Die Woche im Rückspiegel betrachtet

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Jede Woche am Sonntag stelle ich eine Auslese der zehn bemerkenswertesten Geschichten und Veröffentlichungen vor, auf die ich bei meinen Streifzügen durch die Tiefen und Weiten des weltumspannenden Informationsnetzes gestoßen bin.

Von Lars Schall

Geneigte Leserin, geneigter Leser,

willkommen bei Die Woche im Rückspiegel betrachtet. Mit diesem Format möchte ich Ihnen immer wieder des Sonntags im Schnelldurchlauf zehn bemerkenswerte Geschichten und Veröffentlichungen präsentieren, über die ich im Laufe der jeweils vorangegangenen sieben Tage via wilder Internet-Klickerei stolperte.

Und damit ohne weiteren Aufhebens zu den…

TOP 10-LINKS DER WOCHE

Auf Platz 10 beginnen wir hier mit einem beachtlichen Kommentar von Thierry Chervel zu Behauptungen direkt aus Absurdistan bzw. aus der Computertastatur von Mathias Müller von Blumencron.

Daraufhin schwappt die Frage auf: “Hält Pressekodex Mediennutzer für dumm?“, denn siehe: “Neue Aufregung um die Richtlinie 12 des Pressekodex, der seit den Vorfällen in der Kölner Silvesternacht und der Berichterstattung darum verstärkt in der Diskussion steht.“

Falls Sie das Problem weiter verfolgen möchten, tun Sie dies hier.

Wir wissen’s natürlich schon lange: “Medien zitieren Hans-Werner Sinn“, jedenfalls wenn es deutsche Medien sind. Fakt: “Keiner kommt so oft in die Medien wie Hans-Werner Sinn. Was passiert, wenn er jetzt den Ruhestand geht?“ Ach, herrje, der Himmel stürzt über uns ein!

Nein, im Ernst: “Der Präsident des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn, ist der meistzitierte Ökonom Deutschlands und hat im vergangenen Jahr seinen Vorsprung noch ausgebaut. War er 2014 noch 218 Mal von Medien zitiert worden, waren es im Euro-Krisen-Jahr 2015 schon 339 Beiträge mit Sinn-Zitaten. (…) ‘Die mediale Dominanz von Hans-Werner Sinn unter Ökonomen nimmt erdrückende Ausmaße an‘, sagt Media-Tenor-Forscher Tobias Thomas. Er bemerkt besonders, dass Sinn in mehreren Themenfeldern gut zitiert wird: nicht nur zum Thema Euro und Griechenland, das im vergangenen Jahr eine große Rolle spielte, sondern auch in Flüchtlingsfragen oder rund um den Arbeitsmarkt.“

Hier gibt es ein Ranking, wer neben Herrn Sinn in deutschen Medien in puncto Ökonomie sonst noch gern herumgereicht wird (allesamt „Granaten“…).

Dazu gehört nicht Marc Chesney aus Zürich, der an der dortigen Universität die Fakultät für Banking & Finance leitet. Hier können Sie ein Interview mit Chesney herunterladen, in dem es sich um Besteuerung, direkte Demokratie und Einschränkungen des sogenannten Finanz-Casinos dreht.

Ein Thema, bei dem die Mainstream-Presse aus meiner Sicht keine sonderlich gute Figur abgibt, ist das Freihandelsabkommen TTIP. Dazu hätte ich zwei Artikel im Angebot, die die Tatsache behandeln, dass Abgeordnete des Bundestags zwar “unter strengen Auflagen die Entwürfe des Transatlantischen Freihandelsabkommens einsehen“ dürfen. “Doch wehe, sie verraten der Öffentlichkeit etwas über den Inhalt – dann wird der Leseraum ganz schnell dicht gemacht, drohen die USA.“

Siehe dazu hier und hier.

Auf Platz 9 erblicken Sie, wenn Sie möchten, 60er-Jahre-Photos aus Afghanistan, nämlich hier.

Apropos alte Bilder. Um sowas ähnliches – eine 90er-Jahre-Endlos-Spule im Hier & Jetzt – geht es in einem Film, den ich mir evtl. demnächst im ausgesuchten Programmkino anschauen werde: “Dope“, geschrieben und gedreht von Rick Famuyiwa – siehe hier.

Auf Platz 8 rangiert ein Interview, das in der neuen Magazin-Ausgabe von “agora42“ enthalten ist, welche dem Thema “Ökonomie & Spiritualität“ gewidmet wurde. Der Interviewpartner war Heinz Nußbaumer, Herausgeber der österreichischen Wochenzeitung “Die Furche“, und das Resultat schimmert hier auf.

Auf Platz 7 lesen wir in der “NY Times“ von der Operation “Timber Sycamore“, eine Kooperation der CIA mit Saudi-Arabien, um Anti-Assad-Kämpfer in Syrien auszubilden. “Im Rahmen der Vereinbarung (…) steuern die Saudis sowohl Waffen als auch große Geldsummen bei, und die CIA übernimmt die Führung bei der Ausbildung der Rebellen an AK-47 Sturmgewehren und panzerzerstörenden Raketen.“

Mehr dazu hier unter der Überschrift “U.S. Relies Heavily on Saudi Money to Support Syrian Rebels”.

Bei “Telepolis“ stoßen Sie hier auf einen deutschsprachigen Artikel zum gleichen Thema.

Auf Platz 6 nehmen wir zur Kenntnis, dass die NATO-Geheimarmee “Gladio“ einen publizistischen Auftritt im Angebot des “Deutschlandfunks“ erhielt, und dieser wäre hier ausfindig zu machen.

Auf Platz 5 tritt dann die “Abteilung Attacke“ auf:

“Große Hedgefonds aus den USA und aus Europa wetten massiv auf eine Abwertung der chinesischen Währung Yuan gegenüber dem US-Dollar. Das geht aus einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters hervor. Offensichtlich hat China allein im Januar bereits 200 Milliarden US-Dollar eingesetzt, um den Yuan-Kurs zu stützen und eine Abwertung zu verhindern.“

Weitere Angriffsdetails warten hier.

Unterdessen hat die Goldbörse in Shanghai aufgehört, die wöchentlichen Abflüsse an Gold bekanntzugeben – worüber Koos Jansen hier berichtet. Ferner sollten Sie hier einer Präsentation von Jansen für die Scotiabank in Toronto Beachtung schenken.

Seit 2013 waren die Goldmengen, die ihren Weg von Hongkong ins chinesische Kernland finden, übrigens nicht mehr so hoch wie derzeit – was hier zu ersehen ist.

Auf Platz 4 gestehe ich, dass ich kein sonderlich großer Bewunderer von Ron Paul bin – oder “Dr. Paul“, wie er von ebenjenen seinen Anhängern respektvoll genannt wird. Ich denke, dass Pauls Stärken insbesondere bei der Verdammung des (rassistischen) “War on Drugs“ und der seriellen Kriege des “US Empire“ liegen; jedenfalls schenke ich seinen Wortmeldungen bei diesen Themen durchaus dann und wann Aufmerksamkeit. In diesem Sinne schaute ich mir diesen Artikel hier an, “Der Kongress schreibt dem Präsidenten eine Blankovollmacht für Krieg“.

Auf Platz 3 hole ich etwas aus: im Laufe der Woche machte ich eine Liebhaberin französischer Musik auf den Chevalier de Saint-Georges aufmerksam, welcher zu den leider weitestgehend vergessenen Gestalten der Weltgeschichte zählt.

Nachdem ich den Tipp abgegeben hatte, sah ich nach, ob das deutschsprachige Internet etwas Brauchbares zu Joseph Bologne, dem Chevalier de Saint-Georges (1745 – 1799), zu bieten hat – et voila, hier steht tatsächlich etwas Brauchbares bereit.

Auf Platz 2 soll es ums Phänomen der „geplanten Obsoleszenz“ gehen.

Vor einigen Wochen war ich auf der Route Hamburg-Köln mit der Mitfahrzentrale unterwegs. Auf der Autobahn wurde den Reisenden die Zeit mit einem Arte-Dokumentarfilm verkürzt, der auf einem Smartphone übertragen wurde. Leider bekam ich nicht alles von dem Film mit, da ich schon aussteigen musste, ehe der Abspann lief. Aber diese Woche habe ich den Streifen noch einmal meinen Augen kredenzt, und Sie können das auch – und zwar wenn es hier heißt: “Kaufen für die Müllhalde“.

Und auf Platz 1 legen die Forscher Jonathan Battena (Monash University, Australien), Brian Lucey (Trinity College Dublin, Irand) und Maurice Peat (University of Sydney, Australien) in ihrer wissenschaftlichen Arbeit “Gold and Silver Manipulation: What Can Be Empirically Verified?“ nahe, dass die Wahrscheinlichkeit höher liegt, dass jemand an den Preisen für Gold und Silber manipulierend herumdoktert, wenn an den Terminmärkten der Fälligkeitstermin für Optionskontrakte ansteht, als dies an anderen Tagen der Fall ist.

Die bewusste Arbeit vermögen Sie sich hier zu Gemüte zu führen.

Zuletzt noch das Musikstück der Woche: BENNY GOODMAN – Sing, Sing, Sing.

In dem Sinne, ganz der Ihre,

Lars Schall.

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One Response to “Die Woche im Rückspiegel betrachtet”

  1. Erinnerung an Degenhardt sagt:

    Wie jede Woche, hoechst interessante Links. Danke.

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