Ein Blick auf die “Lückenpresse“

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Dass wir in „post-faktischen Zeiten“ leben, in denen „Fake-News“ zur Gefahr werden, wissen die Leute, die sich mündig wähnen, ironischerweise von den Massenmedien – denn: “Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien”, wie eine berühmte Diagnose lautet. 

Von Lars Schall

„,Wenn ich in der Mainstreampresse angestellt wäre‘, sagte mir der alternativ arbeitende Lars Schall sarkastisch, ,würde ich mehr für das bezahlt werden, was ich nicht schreibe, als für das, was ich schreibe.‘ Und er fügt hinzu: Wie auch immer man die Funktion der Mainstreammedien beschreiben mag, ,es ist nicht ihre Rolle, schlafende Hunde zu wecken‘.

Ich stimme Schalls Einschätzung zu.“

Ulrich Teusch: „Lückenpresse – Das Ende des Journalismus, wie wir ihn kannten“, Westend Verlag, Frankfurt a.M., 2016, Seite 37.

Es sei eingangs in Niklas Luhmanns berühmten Diktum unterstrichen: „Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien.” Medienhäuser, ihre Eigentümer wie individuelle Journalisten sind letztlich in der Tat das, was Walter Lippmann als Gatekeeper bezeichnete: selektierende Autoritäten, welche entscheiden, worin die Öffentlichkeit unterrichtet und worin sie nicht unterrichtet wird, welche Themen gesetzt und verfolgt werden und welche nicht. (1) Edward Bernays, neben Ivy Lee der Vater dessen, was als Public Relations bezeichnet wird, verlieh der Technik der Meinungsformung die Begrifflichkeit engineering of consent. In Organising Chaos, dem Anfangskapitel seines Buches „Propaganda“ aus dem Jahre 1928, erörtert Bernays gleich zu Beginn: „Die bewusste und zielgerichtete Manipulation der Verhaltensweisen und Einstellungen der Massen ist ein wesentlicher Bestandteil demokratischer Gesellschaften. Organisationen, die im Verborgenen arbeiten, lenken die gesellschaftlichen Abläufe. Sie sind die eigentlichen Regierungen in unserem Land.

Wir werden von Personen regiert, deren Namen wir nie gehört haben. Sie beeinflussen unsere Meinungen, unseren Geschmack, unsere Gedanken. … Die Mitglieder des Schattenkabinetts regieren uns dank ihrer angeborenen Führungsqualitäten, ihrer Fähigkeit, der Gesellschaft dringend benötigte Impulse zu geben, und aufgrund der Schlüsselpositionen, die sie in der Gesellschaft einnehmen. Ob es uns gefällt oder nicht, Tatsache ist, dass wir in fast allen Aspekten des täglichen Lebens, ob in Wirtschaft oder Politik, unserem Sozialverhalten oder unseren ethischen Einstellungen, von einer … relativ kleinen Gruppe Menschen abhängig sind, die die mentalen Abläufe und gesellschaftlichen Dynamiken von Massen verstehen. Sie steuern die öffentliche Meinung, stärken alte gesellschaftliche Kräfte und bedenken neue Wege, um die Welt zusammenzuhalten und zu führen.“ (2)

Will heißen: Wer die Massenmedien kontrollieren und steuern kann, kann Bewusstseins- und Gesellschaftsprozesse kontrollieren und steuern – und verfügt dadurch über ein entscheidendes Instrument wahrer Herrschermacht, da diese Herrschermacht als solche den Massen weitestgehend verborgen, oder besser: unbewusst bleibt.

So lässt sich auch der US-Soziologe C. Wright Mills verstehen, wenn er schrieb: „Nur sehr wenig von unserem Wissen über die gesellschaftlichen Gegebenheiten der Welt haben wir durch Erfahrung gelernt. Die meisten unserer bildhaften Vorstellungen haben wir eben von diesen Informationsorganen empfangen. Das führt oftmals so weit, daß wir nicht einmal das glauben, was wir mit eigenen Augen gesehen haben, bevor wir es nicht in der Zeitung gelesen oder im Radio gehört haben.“ In diesem Sinne würden die „Vorstellungen von der Wirklichkeit“ zunehmend „von diesen Masseninformationsmitteln statt von unserer eigenen bruchstückhaften Erfahrung bestimmt“, folgerte Mills. (3)

Schenkt man Alfred Harmsworth / Viscount Northcliffe (1865 – 1922) Glauben, einem Mitglied des Round Table-Milieus um Lord Milner und ab 1908 Eigentümer der Times in London, gilt ohnehin: „Nachrichten sind etwas, das irgendjemand irgendwo unterdrücken will; der ganze Rest ist Werbung.“

Tatsächlich sprachen gleich mehrere Journalisten von diesem Phänomen, sodass die Urheberschaft dieser Beobachtung schwer zu klären ist. Beispielsweise soll L. E. Edwardson, Herausgeber des Chicago Herald-Examiner, im Jahre 1918 einen kleinen eingerahmten Zettel auf dem Schreibtisch stehen gehabt haben, auf dem zu lesen war: „Was immer der Kunde publiziert haben möchte, ist Werbung, was immer er aus den Zeitungen heraushalten möchte, sind Nachrichten.“ Von wem der Spruch auf dem Zettel stammte, wurde nicht vermerkt. (4) Die Redewendung prägte sich in Variationen weiter und wurde in der Folgezeit nicht nur mit Harmsworth, sondern auch mit William Randolph Hearst, Brian R. Roberts, Kathrine Graham und George Orwell in Verbindung gebracht.

Bereits 1894 kam der Kern der Aussage in einer Zeitung, die in Harrisburg, Pennsylvania erschien, leicht ironisch gefärbt in den Druck. Dort wurde die Bevölkerung in zwei Kategorien unterteilt: „Es gibt nur zwei Gruppen von Menschen auf der Welt – die, die etwas getan haben und ihren Namen aus der Presse raushalten wollen, und die, die nichts Erwähnenswertes getan haben und ihre Namen in der Presse sehen wollen.“ Die Gruppenmitglieder der ersten Kategorie wollen demnach Nachrichten unterdrücken, wohingegen es die Vertreter der ersten Kategorie nach kostenloser Werbung drängt. (5)

In einem Kapitel, das Alfred C. Harmworth für das 1903 veröffentlichte Buch Journalism as a Profession schrieb, wurde von dem Zeitungsmogul angemerkt, dass das Ziel einiger Individuen sei, das Abdrucken unvorteilhafter Nachrichten zu verhindern. Harmsworth ließ wissen: „Es gehört zum Geschäft einer Zeitung, Nachrichten zu finden und diese zu drucken; es gehört zum Geschäft eines Politikers, das Drucken verschiedener Dinge zu verhindern. Aus diesem Grund zieht der Politiker häufig eine Zeitung in sein Vertrauen, mit dem einzigen Zweck, um Nachrichten, die seinen Interessen problematisch erscheinen, aus den Zeitungen herauszuhalten.“ (6)

Ein Zeitungsherausgeber im US-Bundesstaat Oregon, Robert W. Sawyer, beklagte sich Anfang 1922 darüber, dass täglich „Werbung als Nachrichten verkleidet“ in den Zeitungen erschien, und er stellte diese Unterscheidung auf: „Wenn die Zeitung es schlimmer macht als die Person, die es herangetragen hat, sind es Nachrichten. Wenn die Person die es heranträgt, es mehr gedruckt haben will als die Zeitung, ist es Werbung.” (7) Weitere Varianten entstanden, wie das Statement, das 1959 in einer Zeitung in Ohio zu lesen war: „Jemand stellte einmal fest, dass der Unterschied zwischen Reklame und Nachrichten der folgende ist: Reklame ist etwas, das jemand in der Zeitung sehen will, Nachrichten sind das, was er nicht sehen will.“ (8) Im britischen Parlament wurde der Kern der Beobachtung wiederum Alfred Harmsworth / Lord Northcliffe zugeschrieben, und zwar 1968 vom konservativen Abgeordneten Jaspar More, als dieser sagte: „All dies sieht ziemlich unbefriedigend aus, wenn man beleuchtet, was der Meister des modernen Journalismus, Lord Northcliffe, sagte: ,Nachrichten sind das, was Leute nicht gedruckt sehen wollen. Alles andere ist Werbung‘.“ Acht Jahre später erschien ein Beispiel dieser Maxime in einer Zeitung in Melbourne, das ebenfalls Lord Northcliffe zugeordnet wurde: „Wie Northcliffe es schon sagte: Nachrichten sind etwas, das Leute geheim halten wollen, alles andere ist Werbung.“ (9)

Das wirkungsmächtigste Massenmedium, von dem Inhalte unterdrückt und gefördert werden können, ist gewiss das Fernsehen – was nicht zuletzt durch die in alle Welt transportierten TV-Bilder vom 11. September 2001 eindrucksvoll unter Beweis gestellt wurde; ohne das live-gesendete Bildmaterial hätte das Ereignis 9/11 nie und nimmer ein so großes psychisches Echo gefunden. Zudem wird dem Medium Fernsehen ein hohes Maß der Glaubwürdigkeit unterstellt, da die Annahme vorherrscht: „Bilder können nicht lügen, das Fernsehen kann sich nur an Tatsachen orientieren, das Fernsehen ist so etwas wie eine amtliche, gut kontrollierte Einrichtung, der das Lügen verboten ist. Aktualität und Unmittelbarkeit der Berichterstattung verstärken die Glaubwürdigkeit.“ (10)

Wie aber entfaltet Fernsehen Wirkung aufs Bewusstsein, und vor allem welche? Stellen Sie sich den traditionellen Fernsehapparat mit seiner Elektronenröhre als eine Maschine vor, die beim Empfänger eine Art von Trance hervorruft. Dieser Zustand ergibt sich aus einer Wechselwirkung zwischen der technischen Erzeugung der laufenden Bilder und dem menschlichen Auge:

„Während Kino- und Diaprojektoren vollständige Bilder auf die Leinwand werfen, vermag die im Fernseher oder Computer verwendete Elektronenröhre grundsätzlich kein vollständiges Bild zu erzeugen. Es gibt in ihr nur einen einzigen, von der Kathode ausgehenden Elektronenstrahl, der beim Aufprall auf die Mattscheibe einen winzigen Leuchtpunkt erzeugt. Dieser eine Leuchtpunkt wird mithilfe von Ablenkspulen Schritt um Schritt über die gesamte Schirmfläche geschickt, wobei er einem festgelegten Rastersystem folgt, das aus 625 Zeilen zu je 833 Bildpunkten besteht (so die europäische Norm PAL). Während seines Durchgangs durch das Raster reproduziert der Elektronenstrahl Punkt für Punkt den von der Fernseh- oder Videokamera vorgegebenen Farb- und Helligkeitswert, sodass in einer Art Mosaik das Bild aus 625 x 833 Einzelpunkten zusammengesetzt wird. Das alles vollzieht sich mit unvorstellbarer Geschwindigkeit: Die 520.625 Rasterpunkte bedient der Leuchtstrahl 25-mal in der Sekunde, das bedeutet eine Leistung von rund 13 Millionen Punkten pro Sekunde! Konkret ist es allerdings so, dass zwar 25 Bilder pro Sekunde gesendet werden, jedoch jedes Bild in zwei Raten oder Teilbildern: Zuerst schreibt der Elektronenstrahl von oben nach unten alle ungeradzahligen Zeilen auf den Schirm, dann in einem zweiten Durchgang alle geradzahligen Zeilen. Statt 25 Ganzbildern werden also 50 unvollständige Bilder dargeboten, von denen jedes zu seinem Aufbau 1/50 Sekunde benötigt.“ (11)

Die Augen des Menschen, der diese Bilder empfängt, vermögen die unvollständigen Bilder nicht zu vervollständigen – dafür folgen sie viel zu schnell aufeinander.  „Die Augen können springen, wohin sie wollen, nirgends finden sie ein bleibendes Objekt, das sich abtasten ließe. Der rasende Leuchtpunkt ist stets schneller.“ Noch ehe die Augen die Chance haben,  „sich durch eigene Bemühung ein Bild zu verschaffen, ist das vom Kathodenstrahl gezeichnete Mosaikbild längst auf der Netzhaut angekommen, und dort hat es längeren Bestand als auf dem Bildschirm, weil die Netzhaut zu träge ist, um dem rasenden Lichtpunkt folgen zu können. Das vollständige, gleichmäßig ausgeleuchtete Bild, das wir auf dem Schirm zu sehen glauben, existiert in Wahrheit nur auf der Netzhaut.“ (12)

Ergebnis dessen ist eine Täuschung fürs Auge: „Jeder, der ein Fernsehbild sieht, nimmt selbstverständlich an, das Bild sei auf der Mattscheibe. In Wirklichkeit ist dort überhaupt kein Bild! Die Fläche bleibt ständig leer; nur ein einziger leuchtender Punkt blitzt auf, wo der Kathodenstrahl auf die Mattscheibe trifft“, und das in einer irrsinnigen Geschwindigkeit, der das Auge „nicht folgen (kann), und so kommt es uns vor, als seien die nacheinander aufblitzenden Punkte alle gleichzeitig auf dem Schirm und bildeten dort ein Mosaik. Das Bild, das wir zu sehen glauben, entpuppt sich als Bild-Phantom, das nur im inneren Erleben sich einstellt, nicht aber außer uns existiert.“ (13)

Währenddessen „kommt ein völliger Stillstand der Akkomodationsbewegungen“ hinzu, „also jener Drehungen der Augäpfel, mit denen der Kreuzungswinkel zwischen den Sehachsen immer neu den sich ändernden Entfernungen angepasst wird.“ Da die Entfernung beim Fernsehen stets ein und dieselbe ist, „wird die einmal eingestellte Augenhaltung bewegungslos festgehalten, solange der Blick auf die Mattscheibe gerichtet bleibt.“ (14) Hieraus wiederum ergibt sich die Art von Trancezustand: „Was aber geschieht nun, wenn die Abtastbemühungen fortwährend ins Leere greifen und sich das Rasterbild auch ohne sie auf der Netzhaut einstellt? Die sonst so lebhafte Augentätigkeit ist sinnlos geworden und weicht einer hochgradigen Passivität. Der Blick erstarrt zu dem bekannten Fernseh-Blick. (…) Jedoch ist es ein Irrtum zu meinen, das Glotzen sei eine Schwäche des Zuschauers; der glotzende Blick wird durch die Technik der Bilderzeugung, die im Fernsehgerät Verwendung findet, vom ersten Augenblick an erzwungen, und niemand kann sich diesem Zwang entziehen. Verständlicherweise wehrt sich das Bewusstsein des Fernsehkonsumenten gegen solche Erkenntnisse, weil er doch an sich selbst gar keine Veränderungen bemerkt und sich nach wie vor für völlig frei und aktiv hält. Leider aber beweisen die bisher vorliegenden Untersuchungen das Gegenteil.“ (15)

Durch die gegen Null tendierende Augentätigkeit „überträgt sich die Starre der Augen auf den ganzen Körper, und selbst bewegungsfreudigste Kinder sitzen stundenlang still.“ (16) Letztliche Konsequenz: „Wir mögen uns auch noch so wach und aktiv fühlen, das alles ändert nichts daran, dass wir körperlich in einen Zustand der Geistesabwesenheit versetzt werden.“ (17)

Nach Auffassung des Psychologen Klaus-Jürgen Bruder, der in der Vergangenheit an der Freien Universität Berlin lehrte, vermitteln uns Medien wie das Fernsehen „vor allem ,Botschaften‘, denen wir zustimmen können, nein: sollen. Sie sind für die Herstellung von Konsens verantwortlich, wie Chomsky das nannte.

Im Fall der Kriegs-,Zustimmung‘ beobachten wir vor allem eine Taktik der ständigen ,Tabu‘-Brüche – und deren freche Kommentierung durch die Tabubrecher. So beispielsweise: ,Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt.‘ Dem entspricht auf Seiten der Rezipienten, zu denen die Bevölkerung gemacht wird, die ,Gewöhnung‘.

Wir wissen ja, wie ,geduldig‘ eine Bevölkerung ist, wenn man sie allmählich an etwas gewöhnt, kennen das Wegsehen, Ohrenverschließen und Schweigen beispielsweise angesichts von Staatsterrorismus, Demokratiezerstörung, Menschenfeindlichkeit, sozialer Stigmatisierung und Exklusion bis hin zum Nichtwahrnehmen von Serienmorden wie in den KZ. Diese Gewöhnung durch sequentielle Tabu-Brüche wird dabei noch erleichtert und verstärkt durch flankierende Diskurse.“ (18)

Was wäre zur „Gewöhnungspraxis“ besser geeignet als ein Medium wie das Fernsehen, das die Massen „körperlich in einen Zustand der Geistesabwesenheit versetzt“, während sie ihre „Nachrichten“ serviert bekommen von der „Masse Manager und Techniker des Mediums“, die „auf Dutzenden Kanälen ihre ,Welt als Wille und Vorstellung‘ in Bildern und Wellen propagiert“? (19)

Das CFR-Gründungsmitglied Walter Lippmann hatte im Jahre 1922, ein Jahr nach Initiierung des CFR, von den Bildern der öffentlichen Meinung gesprochen:

„Öffentliche Meinung behandelt indirekte, unsichtbare und rätselhafte Tatsachen; nichts daran ist offensichtlich. Die Situationen, auf die sich öffentliche Meinung bezieht, werden nur erkenntlich als Meinungen; Bilder in den Köpfen der Menschen, Bilder von sich selbst, von anderen, von ihren Bedürfnissen, Zwecken und Verhältnissen sind ihre öffentlichen Meinungen. Diese Bilder, aufgrund derer Gruppen oder Individuen in deren Namen handeln, das ist ÖFFENTLICHE MEINUNG in Großbuchstaben. Das Bild im Kopf führt die Menschen in ihrem Umgang mit der Welt außerhalb ihres Kopfes oft in die Irre.“ (20)

Krieg braucht Propaganda; Propaganda ist ein wesentlicher Teil von Krieg; Krieg und Kriegspropaganda sind zwei Seiten ein- und derselben Medaille geworden. In dem 2001 veröffentlichten Werk Principes élémentaires de propagande de guerre stellt die belgische Historikerin Anne Morelli „die Zehn Gebote“ der Kriegspropaganda vor, die über die Massenmedien unter die Leute gebracht werden. Zu ihnen gehören:

–          Der Gegner allein ist für den Krieg verantwortlich;

–          Der Führer des feindlichen Lagers wird dämonisiert;

–          Wir verteidigen ein edles Ziel und keine persönlichen Interessen;

–          Anerkannte Kulturträger und Wissenschaftler unterstützen unser Anliegen;

–          Wer unsere Propaganda in Zweifel zieht, arbeitet für den Feind und ist damit ein Verräter. (21)

Bereits ein Vierteljahrhundert zuvor präsentierte der britische Investigativ-Journalist Philipp Knightley in The First Casualty einen kongruenten Befund: „Gerade zu Kriegszeiten, wenn es darauf angekommen wäre, den auf Hochtouren laufenden staatlichen Propaganda-Apparaten etwas entgegenzusetzen, präsentierte sich die Medienlandschaft seltsam formiert, machte sich mit der vermeintlich guten (also der jeweils eigenen) Sache gemein, dämonisierte den oder die Gegner, geriet in patriotische Wallung und verbog nach Kräften die Wirklichkeit. Das war nicht allein die Folge von politischem Druck und Zensur. Es war auch der Bereitschaft vieler Journalisten zur Selbstzensur, zur Willfährigkeit, zur Anpassung geschuldet. Und schon damals ging dieses Verhalten auf Kosten der eigenen Glaubwürdigkeit. Aus dem Ersten Weltkrieg erzählt Knightley zum Beispiel, dass das Vertrauen vieler Soldaten in die Medien zutiefst und nachhaltig erschüttert wurde, weil sie die klaffende Diskrepanz zwischen den Schrecken des Krieges insbesondere an der Westfront und der medialen Beschönigung des Horrors aus eigenem Erleben beurteilen konnten.“ (22)

Zur Förderung seiner Kriegspropaganda nach dem 11. September, als der Weltöffentlichkeit das falsche Dilemma „Entweder Ihr seid für uns oder Ihr seid für den Terrorismus“ präsentiert wurde, benutzte das Pentagon unter anderem einen Pool ehemaliger Militär-Offiziere, die die jeweilige Linie des Pentagon in der Post-9/11-Welt parteiisch propagierten – auf den Fernsehbildschirmen aber neutral als „Militäranalysten“ der jeweiligen TV-Sender erschienen, in denen sie auftraten. Völlig im Dunkeln blieb ferner, welche geschäftlichen Beziehungen sie als Angestellte und Lobbyisten zu militärischen Vertragsnehmern der US-Regierung unterhielten. „Versteckt hinter der Erscheinung der Objektivität … ist ein Pentagon-Informationsapparat, der diese Analysten in einer Kampagne zur Erzeugung einer gefälligen Berichterstattung über die Kriegszeiten-Bilanz der Regierung benutzt“, wie 2008 herauskam. „Die Anstrengung, die im Vorfeld des Irak-Kriegs begann und bis heute andauert, bemühte sich darum, ideologische und militärische Loyalitäten auszunutzen. … Aufzeichnungen und Interviews zeigen, wie die Bush-Regierung ihre Kontrolle über Zugänge und Informationen in dem Bemühen verwendete, die Analysten in mediale Trojanische Pferde zu verwandeln – ein Instrument, das beabsichtigte, die Terrorberichterstattung im Inneren der großen TV- und Radiosender zu formen.“ (23)

Kenneth Allard, der an der National Defense University das Fach der Informationskriegsführung lehrte und als Militäranalyst beim TV-Sender NBC auftrat, urteilte über die Kampagne, dass es sich um „eine ausgeklügelte Informationsoperation“ gehandelt habe. „,Das war eine kohärente, aktive Politik‘, sagte er“, und betonte die Diskrepanz zwischen dem, was die Talking Points des Pentagon waren, die durch die scheinbar unabhängigen Analysten über die Sender ging, und dem, was den Tatsachen und der Wirklichkeit entsprach. (24)

Diesbezügliche Aufzeichnungen, auf deren Herausgabe die New York Times das US-Verteidigungsministerium verklagte, zeigen „eine symbiotische Beziehung“ auf, bei der „die üblichen Grenzen zwischen Regierung und Journalismus ausgelöscht wurden.

Interne Pentagon-Dokumente beziehen sich immer wieder auf die Militärexperten als ,Nachrichten-Multiplikatoren‘ oder ,Surrogate‘, auf die man sich bei der Verbreitung der ,Themen und Nachrichten‘ der Administration an Millionen von Amerikanern ,in Form ihrer eigenen Meinung‘ verlassen konnte.“ (25)

Erstmals zum Einsatz kamen die „Militäranalysten“ im Vorfeld der US-Invasion im Irak, als viele US-Bürger diesem Waffengang skeptisch und reserviert gegenüberstanden. Das Reservoir, aus dem das Pentagon schöpfen konnte, um „Informationsdominanz“ auszuüben, wurde bereits in der Zeit vor dem 11. September 2001 von Torie Clarke aufgebaut, seinerzeit PR-Fachkraft des US-Verteidigungsministeriums, während Donald Rumsfeld entschied, auf welche Rekruten letztlich zurückgegriffen wurde, und das Weiße Haus ebenfalls rege Anteil nahm an diesem Prozess. (26)

Gar zu grotesk wird es, wenn eine im Mai 2015 erschienene Studie von Bruce Bartlett zum Schluss gelangt, dass etliche Zuschauer des US-Fernsehsenders Fox News weniger informiert sind als Leute, die gar keine TV-Nachrichten verfolgen. Bartlett, ein konservativer Ökonom, der für die US-Präsidenten Ronald Reagan und George H.W. Bush gearbeitet hat, kommt in der Studie How Fox News Changed American Media and Political Dynamics zum Fazit, dass die Ende 1996 gestartete TV-Nachrichtenstation Fox News für viele ihrer rund 17 Millionen Zuschauer die einzige Nachrichtenquelle ist, insbesondere unter solchen mit konservativen Präferenzen – doch durch „die Beschränkung auf nur eine wichtige Nachrichtenquelle“, das Ablehnen „jedweder Nachrichten oder Meinungen“ abseits des Geschehens auf dem Fox News-Kanal, und das Akzeptieren einer jeden Information auf Fox als Wahrheit, seien viele der Zuschauer zu Opfern dessen geworden, was die Studie „Selbst-Gehirnwäsche” nennt. Laut Bartlett rückte Fox News nach den Anschlägen vom 11. September 2001 merklich weiter nach rechts, so dass aus dem Nachrichten-Netzwerk „mit konservativer Neigung“ eine Abspielstätte für „Desinformation und Propaganda“ geworden sei, deren Zuschauer „die am wenigsten informierten Medienkonsumenten“ darstellten. (27)

Ein politischer Kommentator bei Fox News, der für seine Beiträge stattlich entlohnt wurde, war Karl Rove, der Wahlkampfstratege hinter George W. Bushs erfolgreichen Kampagnen 2000 und 2004. Im Oktober 2004, nur einige Wochen vor der Präsidentschaftswahl, veröffentlichte Ron Suskind einen Artikel im New York Times Magazine namens Faith, Certainty and the Presidency of George W. Bush. Darin enthalten war ein Gespräch mit einem Bush-Berater, von dem sich später herausstellte, dass es sich um Rove handelte. Während der Unterhaltung sagte Rove, dass Suskind und andere Journalisten in der „Realitäts-basierten Community“ lebten. Solche Leute glaubten, die Lösungen für Probleme entstünden aus ihrem „vernünftigen Studium der wahrnehmbaren Wirklichkeit“. So würde die Welt aber nicht mehr funktionieren, fuhr Rove fort. „Wir sind jetzt ein Imperium und wenn wir agieren, kreieren wir unsere eigene Realität. Und während Sie diese Realität studieren – so sorgfältig, wie immer Sie wollen –, agieren wir von Neuem und kreieren andere neue Realitäten, die Sie erneut studieren können, und so wird das ablaufen. Wir sind die Akteure der Geschichte (…) und Ihnen, Euch allen, wird nichts anderes übrig bleiben, als zu studieren, was wir tun.“ (28)

„Wenn 50 Männer und Frauen, die Leiter ihrer Unternehmen, die Kontrolle über die Hälfte der Informationen und Ideen haben, die 220 Millionen Amerikaner erreichen, ist es Zeit für die Amerikaner, die Institutionen zu prüfen, von denen sie ihr tägliches Bild der Welt erhalten“, schrieb der Medienkritiker Ben Bagdikian vor drei Jahrzehnten in seinem Buch The Media Monopoly. „Ob böswillig oder wohlwollend, die zentrale Kontrolle über Informationen, sei sie staatlich oder privat, ist mit der Freiheit unvereinbar.“ (29)

Unverträglich mit der Freiheit mag die Zentralisierung von Informationen sein; Propaganda dagegen gedeiht unter diesen Umständen vortrefflich. Die Verbreitung von Propaganda gestaltet sich umso leichter und erfolgreicher, je mehr sich die Dinge, die man zu lesen, zu sehen und zu hören bekommt, in immerzu weniger Händen ballen. Wir meinen zwar vielleicht, objektive Informationen zu beziehen; wenn sich jedoch beispielsweise die Medienmacht in den Vereinigten Staaten im Wesentlichen auf sechs Konzerne aufteilt, die keine Nachrichtenorganisationen, sondern Aktiengesellschaften sind, und es diese Aktiengesellschaften sind, die den US-Amerikanern fast alles geben, was sie an Informationen „verabreicht“ bekommen – wie objektiv und vielfältig kann da noch die Information sein?

Die sechs Konzerne lauteten im Jahre 2010: Time Warner, Walt Disney, Viacom, News Corporation, CBS Corporation und NBC Universal. (30)

Ein Report, der Ende 2015 von der Media Reform Coalition (MRC) veröffentlicht wurde, kam für Großbritannien zum Ergebnis, dass 71 Prozent der landesweit erscheinenden Zeitungen im Besitz von drei Großkonzernen sind. Allein die Milliardäre Rupert Murdoch und Jonathan Harmsworth (der Urgroßenkel von Harold Sidney Harmsworth, dem Bruder von Alfred Harmsworth) besitzen über 50 Prozent aller landesweit erscheinenden Zeitungen in Großbritannien. Der Report folgerte, diese Art der Konzentration schaffe Zustände, „in denen wohlhabende Leute und Organisationen große politische und wirtschaftliche Macht ansammeln und die Medienlandschaft verzerren können, um ihren Interessen und persönlichen Ansichten gerecht zu werden.“ (31)

Im weltweiten Maßstab sind die größten Medien-Eigentümer heute Google, Walt Disney, Comcast, 21st Century Fox und die CBS Corporation. (32)

Nimmt man die zehn größten Medienunternehmen der USA, saßen 2009 gerade einmal insgesamt 118 Personen in den jeweiligen Vorständen dieser Konzerne. Diese 118 Personen saßen wiederum in 288 amerikanischen und internationalen Unternehmen ebenfalls im Vorstand. Vier der zehn Top-Medien-Konzerne der USA hatten Vorstandsmitglieder, die zugleich Führungspositionen bei Groß-Unternehmen des Industriell-Militärischen Komplexes bekleideten, darunter William Kennard von der Carlyle Group (New York Times), Douglas Warner III von Bechtel (General Electric / NBC), John Bryson von Boeing (Disney / ABC), Alwyn Lewis von Halliburton (Disney / ABC) und Douglas McCorkindale von Lockheed-Martin (Gannett). (33)

Sean MacBride, ehemals Vorsitzender der UNESCO-Medienkommission (International Commission for the Study of Communication Problems), diagnostizierte Anfang der 1980er Jahre eine „ernsthafte Gefahr für die ,Pressefreiheit‘ und die Integrität der Journalisten“, welche „sich aus der ständig anwachsenden Tendenz zur Konzentration des Eigentums an Zeitungen in den Händen weniger multinationaler Gesellschaften“ ergäbe. „Seit 1945 hat in den Vereinigten Staaten die Zahl der Zeitungsgruppen, die in die Hände desselben Eigentümers übergegangen sind, von 60 auf 105 zugenommen. Diese Gruppen besitzen mehr als 60% der 1.812 Tageszeitungen in den USA. In der Bundesrepublik Deutschland hat die Zahl der unabhängigen Zeitungen von 225 im Jahre 1960 auf 134 im Jahre 1973 abgenommen. In Frankreich besitzt die Hersant-Gruppe 14 der insgesamt 17 Tageszeitungen; die Matara-Gruppe aus Waffenherstellern hat gerade den größten Verlag in Frankreich übernommen. … Dann gibt es da noch die traurige Geschichte des SUNDAY OBSERVER in England, der ins Eigentum der amerikanischen Ölgesellschaft Atlantic Richfield übergegangen war und nun hinter dem Rücken des Zeitungsstabes und der Verlagsleitung an Lonrho und Tiny Rowlands gekommen ist. … Diese Pressekonzentration in den Händen von multinationalen Gesellschaften stellt eine Bedrohung dar, nicht nur für die Unabhängigkeit und Objektivität der in Frage kommenden Zeitungen, sondern auch für die Unabhängigkeit der dort beschäftigten Journalisten. Es handelt sich hier um ein schwerwiegendes Problem, dem sich Gewerkschaften und Berufsorganisationen der Journalisten ernsthaft widmen sollten. Konzentration von Presseerzeugnissen und elektronischen Medien beim selben Eigentümer führt zur Verringerung der Vielfalt der Nachrichten- und Informationsquellen. Sie tendiert auch dazu, die Freiheit der Journalisten zu behindern.“ (34)

Mit dem seither fortgeschrittenen Konzentrationsprozess dürfte sich das Problem, wir extrapolieren, nur noch weiter verschärft haben.

Zu Beginn der 1840er Jahre schrieb Karl Marx, damals Journalist, eine Serie von Artikeln, die den Titel „Debatten über Preßfreiheit und Publikation der Landständischen Verhandlungen“ trug. In dieser Serie fiel der berühmte Satz: „Die erste Freiheit der Presse besteht darin, kein Gewerbe zu sein.“ So gesehen ist die „freie Presse“ nie frei gewesen, denn sie war immer ein Gewerbe, und ein Grunddilemma in den Mediendemokratien unserer Tage besteht darin, dass die Presse heute mehr denn je ein Gewerbe ist – was gravierende Auswirkungen auf die Produktionsfaktoren von Journalismus hat.

Noch größer gerät das Dilemma, so man sich die wahre Macht der Medien vor Augen führt, denn: „(D)ie politische Macht hat, wer über die Zulassung von Themen zur Öffentlichkeit entscheidet.“ (35)

Die Presse selbst übt Macht aus, wenn sie „die Agenda der zu entscheidenden Fragen“ setzt. Macht ist beispielsweise „das Verhindern, dass ein bestimmtes Thema überhaupt öffentlich erörtert wird.“ (36)

Diese Art der Meinungsformung kann etwa durch die Spielart des so genannten Framing geschehen. Das Framing „besteht darin, einige Aspekte einer wahrgenommenen Wirklichkeit auszuwählen und sie so hervorzuheben, dass sie eine bestimmte Problemdefinition, kausale Interpretation, moralische Bewertung und / oder Handlungsempfehlung bezüglich des beschriebenen Gegenstands fördert.“ (37)

Anders gewendet: Ein Ereignis / Problem wird interpretierend eingerahmt. Der Rahmen, in dem das Ereignis / Problem diskutiert wird, bringt bestimmte Punkte an die Oberfläche, indes andere unberücksichtigt bleiben oder unterdrückt werden.

Die Medienmonopole ließen Kritik an sich selbst nicht zu, womit die Demokratie in Gefahr sei, urteilte der Politikwissenschaftler Thomas Meyer in einem Interview mit mir: Wenige Monopolisten beherrschten den „Meinungsmarkt“ und einige „Alpha-Journalisten“, die letztlich „Unbelangbare“ seien, gäben den Grundton vor, dem die übrige „Meute“ folge. Der Rezipient bekomme eine einseitige Welt vorgeführt und häufig übernähme er diese Vorgaben. Dabei führten die Medienmacher nur „Stücke“ auf, die sie auf der von ihnen selbst inszenierten Bühne präsentierten. Was gespielt werde, bestimmten sie. Meyer: „Wenn Journalisten den Bürgern nur eine absolut gefilterte Welt vorführen, kann der Bürger nicht mehr mündig sein – dann er ist in den Händen der Unbelangbaren.“ (38)

Insofern bezeugen wir die Auflösung der Trennung von Fakten und Meinungen, wie sie für den angelsächsischen Journalismus einst C. P. Scott (1846-1932) so formulierte: Comment is free, but facts are sacred, verdolmetscht: Kommentare sind beliebig, aber Fakten sind heilig.

Darüber hinaus üben sich die Medienmonopole in der Wiederholung. Diese serielle Re-Produktion des leicht Wiedererkennbaren und oft Ausgeprobtem, dieses „Mehr vom Gleichen“-Verfahren ist eine Folge wirtschaftlicher Faktoren: „Die Idee der Massenmedien (der publizistischen Medien bzw. der Publizistik) ist es, möglichst viele mit möglichst geringem Aufwand zu erreichen. Im Gesamtmarkt führt das zu Anpassungen der Anbieter an die Konkurrenten – so ist man auf der sicheren Seite.“ (39) Parallel findet ein Abschirmen „der gesamten Medienbranche“ vor einer Diskussion um die Frage statt, „was (…) Publizistik ist und Journalismus alles sein kann“, einhergehend mit dem Phänomen, dass keine Hinterfragung der eigenen Qualität stattfindet:  „die Branche selbst exponiert sich in der Qualitätsfrage nicht. Medien und Journalismus gehören zu den wenigen Bereichen der Gesellschaft, in denen intern und vor allem auch gegenüber Externen nicht systematisch über Qualität gesprochen wurde und wird. Allenfalls ganz selten, wenn es einmal Medien- oder Journalistenschelte gibt. Das aber ist die Ausnahme von der Regel. Selbst triviale Medienkritik leistet man sich nicht oder nur ausnahmsweise.“ (40)

Kritiker, die auffällige Meinungsübereinstimmungen bei den Mainstream-Medien registrieren, werden von den „Unbelangbaren“ ihrerseits als „Verschwörungstheoretiker“ abgetan. (41)

Angesichts des Potentials, das etwa der „9/11-Zirkus“ bietet, um sich des Spotts auszusetzen, bedarf es zudem gar keiner direkten Order zur Zensur in den Redaktionsstuben im Rahmen eines übergreifenden Medienkomplotts, um das Thema 9/11 als „nicht legitimes Thema“ unangetastet zu lassen – die vorauseilende Vermeidung dessen, von dem man weiß, dass es nicht gewünscht ist, insofern es von der generellen Linie der Wirklichkeitsvermittlung des jeweiligen Medienorgans und -umfelds abweicht, reicht vielfach aus, um sich individuell wie im Kollektiv in jener Disziplin zu üben, die Pierre Bourdieu einst als „implizite Zensur“ bezeichnete. In anderen Worten gekleidet: Einer Wetterfahne muss der Wind nicht erst gezeigt werden; sie richtet sich danach aus. (42) Festanstellungen in den etablierten Medien sind zunehmend rar gesät, Redaktionen werden verkleinert, die Arbeitsverhältnisse geraten immer unsicherer. Das fördert das Selbstdisziplinieren.

Eine Steuerung von oben scheint ferner nicht mehr vonnöten, „weil in Medien wie in allen Bereichen, in denen die Mittelschicht sich Pöstchen zuschiebt, eine Entprofessionalisierung mit einem Verlust grundlegender Fähigkeiten einhergeht, die man benötigt, um z.B. Journalismus zu betreiben. Anders formuliert: Die meisten deutschen Journalisten muss man nicht von oben steuern, damit sie Falschmeldungen verbreiten oder Nachrichten in einem ideologischen Licht verzerren: Die können es von sich aus nicht besser.“ (43)

Der Journalist mag seine Profession als Berufung auffassen; letztlich übt er den journalistischen Beruf zum Lebensunterhalt aus. Daraus resultiert von vornherein ein gewisses taktisches Verhältnis zur Wahrheit. „Es ist schwierig, jemanden dazu zu bringen, etwas zu verstehen, wenn er sein Gehalt dafür bekommt, dass er es nicht versteht“, befand schon Upton Sinclair. (44)

Der Publizist, Journalist und Geisteswissenschaftler Paul Sethe schrieb 1965 über die westliche Presselandschaft:  „Pressefreiheit ist die Freiheit von zweihundert reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten. (…) Da die Herstellung von Zeitungen und Zeitschriften immer größeres Kapital erfordert, wird der Kreis der Personen, die Presseorgane herausgeben, immer kleiner. Damit wird unsere Abhängigkeit immer größer und immer gefährlicher.“ (45) Der Publizist und Journalist Peter Scholl-Latour äußerte Mitte 2014 kurz vor seinem Tod zur schwindenden journalistischen Unabhängigkeit: „Das ist ja keine neue Erkenntnis, Paul Sethe, der ja ein ungemein konservativer Leitartikler war, und für die Welt und für die FAZ schrieb, hat mal vor vielen Jahren geschrieben: ,Die Freiheit der Presse im Westen ist die Freiheit von 200 reichen Leuten, ihre Meinung zu publizieren‘, inzwischen sind es keine 200 mehr, inzwischen sind es nur noch 4 oder 5 Leute.“ (46)

Diese handverlesenen Leute vermögen durchaus Politik mit ihren Blättern zu machen, und spätestens von dem Punkt an sind Zeitungen „nie nur bloße Übertragungsmedien von objektiven Nachrichten, sondern sie sind selbst Spieler im Spiel um die Deutung der Welt, sind selbst an der Konstruktion von Wirklichkeit beteiligt und stehen so für bestimmte weltanschaulich-politische Positionen.“ (47)

Überdies mag bei dem, womit der Medienrezipient an leicht bekömmlichen Informationshäppchen gefüttert wird, bedacht werden, was die ehemalige Mitarbeiterin des FBI Sibel Edmonds anlässlich der Geschichte um die angebliche Exekution von Osama bin Laden im Jahre 2011 anmerkte:

„Es gibt ,Experten-Ansichten’, und dann gibt es die Ansichten von Experten. Es gibt ,Regierungskreisquellen’, und dann gibt es Quellen aus Regierungskreisen. Nicht alle Experten sind gleich. Und nicht alle Quellen sind zuverlässig. (…) Wir haben Mitglieder der populären Medien (gleichermaßen die des Mainstreams wie der Quasi-Alternativen), die immerzu bestrebt sind, der Verschwörung und Propaganda der Regierung den Markt zu bereiten und sie zu verbreiten. Sie, die Mitglieder der populären Medien, haben ihre eigene Rotationskartei von ,Experten’ und Analysten, einige davon auf ihrer Lohnliste, die ihnen helfen, die Belieferung und Ausführung der von der Regierung gegebenen Propaganda-Verschwörung zu propagieren. Das gleiche Prinzip gilt für ,Quellen’. Die populären Medien stützen sich auf ihre Regierungskreisquellen, die als vermittelnde Regierungsboten fungieren, denen ein von der Regierung geschriebenes und genehmigtes Skript zur Auslieferung gegeben wurde, und das fast immerzu anonym. Nun, das ist genau das, was wir von unseren Medien rund um die Uhr bekommen, seit der Verkündigung der Bin-Laden-Todes-Operation: ständig wechselnde Regierungs-Skripte, die vor allem durch anonyme Regierungskreisquellen an die US-Medien geliefert werden, um dann immer weiter von den mit der Regierung verknüpften Experten und Analysten, die sich auf der Gehaltsliste befinden, ausgestaltet und erweitert zu werden.

Auf der anderen Seite gibt es viele unabhängige, wirkliche Experten, deren Analysen und Ansichten Sie niemals oder nur selten zu hören oder zu lesen bekommen, zumindest nicht in den Mainstream-Medien oder auf den quasi-alternativen Webseiten. Und es gibt aktuelle und ehemalige Regierungsquellen, die nicht mit Botschafteraufgaben betraut sind, von denen viele nicht die ,kalkulierte’ Notwendigkeit sehen, ,anonym’ zu bleiben. Ich kann Ihnen versichern, dass Sie die Aussagen, Analysen oder Ansichten dieser Experten und Quellen nicht lesen oder hören werden, wenn es um von der Regierung geschriebene Geschichten und ihre Medien-Kumpels geht.“ (48)

Hierzu gehört in den USA ebenso das Phänomen eines engen Verhältnisses zwischen den Medien und solcher Organisationen, die einerseits Informationen sammeln und andererseits streuen, wie die CIA und das Pentagon. Verwiesen werden muss hierzu auf eine Initiative des Office of Special Projects der CIA, die sich Operation Mockingbird nannte und von Allen Dulles und Frank Wisner in den Nachkriegsjahren in Gang gesetzt wurde, um sich letztlich zu einem „Medien-Akquisitionsgeschäft“ erster Güte auszugestalten. (49)

Die Operation Mockingbird strebte die massive Beeinflussung sowohl US-amerikanischer als auch ausländischer Medien an und verwirklichte sie erfolgreich. Hierzu schrieb der investigative Journalist Carl Bernstein im Jahre 1977:

„Die Instrumentalisierung der amerikanischen Nachrichtenmedien durch die CIA ist weitaus exzessiver gewesen, als Vertreter der Behörde öffentlich oder in Sitzungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit vor Angehörigen des Kongresses zugegeben haben. (…) Mehr als 400 amerikanische Journalisten hatten im Geheimen Anweisungen der CIA ausgeführt, wie Dokumenten in den Akten des CIA-Hauptquartiers zu entnehmen ist. Manche der Beziehungen dieser Journalisten mit der Behörde bestanden stillschweigend, manche ausdrücklich. Reporter teilten ihre Notizbücher mit der CIA. Herausgeber teilten ihre Mitarbeiter. Einige der Journalisten waren Gewinner des Pulitzer-Preises, die meisten befanden sich in weniger herausgehobener Stellung: Auslandskorrespondenten, die erkannten, dass ihnen ihre Verbindungen zur Behörde bei der Arbeit half. (…) Unter den Führungskräften, die ihre Unternehmen der Behörde zur Verfügung stellten, befanden sich William S. Paley vom Columbia Broadcasting System, Henry Luce von Time Inc., Arthur Hays Sulzberger von der New York Times, Barry Bingham Sr. vom LouisviIle Courier Journal und James Copley vom Copley News Service. Andere Organisationen, die mit der CIA kooperierten, umfassen die American Broadcasting Company, die National Broadcasting Company, die Associated Press, United Press International, Reuters, Hearst Newspapers, Scripps Howard, das Newsweek Magazine, das Mutual Broadcasting System, den Miami Herald, und die alten Saturday Evening Post und New York Herald Tribune.“ (50)

Der irische Journalist Alexander Cockburn brachte vor, Frank Wisner habe für das Mockingbird-Projekt Philip Graham von der Washington Post rekrutiert, um die Betreuung innerhalb der Branche zu übernehmen. (51) Graham hatte 1940 die Tochter von Eugene Meyer geheiratet, dem Eigentümer der Washington Post (und zeitweiligen Vorsitzenden der Federal Reserve und Chef der Weltbank). Nachdem ihr Mann 1963 Selbstmord verübt hatte, sollte Katharine Graham knapp 35 Jahre lang die Geschickte der Washington Post Company bestimmen.

Einer Quelle zufolge, die Cockburn zitiert, waren in den 1950er Jahren circa 3000 Angestellte der CIA an Propaganda-Anstrengungen beteiligt. (52) Wisner prahlte damit, dass er die diversen Frontorganisationen der CIA wie einen Mighty Wurlitzer verwenden könne, der befähigt sei, jedwede Propaganda-Melodie abzuspielen, die er sich wünsche.

1976 kam der Sonderausschuss des US-Senats zur Untersuchung des Regierungshandelns in Verbindung zu Aktivitäten der Nachrichtendienste – das sogenannte Church Committee – zum Schluss, dass die CIA mehrere hundert Akademiker benutzte, um sich von ihnen beispielsweise Bücher verfassen zu lassen. (53)

Ein Leiter des Covert Action Staff der CIA hielt Anfang der 1950er Jahre fest: „Bücher unterscheiden sich von allen anderen Propagandamedien vor allem, weil ein einziges Buch die Haltung und Handlung des Lesers in einem Ausmaß zu ändern vermag, das von den Auswirkungen jedes anderen einzelnen Mediums unerreicht ist, was Bücher zur wichtigsten Waffe der strategisch weitreichenden Propaganda macht.“ (54)

Als sich das Church Committee mit den Medien-Verbindungen der CIA und deren Einfluss befasste, wirkte die CIA-Spitze, darunter William Colby und George H.W. Bush, darauf hin, die Ausschuss-Untersuchung in dieser „Angelegenheit zu beschränken und den tatsächlichen Umfang der Aktivitäten in ihrem Abschlussbericht absichtlich falsch darzustellen“. (55) An den wenigen Stellen, an denen der Bericht die Verwendung von Journalisten durch die CIA ansprach, geschah dies „bewusst vage“ und in „manchmal irreführenden Begriffen“. (56)

Beachtlich ist danebst ein Memorandum, das Ende 1991 vom damaligen Chef der CIA, dem späteren US-Verteidigungsminister Robert Gates, an den Direktor für öffentliche Angelegenheiten bei der CIA ging. Unter dem Titel Task Force Report on Greater CIA Openness gibt das im Rahmen einer Informationsfreiheitsgesetz-Klage freigegebene Memo Hinweise über Kontakte der CIA zu Journalisten, Wissenschaftlern und Geschäftsleuten. Bezüglich der Medien hieß es darin, dass die Abteilung für öffentliche Angelegenheiten „Beziehungen mit Reportern aller wichtigen Nachrichtenagenturen, Zeitungen, wöchentlichen Nachrichtenmagazinen und TV-Netzwerken der Nation (hat). Das hat uns geholfen, einige ,Geheimdienstversagens‘-Geschichten in ,Geheimdiensterfolgs‘-Geschichten zu verwandeln. … In vielen Fällen haben wir Reporter überzeugt, Geschichten zu verschieben, zu ändern, anzuhalten oder sogar zu verschrotten, die sich auf die nationalen Sicherheitsinteressen oder Quellen und Methoden nachteilig hätten auswirken können.“ (57)

Ein anderes, aktuelleres Beispiel für die massive Beeinflussung der öffentlichen Meinung wäre das Office of Strategic Influence, das kurz nach den Terror-Anschlägen vom 11. September 2001 vom Pentagon geschaffen wurde.

Nun kann man sich trefflich darüber streiten, welche Aufgabe die Presse, insbesondere die vermeintlich „freie“, per se zu erfüllen habe. Wir lassen idealtypische Erwägungen beiseite und verlagern uns aufs real-existierende ökonomische Feld, um die Auswirkungen auf den Inhalt abzuschätzen. Die stetige Konzentration von Reichtum und Vermögenswerten von unten nach oben in immer weniger werdende Hände führt unter anderem dazu, dass es über die Eigentümerschaft von Medien zu einem Verflachen der politischen Meinungsvielfalt in den USA kommt. Erwähnenswert ist diesbezüglich, dass Ansichten, wonach es beim Irak-Krieg vornehmlich um das Erobern von Öl ging, seinerzeit expressis verbis in den US-Medien (und andernorts) ins Reich der „Verschwörungstheorie“ verwiesen wurden. Diese versuchte Einimpfung einer „Abneigung gegen jegliche ,Verschwörungstheorie der Geschichte’“ in diesem und anderen Fällen ergibt vollkommen Sinn, „denn eine Suche nach ,Verschwörungen‘ bedeutet eine Suche nach Motiven und eine Zuordnung von Verantwortung für historische Untaten“, wie der US-Ökonom Murray N. Rothbard notierte. „Eine ,Verschwörungstheorie‘ kann das System erschüttern, indem sie die Öffentlichkeit dazu verleitet, an der ideologischen Propaganda des Staates zu zweifeln.“ (58)

Der Philosoph David Coady schrieb zur Reserviertheit gegenüber Verschwörungstheorien: „Das Maß, in dem es rational ist, skeptisch gegenüber Verschwörungstheorien zu sein, hängt teilweise vom Umfang ab, in dem es vernünftig ist anzunehmen, dass die offiziellen Institutionen, die für das Sammeln und Verbreiten von Informationen in einer Gesellschaft verantwortlich sind, vertrauenswürdig sind. Von daher hängt die Legitimität von verschwörungstheoretischen Überlegungen nicht nur vom Inhalt der fraglichen Verschwörungstheorie und dem Inhalt ihres offiziellen Rivalen ab, sondern auch vom sozialen und politischen Kontext, in dem sie stattfindet. Diese Tatsache sollte uns bei jedem A priori-Versuch, die Spreu vom Weizen zu trennen, vorsichtig machen.“ (59)

Michael Parenti, ein Politikwissenschaftler und Historiker aus den USA, der an der University of California in Berkeley lehrte, deklariert: „Verschwörungen existieren. Wenn wir eine Verschwörung als Planung im Geheimen für illegale Zwecke definieren, während man die Öffentlichkeit darüber irreführt, was vor sich geht, dann gibt es Verschwörungen in Hülle und Fülle. Es gab die geheim geplante Invasion in der Schweinebucht, ursprünglich als reines exil-kubanisches Unternehmen präsentiert; die fabrizierte Geschichte über einen nordvietnamesischen Golf von Tonkin-Angriff gegen US-Zerstörer, konzipiert, um den Kongress zur Unterstützung eines größeren militärischen Engagements in Indochina zu veranlassen; die geheimen Operationen der CIA zur Ermordung ausländischer Staatshäupter und zum Sturz von Regierungen; die Verwendung illegaler Mittel zum Auseinanderbrechen oppositioneller Organisationen in den USA durch das COINTELPRO-Programm des FBI; der Watergate-Einbruch und die Watergate-Vertuschung; und vor allem die Iran-Contra-Affäre, die die unrechtmäßige Verwendung von Geldern, geheimen Bankkonten, die kriminelle Zerstörung von Regierungsdokumenten, die illegale Finanzierung von Konterrevolutionären in Nikaragua, die Mittäterschaft anderer Nationen und eine geheime Koterie widerlicher Funktionärsträger beinhaltete, allesamt vertuscht von Lügen und Falschdarstellungen, serviert vom Präsidenten der Vereinigten Staaten und anderen Top-Politikern. Nicht alle Verschwörungen sind Phantasien.“ (60)

Es war einst ein gewisser US-Amerikaner namens Robert Jackson mit seinem Assistenten Kempner, der den Tatbestand Verschwörung vom US-Strafrecht ins Völkerrecht und die Geschichtsschreibung postum eingeführt hat (durch den ersten Anklagepunkt im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher des Zweiten Weltkriegs: Gemeinsamer Plan oder Verschwörung).

Jetzt könnte man sagen, dass eine Verschwörungstheorie doch harmlos und nichtig sein müsste im Vergleich zu einer Anklage auf Verschwörung. Aber anscheinend ist die Behauptung vom Bestehen einer Verschwörung (wie etwa bei der Ermordung der Kennedy-Brüder) weit schwerwiegender. Warum?

Eine mögliche Antwort: Weil die Behauptung auf das Bestehen einer Verschwörung dort hinzielt, wo das Planen, Vorbereiten und Verüben eines Verbrechens, welcher Art auch immer, gar nicht anders vor sich gehen kann denn als Verschwörung. Denn bezichtigt wird eine Geheimorganisation bzw. -struktur, und deren Beruf bzw. Aktivität ist die möglichst spurenlose Verschwörung.

Von wesentlicher Signifikanz ist weiters, dass der „Verschwörungstheorie“-Begriff von der CIA am Ende der 1960er Jahre im Zusammenhang mit der Ermordung von John F. Kennedy und den Ermittlungen des Bezirksstaatsanwalts Jim Garrison selbst popularisiert wurde. Die CIA-Abteilung für psychologische Kriegsführung schickte im Januar 1967 ein Memo „an alle Dienststellen und ihre verdeckten Mitarbeiter in den großen Medien“, das sich damit befasste, „wie mit den wachsenden Zweifeln an der Einzeltäter-These des Warren-Reports umzugehen und ,Verschwörungstheorien‘ zu kontern seien. Mit diesem erst sehr viel später öffentlich bekannt gewordenen Memo der CIA wird der neutrale Ausdruck ,Verschwörungstheorie‘ erstmals zu einem Kampfbegriff der psychologischen Kriegsführung und des öffentlichen Wahrnehmungsmanagements gemünzt.“ (61) Das Dokument, das die Nummer „1035-960” trägt, schlug die Verwendung des Begriffs „Verschwörungstheoretiker“ für die Kritiker des Warren-Reports vor und empfahl Techniken, wie ihnen zu begegnen sei. Propaganda-Aktivposten bei den Medien sollten eingesetzt werden, um die Kritiker zu widerlegen. „Buchbesprechungen und Spezial-Artikel sind für diesen Zweck besonders geeignet“, hieß es. (62)

Es lässt sich dazu unterstreichen, dass in den 45 Jahren, bevor dieses Memorandum herauskam, das Wort „Verschwörungstheorie“ wohl nur 50 Mal in den Zeitungen New York Times und Washington Post abgedruckt worden war. Das änderte sich dann in den kommenden 45 Jahren dramatisch: nunmehr erschien das Wort in den beiden Blättern 2630 Mal – oder aber durchschnittlich einmal pro Woche. (63)

Wodurch sich dann freilich mindestens zwei Fragen einstellen könnten:

a)      Wessen Lied – bewusst oder unbewusst – singt der „Anti-Verschwörungstheorien“-Chor eigentlich?,

und:

b)      Wem genau sind Geheimdienste wie die CIA und NSA letztlich zu Diensten?

Es ist darüber hinaus ratsam, zwischen einer „traditionellen Verschwörungstheorie“ und einer „tiefenpolitischen Analyse“ zu unterscheiden. Erstere schaut sich „eine bewusste geheime Zusammenarbeit“ an, welche „auf einen gemeinsamen Zweck gerichtet ist“. Die „tiefenpolitische Analyse“ definierte Peter Dale Scott zunächst als Studie „all jener politischen Praktiken und Arrangements, absichtlich oder nicht, die im öffentlichen Diskurs eher verdrängt, statt anerkannt werden“, um anschließend klar zu machen, dass die Essenz einer „Verschwörung“ die sei, ein einziges Ziel zu erreichen, wohingegen es sich bei der Tiefenpolitik um „ein offenes System mit divergierenden Machtzentren und Zielen“ handele. (64) Verbunden mit der „Tiefenpolitik“ sind „Tiefenereignisse”, die Scott als  „die traumatischen und unerwarteten Episoden” definiert, „die in unserer Geschichte immer wieder vorkommen und sie grundlegend verändern, allerdings immer zum Schlimmeren. Diese ,Tiefenereignisse’ können niemals angemessen untersucht oder verstanden werden, weil sie eine geheimdienstliche Dimension aufweisen, die sowohl seitens der Regierung als auch seitens der etablierten Medien zu einem gesellschaftlich auferlegten Mantel des Schweigens führt.” (65)

Jenseits der Tatsache, dass in den Massenmedien solchen Differenzierungen kaum je Platz eingeräumt wird, sollte in Rechnung gesetzt werden, dass in den Massenmedien kaum je von „Verschwörungstheorien“ gesprochen wird, sondern zumeist von der einen „Verschwörungstheorie“ zu einem bestimmten Ereignis. Dass es bisweilen starke Qualitäts- und Wahrscheinlichkeitsschwankungen von „Verschwörungstheorie“ zu „Verschwörungstheorie“ – oder von (bezahlter) „Experte“ zu (unabhängiger) „Experte“ – geben könnte, wird gerne unerwähnt gelassen.

Sehr häufig geht dem Begriff „Verschwörungstheorie“ auch ein bewertendes Eigenschaftswort voraus – wechselweise handelt es sich zumeist um eine „wilde“, „abenteuerliche“, „krude“, „verrückte“, „naive“, „abstruse“ oder gleich „paranoide“ Verschwörungstheorie.

Zudem wird für die „Verschwörungstheorie“ oftmals auch noch ein besonders bizarr anmutendes Beispiel herangezogen – nicht selten vertreten von einem Prominenten aus dem Show-Geschäft -, womit praktisch stellvertretend alle „Verschwörungstheorien“ zu einem bestimmten Ereignis samt und sonders ins Reich des Absurden abgeschoben werden können. Ein billiger Trick, der immer wieder bestens funktioniert. Wie Jeff Kaye es für den Fall 9/11 formulierte: „Das ganze 9/11-Untersuchungsfeld wurde diffamiert und vergiftet im Laufe der Jahre durch lächerliche, manchmal fantastische Verschwörungs-Angstmacherei und die Ängstlichkeit von Journalisten, sich dem Material anzunähern, damit sie nicht als verantwortungslos oder irgendeine Art von Verschwörungsfreak gebrandmarkt werden. Als Ergebnis davon ist wenig untersuchende Arbeit geleistet worden, mit Ausnahme von einer kleinen Gruppe von Menschen, von denen einige echte Fragen aufwarfen.“ (66)

Ein ähnlich schillerndes Beispiel für „Verschwörungstheorien“ sind gewiss die vielen (in ihrer Qualität extrem variierenden) „Verschwörungstheorien“ in Verbindung mit der Ermordung John F. Kennedys vom 22. November 1963, insofern ein Großteil der Medien in den USA seinen Teil zur Vertuschung der Verschwörung beisteuerte. (67) Gar zu ironisch will es im „Verschwörungstheorie“-Rahmen anmuten, dass John F. Kennedy zu Beginn seiner Amtszeit als 35. Präsident der Vereinigten Staaten gegenüber der versammelten Presse seines Landes eine „Verschwörungstheorie“ größten Ausmaßes zum Ausdruck gebracht hatte:

„Es stellt sich uns auf der ganzen Welt eine monolithische und rücksichtslose Verschwörung entgegen, welche hauptsächlich auf verdeckte Mittel setzt, um ihre Einflusssphäre zu erweitern: mit Infiltration statt Invasion, mit Umsturz statt Wahlen, mit Einschüchterung statt Selbstbestimmung, mit Guerillakämpfern bei Nacht statt Armeen bei Tag. Es ist ein System, welches gewaltige menschliche und materielle Ressourcen einsetzt, um eine engmaschige und effiziente Maschinerie aufzubauen, die militärische, diplomatische, geheimdienstliche, wirtschaftliche, wissenschaftliche und politische Operationen verbindet. Ihre Vorbereitungen sind verdeckt und werden nicht veröffentlicht. Ihre Fehlschläge werden begraben und nicht verkündet. Ihre Widerständler werden mundtot gemacht und nicht gelobt. Keine Ausgabe wird in Frage gestellt, kein Gerücht veröffentlicht, kein Geheimnis enthüllt.“ (68)

Wie Sie sehen, gab sich Kennedy in der Rede The President and the Press, die er am 27. April 1961 beim White House Press Dinner im Waldorf-Astoria Hotel in New York City hielt, als „Verschwörungstheoretiker“ zu erkennen.

Womit er heutzutage ein Problem bekäme, regen sich doch in den USA ernstzunehmende Bestrebungen, (gefährliche) „Verschwörungstheorien“ strafrechtlich zu belangen und Gruppen von „Verschwörungstheoretikern“ gezielt zu infiltrieren, um sie sozusagen mittels „Trojanischer Pferde“ von innen heraus zu diskreditieren (was ironischerweise freilich eine klammheimliche Verabredung dazu erfordert – und damit letzthin: eine Art von Verschwörung).

So argumentierte eine Arbeit, die im Januar 2008 von zwei Professoren der Harvard Law School veröffentlicht wurde, Cass R. Sunstein und Adrian Vermeule:

„Viele Millionen von Menschen vertreten Verschwörungstheorien; sie glauben, dass mächtige Menschen zusammengearbeitet haben, um die Wahrheit über eine wichtige Tätigkeit oder ein schreckliches Ereignis zurückzuhalten. Ein aktuelles Beispiel ist die in einigen Teilen der Welt weitverbreitete Überzeugung, die Anschläge vom 11. September seien nicht von al-Qaida, sondern von Israel oder den Vereinigten Staaten verübt worden. Die Anhänger dieser Verschwöungstheorien können ernsthafte Risiken, einschließlich des Risikos von Gewalt, schaffen, und die Existenz derartiger Theorien stellt Politik und Gesetz vor erhebliche Herausforderungen. Die erste Herausforderung besteht darin, die Mechanismen zu verstehen, nach denen Verschwöungstheorien gedeihen; die zweite Herausforderung besteht darin, zu verstehen, wie derartige Theorien unterminiert werden können. Theorien dieser Art verbreiten sich typischerweise als Ergebnis identifizierbarer kognitiver Fehler in Zusammenwirkung mit Informationseinflüssen. Eine charakteristische Eigenschaft von Verschwörungstheorien ist ihre selbst-abdichtende Beschaffenheit. Es ist nicht zu erwarten, dass Verschwörungstheoretiker sich von dem Versuch, ihre Theorien zu zerstreuen, überzeugen lassen werden; sie mögen diesen Versuch sogar als weiteren Beweis für die Verschwörung ansehen. Da diejenigen, die Verschwörungstheorien vertreten, häufig an einer verkrüppelten Epistemologie leiden, der zufolge es rational ist, derartige Theorien zu vertreten, besteht die beste Antwort in der kognitiven Infiltration extremistischer Gruppierungen.“ (69)

Es dünkt ein wenig, als ob das Akademiker-Duo Sunstein / Vermeule bezüglich der Terrorattacken vom 11. September 2001 entweder den springenden Punkt übersah oder aber willfährig ignorierte –  namentlich, dass die offizielle 9/11-Narration per Definition: eine Verschwörungstheorie ist.

Oder vielmehr: die geduldete Verschwörungstheorie. Wie George W. Bush vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen am 10. November 2001 in New York sagte: „Lasst uns niemals unerhörte Verschwörungstheorien über die Anschläge vom 11. September tolerieren.“ Dem Wunsch wurde entsprochen.

Eine lange Zeit galt auch das, was Edward Snowden über die Post-9/11-Spionage-Tätigkeiten der U.S. National Security Agency (NSA) ans Licht brachte, als „Verschwörungstheorie“. Interessant war, was geschah, als sich das, was durch das Wort „Verschwörung“ verunglimpft werden sollte, als real herausstellte. Denn die offenkundig gewordene Verschwörung dauert an, „auch wenn sie den Schutz der Geheimhaltung verloren hat. Was sagt uns das eigentlich über die Gegenwart? Was heißt es, wenn eine Verschwörung zum Schaden der Mehrheit weiter umgesetzt werden kann, nachdem (!) sie enthüllt wurde? In welcher Art von Gesellschaft ist so etwas möglich?“ (70)

Den Akademiker-Stand betreffend, der in dieser Gesellschaft, in der ebenjenes möglich ist, hohes Ansehen genießt, wäre generell vorzubringen, dass er sich in Sachen 9/11 ausgesprochen unkritisch gibt. Dies geht auf beeindruckende Weise aus dem kanadischen Dokumentarfilm 9/11 in the Academic Community hervor, den Adnan Zuberi produzierte. Mit Zuberi führte ich ein Interview, (71) das einige Beobachtungen bereithält, die berücksichtigt gehören.

Lars Schall: Wieso haben Sie ganz allgemein ein Interesse an dem Thema 9/11 entwickelt?

Adnan Zuberi: Von den vielen Gründen, aus denen sich mein Interesse entwickelte, galt mein besonderes Interesse den kritischen Betrachtungen der akademischen Welt zu 9/11. Während meiner Zeit als Universitätsstudent stellte ich fest, dass es ein wesentlich umfassenderes Bild gab, das intellektuelle Aufmerksamkeit verdiente. Beispielsweise erklärte Maj. Gen. Mark O. Schissler, der als Deputy Director des Pentagons im Krieg gegen den Terrorismus diente, gegenüber der Washington Times, dass dieser Krieg gegen den Terror ein Generationenkrieg sei, der 50 bis 100 Jahre dauern würde. Schissler betonte, dass sich die Politik hier nicht einmischen solle und dass sich die Öffentlichkeit in diesem langwierigen Krieg engagieren müsse. (72) Ich entwickelte ein Interesse zu dokumentieren, wie viele Hochschullehrer scharfe Kritiker diverser Aspekte dieses Krieges gegen den Terror waren, aber ungewöhnlicher Weise ohne kritische Nachforschungen die Schilderungen akzeptierten, die als Grundlage für diesen Krieg dienten. Kein denkender Mensch würde sich jemals einem vagen 100-jährigen – oder auch nur 5-jährigen – Krieg widmen, ohne dessen Grundlagen zu erforschen. Und was noch wichtiger ist, wie kann man davon ausgehen, dass der Krieg gegen den Terror derart lange dauert? Wie sie auf diese hohen Zahlen kamen, ist an sich schon verdächtig, da diese angesichts knapper Ressourcen und konkurrierender Regionalmächte eher auf einen geostrategischen Plan hindeuten, ein Imperium für dieses Jahrhundert aufzubauen. Wie kann es sein, dass Hochschullehrer die Grundlage eines derart verdächtig langwierigen Krieges nicht in Frage stellen? Daher begann ich mit der Untersuchung der Mechanismen, die intellektuelles Denken in derartiger Weise strukturieren, und erforschte die Natur und die Dimensionen des Tabus im Umfeld kritischer Betrachtungen zu 9/11 in den Universitäten.

LS: Wieso haben Sie ein Interesse an dem spezifischen Thema bezüglich 9/11 entwickelt, dem sich Ihr Film widmet?

AZ: Um meine vorherige Antwort weiter auszuführen: ich entwickelte Interesse und Verwunderung hinsichtlich der speziellen Art und Weise, in der das Tabu der kritischen Untersuchung von 9/11 innerhalb der akademischen Institutionen funktioniert. Ich begann mit der Dokumentation dieses Phänomens in meinem Film. Wenn ein Hochschullehrer seine Ansicht verbal ausdrückte, dass die Ereignisse von 9/11 eine kritische Untersuchung dahingehend erfordern, ob sie als Rechtfertigung für diesen Generationenkrieg gegen den Terror dienen, würde er von der Universitätsgemeinschaft gesellschaftliche Bestrafung auf sich ziehen. Zudem würden lokale Politiker den Hochschullehrer verurteilen. In einem Fall stellte die politische Gemeinschaft beispielsweise sogar die finanzielle Unterstützung einer Universität in Frage, wenn diese den Hochschullehrer nicht entlasse. Universitäten müssen schwierige Bündnisse mit der Regierung eingehen.

Da verbale Äußerungen nicht funktionierten, dokumentiert der Film, wie Hochschullehrer die wissenschaftliche Praxis verfolgten, sich einer rigorosen Sammlung und Präsentation von Fakten in einer Abhandlung zu widmen, die bei einem Peer-Review-Journal zur Veröffentlichung eingereicht wurde. Trotz der Standpunkte der Herausgeber des Journals, die eine Hürde darstellten, wurden über zwanzig auf diese Weise unabhängig begutachtete Abhandlungen in den Geistes-, Sozial-, Natur- und Ingenieurswissenschaften publiziert. Alle diese Abhandlungen haben große Auswirkungen, da sie zeigen, dass die offizielle, von der Bush-Regierung vorgegebene Darstellung von 9/11 nicht die wissenschaftlichen Erwartungen erfüllt. (73) Und was noch interessanter ist, es gibt in der breiteren akademischen Gesellschaft keine Resonanz oder Diskussion hinsichtlich dieser Abhandlungen. Diese Dokumentationen belegen, wie kritische Betrachtungen zu 9/11 in den Universitäten systematisch ausgeblendet werden. 

Universitäten sollten beunruhigt sein, inwieweit die Struktur der Darstellung von 9/11 exemplarisch für Geistesfeindlichkeit ist. So stammt der Kern des offiziellen Kommissionsberichts zu 9/11, in dem es darum geht, wie sich die mutmaßlichen Entführer organisiert haben, ausschließlich aus Folteraussagen. Die CIA folterte Khalid Sheikh Mohammed (KSM) über 180 mal. KSM äußerte später, er hätte sich eine Geschichte ausgedacht, um der Folter zu entkommen. Die CIA zerstörte zudem viele der Aufnahmen, die für die Darstellung von 9/11 von entscheidender Bedeutung waren. Also haben sie eine Story dieses verhängnisvollen Tages auf solchen Zeugenaussagen aufgebaut, eine Story, die genutzt wurde, die Innen- und Außenpolitik weltweit auf schlimmste Weise zu verändern.

LS: Wie haben Sie Ihre Interviewpartner ausgewählt?

AZ: Da der Schwerpunkt des Filmes darauf lag, wie die akademische Welt kritische Betrachtungen zu 9/11 behandelt, wollte ich Hochschullehrer interviewen, die zu diesem Thema und aus diesem speziellen Blickwinkel Abhandlungen veröffentlicht oder offizielle Kurse abgehalten hatten. Ich hatte mich auch an andere Hochschullehrer gewandt, die der Meinung waren, dass an dem Diskurs der akademischen Gemeinschaft zu 9/11 nichts auszusetzen sei. Sie hatten höflich abgelehnt, weil sie das Gefühl hatten, der Schwerpunkt des Filmes falle nicht in ihren Kompetenzbereich. Ich freue mich jedoch, sagen zu können, dass viele der Hochschullehrer, die ein Interview abgelehnt hatten, den Film gesehen haben und nun äußerst hilfsbereit sind.

LS: Was haben Sie aus der Produktion dieses Filmes gelernt?

AZ: Ich habe gelernt, dass der Film ein ungemeines Potential hat, die akademische Gemeinschaft rational zu überzeugen, seriös über den intellektuellen Diskurs zu 9/11 und den Krieg gegen den Terror nachzudenken.

Was die Herangehensweise angeht, bin ich von allen Aktivisten abgerückt und habe mich einer ehrlichen Untersuchung der Ereignisse dieses verhängnisvollen Tages gewidmet. Gäbe es zum Beispiel eine landesweite Gefahr für die Umwelt (z. B. industriebedingte Umweltverschmutzung, welche die Flora und Fauna schädigt), würden viele Menschen versuchen, diese abzuwenden, indem sie sich zu Gruppen formieren, die Politiker, Medienvertreter, etc. direkt ansprechen oder anschreiben. Es gab jedoch keine großartigen Veränderungen bei der Herangehensweise der Aktivisten, die sich der Untersuchung von 9/11 widmeten, einem Ereignis, das sich in Bezug auf politische Auswirkungen um ein Vielfaches beispielsweise von Umweltproblemen unterschied. Es gab eine Reihe von Kommunikationsfehlern unter den Aktivisten, da traditionelle Methoden ausfielen, was möglicherweise der Abwesenheit formeller Schulungen im Lehrplan zugeschrieben werden kann. Studenten weltweit, ob jung oder alt, werden die unzähligen Fakten und Ereignisse grauenhafter Verbrechen der Nazis vermittelt, aber ihnen wird nicht beigebracht, wie sie radikale Gruppen, die die Nation bedrohen, formal erkennen, einordnen und abwehren können. Derartige Themen liegen mehrere Größenordnungen über Durchschnittsthemen (d. h. Wirtschaft und Gesundheitsfürsorge), welche den alltäglichen Diskurs dominieren.

Indem ich dies anerkannte, habe ich gelernt, dass Tabuthemen nicht direkt und öffentlich mit den Menschen – vor allem Hochschullehrern – diskutiert werden können. Die Kunst der Vermittlung von Tabus, die beispiellose politische Konsequenzen haben, erfolgt primär über private Methoden, die eine komfortable Atmosphäre fördern und die Identität und Ansichten jener Leute schützen, die wichtige Positionen in der Gesellschaft innehaben. In Folge dessen konnte ich Intellektuelle gewinnen, die sonst nie auf die Bedenken der bürgerlichen Gesellschaft zu wirklich wichtigen Themen reagiert hätten. Der Film hat positive und hilfreiche Kritiken von verschiedenen Akademikern erhalten, darunter einige äußerst hochrangige, wie einem früheren Präsidenten der State University of New York, einem Träger des kanadischen Verdienstordens „Officer of the Order of Canada“, einem preisgekrönten Direktor der CBC (der Canadian Broadcasting Corporation, die nationale Radio- und Fernsehprogramme ausstrahlt) und einem ehemaligen Direktor der NATO-Abteilung für Advanced Research on Catastrophic Terrorism. Außerdem findet der Film seinen Weg in den Lehrplan, da Hochschulstudenten den Film engagiert unterstützen.

LS: Ein Akademiker, dessen Meinung zu 9/11 im Internet ausgiebig erörtert wird, ist Noam Chomsky. Ihre Interpretation?

AZ: Professor Noam Chomsky schrieb in seinem Buch 9-11, einem internationalen Bestseller, „… Beweise zu den Tätern von 9-11 waren kaum zu finden. … Dennoch, trotz der dünnen Beweise, ist die erste Schlussfolgerung zu 9-11 vermutlich korrekt.“ (74) Dieses Phänomen, wo Hochschullehrer etwas trotz gegenteiliger Indizien oder ohne echte Nachforschungen als wahr erachten, gehört in den Bereich der Untersuchung einer „Beeinflussung professioneller Recherchen“. Charles E. Lindblom, Sterling Professor Emeritus für Politologie der Yale University, hat zahlreiche Abhandlungen über beeinflusste Recherchen unter Hochschullehrern geschrieben. Ich bin der Meinung, wir sollten Chomskys frühere Beiträge zur Untersuchung von Propaganda und Kriegsverbrechen immer noch anerkennen. Aktivisten, die Präsentationen von Chomsky beiwohnten oder an Online-Foren zu seiner paradoxen Haltung zu 9/11 teilnahmen, sollten erkennen, dass sie ihre Energie besser anderweitig einsetzen.

LS: Halten Sie es für eine Ironie, dass einige Merkmale der offiziellen Darstellung der Ereignisse von 9/11 kaum einer gründlichen, nüchternen wissenschaftlichen Prüfung standhalten würden? Wenn ja, können Sie uns bitte ein Beispiel nennen?

AZ: Ich erhalte jede Woche E-Mails von Hochschullehrern, die mit mir darin übereinstimmen, dass es paradox ist, dass einige Elemente der offiziellen Darstellung nicht einmal elementare wissenschaftliche Kriterien erfüllen. Eines der elementarsten wissenschaftlichen Prinzipien ist die Überprüfung der Informationsquellen. Ich kann vier Beispiele für entscheidende Informationen zu 9/11 nennen, die von Regierungsbeamten vernichtet wurden. Akademiker sollten darüber nachdenken, inwieweit dies ein ernsthafter Verstoß gegen die Wissenschaft ist.

[A] Einige entscheidende Bandaufnahmen von der Kommunikation zwischen Mitarbeitern der Federal Aviation Agency zu den stattfindenden Entführungen wurden von einem leitenden FAA-Mitarbeiter vernichtet. (75) [B] Einige entscheidende Bandaufnahmen der Folteraussagen dazu, wie 9/11 organisiert worden war, wurden von der Central Intelligence Agency vernichtet. [C] Trotz einer Vereinbarung, Aktienmarktinformationen der Securities and Exchange Commission aufzubewahren, wurden wichtige Informationen bezüglich der großen Wahrscheinlichkeit von Insidergeschäften in den Tagen vor 9/11 vernichtet. [D] Die meisten Ingenieurswissenschaftler beunruhigte es ziemlich, von einem dritten Wolkenkratzer, WTC7, zu erfahren, der 9/11 einstürzte, obwohl er nicht von einem Flugzeug getroffen wurde. Vom National Institute of Standards and Technology (NIST), einem wissenschaftlichen, von der US-amerikanischen Regierung geförderten Institut, wurde ein Computermodell zur Erklärung des Einsturzes von WTC7 eingesetzt. Bauingenieure, die das Computermodell bestätigen wollten, ließ man jedoch nicht zu und die Einzelheiten zum Computermodell wurden mit Geheimhaltungsstufe versehen.

LS: Glauben Sie, dass Hochschullehrer vor dem Thema 9/11 zurückschrecken, um von Kollegen nicht per se als „Verschwörungstheoretiker“ abgestempelt zu werden? Mit anderen Worten, hat dies auch mit Ängstlichkeit und fehlendem Mut in der Art und Weise zu tun, die Robert F. Kennedy einst ausdrückte: „Nur wenige Menschen sind dazu bereit, die Missbilligung ihrer Mitmenschen, die Zensur ihrer Kollegen, den Zorn ihrer Gesellschaft zu ertragen. Moralischer Mut ist ein selteneres Gut als Tapferkeit in der Schlacht oder hohe Intelligenz. Und doch ist er die eine, wesentliche, unerlässliche Qualität derer, die eine Welt verändern wollen, die sich nur widerwillig der Veränderung beugt.“ (76)

AZ: Hochschullehrer, die seit über 30 Jahren an den besten Universitäten unterrichten, äußerten während der Filminterviews, dass die Hauptgründe, warum Akademiker 9/11 nicht kritisch untersuchten, Ängstlichkeit und Faulheit seien. Kenneth Westhues, Professor Emeritus für Soziologie und Jura an der University of Waterloo, sagte im Rahmen seiner Befürwortung des Films:

Der kanadische Historiker Michiel Horn hat festgestellt, dass Professoren grundsätzlich Angsthasen sind. Mit der Thematik dieses ersten entscheidenden Tages der Infamie des Jahrhunderts gibt es den dokumentierten Beweis für Horns Feststellung. Der Film dokumentiert aber auch die Ausnahmen zu Horns Regel: Professoren, die den Mut haben, kritische Fragen zu stellen. Äußerst empfehlenswert, vor allem um eine fundierte politische Diskussion in Gang zu setzen.“

Westhues’ Äußerung stimmt mit Robert Kennedys Beobachtungen zur Ängstlichkeit überein. Professoren haben einen einzigartigen Stand, weil sie akademische Freiheit genießen. Leider ebenfalls einzigartig ist die Tatsache, dass die meisten Professoren diese akademische Freiheit nicht nutzen. Ich bin jedoch optimistisch, da ich regelmäßig E-Mails von Hochschullehrern erhalte, die mit mir zusammenarbeiten möchten, um diesen verlogenen 100-jährigen Krieg gegen den Terror zu beenden.

Quellen:

(1) Vgl. Walter Lippmann: „Die öffentliche Meinung“, Rütten und Loening, München, 1964. Lippmann, ein Schüler des Philosophen William James an der Harvard University und späteres Gründungsmitglied des Council on Foreign Relations, verwarf in „Die öffentliche Meinung“, das in den USA Anfang der 1920er Jahre erschien, die Idee der Mündigkeit der Bürger demokratischer Gesellschaften. Er „stritt…ab, dass der Mensch kraft seines Denkens zu einer realitäts- und wahrheitsgemäßen Erkenntnis gelangen könne. Der handelnde Mensch könne das Denken nur als eine Art Hilfe benutzen, um Tatsachen und Informationen der äußeren Welt zu sammeln, zu kombinieren und zu Ideen zusammenzufassen.“ Eine „unerträgliche und undurchführbare Fiktion“ nennt es Lippmann, „dass jeder von uns eine kompetente Meinung über öffentliche Angelegenheiten erwerben müsse.“ Das sei schichtweg ein Ding der Unmöglichkeit. Stattdessen urteilt Lippmann: „Das allgemeine Interesse entzieht sich zum größten Teil vollständig der öffentlichen Meinung und kann nur von einer spezialisierten Klasse gehandhabt werden.“ Siehe Markus Osterrieder: „Welt im Umbruch: Nationalitätenfrage, Ordnungspläne und Rudolf Steiners Haltung im Ersten Weltkrieg“, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart,  2014, Seiten 1556 – 1557.

(2) Edward Bernays: „Propaganda: Die Kunst der Public Relations“, Orange Press, Freiburg, 2014, Seite 19. Dass das nicht bloß leere Behauptungen waren, bewies Bernays mit dem Propagandafeldzug, den er 1954 für die United Fruit Company zum Sturz des guatemaltekischen Präsidenten Jacobo Arbenz Guzmán inszenierte.

(3) Vgl. Charles Wright Mills: „Die amerikanische Machtelite – Gesellschaft und Macht in den Vereinigten Staaten“, Holsten-Verlag, Hamburg, 1962, Seite 218.

(4) Vgl. Quote Investigator, “News Is What Somebody Does Not Want You To Print. All the Rest Is Advertising“, veröffentlicht am 20. Januar 2013 unter:

News Is What Somebody Does Not Want You To Print. All the Rest Is Advertising

(5) Vgl. ebd.

(6) Ebd.

(7) Ebd.

(8) Vgl. ebd.

(9) Vgl. ebd.

(10) Heinz Buddemeier: „Illusion und Manipulation: Die Wirkung von Film und Fernsehen auf Individuum und Gesellschaft“, Urachhaus, Stuttgart, 1987, Seite 153.

(11) Rainer Patzlaff: „Der gefrorene Blick: Bildschirmmedien und die Entwicklung des Kindes“, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart, 2013, Seite 22.

(12) Ebd., Seite 23.

(13) Rainer Patzlaff: „Bildschirmtechnik und Bewusstseinsmanipulation“, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart, 1987, Seite 57.

(14) Rainer Patzlaff: „Der gefrorene Blick“, a.a.O., Seite 25.

(15) Ebd., Seite 26.

(16) Ebd., Seite 27.

(17) Rainer Patzlaff: „Bildschirmtechnik und Bewusstseinsmanipulation“, a.a.O., Seite 59. Bei modernen Flachbildgeräten kommt zwar eine andere Bilderzeugungsweise als bei Fernsehgeräten mit Elektronenröhren zum Einsatz, der Effekt ist aber letztlich der gleiche.

(18) Vgl. Jens Wernicke: „Krieg um die Köpfe“, veröffentlicht am 4. Februar 2015 auf Telepolis unter: http://www.heise.de/tp/artikel/44/44035/

(19) Vgl. Peter G. Spengler: „Vorbemerkung zu Paul Lüths ,Bürger und Partisan‘“, veröffentlicht ohne Datumsangabe auf Studien von Zeitfragen unter:

http://studien-von-zeitfragen.de/SvZ-Archiv/Deutschland/Vorbemerkung/vorbemerkung.html

(20) Vgl. ebd.

(21) Vgl. Anne Morelli: „Die Prinzipien der Kriegspropaganda“, Verlag zu Klampen, Springe, 2004.

(22) Ulrich Teusch: „Guter und schlechter Journalismus“, veröffentlicht von Augen Auf Und Durch am 24. Februar 2016 unter: http://augenaufunddurch.net/2016/02/24/guter-und-schlechter-journalismus/

(23) David Barstow: “Message Machine – Behind TV Analysts, Pentagon’s Hidden Hand”, veröffentlicht von The New York Times am 20. April 2008 unter:

(24) Ebd.

(25) Ebd.

(26) Ebd. Bereits im Jahr 2000 wurde offenbar, dass Kräfte der Fourth Psychological Operations Group, die in Fort Bragg, North Carolina ansässig ist, direkt im Hauptquartier des Nachrichtenkanals CNN in Atlanta, Georgia arbeiteten. Vgl. Alexander Cockburn: “CNN AND PSYOPS”, veröffentlicht von Counter Punch am 26. März 2000 unter: http://www.counterpunch.org/2000/03/26/cnn-and-psyops/

(27) Vgl. “Fox News Viewers Least Informed Among Media Consumers, Says New Study By Former Reagan Adviser”, veröffentlicht auf Inquistr am 20. Mai 2015 unter:

Fox News Viewers Least Informed Among Media Consumers, Says New Study By Former Reagan Adviser

(28) Vgl. Tom Engelhardt: “Who Won Iraq?”, veröffentlicht von Guernica am 20. Juni 2014 unter: https://www.guernicamag.com/daily/tom-engelhardt-who-won-iraq/

(29) Vgl. Tim Shorrock: “5 Corporations Now Dominate Our Privatized Intelligence Industry”, a.a.O.

(30) Vgl. “Who Owns The Media? The 6 Monolithic Corporations That Control Almost Everything We Watch, Hear And Read“, veröffentlicht am 4. Oktober 2010 unter:

http://theeconomiccollapseblog.com/archives/who-owns-the-media-the-6-monolithic-corporations-that-control-almost-everything-we-watch-hear-and-read

(31) Vgl. Nafeez Ahmed: “How the mainstream media became a neo-Stalinist propaganda regime for wealthy neocons”, veröffentlicht von Media Reform Coalition am 3. Dezember 2015 unter:

How the mainstream media became a neo-Stalinist propaganda regime for wealthy neocons

(32) Vgl. ebd.

(33) Vgl. Peter Phillips / Mickey Huff: “Inside the Military-Industrial-Media Complex: Impacts on Movement for Social Justice”, veröffentlicht von Truth Out am 28. Dezember 2009 unter:

http://truth-out.org/archive/component/k2/item/87386:inside-the-militaryindustrialmedia-complex-impacts-on-movement-for-social-justice

(34) Vgl. „Über die Verantwortung der Presse – Vorwort zu ,Medienfreiheit – Anspruch und Wirklichkeit‘ von Sean MacBride“, veröffentlicht ohne Datumsangabe von Studien von Zeitfragen unter: http://www.studien-von-zeitfragen.net/Eurasien/MacBride/macbride.html

(35) Vgl Thomas Meyer: „Die Unbelangbaren – Wie politische Journalisten mitregieren“, Suhrkamp Verlag, Frankfurt a.M., 2015, Seite 13.  Meyer zitiert Ulrich Beck.

(36) Vgl. Thomas Dürmeier: „Machtungleichgewichte gefährden die Demokratie“, in: Björn Wendt/Marcus B. Klöckner/ Sascha Pommrenke/Michael Walter (Hrsg.): „Wie Eliten Macht organisieren – Bilderberg & Co.: Lobbying, Thinktanks und Mediennetzwerke“, VSA Verlag, Hamburg, 2016, Seite 106.

(37) Robert M. Entman: ”Framing: toward clarification of a fractured paradigm“, Journal of Communication, 43(4): 51-8, 1993. Siehe ferner von Entman: “Cascading Activation: Contesting the White House’s Frame After 9/11”, in Political Communication 20(4):415-432, veröffentlicht im Oktober 2003 unter:

https://www.researchgate.net/publication/228830403_Cascading_Activation_Contesting_the_White_House’s_Frame_After_911

(38) Vgl. Lars Schall: „Das ist gefährlich für die Demokratie“, Interview mit Thomas Meyer, veröffentlicht von LarsSchall.com am 29. Juli 2015 unter: http://www.larsschall.com/2015/07/29/das-ist-gefaehrlich-fuer-die-demokratie/. Meyer weist darauf hin, dass der „Begriff der journalistischen Unbelangbarkeit“ auf den Feuilletonisten Gustav Seibt zurückgeht, in: „Deutsche Berlusconisierung“, Süddeutsche Zeitung, 17. März 2010. Siehe Meyer: „Die Unbelangbaren“, a.a.O., Seite 17.

(39) Otfried Jarren: „Auf dem Prüfstand. Was will eigentlich Journalismus?“, veröffentlicht von Carta am 29. Juli 2016 unter: http://www.carta.info/82917/auf-dem-pruefstand-will-eigentlich-journalismus/

(40) Ebd.

(41) Vgl. Veit Dengler: „Das Gespenst der Mainstream-Medien“, veröffentlicht von Schweizer Monat im September 2015 unter: http://www.schweizermonat.ch/artikel/das-gespenst-der-mainstream-medien

(42) Wie diese „implizite Zensur“ in bundesdeutschen Redaktionsstuben bezogen auf die Anschläge vom 11. September 2001 fröhlich Urständ feiert(e), siehe Marcus B. Klöckner: „9/11: Der Kampf um die Wahrheit“, Heise, 2011.

(43) http://sciencefiles.org/2015/10/28/luegenpresse-und-meinungsmacher-was-fuer-eine-koalition/

(44) Upton Sinclair: “I, Candidate for Governor: And How I Got Licked”, Reprint University of California Press, 1994, Seite 109.

(45) Vgl. Der Spiegel, Nr. 19, 5. Mai 1965, Seite 18.

(46) Armin Siebert: „Wenn ich mit der Hisbollah reden will, rede ich mit der Hisbollah!“,veröffentlicht auf Sputniknews am 3 Juli 2014 unter:

http://de.sputniknews.com/german.ruvr.ru/2014_07_03/Wenn-ich-mit-der-Hisbollah-reden-will-kann-ich-mit-der-Hisbollah-reden-5595/

(47) Rudolf Stumberger: „Vom ,Spiegel-Bild‘“, veröffentlicht von Heise am 14. Februar 2016 unter: http://www.heise.de/tp/artikel/47/47364/1.html

(48) Sibel Edmonds: “Intelligence & Law Enforcement Experts on Ever-Changing Bin Laden Death Script“, erschienen auf Boiling Frogs am 9. Mai 2011. Siehe ferner Sibel Edmonds: „Das PSYOP-Skript des Weißen Hauses fällt auseinander”, veröffentlicht auf LarsSchall.com 6. Mai 2011 unter: http://www.larsschall.com/2011/05/06/das-psyop-skript-des-weisen-hauses-falltauseinander/. Eine gefilterte Welt, von der Edmonds schreibt, bietet beispielsweise die New York Times. Deren ehemaliger Auslands-Korrespondent Daniel Simpson sagte rückblickend: „It seemed pretty glaringly obvious to me that the ’news fit to print‘ was pretty much the news that’s fit to serve the powerful“, und: „The way that the paper’s senior staff think is exactly like those in power — in fact, it’s their job to become their friends.“ Vgl. Alex Newman: “New York Times a ‘Propaganda Megaphone’ for War, Says Former Reporter”, veröffentlicht von The New American am 23. September 2012 unter: http://www.thenewamerican.com/usnews/foreign-policy/item/12943-new-york-times-a-propaganda-megaphone-for-war-says-former-reporter

(49) Vgl. Dan Russel: “Drug Wars: Covert Money, Power and Policy”, Kalyx, New York, 2000, Seiten 308-309.

(50) Carl Bernstein: “The CIA and the Media“, original veröffentlicht in The Rolling Stone am 20. Oktober 1977, online einzusehen unter: http://tmh.floonet.net/articles/cia_press.html, und: http://www.carlbernstein.com/magazine_cia_and_media.php. Als die Operation Mockingbird vollauf in Blüte stand, wurde das Medien-Imperium von Henry Luce, das ein wesentlicher Teil der Operation war, vom US-Autor William S. Burroughs ein „Kontrollsystem“ genannt, das nichts mit Berichterstattung zu tun hätte. Burroughs: „Time, Life, Fortune sind eine Art von Polizeiorganisation.” Vgl. Conrad Knickerbocker: “William S. Burroughs, The Art of Fiction No. 36”, veröffentlicht von Paris Review, Ausgabe 35, Herbst 1965, online unter: http://www.theparisreview.org/interviews/4424/william-s-burroughs-the-art-of-fiction-no-36-william-s-burroughs

(51) Alexander Cockburn: “All The News That’s Fit To Buy“, veröffentlicht auf Counter Punch am 10. Dezember 2005 unter: http://www.counterpunch.org/2005/12/10/all-the-news-that-s-fit-to-buy/.

(52) Vgl. ebd.

(53) Vgl. ebd.

(54) Vgl. Richard Abel / William Gordon Graham (Hrsg.): “Immigrant Publishers: The Impact of Expatriate Publishers in Britain and America in the 20th Century“, Transaction Publishers, New Brunswick, 2009, Seite 144.

(55) Carl Bernstein: “The CIA and the Media“, a.a.O.

(56) Ebd. Im Dezember 1977 veröffentlichte die New York Times eine 3-teilige Artikel-Serie über den Medien-Einfluss der CIA: “The CIA’s 3-Decade Effort To Mold the World’s Views, veröffentlicht von The New York Times am 25. Dezember 1977, online unter:

http://jfk.hood.edu/Collection/Weisberg%20Subject%20Index%20Files/C%20Disk/CIA%20Reporters%20New%20York%20Times%20Series%2012-25-77/Item%2003.pdf,

Worldwide Propaganda Network Built by the CIA”, veröffentlicht von The New York Times am 26. Dezember 1977, online unter:

http://jfk.hood.edu/Collection/Weisberg%20Subject%20Index%20Files/C%20Disk/CIA%20Reporters%20New%20York%20Times%20Series%2012-25-77/Item%2007.pdf,

CIA Established Many Links To Journalists in US and Abroad”, veröffentlicht von The New York Times am 27. Dezember 1977, online unter:

http://jfk.hood.edu/Collection/Weisberg%20Subject%20Index%20Files/C%20Disk/CIA%20Reporters%20New%20York%20Times%20Series%2012-25-77/Item%2001.pdf

Für die heutige Verwendung von Journalisten durch die CIA siehe Nicholas Schou: “Spooked: How the CIA Manipulates the Media and Hoodwinks Hollywood”,  Hot Books, 2016.

(57) Siehe “CIA Documents: Task Force Report on Greater CIA Openness”, veröffentlicht auf NameBase unter: http://www.namebase.org/foia/pa01.html, bzw. “Task Force on Greater CIA Openess”, veröffentlicht von National Security Archive unter: http://www.gwu.edu/~nsarchiv/NSAEBB/ciacase/EXB.pdf

(58) Murray N. Rothbard: “The Anatomy of the State”, Rampart Journal of Individualist Thought, Sommer 1965. Wiederveröffentlicht in “Egalitarianism as a Revolt Against Nature and Other Essays“, Libertarian Review Press, 1974, online unter: http://www.mises.org/easaran/chap3.asp

(59) David Coady (Hrsg): “Conspiracy Theories: The Philosophical Debate”, Ashgate Publishing Company, Burlington, 2006, Seite 10. Weitere Philosophen, der sich mit dem Phänomen der Verschwörungstheorie beschäftigten, wären beispielsweise Theodor W. Adorno („Meinung, Wahn, Gesellschaft“) und Slavoj Žižek („Enjoy your Symptom!“ bzw. „The Big Other Doesn’t Exist“).

In den Kognitionswissenschaften hat sich bei der Auseinandersetzung mit dem Phänomen des verschwörungstheoretischen Denkens der Begriff des „cognitive mapping“ entwickelt, womit eine Welt-Orientierung gemeint ist, die darauf abzielt, die Fülle an Informationen, die auf uns tagtäglich einprasselt, auf ein verständliches, simplifiziertes, übersichtliches Maß zu reduzieren. Die Arbeiten des Psychologen Viren Swami legen zum Beispiel nahe, dass insbesondere solche Menschen Verschwörungstheorien anhängen, die angesichts dessen, was in der Welt geschieht, ein Gefühl der Machtlosigkeit überkommt. Außerdem gehe bei solchen Menschen der Glaube an eine Verschwörungstheorie mit dem Glauben an andere Verschwörungstheorien einher. Für die Psychologen Michael J. Wood und Karen M. Douglas basiert die verschwörungstheoretische Weltsicht zumeist auf einer grundlegend ablehnenden Attitüde; Menschen, die Verschwörungstheorien vertreten, sind im Vergleich zu „konventionell-denkenden Menschen“ eher skeptisch veranlagt. Siehe dazu Viren Swami: “Social Psychological Origins of Conspiracy Theories: The Case of the Jewish Conspiracy Theory in Malaysia”, veröffentlicht auf Frontiers in Psychology am 6. August 2012 unter: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3412387/. Siehe des Weiteren Michael J. Wood / Karen M. Douglas: “’What about building 7?’ A social psychological study of online discussion of 9/11 conspiracy theories”, veröffentlicht auf Frontiers in Psychology am 8. Juli 2013 unter:

http://journal.frontiersin.org/Journal/10.3389/fpsyg.2013.00409/full

In Sachen  Verschwörungstheorien und ihren charakteristischen Elementen hob der Soziologiegelehrte Hans-Jürgen Krysmanski im Jahre 2004 gegenüber dem Fernsehsender ARTE hervor, dass diese „immer etwas mit Herrschaft und Macht zu tun“ hätten. „Von da her würde ich erst einmal unterscheiden zwischen Verschwörungstheorien der Herrschenden (die sich ‚von unten’ bedroht fühlen) und Verschwörungstheorien der Beherrschten (die sich ein Bild von den Machenschaften ‚derer da oben’ machen wollen). In beiden Fällen gründen diese Theorien auf dem völlig verständlichen Verdacht, dass bei Machtangelegenheiten, ob in der Wirtschaft oder in der Politik, geheime Netzwerke, Intrigen, Absprachen usw. eine Rolle spielen. Heute kommt etwas weiteres hinzu. Die Welt ist so komplex geworden, dass die politischen und ökonomischen Zusammenhänge selbst von den Herrschenden – den Politikern, den Konzernmanagern, den Denkfabriken der Superreichen – nicht mehr durchschaut werden können. Da hilft dann eine Erkenntnishaltung, die man den ‚allgemeinen Verschwörungsverdacht’ nennen könnte. Dies ist eine durchaus nützliche Haltung des ‚Hinterfragens’ der anderen Seite (derer da unten, derer da oben).“

Nach den Auffassungen von Krysmanski empfiehlt es sich, „Verschwörungstheorien …   immer im Plural ein(zu)setzen, also mehrere parat (zu) halten. Dann befreien sie die Fantasie, dann können sie eine Stufe zur Erkenntnis sein, zu wirklichen Theorien über die Handlungen der Mächtigen. … Unseriöse Verschwörungstheoretiker argumentieren monokausal, sie verkünden, statt zu diskutieren. Auch kümmern sie sich nicht um mögliche alternative Erklärungsansätze. Vor allem sind sie nicht an einer kritischen Auswertung der Belege und Quellen interessiert, machen die Grenze zwischen Wissen und Vermutung nicht deutlich. Der Mangel an seriösen Informationen geht aber letztlich auf den geradezu skandalösen Verzicht etablierter Wissenschaftler – z.B. aus der Soziologie, Politikwissenschaft, Rechtswissenschaft – zurück, sich mit den meist legitimen und interessanten Fragen zu beschäftigen, welche nicht nur die Verschwörungstheoretiker, sondern auch die Normalbürger umtreiben. Die Menschen wollen wissen, was hinter den Kulissen passiert. Im übrigen sollte man immer aufmerken, wenn am lautesten gerufen wird: das ist eine Verschwörungstheorie! Dann hat sie meist ein Zipfelchen der Wahrheit erfasst.“

Zur Frage, ob Verschwörungstheorien eine Modeerscheinung darstellen, meinte Krysmanski:

„Verschwörungstheorien wird es geben, so lange es Macht und Herrschaft und damit auch geheime, nicht-öffentliche Bereiche der Gesellschaft, Politik und Wirtschaft gibt. Je mehr Demokratie gewagt und der Wissensdurst der Menschen befriedigt wird, umso schneller werden Verschwörungstheorien überflüssig. Bis dahin aber, schreibt der berühmte US-amerikanische Medien- und Literaturwissenschaftler Fredric Jameson, wird die narrative Struktur des Verschwörungsmotivs unsere politische Neugier an unserer eigenen anti-politischen Zensur vorbeischmuggeln und es uns erlauben, auf einer tieferen Ebene unserer kollektiven Fantasie ,das Weltsystem als solches’ zu denken.“

Vgl. hierzu ARTE-Sendung „Verschwörungstheorien: Das jüngste Gerücht“, gesendet am 13. April 2004.

Die erkenntnistheoretischen Strukturmerkmale von Konspirationsvorstellungen untersucht Karl Hepfner, Privatdozent für Philosophie an der Universität Erfurt. Er sieht eine Notwendigkeit, sich mit „Verschwörungstheorien“ in der Tat erkenntnistheoretisch zu befassen. Erstens gäbe es „kein Argument, um sie pauschal zu widerlegen“; zweitens ergäbe „die Beschäftigung mit dem Aufbau und den theoretischen Strukturmerkmalen von Verschwörungstheorien (…) eine Reihe interessanter Einsichten auch für unsere gewöhnliche Theoriebildung“; und drittens erlaube „die theoretische Analyse (…) eine Standortbestimmung des individuellen und des kollektiven Bewusstseins.“ Vgl. Karl Hepfner: „Verschwörungstheorien – Eine philosophische Kritik der Unvernunft“, Transcript Verlag, Bielefeld, 2015, Seite 144.

(60) Michael Parenti: “The Sword And The Dollar – Imperialism, Revolution, and the Arms Race”, St. Martin’s Press, New York, 1989, Seite 195.

(61) Siehe Mathias Bröckers: „JFK – Staatsstreich in Amerika“, Westend Verlag, Frankfurt a. M., 2013, Seite 8-9. Bröckers bezieht sich hier auf das CIA-Memo “Countering Criticism of the Warren Report“ vom 4. Januar 1967.

(62) James F. Tracy: “’Conspiracy Theory’: Foundations of a Weaponized Term”, veröffentlicht von Global Research am 22. Januar 2013 unter:

http://www.globalresearch.ca/conspiracy-theory-foundations-of-a-weaponized-term/5319708?print=1

(63) Vgl. Kevin Ryan: “Another Nineteen“, a.a.O., Seite 11.

(64) Siehe Peter Dale Scott: “Deep Politics and the Death of JFK“, Seite xi

(65) Vgl. Peter Dale Scott: “The Assassinations of the 1960s as ’Deep Events’”, veröffentlicht auf 911Truth.org am 27. Oktober 2008 unter: http://www.911truth.org/the-assassinations-of-the-1960s-as-deep-events/

(66) Jeff Kaye: “DoD Whistleblower: Documents Show Intel Withheld from 9/11 Congressional Investigators”, veröffentlicht auf Firedoglake am 13. Juni 2011 unter: http://my.firedoglake.com/valtin/2011/06/13/dod-whistleblower-documents-show-intelwithheld-from-911-congressional-investigators/

(67) Vgl. James W. Douglass: “JFK and the Unspeakable. Why He Died and Why It Matters“, Simon and Schuster, 2008, und E. Martin Schotz: “History Will not Absolve Us: Orwellian Control, Public Denial, and the Murder of President Kennedy“, Kurtz, Ulmer & Delucia, 1996.

(68) Für den kompletten Text von John F. Kennedys Rede siehe Lars Schall: “Meet the Press“, veröffentlicht auf LarsSchall.com am 13. Oktober 2010 unter: http://www.larsschall.com/2010/10/13/meet-the-press/

(69) Vgl. ebd.

(70) Paul Schreyer: „Wer regiert das Geld – Banken, Demokratie und Täuschung“, Westend Verlag, Frankfurt a.M., 2016, Seite 85.

(71) Lars Schall: „Der Klang der Stille in Hochschulen in Verbindung mit 9/11“, Interview mit Adnan Zuberi, veröffentlicht am 7. März 2014 unter:

Der Klang der Stille in Hochschulen in Verbindung mit 9/11

(72) ”General foresees ‘generational war’ against terrorism“, veröffentlicht von The Washington Times am 13. Dezember 2006 unter:

http://www.washingtontimes.com/news/2006/dec/13/20061213-010657-5560r/?page=all

(73) Unabhängig begutachtete Abhandlungen zu kritischen Betrachtungen zu 9/11, veröffentlicht auf der Website 9/11 in the Academic Community, sind hier zu finden: http://911inacademia.com/journal-papers/

(74) Noam Chomsky: ”9-11“, Seven Stories Press, New York, 2002, Seiten 120-121.

(75) Matthew L. Wald: ”F.A.A. Official Scrapped Tape of 9/11 Controllers’ Statements“, veröffentlicht von The New York Times am 6. Mai 2004 unter: http://www.nytimes.com/2004/05/06/national/06CND-TAPE.html

(76) Vgl. Robert F. Kennedy: “Day of Affirmation“, Rede an der Universität Kapstadt in Südafrika am 6. Juni 1966, online zu finden unter: http://www.rfksafilm.org/html/speeches/unicape.php

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