Preise seiner Mitbewerber bewusst zu unterlaufen. Zudem erhielt er Gebühren von jenen Eisenbahngesellschaften, die Rohöl der Konkurrenz transportierten. Und wenn es vorkam, dass sich Konkurrenzunternehmen nicht verkaufswillig zeigten, auf die Standard Oil ein Auge geworfen hatte, wurde mithin auch kriminelle Energie eingesetzt, um etwas nachzuhelfen. (4)

Die 1870 gegründete Aktiengesellschaft Standard Oil of Ohio baute sich ein Netzwerk von Tochterfirmen auf, die entweder ganz oder zumindest teilweise Rockefeller gehörten und gegenseitige Aktienbeteiligungen eingingen. Ölfunde (Upstream) und Distribution (Downstream) befanden sich in den USA binnen kurzer Zeit in einer Hand, nachdem Rockefeller (zusammen mit seinem Bruder William) in den Jahren 1872 bis 1879 den Aufkauf von Raffinerien noch einmal intensiviert hatte. Von Ohio wechselte Standard Oil 1883 aufgrund von neuen Anti-Trust-Bestimmungen nach New York über, als es bereits 90 Prozent der Ölindustrie der Vereinigten Staaten kontrollierte. (5) 1888 startete Standard Oil mit der Gründung der Anglo-American Oil Company Ldt. die erste Unternehmung in Europa, zwei Jahre später folgte die Übernahme der Deutsch-Amerikanischen Petroleum-Gesellschaft. Als neue große Ölfunde in den südwestlichen Gebieten der USA zutage traten, engagierte sich Standard Oil zunehmend auch in Oklahoma, Texas und Kalifornien. Die üppigen Gewinne, die in diesen Jahren zusammenkamen, wurden langfristig weiter investiert:

„Bis 1899 hatte sich die Standard Oil Company zu einer Holdingesellschaft entwickelt, die die Aktien zahlreicher anderer Unternehmen kontrollierte. Das Kapital belief sich auf 110 Millionen Dollar, der Profit auf 45 Millionen Dollar pro Jahr und John D. Rockefellers Vermögen wurde auf 200 Millionen Dollar geschätzt. Binnen kurzer Zeit stieg er ins Eisen-, Kupfer-, Kohle-, Fracht- und Bankgeschäft (Chase Manhatten) ein. Die Profite lagen bei 81 Millionen Dollar pro Jahr, und das Rockefeller-Vermögen belief sich auf 2 Milliarden Dollar.“ (6)

Der führende Investmentvertreter von John D. Rockefeller wurde die New Yorker Bank Kuhn Loeb & Co., deren herausragender Repräsentant der aus Frankfurt am Main stammende Banker Jacob H. Schiff war – Spross jener Schiff-Familie, welche sich mit der (weitaus jüngeren) Rothschild-Familie zu Zeiten von Meyer Amschel ein Doppelhaus in der Frankfurter Judengasse geteilt hatte. (7)  Die Chase Bank gedieh 1955 nach Fusion mit der Manhattan Company zur Chase Manhattan Bank. Die Manhattan Company war wiederum eng mit den Morgan-Interessen verbunden – und ganz eindeutig behielt die Rockefeller-Familie die Kontrolle nach der Fusion weiterhin in Händen, auch wenn die Familie immerzu versuchte „so viel wie möglich an öffentlicher Distanz zwischen sich selbst und ihrem großen Aktienbesitz zu wahren. … Tatsächlich stellte der Anteil der Familie an Chase in dieser Zeitspanne und für mehrere Jahrzehnte später stets mehr als 5 oder 6 Prozent aller Stimmrechtsaktien. Solche Prozente werden gewöhnlich als signifikante de facto Kontrolle erachtet.“ (8) Chase Manhattan war damit die zweitgrößte Bank der USA geworden, folgend auf Bank of America in San Francisco.

Der andere Fixstern, den es zum Zeitpunkt des Einstiegs der Rockefellers ins Bankengeschäft am New Yorker Finanzhimmel gab, war John Pierpont Morgan, der internationalste US-Financier, der im Grunde als der Vertreter der City of London und der britischen Banken an der Wall Street fungierte.

Morgan lieferte sich mit Rockefeller am Anfang des 20. Jahrhunderts zunächst harte Kämpfe:

„Nach der Jahrhundertwende entwickelte sich ein wüster Wirtschaftskrieg zwischen den Interessen Morgans auf der einen und denen der miteinander verbündeten Harriman-Kuhn, Loeb-Rockefeller auf der anderen Seite. Harriman und Kuhn, Loeb rissen die Kontrolle über die Union Pacific Railroad an sich und die zwei gigantischen Mächte führten einen ergebnislosen Kampf um die Herrschaft über die Northern Pacific. Ungefähr zur selben Zeit brach ein langandauernder und weltweiter, finanziell und politisch geführter Ölkrieg zwischen der Standard Oil Company, die bisher ein Monopol sowohl auf den Rohöl-, als auch auf dem Exportmärkten außerhalb der USA hatte, und dem aufstrebenden britischen Royal Dutch Shell-Rothschild-Kombinat aus.“ (9)

Der besagte „Ölkrieg” nahm seinen Anfang durch die Ölfunde, die man 1871 in der Nähe von Baku am Kaspischen Meer gemacht hatte. Die Rohölforderung, die Russland nur fünfzehn Jahre später aufweisen konnte, belief sich immerhin schon auf ein Drittel der US-Produktion. Zunächst den Vertrieb, dann immer mehr auch die Ölquellen und Raffinerien selber übernahm der französische Teil der Bankiersfamilie Rothschild. Der Partner von Alphonse de Rothschild für den Absatz in Süd- und Ostasien war Marcus Samuel, dessen Familie Londons größte Handelsbank Hill Samuel zusammen mit dem Handelshaus Samuel Montagu kontrollierte.

„In der Ölgeschichte Bakus nehmen die Brüder Ludwig und Robert Nobel eine besondere Rolle ein. Sie stiegen 1873 ins Ölgeschäft ein und waren für einige revolutionäre Neuerungen verantwortlich, u. a. transportierten sie als erste Öl auf dem Schienenweg in speziell dafür entworfenen Tank-Waggons. Auf dem Kaspischen Meer bauten sie eine große Tankerflotte auf. Desgleichen waren Pipelines und die Lagerung von Öl in großen Mengen Innovationen, die auf sie zurückgingen. Zwischen 1897 und 1907 wurde die damals längste Ölpipeline der Welt zwischen Baku und Batum am Schwarzen Meer gebaut. Die Bankiersfamilie der Rothschilds trat ebenfalls in das Great Game ein. Für Anteile an den Ölfeldern Bakus finanzierten sie eine Eisenbahnverbindung zwischen Baku und Batum am Schwarzen Meer. Dadurch wurden die Transportkosten drastisch reduziert und das kaspische Öl noch günstiger auf dem Weltmarkt. Dieser Schritt brach die globale Dominanz der Standard Oil endgültig.“ (10)

Weitere Konkurrenz für Rockefellers internationale Vorherrschaft erwuchs durch die beträchtlichen Ölförderquoten, die „in Holländisch-Ostindien (dem heutigen Indonesien) … unter Leitung der Royal Dutch Company“ stattfanden. (11) Die Royal Dutch Company war 1890 von den holländischen Unternehmern Jean Baptiste August Kessler und Henri Deterding (einem späteren Hitler-Financier) unter Beteiligung des niederländischen Königshauses gegründet worden, um Kerosin auf Indonesien zu raffinieren. Im selben Jahr übernahm das Unternehmen von Marcus Samuel, die Shell Transport and Trading Company, die Verschiffung des Kerosins von Royal Dutch. 1892 führte Shell die erste Verschiffung des Südsee-Rohöls durch den neuen Suezkanal durch, womit Europas Industrie beliefert werden konnte. 1903 schlossen sich der Fernosthandel der schwedischen Nobels und der französischen Rothschilds – durch den niederländischen König Wilhelm III. finanziell begünstigt – mit Samuels Firma Shell Oil zusammen. Hieraus entstand schließlich Royal Dutch Shell, das weltgrößte Unternehmen überhaupt im Jahre 2009. (12)

Sodann sind die Hauptbeteiligten aufgezeigt, durch deren Aktivitäten sich der „Ölkrieg“ zutrug, bei dem „sich erbitterte Preiskämpfe mit Übernahmeversuchen oder großen Allianzen abwechselten.“ (13)

Vom Einstieg ins Bankengeschäft, der parallel dazu stattfand, zog Rockefeller immensen Nutzen, die seine Stellung daheim in den USA festigte. Der Impetus, im Bankengeschäft mitmischen zu wollen, bestand darin, „dass diese Financiers, die neue Macht-Liga in Amerika, eine Möglichkeit finden wollten, um in das … Zeitalter des Finanzkapitalismus (vorzustoßen). … Die Idee war, dass man jetzt Geld aus Geld machen konnte, im Gegensatz dazu, dass es nur mit Industrie-Interessen wie Stahl und Öl verbunden war – auch wenn die Rockefellers mit der Standard Oil Company und anderen Interessen eine erhebliche Menge an Geld gemacht hatten und dies auch weiterhin machen würden. Aber sie, und vor allem William Rockefeller, suchten nach einem Weg, Geld um des Gelds willen machen zu können und um ein Teil des ,Geld-Trusts‘ (Money Trust) in den frühen 1900er Jahren zu werden.“ (14)

Eine „erhebliche Menge an Geld“ machten die Rockefellers, indem sie zu dieser Zeit „Standard Oils heimische Geschäftspraktiken wie Verdrängungspreise, Geheimhaltung und Industriespionage“ anwandten, „um auch ausländische Ölfirmen zu übernehmen – vor allem jene in Europa, wo die Industrialisierung und Verstädterung eine stetig steigende Nachfrage nach Kerosin und Schmierölen stimulierte. Kerosin wurde bald zum wichtigsten in den USA produzierten Exportgut; und Standard Oil mit seinen europäischen Tochterfirmen wurde zum ersten modernen multinationalen Konzern.“ (15) Das Firmenimperium, das Rockefeller schuf, nahm derartige Auswüchse an, dass der Oberste Gerichtshof der USA 1911 in Bezug auf das Standard Oil-Kartell von einer „gefährlichen Verschwörung“ sprach, „die zum ,Schutz der Republik’ zerbrochen werden muss.“ (15)

Ähnlich wurde die Lage vom US-Kongress eingeschätzt:

„1914 wurde die Standard Oil im Congressional Record als ,Schattenregierung’ bezeichnet. Infolge des Antitrust-Urteils des Obersten Gerichtshofes wurde die monolithische Standard Oil in 38 neue Unternehmen aufgeteilt, darunter Exxon, Mobil, Amoco, Chevron und Arco; aber Rockefeller beherrschte sie weiterhin im Geheimen durch seine Aktienmehrheit.“ (16)

Begünstigt wurde der extreme Machtzuwachs, den Rockefeller aus seinen Geschäften ableiten konnte, überdies durch die zusätzlichen „neue(n) Möglichkeiten der Ölnutzung“, die in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts geschaffen wurden:

„Am Jahrhundertende tauchten die ersten Ölöfen sowie Ölbrenner für Fabriken, Züge und Schiffe auf, die alle von Standard Oil auf den Markt gebracht wurden. 1909 wurde dann bereits die Hälfte des geförderten Erdöls als Heizöl verkauft. Aber die bei weitem wichtigste neue Ölnutzung war die als Treibstoff des neuen Verbrennungsmotors, der in den 1870er Jahren von dem deutschen Ingenieur Nikolaus Otto entwickelt worden war.“ (17)

So wurde denn die Ölindustrie „in ungeheurer Geschwindigkeit zu einem machtvollen Markt mit globalen Dimensionen“, (18) der sich immer lukrativer gestaltete, zumal die Massenherstellung von Automobilen durch die elektrisch angetriebenen Fließbänder zunehmend kostengünstiger ausfiel. Mit der Elektrifizierung, die zeitgleich einsetzte, ergab sich eine weitere Entwicklung der Energienutzung, die zu einer grundlegenden Veränderung der bisherigen Lebensverhältnisse führte. Zur dominierenden Person auf dem Elektrizitätsmarkt der USA wurde J.P. Morgan, indem er nach Übernahme der Firma von Thomas Edison die General Electric Corporation gründete, welche noch heute zu den einflussreichsten Unternehmungen der Vereinigten Staaten zählt.

Im Verbund mit Morgan, der zeitweiligen Rivalitäten zum Trotz, und dem Bankhaus Kuhn, Loeb & Co., das später mit Lehman Brothers fusionierte, hatte Rockefeller zum Zeitpunkt, als Standard Oil „zerschlagen“ wurde, ohne ihm auch nur annähernd ein Leid anzutun, ein anderes, bis heute fortdauerndes Ziel erreicht, welches Robert A. Mundell „das wichtigste Ereignis des 20. Jahrhunderts nannte: die Schaffung der Federal Reserve als dem „Kreditgeber der letzten Instanz“ im Bankensystem der USA und als „das Vehikel zur Verbreitung des Dollars“. (19)

Vorangegangen war dieser Entstehung ein Richtungsstreit, der so alt war, wie die Vereinigten Staaten selbst, ja, im Grunde steuerte er den entscheidenden Anteil dazu bei, dass die amerikanischen Kolonien überhaupt einen revolutionären Krieg gegen das britische Mutterland provozierten. Freilich wird sich, wenn es um die Gründe geht, die zur Amerikanischen Revolution führten, gerne auf die Teezölle kapriziert, die das britische Parlament 1767 über seine dreizehn Kolonien in der Neuen Welt verhängte. Tee war zu dieser Zeit eine ungeheuer wertvolle Ware (ich komme darauf späterhin im Zusammenhang mit den Opiumkriegen zurück), und zweifelsohne trug der Beschluss, Zollgebühren auf die Einfuhr von Tee zu erheben, dazu bei, es unter den Bewohnern der Kolonien gründlich rumoren zu lassen. Vor diesem wichtigen, historisch gewordenen Hintergrund sollte jedoch nicht die Rolle vernachlässigt werden, die das Problem der Geldschöpfung unter dem Stichwort „Colonial Scrip“ für die Amerikanische Revolution spielte: sie ist nicht gleichzusetzen mit irgendwelchem nebensächlichen Brouillon, sondern stand als Zankapfel im eigentlichen Zentrum der gegenseitigen Animositäten. (20) Darauf muss an dieser Stelle kurz hinzuweisen erlaubt sein, denn immerhin gerieten die Vereinigten Staaten von Amerika seit dem Unabhängigkeitskrieg gegen Großbritannien und ihrer nachfolgenden Gründung im Jahre 1789 Schritt für Schritt zur dominantesten Nation, die der Globus je zu sehen bekam, und ihre Notenbank, die 1913 initiierte Federal Reserve, sollte dementsprechend zur einflussreichsten der Welt werden.

Diesen Kontext betreffend stellte ich einige Fragen an die finanzhistorische Forscherin Ellen Brown…

Papier-Scribs und Zentralbanken

…und bekam einige erhellende Antworten über US-amerikanische Historie im Schnelldurchlauf.

Ellen Brown, Anwältin fur Zivilrecht, hat mit dem 2007 erschienenen Buch The Web of Debt eines der wichtigsten Werke über die Federal Reserve und Währungspolitik der jüngsten Vergangenheit vorgelegt.

Ich setzte bei meinen Fragen an Ellen Brown an einer essentiellen Stelle an, und zwar in diesem Sinne:

Frau Brown, Zentralbanken spielen im gegenwärtigen Finanzsystem und seinem Krisenzustand eine entscheidende Rolle. Manche der Eigenschaften der Zentralbanken und der Entwicklungen, die uns an den Scheideweg geführt haben, an dem wir uns heute befinden, sind nicht neu. Genaugenommen sind sie sehr alt. In Ihrem Buch erläutern Sie einige grundlegende Elemente dieses Systems von ihren historischen Wurzeln her. Können Sie uns in diesem Zusammenhang ein wenig über ein wichtiges Ereignis aus dem Jahre 1694 erzählen? Was geschah in diesem Jahr in England unter Wilhelm von Oranien und warum ist es selbst in heutiger Zeit noch von Bedeutung?

Ellen Brown: In diesem Jahr wurde die Bank von England gegründet, die „Mutter aller Zentralbanken“. Genaugenommen gab es die erste Zentralbank in Schweden, aber die befand sich im Staatseigentum. Die Bank von England befand sich in Privatbesitz und ist der Ursprung des Systems, in dem privaten Bankern gestattet wird, ihre eigenen Banknoten als nationale Währung zu drucken und sie gegen Zinsen an die Regierung zu verleihen. Sie kamen damit durch, weil die Währung angeblich durch das Gold der Banken gedeckt war, aber entsprechend dem Mindestreservesystem wurden deutlich mehr Banknoten verliehen, als Gold zu ihrer Deckung vorhanden war. Die meisten dieser Banknoten wurden aus dem Nichts geschaffen.

Währenddessen fanden in den amerikanischen Kolonien recht gegensätzliche Geldexperimente statt. Der Grund für diese Experimente lag in der notorischen Knappheit von Edelmetallen in den Kolonien, insbesondere von Gold. Wie ging die Obrigkeit in den Kolonien mit diesem Problem um?

Ellen Brown: Sie gaben ihre eigenen allgemeinen Währungen aus in Form von „Berechtigungsscheinen“ (engl.: Scrip) aus Papier.

Eine prominente Figur bei all dem war Benjamin Franklin, der als „Vater des Papiergeldes” bezeichnet wird. Welche Idee stand hinter seiner Erfindung und warum stellte sie sich als recht erfolgreich heraus?

Ellen Brown: Er hat es nicht wirklich erfunden – er hat nur darüber geschrieben –, aber er war sehr enthusiastisch in Bezug auf das neue öffentliche Papiergeld und machte die Idee weithin bekannt. Die Innovation bestand darin, dass Geld von der Regierung kommt und im Grunde genommen eine Quittung für Güter oder Dienstleistungen darstellt, die man der Regierung gegenüber erbracht hat. Die Regierung gab Berechtigungsscheine entsprechend den Bedürfnissen des Handels aus. In Franklins Kolonie Pennsylvania gab die Regierung nicht nur Geld aus, sondern verlieh es auch durch seine regierungseigene Bank an die Wirtschaft. Da das Geld zur Regierung zurückkehrte, von wo es wieder in die Wirtschaft zurückfließen konnte, wurde als Ergebnis die Inflation verhindert, die in anderen Kolonien auftrat, in denen man neues Geld einfach druckte und ausgab, druckte und ausgab.

Der Erfolg des Colonial Scrip und die Reaktion darauf aus Großbritannien waren „ein Meilenstein“ der Amerikanischen Revolution. Darf ich fragen, warum das so war?

Ellen Brown: Das hat Thomas Paine so formuliert, weil die Revolution mit diesem neuen Papiergeld im Grunde finanziert – und gewonnen – wurde. Es war eine Weltpremiere: Ein Krieg gegen eine Großmacht wurde mit Schuldscheinen gewonnen. Das Recht, eigene Papier-„Scrips“ auszugeben, war auch ein wesentlicher Grund für den Krieg, nachdem King George die weitere Ausgabe von Colonial Scrip verboten hatte.

Nach dem Erfolg der Amerikanischen Revolution wurde 1791 die First Bank of the United States etabliert. Die einflussreichste Gestalt hinter dieser Gründung war Alexander Hamilton. Sein Hauptgegner war Thomas Jefferson. Worin lag der Unterschied zwischen ihren Standpunkten und warum hat sich Hamilton letztendlich gegenüber Jefferson durchgesetzt?

Ellen Brown: Hamilton, der erste Finanzminister der USA, sah sich gewaltigen Kriegsschulden gegenüber und hatte kein Geld, sie zu bezahlen, nachdem der Wert des Continental (der Paper Scrip der Übergangsregierung) zusammengebrochen war. Die Ursache hatte größtenteils in der massiven Geldfälschung der Briten gelegen, aber der neue Kongress war Papiergeld gegenüber so misstrauisch geworden, dass er das Recht zur Ausgabe nicht in der Verfassung regelte. Hamilton griff daher auf den Trick zurück, der in England angewandt wurde: eine in Privatbesitz befindliche Zentralbank, die ihre eigenen Banknoten verlieh. (21)

Diese Banknoten waren angeblich durch Gold gedeckt, aber dem Mindestreservesystem gemäß wurde ein Vielfaches dessen verliehen, was die Banken an Gold in ihren Tresorräumen hatten. Dieser Trick erlaubte es der Regierung, ihre Schulden loszuwerden und die Wirtschaft aufblühen zu lassen, aber das Ergebnis war das System privater Geldschöpfung durch Schulden, das wir heute haben. Jefferson sah die potentiellen Probleme und warnte vor ihnen, aber es war zu spät. Er war daran beteiligt zu verhindern, dass die Charta der First U.S. Bank erneuert wurde, aber Nathan Rothschild antwortete (angeblich), indem er den Krieg von 1812 herbeiführte und so Präsident Madison dazu zwang, der Second Bank of the United States die Charta zu erteilen.

Ein anderes wichtiges Thema in Ihrem Buch ist die Art und Weise, wie Abraham Lincoln während des Bürgerkrieges 1862-65 die Truppen der Union finanzierte. Können Sie die wesentlichen Elemente dessen beschreiben, was er tat, warum er es tat und wie letztendlich die Reaktion aussah, die er daraufhin aus England erhielt?

Ellen Brown: Er gab, nach dem Vorbild der amerikanischen Kolonisten, „Greenbacks” genannte Scrips aus. Dadurch vermied er es, sich bei den Banken hoch zu verschulden und es gelang ihm, den Krieg zu gewinnen. Es gibt allerdings Grund zu der Annahme, dass die Greenback-Lösung maßgeblich zu seiner Ermordung beigetragen hat.

Damit betreten wir das Gilded Age, das von Autor Jack Beatty nicht ohne Grund auch als das „Zeitalter des Verrats” bezeichnet wird. (22) Das war eine Ära, die von den „Räuberbaronen” wie den Rockefellers, den Carnegies, den Vanderbilts, den Morgans und den Harrimans beherrscht wurde. Diese Familien gewannen großen Einfluss. Warum sind sowohl das “Gilded Age” als auch die „Räuberbarone” heute noch immer wichtig, obwohl seitdem so viele Jahre vergangen sind?

Ellen Brown: Die Räuberbarone sind immer noch da, und sie üben jetzt viel mehr Einfluss auf die Regierung aus. Die beiden führenden Räuberbarone des Gilded Age waren J.P. Morgan und John D. Rockefeller. Ihre Banken sind jetzt vereint in den Bankengiganten JP Morgan Chase und Citibank. Zusammen mit Goldman Sachs und verschiedenen anderen bestimmen diese Banken heute im Kongress, wo es langgeht.

Wie Sie gerade gesagt haben, war einer der mächtigsten Männer unter all diesen Räuberbaronen John D. Rockefeller, der Gründer von Standard Oil , das als Unternehmen selbst so einflussreich wurde, dass es 1914 „im Congressional Record als ,die Schattenregierung’ bezeichnet wurde.” (23) Was waren die Hauptfaktoren dafür, dass Rockefeller so einflussreich werden konnte? Und ferner, ist der Einfluss der Familie Rockefeller jemals geschwunden?

Ellen Brown: Rockefellers Banken-/Öl-/Pharmakartell hat kleinere Konkurrenten gefressen und die Medien aufgekauft. John D. Rockefeller war an der Gründung des Council on Foreign Relations (CFR) und anderer heimlichtuerischer globalistischer Institutionen beteiligt, von denen man annimmt, dass sie heute international hinter den Kulissen die Fäden ziehen.

Über den Council on Foreign Relations wird späterhin noch zu sprechen sein. Bleiben wir vorerst beim Ausgangspunkt der Betrachtung, dem Streit ums Geld als rotem Faden der US-Geschichte. Zu diesem Sachverhalt befragte ich neben Ellen Brown auch den deutsch-amerikanischen Historiker und Wirtschaftsforscher F. William Engdahl.

Würden Sie als Historiker sagen, dass es eine übertriebene Aussage wäre zu sagen, dass die gesamte Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika bis zum Jahr 1913 die Geschichte des Kampfes einer Republik gegen eine Zentralbank ist, die sich hochkonzentriert in den Händen von ein paar Männern befindet?

F. William Engdahl: Ich denke, das ist eine sehr interessante Möglichkeit, um diese Geschichte zu betrachten. Es gab die Gründung der ersten Bank der Vereinigten Staaten unter Alexander Hamilton, dem ersten Finanzminister. Viele, auch amerikanische Historiker, haben den Eindruck, dies sei eine nationale Bank gewesen, die der US-Regierung gehörte. Keineswegs war diese Bank-Mehrheit im Besitz der US-Regierung. Ein Minderheiten-Anteil der Aktien wurde durch die US-Regierung gehalten, aber die Hauptaktionäre waren private Banken-Interessen. Interessanterweise wurde einer der größten Aktienblöcke der Bank der Vereinigten Staaten durch das Haus Rothschild in London gehalten. Das, was die Briten während des Unabhängigkeitskrieges nach 1776 verloren, versuchten sie also durch die Hintertür durch den Besitz der Bank, die die US-Staatsverschuldung verwaltete, wieder zu erlangen. Die Charta dieser Bank wurde nicht erneuert, es gab erbitterte Kämpfe in der Geschichte darüber. Es wurde einige Jahre später eine zweite Bank der Vereinigten Staaten geschaffen und Andrew Jackson war als Präsident ein erbitterter Feind der Idee, dass die Schulden der Vereinigten Staaten von einem privaten Unternehmen gehandhabt werden sollten.

Und dann während des Bürgerkriegs gab Lincoln Greenbacks heraus. Das war eine Form von Papiergeld in einer Notsituation, aber was es bewerkstelligte, wenigstens teilweise, war, dass es die Kontrolle über die US-Schulden vorübergehend aus den Händen der Londoner und New Yorker Banken nahm. Das missfiel London in einem außergewöhnlichen Maß. Interessanterweise deuten die Hinweise, die über die Ermordung von Lincoln am Ende des Bürgerkrieges auftauchten, alle auf die Hand des Hauses Rothschild und der London City Banker, die durch Judah Benjamin, einem führenden Beamten der Konföderierten, den ganzen Mordanschlag von John Wilkes Booth auf Lincoln finanzierten. Judah Benjamin verschwand aus den Vereinigten Staaten nach dem Attentat und verbrachte den Rest seiner Jahre in England. Man kann also Rückschlüsse ziehen, wer ein Interesse an der Beseitigung von Lincoln hatte, obwohl wir es natürlich niemals endgültig wissen werden.

Die andere Sache war der Krieg von 1812. Ein sehr bizarrer Krieg, wenn man sich die amerikanische Geschichte anschaut. Die Briten begannen ihn mit ihren Schiffen vor der Küste von Washington und New Orleans. Sie fingen an, Washington zu bombardieren und erklärten den Krieg, und dann versuchten sie sich von Kanada aus nach unten zu bewegen. Und das war offenbar ein Racheakt der Londoner Banken für die Tatsache, dass der US-Präsident die Charta der Ersten Bank der Vereinigten Staaten auslaufen ließ und nicht erneuerte. Von daher hat viel von der Geschichte der Vereinigten Staaten bis 1913 mit diesem Kampf zu tun.

Auch die ganze Frage von Silber gegenüber Gold. Gold war etwas, das im Interesse des Hauses Morgan in New York und sicherlich der Londoner Banken lag, weil sie das Herz des Goldstandards der damaligen Zeit bildeten. Wenn also die Vereinigten Staaten auf einem Silberstandard oder auch nur einen zweigeteilten Metall-Standard gegangen wären, würde das erheblich die Macht der JP Morgan, Rothschild und deren Freunde in London, Barrings und andere, verringert haben. Sie kämpften erbittert gegen William Jennings Bryant, ein Mann, der für die Rede: „Du sollst nicht die Menschheit an einem Kreuz aus Gold kreuzigen“, berühmt wurde. (24) Aber sie besiegten die Silber-Fraktion im Wesentlichen durch allerlei Korruption und Manipulation und so weiter im Kongress. Sehr viel der amerikanischen Geschichte hat also mit diesen Kämpfen zu tun, ja. (25)

Das periodische Problem mit dem Geld

Beschäftigen wir uns mit diesen Erörterungen im Gepäck weiter mit dem Federal Reserve Act von 1913, bei dem die Interessen der Herren John D. Rockefeller und J.P. Morgan maßgeblich am Spiel beteiligt waren. Hierbei ist es unerlässlich, sich zumindest kurz mit folgender Gegebenheit auseinanderzusetzen: Nach den jeweils staatlich veranlassten Auflösungen der First Bank of America (1811 unter Präsident James Madison) und der Second Bank of America (1836 unter Präsident Andrew Jackson), kam es durch das ganze weitere 19. Jahrhundert sowie dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts hindurch immer wieder zu periodisch auftauchenden Krisen des US-amerikanischen Finanzsystems. Lassen wir uns diese „Ewige Wiederkunft des Gleichen“ von US-Historiker Howard Zinn erläutern, indem wir im Jahre 1873 einsetzen:

„1873 richtete eine weitere Wirtschaftskrise die Nation zugrunde. Es war die Schließung des Bankhauses Jay Cooke – jenes Bankers, der während des Krieges allein in einem Jahr 43 Millionen durch Kommissionen für den Vertrieb von Staatsanleihen verdient hatte –, die die Panikwelle los trat. Während Präsident Grant am 18. September 1873 in Cookes Haus in Philadelphia schlief, ritt der Banker in die Stadt, um seine Bank zu schließen. Die Menschen konnten nun ihre Hypotheken nicht bezahlen: fünftausend Unternehmen wurden geschlossen und setzten ihre Angestellten auf die Straße.

Es ging um mehr als Jay Cooke. Die Krise lag begründet in einem System, das seiner Natur nach chaotisch war und in dem nur die Reichen sicher waren. Es war ein System periodischer Krisen – 1837, 1857, 1873 (und später: 1893, 1907, 1919, 1929) –, das kleine Unternehmen hinwegfegte und der arbeitenden Bevölkerung Hunger, Kälte und Tod brachte, während die Vermögen der Astors, Vanderbilts, Rockefellers, Morgans in Krieg und Frieden, Krise und Aufschwung immer weiter anschwollen. Während der Krise von 1873 eroberte Carnegie den Stahlmarkt, Rockefeller beseitigte seine Konkurrenten im Ölgeschäft.“ (26)

Über all die Jahre hinweg, die Zinn erwähnt, kam es zu einem extremen Transfer der Vermögenswerte von unten nach oben, von Arm auf Reich – ganz besonders aber im so genannten „Gilded Age“, dem „Goldenen Zeitalter“ (circa 1875 – 1914), jener Ära der skrupellosen Unternehmer und Kreditgeber also, die als die „Räuberbarone“ in die Geschichte eingingen. Riesige Monopole entstanden im Stahl-, Eisenbahn, Öl- und Finanzsektor, die nach und nach miteinander verwoben wurden, um auf diese Weise nur noch mehr Gewinne einzufahren. Den Absprachen und Manipulationen waren Tür und Tor geöffnet.

Deshalb könnte es, bei allen Vorbehalten, im Hinblick auf die Krisen, die ewig wiederkehrten, um jeweils die „Räuberbarone“ obenauf zu finden, eine Überlegung wert sein, ob diese Krisen von betreffender Seite nicht gewollt waren oder doch zumindest ausgenutzt wurden. Bisweilen mag es ja vorkommen, dass eine Gruppe von Menschen zueinander findet, die ein Ziel vereint, welches von einer anderen Gruppe – nehmen wir als Beispiel eine Gesamtbevölkerung – nicht mitgetragen wird, sondern Ablehnung erfährt. Gleichwohl möchte die Gruppe 1 ihr Ziel partout erreichen. Da bietet es sich an, eine künstliche Krise zu schaffen, sodass die Gruppe 2 in echter Panik reagiert. Daran anschließend wird für die fingierte Krisensituation ein Lösungsmittel von Gruppe 1 präsentiert, das dem Ziel entspricht, welches sie von vornherein in die Tat umgesetzt sehen mochte. Gruppe 2 mag sich eine Zeit lang gegen den Ansatz, der ihm aufgezeigt wird, wehren; kehrt die künstlich erzeugte Krise allerdings immer und immer wieder zurück, könnte allmählich die Grundlage dafür geschaffen werden, dass die „Werbebotschaft“, die von Gruppe 1 (dem Sender) an Gruppe 2 (dem Empfänger) ergeht, irgendwann verfängt. Hat Gruppe 1 zum Beispiel die Massenmedien im Rücken, die die Meinungsbildung von Gruppe 2 prägen, so stehen die Chancen recht gut, dass eben dies auf Dauer gelingt.

Angewandt auf das Problem mit dem Geld könnte die Geschichte so gedeutet werden, dass die großen Unternehmer und Kreditgeber, die untereinander Geschäftsallianzen eingingen und sich gegenseitig bevorteilten, dem langfristigen Ziel nachgingen, eine Zentralbank zu kreieren, die zu wesentlichen Teilen ihnen gehören sollte. Jedenfalls existierte keine Zentralbank in den USA, die das Geldmonopol innehatte, und die Mehrheit der amerikanischen Bevölkerung lehnte es über die Jahrzehnte ab, sich mit der Etablierung einer solch machtvollen Institution einverstanden zu geben. Angesichts der stetig wiederkehrenden Bankenkrisen wurde ihr jedoch in ebenso stetig wiederkehrender Weise die Idee nahe gebracht, dass eine Zentralbank in der Lage wäre, solchen Krisen vorzubeugen, indem sie, einmal geschaffen, den privaten Geschäftsbanken als Kreditgeber in einem elastischeren Kreditsystem beispringen könnte, um sie vor der Zahlungsunfähigkeit zu bewahren.

Stellvertretend seien hierfür die Einschätzungen von zwei in Amerika tätigen Bankern wiedergegeben, die ursprünglich aus Deutschland stammten. Da war zum einen Paul Moritz Warburg vom Bankhaus Kuhn, Loeb & Co., der vor der New Yorker Handelskammer 1906 warnte:

„Ich möchte keine Kassandra sein, aber denken Sie an meine Worte: Wenn sich die Dinge nicht bald ändern, wird über dies Land eine Börsenpanik hereinbrechen, gegen die sich alle früheren als harmlos ausnehmen werden.“ (27)

Und da war zum anderen Jacob H. Schiff, ein in Frankfurt am Main geborener Banker, der Kuhn, Loeb & Co. leitete (und mit Paul Warburg familiär verbandelt war). Vor der Handelskammer in New York warb er zu Beginn des gleichen Jahres zur Vermeidung einer Finanzkrise für eine „elastische Währung“ und ein demgemäß zurechtgeschnittenes Bankensystem, womit er einen Plan anklingen ließ, von dem ihm Paul Warburg erstmals 1903 erzählt hatte. Alsbald wurde von James Stillman und Frank A. Vanderlip, die beide bei der National City Bank of New York arbeiteten, eine Kommission der New Yorker Handelskammer gebildet, die Vorschläge im Sinne von Schiff (und damit von Paul Warburg) erarbeiten und vorlegen sollte.

Der Kommissionsbericht wurde der New Yorker Handelskammer im Oktober 1906 übergeben. Murray N. Rothbard schreibt darüber in seiner Abhandlung zu den Ursprüngen der Federal Reserve:

„Um Instabilitäten und die Gefahren einer unelastischen Währung zu beseitigen, forderte die Kommission die Schaffung einer ,zentralen Notenbank unter der Kontrolle der Regierung.‘ Im Einklang mit anderen Bank-Reformern wie Professor Abram Piatt Andrew von der Harvard-Universität, Thomas Nixon Carver von Harvard, und Albert Strauss, Partner von JP Morgan and Company, verhöhnte die Kommission den Versuch von Finanzminister Shaw, das Treasury als Zentralbank zu verwenden. Shaw war insbesondere angewidert, da er immer noch darauf insistierte, … dass das Schatzamt unter seiner Ägide eine ,großartige Zentralbank‘ gebildet habe. Die Kommission verurteilte das Treasury zusammen mit den anderen Reformern für die Überinflationierung, indem es die Zinsen zu niedrig hielt; eine Zentralbank hingegen hätte viel größeres Kapital und unbestrittene Kontrolle über den Geldmarkt, und wäre so in der Lage, den Diskontsatz effektiv zu manipulieren, um die Wirtschaft unter angemessener Kontrolle zu halten. Der wichtige Punkt, erklärte der Ausschuss, ist der, dass es eine ,Zentralisierung der finanziellen Verantwortung‘ gäbe. … Nach der Erstellung und Veröffentlichung dieses ,Währungsreports‘, verwendeten die Reformer den Bericht als Hebel für den Ausbau der Agitation für eine Zentralbank und weitere Notenausgabebefugnisse für andere Unternehmen und Finanzinstitute.“ (28)

Wenig später sagte Jacob Schiff Anfang 1907 abermals vor der Handelskammer in New York:

„Wenn wir über keine Zentralbank mit adäquater Kontrolle über die Kreditquellen verfügen, wird dieses Land die schwerste und weitreichendste Geldpanik in seiner Geschichte erleben.“ (29)

So geschah es denn auch im Zuge der großen Bankenpanik, die im Oktober 1907 die USA erfasste. Wobei diese „selbstverschuldete, unnötige Panik“ mutmaßlich auf eine Manipulation zurückging, die von J. P. Morgan gesteuert gewesen scheint. (30) Zumindest, soviel ist gesichert, waren Morgan und die anderen miteinander verbundenen „Big Money Boys“ am Ende allemal die Profiteure des Ganzen.

Der fragliche Vorgang war kurz gefasst dieser: Nachdem ein äußerst waghalsiges, von der Vermögensverwaltungsgesellschaft Knickerbocker Trust Company mitfinanziertes Spekulationsgeschäft gescheitert war, bei dem die United Copper Company im Mittelpunkt stand, kamen Gerüchte auf, denen zufolge die in New York City beheimatete Knickerbocker Trust Company kurz vor dem Zusammenbruch stünde. Die alarmierten Anleger, die die Gerüchte für „bare Münze“ nahmen, eilten zu Tausenden zur Knickerbocker-Zentrale, um die Auszahlung ihrer Guthaben zu erwirken. Diesen Kundenwünschen konnte jedoch nicht in dem verlangten Umfang entsprochen werden, was bedeutete, dass Knickerbocker schließen musste. Aufgrund der vielfachen Geschäftsverbindungen, die unter den New Yorker Banken und anderen Vermögensverwaltungsgesellschaften bestanden, begann sich erhöhte Panikstimmung breit zu machen, die nicht zuletzt von der New York Times angeheizt wurde, indem jene verbreitete, dass auch die Trust Company of America dem Untergang geweiht wäre.

Der Ansturm auf die Banken in New York wuchs mit jeden Tag und weitere Finanzinstitute mussten dichtmachen, da die Kontoguthaben nicht durch entsprechende Reserven gedeckt waren. Alsbald gerieten immer mehr Menschen in Angstzustände, Aktieninhaber stießen durch „Cash Calls“ ihre Anteile zur Geldbeschaffung ab, die New Yorker Börse verzeichnete extremste, bis dahin nie gesehene Einbußen, die Großbanken kündigten langfristig vergebene Kredite gegenüber kleineren Banken auf, die daraufhin erst recht der Reihe weg zusammenbrachen. In der Folge zog eine Pleitewelle durchs ganze Land, die die Realwirtschaft zum Erliegen brachte. Das Krisenmanagement übernahmen unterdessen insbesondere J. P. Morgan und Benjamin Strong, der damalige Vorsitzende der Bankers Trust Company (und später der erste Vorstandsvorsitzende der New Yorker Federal Reserve). Ihnen und ihren Partnern wird bis heute zugute geschrieben, die Panik mit ihren Gegenmaßnahmen gestoppt zu haben. So dankte Präsident Theodore Roosevelt im Anschluss „jenen konservativen und gehaltvollen Geschäftsmännern, die in der Krise mit Weisheit und Gemeinsinn gehandelt haben.“ (31)

Der Historiker Frederick Lewis Allen kam später zu anders gelagerten Schlüssen, was die Rolle J. P. Morgans bei der Bankenpanik betraf. Im „Life-Magazine“ vom 25. April 1949 schrieb Allen über Morgans Teilhabe „an der Verbreitung von Gerüchten über die Insolvenz der Knickerbocker Bank und der Trust Company of America, die die Panik von 1907 auslösten. Als Antwort auf die Frage: ,Hat Morgan die Panik verursacht?’, berichtet Allen:

,Oakleigh Thorne, der Präsident dieses speziellen Unternehmens des Trusts, sagte später vor einem Kongressausschuss aus, seine Bank sei nur mäßig von Abhebungen betroffen gewesen…habe nicht um Hilfe ersucht und es sei allein die Äußerung (Morgans) über den ,wunden Punkt’ gewesen, die den Run auf seine Bank ausgelöst habe. Aufgrund dieser Aussage, der Disziplinarmaßnahmen, die vom Clearinghouse gegen die Heinze-, Morse- und Thomas-Banken verhängt wurden und anderer angeblich einschlägiger Beweissplitter, sind gewisse Chronisten zu der raffinierten Schlussfolgerung gelangt, dass Morgans Interessen die ungewissen Verhältnisse im Herbst 1907 dazu ausnutzten, die Panik herbeizuführen und ihren Verlauf in geschickter Weise zu lenken, sodass sie rivalisierende Banken vernichtete und die Vormachtstellung der Banken aus Morgans Dunstkreis festigte.’

Die ,Panik’, die Morgan geschaffen hatte, beendete er anschließend beinahe im Alleingang. Er hatte seine Botschaft überbracht, erklärt Frederick Allen:

,Die Lehre aus der Panik von 1907 war klar, obwohl es noch weitere sechs Jahre dauerte, bis sie ihren Niederschlag im Gesetz fand: die Vereinigten Staaten benötigten dringend ein Zentralbankensystem…’“ (32)

Auf die Frage, wer von der Bankenpanik 1907 Nutzen zog, gab mir die Finanzjournalistin Nomi Prins, die den Sachverhalt in ihrem Buch All the Presidents‘ Bankers behandelt, diese Antwort:

Nomi Prins: Der wahre Nutznießer der Panik von 1907 war natürlich J.P. Morgan, der die Morgan Bank zu der Zeit leitete und der Schlüssel-Beeinflusser und Wirtschafts-Vertraute von Präsident Teddy Roosevelt war, der ihm die durch das Weiße Haus und das Finanzministerium gedeckte Macht und Entscheidungsfähigkeit gab, um zu entscheiden, welche Banken bei der Bankenpanik von 1907 leben und welche Banken sterben würden; und das war, was Morgan tat.

Er entschied sich, die Banken zu unterstützen, die mit ihm in irgendeiner Weise verbunden waren, ob sie nun von seinen Freunden oder Kollegen oder Beziehungen geführt wurden oder in denen er nur finanzielle Interessen laufen hatte. Nach der Panik von 1907 waren es wirklich die Morgan-Familie, die Familie Stillman, die die National City Bank führte, die Bakers, die die First National City Bank leiteten (und diese beiden Banken wurden schließlich das, was wir heute als Citigroup kennen, die heutzutage eine der großen sechs Banken ist, wie natürlich auch Morgan noch heute in Form von JP Morgan Chase existiert, eine weitere der sechs großen Banken). Der Nutzen ging wirklich an Morgan und es half ihn zuversichtlich zu machen, dass er das Schiff für die Gründung der Federal Reserve lenken würde, die DIE Bank für die Großbanken wurde. (33)

Nachdem die Panik abebbte, setzte mit neuem Schwung die „Bearbeitung“ der öffentlichen Meinung mittels der Massenmedien der damaligen Zeit ein, sprich der Zeitungen. Diese befanden sich in erklecklichem Ausmaß unter Kontrolle jener soeben angesprochenen „konservativen und gehaltvollen Geschäftsmänner“. In diesem Zusammenhang ist es statthaft, aus einer Rede von John Swinton, einem ehemaligen Herausgeber der „New York Times“, zu zitieren, um aufzuzeigen, was das für den Inhalt hieß, der in den meisten Zeitungen verbreitet wurde. Swinton sagte „anlässlich seiner Verabschiedung nach einem erfüllten Berufsleben vor vielen geladenen Journalisten“ im Jahre 1880:

„Es gibt zu dieser Zeit in der Weltgeschichte in Amerika keine solche Sache wie eine unabhängige Presse. Sie wissen das, und ich weiß es. Es gibt nicht einen von Ihnen, der es wagt, seine ehrliche Meinung zu schreiben, und wenn Sie es würden, wissen Sie im Voraus, dass sie nie im Druck erscheinen würde. Ich werde wöchentlich dafür bezahlt, meine ehrliche Ansicht aus der Zeitung, mit der ich verbunden bin, herauszuhalten. Andere von Ihnen erhalten ähnliche Vergütungen für ähnliche Dinge, und jeder von Ihnen, der närrisch genug wäre, ehrliche Meinungen zu schreiben, würde sich auf der Straße wieder finden, um sich nach einer anderen Arbeit umzusehen. (…) Wir sind die Werkzeuge und Vasallen reicher Männer hinter der Szene. Wir sind die Hampelmänner, sie ziehen die Fäden, und wir tanzen.“ (34)

Weiters muss in Rechnung gesetzt werden, dass den „Big Money Boys“ nicht nur große Teile der Medienlandschaft gehörten, sondern dass sie auch Universitäten gründeten und finanzierten, das Schul- und Bildungssystem beeinflussten, und auf diesem Wege, als respektable „Philanthropen“ auftretend, zusätzliche Macht über die Meinungsbildung der Bevölkerung erlangten. (35)

Seitens der praktischen Politik wurde am 30. Mai 1908 als Reaktion auf die Panik von 1907 vom US-Kongress der „Aldrich-Vreeland Act“ verabschiedet, mit dem eine Nationale Währungskommission ins Leben gerufen wurde, um die Ursachen der Bankenpanik zu untersuchen und Vorschläge abzuliefern, wie dergleichen zukünftig zu verhindern sei. Vorsitzender dieser Kommission war Nelson Aldrich, Senator aus Rhode Island und Schwiegervater des Sohnes von John D. Rockefeller. Außerdem ermöglichte es der „Aldrich-Vreeland Act“ den nationalen Banken, nationale Währungsvereinigungen zu gründen, um bei dringendem Bedarf Geld drucken zu können.

Als Vorsitzender der Nationalen Währungskommission führte Aldrich ein Expertenteam an, das in Europa das dortige Zentralbankensystem studierte. Wieder zurückgekehrt, lud Aldrich – auch bekannt als Wall Street Senator, „ein Sprecher des Big Business und der Banken“ (36) – schließlich im Jahre 1910 zu einem bemerkenswerten Treffen nach Jekyll Island an der Küste Georgias. In einem dortigen Anwesen, das teilweise J. P. Morgan gehörte, dem Jekyll Island Club, fand sich im November 1910 bei mildem Sudstaatenklima eine illustre Runde ein, die es auf strengste Geheimhaltung abgesehen hatte:

– Senator Nelson Aldrich;
– Abraham P. Andrew (Staatssekretär des US-Finanzministeriums);
– Paul M. Warburg (Teilhaber von M.M. Warburg & Co., Partner bei Kuhn, Loeb & Co., sowie „ein Repräsentant der Rothschild-Bankendynastie in England und Frankreich“ (37));
– Benjamin Strong (Präsident der Bankers Trust Company);
– Charles D. Norton (Präsident der First National Bank of New York);
– Frank A. Vanderlip (Repräsentant der National City Bank of New York);
– Henry P. Davison (Repräsentant der J. P. Morgan Company und Gründer der Bankers Trust Company).

Den geheimen Charakter dieser Zusammenkunft auf Jekyll Island beschrieb Bertie Charles Forbes, der Gründer des „Forbes Magazine“, Jahre später dergestalt:

„Stellen Sie sich eine Gruppe der berühmtesten Banker unserer Nation vor, wie sie sich aus New York im Schutze der Dunkelheit in einem Privat-Waggon davonstehlen, heimlich Hunderte von Meilen Richtung Süden eilen, ein geheimnisvolles Hafenboot besteigen, sich davonstehlen auf eine Insel, die bis auf wenige Diener verlassen war, um dort eine ganze Woche unter solch strenger Geheimhaltung zu leben, dass der Name keines einzigen von ihnen je genannt wurde, damit die Dienerschaft die Identität nicht herausbekommen konnte und der Welt die Geschichte dieser seltsamsten und geheimnisvollsten Expedition in der Geschichte der amerikanischen Finanzwelt zu enthüllen.

Ich fabuliere nicht. Ich berichte der Welt zum ersten Mal die wahre Geschichte, wie der berühmte Wahrungsbericht von Aldrich, die Grundlage unseres neuen Wahrungssystems, geschrieben wurde.“ (38)

Weshalb sahen sich diese gestandenen Männer, die auf Jeckyll Island zusammenkamen, veranlasst, eine derart hohe Geheimhaltung zu wahren? In einem Beitrag, der erst sehr viel später am 9. Februar 1935 in der „Saturday Evening Post“ erschien, gab einer der Beteiligten, Frank A. Vanderlip, diese Antwort:

„Ungeachtet meiner Ansichten über den gesellschaftlichen Wert größerer Öffentlichkeit für die Angelegenheiten von Unternehmen gab es eine Gelegenheit, etwa zum Jahresende 1910, als ich so geheimnisvoll, ja geradezu geheimnistuerisch wie ein Verschwörer handelte…Enthüllung, das wussten wir, durfte nicht geschehen, sonst wären all unsere Zeit und Anstrengung vergeudet. Wäre es öffentlich geworden, das ausgerechnet diese Gruppe von Menschen zusammengekommen war, um ein Bankgesetz zu formulieren, hätte es nicht den Hauch einer Chance gehabt, durch den Kongress zu kommen.“ (39)

Rufen wir uns kurz die schon einmal erwähnte Definition einer „Verschwörung“ ins Gedächtnis zurück: „Eine Verschwörung ist nichts anderes als eine geheime Übereinkunft einer Reihe von Männern zur Verfolgung von Vorhaben, die sie sich in der Öffentlichkeit nicht zuzugeben trauen.”

Voilà!

In der Tat schreibt Ron Chernow, der offizielle Biograph der Familie Warburg, im Zusammenhang mit dem „in aller Abgeschiedenheit“ abgehaltenen Treffen auf Jekyll Island ebenfalls von der Notwendigkeit der Geheimhaltung – die die Teilnehmer auf Jahre wahrten. „Lange bestritten die Verschwörer, dass ein solches Treffen stattgefunden hatte. Noch 1928 schrieb Paul, der sich nach wie vor an das Schweigegelöbnis hielt: ,Obwohl achtzehn Jahre vergangen sind, fühle ich mich nicht berechtigt, eine Beschreibung dieser äußerst interessanten Besprechung zu liefern, denn Senator Aldrich hat allen Teilnehmern strenges Stillschweigen auferlegt.‘“ (40) Ferner weist Chernow darauf hin, dass Jekyll Island ein im November „völlig verlassener Ort“ war, „und daher für heimliche Zusammenkünfte wie geschaffen.“ (41)

Auf dem Weg nach Jeckyll Island

Nach allem, was man über die Geschehnisse auf Jeckyll Island weiß, gingen die Details des Plans, der dort ausgearbeitet wurde, um zunächst den Titel „Aldrich Bill“ zu tragen, auf Paul Warburg zurück, einem Spross der Hamburger Bankiersfamilie Warburg, dessen Bruder Max, der spätere Vorstand der Deutschen Reichsbank, zu jener Zeit Finanzberater des deutschen Kaisers Wilhelm II. war. Paul Warburg war fest integriert in der New Yorker Investmentbank Kuhn, Loeb & Co. und mit dem europäischen Zentralbankensystem bestens vertraut. Insbesondere war er bewandert, was den Aufbau und die Funktionsweise der Deutschen Reichsbank anging. Im Januar 1907 veröffentlichte Warburg zwei Artikel, in denen er sich offen für eine Zentralbank in den USA aussprach. Er hob hervor, „dass eine der wichtigsten Funktionen einer solchen Bank die Verwendungseinschränkung der Bankaktiva zur Expansion der Bankeinlagen sein würde“. (42) Außerdem sollte es der Zentralbank erlaubt sein, Wechselpapiere von den Banken verlangen zu können oder einen Wechselmarkt in den USA zu gründen. „Als die Federal Reserve gegründet wurde, rühmte sich Warburg seiner entscheidenden Rolle beim Überzeugen der Fed, einen Wechselmarkt in den Vereinigten Staaten durch die Vereinbarung zu gründen, alle Wechselpapiere von wenigen großen Banken zu subventionierten Preisen zu kaufen.“ Rothbard meint, dass hierdurch dem Börsencrash von 1929 ein Weg geebnet wurde, und es sei sicherlich kaum rein zufällig gewesen, dass Warburg als Vorstandsvorsitzender der International Acceptance Bank (die 1929 von der Manhattan Company übernommen wurde) und als Direktor der Westinghouse Acceptance Bank sowie als Gründer des American Acceptance Council zum Hauptnutznießer dieser Neu-Regelung wurde. (43)

Doch das stellte 1907 noch alles Zukunftsmusik dar, als Warburg das nächste Mal am 12. November als Advokat einer amerikanischen Zentralbank vor einer größeren Öffentlichkeit in Erscheinung trat, und zwar via eines Beitrags in der „New York Times“, der den Titel „Schwächen unseres Bankenwesens und was dagegen zu tun ist“ trug. (44)

„Anstelle der durch Staatspapiere gestützten Banknoten favorisierte er eine auf Gold und Handelswechsel gegründete elastische Währung, bei der die Geldmenge parallel zum jeweiligen Konjunkturzyklus zu- und abnehmen kann. … Auch die sogenannte Diskontpolitik war in Amerika unbekannt. Banken, die Schuldverschreibungen von Unternehmen annahmen, legten sie ins Portefeuille, statt sie in Form flüssiger Mittel auf den Markt zu bringen. Paul wollte eine Zentralbank schaffen, die Handelswechsel rediskontierte – das heißt, dass sie diese in Notfällen von örtlichen Banken übernahm und ihnen dafür flüssige Mittel zu Verfügung stellte, die sie den Hinterlegern auszahlen konnten.“ (45)

Dadurch, dass die Diskontpolitik später mit dem Federal Reserve Act tatsächlich ermöglicht wurde, wurden die New Yorker Banken in die Lage versetzt, der Konkurrenz in der City of London den Platz Nummer eins in der globalen Finanzwelt ernsthaft streitig zu machen.

Im Dezember 1907 traf Warburg erstmals auf Senator Aldrich, der von seinem Fachwissen, wie die Reichsbank Schatzwechsel ausgab, sehr beeindruckt war. Anfang 1908 begann Warburg sodann eine Vortragsreihe zu halten, die sich dem Thema der zurückliegenden Panik und der Frage, wie sie hätte verhindert werden können, widmete. Wenig später verabschiedete der Kongress im Mai 1908 den „Aldrich-Vreeland Act“, wodurch Warburg „unversehens in die Wirren der amerikanischen Politik (geriet): Die Vorlage verlangte die Einrichtung eines nationalen Währungsausschusses zur Bewertung ausländischer Bankensysteme, der dem Kongress einen Bericht vorlegen sollte und als dessen Vorsitzender Senator Nelson Aldrich in Betracht gezogen wurde. Da dieser aber nicht über die erforderlichen Detailkenntnisse im Bankwesen verfügte, stützte er sich weitgehend auf Pauls Fachwissen.“ (46)

Zusammen mit den anderen Ausschussmitgliedern und Senator Aldrich brach Paul Warburg zu einer Bildungsreise gen Übersee auf, um das europäische Zentralbankensystem zu studieren, deren Exponenten in London, Paris und Berlin allesamt private Institutionen darstellten. Seine Überlegungen, die vom herkömmlichen Aufbau der genannten Zentralbanken abwichen, lauteten: „Obwohl Paul eine starke Zentralbank befürwortete, war ihm klar, dass man deren Vollmachten aufgrund des Drucks der Öffentlichkeit beschneiden musste.“ (47) Daraus leitete sich ab, dass sich Warburg für eine Zentralbank mit Zweigstellen engagierte, „in der Annahme, dass dieser Vorschlag mehr Zustimmung finden werde.“ (48)

Mit der Kommission wollte man ferner erreichen, dass die eher unpopuläre Angelegenheit weitestgehend aus dem politischen Geschehen herausgehalten wurde – wie sich Senator Aldrich ausdrückte: „Meine Vorstellung ist natürlich, dass alles in der stillsten möglichen Weise getan werden soll und ohne jede öffentliche Verlautbarung.“ (49)

Rothbard schreibt, dass die Kommission durch Aldrich von vornherein „als eine Allianz von Rockefeller-, Morgan- und Kuhn, Loeb-Leuten“ geplant wurde. (50)

Sein oberster Berater war denn auch der Gründer der Bankers Trust Company, Henry P. Davison. Zudem reiste James Stillman mit, der Vorsitzende der National City Bank, der engste Kontakte zu Morgan und den Rockefellers unterhielt. Ein weiterer Berater, den Aldrich berief, war der Harvard-Ökonom Abraham Piatt Andrew, der die eigentliche Forschungsarbeit leitete. Überdies stellte Jacob Schiff Empfehlungsschreiben für Paul Warburg und Senator Aldrich aus, um ihnen exklusive Türen in Übersee zu öffnen. (51)

Nach der Bildungsreise, die in zwei Etappen erfolgte, ging die Planung für eine US-Zentralbank im November 1910 mit einer Währungskonferenz in New York City in ein neues Stadium über. Die Mitglieder der Kommission waren Ehrengäste der Veranstaltung, an der „eine große Anzahl von Ökonomen, Währungsanalysten und Repräsentanten der meisten Top-Banken des Landes (teilnahmen).“ Dazu gehörten Frank Vanderlip, Elihu Root, Thomas W. Lamont, Jacob Schiff und J.P. Morgan. „Die formellen Sitzungen der Konferenz wurden um Arbeitspapiere von Kemmerer, Laughlin, Johnson, Bush, Warburg und Conant organisiert, und die allgemeine Atmosphäre war, dass die Banker und Geschäftsleute die generelle Empfehlung der beiwohnenden Gelehrten annahmen.“ (52)

Unmittelbar nach der Konferenz „war es nunmehr Zeit für Aldrich, sich von ein paar der obersten Führungsleute der Finanzelite umfangen in Abgeschiedenheit zu begeben und einen detaillierten Plan auszuarbeiten, um den sich alle Teile der Zentralbankbewegung scharen konnten.“ (53) Rothbard legt nahe, dass es wahrscheinlich Henry P. Davison war, der den Einfall hatte, eine kleine Gruppe von Top-Führungskräften zu einer super-geheimen Konklave einzuberufen, um das Gesetz für eine Zentralbank zu entwerfen. Dass die Wahl für den Ort des Geschehens auf Jekyll Island fiel, war letztlich einer Improvisation geschuldet, wie mir Nomi Prins anhand ihrer Recherchen für das Buch All the Presidents‘ Bankers berichtete:

„Es war die Mitgliedschaft von J.P. Morgan, wie ich in dem Buch beschreibe, die es ihnen erlaubte, sich überhaupt auf Jekyll Island treffen zu können. Dies war ein sehr exklusiver Club zu der Zeit; man musste Mitglied sein. Keine dieser Personen war Mitglied, und J.P. Morgan war nicht bei dem Treffen dabei, das stattfand.

Tatsächlich plante Nelson Aldrich noch nicht einmal, nach Jekyll Island zu gehen oder darum zu bitten; er wollte, dass diese Sitzungen auf seinem Anwesen in Rhode Island stattfinden würden, gewiss immer noch weg von der Öffentlichkeit, aber auch, um auf seinem eigenen Anwesen zu sein, das nördlich von New York und sicherlich nördlich von Georgia lag, was dort ist, wo sich Jekyll Island befindet. Aber er wurde von einem Straßenbahnwagen in Manhattan in New York City getroffen, während er dort zu Besuch war, um mit Morgan und einigen anderen Leuten über diese ganze Idee zu sprechen. Er befand sich noch auf dem Wege der Besserung und war sich nicht sicher, ob er überhaupt hingehen würde, und das war der Zeitpunkt, als J.P. Morgan vorschlug, in dieses Gebiet zu gehen, um dies zu erledigen, und die Einladung gab. Viele Vorkehrungen wurden auf Jekyll Island getroffen, um diese Menschen kommen zu lassen, weil es immer noch November war; es war noch keine Saison. Jekyll Island war im Dezember und Januar in Saison, wenn alle reichen Familien für den Urlaub kommen, und all die reichen Männer reden und all die reichen Damen und Kinder herumhängen und spielen würden.

Aber dieses Treffen geschah wegen J.P. Morgan und auch Nelson Aldrich, dessen Sohn Winthrop Aldrich der Chef der Chase Bank für zwei Jahrzehnte wurde, und dessen Großneffe, David Rockefeller, auch der Chef der Chase für zwei Jahrzehnte wurde, und dessen anderer Großneffe, Nelson Rockefeller, wurde der viermalige Gouverneur von New York. Diese Familienlinie, die in dieser Zeit der Federal Reserve begann, war bis vor kurzem also ebenfalls evident.

Das Interesse der Banker bestand in der Sicherstellung, dass es in einer Paniksituation eine Federal Reserve gäbe, die die Banken absichern würde, so dass es zu keiner größeren Krise käme, und dass sie nicht ihr eigenes Geld einsetzen oder herumschnorren müssten, um herauszufinden, wie man sich selbst oder ihr System rettete. Das war der Anstoß für die Fed – eine konsolidierte Entität zu haben, die in der Lage war, Währung schöpfen zu können, um sie in Panikzeiten zu unterstützen. Und von der amerikanischen Regierungssicht betrachtet, von William Taft, der der Präsident nach Teddy Roosevelt war, und Woodrow Wilson, der Präsident nach ihm – sie beide glaubten, dass eine Federal Reserve erforderlich war – und das ist nicht das, was oft in Geschichte diskutiert wird, aber es ist in meinem Buch –, um die Macht Amerikas im neuen Jahrhundert zu fördern. Diese Idee, eine konkurrenzfähige Zentralbank zu haben, die sich mit den Privatbanken deckte, war etwas, das diesen Präsidenten beider Parteien sehr wichtig war; beide hatten sehr starke persönliche Verbindungen zu den Morgans, zu den Aldrichs und den Rockefellers und zu anderen Familien, die den Geld-Trust zu der Zeit lenkten.“ (54)

Unter dem Stichwort der „Förderung amerikanischer Macht im neuen Jahrhundert“ schreibt Prins in ihrem Buch All the Presidents‘ Bankers:

„Offiziell ist die Federal Reserve als Reaktion auf die Panik von 1907 und früheren gegründet worden. Aber ihre Hauptaufgabe war es, den Rang der Vereinigten Staaten in globalen Finanzaktivitäten im Vergleich zu europäischen Zentralbanken zu erhöhen, und als ein Ergebnis dessen die amerikanische Banker-Dominanz daheim wie in Übersee zu stärken. Sie diente als die doppelte Rolle der Verewigung der Macht des Präsidenten und die der Banker, und als solche, trotz der publizierten Meinungsverschiedenheiten in der Sache, diente sie der Allianz der beiden.“ (55)

Die entscheidende, weil nunmehr konkret werdende Phase auf dem Wege dorthin begann am 22. November 1910, als die Gruppe ihre geheimniskrämerische Reise in Richtung Jekyll Island startete.

Frank Vanderlip, der während der folgenden zehn Tage als Repräsentant der National City Bank of New York dem Geschehen auf Jekyll Island beiwohnte, nannte die Zusammenkunft später „das anregendste geistige Erlebnis seines Lebens“. (56)

Der einzige strittige Punkt, der im Jekyll Island Club zutage trat, war der, dass Aldrich schlicht auf eine „Zentralbank nach europäischem Modell“ erpicht ward, „wohingegen Warburg und die anderen Banker darauf bestanden, dass die Realität der zentralen Steuerung von der politisch schmackhaften Tarnung ,Dezentralisierung‘ verhüllt werden sollte. Es ist amüsant, dass die Banker die politisch Scharfsinnigeren waren, während der Politiker Aldrich auf politische Überlegungen verzichten wollte. Warburg und die Banker siegten, und der endgültige Entwurf war im Grunde der Warburg-Plan mit einer dezentralen Patina, die von Morawetz übernommen wurde.“ (57)

Scharade

Nach dem Treffen auf Jekyll Island hätte Senator Aldrich eigentlich in Washington intern einen Bericht dazu vorlegen sollen; da er aber noch immer nicht ganz genesen war, übernahmen diese Aufgabe stattdessen Frank Vanderlip und Henry Davison. (58)

Der „Aldrich Bill“, der auf dem „abgeschiedenen Schlupfwinkel in Georgia” ausgearbeitet wurde, sah die „Schaffung einer Nationalen Reserve-Vereinigung mit fünfzehn Großregionen” vor, „gelenkt von einem Direktorium aus Geschäftsbankern, aber von der Bundesregierung ermächtigt, wie eine Zentralbank zu agieren, Geld herzustellen und Reserven an Privatbanken zu verleihen.“ (59) Der im Januar 1911 verkündete Gesetzesentwurf, demzufolge das Geldmonopol quasi auf die privaten Bankiers übergehen sollte, um „Wettbewerb zu reduzieren und den Profit zu steigern“, (60) würde letztlich der Unterschrift des US-Präsidenten bedürfen. Es bestanden keinerlei Zweifel daran, die Unterschrift des damaligen US-Präsidenten William Howard Taft zu erhalten. Trotzdem unterstützte man im kommenden Wahlkampf zusätzlich den nach wie vor populären Ex-Präsidenten Theodore „Teddy“ Roosevelt, der als Kandidat der neugegründeten Progressive Bull Moose Party aufgestellt wurde – womit absehbar war, dass dem Republikaner Taft viele Wahlstimmen abgenommen werden würden. Umso wichtiger war es, den Kandidaten der Demokraten auf der eigenen Seite zu wissen. Dies war Woodrow Wilson, ehemals Professor an der Universität Princeton, der die finanzielle Unterstützung unter anderem von Jacob Schiff genoss, dem Kopf von Kuhn, Loeb & Company. (61)

Wilson gewann die Präsidentenwahl von 1912 mit deutlichem Abstand für die Demokraten – welche zudem die Mehrheit im Kongress und im Senat errangen. Manche der neuen Abgeordneten, die in die beiden Häuser der Legislative einzogen, waren von den Vertretern des „Money Trusts“ finanziert und auf ihr Ziel, eine Zentralbank nach der Blaupause des Jeckyll Island-Plans zu etablieren, fest eingeschworen. Was den neuen Präsidenten anging, so wurde Wilson vor allem von Edward Mandell House im Sinne der finanzstarken Interessen, die im Hintergrund wirkten, betreut. „Colonel“ House, ein Morgan-Mann durch und durch, wurde von Wilson schlicht als dessen „Alter-Ego“ bezeichnet. Und um die Öffentlichkeit vollends hinters Licht zu fuhren, taten manche Banker, die von der Gesetzesvorlage immens profitieren sollten, nach außen hin so, als ob sie rigoros gegen diese eingestellt gewesen wären. (62)

Während des Wahlkampfs, der von ihm vordergründig gegen die Interessen der Großbanken des „Money Trusts“ geführt wurde (63), mied Wilson das Thema einer amerikanischen Zentralbank weitestgehend, um keine Stimmen zu verlieren, setzte sich aber sogleich nach der Wahl dafür ein, dass konkrete Schritte zur Schaffung einer Zentralbank eingeleitet wurden. Diese Aufgabe fiel insbesondere dem demokratischen Kongressabgeordneten Carter Glass zu, der Paul Warburg zunehmend in den Hintergrund drängte. Zuvor war der Aldrich-Plan im Januar 1912 zur Abstimmung im Parlament vorgelegt worden und prompt durchgefallen. Also ließ man den Namen des Republikaners Aldrich im Titel des Gesetzentwurfes fallen und verkaufte ihn fortan als Anliegen der Demokraten.

„Die Einzelheiten der Spaltungen und Manöver im Bankenreformlager während 1912 und 1913, die die Historiker lange faszinierten, sind im Grunde trivial gegenüber der grundlegenden Geschichte. Sie drehten sich größtenteils um die erfolgreichen Bemühungen von Laughlin, Willis und den Demokraten, den Namen Aldrich über Bord zu werfen. Darüber hinaus hätten die Banker bevorzugt, dass der Vorstand der Federal Reserve von den Bankern selbst ernannt worden wäre, aber den meisten Reformern war klar, dass dies politisch nicht schmackhaft gewesen wäre.“ (64)

Im Dezember 1913, kurz vor Weihnachten, wurde der „Aldrich Bill“, der nunmehr „Currency Bill“ beziehungsweise „Glass-Owen Bill“ hieß, um weniger offensichtlich mit den „Big Money Boys“ in Verbindung gebracht werden zu können, dem Kongress zur Abstimmung vorgelegt. (65) Inhaltlich hatte es leichte Abänderungen gegeben – „kosmetische Änderungen“ (66) –, wie jene, wonach nunmehr dem Präsidenten und dem Kongress das Recht zustand, die Vertreter des Federal Reserve Board zu bestimmen. Gleichwohl würde dieses oberste Komitee mit den zwölf regionalen Banken des Federal Reserve Systems „hinter verschlossenen Türen arbeiten … ohne Aufsicht oder Kontrolle durch den Kongress“ (67) – was auf eine hohe politische Unabhängigkeit von allen staatlichen Institutionen hinauslief. Zumal die zwölf Regionalbanken des Federal Reserve Systems, von der die New Yorker Fed im sogenannten „Empire State“ die Mächtigste sein sollte, jenen Privatbanken anteilig gehören würden, deren Top-Vertreter drei Jahre zuvor insgeheim auf Jeckyll Island wegbereitend zusammengekommen waren. Wie der Rechtsanwalt Alfred Crozier hinsichtlich eines wesentlichen Statuts aus der Gesetzespräambel, nämlich dem Auftrag „eine elastische Währung bereitzustellen“, vor dem Banken- und Währungsausschuss des US-Senats aussagte:

„Die imperiale Macht der Elastizität der öffentlichen Währung wird ausschließlich von jenen zentralen Konzernen ausgeübt, denen die Banken gehören. Es ist eine Macht über Leben und Tod aller lokalen Banken und aller Unternehmen. Sie kann benutzt werden, um Wohlstand zu schaffen oder zu zerstören, um Verknappungen und Paniken zu verhindern oder herbeizuführen. Durch künstlich hervorgerufene Verknappung des Geldes können die Zinssätze beliebig angehoben und die Banksteuer auf jegliche Art von Geschäften und die Lebenshaltungskosten erhöht werden, zum Profit jener Banken, denen diese regionalen Zentralbanken gehören und ohne den geringsten Nutzen für das Volk. Diese zwölf Unternehmen decken zusammen das gesamte Land ab und bilden ein Monopol, und benutzen jeden einzelnen Dollar der allgemeinen Währung und die gesamten Staatseinnahmen der Vereinigten Staaten für ihren privaten Gewinn. Nicht ein Dollar kann ohne die Zustimmung dieser zwölf privaten Geldtrusts von der Regierung im Volk in Umlauf gebracht werden und das nur zu ihren Bedingungen.“ (68)

Der Gesetzentwurf zur Schaffung einer Zentralbank der USA erhielt am 19. und 22. Dezember 1913, als sich einige Abgeordnete wegen der bevorstehenden Weihnachtstage schon außerhalb Washingtons befanden, die erforderlichen Mehrheiten im Repräsentantenhaus und Senat, um anschließend von Präsident Wilson am 23. Dezember unterzeichnet zu werden. Damit war das Bundesgesetz für eine US-Zentralbank verabschiedet, und „fünf Jahre der Planungen, Korrekturen und Kompromisse unter diversen Politikern und interessierten Bankengruppen unter der Führung der großen Interessengruppen der Finanz, darunter die Morgans, Rockefellers und die Kuhn, Loebs, zusammen mit ihren Ökonomen und Technikern“, fanden ein erfolgreiches Ende. (69) Die Ironie hinter alledem unterstreicht der Fed-Historiker William Greider, denn „die Fed könnte in Wirklichkeit die finanzielle Macht genau der Banker bewahrt haben, von denen die Öffentlichkeit dachte, dass sie endlich unter Kontrolle gebracht worden seien.“ (70)

Nachdem das Gesetz von Wilson unterzeichnet worden und damit in Kraft getreten war, erreichte Edward Mandell House, das „Alter-Ego“ des Präsidenten im Weißen Haus, am gleichen Tag ein in New York City abgeschicktes Dankesschreiben aus der Feder von Jacob Schiff:

Mein lieber Colonel House,

ich möchte mich bei Ihnen bedanken für die stille, aber zweifellos effektive Arbeit, die Sie im Interesse der Währungsgesetzgebung geleistet haben, und Sie dazu beglückwünschen, dass die Maßnahme schließlich gesetzlich verankert wurde. Wir alle wissen, dass eine rundum perfekte Gesetzesvorlage ein Ding der Unmöglichkeit gewesen wäre, und ich bin mir ziemlich sicher, dass redliche Männer zugeben werden, dass wir wahrscheinlich gar keine entsprechende Gesetzgebung gehabt hätten, wenn der Präsident in seiner Haltung nicht so fest geblieben wäre. Das Gesetz ist in vieler Hinsicht gelungen, jedenfalls für den Anfang, die Erfahrung wird uns zeigen, inwiefern es noch verbesserungswürdig ist, so dass wir es zu gegebener Zeit noch perfektionieren können. Jedenfalls haben Sie allen Grund, mit dem Erreichten zufrieden zu sein. Ich denke, dieses Gefühl wird Ihre Ferienlaune heben und verbleibe mit den besten Wünschen.

Hochachtungsvoll,
Ihr Jacob W. Schiff (71)

Zitiert in Charles Seymour: “The Intimate Papers of Colonel House – Behind the Political Curtain 1912-1915“, Houghton Mifflin Company, Boston/New York, 1926, Seite 174. (JPG-Kopien hier, hier und hier. Wie Sie ersehen können, steht dort “Jacob W. Schiff“ – was wohl ein Fehler des Herausgebers ist, denn korrekt wäre “Jacob H. Schiff“, wobei das “H“ für “Heinrich“ bzw. “Henry“ steht.)

Indem die Banker ein ihnen genehmes, noch ausbau- und gestaltungsfähiges Gesetz erhielten, das ihnen nicht zuletzt erlaubte, nunmehr Zweigstellen in Übersee zu eröffnen, (72) endete zugleich strenggenommen auch die Verschwörung – ganz in diesem Sinne: „Wenn man die Spielregeln selbst bestimmt hat, braucht man keine Verschwörung mehr.“ (73)

Jene Spielregeln sehen vor, dass die Federal Reserve seither in den Genuss von „Privilegien wie keine andere Behörde in Washington“ kam: „(S)ie erhöhte selbst ihre Einkünfte, bestimmte selbst ihr Budget und legte nichts davon dem Kongress vor”, während die obersten „sieben Gouverneure sich die Macht mit den Präsidenten der zwölf Reservebanken teilten, wovon jede die Privatbanken in ihrer Region bediente”, und „die Handelsbanken Anteile an jeder der zwölf Federal Reserve Banken hielten.“ (74)

Heißt das nun, dass es sich beim Federal Reserve System um eine Institution handelt, die sich in Privatbesitz befindet? Die Antwort muss in gewisser Weise „Jein“ lauten. „In Wirklichkeit ist die Federal Reserve weder ein Arm der Regierung noch privatwirtschaftlich organisiert. Sie ist ein Hybrid. Sie ist ein Zusammenschluss großer Geschäftsbanken, dem vom Kongress besondere Privilegien gewährt wurde. Eine genauere Beschreibung könnte lauten, sie ist ein von Bundesgesetzen geschütztes Kartell.“ (75)

Anders formuliert: Gewiss befindet sich eine Fed-Regionalbank wie die Federal Reserve von New York in privaten Händen (wiewohl sich die Experten darüber bis zum heutigen Tage streiten, ob es sich bei ihnen auch tatsächlich um Privatbanken handelt); anders sieht es aber mit dem Federal Reserve System selber aus. Dieses „System“ liegt mitnichten in privaten Händen, sondern stellt eine – im deutschen Sprachgebrauch ausgedrückt – öffentlich-rechtliche Anstalt dar, die in vielfältigen Streben in das System der Verfassung eingebaut ist und letzten Endes Macht und Legitimität aus Artikel 1, Sektion 8 der US-Verfassung bezieht. Das Federal Reserve System ist auch nicht wirklich durch und durch unabhängig; zum einen ist es die Bank des U.S. Treasury, zum anderen unterliegt es der nominalen Aufsicht des Kongresses. Andererseits ist zu unterstreichen: die monetäre Politik, zu der sich die Federal Reserve entschließt, bedarf weder der Genehmigung des US-Präsidenten noch von irgendwem sonst in der Exekutive oder Legislative. Wie der ehemalige Fed-Vorsitzende Alan Greenspan es auf den Punkt brachte: „Ehrlich gesagt ist es egal, wer Präsident ist, soweit es die Fed angeht. Es gibt keine anderen Behörden, die die Aktionen, die wir vornehmen, überstimmen können.“ (76)

Weitere Krux: Gegenüber der Öffentlichkeit wurde die Fed „als Reservebank (verkauft), die helfen würde, der Öffentlichkeit Kredite anzubieten, den Kleinbauern, den kleinen Banken, die Amerika generell durch die Kreditbereitstellung für das System helfen würde, wenn es negative finanzielle Situationen gäbe.

Realität ist aber, dass die Fed von Anfang gestaltet wurde, um die größten Banken zu schützen, die zufällig auch die am stärksten politisch, sozial und persönlich verbundenen Institute in den Vereinigten Staaten waren, und so funktionierte sie fort. Deshalb hielt sie all die Fusionen aufrecht, die im Laufe des Jahrhunderts auftraten; deshalb stellte sie Liquidität zum Vorteil der größten Banken bereit; und deshalb sind die großen sechs Banken heute größer – sie sind nicht alle dieselben sechs Banken wie damals, es sind größere Ableitungen von ihnen –, und sie sind größer als sie es jemals zuvor gewesen sind, und sie erhalten mehr Federal Reserve-Subventionen als je zuvor; und die Federal Reserve hat eine größere Bilanzsumme als je zuvor.“ (77)

William Greider schrieb zum Sachverhalt der Privat-Interessen in seinem Standardwerk zur Fed, Secrets of the Temple:

„Die Präsidenten der Reserve Banken wurden nicht in Washington berufen, sondern von jedem jeweiligen Distrikt-Vorstand gewählt. Sechs von neun Direktoren wurden in jedem Fall wiederum ihrerseits von den Geschäftsbanken gewählt, den ,Mitgliederbanken‘ des Federal Reserve Systems. Wenn die Fed die Hauptfragen der Regulierung der Geldumlaufmenge entschied, wurden ihre Debatten und Abstimmungen in einem Hybrid-Komitee durchgeführt, das die zwei Ebenen kombinierte, bekannt als Federal Open Market Committee. Bei FOMC-Entscheidungen hatten die Gouverneure sieben Stimmen und die Präsidenten der Reserve Banken hatten fünf Stimmen, die jährlich unter den Distrikten wechselten. Nur der Präsident der New York Fed, wichtiger als jede andere, musste nicht teilen; er stimmte bei allen Treffen ab. Drum beschwerten sich Kritiker, dass die Regulierung des Geldes der Nation teilweise durch Repräsentanten von Privat-Interessen entschieden würde – den Banken.“ (78)

An dieser Stelle verweist Greider darauf, dass eine der wichtigsten, unerbittlichsten Kritiken an der Fed, namentlich die von Wright Patman, in dem Buch A Primer on Money zusammengefasst wurde, „das er als Vorsitzender des Subcommittee on Domestic Finance schrieb, veröffentlicht vom House Banking Committee im Jahre 1964.“ (79)

Greider fährt fort in Sachen Fed-Struktur: „Um das Bild weiter zu verkomplizieren und zu verdunkeln hielten die Geschäftsbanken Anteile an jeder der zwölf Federal Reserve Banken, was viele dazu irreführte anzunehmen, dass das Federal Reserve System „privat besessen“ werde. Tatsächlich waren die Anteile eine spärlich entwickelte Eigenschaft einer System-Mitgliedschaft, die viele populistische Kritiker verwirrte und erregte, aber praktisch keine Bedeutung besaß. Die Federal Reserve war Regierungseigen, einschließlich der zwölf Federal Reserve Banken, und keine private Entität. Geschäftsbanken besaßen einen Vorzugszugang und Einfluss bei der Fed, aber das interne Machtverhältnis gab dem Board of Governors, das von Washington ernannt wurde, mehr Befugnisse als den Präsidenten der zwölf Federal Reserve Banken. Wenn ein regionaler Vorstand seinen neuen Präsidenten auswählte, konnte der Vorsitzende der Heimatbehörde der Fed Veto dagegen einlegen.“ (80)

Greider unterstreicht, dass das Federal Reserve System von anderen Zentralbanken abwich, insofern es nach dem Zweiten Weltkrieg nicht demokratisiert wurde – bedeutend, dass die Fed keine direkte Order von der Regierung entgegennimmt. (81)

Über den privaten Charakter der Fed verlautbarte dagegen der Oberste Gerichtshof der USA in einem Urteilsspruch aus dem Jahre 1928:

„Vermittlungen (Instrumentalities) wie die nationalen Banken oder die Federal Reserve Banken, in denen private Interessen vorhanden sind, sind keine Abteilungen der Regierung. Sie sind private Unternehmen, an denen die Regierung ein Interesse hält.“ (82)

Ferner bemerkte das US-Berufungsgericht für den Neunten Gerichtsbezirk (United States Court of Appeals, Ninth Circuit) im US-Bundesstaat Kalifornien bezüglich des Falls Lewis v. United States im Jahre 1982:

 „Nach Prüfung der Organisation und Funktion der Federal Reserve-Banken … kommen wir zu dem Schluss, dass die Reserve-Banken keine föderalen Einrichtungen sind …, sondern unabhängige, in Privatbesitz befindliche und lokal kontrollierte Kapitalgesellschaften. Jede Federal Reserve Bank ist eine eigenständige Gesellschaft, die den Geschäftsbanken in ihrer Region gehört. Die Gesellschafter-Geschäftsbanken wählen zwei Drittel des neunköpfigen Vorstands. Die übrigen drei Vorstandsmitglieder werden vom Federal Reserve Board ernannt. Das Federal Reserve Board reguliert die Reserve-Banken, doch die unmittelbare Aufsicht und Kontrolle einer jeden Bank wird von deren Vorstand ausgeübt.“ (83)

Dieses Urteil bezieht auf Schadensersatzrechte gegenüber staatlichen Behörden. Da es sich laut Auffassung des Gerichts bei den 12 Regionalbanken des Federal Reserve Systems um private Einrichtungen handelt, fallen diese nicht in den Anwendungsbereich des Federal Tort Claims Act, FTCA.

Man vermag daraus schließen, dass die Fed-Banken deshalb für alle anderen Zwecke auch „in Privatbesitz befindliche Kapitalgesellschaften“ und eben „keine föderalen Einrichtungen” sind – das aber ist nur eine Schlussfolgerung und nicht expressis verbis so durch das Gericht ausgesprochen worden.

Bei der erwähnten Ernennung der Direktoren der Fed-Banken gilt ein Augenmerk auf die Tatsache zu werfen, dass es drei Klassen von Direktoren gibt: A, B und C. Die Direktoren der Klasse A und B werden von den Mitgliedsbanken gewählt, während die C-Direktoren vom Federal Reserve Board in Washington DC bestimmt werden. Jamie Dimon von JP Morgan Chase war beispielsweise ein Direktor der Klasse A im Vorstand der NY Fed.

Auf den privaten Charakter der 12 Fed-Banken zurückkommend, wurde 2009 bezüglich einer Klage im Rahmen des Freedom of Information Act (FOIA), die der Nachrichtendienst Bloomberg gegen die Fed anstrengte, dieses berichtet:

„Die New York Fed ist eine von 12 regionalen Federal Reserve Banken und die, die mit der Überwachung der Kapitalmärkte betraut ist. Sie verwaltet auch Notfallkreditprogramme von $1.7 Billionen. Während das in Washington ansässige Board of Governors der US-Notenbank eine Bundesbehörde ist, die unter den Freedom of Information Act und andere staatliche Vorschriften fällt, bleiben die New York Fed und andere regionale Banken dabei, dass sie eigene Einrichtungen sind, die durch ihre Mitgliedsbanken besessen werden und nicht unter Einschränkungen des Bundes fallen.“ (84)

Yvonne Mizusawa, Senior Council des Board of Governors des Federal Reserve Systems, bestätigte den Privatbanken-Charakter der regionalen Reserve Banken bei einer Anhörung am 11. Januar 2010 im selben FOIA-Zusammenhang. (85)

Es scheint ein wenig, als läge wohl eher William Greider daneben, was den teilweise privaten Charakter der 12 Regionalbanken der Fed betrifft.

Dieser geht nicht zuletzt auch aus einer Information hervor, die ich von der Steuerbehörde der Stadt New York einholte. Demnach ist die NY Fed gegenüber der Stadt New York von der Zahlung der Grundsteuer nicht befreit, müsste es aber eigentlich sein, wäre sie eine öffentliche Einrichtung durch und durch. (86)

Überdies beschrieb Dino Kos, damals Vorstandsmitglied der NY Fed, die 12 Fed-Banken während eines Briefings, das im Januar 2004 für die 9/11-Kommission durchgeführt wurde, als nichts anderes als „im Prinzip private Unternehmen mit einem speziellen Kundenkreis“. In ihrem Bericht erklärt die Interviewerin Emily Walker über das Briefing von Dino Kos, der seinerzeit bei der Federal Reserve Bank of New York (FRBNY) unter anderem verantwortlich zeichnete für Offenmarkt-Operationen, Devisenhandel und Auktionen von Staatsanleihen:

„Er gab mir einen allgemeinen Überblick über das Federal Reserve System, um die Rolle der FRBNY im Vergleich zu den anderen regionalen Fed-Banken und den Unterschied zum Federal Reserve Board in Washington, D.C. klarzustellen. Er sagte, dass die Federal Reserve in Washington eine Regierungsbehörde und keine Bank ist. Sie verfügt über keine Mittel zur Durchführung von Zahlungen, Ausreichung von Krediten, für Handelsgeschäfte usw. Sie erarbeitet Richtlinien, wie die Reserve-Banken ihrer Tätigkeit nachgehen sollten. Sie trifft die kritischen Entscheidungen. Unterhalb der Federal Reserve in DC gibt es die 12 Federal Reserve-Banken. Sie haben Konten, verwalten Portfolios, haben Gesellschafter (Geschäftsbanken) und sind im Prinzip private Unternehmen mit einem speziellen Kundenkreis. Ihre Gewinne fließen zurück an das US-Schatzamt (US Treasury). Die FRBNY ist eine operative Einheit der Federal Reserve an den Märkten. Sie kauft oder verkauft Wertpapiere, um die Liquidität am Markt zu verringern oder zu erhöhen, und setzt den Zinssatz fest. Die Federal Reserve in D.C. legt die Politik fest und die FRBNY setzt sie um. Die FRBNY betreibt FEDWIRE, d. h. die technologische Plattform, über die die Banken Zahlungen untereinander tätigen können. (Er fügte hinzu, dass das System von den Ereignissen des 11. September nicht betroffen war, weil es sich in East Rutherford, New Jersey, befindet.) […] Er sagte, dass FEDWIRE den zentralen Knoten für die übrigen Banken darstellt und dass, wenn diese Verbindung gekappt wird (von den Banken – was am 11. September der Fall war), die Banken anrufen und die Zahlungen manuell vornehmen müssen. Er sagte auch, dass das CHIPs-System das Clearinghaus-System für den Privatsektor ist, das die Zahlungsanweisungen zusammenzieht, sie am Ende eines Tages saldiert und das, was übrig bleibt, zur Abwicklung an FEDWIRE schickt.“ (87)

Laut dem US-Nationalökonom Edward Flaherty hießen die acht größten Mitgliederbanken der New York Fed im Jahre 1997 wie folgt:

Chase Manhatten Bank,
Citibank,
Morgan Guaranty Trust Company,
Fleet Bank,
Bankers Trust,
Bank of New York,
Marine Midland Bank und
Summit Bank.

Es handelt sich, wie von Flaherty nachdrücklich unterstrichen wird, ausschließlich um US-Banken. Namen wie Rothschild in London, Lazard Frères in Paris, Israel Moses Seif in Rom und Warburg in Hamburg und Amsterdam, die ansonsten gerne als Eigner gehandelt werden, sucht man vergebens.

Vgl. Edward Flaherty: “Debunking the Federal Reserve Conspiracy Theories“, Abschnitt “Myth #5: The Federal Reserve is owned and controlled by foreigners“, veröffentlicht auf PublicEye.org hier bzw. hier.

Alles in allem darf wohl konstatiert werden, dass das Federal Reserve System private Mitgliedsbanken umfasst, welche für ihre Beteiligung als Gesellschafter eine 6-prozentige Dividende aus den Gewinnen der regionalen Fed-Banken erhalten, die diese mit ihren Marktgeschäften erzielen.

Nomi Prins, die ich danach befragte, bestärkte mich in dieser Annahme:

„So wie ich Section 7 des Federal Reserve Act verstehe, ist das so. Die Gesellschafter oder Mitgliedsbanken des Federal Reserve System haben Anspruch auf eine Dividende von 6 Prozent auf ihr eingezahltes Kapital pro Jahr, und wenn die laufenden Erträge des Federal Reserve System in einem Jahr nicht zur Mitteldeckung für das betreffende Jahr ausreichen, können Dividenden aus der Rücklage gezahlt werden.

Siehe den Brief ihres General Counsel vom Frühjahr 1922:

,Die maßgeblichen Abschnitte von Section 7 des Federal Reserve Act lauten wie folgt:

,Nachdem alle notwendigen Ausgaben einer Federal Reserve Bank beglichen oder Rückstellungen dafür gebildet sind, haben die Gesellschafter Anspruch auf den Erhalt einer jährlichen Dividende von sechs Prozent auf das eingezahlte Kapital, wobei die Dividende kumulativ ist. Nachdem die vorerwähnten Dividendenansprüche in vollem Umfang befriedigt sind, wird der Nettogewinn als Konzessionalabgabe (franchise tax) an die Vereinigten Staaten ausgezahlt mit der Ausnahme, dass der gesamte jeweilige Nettogewinn, einschließlich desjenigen für das am einunddreißigsten Dezember neunzehnhundertachtzehn abgelaufene Jahr, [solange] in eine Rücklage einzuzahlen ist, bis diese einhundert Prozent des gezeichneten Kapitals der betreffenden Bank erreicht; danach sind zehn Prozent des jeweiligen Nettogewinns in die Rücklage einzuzahlen.

[…] Sollte eine Federal Reserve Bank aufgelöst werden oder in Liquidation gehen, wird jeglicher nach Begleichung aller Schulden [und] Dividendenansprüche gemäß den obigen Vorgaben verbleibende Überschuss als der Nennwert der Aktie an die Vereinigten Staaten ausbezahlt und deren Eigentum ist in vergleichbarer Weise zu verwenden.‘

Betreffend der Dividenden sollte hinzugefügt werden: Das Gesetz verlangt, dass die Dividenden an die Reserve-Mitgliedsbanken gezahlt werden, bevor die Fed Überschussgewinne als Zinsen auf Federal Reserve-Schuldverschreibungen an das Schatzamt transferiert (siehe S. 398 des Jahresberichts der Fed für 2013). Anzumerken ist, dass es sich nicht um Riesenbeträge handelt: 2013 betrugen die jährlichen Dividenden 1,65 Mrd. USD.“ (88)

Die New York Fed, das Pressebüro des Board of Governors des Federal Reserve Systems in Washington DC und Yvonne Mizusawa, die Rechtsberaterin des Board of Governors, reagierten im Übrigen nicht auf Anfragen, die ich bezüglich des privaten Charakters der 12 Fed-Banken eingereicht hatte. (89)

Wie dem auch sei, letztlich verschmolzen durch den Glass-Owen Bill die konkurrierenden Ansätze, die schon vor der Bankenpanik von 1907 auftauchten – sprich der Vorschlag für eine Zentralbank, die sich in reinem Privatbesitz befinden sollte, und der Vorschlag für eine Zentralbank, die Teil des U.S. Treasury hätte sein sollen. „Der Glass-Owen Bill”, so der US-Ökonom L. Randall Wray, „teilte den Unterschied mit Privatbesitz und einem dezentralisierten System auf, aber mit dem Finanzminister und dem Vorsitzenden der Bankenaufsicht im Vorstand sitzend. Das dezentralisierte System sollte angeblich eine ,angemessene Vertretung der finanziellen, industriellen und handelsgeschäftlichen Interessen und geographischen Unterschiede des Landes‘ sicher stellen. Der Vorstand sollte ,eine deutlich überparteiliche Organisation und gänzlich von der Politik getrennt‘ sein. Laut Paul Warburg sollte die Führung und Überwachung von einem ,System von Kontrollen und Gegenkontrollen‘ gepflegt werden, ,ein lähmendes System, das mit der einen Hand Macht gibt und sie mit der anderen wegnimmt.‘ Die Idee war mit anderen Worten, dass die Fed durch die Gewährleistung einer breiten Interessensvertretung von einem ,Zusammenprall der Interessen‘ gehemmt werde, um den Schaden, den sie womöglich verursachen würde, zu reduzieren.“ (90)

Interessant an der Konstellation der regionalen Ableger des Federal Reserve Systems ist, dass diese zwar einerseits mit der Aufsicht über die Banken beauftragt sind, dass sie andererseits aber letztlich von eben jenen Banken kontrolliert werden. Auch darf man sich getrost die Frage stellen, in welchem Interesse eine solche Einrichtung im Endeffekt agiert. „Wenn das Interesse des Bankensektors und des Landes synchron zueinander läuft, funktioniert die Fed oftmals sehr gut“, erklärte mir dazu der Wirtschaftswissenschaftler Norbert Häring. „Falls und insoweit die Interessen der Wall Street in Konflikt mit den Interessen der Otto-Normal-Verbraucher geraten, dürften die Otto-Normalverbraucher meistens hinten runter fallen.“ (91)

Ähnlich urteilte der Ökonom und ehemalige Staatssekretär des US-Finanzministeriums Paul Craig Roberts, als ich ihn nach seiner Einschätzung der Leistung des Federal Reserve Systems in den 100 Jahren seines Bestehens fragte.

Paul Craig Roberts: Es hat für den Reichtum der Banken gearbeitet und sie mit der Liquidität versorgt, die sie wollten. Für die breite Öffentlichkeit hat es kläglich gearbeitet. … Wir hatten eine Reihe von Inflationen, und die Federal Reserve hat uns die Große Depression beschert. Sie bescherte uns den Finanz-Crash im Dezember 2007. Sie beschert uns das aktuelle, beispiellose Drucken von US-Dollar. Also, vom Standpunkt der Öffentlichkeit ist sie nachweislich ein Fehler, aber für die Banken als Anbieter endloser Liquidität ist sie erfolgreich gewesen. … Das Problem ist, dass die Federal Reserve kreiert wurde, um den Banken zu dienen. Und die Banken wollten einen Kreditgeber der letzten Instanz, und im Laufe der Zeit waren sie erfolgreich bei der Umwandlung der Federal Reserve zu ihrem direkten Funktionär.

Zunächst musste sie verkleidet werden, weil die Öffentlichkeit gegen die Banken war, aber wie die Zeit voranschritt, waren die Banken in der Lage, die Fed mehr und mehr offen zu verwenden, auch wenn sie noch immer nicht vollständig offen sein können. Zum Beispiel wird uns gesagt, dass das aktuelle Ziel der Quantitativen Lockerung jenes ist, die Wirtschaft anzukurbeln, um sehr niedrige Zinsen anzubieten und um die Kreditvergabe an Verbraucher und Investitionen zu stimulieren, um so eine wirtschaftliche Erholung herbeizubringen, die nach fünf Jahren der Quantitativen Lockerung noch immer zu fehlen scheint. Aber der eigentliche Zweck ist natürlich nicht, eine Erholung herbeizubringen; der eigentliche Zweck ist es, die Bilanzen der großen Banken zu unterstützen, die als Too Big To Fail erklärt wurden. Der Zweck der Tausend Milliarden US-Dollar, die jährlich an Anleihen durch die Federal Reserve gekauft werden, ist der, die Preise von Anleihen hochzutreiben. Alle Schuldenpreise steigen zusammen; wenn sie also die US-Treasury-Anleihe auf einen sehr hohen Preis und sehr niedrigen Zinssatz bekommen, hebt das die Preise der mit Schulden verbundenen Derivate in den Bilanzen der Banken und macht sie solvent. Also, der eigentliche Zweck der Quantitativen Lockerung ist, die Solvenz und die Bilanzen der Banken zu unterstützen. (92)

Nomi Prins, die ehemals als Geschäftsführerin bei Goldman Sachs an der Wall Street arbeitete, antwortete mir in einem Interview auf die Frage, ob die USA die Federal Reserve tatsächlich bräuchten:

Nomi Prins: Das US-Bankensystem braucht die Fed, denn ohne ihre Subventionen wäre es im Laufe der Jahre wohl viele Male gescheitert, sicherlich im Laufe der letzten Jahre. Aber wieder ist es wirklich wichtig zu wissen, dass … sie vom Beginn der Fed an die Fed benötigten. Die Fed ist gleichermaßen eine Bank für die Banken, wie sie ein politisches Finanzmachtinstrument für die Regierung ist. Die Regierung glaubt, sie brauche die Fed, um die größten Institute zu subventionieren und zu retten, die auf verschiedenen Wegen mit der Regierung integriert sind. Diese Banken handeln mit der Öffentlichkeit, wir geben ihnen unsere Einlagen, die Steuerzahler subventionieren ihre Fehler und ihre Rettungsaktionen. Aber zur gleichen Zeit sind die Philosophien der politischen und finanziellen Elite-Mitglieder von Amerika hinter der Fed in Linie gebracht.

Brauchen wir also die Fed? Die Öffentlichkeit braucht die Fed nicht. Die Aktivitäten, die die Fed zur Verfügung stellt, die die Öffentlichkeit betreffen, wie das Manövrieren der Zinssätze oder so weiter, könnten durch das Schatzamt durchgeführt werden, obwohl das Schatzamt die größten Bankeninstitute ebenso subventioniert und politisch, persönlich, sozial und finanziell unterstützt hat. Ja, es ist hilfreich, über eine Entität zu verfügen, um die Zinssätze zu halten, aber das ist nicht wirklich das, was die Fed als ihre volle Arbeit tut; was sie tut und was sie getan hat, ist, ein fehlerhaftes Bankensystem in der Verkleidung der Regulierung dieses Bankensystems zu subventionieren und die Gesamtkreditverfügbarkeit an das Land zu schützen, worüber sie tatsächlich keine Macht hatte. Das war eine der Lügen, unter denen sie vor 100 Jahren geschaffen wurde.

Und ist die Fed nicht zu einer internationalen Rettungsbank geworden?

Nomi Prins: Ja, aufgrund der ganzen Globalisierung des Finanzwesens, die in unterschiedlicher Weise während des vergangenen Jahrhunderts stattfand. Die amerikanischen Banken sind nicht die einzigen Banken, die sich gegenüber Finanzkrisen in Gefahr befinden. Diese Krisen sind zunehmend global und werden es auch in Zukunft sein. Wenn die Fed also beschließt, die großen amerikanischen Banken zu schützen, muss sie ihre größten Gegenparteien schützen, die aufgrund der Art des globalisierten Finanzwesens europäische Banken einschließen, die asiatische Banken einschließen, sie schließen im Grunde alle wichtigsten Gegenparteien der großen sechs Banken mit ein.

Aber nicht nur das – die Politik der Fed selbst, die Idee, um zu subventionieren, und die Philosophie dahinter globalisiert sich ebenso. Die Fed hat ihre Politik, wie wir in den letzten Jahren gesehen haben, in Europa hineingedrückt. Wir haben nunmehr in ganz Europa eine effektive Nullzinspolitik zusammen mit der Subventionierung und der Rettung und künstlichen Stärkung der größeren Institute auf Kosten der kleineren Institute und Stärkung der größeren Länder auf Kosten der kleineren Länder. Dies ist eine institutionalisierte Politik, die die Fed fördert, genauso wie das Finanzministerium und die Regierung der Vereinigten Staaten. Das ist eine Kooperationsförderung, die ebenfalls global geworden ist. (93)

So könnte man denn aus alledem schließen, dass es ein wesentliches Problem unserer Zeit darstellt, wenn sich die Zentralbank der USA mehr oder minder in privaten Händen mitbefindet. Ich wandte mich an F. William Engdahl mit der Frage, ob es normal sei, dass eine Zentralbank von einem privaten Banken-Kartell gebildet wird, das in diesem Fall die Geldpolitik der USA durchführen kann – worauf er antwortete:

F. William Engdahl: Lassen wir den Begriff „normal“ einmal außen vor, denn das ist die Richtung, in die diese Geld-Interessen die ganze Welt zu treiben versuchen, um das Welt-Bankensystem von jeder Art partizipativen Drucks der Wähler zu entkoppeln. Die Federal Reserve wurde, wie Sie wissen, im Jahre 1913 geschaffen. Sie wurde … zwei Tage vor Heiligabend im Jahre 1913 verabschiedet und innerhalb weniger Stunden von Präsident Woodrow Wilson unterzeichnet, von dem einige Leute sagen, dass er als Präsident eingesetzt wurde – er war zuvor der Präsident der Princeton University und dann Gouverneur von New Jersey –, dass er durch das Geld von JP Morgan, Rockefeller und so weiter als Präsident mit dem alleinigen Zweck eingesetzt wurde, um als Demokrat eine linke Verkleidung, wenn Sie so wollen, für die Schaffung der Federal Reserve zu geben. Es war ein sehr umstrittener Gesetzesvorschlag, um den schon lange vor der Finanzkrise von 1907 gestritten wurde.

Tatsache ist, und nur wenige Amerikaner sind sich dessen überhaupt bewusst – sie denken, dass der Präsident einen Vorsitzenden der Federal Reserve vorschlägt, und also ist die Federal Reserve eine staatliche Behörde. Das ist sie mitnichten. Die verschiedenen regionalen Banken der Federal Reserve – die Dallas Fed, die San Francisco Fed, die St. Louis Fed, und vor allem als das primäre Zwischenstück: die New Yorker Fed – sind Aktiengesellschaften, zu deren Aktieninhabern Unternehmen wie AIG, JPMorgan Chase und so weiter gehören. Das sind also Einheiten in Privatbesitz, aus denen sich das Federal Reserve System zusammensetzt. Und das ist der Kern des Problems.

Der Vorsitzende der Federal Reserve hat einen wesentlichen Auftrag: die Macht der Großbanken zu bewahren – wie eine Kongress-Anhörung sie in den 1920er Jahren nannte: die „Money Trust“-Banken. Und das sind in Wirklichkeit nur etwa acht oder höchstens neun Institutionen, würde ich schätzen, die wirklich die weltweiten Multi-Billionen-Derivate, den Verbriefungsbetrug und die Politik des US-Finanzministeriums in Washington völlig dominieren. Die privat geführte Federal Reserve ist, glaube ich, eines der Hauptprobleme für den Ruin der amerikanischen Industrie- und Sozialwirtschaft seit, sagen wir, der Abkopplung vom Gold im August 1971 ganz gewiss, und selbst noch davor.

Wenn all dies wahr ist, dann ist es umso wichtiger zu verstehen a), wie der Federal Reserve Act in Kraft gesetzt wurde, und b), wie das Federal Reserve System tatsächlich funktioniert. Ich denke, in Bezug auf a) könnten Sie vielleicht ein bisschen über die Bankenpanik von 1907 sprechen. Wer steckte dahinter?

F. William Engdahl: Na ja, Überraschung, Überraschung: Es waren das House of Morgan und seine Freunde. Sie schufen einen Run auf eine große unabhängige Bank in New York City und lösten damit das aus, was die Panik von 1907 wurde. Sie verwandelte sich in eine industrielle, wirtschaftliche Depression in Amerika mit einer riesigen Arbeitslosigkeit. Durch die Panik und ihre Lobbyarbeit bekamen sie den Kongress dazu, für die Einrichtung einer nationalen Währungskommission zu stimmen, um zu prüfen, wie zukünftige Paniken zu verhindern wären. Nun, es war eine Panik, die durch das House of Morgan und Freunden entwickelt wurde, und der Weg, um in der Zukunft Paniken zu verhindern, würde der sein, ihnen die Kontrolle über das Geld der Nation zu geben – weg vom Kongress, wo es nach Artikel 1, Abschnitt 8 der Verfassung hingehörte, und hin zum Kartell der Privatbanken, die die New Yorker Federal Reserve Bank bilden, welche bewusst so gestaltet wurde, dass sie die mächtigste aller Banken im Federal Reserve System ist.

Und dann wurde der Federal Reserve Act verabschiedet. Wie funktioniert das Federal Reserve System?

F. William Engdahl: Grundsätzlich hat es unbegrenzte Macht, Geld zu drucken, um es im populären Jargon auszudrücken. Dies ist es, was wir Ben Bernanke seit 2008 tun sehen, dies sind Billionen von Dollar, aber natürlich weigert sich Bernanke, irgendwelche großen Details darüber preiszugeben, was sie tatsächlich mit den Banken tun und welche Banken es sind, die von dieser Großzügigkeit der Federal Reserve profitieren. Sie kaufen all die giftigen Abfälle auf und legen sie auf die Bilanz der Federal Reserve, und dafür geben sie den Banken dreifach A bewertete US-Schatzanweisungen zurück.

Die Federal Reserve hat einen Offenmarktausschuß, Open Market Committee, das FOMC. Sie treffen sich alle sechs Wochen, um die Zinspolitik festzulegen, im Wesentlichen bis heute. Dazu gehören mehrere Mitglieder des Federal Reserve Board in Washington, immer ist der Vorsitzende der Fed, in diesem Fall Bernanke oder vor ihm Greenspan, im FOMC, die anderen zehn oder elf Reserve-Banken im ganzen Land haben rotierende Sitze im FOMC. Also nicht alle elf Banken sind zu allen Zeiten vertreten.

Die Sache ist geschickt so entworfen, um die Mehrheitsmacht an die New Yorker Fed zu geben. Die New Yorker Fed ist aufgrund der internationalen Rolle der New Yorker Fed immer im FOMC – und die Tatsache ist, dass der Federal Reserve Act von Morgan & Company und Rockefeller entworfen wurde, um die Macht den Banken des New Yorker Geldzentrums zu geben. Sie sind daher immer im FOMC. Und natürlich hat der Fed-Vorsitzende enorme Macht über die Entscheidungen des FOMC.

Offiziell ist eines der Mandate der Fed, die Stabilität und den Wert des US-Dollars zu erhalten.

(Herr Engdahl lacht.)

Aber eines der realen Ergebnisse der Fed scheint die anhaltende Abwertung des US-Dollar in einer recht bemerkenswerten Art und Weise zu sein – was sich seit den 1970er Jahren beschleunigte. Warum?

F. William Engdahl: Ganz einfach, weil das zum Vorteil der Wall Street war. Nach dem Bruch der Verbindung mit Gold im Jahr 1971, den ich zuvor erwähnt habe, stellte die Gruppe um David Rockefeller, damals bei der Chase Manhattan Bank, der Familien-Bank, fest, dass sie mit einer gleitenden Währung und der Tatsache, dass die USA die einzige militärische Supermacht außerhalb der Sowjetunion war, eine unglaubliche Fähigkeit in den Händen hielt. Die Fiat-Dollar, die von den USA gedruckt wurden, trieben diese Abwertung weltweit in diesem Zeitraum an – ich glaube, es gibt eine 2900 %-ige Inflation, das heißt, einen 2900%-igen Anstieg der Menge an Dollar, die in der Weltwirtschaft seit August 1971 zirkuliert, nach den letzten Daten, die ich gesehen habe, und in den zwanzig Jahren davor war es ungefähr etwa ein 56%-iger Anstieg der Dollar-Reserven weltweit, das war also eine Periode der relativ stabilen Inflationsraten oder tatsächlich der Nicht-Inflation, und dann nach dem Bruch hatte man diesen höchst inflationären Zeitraum.

Nun, was bestimmte Leute um Paul Volcker und andere herausfanden, war, dass die Schulden ihre besten Vermögenswerte waren – das heißt, am besten für die Banken, für die privaten Banken, nicht für die Nation, aber für die Privatbanken. Solange US-Schulden dreifach A bewertet werden, und absolut notwendig: solange der US-Dollar die Leitwährung des Handels und in den Zentralbankreserven weltweit bleibt, können die Vereinigten Staaten im Wesentlichen ihre Inflation exportieren, wie sie es in Japan während der 80er Jahre taten, heute nach China, der Europäischen Union und dem Rest der Welt. In der Tat haben die Dollar-Überschussländer gar keine andere Wahl als mit ihren Überschuss-Dollar US-Staatsanleihen zu kaufen – um Amerikas Kriege auf der ganzen Welt zu finanzieren, sei es im Irak, der gegen die ultimativen Interessen Chinas oder Russlands gerichtet ist, oder alle anderen US-Kriege. Diese werden in gewisser Weise durch die Dollar-Ansammlungen in den Zentralbanken Asiens und anderswo in der Welt finanziert. Es ist also ein diabolisches und sehr cleveres Arrangement, das sie erkannt haben. Sie konnten es tun, nachdem die Abkopplung des Dollars vom Gold im Jahr 1971 stattfand. (94)

Von Öl abhängiges Schuldgeld

Die Folgen der Gesetzgebung, die die Federal Reserve ins Leben rief, waren beeindruckend für das Zahlungsmittel, welches das Kartell mit dem ihm anvertrauten Geldmonopol emittiert: die Kaufkraft von einem US-Dollar sank von 1913 bis ins erste Jahrzehnt der 2000er Jahre um geschätzte 96 – 98 Prozent.

Zugleich haben die Vereinigten Staaten von Amerika recht viele Schulden. Noch einmal dazu eine Frage an Ellen Brown.

Frau Brown, es ist heute schwierig, den Überblick über die Gesamtschulden der USA zu behalten, aber mit Sicherheit entspricht die Gesamtheit der Verbindlichkeiten der USA mehr als 90% ihres Bruttoinlandsproduktes. Würden Sie unter diesen Umständen als Anwältin die Auffassung vertreten, dass das gegenwärtige Finanzsystem die USA in den Bankrott getrieben hat?

Ellen Brown: Ja und Nein. Technisch gesprochen ist man bankrott, wenn man seine Verbindlichkeiten nicht erfüllen kann. Aber in unserem gegenwärtigen Geldsystem beruht JEGLICHES Geld auf Schulden und die Geldmenge ENTSPRICHT im Grunde genommen den Staatsschulden. Private Schulden werden bezahlt und erlöschen. Nur die Staatsschulden werden Jahr für Jahr refinanziert und sind als mehr oder weniger permanente Geldmenge weiterhin Teil der Wirtschaft. Wie es der Leiter der Fed in den Vierzigerjahren ausdrückte, wenn wir keine Staatsschulden hätten, hätten wir auch kein Geld. Die Fed ist heute wie wild dabei, Regierungsschulden zu „monetarisieren”, um zu versuchen, einen Ausgleich zu schaffen für die privaten Schulden, die im Zuge der derzeitigen Kreditklemme liquidiert worden sind.

Die von Ellen Brown erwähnte Erklärung des damaligen Vorsitzenden der Federal Reserve, Marriner Eccles, findet sich in einem Essay des Investmentberaters J. S. Kim, den ich übersetzte. Kim schreibt darin:

„Per Definition besteht eine Zentralbank dazu, um Währungsbewertungen zu manipulieren und freie Märkte zu verhindern. Die beiden Aussagen, die ich nachfolgend abdrucke, sind die einzigen zwei Aussagen, die Sie lesen brauchen, um zu verstehen, dass die Banker unser derzeitiges globales Währungssystem für den alleinigen Zweck der Manipulation und Kontrolle des Reichtums der Nationen hervorgebracht haben.

,Wenn alle Bankkredite abbezahlt würden, könnte niemand eine Bankeinlage haben und es befände sich nicht eine Dollar-Münze oder -Währung im Umlauf. Dies ist ein erstaunlicher Gedanke. Wir sind völlig abhängig von den Geschäftsbanken. Irgendwer muss jeden Dollar, den wir im Umlauf haben, leihen, sei es Bargeld oder Kredit. Wenn die Banken genügend synthetisches Geld erzeugen, sind wir wohlhabend; wenn nicht, verhungern wir. Wir stehen absolut ohne ein permanentes Geldsystem da. Wenn man ein komplettes Verständnis des Bildes erlangt, wird die tragische Absurdität unserer hoffnungslosen Lage fast unglaublich, aber es ist so. Es ist das wichtigste Thema, das intelligente Personen untersuchen und reflektieren können. Es ist so wichtig, dass unsere gegenwärtige Zivilisation zusammenbrechen könnte, wenn es nicht allgemein verstanden und seine Mängel sehr bald beseitigt werden würden.’– Robert H. Hemphill, Kredit-Manager der Federal Reserve Bank of Atlanta, 1935.

Im Jahre 1942 bezeugte der Federal Reserve-Vorsitzende Marriner Eccles …, ,gäbe es keine Schulden in unserem Geldsystem, würde es kein Geld geben.’“ (95)

Den US-amerikanischen Finanzanalysten Michael Maloney fragte ich diesbezüglich in einem Interview, ob es nicht ein wenig bizarr sei, dass die wichtigste nationale Zentralbank der Welt, die Federal Reserve, in Wirklichkeit eine Komposition von privaten Banken ist, die aus dem Geldschöpfungsprozess und der wachsenden Verschuldung der Öffentlichkeit Gewinn erzielen.

Mike Maloney: Im Grunde genommen ist das einzige, was Sie tun müssen, auf die Webseite der Fed zu gehen, die Seite mit den häufig gestellten Fragen aufzurufen und die Antwort auf die Frage: ,Ist die Federal Reserve privat?‘ zu lesen. Und die Antwort lautet: ,Nein, ist sie nicht, vielleicht schon, aber irgendwie doch nicht.“ Es ist alles sehr vage, es dreht sich immer weiter im Kreis und man kann überhaupt nicht sagen, was es bedeuten soll. Aber dann liest man die Antwort auf die Frage: ,Hat die Federal Reserve Aktionäre?‘, und die Antwort lautet: ,Ja, und sie erhalten Dividenden.‘ Nun, wie viele Bundesbörden gibt es wohl, die Aktionäre haben? Die Antwort lautet: Keine. Ein Aktionär ist der Eigentümer eines Unternehmens. Natürlich gab es seit der Gründung der Fed im Jahre 1913 all diese Fusionen, weshalb man nicht genau sagen kann, wem die Fed gehört, aber das gesamte Geldsystem ist nun eine Art Betrugsmanöver, ein absurdes sogar, denn es gibt viel mehr Schulden, als es Geld gibt, um sie zu begleichen! (96)

Nun muss dazu gesagt werden, dass es um keine herkömmlichen, öffentlich gehandelten Unternehmensaktien geht, von denen Maloney spricht, die Sie und ich erwerben könnten. Außerdem war es für die Geschäftsbanken qua Federal Reserve Act unerlässlich, sich Anteile zu beschaffen, um Mitglied der Federal Reserve zu werden, da nur dies erlaubte, das Zahlungsmittel der USA legal schöpfen zu dürfen.

Die Geldschöpfung, die über das Machen von Schulden läuft, ist via Zins und Zinseszins letzthin mit einem exponentiellen Wachstum verbunden. Das könnte schlimm enden. Denn wohin treibt ein aus dem Nichts und durch Schulden geschöpftes Geld, das an Zinseszinsen gekoppelt ist, letztlich hin? Vielleicht in eine stets beschleunigte Zerstörung? Jedenfalls: „Exponentielles Wachstum kennen wir in anderen Zusammenhängen als Krebs. Da ist es das Wachstum eines Tumors in einem nicht mehr entsprechend wachsenden Organismus. Auf einer solchen Grundlage beruht das bestehende Geldsystem.“ (97)

Freilich soll nicht unterschlagen werden, dass es auch Denkrichtungen gibt, denen zufolge die Zinseszins-Problematik keine wirkliche ist, und dass es auch kein Problem darstellt, dass im Gesamtsystem der Zins fehlt. Erstens werden im Gesamtsystem nie sämtliche Zinsen in voller Höhe gleichzeitig getilgt, zweitens kann der Zins unter Umständen aus den laufenden Einnahmen und nicht allein durch einen weiteren Kredit aufgebracht werden, und drittens kann eine geleistete (Teil-)Zinszahlung durch Ausgaben und Investitionen den Weg zurück in die Wirtschaft finden und für neuerliche Zinszahlungen verwendet werden. Knackpunkt ist hier bloß, ob der Rückfluss in die Wirtschaft auch tatsächlich stattfindet. Mit der Zeit ist zudem zu beobachten, zum Beispiel an den diesbezüglichen Staatsausgaben der USA, dass immer mehr Geld für Zinszahlungen fällig werden. Die Zinslast derzeit ist noch relativ gering, da die Federal Reserve den Leitzins auf Rekordtiefstständen hält; doch diese „Zero Interest Rate Policy“ (ZIRP) wird nicht auf ewig durchzuziehen sein.

Im Kern ist die Rechnung, die vorliegt, diese: Unser gegenwärtiges Geldsystem erfordert ständiges Wachstum, um die Bedienung der Zinsen auf diejenigen Schulden zu ermöglichen, die das Geld überhaupt erst geschaffen haben. Da billige Energie die Grundlage des Wirtschaftswachstums ist, durch dessen Vorhandensein das Finanzsystem vor dem sofortigen Absaufen bewahrt wird, sind wir auf Gedeih und Verderb darauf angewiesen, beständig, wenn nicht gar steigend Energie zu verbrauchen. Sind die Energieressourcen nicht konstant bis steigend vorhanden, sondern eher abnehmend, von abstürzend ganz zu schweigen, vermag das Finanzsystem nicht gut zu funktionieren. So gesehen befinden sich hier zwei gegensätzliche Blöcke auf Kollisionskurs: „Finanzsystem/Ewiges Wachstum“ einerseits, und „begrenzt vorhandene(s) Energie/Erdöl“ andererseits.

Desgleichen ist ein im Wesentlichen auf Erdöl-basierendes Energiesystem ein physisch abgeschlossenes System, da man auf ein System angewiesen ist, das auf nicht erneuerbaren Energiequellen gründet. Wenn man ein solches System, bei dem Energie immerzu verloren geht, sobald sie eingesetzt wird, mit dem Finanzsystem koppelt, erhält man auch eine Art abgeschlossenes Finanzsystem.

Das Finanzsystem, so wie es geworden ist, lässt sich letzten Endes auf eine Geschichtsphase zurückführen, in der der Zugang zu Energie (das heißt: die Fähigkeit, Arbeit zu verrichten) noch stetig wuchs. Ohne Energie, insbesondere Erdöl, hätte es den derart raschen Aufbau unserer Industriegesellschaften so nicht geben können; sie lieferte die unabdingbare Grundlage. Für eine geraume Weile wiesen Finanzen und Energieressourcen also eine Gemeinsamkeit auf: exponentielles Wachstum. Wobei das Wachstum, auf dem das Finanzsystem beruht, primär in der Schaffung von Schulden (Anleihen, Kredite und als „Sahnehäubchen“ obendrauf: in der Kapitalisierung der Zinsen, sprich der Zinseszinsen) besteht. Geld wird aus dem Nichts geschaffen und hat einen höchst fiktiven Charakter, insofern es mit der physischen Welt, zu welcher der Block „begrenzt vorhandene(s) Energie/Erdöl“ gehört, kaum bis gar nichts zu tun hat.

Bloß: „Wenn dem aber so ist, haben wir hier ein Problem. Woher kommt dann das Geld, um damit die Zinsen auf diese Anleihen und Kredite zu bezahlen? Letztendlich muss dieses Geld aus neuen Krediten kommen, die andere an irgendeiner anderen Stelle innerhalb des Finanznetzwerks unserer Wirtschaft aufgenommen haben. Wenn keine neuen Kredite mehr gegeben werden, wird es irgendwo in diesem Netz Leute geben, die die Zinsen ihrer aufgenommenen Kredite nicht mehr zahlen können und daraufhin Bankrott gehen. Daher ist die Notwendigkeit eines ständigen Wachstums der Geldmenge ein Strukturmerkmal unseres Finanzsystems.“ (98)

All das kann nur so lange reibungslos gewährleistet werden, so lange auch die Realwirtschaft wächst – wofür es ein stetiges, wenn nicht sogar wachsendes, vor allem aber: erschwingliches Angebot an Energie geben muss. Nimmt das Energieangebot ab und der Preis zu, nimmt die Produktivität zwangsläufig ab und das Schuldenproblem ebenso zwangsläufig zu; das eine (Wachstum) ist ohne das andere (ausreichende, billige Energie) nicht zu haben.

Oder anders gewendet, die Finanzwirtschaft diktiert auf den kürzesten Nenner gebracht die Ausrichtung der Realwirtschaft: sie verlangt von der Realwirtschaft fortdauerndes Wachstum, um sich die Geldschöpfung moderner Zeiten bei einhergehender Kapitalisierung der Zinsen erlauben zu können – gibt es kein Wachstum, kollabiert das System. Grundlage für die Möglichkeit, Wachstum zu erzielen, ist der Verbrauch von (erschwinglicher) Energie, insbesondere gewonnen durch Erdöl – der insofern „gefährlichste(n) bewusstseinsverändernde(n) Substanz der Welt“. (99)

Keineswegs dem Zufall geschuldet (sollte man jedenfalls meinen), ist in diesem Kontext von Energie und Finanzen, dass die größten vier Erdölunternehmen der Welt bis heute eng „miteinander verflochtene Direktorien mit dem internationalen Mega-Banken“ aufweisen:

„Exxon Mobil teilt seine Vorstandsmitglieder mit JP Morgan Chase, Citigroup, Deutsche Bank, Royal Bank of Canada und Prudential. Chevron Texaco hat Verflechtungen mit Bank of America und JP Morgan Chase. BP Amoco teilt Vorstandsmitglieder mit JP Morgan Chase. Royal Dutch / Shell hat Verbindungen mit Citigroup, JP Morgan Chase, NM Rothschild & Sons und der Bank of England.

Der ehemalige Vorsitzende der Citibank, Walter Shipley, saß im Exxon Mobil-Vorstand, wie auch Wayne Calloway von Citigroup und Allen Murray von JP Morgan Chase. Willard Butcher von Chase saß im Aufsichtsrat von Chevron Texaco. Der ehemalige Vorsitzender der Fed, Alan Greenspan, kam von Morgan Guaranty Trust und diente im Vorstand von Mobil. Der Direktor von BP Amoco, Lewis Preston, fuhr fort, Präsident der Weltbank zu werden.

Andere Vorstandsmitglieder von BP Amoco waren Sir Eric Drake, die Nummer 2 des weltweit größten Hafenbetreibers P & O Nedlloyd und Vorstand von Hudson Bay Company und Kleinwort Benson. William Johnston Keswick, dessen Familie das Hongkong-Kraftpaket Jardine Matheson kontrolliert, saß im Vorstand von BP Amoco. Keswicks Sohn ist Direktor bei HSBC. Die Hongkong-Verbindung ist noch stärker bei Royal Dutch / Shell ausgeprägt.

Lord Armstrong of Ilminster saß im Vorstand von Royal Dutch / Shell, NM Rothschild & Sons, Rio Tinto und Inchcape. Der Eigentümer von Cathay Pacific Airlines und HSBC-Insider, Sir John Swire, war Direktor bei Shell, wie auch Sir Peter Uhl, der zusammen mit Armstrong im Vorstand von Inchape saß. Shell-Vorstandsmitglied Sir Peter Baxendell war wie Armstrong im Vorstand von Rio Tinto, während Shells Sir Robert Clark im Vorstand der Bank von England sitzt.

Als Folge des Deregulierungsfiebers in den USA müssen Unternehmen nicht mehr ihre Top-Aktionäre bei der SEC melden. Laut den Rechenschaftsberichten … von 1993 besitzen die kombinierten Banken von Rothschild, Rockefeller und Warburg immer noch die Kontrolle über das Big Oil.

Mit Stand von 1993 war Banker’s Trust der Nummer 1-Aktionar von Exxon. Chemical Bank war Nummer 4 und J. P. Morgan war Nummer 5. Beide sind jetzt Teil von JP Morgan Chase. Banker’s Trust wurde auch der größte Aktionär von Mobil. BP listete Morgan Guaranty als seinen größen Aktionär im Jahre 1993, während Amoco Banker’s Trust als Nummer 2-Aktionär führte. Chevron listete Banker’s Trust als Aktionär Nummer 5, während Texaco JP Morgan als Nummer 4-Eigentümer und Banker’s Trust als Nummer 9 führte.“ (100)

Diese Verflechtungen wiederum sind aufs Engste verknüpft mit dem, was sich die „Rockefeller-Welt“ nennen lässt.

Die „Rockefeller-Welt“

Um diese kurz und knapp vorzustellen, habe ich einen Essay des kanadischen Politikwissenschaftlers Andrew Gavin Marshall übersetzt, der feststellt, dass „es in der Geschichte Amerikas vom späten 19. Jahrhundert bis ins 20. Jahrhundert hinein ziemlich offensichtlich ist, dass die Rockefeller-Familie massiven Einfluss bei der Gestaltung der sozio-politischen und wirtschaftlichen Landschaft der Gesellschaft ausgeübt hat. Doch bis die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts zu Ende ging, gab es mehrere andere große dominante Familien, mit denen die Rockefellers die Macht teilten, namentlich vor allem mit den Morgans. Im Laufe des Jahrhunderts verbanden sich ihre Interessen noch weiter, und nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Rockefellers zur dominierenden Gruppe in Amerika, und wohl auch der Welt. Natürlich gab es die gut etablierten Geschäftsbeziehungen zwischen den großen Familien, welche aus der amerikanischen Industriellen Revolution, die ins 20. Jahrhundert überging, aufstiegen, gefolgt von der Gründung der großen Stiftungen, die entwickelt wurden, um sich im ,Social Engineering‘ zu betätigen. Es war innerhalb des Council on Foreign Relations (CFR – Rat für außenpolitische Beziehungen), dass die sich verändernde Dynamik des Morgan-Rockefeller-Clans am deutlichsten wurde.

Der Council on Foreign Relations ist die ultimative Netzwerk-Institution der amerikanischen Elite. Der Einfluss des CFR ist einmalig unter anderen Think Tanks. Eine Studie ergab, dass zwischen 1945 und 1972 rund 45% der Top-Außenpolitik-Beamten, die in der Regierung der Vereinigten Staaten dienten, auch Mitglieder des Rates waren, was ein prominentes Mitglied einmal damit erklärte, dass die Mitgliedschaft im Rat im Wesentlichen ein ,Eintrittsritual‘ für eine Mitgliedschaft im außenpolitischen Establishment ist. Ein Mitglied des Rates, Theodore White, erklärte, dass des Rats ,Mitgliedsliste für eine Generation, unter republikanischen und demokratischen Regierungen gleichermaßen, der Hauptnährboden für das Anwerben von Kabinettsbeamten in Washington gewesen ist.‘ (101)

Die CIA … ist auch kein Fremder gegenüber diesem Netzwerk, da in den ersten Jahrzehnten des Bestehens der Behörde ihre Führungskräfte eher öfter als nicht aus Ratsmitgliedern gewählt wurden, wie Allen Dulles, John A. McCone, Richard Helms, William Colby und George H.W. Bush. Wie einige Forscher untersucht haben:

,Der einflussreiche, aber private Rat, der sich aus mehreren Hundert politischen, militärischen, wirtschaftlichen und akademischen Top-Führungskräften zusammensetzt, ist seit langem der wichtigste ,Wahlkreis‘ der CIA in der amerikanischen Öffentlichkeit gewesen. Wenn die Behörde prominente Bürger für ihre eigenen (Schein-)Unternehmen oder für andere besondere Unterstützungen benötigte, hat sie sich oft an Mitglieder des Rats gewendet.‘ (102)

Rund 42% der obersten außenpolitischen Positionen in der Truman-Regierung wurden von Ratsmitgliedern ausgefüllt, von 40% in der Eisenhower-Administration, von 51% in der Kennedy-Regierung und 57% in der Johnson-Administration, von denen viele Überbleibsel aus der Kennedy-Regierung waren. (103) Der Rat hatte und hat weiterhin großen Einfluss in den Mainstream-Medien, durch die er in der Lage ist, seine Ideologie zu verbreiten, seine Agenda voranzutreiben und seinen Einfluss zu verbergen. Im Jahre 1972 waren drei von zehn Direktoren und fünf von neun Führungskräften der New York Times Ratsmitglieder. Im selben Jahr war eines von vier redaktionellen Führungskräften und vier von neun Direktoren der Washington Post auch Mitglieder des Rates, einschließlich ihrer Präsidentin, Katharine Graham, sowie des Vizepräsidenten Osborn Elliott, der auch Chefredakteur von Newsweek war. Sowohl vom Time Magazine als auch von Newsweek waren fast die Hälfte der Direktoren im Jahre 1972 Mitglieder des Rates. (104)

Der Rat hat auch umfangreiche Verbindungen zu den anderen großen amerikanischen Think Tanks, vor allem zum Brookings Institute sowie zur RAND Corporation, dem Hudson Institute, der Foreign Policy Association, und natürlich zu den Spezial-Stiftungen wie dem Carnegie Endowment for International Peace, von denen fünfzehn seiner 21 Treuhänder (Stand 1971) auch Mitglieder des Rates waren, und ihr Präsident von 1950 bis 1971, Joseph E. Johnson, war während des gleichen Zeitraums auch ein Direktor des Rates. (105)

Der Rat und die großen philantropischen Stiftungen verfügten nicht bloß über umfangreiche Beziehungen zueinander, sondern auch durch die Zusammenarbeit beim Aufbau von Forschungs- und Studienprogrammen in der Außenpolitik. Das Außenministerium der USA unternahm eine Studie von 191 Forschungszentren für außenpolitische Angelegenheiten, die mit Universitäten verbunden waren. Die Studie ergab, dass die größten Quellen der Finanzierung von der Ford-Stiftung (die 107 von den 191 Zentren förderte), der Bundesregierung (die 67 Zentren förderte), der Rockefeller-Stiftung (18 Zentren) und der Carnegie Corporation (17 Zentren) kamen, und dass ,für elf der Top-Zwölf-Universitäten mit Instituten für internationalen Studien Ford die wichtigste Quelle der Finanzierung ist.‘ (106) Diese Stiftungen, abgesehen davon, dass sie für den Rat im Laufe der Jahre von seinen Ursprüngen an große Finanzierungsquellen waren, teilen sich auch umfangreiche Führungskräftebeziehungen mit dem Rat. An der Spitze der Liste steht die Rockefeller-Stiftung, von neunzehn ihrer Direktoren im Jahre 1971 waren vierzehn auch Mitglieder des Rates; die Carnegie-Corporation folgte mit zehn von siebzehn; dann kam die Ford-Stiftung mit sieben von sechzehn; und der Rockefeller Brothers Fund mit sechs von elf Vorstandsmitgliedern, die auch Mitglieder des Rates waren. Es sollte ebenfalls darauf hingewiesen werden, dass das Carnegie-Netzwerk über die Carnegie Corporation hinausging und auch das Carnegie Endowment, das Carnegie Institute of Washington und die Carnegie Foundation for the Advancement of Teaching umfasste. Von seiner Gründung bis 1972 hatte ein Viertel aller Direktoren des Rates auch als Treuhänder oder als Direktoren von mindestens einer der vielen Carnegie-Stiftungen gedient. John J. McCloy hatte zur gleichen Zeit als Vorsitzender des Rates und der Ford Foundation gedient, von den 1950er Jahren bis in die späten 60er Jahre. (107)

Von allen Netzwerken, die mit dem Rat einhergehen, ist das am stärksten vertretene das der New Yorker Finanzoligarchie. Dies bezieht sich allgemein auf die kapitalistische Klasse, und genauer gesagt auf die Elite der Finanz- und Bankengruppen. In einer Erhebung aus dem Jahre 1969 wurde festgestellt, dass sieben Prozent der gesamten Mitgliedschaft des Rates von den besitzenden Vermögenden besetzt wurde, und weitere 33% von Top-Führungskräften und Direktoren von großen Konzernen. Rund 11% der Mitglieder des Rates hatten Verwandte, die auch Mitglieder waren, und die häufigste Beschäftigung für die Mitglieder des Rates, bei 40%, war in der Wirtschaft. Wenn Medien-Unternehmen hinzuaddiert werden, erreicht die Anzahl fast 50%, von denen weniger als 1% Gewerkschaften oder Organisationen der Arbeiterklasse repräsentieren. (108)

Wenn es um die Führung des Rates geht, so wird sie beinah ausschließlich aus Mitgliedern der herrschenden kapitalistischen Klasse ausgewählt. 22% der Direktoren des Rates hatten Verwandte, die auch Mitglieder des Rates waren. Die Finanzierung für den Rat wurde ebenfalls weitgehend aus dieser Gruppe bezogen, vor allem aus Stiftungen und Unternehmen sowie durch verschiedene Investitionen und den Abonnements für Foreign Affairs. Als der Rat 1929 ein eigenes Gebäude erhielt, trug einer der Direktoren des Rates, Paul Warburg, einen erheblichen Teil dazu bei, und John D. Rockefeller II. gab sogar noch mehr dazu. Als der Rat in ein größeres Gebäude im Jahre 1945 umzog, wurde das Haus von Mrs. Harold Pratt gespendet, deren Mann sein Vermögen mit dem Rockefeller-Unternehmen Standard Oil gemacht hatte, und John D. Rockefeller II. trug $ 150.000 für die Instandhaltung des Hauses bei. Zwischen 1936 und 1946 betrugen die Finanzierungsmittel, die von den großen Stiftungen kamen, im Durchschnitt rund $ 90.000 pro Jahr, zumeist von der Rockefeller Foundation und der Carnegie Corporation stammend, die ihre Finanzierung in den 1950er, 60er und 70er Jahre fortsetzten. Im Jahr 1953 gab die Ford-Stiftung ihren ersten großen Beitrag an den Rat in Höhe von $ 100.000 für eine Studie der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen, die von John J. McCloy geleitet wurde. Im selben Jahr wurde McCloy Vorsitzender des Rates, der Ford Foundation und der sich im Rockefeller-Besitz befindlichen Chase Bank. (109)

Unter den Top-Unternehmen und -Banken, die im Rat vertreten waren (Stand 1969/70), befanden sich: US Steel (gegründet von JP Morgan im Jahr 1901 nach der Übernahme von Andrew Carnegies Stahlunternehmen), Mobil Oil (heute mit Exxon fusioniert), Standard Oil of New Jersey (später zu Exxon Mobil geworden), IBM, ITT, General Electric, Du Pont, Chase Manhattan Bank, JP Morgan und Co. (jetzt mit Chase zu JP Morgan Chase fusioniert), First National City Bank, Chemical Bank, Brown Brothers Harriman, Bank of New York, Morgan Stanley, Kuhn Loeb, Lehman Brothers, und einige andere. (110)

Die New Yorker Finanzoligarchie konnte zuvor in getrennte Gruppen eingeteilt werden, insbesondere in die Rockefeller-Gruppe, die Morgan-Gruppe, die Harriman-Gruppe, die Lehman-Goldman-Sachs-Gruppe, und in ein paar ausgewählte andere. Die Rockefeller-Gruppe enthielt: die Chase Manhattan Bank, Chemical Bank, Bank of New York, Equitable Life, Metropolitan Life, Mobil Oil, Kuhn, Loeb, Milbank, Tweed, Hadley und McCloy (Anwaltskanzlei) und Standard Oil. Die Morgan-Gruppe enthielt: JP Morgan und Co., Morgan Stanley, New York Life, Mutual of New York, Davis – Polk (Anwaltskanzlei), US Steel, General Electric und IBM. Wie Laurence Shoup und William Minter in ihrem Buch über den Rat untersuchten:

,Seit dem Ursprung des Rates und bis in die frühen 1950er Jahre hinein wurde der prominenteste Platz im Rat von Männern besetzt, die mit den Morgan-Interessen verbunden waren. Seit den 1950er Jahren haben die Rockefeller-Interessen die wichtigste Rolle bei der Leitung der Angelegenheiten des Rates übernommen.‘ (111)

Der Rat, der immer schon ein Vertreter der Rockefeller-Interessen war, schien im Jahre 1953 offiziell von Morgan-Händen in die der Rockefeller-Familie überzugehen. Drei von den Söhnen von John D. Rockefeller II, John D. III, Nelson und David, traten dem Rat in den späten 30er und frühen 40er Jahren bei, und David wurde ein Direktor im Jahre 1949. Von 1953 bis 1971 wurde George S. Franklin der Geschäftsführer des Rates. Franklin war ein College-Zimmermitbewohner von David Rockefeller gewesen, und sie wurden durch Heirat miteinander verwandt, und er hatte bei der Anwaltskanzlei Davis – Polk (innerhalb der Morgan-Gruppe) gearbeitet, bevor er ein Assistent von Nelson Rockefeller wurde. 1950 wurde David Rockefeller ein Vizepräsident, und John J. McCloy, ein langjähriger Vertreter der Rockefeller-Gruppe, wurde 1953 der Vorsitzende des Rates sowie der Chase Bank der Rockefellers. Man könnte auch sagen, dass die Rockefeller-Gruppe die Ford-Gruppe in dieser Zeit übernahm, worauf die Übernahme der Position als Vorsitzender der Ford Foundation im gleichen Jahr durch McCloy hinweist (während er auch ein Treuhänder der Rockefeller Foundation war). In den folgenden Jahren wurden mehrere Führungspositionen im Rat von Organisationen innerhalb der Rockefeller-Gruppe besetzt. John W. Davis, Robert Roosa und Bill Moyers waren alle Ratsführungsfiguren, die mit der Rockefeller Foundation verbunden waren. (112)

Als die Jahre und Jahrzehnte vergingen, wurde die Rockefeller-Gruppe noch mächtiger und dominanter im amerikanischen Establishment und in der Tat auf der ganzen Welt, indem sie sich neben der Familie Rothschild als die prinzipiell dynastischen Herrscher der globalisierten Welt etablierte. Selbstverständlich gab und gibt es mehrere Verbindungen zwischen diesen dynastisch herrschenden Familien, vielleicht sogar so sehr, dass es schwierig sein kann, sie völlig voneinander zu unterscheiden. Beide waren an der Gründung der Bilderberg-Gruppe beteiligt und bleiben in ihrer Führung eingebunden. In den 1970er Jahren wurde es jedoch offensichtlich, dass die Rockefellers zur sicherlich einflussreichsten Dynastie in Amerika geworden waren, wenn nicht gar in der Welt (denn Amerika war und ist der imperiale Hegemon der Welt). Genauer gesagt, wuchs David Rockefeller zum vielleicht einflussreichsten Mann in Amerika, wenn nicht der Welt empor.

David Rockefeller machte 1936 seinen Abschuss in Harvard und ging dann zur Schule an der London School of Economics, wo er zum ersten Mal John F. Kennedy begegnete und sogar JKFs Schwester Kathleen den Hof machte. (113) Während des Zweiten Weltkrieges diente David Rockefeller in Nordafrika und Frankreich, indem er für den militärischen Nachrichtendienst arbeitete. (114) 1947 wurde er Vorstandsmitglied des Carnegie Endowment for International Peace, ein bedeutender internationaler Think Tank. Es war ein Job, der ihm vom Carnegie-Präsidenten, Alger Hiss, angeboten wurde. Weitere Mitglieder des Vorstands waren John Foster Dulles, der im 1953 Außenminister werden sollte; Dwight D. Eisenhower, der 1953 US-Präsident werden sollte; und Thomas J. Watson, der CEO von IBM. (115) Thomas J. Watson hatte zuvor die tiefe Geschäftsbeziehung von IBM zu Hitler bei der Bereitstellung der technischen Anlagen für die Organisation des Holocaust beaufsichtigt. (116) 1949 trat David Rockefeller dem Vorstand des Council on Foreign Relations bei. 1946 hatte er sich der Chase Bank angeschlossen, im Laufe der Jahre stieg er bis zur Ernennung zum Präsidenten im Jahre 1960 auf, und 1969 wurde er Vorsitzender und CEO von Chase Manhattan.

David Rockefeller besaß schon lange familiäre Bindungen zu den Dulles-Brüdern, die er persönlich seit seiner College-Zeit kannte. (117) Allen Dulles war der CIA-Direktor und John Foster Dulles war der Außenminister Eisenhowers. David war ebenfalls verbunden mit Richard Helms, dem ehemaligen Top-CIA-Beamten, sowie mit Archibald Roosevelt Jr., einem ehemaligen CIA-Agenten, der bei Chase Manhattan gearbeitet hatte, und mit dessen Bruder Kermit Roosevelt, ein weiterer CIA-Agent, der 1953 für die Organisation des Putsches im Iran verantwortlich war. (118) David Rockefeller entwickelte auch enge Verbindungen zu einem weiteren ehemaligen CIA-Agenten, William Bundy, der enge Beziehungen zu CIA-Direktor Allen Dulles unterhielt und später im Verteidigungs- und Außenministerium sowohl in der Regierung von John F. Kennedy als auch von Lyndon Johnson diente, wo er eine zentrale Beraterfunktion für Fragen des Vietnam-Kriegs innehatte. 1971, ein Jahr, nachdem David Rockefeller Vorsitzender des Council on Foreign Relations geworden war, wurde Bundy von David eingeladen, der Herausgeber von Foreign Affairs zu werden, der einflussreichen Zeitschrift des Council on Foreign Relations, die er dann 11 Jahre lang leitete. (119) David wurde auch ausführlich über verdeckte geheimdienstliche Operationen von verschiedenen CIA-Abteilungsleitern unter Anweisung von Direktor Allen Dulles informiert, Davids ,Freund und Vertrautem.‘ (120)

Somit war David Rockefeller in den frühen 1970er Jahren auf eine Position von großem Einfluss als Vorsitzender des Rates und der Chase Manhattan emporgestiegen, die ihn ins Zentrum jenes Netzes platzierte, das Amerikas imperiale Interessen definiert, entwickelt und von ihnen profitiert.“

Die Entwicklung des „Imperiums USA” während und nach dem Zweiten Weltkrieg ist auf das Wirken dieses eingegrenzten Zirkels zurückzuführen und stellt keineswegs einen „historischen Unfall” dar – sprich „etwas, in das Amerika scheinbar als Ergebnis seines ungehinderten wirtschaftlichen Wachstums und der militärisch-politischen Position als Schiedsrichter der Welt über Frieden und Wohlstand hineinstolperte“ –, wiewohl ganze Bibliotheken mit Büchern gefüllt werden könnten, die das „American Empire” oder die „amerikanischen Hegemonie” als eine rein zufällige (wenn auch aus ihrer Sicht begrüßenswerte) Laune der Geschichte hinstellen.

„Robert Kagan ist ein prominenter amerikanischer neokonservativer Historiker. Er ist Senior Fellow an der renommierten Denkfabrik des Brookings Institute, war einer der Gründer des neokonservativen Project for the New American Century (PNAC – Projekt für das neue amerikanische Jahrhundert), arbeitete früher im Außenministerium der USA in der Reagan-Administration unter Außenminister George Shultz, und diente seit über einem Jahrzehnt als Senior Associate beim Carnegie Endowment for International Peace, und natürlich ist er ein Mitglied des Council on Foreign Relations. Kagan hat sehr viel über den Begriff der amerikanischen Hegemonie geschrieben. Wie er im Jahre 1998 in der Zeitschrift Foreign Policy schrieb: ,Die Wahrheit über die dominierende Rolle Amerikas in der Welt ist den meisten internationalen Beobachtern mit klaren Augen bekannt.‘

Diese Wahrheit, laut Kagan, ,ist, dass die wohlwollende Hegemonie, die durch die USA ausgeübt wird, gut für einen riesigen Teil der Weltbevölkerung ist.‘ Samuel Huntington, ein weiteres Mitglied des Rates und prominenter amerikanischer Stratege, schrieb: ,Eine Welt ohne US-Vorherrschaft wird eine Welt mit mehr Gewalt und Unordnung und weniger Demokratie und wirtschaftliches Wachstum sein als eine Welt, in der die Vereinigten Staaten weiterhin mehr Einfluss als jedes andere Land in globalen Angelegenheiten haben.‘ (121) Dieses ,wohlwollende Imperium‘ – wie Kagan seinen Artikel betitelte – beruht auf so grundlegenden Ideen wie der Vorstellung, ,dass die amerikanische Freiheit abhängig ist vom Überleben und der Verbreitung der Freiheit an anderer Stelle‘, und dass ,amerikanischer Wohlstand nicht in Abwesenheit globalen Wohlstands auftreten kann.‘ Seit einem halben Jahrhundert, schrieb Kagan, sind die Amerikaner ,durch die Art des aufgeklärten Eigeninteresses geleitet worden, das in der Praxis gefährlich nahe an Großzügigkeit herankommt.‘ (122)

Sebastian Mallaby, ein Senior Fellow des Council on Foreign Relations, früheres Mitglied der Chefredaktion und ehemaliger Kolumnist der Washington Post sowie Korrespondent und Büroleiter für The Economist, schrieb in der Zeitschrift Foreign Affairs, dass ,Imperien nicht immer geplant sind‘, indem er sich auf Amerika als ,den zurückhaltenden Imperialisten‘ bezieht. (123) Lawrence Summers, ein weiterer prominenter Ökonom, Politiker und politischer Entscheidungsträger für die Clinton- und Obama-Regierungen, wies auf Amerika als ,die einzige nicht-imperialistische Supermacht der Geschichte‘ hin. (124) Niall Ferguson, ein prominenter britischer liberaler Wirtschaftspolitik-Historiker, hat ausführlich über die offene Anerkennung des ,American Empire‘ geschrieben, sieht aber, wie er es in seinem Buch Colossus getan hat, ,dass die Vereinigten Staaten ein Imperium sind, und das ist möglicherweise nicht ganz schlecht.‘ Bezugnehmend auf Amerika als ,unbewussten Koloss‘, betonte Ferguson, dass ,ein selbstbewusster amerikanischer Imperialismus vorteilhafter sein könnte als die verfügbaren Alternativen.‘ (125) Ferguson unterstreicht in der Tat die Notwendigkeit für die Amerikaner, ,die imperialen Eigenschaften ihrer eigenen heutigen Macht zu erkennen [geschrieben 2005] und, wenn möglich, aus den Erfolgen und Misserfolgen der vergangenen Imperien zu lernen.‘ Dies, so empfand Ferguson, würde die sogenannten ,Gefahren‘ eines ,abgeleugneten Imperiums‘ reduzieren. (126)

Arthur Schlesinger Jr., der berühmte amerikanische liberale Historiker und Berater von Präsident Kennedy, schrieb, dass die Vereinigten Staaten ,ein informelles Imperium‘ genießen, ,Militärbasen, rechtliche Truppen-Vereinbarungen, Handelszugeständnisse, multinationale Konzerne, kulturelle Durchdringungen und andere Gefälligkeiten‘, und doch, so macht Schlesinger geltend, ,sind (diese) marginal gegenüber dem Thema direkter Kontrolle‘“. Indem die USA „weit entfernt vom Beherrschen eines Imperiums im alten Sinne“ seien, wären sie „,der virtuelle Gefangene ihrer Vasallenstaaten geworden‘. (127) Einige andere Kommentatoren haben Amerika als ,virtuelle‘ oder sogar ,versehentliche‘ imperiale Macht bezeichnet. (128)

Die Vorstellung von Amerika als einem ,zurückhaltenden Imperialisten‘ oder eines ,wohlwollenden Imperiums‘ ist nicht neu. Dies ist die Hauptstütze in der wissenschaftlichen Literatur und in den Politik-Planungskreisen gewesen, um die Existenz der amerikanischen Vorherrschaft in der Welt sowohl zu befürworten als auch zu rechtfertigen. Das Konzept der widerstrebenden, aber wohlwollenden Großmacht präsentiert das Bild einer pflichtbewussten Person, die denen, die sich in Not befinden, zu Hilfe eilt, dabei einer Verantwortung folgend, die sich aus großer Macht ableitet. … Dieser Mythos ist eine konstante Grundlage für die Befürwortung und Rechtfertigung des Imperiums gewesen.“

Der Zweite Weltkrieg bot die große Möglichkeit, die Grundlage für diesen Mythos zu schaffen, und er bot „eine neue Herausforderung für Amerika in der Welt. Die Gelegenheit war, das mächtigste Imperium der Welt zu werden, das die Geschichte je erlebte; die Herausforderung war somit, es in explizit anti-imperialistischer Rhetorik zu rechtfertigen. Amerika war also kein zögerndes oder zufälliges Imperium, noch war es, was das betrifft, ein wohlwollendes. Amerika wurde ausgewählt, um ein Imperium zu sein; es wurde strategisch angelegt, diskutiert, debattiert, geplant und umgesetzt. Die wichtigsten Architekten dieses Imperiums waren die Banker und Konzerne, die aus der Industriellen Revolution Amerikas im späten 19. Jahrhundert entstanden, die philanthropischen Stiftungen, die sie im frühen 20. Jahrhundert gründeten, die prominenten Denkfabriken, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts geschaffen wurden, und die großen Wissenschaftler, Strategen und politischen Entscheidungsträger, die aus den von den Stiftungen geförderten Universitäten, Instituten, Think Tanks und der Wirtschaft kamen, und die die Korridore der Macht in den Planungskreisen dominierten, in denen die Politik gemacht wurde.

Kaum hatte der Zweite Weltkrieg begonnen, da begannen die amerikanische Strategen nach einem neuen globalen amerikanischen Imperium zu rufen. Henry R. Luce, ein Yale-Absolvent und Gründer des Time Magazine, von Life und Fortune, war einer der einflussreichsten Verleger Amerikas in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ein starker Befürworter der Republikanischen Partei und virulent antikommunistisch, war Luce auch ein überzeugter Verfechter des Faschismus in Europa – vor allem in Mussolinis Italien und in Nazi-Deutschland – als Mittel zur Verhinderung der Ausbreitung des Kommunismus. 1941 schrieb Luce einen berühmten Artikel in Life mit dem Titel ,The American Century‘, in dem er erklärte: ,Das 20. Jahrhundert muss zu einem erheblichen Grad ein amerikanisches Jahrhundert sein.‘ Luce schrieb, dass Amerika ,das undefinierbare, untrügliche Zeichen von Führung hat: Prestige.‘ Anders als bei früheren Imperien wie Rom, dem von Dschingis Khan oder dem imperialen Großbritannien, wäre ,das amerikanische Prestige in der ganzen Welt der Glaube an die guten Absichten sowie die letztliche Intelligenz und die letztliche Festigkeit des ganzen amerikanischen Volks.‘ (129) Luce empfand, dass das ,Leben in Fülle‘ von Amerika ,für die ganze Menschheit‘ verfügbar gemacht werden sollte, sobald die Menschheit ,Amerikas Vision‘ erfassen würde. Luce schrieb:

,Es muss ein Teilen unserer Bill of Rights, unserer Unabhängigkeitserklärung, unserer Verfassung, unseren großartigen industriellen Produkten, unserer technischen Fähigkeiten mit allen Völkern sein. Es muss ein Internationalismus des Volkes, durch das Volk und für das Volk sein. … Wir müssen uns jetzt verpflichten, der barmherzige Samariter der ganzen Welt zu sein.‘ (130)

Während Luce womöglich der erste Theoretiker war, der den spezifischen Begriff des ,American Century‘ setzte, wurde die eigentliche Arbeit, um dieses Jahrhundert (oder zumindest die zweite Hälfte davon) für Amerika zu schaffen, hauptsächlich durch den Council on Foreign Relations und den prominenten Strategen Dean Acheson initiiert. Als Deutschland 1939 Polen überfiel, gab Dean Acheson eine Rede an der Yale-Universität mit dem Titel ,Eine amerikanische Haltung gegenüber auswärtigen Angelegenheiten‘, in der er eine Vision von Amerika in der nahen Zukunft artikulierte, und es war, wie er sich später erinnerte, zum Zeitpunkt des Haltens dieser Rede, dass Acheson die ,Arbeit an einem neuen Nachkriegsweltsystem‘ begann. Acheson erklärte in seiner Rede, dass ,unsere vitalen Interessen … uns nicht erlauben, gleichgültig zu sein gegenüber dem Ergebnis der Kriege‘, die in Europa und Asien ausbrachen. Die Ursache des Krieges war laut Acheson ,das Versagen einiger Mechanismen der Weltwirtschaft des 19. Jahrhunderts‘, das in ,diesem Auseinanderbrechen der Welt in exklusive Bereiche für die bewaffnete, verwaltete Ausbeutung entlang orientalischer Linien‘ resultierte. Die Wiederherstellung eines Weltfriedens, sagte Acheson, würde ,einen breiteren Markt für Waren, die unter menschenwürdigen Standards hergestellt werden‘, erfordern, als auch ,ein stabiles internationales Währungssystem‘ und die Beseitigung von ,exklusiven Präferenzhandelsabkommen.‘ Im Grunde war es ein Eintreten für eine globale liberale Wirtschaftsordnung als Mittel zum Frieden in der Welt, und ohne einen Anflug von Ironie forderte Acheson sodann die sofortige Einrichtung einer ,Marine und Luftwaffe, die adäquat ist, um uns in beiden Ozeanen gleichzeitig zu schützen, und mit einer Schlagkraft ausgerüstet, die ausreicht, um die andere Seite eines jeden von ihnen sicher zu erreichen.‘ (131) Dean Acheson war ebenfalls eng an den Plänen des Council on Foreign Relations für die Gestaltung der Nachkriegs-Weltordnung beteiligt.

Der Council on Foreign Relations und die “Grand Area”

Bevor Amerika überhaupt in den Krieg Ende 1941 eingetreten war, hatte der Council on Foreign Relations (CFR) die Planung für den angenommenen Eintritt Amerikas in den Krieg begonnen. … Als der Krieg ausbrach, begann der Rat ein ,streng vertrauliches‘ Projekt mit dem Namen der Kriegs- und Friedens-Studien (War and Peace Studies), in denen Top-CFR-Mitglieder mit dem US-Außenministerium an der Festlegung der US-Politik kollaborierten, und das Projekt wurde vollständig von der Rockefeller Foundation finanziert. (132) Das War and Peace Studies-Projekt wartete mit einer Reihe von Initiativen für die Nachkriegs-Welt auf. Eines der wichtigsten Ziele, die es ausbreitete, war die Identifizierung jener Bereiche der Welt, die Amerika kontrollieren müsste, um ein starkes Wirtschaftswachstum zu erleichtern. Dies wurde als die ,Grand Area‘ bekannt, und sie enthielt:

Lateinamerika, Europa, die Kolonien des britischen Empire und ganz Südostasien. Südostasien war als eine Quelle von Rohstoffen für Großbritannien und Japan und als Verbraucher von japanischen Produkten notwendig. Als das amerikanische nationale Interesse wurde die Integration und die Verteidigung der Grand Area definiert, was zu den Plänen für die Vereinten Nationen, des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank führte, und schließlich zu der Entscheidung, Vietnam gegen eine kommunistische Machtübernahme um jeden Preis zu verteidigen. (133)

1940 begann der Council on Foreign Relations auch eine breit angelegte Studie über die ökonomischen Bedürfnisse der Vereinigten Staaten in Kriegszeiten (vor Eintritt der USA in den Krieg), bei der die Welt in vier Haupt-Blöcke geteilt wurde: Kontinentaleuropa (das zu der Zeit von Deutschland beherrscht wurde), die US-westliche Hemisphäre, das Vereinigte Königreich samt seiner Kolonial- und Commonwealth-Nationen sowie die fernöstliche Pazifik-Region einschließlich Japan, China und Niederländisch-Ostindien. Die Studie erstellte eine Liste der wichtigsten Importe und Exporte der jeweiligen Region. Nach Abschluss der Studie im Herbst 1940 schickte der Rat seine Schlussfolgerungen und Empfehlungen an Präsident Roosevelt und ans Außenministerium. Die Schlussfolgerungen hielten fest, dass die Vereinigten Staaten größere Exportmärkte für ihre Produkte benötigten, und in Besonderheit, dass die USA ,living space‘ (oder wie der deutsche Nazi-Staat ihn bezeichnete, Lebensraum) in der gesamten westlichen Hemisphäre und darüber hinaus bräuchten, sowie eine Handels- und Wirtschaftsintegration mit den Blöcken des Fernen Ostens und des britischen Empire / Commonwealth. In dem Bericht hieß es unverblümt: ,Als Minimum umfassen die amerikanischen ‘nationalen Interessen’ den freien Zugang zu Märkten und Rohstoffen des britische Empire, des Fernen Ostens und der gesamten westlichen Hemisphäre.‘ (134)

Das war der Grundstein für die Grand Area-Entwürfe des Rates in der Nachkriegszeit. Das Grand Area-Projekt betonte, dass für das Management der ,Grand Areas‘ der Welt durch Amerika multilaterale Organisationen erforderlich wären, um ,geeignete Maßnahmen in den Bereichen Handel, Investitionen und Währungsordnung‘ zu erleichtern. Die Studie betonte fernerhin die Notwendigkeit zur Aufrechterhaltung einer ,militärischen Überlegenheit‘, um die Kontrolle über diese Bereiche zu erleichtern. Wie der Report des Rates von 1940 an das US-Außenministerium erklärte: ,Die wichtigste Erfordernis für die Vereinigten Staaten in einer Welt, in der sie vorschlägt, unbestrittene Macht innezuhaben, ist die schnelle Erfüllung eines Programms zur kompletten Aufrüstung‘, was ,erhöhte Militärausgaben und andere Risiken beinhalten‘ würde. (135)

Während das Grand Area-Projekt für die Vereinigten Staaten im Laufe des Zweiten Weltkriegs gemacht und entworfen wurde, enthielt es Pläne für die Nachkriegszeit und umfasste in seiner Konzeption Kontinentaleuropa im Anschluss an die angenommenen Niederlage von Deutschland. Womit, wie der Ökonom Ismael Hossein-Zadeh schrieb, ,die Grand Area global gemacht wurde.‘ Die Idee hinter der ,Grand Area‘ war ,sogar noch grandioser – eine Weltwirtschaft, die durch die Vereinigten Staaten dominiert wird‘, und die Studie selbst schlug vor, dass die Grand Area ,dann ein organisierter Nukleus für den Aufbau einer integrierten Weltwirtschaft nach dem Krieg sein würde.‘ (136) Wie Shoup und Minter in ihrer Studie über den Rat, Imperial Brain Trust, schrieben, ,mussten die Vereinigten Staaten in den Krieg eintreten und eine neue Weltordnung zur Zufriedenheit der Vereinigten Staaten organisieren.‘ (137) Wohlwollend, in der Tat.

Nach Pearl Harbor und dem Eintritt der USA in den Krieg, hatte der Rat bereits 1941 das Fazit gezogen, dass die Niederlage der Achsenmächte nur eine Frage der Zeit sei. Dementsprechend trieben sie ihre Pläne für die Nachkriegszeit voran, die Grand Area dahingehend erweiternd, ,den gesamten Globus zu umfassen. Eine neue Weltordnung mit internationalen politischen und wirtschaftlichen Institutionen wurde projiziert, die alle Nationen der Erde unter der Führung der Vereinigten Staaten verbinden und integrieren würde. Die Vereinheitlichung der ganzen Welt war nun das Ziel des Council [on Foreign Relations] und der staatlichen Planer.‘ (138)

Als Teil dieses Planungsprozesses bildete das US-Außenministerium den Beratenden Ausschuss zur Nachkriegs-Außenpolitik (Advisory Committee on Postwar Foreign Policy) im späten Dezember 1941, dessen erstes produziertes Dokument ,die Gefahr einer erneuten Weltwirtschaftskrise und die Notwendigkeit zur Schaffung von Vertrauen in die Stabilität der Weltwirtschaft betonte.‘ Deshalb ,mussten die Vereinigten Staaten an den inneren Angelegenheiten der wichtigsten Industrie- und Rohstoffe produzierenden Länder beteiligt sein.‘ Eine zentrale Frage dabei war, wie einer der Nachkriegszeit-Planer artikulierte: ,Wie schafft man Kaufkraft außerhalb unseres Landes, die sich in inländische Kaufkraft durch den Export umwandelt.‘ Die Idee drehte sich darum, .entsprechende Institutionen auszuarbeiten‘, die diese Rolle erfüllen würden, was schließlich zur Bildung des IWF und der Internationalen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (später als Weltbank bekannt) führte. Die Nachkriegs-Planer mussten ständig eine Idee von einer internationalen Ordnung konstruieren, die von den Vereinigten Staaten ausgerichtet war und nicht so leicht der formalen Kolonialzeit oder ihrer Methoden ausgeübter Hegemonie ähnelte. (139)

Empfehlungen des Rates schlugen vor, dass solche neuen internationalen Finanzinstitutionen notwendig wären im Sinne von ,Stabilisierung von Währungen und der Erleichterung von Programmen der Kapitalinvestition für konstruktive Unternehmungen in rückständigen und unterentwickelten Regionen.‘ Diese Pläne enthielten die Errichtung einer Internationalen Wiederaufbaufinanzunternehmung (International Reconstruction Finance Corporation) und einer ,internationalen Investment-Agentur, die den Welthandel und Wohlstand durch Erleichterung von Investitionen in Programme zur Entwicklung der ganzen Welt fördern würde.‘ Diese Pläne wurden in Empfehlungen ausgearbeitet und an Präsident Roosevelt und das Außenministerium übergeben. (140)

Ein Mitglied des Rates schlug vor: ,Es könnte klug sein, zwei Finanzinstitute einzurichten: eines ein internationales Währungsaustausch-Gremium und eines eine international tätige Bank für kurzfristige Transaktionen, die nicht direkt mit einer Stabilisierung zu tun haben.‘ Somit hat der Rat im Jahr 1941 und 1942 Pläne erarbeitet, die in der Bildung der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds (IWF) mündeten, die formal aus der Konferenz von Bretton Woods 1944 hervorgingen, ein Ereignis, das gemeinhin als die ,Geburtsstätte‘ der Weltbank und des IWF anerkannt wird, dabei die ideologischen Wurzeln im Council on Foreign Relations zwei bis drei Jahre vorher ignorierend. Die internen Abteilungsausschüsse, die im Außenministerium und dem Schatzamt eingerichtet wurden, waren mit Ratsmitgliedern besetzt, die die endgültigen Pläne für die Schaffung dieser beiden wichtigen Institutionen ausarbeiteten. (141)

Während der Völkerbund ein wichtiges Ziel des von der Rockefeller-Foundation und Carnegie-Corporation finanzierten Council on Foreign Relations nach dem Ersten Weltkrieg gewesen war, so waren es die Vereinten Nationen gegen Ende des Zweiten Weltkriegs. Ein Lenkungsausschuss, bestehend aus US-Außenminister Cordell Hull und fünf Council on Foreign Relations-Mitgliedern, wurde 1943 gegründet. Eines der Mitglieder des Rates, Isaiah Bowman, schlug einen Weg vor, um das Problem der Aufrechterhaltung wirksamer Kontrollen über schwächere Gebiete bei gleichzeitiger Vermeidung offener imperialer Eroberung zu lösen. Bei einem Treffen des Council [on Foreign Relations] im Mai 1942 erklärte er, dass die Vereinigten Staaten die Stärke ausüben müssten, die nötig sei, um ,Sicherheit‘ zu garantieren, und um gleichzeitig ,konventionelle Formen des Imperialismus zu vermeiden.‘ Die Art und Weise, dies zu tun, argumentierte er, war, diese Befugnis internationalen Charakters durch ein Organ der Vereinten Nationen auszuüben. (142)

Der ,geheime Lenkungsausschuss‘, später informelle Agenda-Gruppe (Informal Agenda Group) genannt, unternahm eine Reihe von Konsultationen und Treffen mit ausländischen Regierungen, die unerlässlich bei der Schaffung der neuen Institution waren, einschließlich der Sowjetunion, Kanada und Großbritannien, und die Charta der Vereinten Nationen wurde anschließend mit dem Einverständnis von Präsident Roosevelt im Juni 1944 beschlossen. (143) Die informelle Agenda-Gruppe bestand aus sechs Personen, darunter Außenminister Cordell Hull. Alle von ihnen, mit Ausnahme von Hull, waren Mitglieder des Rates. Präsident Roosevelt hatte sie als ,meine Nachkriegs-Berater‘ bezeichnet, und abgesehen von formalen politischen Empfehlungen ,dienten‘ sie ,als Berater des Außenministers und des Präsidenten für die endgültigen Entscheidungen.‘ Im Dezember 1943 wurde ein neues Mitglied in die Gruppe aufgenommen, Vize-Außenminister Edward R. Stettinius Jr., der nicht nur ein Mitglied des Rates war, sondern ein ehemaliger Top-Manager bei der United States Steel, und außerdem war er der Sohn eines Partners in der JP Morgan Bank. Nachdem die Gruppe die Empfehlungen für ein Organ der Vereinten Nationen erarbeitet hatte, bat Außenminister Cordell Hull drei Juristen, über ihre Verfassungsmäßigkeit zu befinden. Die drei Anwälte, die er wählte, waren Charles Evan Hughes, John W. Davis und Nathan L. Miller. Hughes und Davis waren beide Mitglieder des Rates, und John Davis war sogar ein ehemaliger Präsident des Rates und blieb ein Direktor. (144) John D. Rockefeller Jr. spendete den Vereinten Nationen anschließend $ 8.5 Millionen, um das Grundstück für ihren Hauptsitz in New York City zu kaufen.“ (145)

Professor Carroll Quigley und der Artikel, der zu wenig sagte

Nun ist es vielleicht interessant zu erfahren, wo dieser überaus einflussreiche Council on Foreign Relations eigentlich herkommt, was er ist, und was er nicht ist. Um darüber ein wenig Klarheit zu verschaffen, möchte ich Sie vertraut machen mit einer Kontroverse um die historischen Untersuchungen von Carroll Quigley – Untersuchungen, die eine mehrjährige, privilegierte Original-Forschung in den Archiven des Royal Institute of International Affairs in London und des Council on Foreign Relations in New York City umfassten.

Aus dem Grunde folgt zu dieser Kontroverse ein Essay von Kevin Cole, den ich ins Deutsche übersetzte. (146) Es handelt sich dabei, wie ich finde, um eine faszinierende Geschichte, die zu erzählen lohnt.

Cole schreibt:

„Am 23. März 1975 erschien ein Artikel im Washington Post Sunday Magazine mit dem Titel ,Der Professor, der zu viel wusste‘, und dem Untertitel: ,Durch das Entleihen ein paar wichtiger Seiten aus seinem Buch, wird Gelehrter zum unwilligen Helden der Ultra-Rechten.‘

Der Zweck des Artikels scheint es gewesen zu sein, die Kontroverse um den geschätzten Professor für Geschichte an der Georgetown University, Carroll Quigley (1910-1977), nach der Veröffentlichung, Unterdrückung und Piraterie seines Opus Magnum Tragedy and Hope: A History of the World in Our Time (Tragödie und Hoffnung: Eine Geschichte der Welt in unserer Zeit) hervorzuheben, das 1966 veröffentlicht und in den 20 Jahren zwischen 1945 bis 1965 erschöpfend erforscht und geschrieben worden war.

Für alle, die nicht mit der historischen Bedeutung dieses einflussreichen Autors und Professors vertraut sind, sei gesagt, dass er in den Vordergrund des öffentlichen Bewusstsein gebracht wurde, als der ehemalige Student, Rhodes Scholar und Präsident der Vereinigten Staaten, William Jefferson Clinton, ihn öffentlich in seiner Rede auf der Democratic National Convention im Jahre 1992 anerkannte.

,Als Teenager hörte ich John Kennedys Aufruf zur Staatsbürgerschaft. Und dann, als Student in Georgetown, hörte ich diesen Aufruf von einem Professor namens Carroll Quigley verdeutlicht, der uns sagte, dass Amerika die größte Nation in der Geschichte ist, weil unser Volk immer an zwei Dinge geglaubt hat: dass morgen besser sein kann als heute, und dass jeder von uns eine persönliche moralische Verantwortung hat, es dazu zu machen.‘

– Präsident William Jefferson Clinton

Professor Quigley erhielt seinen BA, MA und Ph.D von der Harvard-Universität und unterrichtete Regierungsstudien und Geschichte in Princeton und Harvard, ehe er an die Georgetown University umzog. Dort wurde er Professor für Geschichte der School of Foreign Service auf Wunsch von Vater Edmund Walsh, Societas Jesu, der die Schule (SFS) an der Georgetown University im Jahre 1919 gegründet hatte. Im Laufe der Jahre wurde Quigley Berater des US-Verteidigungsministeriums, der Marine, des Außenministeriums, des Kongressausschusses, der die NASA schuf, und Berater des Smithsonian Institute.

Quigley kam zunächst nach Georgetown, um ,Entwicklung der Zivilisation‘ zu lehren, was auf früheren Versionen seines ersten Buches beruhte, The Evolution of Civilizations. Während sein Einfluss auf seine Schüler, die Schule und Dozenten gut dokumentiert ist, ist er nunmehr besser für seine Bücher bekannt. Die letztgültige Ausgabe der ,Evolution der Kulturen‘ wurde 1961 veröffentlicht, gefolgt von Tragedy and Hope 1966, The World Since 1939: A History (Die Welt seit 1939: Eine Geschichte) 1968 (eine abgespeckte Auszugs-Version der zweiten Hälfte von T & H), und zwei Bücher, die beide posthum veröffentlicht wurden: The Anglo-American Establishment: From Rhodes to Cliveden (Das anglo-amerikanische Establishment: Von Rhodes bis Cliveden) (1981) und Weapons Systems and Political Stability: A History (Waffensysteme und politische Stabilität: Eine Geschichte) (1983).

In dem oben erwähnten Artikel ,Der Professor, der zu viel wusste‘, wird die Diskussion über Quigleys Werk und Karriere auf eine ,Rechtsaußen‘-gegen-,Linksaußen‘-Dichotomie beschränkt, die der Historizität und Richtigkeit der Behauptungen, die er in seinen berühmtesten und aufschlussreichsten Werken Tragedy and Hope und später The Anglo-American Establishment machte, einen Bärendienst erwies. Dank unabhängiger Forscher wurde eine Audio-Aufnahme von 1974 aus dem Archiv der Universität Georgetown geborgen, die das eigentliche Interview enthält, das für diesen Artikel durchgeführt worden war. Dies ist ein sehr seltenes und offenes Interview von Professor Quigley in einer längeren Diskussion über die ,Kontroverse‘ um Tragedy and Hope. Die Audio-Aufnahme scheint seit mindestens 1998 in der Öffentlichkeit online gewesen zu sein.

,Das Argument, dass die beiden Parteien entgegengesetzte Ideale und Politiken repräsentieren sollen, vielleicht eine der Rechten und die andere der Linken, ist eine dumme Vorstellung, nur akzeptabel für den Doktrinären und für akademische Denker. Stattdessen sollten die beiden Parteien fast identisch sein, so dass das amerikanische Volk bei einer Wahl ,die Gauner rauswerfen‘ kann, ohne dass es zu irgendwelchen tiefgreifenden oder extremen Verschiebungen der Politik kommt.‘

– “Tragedy and Hope: A History of the World in Our Time” von Carroll Quigley

Während wir dankbar dafür sind, dass jemand die Weitsicht hatte, sich hinzusetzen und Quigley aufzunehmen, bevor er einige Jahre später verstarb, kann ich nicht anders als enttäuscht sein über die verpasste Chance, schwierige Fragen zu stellen und über sie in dem Artikel, der folgte, tatsächlich zu berichten. Wir wissen nunmehr vom Anhören des Tonbands, dass der Artikel, der dem Interview folgte, selektiv im Umfang war und auf viele Fälle verzichtete, in denen Carroll Quigley scheinbar in Angst um seine Karriere und/oder Leben war, wenn bestimmte Tatsachen offenbart werden würden. Während des Interviews signalisierte Quigley dem Interviewer unaufhörlich, das Tonbandgerät abzuschalten, ,diskret‘ zu sein, und an einer Stelle erklärte er gar: ,Ich weiß nicht, ob Sie das aufs Band tun wollen‘ … ,Sie müssen meine Zukunft schützen … wie auch Ihre eigene.‘

Doch der Artikel, der verschämt behauptet, dass Quigley ,zu viel wusste‘, versäumt es, Quigleys eigene Aussagen auf dem Band oder eine der im Raume stehenden ,wichtigen Seiten‘ zu adressieren, von denen der Autor behauptet, dass sie von der ,Ultra-Rechten‘ aus dem Zusammenhang gerissen wurden. Statt die Diskussion mit Quigley auf das zu konzentrieren, was er eigentlich in seinen historischen Untersuchungen herausgefunden hatte, die Original-Forschung in den Macht- und Einfluss-Monopolen des Royal Institute of International Affairs und des Council on Foreign Relations enthielten (beide organisiert vom Treuhänder des Letzten Willens und Testaments des britischen Erz-Imperialisten und Gründers von DeBeers Diamond Co., Cecil John Rhodes), vermeidet der Artikel diese Fakten leider und untersucht Personen der sogenannten ,Rechten‘, denen Quigley vorwarf, dass sie seine Arbeiten unterschlagen, falsch interpretiert und plagiiert hätten. Indem er dies tut, vermeidet der Verfasser des Artikels jede wirkliche Untersuchung der historischen ,Secret Society‘ (,Geheimgesellschaft‘), von der Professor Quigley geltend machte, dass er sie in seinen Werken gründlich entlarvt hatte. …

Quigleys Frustration, wenn man das Audio-Interview anhört, scheint von der comic-artigen Weise herzurühren, in der seine gründlich recherchierte Geschichte dargestellt wurde, dass bestimmte Personen einfach den Sinn nicht begriffen, und dass seine ursprüngliche und historische Darstellung der ,Secret Society‘, die er zu beleuchten versuchte, für Profit und politische Vorteile verzerrt worden war.“

Eines der Bücher, das in diesem Zusammenhang genannt wurde, None Dare Call It Conspiracy von Gary Allen, „hatte behauptet, dass Tragedy and Hope die Existenz einer ,machtbesessenen Clique‘ zutage gebracht habe, die ,die Welt kontrollieren und beherrschen will.‘ Quigleys Behauptung war, dass dies nicht wirklich der Fall war, und dass diese Darstellung eine zu starke Vereinfachung der in seinen Forschungen und Büchern enthaltenen tatsächlichen Nuancen war. Er äußerte auch ernsthafte Bedenken, dass die Leute versuchten, jede einzelne Geheimgesellschaft im Laufe der Geschichte mit dem ,anglo-amerikanischen Establishment‘ in Verbindung zu bringen, über das er einen Großteil seines Lebens nachgeforscht hatte, ja, er hatte sogar über einen Zeitraum von mehreren Jahren persönlichen Zugang zu ihren historischen Archiven. Er machte sehr deutlich, dass die Gruppe, die er entblößte, nicht die ,Bayerischen Illuminati‘ waren, und dass diejenigen, die versuchten, Verbindungen zwischen dem Council on Foreign Relations und den Illuminati des 18. Jahrhunderts zu ziehen, sich schuldig machten zu glauben, dass ,alle geheimen Gesellschaften die gleiche Geheimgesellschaft sind‘, fortfahrend, dass ,diese Leute sagen, sie sind alle eins.‘ Quigley diskutiert auch seine Sorge, dass einige Individuen und Gruppen sein Buch ,benutzten‘, um monolithische jüdische Verschwörungstheorien zu fördern, die er ebenfalls absurd fand.“

Eigentlich aber braucht dergleichen nicht weiter erörtert werden, zumindest „wenn das Ziel darin besteht, die Behauptungen, die Professor Quigley selbst in den Druck brachte, objektiv zu untersuchen. Ob andere seinen Text unterschlugen, falsch interpretierten oder missverstanden, sei es ein Teil oder alles von Tragedy and Hope, ist unerheblich für das historische Erbe von Carroll Quigley und eine ehrliche Einschätzung seiner Forschungen und Werke. Die Ansprüche von Insiderwissen über eine sehr komplizierte Geheimgesellschaft, die von Quigley selbst gemacht wurden, verdienten es im Jahre 1966 und dann 1975 zur Zeit der Veröffentlichung dieses Artikels, überprüft zu werden. … In dem Audio-Interview macht Quigley klar, dass die Gesellschaft, die er untersucht hatte, rund um die ,Round-Table-Gruppe‘ zentriert war, von der er sagt, dass sie eine der ,besten Quellen weltweit für internationale Beziehungen seit 1910‘ veröffentlichte, bekannt als The Commonwealth Journal of International Affairs. Quigley nahm Notiz von ,prominenten Leuten des englischen Lebens‘, die mit dem All Souls College verbunden waren, und eine Korrelation zwischen denen, die später fortfahren würden, Botschafter in den Vereinigten Staaten zu werden. ,Ich untersuchte diese Gruppe‘, sagt er mit Nachdruck.

Diese Botschafterrolle sollte ein wichtiges Herzstück bei der Gründung der transatlantischen Pilgrims Society im Jahre 1902 werden, nur wenige Monate nach dem Tod von Cecil Rhodes. Die Pilgrims Society war eine britische Schöpfung, die im nächsten Jahr laufende Sitzungen in London und in New York organisierte, mit dem Ziel der Förderung einer ,besondere Beziehung‘ unter den Englisch-sprechenden Menschen, insbesondere im Dienste der wohlhabenden Titanen der Industrie und intellektuellen Elite in den Bereichen der Politik, Presse, Bildung, Philanthropie, Banken und des Geschäfts. Von diesen Netzwerken der Macht wurden die Rhodes Stipendien und der Rhodes Trust in den Vereinigten Staaten eingeführt, wobei wichtige Pilgrims Society-Mitglieder den Vorstand des Rhodes-Stipendiums und der Landeskomitees stellten. Die Pilgrims Society war in Zeremonie und Geheimnis gehüllt, bis ihr Gründer Harry Brittain ,von Lord Lothian und anderen Pilgrims überredet (wurde), die Geschichte des Klubs zu veröffentlichen‘, was er erstmals 1942 in einem Buch mit dem Titel Pilgrim Partners: Forty Years of Anglo-American Fellowship tat.

,Ohne [König] George III. würde der Krieg in der ganzen Welt heute unbekannt sein. Die englischsprachige Rasse würde als Einheit neu organisiert worden sein, mit seinem zentralen Parlament, das abwechselnd in New York und London tagte, und es würde Frieden in der Welt gegeben haben.‘

– Cecil Rhodes, 1901

Quigley fährt fort, dass das All Souls College in den Jahren 1899 bis 1947 so exklusiv war, dass es nur 149 Menschen einen Abschluss machen ließ, und während einige seiner Schüler 7 Jahre als Ehrenmitglieder blieben, hielten andere die Gemeinschaft mit All Souls für 55 Jahre aufrecht. Er entdeckte, dass diese Personen ihre Mitgliedschaft für eine solch lange Dauer durch ihre Mitgliedschafts-Verbindungen im ,Milner Kindergarten‘ halten konnten, einer Gruppe von zunächst ,kleinen Kindern‘, die von Lord Alfred Milner ausgewählt wurden, um Südafrika zu regieren, und auch ein ,Who is who‘ des zukünftigen Kuratoriums des Rhodes Trust und der Vorsitzenden des Royal Institute of International Affairs darstellten. In Quigleys Enthüllungen sind Lord Dougal Malcolm (1877-1955), Direktor der British South Africa Company, Leo Amery (1873-1955), Chef-Administrator für Lord Alfred Milner, Lionel Curtis (1872-1955) und Lord Halifax (1881-1959) enthalten. Lionel Curtis und Lord Halifax, entdeckte Quigley, waren gemeinsame Zimmerbewohner im All Souls College gewesen. Quigley offenbart, wie es Lionel Curtis war, der für die Änderung des Namens des ,britischen Empire zum Commonwealth of Nations‘ verantwortlich war. Er drückt sein Erstaunen darüber aus, dass Curtis 15 Jahre brauchte, bis er sein Studium beendete, und dass er ein ,schlechter Student‘ war, der nur den ,niedrigsten halben Grad erhielt, den man jemals bekommen kann‘, und ,niemand hatte je von ihm gehört.‘ ,Darüber hinaus war er jahrelang Lord Halifax‘ Mitbewohner in All Souls!‘, fährt er fort, ,und dann habe ich entdeckt, dass dieser Bursche hinter allem steckt, was los ist! Lionel Curtis, verstehen Sie?‘ Professor Quigley sagt dann in gemessenem Ton: ,Nun, ich denke, wir sollten nicht zu viel darüber reden…‘ Warum gibt es keine Erwähnung von diesem Kerl, der ,hinter allem steckt, was los ist‘, im Washington Post-Artikel? Warum sollten wir nicht zu viel darüber reden? Welche Art von Journalist hakt bei einer solchen Aussage nicht nach?

Professor Quigley wechselt das Thema dazu, wie diese Personen als Schüler auch von Alfred Zimmern und seinem Werk The Greek Commonwealth beeinflusst worden sind, und wie Zimmern eine Quelle für Tragedy and Hope wurde. Quigley traf sich mit Zimmern 1947, der ihm offenbarte, dass er seit 1913 ein Mitglied der geheimen Round-Table-Gruppe gewesen sei, rekrutiert wegen seiner Beteiligung an der ,Educational Alliance‘-Organisation (eine Außenstelle des Settlement Movement am Ende des 19. Jahrhunderts, an dem Lord Milner direkt beteiligt war). Zimmern behauptete, dass er 1923 zurückgetreten wäre, weil der Round Table ,fest entschlossen‘ gewesen sei, ,Deutschland gegen Frankreich aufzubauen‘, und er fing an, mit diesem Vorgehen nicht einverstanden zu sein. Quigley gesteht, dass er später mit Lord Brand zusammengetroffen war (ein weiteres Mitglied der Round Table-Gruppe) und ihn nach dem Rücktritt von Zimmern gefragt hatte, worauf Brand antwortete, dass er das ,nie gesehen hat‘. Es ist an dieser Stelle im Interview, da Quigley sagt: ,Ich würde jetzt lieber aufhören, sehen Sie, denn das geht in alle möglichen Dinge rein…‘ Quigley teilt auch mit, dass es Zimmern gewesen war, der Arnold Toynbee (den Historiker) in die geheime Gruppe brachte.

In der Audio-Aufnahme fährt Professor Quigley fort: ,Ich wusste, dass die Round Table-Gruppe sehr einflussreich war. Ich wusste, dass sie die eigentlichen Gründer des Royal Institute of International Affairs waren, das wusste ich … all das Zeug, das in Druck ist …, dass sie die eigentlichen Gründer des Institute of Pacific Relations waren. Ich wusste, dass sie die Paten des Council on Foreign Relations hier waren. Ich wusste zum Beispiel, wissen Sie, kennen Sie die große Studie der Geschichte, die vielen Bände von Arnold Toynbee? Okay, ich wusste, dass die Manuskripte beim Council on Foreign Relations während des Krieges aufbewahrt wurden, so dass sie nicht durch deutsche Bombenangriffe zerstört würden, sehen Sie?‘ ,Ich fing an, diese Dinge zusammenzusetzen, und ich entdeckte, dass diese Gruppe für die folgenden Dinge arbeitete. Sie waren eine geheime Gruppe. Sie versuchten, die englischsprachige Welt miteinander föderativ zu verbünden, sie waren eng mit den internationalen Bankern verbandelt, sie arbeiteten an der Errichtung einer Welt … was ich eine Drei-Mächte-Welt nenne. Diese Drei-Mächte-Welt war der Atlantische Block von England und dem Commonwealth sowie den Vereinigten Staaten, Deutschland …. Hitlers Deutschland und die Sowjetunion …. eine Drei-Mächte-Welt. Sie sagten, Deutschland würde kontrolliert werden, weil … und all dies ist in meinem Buch, es ist zwischen dem Atlantik-Block und den Russen eingeklemmt. Die Russen werden sich anständig verhalten, weil sie zwischen dem Atlantik-Block, der amerikanische Marine in Singapur und den Deutschen eingeklemmt sind. … Und dies alles ist in meinem Buch beschrieben. … Beachten Sie, dass es ein System der Machtbalance ist, im Wesentlichen ist es das, was Kissinger – obwohl er nicht weiß, was er tut… Er stümpert bei allem, denn er ist bloß eine Primadonna, eine emotional unausgeglichene Person. Er weiß nicht, was er zur Hölle tut.‘

Quigley erklärt dann: ,Was hier drin gesagt wird‘ (vermutlich auf die bereits erwähnten Bücher von Skousen oder Allen zeigend), ,ist, dass diese Leute für die Weltherrschaft waren, und die Gruppe, von der ich rede, war das nicht‘, indem er offenbart, wie Lord Milner der Rhodes-Chef-Treuhänder nach der Rückkehr aus Afrika bis zu seinem Tod im Jahr 1925 wurde. ,Es ist ein Atlantik-Block‘, sagt er und fährt durch die Einführung von Rhodes Scholar Clarence Streit und seinem Buch ,Union Now‘ fort, und dass ,er das repräsentiert, was diese Gruppe (zu der Zeit) wollte.‘ Professor Quigley erwähnt, dass er sogar Streits Tochter in seiner Klasse an der Georgetown University als Besucherin hatte. ,Er wurde von diesen Leuten als die einzige Lösung aufgebaut‘, und sein Buch ,Union Now‘ war anonym von Lionel Curtis im Round Table Journal of Commonwealth Affairs ,der einzige Weg‘ und anonym von Philip Kerr, dem Lord Lothian (später Botschafter in den Vereinigten Staaten), ,als die Lösung für unsere Probleme‘ genannt worden. Dies wird in Tragedy and Hope bestätigt, wobei Quigley offenbart, dass das ,Union Now‘-Projekt direkt ,im Namen von Lord Lothian und dem Rhodes Trust‘ propagiert wurde. Quigley fährt fort, dass ,das natürlich Rhodes‘ Idee war…‘

,Für die Schaffung, Förderung und Entwicklung eines Geheimbunds soll der wahre Sinn und Zweck dessen die Ausdehnung der britischen Herrschaft in der ganzen Welt sein, die Vervollkommnung des Systems der Auswanderung aus dem Vereinigten Königreich und die Besiedlung durch britische Personen aller Länder, in denen die Lebensgrundlagen durch Energie, Arbeit und Unternehmen erreichbar sind, und vor allem die Besetzung durch britische Siedler des gesamten Kontinents von Afrika, des Heiligen Lands, des Tals des Euphrat, der Inseln Zypern und Candia, ganz Südamerikas, der Inseln des Pazifiks, die bisher nicht Großbritannien gehören, des gesamten malaiischen Archipels, der Küste von China und Japan, die ultimative Rückgewinnung der Vereinigten Staaten von Amerika als integraler Teil des britischen Empire, die Einweihung eines Systems der kolonialen Vertretung im Reichsparlament, das die unzusammenhängenden Mitglieder des Reiches miteinander verschweißen könnte, und schließlich die Gründung einer so großen Macht, dass Kriege unmöglich gemacht werden, und die Förderung der Interessen der Menschheit.‘

– Letzter Wille und Testament von Cecil John Rhodes, 1877

Professor Quigley erläutert dann, wie der Council on Foreign Relations und die bestehende ,Inquiry‘-Gruppe in den Vereinigten Staaten von JP Morgan-Interessen dominiert wurden, und dass dies der Grund war, weshalb die Round Table-Gruppe Vertrauen hatte, dass sie Erfolg bei der Übernahme des einflussreichen Think Tanks haben würde. Die ,Inquiry‘-Gruppe war von Col. Edward House auf Geheiß von Präsident Woodrow Wilson geschaffen worden, der zuvor selbst als Vorsitzender des New Jersey Rhodes Scholarship Committee gedient hatte. Der Council on Foreign Relations und das Royal Institute of International Affairs (RIIA) (von Lionel Curtis und Mitgliedern des Rhodes-Kuratoriums gegründet) wurden später bei Treffen verfestigt, die im Hotel Majestic vor den Pariser Friedenskonferenzen von 1919 stattfanden. Quigley erklärt, dass sie ,Ableger in allen Commonwealth-Ländern‘ hatten, ,Australien, Neuseeland, Südafrika, Kanada, und schließlich in Indien und sogar eine woanders ….. Pakistan.‘

Mit Enthüllungen wie dieser, schaffte es Tragedy and Hope: A History of the World in Our Time fast nicht zu einer zweiten Auflage. 1966 hatte Quigley versucht gehabt, seinen Vertrag über zwei Bücher mit der Macmillan Company und seinem Verleger Peter Ritner zu erfüllen. Quigley hatte bereits The Evolution of Civilizations mit einem Vertrag, der 1961 unterzeichnet wurde, veröffentlicht, und vereinbarte, Macmillan sein nächstes Buch The World Since 1914 zu geben. Während dieser Phase des Audio-Interviews, in der sich Quigley anschickt, über einige der Kontroversen hinter der Veröffentlichung und mangelnden Förderung von Tragedy and Hope zu sprechen, ist es, dass er sagt: ,Ich weiß nicht, ob Sie das aufs Band tun wollen … Sie müssen meine Zukunft schützen … wie auch Ihre eigene.‘ Quigley erklärt, dass Macmillan für 5 Millionen US-Dollar im Sommer 1966 von Collier Books aufgekauft worden war, und er bestätigt, dass Collier Books ein Unternehmen von J.P. Morgan war, und dass die Morgan-Interessen die freie Presse aufgekauft hatten.

Quigleys Verleger, Peter Ritner, kontaktierte ihn und sagte ihm, es würde ,keine Werbung für eines der Bücher, die in den nächsten sechs Monaten veröffentlicht werden‘, geben. Ritner lieferte einen Kampf, sagt Quigley, und er bekam ,eine Anzeige‘ für Tragedy and Hope, was eine ,Viertelseite im New York Times Book Review‘ war. Bis 1968 war das Buch vergriffen. Collier kaufte dann die letzte Hälfte von Tragedy and Hope als ein Taschenbuch mit dem Titel The World Since 1939: A History zurück, während die ganze Zeit über weiterhin jedem gesagt wurde, dass Tragedy and Hope vergriffen sei. Der Professor sollte bald herausfinden, dass von Tragedy and Hope Raubkopien gezogen wurden, und dass eine ,Photo-Replikation‘, die ,genau das gleiche‘ war (mit Ausnahme der Goldkante, die auf dem Original enthalten war), auf dem Schwarzmarkt verfügbar geworden war und über ein loses Netzwerk von Buchhändlern im ganzen Land verkauft wurde. Zu Quigleys Bestürzung scherte es Macmillan ,nicht die Bohne, dass es Raubkopien gab‘, und er erklärt, sie ,haben mich so oft angelogen.‘ Sie ,logen und logen und logen und logen mich an‘, und auch seinen Verleger Ritner, der zuvor offenbart hatte, dass er dachte, Tragedy and Hope sei ,wunderbar‘.

Professor Quigleys Vertrag legte auch fest, dass für den Fall, dass sein Buch vergriffen sein sollte, er das ,Recht auf die Druckplatten‘ bekäme. Er stellte im März 1974 fest, dass die Druckplatten zu seinem Werk ,zerstört worden waren‘. Dies zusätzlich zu dem, dass er herausgefunden hatte, dass der Verleger Kunden abwies, die nach dem Buch fragten. Im Gegensatz zu dem, was sie Quigley sagten, war Tragedy and Hope ein sehr beliebter und gesuchter Geschichts-Text.

,Wollen Sie das nicht abschalten?‘, sagt Quigley (bezogen auf das Tonbandgerät).

Während es dem Artikel der Washington Post an einer genauen Untersuchung fehlte und viel von den faszinierenden Offenbarungen und dem seltsamen Verhalten eines der profiliertesten Historiker des 20. Jahrhunderts weggelassen wurde, ist es ein Glück, dass die Öffentlichkeit Zugang zu dem Audio-Interview bekommen hat. Es ist möglich, dass der Interviewer die Bedeutung des Augenblicks und die Bedeutung der Inhalte, die nur widerwillig preisgegeben wurden, nicht verstanden hatte. Professor Quigley detailliertes Buch Anglo-American Establishment: From Rhodes to Cliveden erschien erst vier Jahre nach Professor Quigleys Tod im Jahre 1981. Dies kann die Interview-Versäumnisse in ,Der Professor, der zu viel wusste‘ nicht entschuldigen; aber Anglo-American Establishment ist sicherlich ein gründlicheres Exposé über das Innenleben der Rhodes-Milner-Round-Table-Gruppe, wie von Quigley umrissen, als es ein Artikel im Washington Post Sunday Magazine erreichen könnte.

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels war Katherine Graham die Herausgeberin der Washington Post, ebenso CEO der Washington Post Company. Katherine Graham war bis zu ihrem Tod 2001 ein prominentes Mitglied des Council on Foreign Relations, ein Mitgliedsstatus, den sie mit ihrem verstorbenen Vater Eugene Meyer gemein hatte, dem Besitzer der Washington Post Company, Vorsitzenden der Federal Reserve Bank von 1930 bis 1933, und der erste Leiter der Weltbank im Jahre 1946. Um diese Verbindungen und Interessenkonflikte zu veranschaulichen: es war Philip Kerr, der Lord Lothian, der bald Botschafter in den Vereinigten Staaten wurde (und laut Quigley ein langjähriges Mitglied der Rhodes-Milner-Geheimgesellschaften ,Inner Circle‘ und ,Society of the Elect‘ war), der an seinen guten Freund Eugene Meyer durchsickern ließ, dass Edward VIII. von England eine Affäre mit einer amerikanischen Frau namens Wallis Simpson hatte. Dieser ,Scoop‘, der der Washington Post von Lord Lothian gegeben wurde, führte zur Abdankungskrise von 1936 und der Installation von George VI. als König des Vereinigten Königreichs und der Dominions des britischen Commonwealths.

,Es existiert, und existierte seit einer Generation, ein internationales anglophiles Netzwerk, das zum Teil in der Art arbeitet, in der radikale Rechte glauben, dass die Kommunisten agieren. In der Tat hat dieses Netzwerk, das wir als die Round Table-Gruppe identifizieren können, keine Abneigung gegen die Zusammenarbeit mit den Kommunisten oder anderen Gruppen, und tut das oftmals auch. Ich weiß um die Arbeit dieses Netzwerkes, da ich es seit zwanzig Jahren studierte, und mir wurde für zwei Jahre, in den frühen 1960er Jahren, der Zugang zu ihren Papieren und geheimen Aufzeichnungen gestattet. Ich hege keine Abneigung gegen es oder die meisten seiner Ziele, und ich bin für einen Großteil meines Lebens ihm und vielen seiner Instrumente nahe gewesen. Ich habe sowohl in der Vergangenheit wie auch vor kurzem nur einigen seiner politischen Zielen widersprochen (vor allem der Überzeugung, dass England eine atlantische, statt eine europäischen Macht sei, und dass es verbündet werden muss oder sogar föderiert mit den Vereinigten Staaten, und dass es von Europa isoliert bleiben muss), aber im Allgemeinen ist mein Hauptmeinungsunterschied der, dass es unbekannt bleiben will, und ich glaube, seine Rolle in der Geschichte ist bedeutsam genug, um bekannt sein zu sollen.‘“

– “Tragedy and Hope: A History of the World in Our Time“ von Carroll Quigley

Geldschöpfungsprozesse

Ich hoffe, dieser kurze Einblick hat nicht nur ein wenig Neugierde auf das Werk von Quigley geweckt, sondern auch etwas Klarheit darüber verschafft, wessen geistiges Kind der Council on Foreign Relations ursprünglich gewesen ist, der bis heute eine Einheit aus Geld und Macht repräsentiert, die in den Händen großer Banken und Unternehmen liegt. Oder um Wilhelm Bittdorf aus einem Spiegel-Artikel aus dem Jahre 1975 zu zitieren: „Der Council ist das entscheidende Verbindungsglied zwischen den großen Konzernen und der Regierung. … Die Wichtigkeit dieser Vereinigung für das Verständnis der Grundmotive und Grundlinien amerikanischer Weltpolitik kann kaum hoch genug veranschlagt werden. … Dennoch haben die allermeisten Bürger dieses Landes, das sich für das bestinformierte Gemeinwesen aller Zeiten hält, keine Ahnung von der Existenz eines solchen Gremiums.“ (147)

Diese weitgehend unbekannte Einheit aber ist mithin auch ein direktes Resultat des Geldschöpfungsprozesses. Schauen wir uns diesen Prozess anfangend mit dem US-Dollar noch einmal genauer an.

Der Dollar als legales Zahlungsmittel der USA wird geschöpft, indem die Federal Reserve US-Staatsanleihen oder US-Schatzanweisungen (sprich: Schuldscheine) kauft, die Zinsen kosten, um dem US-Schatzamt damit Finanzmittel für die Staatsausgaben zur Verfügung zu stellen. Genau genommen sind dies jene Banknoten, welche als Federal Reserve Notes bezeichnet werden. Es gibt nämlich auch United States Notes, welche vom US-Schatzamt direkt herausgegeben werden und eine Art zins-befreiten „Kreditbrief” darstellen. Zu Beginn des Federal Reserve Systems musste die Gesamtmenge der Federal Reserve Notes zu vierzig Prozent vom Goldbestand der USA gedeckt sein. Heutzutage gibt es diese Einschränkung nicht mehr; die Anbindung des US-Dollars an den US-Goldhort wurde im August 1971 unter Richard Nixon gänzlich gekappt.

In dem bereits angeführten Interview mit Nomi Prins, das ihren Recherchen zum Buch All the Presidents’ Bankers gewidmet war, kamen wir darauf zu sprechen, welchen Souffleuren Nixon dabei folgte:

Ein Teil des Bretton-Woods-Systems war, dass der US-Dollar fast so gut wie Gold war. Warum befürworteten so viele prominente US-Banker die Beendigung des Goldstandards Ende der 1960er Jahre, Anfang der 1970er Jahre? Könnte es sein, dass der Goldstandard als wirksame Kontrolle über exzessives Finanzsektor-Wachstum und missbräuchliche Praktiken der Banken dient?

Nomi Prins: Oh, Gold war absolut eine wirksamere Bremse übermäßigen finanziellen Wachstums und von Missbräuchen. Gold war auf eine Art eine effektive Regulierung. Es hielt die Expansion der Banker zurück, weil sie einen gewissen Reservebetrag beiseite legen mussten, und zwar mit einem realen Vermögenswert, an dem andere Welt-Teilnehmer ebenfalls Teilhabe hatten. Aus diesem Grund besaßen US-Banker weniger Kontrolle über die Bewegung des Goldes in und aus ihren Firmen. Sobald sie die US-Regierung überzeugt hatten, vom Goldstandard und von der Erfordernis abzurücken, dass Gold Transaktionen oder Spekulationen oder Expansionen decken musste, hatten sie Zugriff auf ein ganz neues Expansionsniveau.

Deshalb ziehen sie heute Null-Zins-Geld vor, billiges Geld, so dass sie weniger Hindernisse für ihre Aktivitäten haben. Dies ist Teil des gleichen Musters und der gleichen Logik, um vom Goldstandard abzurücken – sie bevorzugen den weniger eingeschränkten Weg zur Spekulation. Es gab eine enorme Expansion der globalen US-Bankeninteressen, die bereits nach den Kriegen begonnen hatte, aber anstieg, nachdem der Goldstandard beseitigt war, weil es einfach leichter zu machen war. Es gibt einfach weniger Barrieren für die Banker. Sie befürworteten sehr öffentlich, dass der Goldstandard entfernt werden sollte, und in der Tat, als Nixon ihn schließlich 1971 aufkündigte, kam nicht er selbst mit der Idee daher; dies war etwas, wofür sich Walter Wriston, der Vorsitzende der National City Bank, und David Rockefeller, der Vorsitzende der Chase, sehr stark gemacht und sich durch Briefe und Korrespondenzen und andere Arten von persönlichen Gesprächen, die ich in meinem Buch bespreche, eingesetzt hatten.

Denken Sie, dass Gold eine Zukunft im Währungssystem haben wird?

Nomi Prins: Ich denke, dass es sicherlich viele Menschen gibt, die das in Ländern außerhalb der USA wollen, aufgrund dessen wie sich das Finanzsystem global entwickelt hat; insbesondere die US-Banken haben so viel Macht, politisch und finanziell. Politisch wegen ihrer Allianz mit der US-Regierung, und finanziell, weil sie so viel billiges Kapital ohne Reserven wie Gold dahinter gehebelt haben.

Aber das ist auch der Grund, warum ich denke, dass es eine sehr große Machtverschiebung brauchen wird, politischer und finanzieller Macht, damit Gold wirklich … diese Art von Zukunft hat – weil diese Banker werden das vehement bekämpfen. Diese Institute, diese Beziehungen, die sie mit der Führung in Washington und mit der Federal Reserve haben, zeigen, welch enorme Menge an Kraft investiert worden ist, damit es keine Golddeckung bei spekulativen Transaktionen und Expansionen in der ganzen Welt gibt.

Also ich denke, es wird ein sehr harter Kampf für Gold werden, um ein Comeback als tatsächliche Erfordernis zur Deckung von Spekulationen zu machen. Es wird eine sehr lange Strecke sein, wenn es in Anbetracht des Widerstands dagegen von einer sehr stark konzentrierten und mächtigen politischen und finanziellen Allianz in den USA überhaupt möglich ist.

In einem gewissen Sinne kann man dem US-Dollar seit der Gold-Entkopplung bescheinigen, nicht im Einklang mit der US-Verfassung zu stehen. Diese fordert, dass der Dollar in Gold oder Silber gewichtet definiert wird. Tatsächlich ist der Dollar aber eine Fiat-Währung wie der Continental davor, welcher nach dem Unabhängigkeitskrieg kollabierte. Dem Kongress oblag laut Verfassung die Entscheidung, welches Metall genommen werden sollte. Ferner hatte der Kongress die Autorität, „Geld zu prägen und den Wert dessen zu regulieren“.

Das Vorrecht, das staatliche Zahlungsmittel auszugeben, trat der Kongress an die Federal Reserve ab. Und wie Geld letztlich heute in die Existenz kommt, darüber liegt nicht selten ein „Schleier der Täuschung“, wie sich der Ökonom Norbert Häring ausdrückt. (148) Er argumentiert, dass einige klar spezifizierte Interessen am Werke sind, die die Absicht hegen, dass so wenige Menschen wie möglich unser Finanzsystem verstehen. Ich fragte ihn, warum das so sei; vielleicht, weil es am Ende eine besondere Art von Schneeballsystem ist?

Norbert Häring: Ja, man könnte es ein Schneeballsystem nennen. Banken geben den Menschen und Unternehmen, die von ihnen Kredit nehmen, neues Buchgeld, das jeder benutzt, um Rechnungen und Steuern zu zahlen, als ob es so gut wie Bargeld wäre. Das zusätzliche Geld befeuert die Wirtschaft und erhöht die Nachfrage nach Krediten. Geld wird immer schneller geschöpft. Sobald man aber, genau wie in einem Schneeballsystem, nicht mehr genug Kreditnehmer zur weiteren Erhöhung der Geschwindigkeit findet, mit der Geld und Schulden geschöpft werden, bricht das System zusammen, und wir haben eine Krise. Dann lernt jeder, dass Bankeinlagen doch nicht so gut wie Bargeld sind, da Banken nur einen Bruchteil dieser Einlagen gegen Bargeld zu tauschen vermögen.

LS: Bitte erläutern Sie, wie das Geld tatsächlich in unserem modernen Geld-System erstellt wird, beginnend mit den Zentralbanken.

NH: Es beginnt nicht mit den Zentralbanken. Das ist nur das, was man uns glauben macht. Wir sollen glauben, dass Zentralbanken den Prozess beginnen und steuern. Es hat Systeme ganz ohne eine Zentralbank gegeben. Es beginnt damit, dass mir eine Bank € 100.000 als Hypothek gibt, damit ich mir ein Haus kaufen kann. Der Bankangestellte tätigt ein paar Tastenanschläge, erstellt ein Konto für mich und legt eine Einlage in Höhe von € 100.000 hinein. Dies ist neues Geld. Die Zentralbank kommt erst später ins Spiel, um sicherzustellen, dass die Einlagen, die von den einzelnen Banken geschaffen wurden, gleichmäßig durch das System verteilt werden. Die Zentralbank fordert des Weiteren eine so genannte Mindestreserve in Form von Bargeld oder Einlagen bei der Zentralbank. Die Banken müssen sich diese Reserven bei der Zentralbank leihen. Aber die Zentralbank wird die Darlehen, die das Bankensystem benötigt, stets zur Verfügung stellen. Ansonsten würde das eine Liquiditätskrise verursachen.

LS: Und was ist falsch daran?

NH: Es gibt eine Reihe von Dingen, die daran falsch sind. Der Staat gibt ein wertvolles Privileg an die Banken ab, indem er die Einlagen, die sie erschaffen, effektiv zum gesetzlichen Zahlungsmittel erklärt. Sie können Ihre Steuern mit Geld bezahlen, das die Banken geschaffen haben. Von jedem wird gefordert, diese Einlagen zur Zahlung zu akzeptieren. Die Banken machen eine Menge Geld mit der Geldschöpfung aus dem Nichts. Dies ist ein Gewinn, von dem ich denke, dass der Staat ihn bekommen sollte. Die Steuern könnten viel niedriger sein, wenn der Staat dieses sehr wertvolle Privileg nicht kostenlos abgegeben hätte. Und, was vielleicht noch schlimmer ist, die Geschäftsbanken haben eine Tendenz, Schulden-Blasen aufzublähen, die später platzen und Finanzkrisen verursachen.

LS: Was muss also aus Ihrer Sicht über die berühmte “Unabhängigkeit” der Zentralbanken gesagt werden, von der wir immerzu zu hören bekommen?

NH: (I)n Ländern, die ein großes Finanzsystem haben, (werden) die Rufe nach der Unabhängigkeit der Zentralbanken von der Regierung als erste und am lautesten gehört. Die Unabhängigkeit von der Regierung geht einher mit dem Verbot, die Staatsverschuldung zu finanzieren, und dies bedeutet, dass die Banken den meisten Nutzen aus der Geldschöpfung ziehen.

LS: Hinsichtlich einer Gruppe von Bankenkunden, den Sparern, gibt es etwas, worüber nur sehr wenige Menschen wirklich Bescheid wissen – wenn ich mein Geld zu den Banken bringe, um eine Bankeinlage zu haben, bin ich ein Gläubiger der Banken, selbst wenn ich ihnen kein Geld leihen will. Können Sie das weiter ausführen, bitte?

NH: Das ist der Kern des Problems unseres Finanzsystems, dass wir kein sicheres Zahlungssystem haben, das unabhängig von der Solvenz der Banken ist. Dies ist der Grund, warum wir immer die großen Banken zu retten haben, wenn sie es vermasseln. Wenn sie untergehen, geht unser Zahlungssystem unter, und die Leute verlieren ihr Geld. Das Geld, das die Menschen in Konten halten, um ihre Rechnungen zu bezahlen, sollte anders als das Geld behandelt werden, das sie investieren wollen. Wenn Sie lediglich die Dienste der Banken nutzen, wollen um Ihre Rechnung auf bequeme Weise zu bezahlen, sollten Sie der Bank keinen Kredit geben müssen. Das Geld sollte in Ihrem Besitz verbleiben, genauso wie Geld, das Sie in einem Geldmarktfonds oder in Aktien haben. Wenn dies der Fall wäre, würden wir nicht mehr länger alle zusammen die Banken zu retten haben, und sie könnten nicht mehr zu viel Geld schöpfen.

LS: Mit welcher Art von Widerstand gegen grundlegende Reformen und neue Richtungen ist zu rechnen, der von interessierter Seite kommt?

NH: Das Recht, das gesetzliche Zahlungsmittel aus dem Nichts zu schöpfen, ist fast so gut wie die Fähigkeit, Gold aus Sand zu machen. Die Banker werden mit allen Mitteln darum kämpfen, dieses Privileg zu bewahren. Sie werden weiterhin versuchen, diejenigen, die für eine grundlegende Reform streiten, als verrückte Spinner darzustellen, die Geld und Ökonomie nicht verstehen. (149)

Auch Mike Maloney befragte ich nach einer Erklärung der Fehler im System, die im Finanzgebilde unserer Tage von Anfang an gegeben sind – und von denen Privatbanken enorm profitieren.

Mike Maloney: Wir haben heute ein Hokuspokus-Geldsystem, das ursprünglich von der Bank of England erfunden wurde, wo Geld durch Kreditaufnahme entstand. Das ist es, was die Menschen nicht verstehen: unser gesamtes Finanzsystem ist eine Illusion. Es basiert allein auf dem Vertrauen der Öffentlichkeit. Das „Fiat” in „Fiat-Währung” bezeichnet eine Anweisung, die von einer Autorität gegeben wird, die die Macht hat, diese Anweisung durchzusetzen. Eine Regierung sagt, das ist unsere Währung und sie wird etwas wert sein, weil wir unsere Steuern ausschließlich in dieser Währung zahlbar machen. Das ist es, was den Menschen Vertrauen in diese Währung gibt. Der einzige Grund, warum man mit einem Dollar oder einem Euro etwas kaufen kann, ist die Erfahrung, dass man gestern damit etwas kaufen konnte, also geht man davon aus, dass man auch morgen etwas damit kaufen kann und akzeptiert sie. Anderenfalls sind sie nur ein reines Stück Papier mit Zahlen drauf.

Die gesamte Wirtschaft dieses Planeten basiert auf Psychologie. Physisch existiert sie nicht wirklich. Vor langer Zeit war die Währung, die wir benutzten, echtes Geld, es waren Gold und Silber, und ihr Wert leitete sich ganz einfach davon ab, wie selten es war und wie schwer es war, es zu finden und auszugraben und in eine Münze zu pressen. Es war ein gewisser Grad von Seltenheit und eine Haufen Arbeit, das ihm den Wert gab. Was heute passiert, ist, dass eine Regierung Staatsanleihen schafft – eine Staatsanleihe ist nichts anderes als ein Schuldschein: Du leihst mir eine Milliarde Dollar, und ich verspreche dir im Laufe von dreißig Jahren die Milliarde plus Zinsen zurückzuzahlen, dir also über die dreißig Jahre hinweg zwei Milliarden Dollar zu bezahlen. Und dann kauft die Zentralbank diese Staatsanleihe – hier in den USA funktioniert das über eine Offenmarktpolitik, das ist so ähnlich wie beim Hütchenspiel: Erst kaufen die Banken sie, und dann kauft die Fed sie von den Banken.

Was in Wirklichkeit vor sich geht, ist, dass das Schatzamt Schuldscheine ausgibt und die Zentralbank letztendlich diese Schuldscheine erwirbt, indem sie Geld druckt. Im Grunde erfinden sie einfach Dollars, die nichts anderes sind als ein Forderungs-Scheck – es ist also im Grunde genommen ein Schuldschein gegen einen Schuldschein, und dieses Austauschen von Schuldscheinen verschuldet die Öffentlichkeit. Wir leihen uns Wohlstand aus der Zukunft und versprechen, das zurückzuzahlen. Im Grunde sind unsere Steuern von heute Zahlungen auf die Schulden von gestern. (150)

Kreditfinanzierte Wirtschaftsentwicklung

Eine interessante Arbeit im Kontext mit der Geldschöpfung veröffentlichte im März 2014 die Bank of England. Die Mutter aller Zentralbanken von der Threadneedle Street ließ durchblicken, dass die verschiedenen Währungen auf der Welt kein Geld darstellen, sondern nichts weiter als spezielle Schuldscheine (IOU’s). Dies wurde in einem Papier namens Money Creation in the Modern Economy (Geldschöpfung in der modernen Wirtschaft) dargebracht, das von drei Ökonomen der Währungsanalyse-Direktion der Bank geschrieben wurde. Steve Keen, Professor für Volkswirtschaftslehre, pries das Papier dafür, dass es „eine wirklich realistische Erklärung gibt, wie Geld geschaffen wird, warum das wirklich von Belang ist, und warum praktisch alles, was die Wirtschaftslehrbücher über Geld sagen, falsch ist. … Das Papier spricht nicht um den heißen Brei herum, wenn es um die Divergenz zwischen der Realität und dem geht, was wirtschaftliche Lehrbücher ausgießen. In der Tat, wie das Papier es erklärt:

– Statt dass Banken Einlagen erhalten, wenn Haushalte sparen und sie dann verleihen, schafft die Kreditvergabe der Banken Einlagen.

– In normalen Zeiten gibt die Zentralbank die im Umlauf befindliche Menge an Geld nicht fest vor, noch multipliziert sich das Zentralbankengeld in mehr Kredite und Einlagen.

– Statt dass Banken Einlagen herleihen, die bei ihnen hinterlegt sind, schafft der Akt der Kreditvergabe Einlagen – die Umkehrung der Reihenfolge, die in der Regel in Lehrbüchern beschrieben wird…

– Während die Geldmengenmultiplikator-Theorie ein sinnvoller Weg zur Einführung von Geld und Banken in Wirtschaftslehrbücher sein kann, ist sie keine genaue Beschreibung, wie das Geld in der Realität erstellt wird…

– Wie bei der Beziehung zwischen Einlagen und Krediten, funktioniert das Verhältnis zwischen Reserven und Krediten typischerweise in umgekehrter Weise zu der, die in einigen Wirtschaftslehrbüchern beschrieben wird.“ (151)

Die Tatsache, „dass die Kreditvergabe der Banken Geld schafft, und dass dies drastische Auswirkungen auf das Niveau der wirtschaftlichen Aktivität hat“, wird von Ökonomen nur sehr selten mit in die von ihnen entwickelten Modellen miteinbezogen, so Keen. „Warum? Würden sie die Realität zugeben, dass Banken Geld durch Kreditvergabe schaffen, und dass Geld durch die Rückzahlung der Schulden vernichtet wird (ein Punkt, von dem ich zugeben muss, dass ich einige Zeit brauchte, um ihn zu würdigen), fliegen all die einfachen Gleichgewichtsgleichnisse der konventionellen Wirtschaftswissenschaften aus dem Fenster raus. Insbesondere hängt das Niveau der wirtschaftlichen Aktivität nunmehr von den Kreditvergabeentscheidungen der Banken ab (und von den Rückzahlungsentscheidungen der Kreditnehmer). Wenn Banken schneller herleihen oder die Kreditnehmer langsamer zurückzahlen, wird es einen Boom geben; wenn es umgekehrt ist, wird es einen Konjunktureinbruch geben. Wie die Bank of England es ausdrückt, wenn neue Kredite einfach alte wettmachen, die zurückgezahlt werden, dann gibt es keine Wirkung, aber wenn neue Kredite die Rückzahlung übersteigen, dann wird sich die gesamtwirtschaftliche Nachfrage erhöhen.“ (152)

Die Bank of England schrieb: „Es gibt zwei Möglichkeiten für das, was mit neu geschaffenen Einlagen passieren könnte. Erstens, wie von Tobin nahegelegt, kann das Geld schnell zerstört werden, wenn die Haushalte oder Unternehmen, die das Geld erhalten haben, nachdem das Darlehen ausgegeben wurde, es benutzen möchten, um ihre eigenen ausstehenden Bankkredite zurückzuzahlen. … Das zweite mögliche Ergebnis ist, dass die zusätzliche Geldschöpfung durch die Banken zu mehr Ausgaben in der Wirtschaft führen kann.” (153)

Besonders aufschlussreich mag auch sein, sich die Auswirkungen der kreditfinanzierten Wirtschaftsentwicklung einmal kurz durch die Brille des Ökonomen Joseph Alois Schumpeter (1883-1950) anzuschauen. Der Träger wirtschaftlichen Fortschritts ist für Schumpeter der Unternehmer. Dessen Vorhaben müssen finanziert werden. Vorhang auf und Bühne frei für das moderne Bankenwesen, denn dieses kann Geld ex nihilo schöpfen und Kredite anbieten, die die vorhandenen Ersparnisse weit übertreffen. Und dieses neue Geld versetzt den Unternehmer in die Lage, seine Vorhaben zu verwirklichen. „Ohne die zusätzlich geschaffenen Kredite fehlen den Unternehmern die Mittel, sich die nötigen Produktionsmittel zu besorgen. Wenn die Banken den Unternehmern nun neue Kaufkraft übertragen, ermöglichen sie diesen, auf den gesellschaftlichen Güterstrom zuzugreifen. Sie können die alteingesessenen Produzenten auf den Faktormärkten überbieten und somit ihre Projekte realisieren. Die Entwicklung bzw. der Fortschritt erhalten durch die Kaufkraftschaffung der Banken die Finanzierungsgrundlage.

Das hört sich zunächst noch einigermaßen harmlos an. Was steckt nun aber hinter der von Schumpeter beschriebenen Methode, mit der sich der Fortschritt durchsetzt? Indem die Unternehmer mittels des zusätzlichen Kredits Nachfrage auf den Faktormärkten entwickeln, entziehen sie der Gesellschaft Güter, ohne dass sie selbst oder jemand anderes vorher eine Leistung erbracht hätten, die diesen Entzug rechtfertigen würde. Ihre Kaufkraft beruht ja wie gesagt nicht auf Ersparnissen. Niemand musste sein auf einer Leistung beruhendes Einkommen aufsparen, um die finanziellen Mittel bereitzustellen. Stattdessen können die Unternehmer den alten Produzenten die Produktionsmittel sozusagen vor der Nase wegschnappen mit Hilfe von Mitteln, die einfach aus dem Nichts geschaffen werden.

In Schumpeters Vorstellung besorgt das moderne Bankensystem also ganz einfach einen systematischen Diebstahl, um damit den Fortschritt zu finanzieren. Den alten Produzenten werden die Produktionsfaktoren entrissen, um sie den Neuerern in die Hände zu geben. Dass dies keine Überinterpretation Schumpeters ist, zeigen Aussagen aus seinem Hauptwerk…. (152)

Am deutlichsten wird der ganze Charakter der Fortschrittsfinanzierung in Schumpeters Diskussion des zusätzlichen Kredits durch das Bankensystem. Nachdem er beschrieben hat, wie den Unternehmern durch die Kreditschöpfung die Möglichkeit geschaffen wird, Produktionsmittel an sich zu ziehen, schreibt er:

So wird die Kluft geschlossen, die in der Verkehrswirtschaft bei Privateigentum und Selbstbestimmungsrecht der Wirtschaftssubjekte sonst die Entwicklung außerordentlich erschweren, wenn nicht unmöglich machen würde (S. 154).

Man lasse sich diesen Satz auf der Zunge zergehen! Was sagt Schumpeter denn hier eigentlich? Er sagt, dass die Geld- bzw. Kreditschöpfung der Banken den Zweck hat, das Privateigentum und das Selbstbestimmungsrecht auszuhebeln. Wohlgemerkt handelt es sich hier um die oben genannte Geldschöpfung, die in den Lehrbüchern unbeanstandet als das Selbstverständlichste und Harmloseste der Welt behandelt wird.“ (153)

Dass das Geldproblem eine grundlegende Änderung bitter nötig haben könnte, macht auch Ellen Brown in einem Artikel unter dem Titel Time for a New Theory of Money (Zeit für eine neue Theorie des Geldes) deutlich. Wir leiten den Schluss dieser ersten Betrachtung mit einem Zitat des Anfangs daraus ein, das unsere Untersuchungen in diesem Kapitel abrundet:

„Der Grund dafür, dass unser Finanzsystem regelmäßig in Schwierigkeiten gerät, mit wiederkehrenden Depressionswellen wie derjenigen, mit der wir gegenwärtig zu kämpfen haben, könnte seine Ursache haben in einer falschen Auffassung nicht nur von der Rolle des Bankwesens und des Kredits, sondern von dem Wesen des Geldes an sich. In unseren wirtschaftlichen Entwicklungsjahren haben wir Geld als ein ,Ding‘ betrachtet – etwas, das unabhängig ist von den Verhältnissen, die es erzeugt. Aber heute ist unser Geld durch kein Gold oder Silber mehr gedeckt. Stattdessen wird es von Banken geschaffen, wenn sie Kredite gewähren … Praktisch jegliches Geld hat heute seinen Ursprung in Krediten oder Schulden, was schlicht und einfach ein Versprechen bedeutet, in Zukunft zu bezahlen.“ (154)

Machen wir jetzt, da das vorläufige Urteil getroffen werden darf: „Die Zukunft wird teuer“, als dem nächsten Schritt klar, dass dieser Wahnsinn, der Methode hat, für die USA fatale Folgen zeitigt…

QUELLEN:

(1) J.S. Kim: „Im Innern des illusorischen Reiches des Banken- und Waren-Schwindels“, veröffentlicht auf LarsSchall.com am 28. November 2011 unter:
http://www.larsschall.com/2010/11/28/im-innern-des-illusorischen-reiches-des-banken-und-warenschwindels/

Hier wäre der Artikel 1, Abschnitt 8 der US-Verfassung zu beachten, der davon spricht, dass der Kongress der USA u. a. das Recht hat, für die Landesverteidigung zu sorgen und auf Rechnung der Vereinigten Staaten Kredit aufzunehmen. Und das wird im Falle eines Kriegs mit US-Beteiligung nicht zuletzt vom US-Treasury bei der Notenbank der USA getan, der US Federal Reserve. Im Laufe der Zeit trug das mit zu der etwas seltsam anmutenden Konstellation bei, dass die USA mittlerweile gleichsam ihr größter Schuldner wie Gläubiger sind.

Die Position, die vom US-Finanzanalysten J.S. Kim zitiert wurde, ist durchaus anfechtbar. Der politische Ökonom Guido Preparata äußerte mir gegenüber in einem Interview, als ich ihn auf diese Gleichung ansprach: „Ich widerspreche diesem Deutungsansatz, bei dem es sich de facto um die Standardvariante linker, konzernfeindlicher Geschichtsdeutung handelt, ganz grundlegend. Ich sage es noch einmal, es ist die Macht, welche die Geschichte vorantreibt, nicht die Wirtschaft. Dem ist mindestens seit den Kreuzzügen so. Deutschlands einst gefeierte Institutionalismus-Schule der Wirtschaftwissenschaften zeigte, dass die Ursprünge der Aktiengesellschaft in Venedig liegen. Sie wurde erfunden und gegründet, um die venezianische Expeditionsstreitmacht mit dem notwendigen Nachschub und hinreichender Logistik zu versorgen. Banken und Konzerne sind in der Tat unentbehrliche Hilfstruppen, aber eben doch nur Hilfstruppen.“ Vgl. Lars Schall: „Die üblichen Geschäfte hinter dem Gemetzel“, Interview mit Guido Preparata, veröffentlicht auf LarsSchal.com am 5. August 2012 unter:
http://www.larsschall.com/2012/08/05/die-ublichen-geschafte-hinter-dem-gemetzel/

(2) Vgl. die Darstellung in Richard Heinberg: „Öl-Ende. Die Zukunft der industrialisierten Welt ohne Öl“, Riemann-Verlag, München, 2008, Seite 90.

(3) Daniel Yergin: “The Prize: The Epic Quest for Oil, Money, and Power“, Simon and Schuster, New York, 1991, Seite 20. Für den Aufstieg von John D. Rockefeller/Standard Oil siehe Kapitel 2, Seite 19 – 39.

(4) Vgl. Howard Zinn: “Peoples History of the United States, 1492 – Present“, Harper Collins, New York, 1999, Twentieth Anniversary Edition, Seite 257.

(5) Vgl. Richard Heinberg: „Öl-Ende“, a.a.O., Seite 93.

(6) Howard Zinn: “Peoples History of the United States“, a.a.O., Seite 257.

(7) Vgl. Stephen Birmingham: “‘Our Crowd‘ – The Great Jewish Families of New York“, Syracuse University Press, 1967/1996, Seite 155. Wie Schiff, der Anfang der 1870er Jahre als Besitzer einer eigenen Maklerfirma nach New York kam, stammten auch die Gründer von Kuhn Loeb & Co. aus Deutschland. Zum Zeitpunkt der 1870er Jahre waren, wie Birmingham darstellt, bis auf die Guggenheims und Warburgs fast alle großen Namen deutsch-jüdischer Abstammung in New York angekommen: die Seligmans, die Lehmans, die Goldmans, und eben auch Solomon Loeb, Mitbegründer von Kuhn Loeb & Co., dessen Tochter Therese von Jacob Schiff geehelicht werden sollte.

(8) Kai Bird: “The Chairman: John J. McCloy – The Making of the American Establishment”, Simon & Schuster, New York, 1992, Seite 401.

(9) Murray N. Rothbard: “Wall Street, Banks, and American Foreign Policy“, Center for Libetarian Studies, 1995, veröffentlicht unter: http://mises.org/rothbard/WSBanks.pdf

(10) Murat Altuglu: „The New Great Game: Energiepolitik im kaspischen Raum“, Bouvier Verlag, Bonn, 2006, Seite 50 – 51.

(11) Richard Heinberg: „Öl-Ende”, a.a.O., Seite 93.

(12) Die zehn größten Unternehmen der Welt sind nach der “Global 500“-Liste des Fortune-Magazines 2009 gewesen: 1. Royal Dutch / Shell, 2. Exxon Mobil, 3. Wal-Mart, 4. BP, 5. Chevron, 6. Total, 7. Conoco Phillips, 8. ING Group, 9. Sinopec, 10. Toyota Motor. Vgl. die “Global 500“-Liste des Fortune-Magazines 2009 unter: http://money.cnn.com/magazines/fortune/global500/2009.

Die französischen Rothschilds verkauften übrigens wenige Jahre vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs ihre mit Baku verbundene Ölfirma Bnito an Royal Dutch – „und zwar nicht für Geld, sondern im Austausch gegen Royal-Dutch-Aktien.

Guy de Rothschild: ‚So sind wir Aktionäre dieses internationalen Konzerns geworden; die gesamte Familie hat ein sehr wesentliches Royal-Dutch-Aktienpaket bekommen. Natürlich konnte man damals nicht ahnen, daß wenige Jahre später die russische Revolution ausbrechen würde, die den Wert der russischen Petroleumanteile auf Null reduzierte. Es ist ganz lustig, daß aus den von Paris aus verwalteten kaukasischen Quellen Royal-Dutch-Aktien geworden sind.‘“ Vgl. Der Spiegel, Ausgabe 35 / 1962, erschienen am 29. August 1962, online unter: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-45141360.html.

(13) Richard Heinberg: „Öl-Ende”, a.a.O., Seite 95.

(14) Lars Schall: „Finanzen sind ein Machtspiel”, Interview mit Nomi Prins, veröffentlicht auf LarsSchall.com am 22. Mai 2014 unter: http://www.larsschall.com/2014/05/22/finanzen-sind-ein-machtspiel/

(15) Richard Heinberg: „Öl-Ende”, a.a.O., Seite 94.

(16) Ellen Hodgson Brown: “The Web of Debt”, a.a.O. Seite 121.

(17) Ebd., Seite 121ff. Richard Heinberg listet die Aufspaltung der Standard Oil Company in mehrere eigenständige Unternehmen wie folgt auf: Standard Oil of New Jersey (das später zu Exxon wurde), Standard Oil of New York (Mobil), Standard Oil of California (Chevron), Standard Oil of Ohio (Sohio, später von BP übernommen), Standard Oil of Indiana (Amoco, jetzt Teil von BP), Continental Oil (Conoco) und Atlantic (heute BP). John D. Rockefeller zog aus dieser Aufspaltung reichlichen Gewinn, und die neuen Gesellschaften vermieden es tunlichst, einander Konkurrenz zu machen. Siehe Richard Heinberg: „Öl-Ende”, a.a.O., Seite 104.

Nach der Zerschlagung von Standard Oil entlang von Bundesstaatsgrenzen behielt die Familie Rockefeller jedenfalls eine Mehrheitsbeteiligung an jedem der neuen Unternehmen, und nach und nach begannen die neuen Unternehmen erneut zu fusionieren. Kurz und bündig zusammengefasst verband sich Standard Oil of Indiana mit Standard Oil of Nebraska und Standard Oil of Kansas, woraus 1985 Amoco wurde, das wiederum schließlich mit BP zusammenging. 1972 wurde Standard Oil of New Jersey zu Exxon. Standard Oil of New York ging mit Vacuum Oil zusammen, um Socony-Vacuum zu bilden, woraus 1966 Mobil wurde. 1984 schmolzen Standard Oil of California und Standard Oil of Kentucky zusammen, um Chevron zu bilden. Standard Oil of Ohio (Sohio) wurde von BP gekauft (zusätzlich zu Atlantic Richfield, ARCO).

Die „gefährliche Verschwörung”, die nach dem Willen des Obersten Gerichtshofs der USA zum Schutz der Republik zerbrochen werden sollte, scheint also offensichtlich fortbestanden zu haben. Damit aber nicht genug. Bis Mitte der 1970er Jahre hatte sich ein global agierendes Ölkartell herausgebildet, dem der englische Autor Anthony Sampson, unter Rückgriff auf die Bezeichnung des italienischen Ölhändlers Enrico Mattei, den Namen “The Seven Sisters” gab (siehe Anthony Sampson: „Die Sieben Schwestern. Die Ölkonzerne und die Verwandlung der Welt”, Rowohlt Verlag, 1982). Dies waren: Royal Dutch / Shell, British Petroleum, Exxon, Mobil, Chevron, Texaco und Gulf. Nach einer Welle von Fusionen zur Wende ins 21. Jahrhundert waren es nur noch vier: Exxon Mobil, Chevron Texaco, BP Amoco and Royal Dutch / Shell. Vgl. Dean Henderson: „Die vier apokalyptischen Reiter hinter den Öl-Kriegen”, veröffentlicht auf LarsSchall.com am 14. Juni 2011 unter: http://www.larsschall.com/2011/06/14/die-vier-apokalyptischen-reiter-hinter-den-olkriegen/

(18) Richard Heinberg: „Öl-Ende”, a.a.O., Seite 95.

(19) Vgl. Robert A. Mundell: “The International Monetary System in the 21st Century: Could Gold Make a Comeback?”, veröffentlicht von der Columbia University im März 1997 unter: http://www.columbia.edu/~ram15/LBE.htm

(20) Nach der Parlamentsentscheidung von 1767, Zölle vor allem auf Tee zu erheben, fanden koloniebergreifenden Boykott- und Protestaktionen statt, auf die Großbritannien mit der Maßnahme reagierte, dass es Truppenregimenter nach Boston, der Hauptstadt von Massachusetts, schickte. Im März 1770 folgten alsdann offene Feindseligkeiten zwischen den beiden Lagern, die als „Вoston Massaker” bekannt sind. Die Teezölle wurden beibehalten und 1773 noch verschärft, als es darum ging, der wirtschaftlich in Schwierigkeiten geratenen British East India Company eine Monopolstellung für den Verkauf von Tee in den amerikanischen Kolonien zu verschaffen. Hieraufhin kam es zur so genannten „Boston Tea Party”, bei der die kostbare Teeware, die auf den englischen Frachtschiffen lagerte, ins Hafenwasser befördert wurde. Ein Weg, der zur Amerikanischen Revolution führte, war geebnet.

Im Zusammenhang mit der Geldschöpfung/Colonial Scrip und der Amerikanischen Revolution sei Benjamin Franklin zitiert. “He maintained that it was the poverty caused by the bad influence of the English bankers on the Parliament which has caused in the colonies hatred of the English and the Revolutionary War. This, he said, was the real reason for the Revolution: ‚The colonies would gladly have borne the little tax on tea and other matters had it not been that England took away from the colonies their money, which created unemployment and dissatisfaction.’” Zitiert in Ellen Hodgson Brown: “The Web of Debt“, a.a.O., Seite 42. Siehe hierzu des Weiteren insbesondere Stephen Zerlenga: „Der Mythos vom Geld. Die Geschichte der Macht“, Conzett Verlag, Zürich, 2008, Seiten 269-292.

(21) Ein wichtiger Blickwinkel auf die Entstehung, den Verlauf und den Nachhall der Amerikanischen Revolution als Lossagung vom UK und als Kriegspartei gegen England in der Fortsetzung des Siebenjährigen Krieges mit anderen Mitteln (finanziellen wie militärischen), würde ich empfehlen, sich einmal Lion Feuchtwangers “Arms for America: Ben Franklin in France“ und Ron Chernows Biographie “Alexander Hamilton“ anzuschauen, um sich ein Bild sowohl von der strategischen Lage der 13 Staaten (darunter des vorwiegend niederländischen New York) zwischen den Financiers aus Frankreich, den Niederlanden und indirekt denen aus Österreich zu verschaffen, als auch über die Person / Situation Hamiltons selber bei der Gründung der „Wall Street“ bzw. der New Yorker Börse unter dem Buttonwood Tree (siehe das sogenannte “Buttonwood Agreement“ vom 17. Mai 1792). Das Kapitel in Chernows Buch über diese Organisationstat Hamiltons ist spannend und aufschlussreich.

(22) Jack Beatty: “Age of Betrayal. The Triumph of Money in America, 1865 – 1900”, Random House, 2007.

(23) Ellen Hodgson Brown: “The Web of Debt”, a.a.O., Seite 121.

(24) Die „Cross of Gold“-Rede von William Jennings Bryan gilt als eine der berühmtesten politischen Reden in der US-amerikanischen Geschichte. Sie wurde am 9. Juli 1896 beim Parteitag der Demokraten in Chicago gehalten. Es ging um einen Bi-Metallstandard bzw. ein Silber-zu-Gold-Verhältnis von 16:1. Die Rede findet sich in „The Annals of America, Vol. 12, 1895–1904: Populism, Imperialism, and Reform“, Encyclopedia Britannica, Inc., Chicago, 1968, S. 100–105.

(25) Vgl. Lars Schall: „Wir sind inmitten einer epochalen tektonischen Verschiebung“ (Teil 1), Interview mit F. William Engdahl, veröffentlicht auf Goldseiten.de am 31. März 2011 unter:
http://www.goldseiten.de/content/diverses/artikel.php?storyid=15770

(26) Howard Zinn: “Peoples History of the United States“, a.a.O., Seite 242. Zu den Hintergründen rund um Jay Cooke & Co. schreibt Murray N. Rothbard: “The first major investment banking house in the United States was a creature of government privilege. Jay Cooke, an Ohio-born business promoter living in Philadelphia, and his brother Henry, editor of the leading Republican newspaper in Ohio, were close friends of Ohio U.S. Senator Salmon P. Chase. When the new Lincoln Administration took over in 1861, the Cookes lobbied hard to secure Chase the appointment of Secretary of the Treasury. That lobbying, plus the then enormous sum of $100,000 that Jay Cooke poured into Chase’s political coffers, induced Chase to return the favor by granting Cooke, newly set up as an investment banker, an enormously lucrative monopoly in underwriting the entire federal debt.

Cooke and Chase then managed to use the virtual Republican monopoly in Congress during the war to transform the American commercial banking system from a relatively free market to a National Banking System centralized by the federal government under Wall Street control. A crucial aspect of that system was that national banks could only expand credit in proportion to the federal bonds they owned, bonds which they were forced to buy from Jay Cooke. Jay Cooke & Co. proved enormously influential in the post-war Republican administrations, which continued their monopoly in under-writing government bonds. The House of Cooke met its well-deserved fate by going bankrupt in the Panic of 1874, a failure helped along by its great rival, the then Philadelphia-based Drexel, Morgan & Co.” Aus Murray N. Rothbard: “Wall Street, Banks, and American Foreign Policy“, a.a.O.

(27) Ron Chernow: „Die Warburgs: Odyssee einer Familie“, btb, Berlin, 1994, Seite 174.

(28) Murray N. Rothbard: “The Origins of the Federal Reserve“, Mises Institute, 2009, Seite 34, veröffentlicht unter: http://mises.org/document/6119/The-Origins-of-the-Federal-Reserve

(29) Zitiert in Myron T. Herrick: “The Panic of 1907 and Some of Its Lessons“, Annals of the American Academy of Political and Social Science, Volume 31 (Januar – Juni 1908).

(30) Vgl. Stephen Zerlenga: „Der Mythos vom Geld”, a.a.O., Seite 387, Ellen Hodgson Brown: “The Web of Debt”, a.a.O., Seite 124, sowie Andreas Popp: „Der Wärungscountdown. Das verfehlte Geldsystem: Ursachen und Lösungen”, Finanzbuch Verlag, München, 2008, Seite 220.

(31) Zitiert in Robert F. Bruner / Sean D. Carr: “The Panic of 1907. Lessons Learned from the Market’s Perfect Storm”, John Wiley & Sons Inc., Hoboken, New Jersey, 2007, Seite 109-110.

(32) Zitiert in Gary Allen / Larry Abraham: “None Dare Call It Conspiracy“, Buccaneer Books, Cutchoge, New York, 1971, Seite 51-52.

(33) Lars Schall: „Finanzen sind ein Machtspiel”, a.a.O.

(34) Zitiert in Andreas Popp: „Der Wärungscountdown”, a.a.O., Seite 11, aus Richard O. Boyer / Herbert M. Morais: “Labor’s Untold Story – United Electrical, Radio & Machine Workers of America”, New York, 1955 / 1979. Das Buch von Popp gibt fälschlicherweise das Jahr 1889 an.

Upton Sinclair beschrieb den Vorgang in seinem Buch “The Brass Check: A Study of American Journalism”, das 1920 erschien. Demnach kam es 1880 zu einem Bankett, das Swinton zu Ehren von den Bossen der Zeitungsbranche gegeben wurde. Eine Rede befasste sich huldvoll mit der „freien Presse”, woraufhin Swinton die schon zitierten Worte vorbrachte – wie er auch sagte: „Das Geschäft der Journalisten ist, die Wahrheit zu zerstören, schlankweg zu lügen, die Wahrheit zu pervertieren, sie zu morden, zu Füßen des Mammons zu legen und sein Land und die menschliche Rasse zu verkaufen zum Zweck des täglichen Broterwerbs. Sie wissen das, und ich weiß das, was soll also das verrückte Lobreden auf eine freie Presse? Wir sind die Werkzeuge und Vasallen reicher Männer hinter der Szene. Wir sind die Hampelmänner, sie ziehen die Fäden, und wir tanzen. Unsere Talente, unsere Möglichkeiten und unsere Leben stehen allesamt im Eigentum anderer Männer. Wir sind intellektuelle Prostituierte.”

(35) Vgl. Howard Zinn: “Peoples History of the United States”, a.a.O., Seite 262 – 264.

(36) Ellen Hodgson Brown: “The Web of Debt”, a.a.O., Seite 123.

(37) Nomi Prins: “All the Presidents’ Bankers: The Hidden Alliances that Drive American Power“, Nation Books, New York, April 2014, Seite 23.

(38) G. Edward Griffin: „Die Kreatur von Jekyll Island”, a.a.O., Seite 25. Griffin zitiert aus B.C. Forbes: “Men Who Are Making America”, erschienen am 19. Oktober 1916 in Leslie’s Weekly, Seite 423.

(39) Ebd., Seite 27 – 28. Nomi Prins schreibt dazu:

“Retaining secrecy was crucial for Aldrich and the bankers, not just because the plan would have to come across as free from banker input to get passed in Congress, but also because these men were in effect formulating a financial avenue to propel America’s financiers to a more dominant global position. If the notion of private bankers influencing a central bank was unpalatable to the public, the idea of private bankers constructing America’s path to achieve global power would be impossible to get approved.

Central banks were a key to establishing national superpowers in world trade through the issuance of centralized bank notes and loans to banks. If the United States was going to compete on a global platform, it would need a unified currency backed by one centralized entity. This would render the dollar, and hence the United States, stronger politically and financially.”

Vgl. Nomi Prins: “How Big Banks Created a Fed to Serve Their Own Interests”, veröffentlicht auf American Banker am 7. April 2014 unter: http://www.americanbanker.com/bankthink/how-big-banks-created-a-fed-to-serve-their-own-interests-1066701-1.html

(40) Ron Chernow: „Die Warburgs“, a.a.O., Seite 177.

(41) Ebd.

(42) Murray N. Rothbard: “The Origins of the Federal Reserve“, a.a.O., Seite 36.

(43) Vgl. ebd.

(44) Ebd.

(45) Vgl. ebd.

(46) Ron Chernow: „Die Warburgs“, a.a.O., Seite 175.

(47) Ebd., Seite 173.

(48) Ebd., Seite 176.

(49) Ebd.

(50) Ebd.

(51) Vgl. ebd., Seite 176.

(52) Murray N. Rothbard: “The Origins of the Federal Reserve“, a.a.O., Seite 40.

(53) Ebd.

(54) Vgl. Lars Schall: „Finanzen sind ein Machtspiel“, a.a.O.

(55) Nomi Prins: “All the Presidents’ Bankers”, a.a.O., Seite 37.

(56) Ron Chernow: „Die Warburgs“, a.a.O., Seite 177

(57) Murray N. Rothbard: “The Origins of the Federal Reserve“, a.a.O., Seite 44.

(58) Vgl. Lars Schall: „Finanzen sind ein Machtspiel“, a.a.O.

(59) William Greider: “Secrets of the Temple: How the Federal Reserve Runs the Country”, Simon and Schuster, New York, 1987, Seite 276.

(60) G. Edward Griffin: „Die Kreatur von Jekyll Island”, a.a.O., Seite 28.

(61) Nomi Prins: “All the Presidents’ Bankers”, a.a.O., Seite 27

(62) Vgl. Stephen Zarlenga: „Der Mythos vom Geld“, a.a.O., Seite 393 – 394.

(63) Vgl. Nomi Prins: “All the Presidents’ Bankers”, a.a.O., Seite 28.

(64) Murray N. Rothbard: “The Origins of the Federal Reserve“, a.a.O., Seite 45.

(65) Benannt nach Carter Glass und Robert Latham Owen, den beiden Vorsitzenden des House and Senate Banking and Currency Committee. Wie William Greidler in “Secrets of the Temple“ auf Seite 276 schreibt, geht der Glass-Owen Bill auf den Aldrich Bill zurück, der auf Jeckyll Island formuliert wurde: “The plan worked out by the group did, in fact, become the prototype for the final legislation. Aside from details, the same fundamentals were to be incorporated in the new central bank.”

(66) Vgl. William Greider: “Secrets of the Temple“, a.a.O., Seite 278.

(67) Ellen Hodgson Brown: “The Web of Debt“, a.a.O., Seite 127.

(68) Zitiert in Louis T. McFadden: “Collective Speeches as Compiled from the Congressional Record“, Omni Publications, Hawthorne, 1970, Seite 309.

(69) Murray N. Rothbard: “Wall Street, Banks, and American Foreign Policy“, a.a.O.

(70) William Greider: “Secrets of the Temple”, a.a.O, Seite 270.

(71) Zitiert in Charles Seymour: “The Intimate Papers of Colonel House – Behind the Political Curtain 1912-1915“, Houghton Mifflin Company, Boston/New York, 1926, Seite 174. Bei Seymour steht “Jacob W. Schiff“ – was wohl ein Fehler des Herausgebers ist, denn korrekt wäre “Jacob H. Schiff“, wobei das “H“ für “Heinrich“ bzw. “Henry“ steht.

(72) Vgl. Nomi Prins: “All the Presidents’ Bankers”, a.a.O., Seite 38.

Eine Weitergestaltung des Federal Reserve Acts von 1913 war der Banking Act von 1935, den Franklin D. Roosevelt am 23. August 1935 unterzeichnete.

(73) David Rothkopf: „Die Super-Klasse. Die Welt der internationalen Machtelite“, Wilhelm Goldmann Verlag, München, 2009, Seite 468. Rothkopf zitiert den US-Ökonom Joseph Stieglitz, freilich in einem anderen Zusammenhang.

(74) William Greider: “Secrets of the Temple“, a.a.O., Seite 50.

(75) G. Edward Griffin: „Die Kreatur von Jekyll Island“, a.a.O., Seite 630.

(76) Vgl. Thanong Khanthong: “Not answerable to anyone”, veröffentlicht auf The Nation am 16. März 2012 unter: http://www.nationmultimedia.com/opinion/Not-answerable-to-anyone-30178042.html

Bruce MacLaury von der Minneapolis Fed schreibt zur Frage der Unabhängigkeit der Federal Reserve:

“First, let’s be clear on what independence does not mean. It does not mean decisions and actions made without accountability. By law and by established procedures, the System is clearly accountable to congress – not only for its monetary policy actions, but also for its regulatory responsibilities and for services to banks and to the public. Nor does independence mean that monetary policy actions should be free from public discussion and criticism – by members of congress, by professional economists in and out of government, by financial, business, and community leaders, and by informed citizens. Nor does it mean that the Fed is independent of the government. Although closely interfaced with commercial banking, the Fed is clearly a public institution, functioning within a discipline of responsibility to the ’public interest.’ It has a degree of independence within the government – which is quite different from being independent of government. Thus, the Federal Reserve System is more appropriately thought of as being ‘insulated’ from, rather than independent of, political – government and banking – special interest pressures. Through their 14-year terms and staggered appointments, for example, members of the Board of Governors are insulated from being dependent on or beholden to the current administration or party in power. In this and in other ways, then, the monetary process is insulated – but not isolated – from these influences. In a functional sense, the insulated structure enables monetary policy makers to look beyond short-¬term pressures and political expedients whenever the long-¬term goals of sustainable growth and stable prices may require ‘unpopular’ policy actions. Monetary judgments must be able to weigh as objectively as possible the merit of short-term expedients against long-term consequences—in the on-going public interest.”

Vgl. “Federal Reserve Bank Governance and Independence during Financial Crisis”, veröffentlicht vom Levy Economics Institute of Bard College, April 2014, Seite 110, unter: http://www.levyinstitute.org/publications/federal-reserve-bank-governance-and-independence-during-financial-crisis

(77) Lars Schall: „Finanzen sind ein Machtspiel“, a.a.O.

(78) Vgl. William Greider: “Secrets of the Temple“, a.a.O., Seite 50.

(79) Vgl. ebd., Seite 736.

(80) Ebd., Seite 50.

(81) Vgl. ebd., Seite 50 – 51.

(82) Vgl. 275 U.S. 415 – United States Shipping Board Emergency Fleet Corporation v. Western Union Telegraph Co., gesprochen am 3. Januar 1928, veröffentlicht auf Open Jurist unter: http://openjurist.org/275/us/415. Unter Punkt 15 steht dort: Instrumentalities like the national banks or the federal reserve banks, in which there are private interests, are not departments of the government. They are private corporations in which the government has an interest. Compare Bank of the United States v. Planters‘ Bank, 9 Wheat. 904, 907, 6 L. Ed. 244.

(83) Vgl. 680 F.2d 1239, John L. LEWIS, Plaintiff/Appellant v. UNITED STATES of America, Defendant/Appellee, No. 80-5905, United States Court of Appeals, Ninth Circuit, veröffentlicht unter: https://law.resource.org/pub/us/case/reporter/F2/680/680.F2d.1239.80-5905.html

(84) Vgl. Mark Pittman / James Sterngold / Hugh Son: “AIG Trustees Should Answer to Taxpayers, Not Fed, Towns Says”, veröffentlicht auf Bloomberg am 12. Mai 2009 unter:
http://www.bloomberg.com/apps/news?pid=newsarchive&sid=avjlPu.bRVmk

(85) Vgl. “Freedom of Information Clips”, veröffentlicht auf CSPAN am 8. August 2012 unter:
http://www.c-span.org/video/?c3668281/clip-freedom-information-cases.

Die Aussage von Mizusawa, wonach die Fed-Regionalbanken „Privatbanken” seien, wurden vor dem Second Circuit Court of Appeals bezüglich der FOIA-Fälle “Fox News Network LLC v. Board of Governors of the Federal Reserve System” und “Bloomberg LP v. Board of Governors of the Federal Reserve System” vorgebracht. Fox News und Bloomberg wollten im Rahmen des Freedom of Information Act die Identität der Finanzinstitute erfahren, die Empfänger des Notfallkreditprogramms der US-Regierung infolge der Finanzkrise waren. Hieraus ergingen folgende Gerichtsbeschlüsse, zuerst vom States Court of Appeals, Second Circuit:

The requests sought (in relevant part) detail about loans that the twelve Federal Reserve Banks made to private banks in April and May 2008 at the Discount Window and pursuant to ad hoc emergency lending programs (described in the margin )… The Board denied these requests (in relevant part) in December 2008. The Board conceded possession of records showing the loan information Bloomberg sought, with the exception of the collateral; collateral information is held by the lending Federal Reserve Banks. But the Board advised that the responsive information in its possession—contained in “Remaining Term Reports”–was exempt from disclosure under FOIA Exemptions 4 and 5. The Board did not search the lending records of the twelve Federal Reserve Banks, explaining that a request to the Board does not constitute a request for information held by those institutions.

As the records of the Federal Reserve Bank of New York had not been searched, we need not decide here whether what may be found must be produced. (…)

The Board and the Clearing House appeal only on the ground that a proper interpretation of FOIA Exemption 4 covers the requested material. No contest is made as to Exemption 5, or as to the scope of the Board’s (disputed) obligation to conduct a search of records at the Federal Reserve Bank of New York. Any argument that the Board had as to Exemption 5, or either side had as to the scope of the ordered search at the Federal Reserve Bank of New York is therefore deemed waived. Norton v. Sam’s Club, 145 F.3d 114, 117 (2d Cir.1998). Whether certain records of the twelve Federal Reserve Banks are records of the Board is an issue that is decided in an opinion-filed simultaneously with this opinion-in the appeal (heard in tandem with this appeal) from the Southern District’s decision in Fox News Network, LLC v. Board of Governors of the Fed. Reserve Sys., 639 F.Supp.2d 384 (S.D.N.Y.2009). See Fox News Network, LLC v. Bd. of Governors of the Fed. Reserve Sys, —F.3d —-, 2010 WL 986665 (2d Cir.2010).

Der Gerichtsbeschluss in diesem letztgenannten Fall hieß:

The Federal Reserve System–the central bank of the United States–is composed of twelve regional Federal Reserve Banks and the defendant-appellee Board of Governors of the Federal Reserve System (“Board”) in Washington, D.C. The Board is a federal agency that (among other things) supervises the operations of the twelve Federal Reserve Banks. (…) As the district court concluded, not all lending records of the twelve Federal Reserve Banks necessarily become records of the Board. However, Board regulations provide that some records at the Federal Reserve Banks– those kept at the Federal Reserve Banks under certain conditions for “administrative reasons”–are records of the Board; these must be searched. We remand to the district court to order further searches and to determine if the fruits of those searches must be disclosed. The district court did not reach the question of whether the Board misconstrued the scope of the Fox News FOIA requests (the district court having ruled these documents would be [**6] exempt from disclosure in any instance); we remand for further consideration of that question as well.

(86) Vgl. Lars Schall: “Are the 12 Regional Banks of the Fed Private Entities?”, veröffentlicht auf LarsSchall.com am 9. Juli 2014 unter: http://www.larsschall.com/2014/07/09/are-the-12-regional-banks-of-the-fed-private-entities/

Siehe auch die rechtliche Auseinandersetzung, die William Greider über das Federal Reserve-Gebäude in Washington DC nacherzählt, in der es darum ging, ob die Fed Grundrechtssteuer zu zahlen habe oder nicht. William Greider: “Secrets of the Temple“, a.a.O., Seite 48 – 50.

(87) Vgl. ebd. Zitiert in National Commission on Terrorist Attacks Upon the United States: Memorandum for the Record (MFR) of the Briefing by Dino Kos of the Federal Reserve Bank of New York Conducted by Team 8, 01/09/2004, veröffentlicht auf Online Public Access unter: http://research.archives.gov/description/2610129

(88) Siehe Lars Schall: “Are the 12 Regional Banks of the Fed Private Entities?”, a.a.O.

(89) Vgl. ebd.

(90) L. Randall Wray: “The Greatest Myth Propagated About The FED: Central Bank Independence (Part 1)”, veröffentlicht auf New Economic Perspectives am 9. Januar 2014 unter:
http://neweconomicperspectives.org/2014/01/greatest-myth-propagated-fed-central-bank-independence-part-1.html

Wray beruft sich hierbei auf Forschungsergebnisse von Bernard Shull, Professor Emeritus, Hunter College, CUNY.

(91) Lars Schall: „Geld ist Macht (Money Talks)“, Interview mit Norbert Häring, veröffentlicht auf LarsSchall.com am 18. April 2013 unter: http://www.larsschall.com/2013/04/18/geld-ist-macht-money-talks/

(92) Lars Schall: “Europe is not really an independent entity”, Interview mit Paul Craig Roberts, veröffentlicht auf LarsSchall.com am 21. Dezember 2013 unter:
http://www.larsschall.com/2013/12/21/europe-is-not-really-an-independent-entity/

(93) Lars Schall: „Finanzen sind ein Machtspiel“, a.a.O.

(94) Vgl. Lars Schall: „Wir sind inmitten einer epochalen tektonischen Verschiebung“ (Teil 1), a.a.O.

(95) J.S. Kim: „Im Innern des illusorischen Reiches des Banken- und Waren-Schwindels“, a.a.O.

(96) Vgl. Lars Schall: “Our Whole Financial System Is An Illusion“, Interview mit Michael Maloney, veröffentlicht auf GoldSwitzerland am 13. Juli 2011 unter:
http://goldswitzerland.com/index.php/our-whole-financial-system-is-an-illusion/

(97) Lars Schall: „Vom exponentiellen Wahnsinn des Geldsystems“, Interview mit Prof. Bernd Senf, erschienen auf LarsSchall.com am 3. November 2010 unter: http://www.larsschall.com/2010/11/03/vom-exponentiellen-wahnsinn-des-geldsystems/. Das Problem, wie sich die Zinsnahme überhaupt rechtfertigen lasse oder nicht, war ein „schwebendes“ seit der Antike. Der österreichische Ökonom Eugen von Böhm-Bawerk (1851-1914) hat in seinem Werk „Positive Theorie der Kapitals“, erschienen 1889, eine Zinstheorie dargelegt, in der er zunächst „darauf hin(wies), dass, wer spart und später Zins erhält, seinen Konsum nur in die Zukunft schiebt, auf die Rückzahlung des Geldes nicht verzichtet, sondern auf ihr besteht, ja sogar noch einen Zins dafür verlangt.“ Böhm-Bawerk fuhr sodann fort, indem er „das Schuldverhältnis als einen Tausch zwischen Gegenwartsgütern, die der Verleiher hingibt, und Zukunftsgütern, die er dafür vom Borger versprochen erhält, (auffasste). Der eine schiebt seinen Konsum in die Zukunft, der andere will jetzt desto mehr. Vereinfacht kann man sagen, dass Verleiher und Borger beide ungeduldig sind, jedoch nur in verschiedenem Grade. Der Zins kann bezahlt werden, weil, wer über Kapital verfügt, Produktionsumwege gehen kann. Beispielsweise kann ein Fischer sich dank des Kapitals – in diesem Fall als Nahrungsvorrat – eine Zeitlang von der Produktion zurückziehen, um ein Netz zu knüpfen, womit er mehr Fische zu fangen imstande ist, als wenn er fortführe, nur mit der Rute zu angeln. Also ist nicht einfach das Kapital produktiv, sondern es wird in vorgelagerten Produktionsstufen von den Arbeitern produktiv verwendet.“ Bei Böhm-Bawerk rechtfertigt sich die Zinsnahme ergo durch die Bedürfniszügelung des Kreditgebers. Vgl. Bertram Schefold: „Warum darf man Zinsen nehmen?“, veröffentlicht auf FAZ.net am 24. Dezember 2014 unter: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftswissen/die-weltverbesserer/die-weltverbesserer-mit-eugen-von-boehm-bawerk-13333660.html

Auf der Zinstheorie von Eugen von Böhm-Bawerk baute Ludwig von Mises seine Geld- und Konjunkturtheorie auf, wonach eine ungezügelte Kreditschöpfung bei einhergehenden Niedrigzinsen übertriebene Boom-Phasen bewirkt. Wird dem nicht rechtzeitig gegengesteuert, liegt das Endresultat in einer Zerstörung des gesamten Währungssystems. Der Zins ergibt sich in der Auffassung von Ludwig von Mises durch subjektive Wertungen, die von Individuen vorgenommen werden. Dem Studium zielgerichteten Verhaltens von Individuen verlieh von Mises den Begriff der „Praxeologie“. Die Individuen haben subjektive Präferenzen, „um zu handeln oder nicht zu handeln, und wir setzen über einen Zeitraum Mittel ein, um gewünschte Ziele zu erreichen. Als Menschen wählen wir zwischen den verschiedenen Möglichkeiten aus, die uns zur Wahl geboten werden. Wir ziehen die eine Alternative der anderen vor. Es wäre fair zu sagen, dass wir eine Skala der Bedürfnisse oder Werte in unseren Köpfen haben, bevor wir unsere Handlungen arrangieren. Auf der Grundlage dieser Größenordnung bestimmen wir einen höheren Wert, das heißt dringlichere Bedürfnisse, und wir lassen den niedrigeren Wert unbefriedigt, das heißt weniger dringliche Bedürfnisse.“ Vgl. Ben Davies: „Wert in einer Welt der Finanzrepression“, veröffentlicht von LarsSchall.com am 27. Juli 2012 unter: http://www.larsschall.com/2012/07/27/wert-in-einer-welt-der-finanzrepression/

Mit anderen Worten, die Individuen „ziehen die Behebung eines unmittelbaren Unbefriedigtseins (etwa Hunger) der Behebung eines künftigen Unbefriedigtseins vor, daher wird eine bestimmte Menge heutiger Güter einer größeren Menge künftiger gleichartiger Güter vorgezogen. Da man demnach eine Menge heutiger Güter mit einer größeren Menge künftiger Güter wertmäßig gleichsetzen kann, ergibt sich ein Mengenunterschied zwischen diesen Gütern, der Zins.“ Vgl. „Zinstheorien“, Unterpunkt „Erklärung des Zinses nach Ludwig von Mises“, veröffentlicht von Entlehnen.info unter: http://www.entlehnen.info/Zinstheorien.asp

(98) Siehe Richard Heinberg: „Öl-Ende“, a.a.O., Seite 291, Kapitel: Physische Wirtschaft und Finanzwirtschaft. Siehe des Weiteren M. King Hubbert: „Two Intellectual Systems: Matter-energy and the Monetary Culture“, veröffentlicht unter:
http://www.hubbertpeak.com/hubbert/monetary.html

(99) David Rothkopf: „Die Super-Klasse“, a.a.O., Seite 464.

(100) Dean Henderson: „Die vier apokalyptischen Reiter hinter den Öl-Kriegen“, veröffentlicht auf
LarsSchall.com am 14. Juni 2011 unter:
http://www.larsschall.com/2011/06/14/die-vier-apokalyptischen-reiter-hinter-den-ol-kriegen/

(101) Laurence H. Shoup / William Minter: “Imperial Brain Trust: The Council on Foreign Relations and United States Foreign Policy”, Authors Choice Press, New York: 2004, Seiten 58-59.

(102) Ebd., Seiten 60-62.

(103) Ebd., Seiten 62-64.

(104) Ebd., Seiten 66-67.

(105) Ebd., Seiten 66-70.

(106) Ebd., Seiten 77-78.

(107) Ebd., Seiten 78-79.

(108) Ebd., Seiten 86-88.

(109) Ebd., Seiten 92-95.

(110) Ebd., Seiten 97-98.

(111) Ebd., Seiten 102-104.

(112) Ebd., Seiten 106-107.

(113) David Rockefeller: “Memoirs”, New York: Random House, 2002, Seite 85.

(114) Ebd., Seite 113.

(115) Ebd., Seiten 149-151.

(116) Richard Bernstein: “‘I.B.M. and the Holocaust’: Assessing the Culpability”, veröffentlicht auf New York Times am 7. März 2001 unter:
http://www.nytimes.com/2001/03/07/arts/07BERN.html?pagewanted=all

(117) David Rockefeller: “Memoirs”, a.a.O. Seite 149.

(118) Ebd., Seite 363.

(119) Obituaries, William Bundy. The Telegraph, 9. Oktober 2000, unter: http://www.telegraph.co.uk/news/obituaries/1369483/William-Bundy.html

(120) Cary Reich: “The Life of Nelson A. Rockefeller: Worlds to Conquer 1908-1958”, Doubleday, New York, 1996, Seite 559.

(121) Robert Kagan, “The Benevolent Empire,” Foreign Policy (No. 111, Summer 1998), Seite 26.

(122) Ebd., Seite 28.

(123) Sebastian Mallaby, “The Reluctant Imperialist: Terrorism, Failed States, and the Case for American Empire,” Foreign Affairs (Vol. 81, No. 2, March-April 2002), Seite 6.

(124) Ebd., Seite 2.

(125) Niall Ferguson, “The Unconscious Colossus: Limits of (& Alternatives to) American Empire,” Daedalus (Vol. 134, No. 2, On Imperialism, Spring 2005), page 21.

(126) Ebd., Seiten 21-22.

(127) Arthur Schlesinger, Jr., “The American Empire? Not so Fast,” World Policy Journal (Vol. 22, No. 1, Spring 2005), Seite 45.

(128) Michael Cox, “Empire by Denial: The Strange Case of the United States,” International Affairs (Vol. 81, No. 1, January 2005), Seite 18.

(129) Geir Lundestad, “‘Empire by Invitation’ in the American Century,” Diplomatic History (Vol. 23, No. 2, Spring 1999), Seite 189.

(130) Bruce Cumings, “The American Century and the Third World,” Diplomatic History (Vol. 23, No. 2, Spring 1999), Seite 356.

(131) Ebd., Seiten 358-359.

(132) CFR, War and Peace. CFR History: http://www.cfr.org/about/history/cfr/war_peace.html

(133) Joan Roelofs, Foundations and Public Policy: The Mask of Pluralism (New York: State University of New York Press, 2003), Seite 74.

(134) Ismael Hossein-Zadeh: “The Political Economy of U.S. Militarism”, Palgrave Macmillan, New York, 2006, Seiten 43-45.

(135) Ebd., Seite 45.

(136) Ebd., Seite 46.

(137) Laurence H. Shoup / William Minter: “Imperial Brain Trust”, a.a.O., Seite 118.

(138) Ismael Hossein-Zadeh: “The Political Economy of U.S. Militarism”, a.a.O., Seite 48.

(139) Ebd., Seiten 49-51.

(140) Laurence H. Shoup / William Minter: “Imperial Brain Trust”, a.a.O., Seiten 166-167.

(141) Ebd., Seiten 168-169.

(142) Joan Roelofs: “Foundations and Public Policy: The Mask of Pluralism”, State University of New York Press, New York, 2003, Seite 159.

(143) Ismael Hossein-Zadeh: “The Political Economy of U.S. Militarism”, a.a.O., Seite 51.

(144) Laurence H. Shoup / William Minter: “Imperial Brain Trust”, a.a.O., 169-171.

(145) Joan Roelofs: “Foundations and Public Policy”, a.a.O., Seite 160.

(146) Kevin Cole: „Professor Carroll Quigley und der Artikel, der zu wenig sagte“, veröffentlicht auf LarsSchall.com am 27. Januar 2014 unter: http://www.larsschall.com/2014/01/27/professor-carroll-quigley-und-der-artikel-der-zu-wenig-sagte/

(147) Wilhelm Bittorf: „Ein Politbüro für den Kapitalismus?“, Der Spiegel, Ausgabe 50 / 1975, erschienen am 8. Dezember 1975, online unter: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41389590.html

(148) Vgl. Norbert Häring: “The veil of deception over money: how central bankers and textbooks distort the nature of banking and central banking” (zu Deutsch in etwa: “Der Schleier der Täuschung über dem Geld: Wie Zentralbanker und Lehrbücher die Natur des Banken- und Zentralbankengeschäfts verzerren”), veröffentlicht auf World Economics Association unter:
http://www.paecon.net/PAEReview/issue63/Haring63.pdf

(149) Lars Schall: „Geld ist Macht (Money Talks)“, a.a.O.

(150) Vgl. Lars Schall: “Our Whole Financial System Is An Illusion“, a.a.O.

(151) Steve Keen: „Der Geld-Illusions-Schock der Bank of England“, veröffentlicht auf LarsSchall.com am 24. März 2014 unter:
http://www.larsschall.com/2014/03/24/der-geld-illusions-schock-der-bank-of-england/

Die deutsche Zentralbank, die Bundesbank in Frankfurt am Main, äußerte sich zur Geldschöpfung durch Kreditvergabe der Geschäftsbanken aus dem Nichts in den Jahren 2007 und 2010 übrigens wie folgt:

„Bei der Giralgeldschöpfung unterscheidet man die ,aktive‘ und die ‚passive‘ Geldschöpfung der Banken. So entsteht Giralgeld durch Einzahlung von Bargeld auf Girokonten. Bei dieser ,passiven‘ Form der Giralgeldschöpfung ändern sich die gesamten Geldbestände der Wirtschaft (also Giralgeld in Händen der Nichtbanken plus Bargeld) nicht. Daneben ist das Bankensystem aber auch in der Lage, durch Gewährung von Krediten aktiv Giralgeld entstehen zu lassen und damit die Geldmenge insgesamt zu erhöhen.“ – Bundesbank-Broschüre: Geld und Geldpolitik, 2007, S. 59.

„Die ,Überschussreserve‘ im Bankensystem wird immer kleiner. Der Prozess der Giralgeldschöpfung wird dadurch gebremst. Jede einzelne Bank kann immer nur einen Bruchteil ihres Liquiditätszuflusses ausleihen. Trotzdem sind am Ende die Einlagen im Bankensystem – das Giralgeld – um ein Mehrfaches derjenigen Einlage gestiegen, die durch die ursprüngliche Kreditgewährung entstanden ist. Man spricht deshalb auch von der ,multiplen Giralgeldschöpfung‘ (multipel = vielfach). Der Geldschöpfungsprozess erscheint damit wie Zauberei: Die Banken schöpfen anscheinend selbst Geld, ohne die Deutsche Bundesbank nötig zu haben. Einer höheren Forderung an die Nichtbanken stehen höhere Einlagen derselben gegenüber: Die Geldmenge ist gewachsen.“ – Bundesbank-Broschüre: Geld und Geldpolitik, 2007, S.62.

„In der Regel gewährt die Geschäftsbank einem Kunden einen Kredit und schreibt ihm den entsprechenden Betrag auf dessen Girokonto gut. Wird dem Kunden ein Kredit über 1.000 Euro gewährt (z.B. Laufzeit 5 Jahre, 5 %), erhöht sich die Sichteinlage des Kunden auf seinem Girokonto um 1.000 Euro. Es ist Giralgeld entstanden bzw. wurden 1.000 Euro Giralgeld geschöpft. (…) Die Giralgeldschöpfung ist also ein Buchungsvorgang.“ – Bundesbank-Broschüre: Geld und Geldpolitik, 2010, S. 68.

„Wenn eine Geschäftsbank einen Kredit gewährt, finanziert sie diesen in einem ersten Schritt dadurch, dass sie (…) den entsprechenden Betrag an Giralgeld selbst schafft.“ – Bundesbank-Broschüre: Geld und Geldpolitik, 2010, S. 71.

„Geld entsteht durch ‚Geldschöpfung‘. Sowohl staatliche Zentralbanken als auch private Geschäftsbanken können Geld schaffen. Im Eurosystem entsteht Geld vor allem durch die Vergabe von Krediten, ferner dadurch, dass Zentralbanken oder Geschäftsbanken Vermögenswerte ankaufen, beispielsweise Gold, fremde Währungen, Immobilien oder Wertpapiere. Wenn die Zentralbank einer Geschäftsbank einen Kredit gewährt und den Betrag auf dem Konto der Bank bei der Zentralbank gutschreibt, entsteht ,Zentralbankgeld‘. Die Geschäftsbanken benötigen es zur Erfüllung ihrer Mindestreservepflicht, zur Befriedigung der Bargeldnachfrage und für den Zahlungsverkehr. (…) Die Geschäftsbanken können auch selbst Geld schaffen, das sogenannte Giralgeld. Der Geldschöpfungsprozess durch die Geschäftsbanken lässt sich durch die damit verbundenen Buchungen erklären: Wenn eine Geschäftsbank einem Kunden einen Kredit gewährt, dann bucht sie in ihrer Bilanz auf der Aktivseite eine Kreditforderung gegenüber dem Kunden ein – beispielsweise 100.000 Euro. Gleichzeitig schreibt die Bank dem Kunden auf dessen Girokonto, das auf der Passivseite der Bankbilanz geführt wird, 100.000 Euro gut. Diese Gutschrift erhöht die Einlagen des Kunden auf seinem Girokonto – es entsteht Giralgeld, das die Geldmenge erhöht.“ – Bundesbank-Broschüre: Geld und Geldpolitik, 2010, S. 88.

(152) Steve Keen: „Der Geld-Illusions-Schock der Bank of England“, a.a.O.

(153) Ebd.

(154) Gemeint ist hier Joseph Schumpeter: „Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung.“

(155) Eduard Braun: „Schumpeters entlarvende Analyse unseres Geldsystems“, veröffentlicht auf Ludwig von Mises Institut Deutschland am 12. März 2014 unter: http://www.misesde.org/?p=7383

(156) Ellen Hodgson Brown: “Time for a New Theory of Money”, veröffentlicht auf Yes Magazine am 28. Oktober 2010 unter:
http://www.yesmagazine.org/new-economy/time-for-a-new-theory-of-money

 

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