Die Woche im Rückspiegel betrachtet

Empfehlen / Bookmarken

Jede Woche am Sonntag stelle ich eine Auslese der zehn bemerkenswertesten Geschichten und Veröffentlichungen vor, auf die ich bei meinen Streifzügen durch die Tiefen und Weiten des weltumspannenden Informationsnetzes gestoßen bin.


Von Lars Schall

Geneigte Leserin, geneigter Leser,

ich heiße Sie herzlich willkommen zu Die Woche im Rückspiegel betrachtet. Mit diesem Format möchte ich Ihnen immer wieder des Sonntags im Schnelldurchlauf zehn bemerkenswerte Geschichten und Veröffentlichungen präsentieren, über die ich im Laufe der jeweils vorangegangenen sieben Tage via wilder Internet-Klickerei stolperte.

Und damit ohne weiteren Aufhebens zu den…

TOP 10-LINKS DER WOCHE

Auf Platz 10 stellt sich sogleich schon die alles entscheidende Frage dieser Zeit, Epoche und Ära: Schlägt die Nutella-Krise bei Ihnen auch bereits durch? Wie, Sie wissen etwa gar nicht, was die Nutella-Krise ist?! Nur gut, dass sie Ihnen hier erklärt wird, damit Sie in Sachen Krise wieder auf dem neuesten State of the Art sind.

Auf Platz 9 lesen wir: “Der Einstieg der Europäischen Zentralbank ins ‘Quantitative Easing‘, also dem Ankauf von Wertpapieren, scheint nur noch eine Frage der Zeit. Doch anstatt Geld in die Hand zu nehmen, um den Finanzsektor zu retten, sollte die EZB das Geld lieber direkt den Bürgern überweisen, findet Daniel Stelter.“

Herr Stelter ist ehemaliger Berater der Boston Consulting Group und Gründer des makroökonomischen Forums “Beyond the obvious“, und Herr Stelter fordert: “Anstatt immer mehr frisches Geld in den Finanzsektor zu pumpen, sollte die EZB es den EU-Bürgern einfach direkt überweisen.“

Siehe hier.

Auf Platz 8 kommen wir auf US-Journalist James Risen zu sprechen. Jener “muss seine Quellen preisgeben – sonst kommt er ins Gefängnis. Was ist nur aus dem Land der freien Presse geworden?“

Mehr dazu hier.

Auf Platz 7 rangiert eine von Sabine Schiffer, Leiterin des Instituts für Medienverantwortung, geleitete Unterhaltung zur Fragestellung “Wohin treiben unsere Medien?“ Teilnehmer: Christine Horz, David Goeßmann, Jochen Scholz und Peter Vonnahme.

Die einzelnen Videos gibt es hier.

Weiters hätte ich Kritisches von der Propagandaschau: dort wird dem WDR5-Radio vorgeworfen, wiederholt Lügen unter die Leute des Sektors Nordrhein-Westfalen zu bringen – siehe hier und hier.

In Österreich ist Ähnliches zu sehen, wie es auf der Website von Alexandra Bader notiert wird:

“Auch wenn man sich kritisch mit Berichterstattung auseinandersetzt, muss man sich selbst immer wieder daran erinnern, wie NATO-Propaganda wirkt. Man begegnet ihr überall – beim Querlesen mehrerer Medien täglich oder auch, wenn man Ausschnitte aus wenigen Zeitungen sammelt, um zu analysieren, wie es wohl Lesern damit geht. Dieser Text ist daher illustriert mit Schnipseln, die aus einer österreichischen Zeitung stammen und die an deutsche oder britische Medien erinnern. ‘Österreich‘ erscheint nicht nur als Kaufausgabe, sondern auch in einer etwas dünneren Gratisversion, die man Ständern etwa bei U-Bahn-Stationen entnehmen kann.“

Dies finden’S hier vor.

Auf der Hintergrund-Website können Sie als nächstes einen Artikel lesen, der den Titel “Wie deutsche Medien ein Flugzeug abschossen“ trägt. Daraus ein Zitat bezüglich der abgeschossenen Passagiermaschine MH17:

“‘Vorher‘ zögerten die EU-Länder noch, dem Verlangen der USA nachzugeben, für beide Seiten schmerzhafte Wirtschaftssanktionen gegen Russland zu verhängen. Dann wurde MH17 abgeschossen. Und siehe da: ‘Am Ende der vergangenen Woche kam Europa im Nachher an‘, stellte der Spiegel fest. ‘Der ‘game changer‘ hatte gewirkt.‘ Der Abschuss hat die Lage radikal geändert, gibt das Blatt unverhohlen zu.

Cui bono, wem nützt es? Dem Russland, das jetzt Strafmaßnahmen unterworfen wird? Den Rebellen, die endgültig aus dem Verhandlungsprozess ausgeschlossen bleiben? Oder den US-Amerikanern, die einen Riesenabsatzmarkt (z. B.) für ihr überflüssiges Fracking-Gas in Europa bekommen wollen?

Ich weiß auch nicht, wer das Flugzeug abgeschossen hat. Es könnten Russen, Ukrainer, Amerikaner oder wer auch immer sein. Es übersteigt die Möglichkeiten eines Journalisten oder selbst eines mächtigen Mediums, so einen Fall aufzuklären. Aber egal wie die politischen Sterne stehen, die Aufgabe eines Berichterstatters ist es, unabhängig zu bleiben. Die, die parteiisch werden, haben die Berufsbezeichnung ‘Journalist‘ nicht verdient. Sie werden damit zur Kriegspartei, zu Propagandisten und Hetzern, zu Brandstiftern und tragen dementsprechend eine Mitschuld für weitere Morde.“

Solches steht hier geschrieben.

Auf Platz 6 empfehle ich ein Gespräch mit dem Soziologen und Autor Andreas Kemper. Jener welcher steuert zum Thema AfD u.a. bei:

“In der AfD findet gerade eine krasse Auseinandersetzung statt. Die Basis der AfD hatte sich beim Parteitag gegen Sanktionen gegen Russland ausgesprochen. Die Mehrheit der EU-Parlamentarier der AfD, unter anderem Hans-Olaf Henkel und Bernd Lucke, haben sich darüber jedoch hinweg gesetzt und für die Vorbereitung von Sanktionen gestimmt. Und Henkel hat auch oft genug deutlich gemacht, was er von der Parteiendemokratie hält – nämlich nicht viel. Die Parteibasis hat daraufhin getobt. Und der Spitzenkandidat der AfD Brandenburg, Alexander Gauland, hat sogar mit dem Austritt aus der Partei gedroht. Der sieht nämlich die Westbindung Deutschlands kritisch. Aber er ist gleichzeitig ein Falke. Er fordert, dass sich Deutschland endlich von seinem angeblichen Pazifismus verabschieden müsse. Es sei immerhin nicht durch Demokratie stark geworden, sondern durch ‘Eisen und Blut‘. Viele AfDler finden Putin auch schlicht deswegen toll, weil sie in ihm einen starken Führer ausmachen, der gegen Lesben und Schwule durchgreift. Das alles hat nichts mit einer antimilitaristischen NATO-Kritik zu tun.“

Falls Sie dergleichen interessiert, so klicken Sie hier.

Auf Platz 5 gelangen wir zu einer Podiumsdiskussion, welche den Titel trägt: “NSU: Die Untiefen des Staates“. Die Diskussion fand am 8.Mai 2014 in Berlin statt. Es diskutierten:

Andreas Förster, Journalist, langjähriger Experte für Geheimdienste der Berliner Zeitung, begleitet die Ermittlungen zum NSU seit den Anfängen;

Wolf Wetzel, Autor und Blog-Betreiber, begleitet die Ermittlungen seit den Anfängen;

Sebastian Carlens, Leiter Ressort Innenpolitik der Tageszeitung Junge Welt.

Moderation: Malte Daniljuk.

Der Videomitschnitt ploppt hier auf.

Sodann geht’s mit dem Thema NSU noch a bisserl weiter. Und zwar mit deren Helfern beim sogenannten “Verfassungsschutz“ – und dies geschieht wiederum hier.

Auch interessant: “NSU-Beweise zulasten von Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos gefälscht?“ – was hier zu prüfen wäre.

Auf Platz 4 ragt uns folgende Beobachtung ins Auge:

“Während die Nation vor den WM-Bildschirmen saß und Jogi Löws Mannschaft auf dem Weg zum Titel begleitete, spielte sich Ende Juni im Bundestag eine Posse ab, die einer parlamentarischen Demokratie unwürdig ist. Ein Gesetz, das in seiner Bedeutung kaum zu überschätzen ist, wurde im Eiltempo durch den Bundestag gepeitscht: das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Nachdem die EU-Kommission auf den letzten Metern noch auf eine Vielzahl von Änderungen gedrungen hatte, blieben den Abgeordneten nur wenige Stunden, um sich durch den fast 230 Seiten starken Gesetzentwurf zu kämpfen. Eine ordentliche Beratung im federführenden Wirtschaftsausschuss war nicht mehr möglich.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hatte schon im Vorfeld klargemacht, dass die schwarz-rote Mehrheit im Bundestag das Konvolut widerstandslos durchwinken würde: „Aus meiner Sicht gibt es keine Spielräume“, kommentierte Gabriel Änderungsforderungen aus dem Bundestag. Und er empfahl den Abgeordneten, doch statt der 230 Seiten nur die fünfseitige Zusammenfassung zu lesen. Das Parlament konnte den größten Teil der Reform am Ende nur noch abnicken – und beschloss damit Änderungen, die das EEG in seinen Grundfesten erschüttern und die Dynamik zum Ausbau erneuerbarer Energien ausbremsen, die das Gesetz einst ausgelöst hatte.

Damit markiert die jetzige Reform den Anfang vom Ende des EEG, wie wir es kennen.“

Werfen Sie darauf hier klickend weiter ein Auge.

Das “Wall Street Journal“ betrachtet übrigens die Energiekostenfrage in D-land mit Argusaugen und einigem Unverständnis – wie ich hier las.

Auf Platz 3 tönt der saudische König, dass Europa und die USA binnen ein, zwei Monaten ins Visier für Terroraktivitäten von ISIS geraten werden – wenn nicht schnell etwas unternommen werde. Sehen’S hier, was Durchlaucht so dünkt, wenn er öffentlich über ISIS sinniert.

Auf Platz 2 sehen wir uns erst einmal ein Interview an, das Willy Wimmer dem Sender Russia Today zu den aktuellen anti-russischen NATO-Beschlüssen und den etwaigen Konsequenzen aus deutscher Sicht gab – namentlich hier. Überdies könnten Sie sich hier einen Artikel von Herrn Wimmer zu Gemüte führen, “Kriegsziel jetzt schon erreicht“.

Ferner gäbe es zu Russland / NATO / Ukraine / EU etc. pp. noch dieses anzubieten:

The hidden hands behind East-West tug of war in Ukraine – hier;

While NATO swills champagne, it’s Putin who calls the shots – hier;

Ukraine crisis: the truth must be revealed, says Lavrov – hier;

Warning Merkel on Russian ‘Invasion’ Intel – hier;

Offener Brief an Angela Merkel – hier;

NATO Talks: Swiss President Wary of Acting Against Russia – hier;

“Die EU hat sich eindeutig zum Lakaien der USA degradieren lassen“ – hier;

„Moskaus Drang nach Westen“ – hier;

“Our Cold War With Russia Could Turn Hot: Ukrainian tinderbox may set off World War III” – hier;

MH17: Noch immer kein Untersuchungsbericht – hier;

The Evidence: MH 017 – hier;

A Collection of Guest Columns – hier.

Und auf Platz 1 wenden wir uns einigen Tiefenpolitik-, Finanz- und Energiethemen zu. Da wäre zunächst ein Energie-Artikel namens “Oil Is Back!“, geschrieben von Michael T. Klare, Professor für Peace and World Security Studies am Hampshire College in den USA. Hieraus ein paar übersetzte Passagen:

“In Anbetracht all des Geredes über globale Erwärmung, Peak Oil, Kohlenstoff-Verkauf und erneuerbare Energien, würde man denken, dass sich der Erdölverbrauch in den Vereinigten Staaten auf einem Abwärtspfad befände. Mittlerweile sollten wir auf jeden Fall echte Fortschritte in Richtung einer Post-Erdölwirtschaft erleben. Wie es aber so geschieht, ist das Gegenteil zutreffend. Der US-Erdölverbrauch ist auf einem Aufwärtstrend befindlich, um 400.000 Barrel pro Tag im Jahr 2013 allein hinaufkletternd – und, wenn die aktuellen Trends anhalten, sollte er sowohl dieses wie auch nächstes Jahr wieder steigen.“

In der Tat, so Klare, sei Amerikas Nachfrage nach Öl 2013 mehr als in China gestiegen – “das erste Mal, dass dies seit 1999 passiert ist.

Begleitet wird all dies von einer wenig beachteten, aber entscheidenden Verschiebung in der Rheotik des Weißen Hauses. Während Präsident Obama einstmals von der Notwendigkeit der Beseitigung unserer Abhängigkeit von Erdöl als Hauptenergiequelle sprach, prahlt er jetzt über die steigende US-Ölproduktion und preist seine Bemühungen um eine weitere Produktionssteigerung.“

Es sei nur fünf Jahre her, da viele Energieexperten von einer globalen Spitze, einem Peak, bei der der globalen Ölproduktion gegeben sahen, der ein irreversibler Rückgang der Produktion folgen würde. “Indem das Angebot immer kleiner würde, so hieß es, würden die Ölpreise in die Höhe schnellen.“

Die neue Popularität, die Erdöl in den USA nunmehr wieder genieße, beruhe insonderheit auf “einer Revolution der Bohrtechnologie“, um Öl und Gas aus bisher nicht zugänglichen Schieferformationen herauszubekommen – das heißt: Horizontalbohrungen und Fracking. Vor deren Nutzung stand die US-Rohöl-Produktion einem langfristigen Rückgang gegenüber. “Nach Angaben der Energy Information Administration (EIA) des Department of Energy, fiel die heimische Rohöl-Ausbeute von einem Spitzenwert von 9,6 Millionen Barrel pro Tag im Jahr 1970 auf einen Tiefstand von 5 Millionen Barrel im Jahr 2008. Mit der Einführung von Fracking begannen die Zahlen aber zu steigen. Die gesamte US-Rohöl-Ausbeute sprang von 5,7 Millionen Barrel pro Tag im Jahre 2011 auf 7.5 Millionen im Jahre 2013.“ 2014 werden es voraussichtlich gar 8,5 Millionen Barrel pro Tag sein. Eine Folge: die Gaspreise sind relativ niedrig. “Sie betragen jetzt im Durchschnitt etwa $ 3,50 pro Gallone – viel mehr, als die Amerikaner in den 1990er Jahren bezahlten, aber viel weniger als die meisten Experten annahmen, dass es in einer Post-Peak-Öl-Wirtschaft der Fall sein würde.“ Weitere Folgen: Die erhöhte Verfügbarkeit von relativ erschwinglichem Erdöl hat auch Investitionen in Nebenbanchen wie der Petrochemie und Kunststofferzeugung angespornt. Erdöl ist der wichtigste Rohstoff oder das wesentliche ‘Ausgangsmaterial‘ für eine Vielzahl von Hilfsmaterialien, einschließlich Ethylen, Propylen und Benzol, die wiederum verwendet werden, um Polyester, Kunststoffe und viele Verbraucherprodukten zu fertigen. Viele Chemieunternehmen haben neue Anlagen gebaut, um Schieferöl und Schiefergas in diese Rohstoffe zu konvertieren“ – womit neue Arbeitsplätze und Steuereinnahmen entstehen. Hinzu kommt: “Mit einem Rohöl-Verkauf bei rund 100 Dollar pro Barrel, bringen diese zusätzlichen 2,8 Millionen Barrel pro Tag der US-Wirtschaft im Jahre 2014 rund 100 Milliarden Dollar ein; ein wesentlicher Beitrag zu einer ansonsten lauen Erholung.“

Den ganzen Artikel von Klare gibt es hier.

Nächstens kämen die Finanzen dran. Da machte nämlich Chris Powell vom Gold Anti-Trust Action Committee (GATA) zum wiederholten Male und völlig zu Recht auf einen Essay des britischen Ökonomen Peter Warburton aufmerksam, „The Debasement of World Currency: It is Inflation, But Not as We Know It„, der 2001 erschien. Ein übersetztes Zitat daraus:

„Was wir derzeit sehen“, schrieb Warburton, „ist eine Schlacht zwischen den Zentralbanken und dem Zusammenbruch des Finanzsystems, die an zwei Fronten ausgefochten wird.

An der einen Front haben die Notenbanken den Vorsitz bei der Schaffung zusätzlicher Liquidität für das Finanzsystem inne, um die Flut der Forderungsausfälle, die sonst auftreten würde, zurückzuhalten.

Auf der anderen Seite stiften sie Investmentbanken und andere Parteien dazu an, gegen einen Anstieg der Preise für Gold, Öl, Basismetalle, Agrarrohstoffe oder irgendetwas anderes zu wetten, das als Eigenwert-Indikator angesehen werden könnte. Ihr Ziel ist es, den unabhängigen Beobachter eines zuverlässigen Maßstabs zu berauben, an dem der erodierende Wert nicht nur des US-Dollars gemessen werden kann, sondern von allen Fiat-Währungen. Ebenso versuchen sie, dem Anleger die Möglichkeit zu nehmen, sich gegen die Fragilität des Finanzsystems durch den Wechsel in einen frei gehandelten Markt für nicht-finanzielle Vermögenswerte abzusichern.“

Falls Sie diesen Worten Neugierde entgegenbringen, so können Sie dieses hier befriedigen.

Und dann folgt die Tiefenpolitik: “Why the Deep State Always Wins – The Zero-Sum Game of Perpetual War”, geschrieben von Bill Blunden. Hierbei handelt es sich um einen langen Essay, den ich Ihnen nachdrücklich zur Lektüre anempfehlen möchte – aufzufinden hier.

Am Schluss beschäftigen sich Joseph P. Farrell und David P. Goldman mit Friedensnobelpreisträger Dr. Henry Kissinger – siehe hier und hier.

Zuletzt noch das Musikstück der Woche: BARRY ADAMSON – In A Moment Of Clarity.

In dem Sinne, ganz der Ihre,
Lars Schall.

Both comments and pings are currently closed.

Comments are closed.

Subscribe to RSS Feed Lars Schall auf Twitter folgen