Die Woche im Rückspiegel betrachtet

Empfehlen / Bookmarken

Jede Woche am Sonntag stelle ich eine Auslese der zehn bemerkenswertesten Geschichten und Veröffentlichungen vor, auf die ich bei meinen Streifzügen durch die Tiefen und Weiten des weltumspannenden Informationsnetzes gestoßen bin.

Von Lars Schall

Geneigte Leserin, geneigter Leser,

willkommen bei Die Woche im Rückspiegel betrachtet. Mit diesem Format möchte ich Ihnen immer wieder des Sonntags im Schnelldurchlauf zehn bemerkenswerte Geschichten und Veröffentlichungen präsentieren, über die ich im Laufe der jeweils vorangegangenen sieben Tage via wilder Internet-Klickerei stolperte.

Und damit ohne weiteren Aufhebens zu den…

TOP 10-LINKS DER WOCHE

Auf Platz 10 können Sie sich erst einmal hier mit der NASA auf die Suche nach Antworten auf die Frage begeben, was es zu beachten gilt, so man unbekanntes Leben finden möchte.

Auf Platz 9 wird uns vorgeführt, dass in der wissenschaftlichen Forschung schon viel getan ist, so man “besser scheitert“ – wie Sie hier unter der Überschrift “Why Scientists Need To Fail Better“ lesen können.

Auf Platz 8 lädt Sie Norbert Häring in gewisser Weise zu einer Konferenz ein, die von 26. – 28. November in Berlin zur Reformnotwendigkeit der wirtschaftswissenschaftlichen Lehre stattfindet – klicken Sie für mehr hier.

Auf Platz 7 stellt Kurt Graulich, Sonderermittler der Bundesregierung in der transatlantischen Spionage-Affäre, der Kooperation zwischen BND und NSA einen weitgehenden Persilschein aus, wie hier hervorgeht.

Auf Platz 6 vermelde ich verspätet, dass am 21. Oktober Sheldon Wolin verstorben ist. Jener war Professor für Politische Theorie und Ideengeschichte zunächst in Berkeley, dann in Princeton. Meines Erachtens gehört er zu den bedeutendsten Politik-Theoretikern der zweiten Hälfte des 20. und des beginnenden 21. Jahrhunderts. Sein letztes großes Buch hieß „Democracy Incorporated“, in dem er das Konzept „inverted totalitarianism“ entwickelt. Es sind mehrere Nachrufe auf ihn erschienen. Der ergiebigste und politisch relevanteste stammt von Chris Hedges, der 2014 ein mehrstündiges Interview mit Wolin geführt hatte (Link findet sich im Artikel). Dieses Interview ist nun zum Vermächtnis Wolins geworden – siehe hier.

Auf Platz 5 sehen Sie hier eine interessante Graphik zum Goldhandel an der New Yorker COMEX. Demnach besteht zwischen jeder Unze Gold, die im registrierten Inventar der COMEX geführt wird, und jenen Unzen, die lediglich auf gehandeltem Papier existieren, ein Verhältnis von derzeit 1:293. Siehe dazu ferner auch diesen Text hier.

Falls Sie interessante Finanzcharts mögen, sollten Sie unbedingt die Charts anschauen, die hier in einer Geschichte über Danielle DiMartino Booth unter “Corporate Bonds Tell a Scary Story for the Stock Market“ enthalten sind.

Auf Platz 4 berichtet Claire Jones für die “Financial Times” in einem Artikel, der nur hinter einer Paywall erhältlich ist, dass sich Top-Entscheidungsträger der Europäischen Zentralbank vor wichtigen politischen Entscheidungen mit Bankern und Asset-Managern trafen. Das geht aus Aufzeichnungen der EZB für den Zeitraum August 2014 bis August 2015 hervor, auf deren Herausgabe die “Financial Times” geklagt hatte. Im Gegensatz zu den zinssetzenden Offiziellen der Bank of England, die keine Medienvertreter und “andere externen Interessen“ in der Woche vor einer politischen Entscheidung treffen dürfen, herrschen zwischen der EZB und Repräsentanten der Finanzdienstleistungsbranche wesentlich vertraulichere Verhältnisse, wenn die Bekanntgabe von Entscheidungen bevorsteht. Der Artikel “ECB officials met bankers just before key policy decisions” ploppt hier auf.

Auf Platz 3 rangiert ein weiterer Artikel, der nur hinter einer Paywall erhältlich ist, und zwar diesmal beim “Wall Street Journal“. Sean Fieler, der Präsident des New Yorker Hedgefonds Equinox Partners LP, fordert in seiner Wortmeldung, dass der US Federal Reserve das Monopol über das Geld entzogen wird. Das soll durch die Verwendung von Gold als Konkurrenzwährung geschehen. Fieler schreibt: “Der gesetzgebende Kompromiss, der die Fed im Jahre 1913 schuf, erkannte an, dass die Macht zum Drucken von Geld, wenn sie unkontrolliert ist, sowohl die Regierung als auch die Wirtschaft korrumpieren könnte. Entsprechend schuf der Federal Reserve Act das Federal Reserve System ohne eine zentrale Bilanz, ein zentrales Monetärpolitik-Kommittee oder gar ein zentrales Büro.

Den Regionalbanken der Fed war es untersagt, Schulden der Regierung aufzukaufen, und sie mussten eine vierzigprozentige Goldreserve gegenüber den in Umlauf befindlichen Dollar halten.“ Zudem waren die Banken verpflichtet, Dollar gegen Gold zu einem Fixpreis einzutauschen – und das ohne Limit. All das hat sich geändert. “Heute hat die Fed eine zentralisierte Bilanz von $4 Billionen und sie ist der größte Teilnehmer auf dem Markt für US-Regierungsschulden.“ Seit August 1971 ist der Dollar gänzlich vom Gold getrennt.

Fieler meint nun, das eine Konkurrenzwährung den Leuten “nicht nur eine monetäre Wahl in einer Krise geben würde”, sondern wichtiger: “sie würde der Fed einen klaren Anreiz geben, eine solche Krise zu antizipieren und zu verhindern.“ In einem System, das auf Wettbewerb gründete, müsste die Fed einen Niedergang an Markttanteilen überdenken, ehe sie eine weitere Runde an “monetärem Abenteurertum“ unternähme. Eine praktikable Lösung für den Goldgebrauch sieht Fieler in Bitgold aus Kanada, und er schlägt eine ähnliche Entwicklung für die USA vor.

Der Artikel erscheint hier unter der Überschrift “Competition for the Fed’s Money Monopoly“.

Auf Platz 2 können Sie sich den kompletten Text der “Trans-Pacific Partnership” antun – und dies hier auf der Website des neuseeländischen Außenministeriums.

Und auf Platz 1 empfehle ich Ihnen gut recherchierte Lektüre zum Endlos-Krieg in Afghanistan, dargebracht hier von Ann Jones, der Autorin von They Were Soldiers, unter der Schlagzeile “Afghanistan ’After‘ the American War: Once More Down the Rabbit Hole“.

Zuletzt noch das Musikstück der Woche: KISSING THE PINK – Big Man Restless.

The legal quarter of tight-lipped men

Pushed for order…

In dem Sinne, ganz der Ihre,

Lars Schall.

Both comments and pings are currently closed.

Comments are closed.

Subscribe to RSS Feed Lars Schall auf Twitter folgen