Tragödien als moderne Sanktionsbeschleuniger

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Aus dem Jahr 1917 wird dem ehemaligen US-Präsidenten Wilson ein Ausspruch in den Mund gelegt. So soll er sich geäußert haben, dass „Recht kostbarer als Frieden ist…“ Man kann ihn heute beruhigen. Seine Nachfolger in diesem Amt haben seit zwanzig Jahren alles in ihrer Macht stehende getan, dass wir alle, die im Schlagschatten der „einzig verbliebenen Supermacht“ leben oder leben müssen, weder das eine noch das andere haben. – Ein Einwurf von Willy Wimmer.

Von Willy Wimmer

Der nachfolgende Artikel erscheint auf LarsSchall.com mit ausdrücklicher und persönlicher Genehmigung von Willy Wimmer.

Willy Wimmer war von 1976 bis 2009 Mitglied des Deutschen Bundestages. Er war verteidigungspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, 1988-1992 Parlamentarischer Staatssekretär im Verteidigungsministerium und dann noch sechs Jahre lang Vizepräsident der Parlamentarischen Versammlung der OSZE.

Am 7. März erschien auf dieser Website ein englischsprachiges Interview mit Herrn Wimmer anlässlich der Ukrainekrise um die Krim, “There has been a coup d’etat in the Ukraine” – welches hier abzurufen wäre. Ende Juli erscheint sein mit Wolfgang Effenberger zusammen herausgegebenes neues Buch: Wiederkehr der Hasardeure: Schattenstrategen, Kriegstreiber, stille Profiteure 1914/2014.

Tragödien als moderne Sanktionsbeschleuniger
von Willy Wimmer

Aus dem Jahr 1917 wird dem ehemaligen US-Präsidenten Wilson ein Ausspruch in den Mund gelegt. So soll er sich geäußert haben, dass „Recht kostbarer als Frieden ist…“ Man kann ihn heute beruhigen. Seine Nachfolger in diesem Amt haben seit zwanzig Jahren alles in ihrer Macht stehende getan, dass wir alle, die im Schlagschatten der „einzig verbliebenen Supermacht“ leben oder leben müssen, weder das eine noch das andere haben. Dafür gibt es Gründe, wie man in den Sicherheitsdirektiven amerikanischer Präsidenten von Bill Clinton über George W. Bush bis Barak Obama nachlesen kann. Die Welt muss so in Stücke geschlagen werden, dass nirgendwo auf dem Globus mehr sich rivalisierende Gedanken zu amerikanischen Überlegungen breit machen können. Es war zuletzt am 4. Juni 2014 der jetzige US-Präsident, der vor den Absolventen der US-Militärakademie in West Point sich ausdrücklich zu diesen langjährigen Konzepten bekannt hatte. Er machte nur eines deutlich in seiner Rede. Hatte man mit privaten und lukrativen Söldnerarmeen seit dem völkerrechtswidrigen Krieg gegen die Bundesrepublik Jugoslawien im Jahre 1999 reichlich Kasse gemacht und Gräuel verübt, sollen es jetzt „Umsturz-Hedge-Fonds“ richten. Weil vermutlich selbst für amerikanische Wähler der durch amerikanische Soldaten zu entrichtende Blutzoll zu hoch sein dürfte, finanziert man lieber demnächst über Fonds das, was bislang reguläre Truppen in Angriff nehmen mussten. Vermutlich richten sich dann Einsätze, die aus diesen „Umsturz-Hedge-Fonds“ finanziert werden müssen, nach den dabei zu erzielenden Renditen oder sonstigen Feudalgesichtspunkten, wie Familienangehörige von amerikanischem Spitzenpersonal derzeit in der Ukraine unter Beweis stellen. Wie die Eigentümerstruktur der amerikanischen Söldnerformationen zeigt, wird sich hier gewiss ein breites Spektrum ehemaliger NATO-Verteidigungs- und Außenminister ergeben, die sich auch dieses Betätigungsfeld für ihr Erwerbsstreben nach Ausscheiden aus dem Amt zum Vorbild nehmen werden.

Es gibt eine Menge, was dauerhaft in Angriff genommen werden kann. Wenn schon eine Unmenge von Finanzmitteln um den Globus schwirrt, denen kein wirtschaftlicher Gegenwert entspricht, dann muss das auch für die Zukunft einer neuen Ausplünderungsstrategie mit dem Namen „Sanktionen“ gelten. Wie üppig die neuen Sanktionsquellen sprudeln, konnte man rechtzeitig vor Eintritt in die neue und wohl gigantische Sanktionswelle gegen die Russische Föderation feststellen. Es ist natürlich der deutschen Staatspresse geschuldet, dass sich niemand Gedanken darüber macht, warum in Milliardenhöhe deutsche und europäische Banken von der Regierung der Vereinigten Staaten wegen angeblicher Verstöße gegen die über den Iran aus den durchsichtigsten Gründen verhängten Sanktionen zu Strafzahlungen verdonnert werden. Diese Zahlungen haben zudem den Vorteil, amerikanischen Banken für das in Aussicht stehende „Endgame“ so mit Wettbewerbsvorteilen auszustatten, dass die Europäer schon das Nachsehen haben werden. So, wie dies bei Basel I, II und III ohnehin schon geschehen ist. Oder bei den US-Großkonzernen, die relativ steuerfrei hier in Europa zu ihren Erlösen kommen, damit sie anschließend mit prall gefüllten Kriegskassen die europäische Industrie mit ihren zweifellos vorhandenen Filetstücken aufkaufen können. Man vergisst dabei auch Kleinigkeiten nicht, wie jenes deutsche Unternehmen, das angeblich sichere Handys nicht nur für deutsche Amtsträger verkauft und damit NSA-gefährdend wirken kann. Das dürfte sich wohl auch an der Höhe des Verkaufspreises festmachen lassen. Putin sei Dank, er ist ein wahres Geschenk für die amerikanische Politik, weil sich dieser russische Präsident so herrlich-und nicht nur in NEWSWEEK –verunglimpfen lässt.

Die Russen sollten nur zwei Dinge bedenken. Wenn im Kreml jemand mit einem anderen Namen sitzen würde, so wäre auch er vom amerikanischen Bannstrahl getroffen worden, weil dieser Bannstrahl nichts mit realen Vorgängen in Russland zu tun hat. Russland ist eben dran, wie es auch jemand anderes treffen könnte. Um es allerdings deutlich zu sagen: Wer jetzt in Moskau auf die Amerikaner oder – was fast noch schlimmer ist – auf die Briten setzt, der sollte sich eingehend mit dem Schicksal des deutschen Widerstands gegen den „Führer“ beschäftigen. Russland ist das Ziel. Die ehemalige amerikanische Außenministerin Albright, Herrn Joschka Fischer auf das engste verbunden, hat es in charmanter Offenheit gesagt. Die Russen haben in einer solchen Menge Rohstoffe, dass man diese nicht alleine russischer Verfügungsgewalt überantworten sollte. Zwischen Afghanistan und Libyen wird derzeit die staatliche Struktur des uns bekannten Nahen und Mittleren Ostens portionsgerecht im amerikanischen-und auch israelischen Interesse zerschlagen. Russland sollte – unbeschadet der von uns zwangsweise verhängten Sanktionen – genau aufpassen. Peking, das die Vorstellungen aus seinem Nachbarland Japan kennt, wird die Zeichen der Zeit auch nicht außer Acht lassen. Berlin wird mitmachen und wiederkehrend nachweise liefern, wie sehr man auch aus Washington stranguliert wird.

Dabei macht man selbst vor Tragödien nicht halt. Maidan, Odessa und MH 17 waren und sind Tragödien. Was es noch schlimmer macht, ist die brutale Wucht, mit denen diese Tragödien durch westliche Regierungen benutzt werden, billige Münze zu machen. Auch und gerade Tote haben eine Würde und das sind Rechte. Wo ist denn unser Herr Bundespräsident mit seinem ständigen Reden über Menschenrechte – und eben nicht das Völkerrecht und die internationale Rechtsordnung -, der ein Wort dazu findet, dass schlimme Verbrechen in Europa eben nicht mehr geahndet werden, weil weder die Regierungen, noch die Parlamente oder gar die sogenannte staatliche „Qualitätspresse“ ein Interesse an einer Aufklärung haben? Da legt die Russische Förderation schlagende Nachweise über ihre Erkenntnisse zum Absturz des Flugzeuges auf den Tisch und bekommt amerikanische Antworten zu Twitter und anderem zur Antwort, damit man das machen kann, was man die ganze Zeit ohnehin vorhatte: Sanktionen verhängen, siehe oben. Schäbiger und widerwärtiger kann man sich seitens des wohl vor längerer Zeit verblichenen „Westens“ nicht verhalten. Dafür wird jetzt der Absturzort durch ukrainische Verbände unter Granatenbeschuss genommen. Warum wohl?

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