Die Woche im Rückspiegel betrachtet

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Jede Woche am Sonntag stelle ich eine Auslese der zehn bemerkenswertesten Geschichten und Veröffentlichungen vor, über die ich bei meinen Streifzügen durch die Tiefen und Weiten des weltumspannenden Informationsnetzes gestolpert bin.

Von Lars Schall

Geneigte Leserin, geneigter Leser,

willkommen bei Die Woche im Rückspiegel betrachtet. Mit diesem Format möchte ich Ihnen immer wieder des Sonntags im Schnelldurchlauf Geschichten und Veröffentlichungen zu 10 Themenbereichen präsentieren, die mir im Laufe der jeweils vorangegangenen Woche als wie auch immer beachtenswert auffielen.

Und damit ohne weiteren Aufhebens zu den…

TOP 10-LINKS DER WOCHE

Auf Platz 10 bin ich über einige Umwege zu einer Erörterung der berühmten “Burgunderszene“ im Zweiten Pariser Tagebuch von Ernst Jünger vorgestoßen.

Stellen Sie sich vor, Paris wird Ende Mai 1944 bombardiert, und der Beobachter Jünger notiert darüber: “Beim zweiten Mal, bei Sonnenuntergang, hielt ich ein Glas Burgunder, in dem Erdbeeren schwammen, in der Hand. Die Stadt mit ihren roten Kuppeln und Türmen lag in gewaltiger Schönheit, gleich einem Kelche, der zu tödlicher Befruchtung überflogen wird. Alles war Schauspiel, war reine, vom Schmerz bejahte und überhöhte Macht.“

Das besitzt freilich Schmiss, und für manche viel zu viel davon, wie Sie hier unter “Kristallisation“ erläutert bekommen, wenn Sie sich denn für ästhetische Erwägungen erwärmen können.

Auf Platz 9 erklärten die USA dem Dt. Reich diese Woche vor 100 Jahren den Krieg. Wie das in US-Zeitungen aussah, erblicken Sie hier, hier und hier.

Des Weiteren könnte Sie zum Thema dieses hier interessieren.

Auf Platz 8 hat Pepsi neulich einen Werbespot produziert, der so schlecht ist, dass er schon wieder schlecht ist – was hier ein kurzes Thema in Toronto, Kanada darstellt. Der Tweet der Tochter von Dr. Martin Luther King, der Ihnen gezeigt werden wird, ist dagegen Top of the Pops, und entsprechend verlinke ich hier direkt darauf.

Auf Platz 7 machte ich mich für gewisse Buch-Recherchen mit drei Veröffentlichungen aus dem Jahre 2001 vertraut.

Laut Juan C. Zarate, Autor dieses Buches hier, soll sich die Terrororganisation Al Qaida  “für die 9/11-Anschläge“ auf ihre “bewährten Finanzierungsnetze“ gestützt haben. Über die “bewährten Finanzierungsnetze“ vermag vermerkt zu werden, dass diese vor 9/11 durchaus nicht unbekannt waren. Im Februar 2001 wurde von United Press International berichtet, dass in Geheimdokumenten, die von der CIA und den Ministerien für Auswärtiges und Finanzen geteilt wurden, eine vollständige Abbildung der finanziellen und operativen Netzwerke von Osama bin Laden vorlag, wobei ein Großteil der Detailarbeiten daran bis Mitte 1997 abgeschlossen war – siehe hier. Richard Palmer, ehemals Leiter der CIA in Moskau, sagte wenige Tage nach 9/11 mit Blick auf Al Qaida: “Wir hätten die Organisation verhungern lassen können, wenn wir uns darum gekümmert hätten. Die Regierung hatte seit einiger Zeit die Möglichkeit, diese Konten zu verfolgen.“ Siehe hier. Und einige Monate später hieß es in der New York Times schließlich, die US-Regierung habe zum Zeitpunkt der 9/11-Anschläge eine ganze Menge an Informationen zu Al Qaidas Finanzen entwickelt, nur seien diese unter den Behörden nicht weithin geteilt worden – siehe hier.

Auf Platz 6 wird hier bei der “Welt“ aus dem Hause Springer die Forderung nach einem “deutschen FBI“ gestellt. Man muss ja all dem Terror Herr werden…

Auf Platz 5 vernehmen wir hier zur Bankenregulierung einigermaßen überraschende Töne aus „Trumpland“, wohingegen hier Gedanken zu gewissen Anreizen in der Bankenbranche angestellt werden.

Ansonsten scheint die derzeitige Ausrichtung der US-Federal Reserve recht günstig für Gold gelagert zu sein – was uns Michael Kosares hier mitteilt.

Auf Platz 4 geschah neulich, wie ich erst jetzt erfuhr, etwas ziemlich Ungewöhnliches: eine westliche Mainstream-Publikation brachte es tatsächlich fertig, im Zusammenhang mit dem Terminus “Deep State“ den Namen Peter Dale Scott fallen zu lassen – und zwar geschah dies in dieser Tageszeitung hier, die in Australiens Hauptstadt erscheint.

Auf Platz 3 verdichten sich die Anzeichen für ein Atomkriegsabenteuer erster Güte rund um Nord-Korea – siehe hier und hier.

Auf Platz 2 griff “Trumpland“ also einen syrischen Militärflughafen als Vergeltung für einen Chemiewaffeneinsatz in Chan Schaichun an, der dem Assad-Regime zu Lasten gelegt wurde. Zwei US-Zerstörer im Mittelmeer feuerten 59 Tomahawk-Marschflugkörper ab, nachdem Tage zuvor noch davon die Rede war, die USA würden offiziell von ihrer bisherigen Regimewechsel-Forderung abrücken. (Siehe hier.) US-Außenminister Rex Tillerson hatte die Auskunft gegeben, Assads Zukunft „wird vom syrischen Volk entschieden“, (hier) und auch mehrere andere Mitglieder der Regierung Trump erklärten, „Assads Entfernung von der Macht wäre keine US-Priorität mehr, was die Empörung von Assad-Kritikern in den USA und im Ausland nach sich zog.“  Trump sagte bei einer Pressekonferenz des Weißen Hauses, der Gasangriff vom 4. April 2017 habe allerdings eine „große Wirkung“ auf ihn ausgeübt. „Meine Haltung zu Syrien und Assad hat sich sehr geändert“, fügte Trump hinzu. (Siehe hier.)

Zum Zeitpunkt, als der Chemiewaffenangriff geschah, sahen sich „die syrische Armee und ihre Verbündeten in einer komfortablen Position“, indem sie „quer durchs Land Fortschritte“ erzielten und verlorene Gebiete rund um Hama zurückeroberten. Warum also sollte die syrische Armee ausgerechnet in dieser für sie günstigen Lage „auf die Verwendung von Chemiewaffen zurückgreifen? Es ist eine sehr einfache Frage ohne klare Antwort. Es widersetzt sich jeder Logik, dass die syrische Regierung am Vorabend einer Syrien-Konferenz in Brüssel und eine Woche vor der Wiederaufnahme von Friedensverhandlungen ungeniert chemische Waffen verwenden würde.“ (Siehe hier)

Im Vorfeld des anschließenden US-Angriffs auf die Luftwaffenbasis Schairat in der Nähe von Homs hatte Peter Ford, der britische Botschafter in Syrien von 2003 bis 2006, während eines Interviews zu verstehen gegeben: „Wenn die Dschihadisten die Aufgabe von Trump, die Politik Amerikas vernünftiger zu gestalten, schwieriger machen wollten, wären sie das nicht anders angegangen, als zu versuchen, zu einem Stück Fake-News wie diesem beizutragen.“ All jene, die einen militärischen Eingriff der USA forderten, verglich Ford mit „Hunden, die ihr Gespeites wieder fressen“. (Siehe hier)

So ganz sicher darüber, wer was gemacht hat, konnte man sich eigentlich nicht sein – wie hier nahegelegt wurde. Gleichwohl wusste man auf bestimmter Seite genug, um alte Muster zu bemühen – wie sich hier begutachten lässt.

Natürlich wurde in dieser Woche wieder an den Chemiewaffenangriff vom 21. August 2013 in der Nähe von Damaskus erinnert. Dazu kramte ich Ihnen fünf Veröffentlichungen heraus – siehe hier, hier, hier, hier und hier.

Über einen Bericht von IHS Conflict Monitor, der sich der Benutzung von Chemiewaffen durch den IS widmete, können Sie sich hier erkundigen.

Unterdessen hat Russland auf den US-Angriff reagiert, worüber Sie hier ins Bild gesetzt werden.

Hier sehen Sie einen absurd-lustigen TV-Moment auf CNN zum Thema, und hier macht sich der Schatten von Heinz Alfred Kissinger breit.

Abschließend sei hier von Stephen F. Cohen und John Batchelor an den Mut von Yevgeny Yevtushenko erinnert, der da sagte: “Wenn die Wahrheit vom Schweigen ersetzt wird, ist das Schweigen die Lüge.“

Und auf Platz 1 stellte ich dieser Tage fest, welches Vergnügen es bereitet, Hannah Arendt hier beim Vortrag ihres überaus wichtigen Essays “Wahrheit und Politik“ zuhören zu dürfen.

Zuletzt noch das Musikstück der Woche: ANTON BRUCKNER / SERGIU CELIBIDACHE – 9. Symphonie, 3. Satz.

In dem Sinne, ganz der Ihre,

Lars Schall.

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