JFK und „Operation Walküre“, Teil 1

Empfehlen / Bookmarken

In einem längeren Recherchebericht schildert Lars Schall u.a. einen Fall von Insiderhandel im Zusammenhang mit dem JFK-Attentat; besucht den Texas School Book Depository-Gebäude-Besitzer D.H. Byrd auf Safari in Portugiesisch-Ostafrika; verfolgt die Spuren eines legendären deutschen Großwildjägers; und schaut sich Gerichtsakten über zwei FOIA-Fälle an, die aktuell im US-Bundesgericht in Washington DC verhandelt werden.

Von Lars Schall

Achtung: Es handelt sich bei dem Zweiteiler „JFK und ,Operation Walküre‘“ um eine sich entwickelnde Recherche im nachfolgenden Sinne: a) geht es u.a. um Gerichtsfälle, die im US-Bundesgericht in Washington DC aktuell verhandelt werden, und b) wurden zwei wissenschaftliche Studien zwar in Bestellung gegeben, sind aber noch nicht angekommen – und konnten somit noch nicht ausgewertet werden.

Der zweite Teil von „JFK und ,Operation Walküre‘“ erscheint am Freitag, den 24. November 2017. Den gesamten ersten Teil können Sie hier mit Quellenangaben als PDF-Dokument herunterladen.

JFK und „Operation Walküre“, Teil 1

We’re heading into nut country today.”

John F. Kennedy, am Morgen des 22. November 1963. (1)

JFK, LTV & Vietnam

Lee Harvey Oswald, der bis heute offiziell als allein verantwortlicher Mörder von John F. Kennedy gilt (obwohl u. a. eine Untersuchung des US-Repräsentantenhauses zum Ergebnis kam, dass das Attentat vom 22. November 1963 in Dallas, Texas wahrscheinlich das „Resultat einer Verschwörung“ gewesen sei (2)), soll die tödlichen Schüsse auf den 35. Präsidenten der USA vom sechsten Stockwerk des Texas School Book Depository aus abgefeuert haben, indem er ein altes italienisches Mannlicher-Carcano-Gewehr (Modell 91/38) benutzte. (3)

Zum Zeitpunkt des Kennedy-Attentats befand sich das Texas School Book Depository (TSBD) im Besitz des texanischen Rohölproduzenten David Harold Byrd. (4) Nach Darstellung des offiziellen Untersuchungskommissionsberichts zum Kennedy-Mord, dem Warren-Report, feuerte Oswald drei Schüsse ab, als die Ford Lincoln-Limousine, in der Kennedy mit Entourage saß, direkt vor dem Gebäude auf der Elm Street fuhr. Durch Vermittlung einer Bekannten (Ruth Paine) hatte Oswald zuvor am 13. Oktober 1963 eine Anstellung im TSBD gefunden, welches unter anderem als Lagerort für Schulbücher des Bundesstaates Texas genutzt wurde.

Im September 1941 zählte D.H. Byrd zu den Mitbegründern der Civil Air Patrol (CAP) in Texas. (5)  Drei Jahre darauf initiierte er die B-H Drilling Corporation und die Byrd Oil Corporation (letztere ging später in den Besitz von Mobil Oil über). Mit dem Erlös, den der Verkauf der 1952 von Byrd gegründeten Three States Natural Gas Company einbrachte, wurde die Firma Temco Aircraft auf den Weg gebracht. Temco Aircraft ging 1961 mit der Chance Vought Corporation zusammen, deren Eigentümer James Ling war. Fortan hieß der Unternehmenszusammenschluss Ling-Temco-Vought (LTV).

Anfang November 1963 kauften D.H. Byrd und James Ling ein Aktienpaket ihres eigenen Rüstungsunternehmens LTV im Wert von zwei Millionen Dollar. Im Februar 1964 erhielt LTV den ersten großen Rüstungsauftrag, der von der neuen US-Regierung unter Lyndon B. Johnson vergeben wurde, und zwar „für ein Kampfflugzeug, das für beschränkte Auseinandersetzungen wie dem Vietnamkrieg konzipiert war.“ (6) Einer Berechnung von Peter Dale Scott zufolge waren die im November 1963 für 2 Millionen Dollar gekauften LTV-Aktien gegen Ende des Jahres 1967 ungefähr 26 Millionen Dollar wert. (7) Der Aktienerwerb Anfang November „beweist nicht, dass Byrd und Ling direkt in die Ermordung Kennedys involviert waren“, meint Scott, „aber es mag ein Hinweis darauf sein, dass Byrd andeutungsweise wusste, was vor sich ging.“ (8) Entgegen anderslautender Auffassungen „gab es vereinzelte Hinweise darauf, dass einige Leute im Voraus Kenntnis von der Ermordung Kennedys hatten. Dies lässt sich aber nur schwer mit der Feststellung der Warren-Kommission vereinbaren“ – wonach der als Einzelgänger beschriebene Oswald „alleine gehandelt haben soll.“ (9)

In einer persönlichen Mitteilung erklärte mir Peter Dale Scott, dass die LTV-Aktien über Omega Corp. gekauft worden seien, und Lings Beteiligung habe den Vorgang zu einem Insiderhandel gemacht. Sowohl Ling als auch Byrd hätten den Kauf bis ins nächste Jahr hinein nicht gemeldet, was ein Gesetzesverstoß gewesen sei. (10)

Den Rüstungsauftrag, den LTV Anfang 1964 erhielt, hätte es ohne die Mordtat von Dallas im November 1963 wohl kaum gegeben. Immerhin geschah die eigentliche Eskalation der kriegerischen Gewalt in Vietnam erst nach der Absetzung und Hinrichtung des südvietnamesischen Präsidenten Ngo Dinh Diem und der (niemals wirklich erschöpfend aufgeklärten) Ermordung John F. Kennedys – beides geschehen innerhalb weniger Wochen im November 1963. Kennedy hatte sich beharrlich dem Drängen seiner militärischen Berater widersetzt, amerikanische Bodentruppen nach Vietnam zu entsenden. Ja, er hatte sogar Wochen vor seiner Ermordung im National Security Action Memorandum 263 vom 11. Oktober 1963 einen kompletten Rückzug der in Vietnam vorhandenen US-Militärkräfte bis zum Ende des Jahres 1965 eingeleitet. (11)

Dazu sollte es nicht kommen. Ganz im Gegenteil: bereits vier Tage nach Kennedys Ermordung machte sein Amtsnachfolger Lyndon B. Johnson das NSAM 263 kraft des NSAM 273 rückgängig. (12) Weiterhin ist zu beachten, dass Johnson zwar im Wahlkampf 1964 gegen Senator Barry Goldwater als der „Friedenskandidat“ auftrat; hinter den Kulissen machte er allerdings frühzeitig deutlich, dass seine Rhetorik der „Friedensliebe“ eine Täuschung gegenüber der Öffentlichkeit war. Bei einem Empfang im Weißen Haus zu Heiligabend 1963 soll Johnson den Joint Chiefs of Staff versprochen haben: „Lassen mich nur gewählt werden, und dann bekommen Sie Ihren Krieg.“ (13)

Statt also die Angehörigen der US-Armee aus Vietnam abzuziehen, wie von Kennedy vorgesehen, gedachte Johnson in die exakte Gegenrichtung zu marschieren. Zum selbst-fabrizierten Anlass gedieh der sogenannte „Zwischenfall von Tonkin“. Hiermit werden „Ereignisse“ beschrieben, wonach es im August 1964 angeblich zu „unprovozierten Angriffen“ von nordvietnamesischen Schnellbooten auf das US-Kriegsschiff „Maddox“ gekommen sei. US-Verteidigungsminister McNamara erzählte der amerikanischen Öffentlichkeit in den folgenden Tagen bewusst die Unwahrheit: „,Während einer routinemäßigen Patroullie in internationalen Gewässern,´ sagte McNamara, ,wurde der US-Zerstörer Maddox unprovoziert angegriffen.´ Später stellte sich heraus, dass die Episode am Golf von Tonkin eine Inszenierung gewesen war und dass höchste amerikanische Regierungskreise die Öffentlichkeit belogen hatten. In Wirklichkeit hatte die CIA im Rahmen eines Kommandounternehmens nordvietnamesische Küstenanlagen angegriffen – wenn es also einen Angriff gegeben haben sollte, wäre er nicht ,unprovoziert´ gewesen. Es war keine ,routinemäßige Patrouille´, denn die Maddox befand sich auf spezieller Mission zur elektronischen Spionage. Und sie befand sich nicht in internationalen Gewässern, sondern in vietnamesischen Hoheitsgewässern. Es stellte sich heraus, dass keine Torpedos auf die Maddox abgefeuert worden waren, wie McNamara behauptet hatte.” (14)

Das Ergebnis des „Zwischenfalls von Tonkin“, über dessen wahren Hintergrund offensichtlich sogar US-Präsident Johnson hinters Licht geführt wurde, (15) dürfte dem militärisch-industriellen Komplex in den USA extrem zugesagt haben: das US-Repräsentantenhaus verabschiedete eine Resolution, der US-Senat bestätigte diese Resolution, und Präsident Johnson ward fortan dazu ermächtigt, große militärische Einsätze in Südostasien durchzuführen. Es will dünken, als ob die Warnung von Präsident Eisenhower vor dem militärisch-industriellen Komplex, die er zum Abschied aus dem Weißen Haus im Januar 1961 ausgedrückt hatte, damit zur Realität geworden wäre, zumal Eisenhower, wie Kennedy nach ihm, während seiner Amtszeit einer Ausdehnung der Kampfhandlungen in Vietnam (und Laos) sehr reserviert begegnete. Der Führungsclique des US-Militärs, so legte später Daniel Ellsberg nahe, war das nachfolgende Scheitern der Vereinigten Staaten im Vietnamkrieg bereits im Vorhinein bewusst. (16)

Unter militärisch-industrieller Komplex wiederum ist die enge Zusammenarbeit und gegenseitige Verflechtung von Militär / Staat, Rüstungsfirmen, Forschungseinrichtungen und Schwerindustrie gemeint, wozu freilich Geheimdienste, Großbanken und Technologieunternehmen auch ihren jeweiligen Teil beitragen – ein Amalgam, dem Kennedy während seiner Amtszeit im Weißen Haus heftige Probleme bereitete. (17)

Eine starke Rüstungsindustrie hatte sich in den USA anlässlich des Zweiten Weltkriegs entwickelt. Zu der Zeit war Washington für über 90% aller Investitionen zuständig, ungefähr 50 % der Gesamtproduktion gingen auf die Rüstungsindustrie zurück, und die Investitionsgüterindustrie lief auf Hochtouren. Eine stattliche Anzahl der dabei aufgebauten Rüstungsbetriebe ging nach dem Zweiten Weltkrieg in private Hand über. Darüber hinaus konnten weitere, schon zuvor gut aufgestellte Großkonzerne beträchtliche Profite aus dem Krieg für sich herausschlagen:

„Es war ein von einer Regierung geführter Krieg, deren Hauptnutznießer – trotz einer Menge an Reformen – eine wohlhabende Elite war. Das Bündnis zwischen Großunternehmen und der Regierung ging zurück bis zu den ersten Vorschlägen Alexander Hamiltons an den Kongress nach dem Unabhängigkeitskrieg. Bis zum Zweiten Weltkrieg hatte sich diese Partnerschaft entwickelt und intensiviert. Während der Depression hatte Roosevelt einst die ,wirtschaftlichen Royalisten‘ verurteilt, aber er besaß stets die Unterstützung bestimmter wichtiger Wirtschaftsführer. Während des Krieges, wie Bruce Catton es von seinem Posten im War Production Board sah, ,(hatten) die wirtschaftlichen Royalisten, verurteilt und verspottet … jetzt einen Part zu spielen …. ‚

Catton (The War Lords of Washington) beschrieb den Prozess der industriellen Mobilisierung zur Fortführung des Krieges, und wie der Reichtum in diesem Prozess mehr und mehr in immer weniger Großunternehmen stärker konzentriert wurde. Im Jahre 1940 begannen die Vereinigten Staaten mit dem Versenden großer Mengen an Kriegsmaterial nach England und Frankreich. Bis 1941 wurden drei Viertel des Wertes der Militäraufträge von sechsundfünfzig Großunternehmen abgewickelt. Ein Bericht des Senats, ‘Economic Concentration and World War II’ (,Wirtschaftskonzentration und der Zweite Weltkrieg‘), stellte fest, dass die Regierung während des Krieges für die wissenschaftliche Forschung in der Industrie Verträge vergab, und obwohl zwar zweitausend Unternehmen beteiligt waren, gingen von der $ 1 Milliarde, die ausgegeben wurde, $ 400 Millionen an zehn Großunternehmen.“ (18)

Diese Beziehungen waren nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bis Anfang der 1960er Jahre soweit gediehen, dass sich der scheidende Präsident Dwight D. Eisenhower, selbst hochrangiger Weltkriegsmilitär, veranlasst sah, in seiner Abschiedsrede am 17. Januar 1961 von einem weiteren Anwachsen des militärisch-industriellen Komplexes ausdrücklich abzuraten:

„Zum ersten Mal, so warnte Eisenhower, drohe das Land unter die Dominanz einer mächtigen Allianz aus Militär und Rüstungsindustrie zu geraten. Schon jetzt seien dreieinhalb Millionen Arbeitsplätze von der militärischen Produktion abhängig, und die jährlichen Ausgaben für die nationale Sicherheit überstiegen die Nettoeinnahmen aller amerikanischen Unternehmen. ,Der wirtschaftliche, politische, sogar der geistige Einfluss ist in jeder Stadt, in jedem Staatsparlament, in jeder Bundesbehörde zu spüren’, konstatierte der Präsident und mahnte: ,Bei unseren politischen Entscheidungen müssen wir vor dem übertriebenen Einfluss des militärisch-industriellen Komplexes auf der Hut sein. Es besteht die Gefahr, dass unkontrollierte Macht desaströse Folgen haben könnte. Wir dürfen nicht zulassen, dass dieser Komplex unsere Freiheit und Demokratie bedroht.‘“ (19)

Der Verdacht liegt nahe, dass das Profitkalkül des militärisch-industriellen Komplexes mit der Ausweitung der Kriegshandlungen im Zuge des „Zwischenfalls von Tonkin“ obsiegt habe und nicht die Vernunft, welche gesagt hätte, dass dieser Krieg nicht zu gewinnen sein würde. Ferner dürfte sich die Entfesselung eines langen, nicht zu gewinnenden Krieges buchstäblich auf das Konto manchen Vertreters des „Eastern Establishment“ (Murray N. Rothbard) niedergeschlagen haben, da „die Rüstungsindustrie der für die New Yorker Banken interessanteste Bereich der US-Binnenwirtschaft (war). Der Rüstungsmarkt war naturgemäß kein ‚freier’, sondern ein politisch und staatlich kontrollierter Markt. Auf ihm ließen sich die Gewinnspannen mit Hilfe einer politischen Lobby oder – wie in den USA üblich – durch eingeschleuste Staatsbeamte aus der eigenen Firma trefflich festlegen. Deshalb erschien er den großen Verehrern der ‚freien Marktwirtschaft’ so interessant.“ (20)

Hinsichtlich Vietnam und Südostasien schwappten auch wieder Ideen hoch, die der Council on Foreign Relations (CFR) im Rahmen der von der Rockefeller Foundation finanzierten „War and Peace Studies“ im Zweiten Weltkrieg entwickelt hatte, wie mir der US-Historiker Laurence Shoup in einem Interview auseinandersetzte, als ich ihn diesbezüglich auf die Grand Area-Strategie ansprach.

Laurence Shoup: Südostasien wurde in dieser Grand Area-Strategie als eine Region gesehen, die eine sehr gute Ergänzung für die US-Wirtschaft war. Das war ihre Überlegung. Will heißen: Dort gab es Rohstoffe wie Zinn, Kautschuk und Wolfram, die die USA benötigten, und eines der Dinge, die sie in der Grand Area-Strategie betrachteten, waren ergänzende Handelszonen, damit die USA exportieren konnten – diese Kapitalisten sind immer daran interessiert, Exportmärkte und Rohstoffquellen zu finden, und (…) wie dies die US-Wirtschaft ergänzt. Somit müssen sie ihre einheimische Wirtschaft nicht verändern, weil sie exportieren und das, was sie brauchen, aus dem Ausland importieren können. Außenpolitik ist für diese Kapitalisten immer damit verbunden, zu Hause nichts ernsthaft ändern zu müssen, was ihre Macht untergraben könnte. Deswegen brauchen sie diese Auslandsmärkte. Das hat zum Vietnamkrieg geführt, den wir eigentlich den „Krieg der USA gegen Vietnam“ nennen müssten, denn genau das war es. Es war eine Aggression der USA in Vietnam und es gibt viele Bücher, die das deutlich machen.

In den späten 40er und Anfang der 50er Jahre gab es beim Council on Foreign Relations Studiengruppen, die präzise bestimmten, wie wichtig Südostasien für die USA war, und dass man deshalb die Expansion der dortigen Linken, repräsentiert durch die Nordvietnamesen, verhindern und ein Vasallenregime aufrechterhalten müsse, eine Neo-Kolonie in Südvietnam – und das war es, worum es im Vietnamkrieg ging; Nordvietnam wollte das Land gemäß dem Genfer Abkommen von 1954 vereinen, das besagte, dass Wahlen abgehalten werden sollten, um das Land zu einen. Die von den USA unterstützten Südvietnamesen wollten diese Wahl natürlich nicht, weil der nordvietnamesische Führer Ho Chi Minh sie gewinnen würde. Und weil sie die Wahl nicht wollten, untergruben sie sie, aber dann begannen die Südvietnamesen selbst gegen dieses neokoloniale Regime zu rebellieren. Sie mochten es nicht, weil es nicht dem Volk diente, sondern stattdessen den Imperialisten. Deshalb begannen sie, dagegen zu kämpfen, und Nordvietnam half ihnen. Dann traten die USA auf den Plan, und es begann der Vietnamkrieg. Doch seine Ursachen gehen zurück auf die War and Peace Studies und die Council-Studiengruppen der späten Vierziger und frühen Fünfziger Jahre, als man diese unterschiedlichen Personen versammelte, um Empfehlungen für die Politik auszusprechen. Und diese Empfehlungen werden fast immer an die Regierung geschickt und natürlich an die Amtsträger, die Verbindungen zum Council on Foreign Relations haben. (21)

Bemerkenswert ist ferner, dass der Vietnamkrieg einen deutlichen Öl-Bezug besaß. So kehrte Peter Dale Scott in einem Interview mir gegenüber hervor:

Peter Dale Scott: Ich würde sagen, dass jeder Krieg, den Amerika seit dem Zweiten Weltkrieg gekämpft hat, beginnend mit Korea, ein Krieg um natürliche Ressourcen im Ausland war. Es ist Nelson Rockefeller gewesen, der einen Bericht in den frühen 1950er Jahren verfasste und sagte, dass Amerika eine Wirtschaft besäße, die absolut abhängig von natürlichen Ressourcen im Ausland sei. (22) Öl ist ein sehr wichtiges Beispiel, aber nicht das einzige. In jenen Tagen hing Amerika von Naturkautschuk aus Südostasien ab, wo es Mineralien wie Wolfram und Zinn gab, die absolut notwendig für die Rüstungsindustrie waren, jedoch nicht in großen Mengen innerhalb der Vereinigten Staaten verfügbar sind.

Ich glaube, die Leute verstehen nicht, in welchem Umfang der Vietnam-Krieg um natürliche Ressourcen und um Öl geführt wurde. Die Leute sagen für gewöhnlich: Aber es gibt nicht viel Öl in Vietnam. Das war nicht der Punkt, es gab sehr viel Öl (und sie wussten es) jenseits der Küsten im Südchinesischen Meer und allen Gewässern zwischen Indonesien, Malaysia, Kambodscha und auch Vietnam. Die Off-Shore-Ressourcen werden nun von Mobil entwickelt. Mobil war der amerikanische Ölkonzern mit den geringsten Ressourcen – es hatte eine gute Vertriebsorganisation, aber es war nicht so reich an Ölreserven wie die anderen großen Ölkonzerne ausgestattet, und es war ein Haupt-Lobbyist für den Krieg in Vietnam.

Nach dem Kriegsende mussten die USA Vietnam verlassen, aber Mobil hat immer noch die Verträge mit der neuen Nachkriegs-Regierung von Vietnam für Offshore-Öl-Entwicklungen unterzeichnet. Um diese Zeit herum, wie man hätte vorhersehen können, hörte Amerika auf, ein Netto-Exporteur von Öl zu sein, und wurde zu einem Netto-Importeur von Öl – und natürlich ist das jetzt eine der Hauptquellen für unsere Zahlungsbilanzprobleme in diesem Land: dass wir so stark abhängig sind vom Öl aus dem Ausland. (23)

Zum Öl-Aspekt des Vietnamkriegs sei vielleicht noch angemerkt, dass Louis Wesseling, der damalige Chef von Shell in Vietnam, in seinem Buch Fuelling The War beschreibt, dass der Krieg ohne das kräftige Zutun der großen internationalen Ölkonzerne nicht hätte stattfinden können. Nicht nur sei das US-Militär mit Unmengen an Rohöl beliefert worden, sondern bisweilen auch die gegnerische Seite – um das einträgliche Geschäft, das dieser Krieg war, möglichst in die Länge zu ziehen. (24)

Auf Safari

Als auf John F. Kennedy am 22. November 1963 in Dallas tödliche Schüsse abgefeuert wurden, befand sich der Besitzer des Texas School Book Depository, von dem aus geschossen worden sein soll, weitab vom Geschehen an der Elm Street: David Harold Byrd weilte seit Anfang des Monats auf Safari in PortugiesischOstafrika (dem heutigen Mosambik). Er war Gast des deutschen Adligen Werner von Alvensleben, der nach dem Zweiten Weltkrieg „Safarilandia“ gegründet hatte – das „zweitgrößte Jagdunternehmen Afrikas, übertroffen nur von Ker, Downey & Selby aus Kenia.“ (25)

Werner von Alvensleben, nicht selten auch „the Baron” genannt, hielt sich daraufhin Ende 1963 / Anfang 1964 in Dallas auf – als Gast von D. H. Byrd. Der legendäre Großwildjäger aus uraltem Adelsgeschlecht ist bis heute bekannt für sein Können an der Mannlicher-Schönauer-Repetierbüchse, Modell 1903, einer herausgehobenen Variante des Mannlicher-Carcano-Gewehrs, das Lee Harvey Oswald als Tatwerkzeug verwendet haben soll. Bis zum heutigen Tage gilt das Mannlicher-Schönauer als “World‘s Finest Rifle“. (26) Einigen Angaben zufolge soll die Munition, die für das Mannlicher-Carcano verwendet wurde, praktisch identisch mit der gewesen sein, die für das Mannlicher-Schönauer benutzt wurde. (27) John J. McCloy, ein Mitglied der Warren-Kommission, befragte im Laufe der Kennedy-Mord-Untersuchung den Feuerwaffenexperten des FBI Robert A. Frazier, ob die Munition der beiden Gewehre austauschbar sein könne. Der FBI-Experte erwiderte, er wisse die Antwort nicht, da er mit dem Mannlicher-Schönauer-Gewehr nicht vertraut sei. McCloy sagte, er besitze selber ein Mannlicher-Schönauer. (28)

Für diesen Artikel schrieb ich eine Presseanfrage an Christian von Alvensleben, der Anfang der 1960er Jahre als junger Photograph auf dem „Safarilandia“-Jagdgelände seines Onkels arbeitete. Mein Schreiben, das D.H. Byrd erwähnte, lief letztlich auf die Frage hinaus: „Benutzte Werner von Alvensleben Jr. das Mannlicher-Schönauer-Gewehr als Waffe der Wahl beim Jagen während der Sechziger Jahre?“

Herr von Alvensleben antwortete mir: „Werner von Alvensleben besaß eine Mannlicher-Schönauer, Kaliber 6,5, die ich selbst in Händen hielt. Zu meiner Zeit hat WvA meines Wissens aber nicht mehr mit seiner Mannlicher und überhaupt nur noch sehr selten geschossen. Wenn er Jagdkunden begleitete, war sie aber in seinem Gepäck.

WvA nutzte die Regenzeit (Dezember-Februar) jährlich für Reisen und Besuche alter und neuer Kunden in Europa und in den USA. Er war im Übrigen nicht der alleinige Eigentümer von Safariland, sondern mehr der Geschäftsführer des Unternehmens.“

Christian von Alvensleben äußerte mir gegenüber dann die Vermutung eines deutschen Journalisten, der vor ca. 20 Jahren die damals von ihm geschossenen Photos gesehen hatte, nämlich dass die Safari-Tour, die D. H. Byrd zusammen mit Thomas May, einem texanischen Schulbuch-Verleger (und Kunden des TSBD), im November / Dezember 1963 in Mosambik unternahm, „eine ‚Alibi-Reise‘ gewesen sein könnte – Byrd und May könnten vom Plan des Attentats gewußt haben.“ (29)

Ehe D.H. Byrd und Thomas May auf dem „Safarilandia“-Jagdgelände ankamen, hielten sie sich zuvor in Kenia auf. Ihr Jagdpartner dort: General James Harold Doolittle. Dieser hatte 1954 von US-Präsident Eisenhower den Auftrag erhalten, eine streng geheime Studie über verdeckte CIA-Operationen durchzuführen. Der Doolittle-Bericht, der daraufhin entstand, forderte verstärkte CIA-Operationen und die Unterrichtung der US-Öffentlichkeit darüber, dass die amerikanischen Fairplay-Werte im Kalten Krieg entbehrt werden müssten („in einem solchen Spiel gibt es keine Regeln“). Der Doolittle-Bericht wünschte sich eine CIA, die – wenn nötig – „rücksichtsloser als ein rücksichtsloser Feind“ agiere. (30)

(PDF-Doolittle-Report 1954.)

Auf meine Frage hin, wo sein Onkel am 22. November 1963 gewesen sei, antwortete mir der Augenzeuge Christian von Alvensleben, der am fraglichen Tag vor Ort war: „In Safarilandia.“ (31)

Das italienische Mannlicher-Carcano-Gewehr, das Ex-Marinekorps-Mitglied Lee Harvey Oswald benutzt haben soll (Fucile di Fanteria, Modello 91/38), trug die Seriennummer C2766 und war auf Kaliber 6,5 x 52 mm eingerichtet. Es wurde 1940 in der königlich-italienischen Waffenfabrik in Terni hergestellt. Oswald soll es unter dem Pseudonym „A. Hidell“ über den Versandhandel bezogen haben, indem er auf ein Inserat antwortete, das in der Zeitschrift „American Rifleman“ erschienen war. Oswalds Kurzgewehr-Variante Modell 91/38, die acht Monate vor dem Attentat für 12,78 Dollar in Bestellung ging, „gilt als ,minderwertige militärische Waffe‘ (so das amerikanische ,Handbuch für militärische Handfeuerwaffen‘, ,Basic Manual of Military Small Arms‘).“ Seine Munition „war fast so alt wie das Gewehr, denn seit 1944 waren keine Patronen mehr für Mannlicher-Carcano-Gewehre hergestellt worden.“ (32) Zusammen mit dem Gewehr soll Oswald zudem ein japanisches No-Name vierfach Zielfernrohr bestellt haben (Preis: 7,17 Dollar), um es beim Attentat zu benutzen.

Die mit der Klärung des Kennedy-Mords beauftragte Warren-Kommission engagierte drei Meisterscharfschützen, um den Tathergang nachzustellen: drei Schüsse innerhalb von 5,6 bis 8 Sekunden auf ein sich bewegendes Ziel, davon zwei Treffer, einschließlich eines Treffers in den Kopf. „Die Warren-Kommission ließ ,das Gewehr unter den gleichen Bedingungen wie bei dem Mord … testen‘. So jedenfalls steht es im Warren-Report.“ (33)

In Wahrheit führte der Kommissionsbericht seine Leser mehrfach in die Irre:

– „Die Kommission hatte festgestellt, daß Oswald hinter einem Fenster im sechsten Stockwerk 18 Meter über dem Erdboden stand — die. Experten schossen von einem Turm, der ungefähr neun Meter hoch war.“

– „Die Kommission hatte festgestellt, daß Oswald auf ein sich bewegendes Ziel schoß — die Experten schossen auf stationäre Ziele.“

– „Die Kommission hatte festgestellt, daß der Präsident an Kopf und Hals getroffen wurde, wodurch das Zielgebiet eng umschrieben war — die Experten hatten ein beträchtlich größeres Ziel, und zwar den künstlich hergestellten Oberkörper eines Mannes einschließlich Kopf und Hals.“ (34)

Laut Warren-Kommission sollen Oswald „weniger als acht Zehntel einer Sekunde Zeit“ zur Verfügung gestanden haben, um den vorbeifahrenden Kennedy ins Visier zu nehmen und den ersten Schuss auf ihn abzugeben. Den Meisterschützen, die man für den Test aufbot, war es dagegen erlaubt, „sich beliebig viel Zeit zum Anvisieren des ersten Zieles“ zu nehmen. Darüber hinaus durften sie jeweils „drei Test-Schüsse zweimal abgeben, so daß insgesamt 18mal auf die drei stationären Testziele in 53, 73 und 81 Meter Entfernung gefeuert wurde.“ (35)

Das Fernrohr, das „A. Hidell“ bestellt hatte, erwies sich als eher hinderlich für das Attentat: „Als die Probeschüsse abgegeben wurden, konnte das Ziel mit dem Zielfernrohr nicht richtig anvisiert werden, da dieses die Grenze seiner Entfernungseinstellung bereits erreicht hatte, ehe noch ein richtiger Zielvorgang möglich war“, erklärte FBI-Chef J. Edgar Hoover der Warren-Kommission per Brief. (36) Bei dem Test waren die Präzisionsschützen somit gezwungen, „das Zielfernrohr des Gewehrs umzubauen und mit zwei oder drei Justierkeilen anzupassen.“ (37)

Im Endergebnis zeigte sich trotz der erleichterten Bedingungen nur einer der Scharfschützen in der Lage, „drei Schüsse in der vorgegebenen Zeit von 5,6 Sekunden abzufeuern. Und: Keiner der Experten traf auch nur ein einziges Mal den vergrößert dargestellten Kopf oder den Nacken der Zielpuppe.“ (38)

Dennoch stellte die Warren-Kommission in ihrem Abschlussbericht fest: „Die verschiedenen Versuche zeigten, daß das Mannlicher-Carcano-Gewehr genau war und daß die Verwendung eines Vierfach-Fernrohrs ein schnelles, genaues Feuern wesentlich erleichterte. Oswalds Scharfschuß-Ausbildung im Marinekorps … und seine erwiesene Vertrautheit mit dieser … Waffe zeigen, daß er in hohem Maße fähig war, den Mord zu begehen.“ (39)

An der Anwesenheit des deutschen Großwildjägers Werner von Alvensleben in Dallas zur Jahreswende 1963/64 auf Einladung von D.H. Byrd, dem Eigentümer des Texas School Book Depository, besteht kein Zweifel, insofern der Besuch in der lokalen Presse Niederschlag fand. So erschienen zumindest zwei „Post-Safari“-Berichte im Zusammenhang mit D.H. Byrd und Werner von Alvensleben in der Dallas Morning News – wovon sich der erste Artikel auf die Frau des “Baron from Mozambique“ konzentrierte. Unter der Überschrift “Young Huntress” („Junge Jägerin“) hieß es u.a.: „Hollywood hätte das Drehbuch nicht auswählen können: Ein deutscher Baron, der auf einem Grundstück, welches größer ist als Belgien, Safaris veranstaltet; seine schöne Frau, eine gebürtige Afrikanerin mit einer berühmten portugiesischen Familie im Hintergrund. Aber Baron und Baroness W.V. Alvensleben aus Lourenco Marques, Mosambik, sind real und in Dallas bei Col. D. Harold Byrd zu Gast, welcher vor drei Wochen von einer Jagd auf der riesigen Konzession 1.000 Kilometer nördlich der Hafenstadt Lourenco Marques nach Dallas zurückkehrte. Das Grundstück, welches von der portugiesischen Regierung gemietet wird, kann über ,holprige Straßen, die miserabel zu befahren sind‘ oder per ,Charterflugzeug – es gibt zwei Landebahnen‘ erreicht werden, sagt die olivhäutige Baronin.“ (40)

Im zweiten Artikel, “Baron Takes Look at Texas Hunters” („Baron wirft einen Blick auf texanische Jäger“), hieß es dann u.a.: „Baron von Alvensleben (,Nennen Sie mich einfach Werner‘, sagte er, als Col. Harold D. Byrd ihn vorstellte) arrangierte Byrds jüngste Afrika-Safari. Als Direktor von Safarilandia hat er schon viele Safaris arrangiert und viele amerikanische Jäger beobachtet. (…) Mosambik ist nicht klein, länger als Texas, 1.300 Meilen, obwohl nur 400 Meilen breit. Mittendrin das Grundstück, verpachtet an Safarilandia, Lda., 34.000 Quadratmeilen oder so groß wie die Schweiz, sagte der rotgesichtige Baron Just-Call-Me-Werner. Auf dem Grundstück, auf dem jährlich weniger als 10 Prozent des Wilds geschossen wird, liegt die Quote deutlich unter der natürlichen Zunahme und muss den Eingeborenen übergeben werden. Col. Byrd und Dr. V.A. Davidson aus Dallas haben in ein paar Wochen 26 verschiedene Tierarten erlegt.“ (41)

Insgesamt begab sich D.H. Byrd zweimal in seinem Leben auf Safari nach Afrika und er war bekannt für den Trophäen-Raum, den er sich in seiner Privatvilla einrichtete. In diesem Trophäenraum landete später auch das Fenster, von dem aus Lee Harvey Oswald im Texas School Book Depository auf John F. Kennedy geschossen haben soll: „Mr. Byrd erzählte Freunden, einschließlich des Präsidenten der Dallas Morning News zu jener Zeit, dass er das südöstliche Eckfenster still und leise entfernt und kurz eingelagert hatte. Später stellte er es in seinem Haus aus, wo es zum Mittelpunkt vieler gesellschaftlicher Zusammenkünfte wurde.“ (42)

Baron Just-Call-Me-Werner“

Obzwar er oftmals als solcher betitelt, beworben und angesprochen wurde, war Werner von Alvensleben kein „Baron“. Einem adeligen Hause entstammte er gleichwohl: Konstantin Bodo Alvo Werner von Alvensleben-Neugattersleben, so hieß der 1913 in Berlin geborene Safari-Unternehmer mit vollem Namen – und auf der Website der Familie v. Alvensleben e.V. lesen wir über diesen Familienzweig, dem der international bekannte „Baron in Africa“ angehörte: „In keinem Hause fließt so viel Alvenslebensches Blut wie in dem Hause Neugattersleben.“ (43)

Das Haus derer von Alvensleben geht bis ins 12. Jahrhundert zurück. Der Name des Geschlechts bezieht sich auf die in der Magdeburger Börde gelegene Burg Alvensleben (heute: Veltheimsburg), die sich seit jener Zeit im Familienbesitz befand. Das Haus Neugattersleben leitet seinen Namen vom Schloss Neugattersleben ab, welches ebenfalls in der Magdeburger Börde steht.

Die Tatsache, dass er „Baron“ genannt wurde, missfiel Werner von Alvensleben. Die familiären Gründe waren etwas verzwickt – denn einerseits war seinem Großvater vom Kaiser im Jahr 1902 der Grafentitel verliehen worden. Andererseits: „Der Titel war an das Familiengut Neugattersleben gebunden. Als erstgeborener Sohn wäre Werners Vater der natürliche Erbe von Gut und Titel gewesen.“ Doch der als „eigenwillig“ beschriebene Großvater „enterbte seinen Ältesten, machte Werners Onkel Bodo zum Grafen von Alvensleben und Werner blieb, was die Alvenslebens seit 1163 waren: niederer Adel. Kein Graf, kein Baron, ein schlichter ,von‘.“ Das Problem daran: „[W]ie erklärt man solche genealogischen Feinheiten einem Jäger aus Texas, der für teures Geld eine Safari beim ,Baron in Mozambique‘ gebucht hat? Der Baron klebte an Alvensleben wie Kaugummi an der Schuhsohle.“ Als „geschäftsschädigend“ erwies sich der „falsche Adelstitel“ des „Barons“ aber auch nicht: „Im Gegenteil.“ (44)

Noch etwas anderes missfiel Werner von Alvensleben, wenn er es hörte, nämlich Fragen nach seinem Vorleben „jenseits von Afrika“ – d. h.: ehe er die deutsche Heimat als Anfang Zwanzigjähriger hatte verlassen müssen und es ihn über Süd-Afrika und Rhodesien nach Portugiesisch Ost-Afrika verschlug.

Christian von Alvensleben bestätigte mir, dass sein Onkel praktisch nie mit ihm über seine Vergangenheit sprach. „Er hatte damit komplett abgeschlossen.“ Und: „Das Thema weckte in ihm nur bitterste Erinnerungen.“

Was gab es selbst Jahrzehnte später noch im sprichwörtlich „tiefsten Busch“ zu verschweigen? „Die Antwort blieb der große weiße Jäger schuldig. Sie ist schrecklich einfach und einfach schrecklich: Der junge Werner von Alvensleben war Nationalsozialist und SS-Scharführer. Er wurde am 21. November 1933 in Wien wegen Mittäterschaft bei einem Mordversuch zu drei Jahren schwerem Kerker verurteilt, ,verschärft durch ein hartes Lager vierteljährlich‘. So entschied der Schwurgerichtshof Wien unter Aktenzeichen 20 Vr 5267/33.“ (45)

Bei seinem Eintritt in die NSDAP (Mitgliedsnummer 925.323) am 1. Februar 1932 war Werner von Alvensleben gerade einmal 18 Jahre alt. Sein Vater, Werner von Alvensleben Senior, gehörte in der darnieder gehenden Weimarer Republik (ebenso wie sein Onkel Hans Bodo Graf von Alvensleben, der Gründer des „Deutschen Herrenklubs“) zu jenen Figuren, die im Hintergrund des politischen Geschehens eifrig Fäden zogen: Herr von Alvensleben Sen. war ein Vertrauter des Generals Kurt von Schleicher (Reichskanzler von Anfang Dezember 1932 bis Ende Januar 1933). Zudem zählte er Ernst Röhm, den Chef der NSDAP-Armee SA, und Heinrich Himmler, den Chef der SS, zu seinen Jagdfreunden (die Familie besaß ein Jagdrevier in Mecklenburg). Hermann Göring, Joseph Goebbels, ja selbst Adolf Hitler – sie alle waren „[i]n der herrschaftlichen Wohnung“, die sich die Eltern des Jung-Nationalsozialisten W.v.A. Jr. an der Magdeburger Straße in Berlin „mit ihren 14 Zimmern“ hielten, zu Gast. (46) Laut Auskunft von Christian von Alvensleben soll seine Großmutter nach dem Besuch von Hitler gesagt haben: „So einen schrecklichen Typen holen wir uns nie wieder ins Haus!“

Eine berühmte Szene, in der Werner von Alvensleben Sen. (zusammen mit Kurt Freiherr von Hammerstein-Equord, dem Chef der Dt. Reichswehr-Heeresleitung) auf Geheiß von General Schleicher eine prominente Rolle übernahm, trug sich am Vorabend der Machtübernahme Adolf Hitlers (30. Januar 1933) zu.

Wir lesen darüber:

In Potsdamer Kasinos ging das Wort um, die Armee müsse Hindenburg entmündigen, auch von einem Militärputsch war die Rede. Das ermunterte Schleicher am Nachmittag des 29. Januar, noch einmal aktiv zu werden, um die Berufung Papens zu verhindern.

Er schickte Hammerstein und einen seiner Konfidenten, Werner von Alvensleben, aus, die nationalsozialistischen Führer vor den ,Machenschaften‘ Papens zu warnen – wohl ein Manöver, um Hitler von Papen zu trennen und in die Arme der Reichswehr zu treiben, ein letzter verzweifelter Versuch, das alte Zähmungskonzept zu verwirklichen.

Hammerstein schreckte Hitler mit der Frage hoch, ob er sich eigentlich sicher sei, daß Papen mit ihm wirklich und nicht nur zum Schein verhandle. Andernfalls, setzte der General hinzu, werde er ,noch einmal versuchen, die Dinge zu beeinflussen‘. Hitler war offensichtlich verwirrt. Hammerstein stieß gleich mit der Frage nach, ob Hitler als Kanzler auch mit einem Reichswehrminister Schleicher zusammenarbeiten werde. Hitler nickte.

Dann stand schon der nächste Unglücksbote bereit, Hitler zu entnerven. Der saß gerade mit seinen engsten Gefährten bei Kaffee und Nußkuchen in der Wohnung von Goebbels am Reichskanzlerplatz, als Alvensleben mit dramatischen Putschgerüchten hereinplatzte.

Alvensleben ereiferte sich: ,Wenn die Gesellschaft in der Wilhelmstraße nur Scheinverhandlungen mit Ihnen führt, so müßte doch der Reichswehrminister und der Chef der Heeresleitung die Garnison Potsdam alarmieren und den ganzen Saustall aus der Wilhelmstraße rausfegen.‘

Putsch – das Stichwort versetzte die Nazis in Panik. Goebbels und Göring rannten los, um Meißner und Papen zu warnen, während es Hitler übernahm, die Nationalsozialisten der Stadt in Alarmzustand zu versetzen. Und schon eilte Alvensleben mit neuen Nachrichten herbei, die davon sprachen, jeden Augenblick könne die Armee losschlagen…“ (47)

Es wurde natürlich nicht geputscht, und so bekam Hitler am nächsten Morgen das Reichskanzleramt übertragen – mit Franz von Papen im Kabinett. General Schleicher blieb außen vor.

Der draufgängerisch veranlagte W.v.A. Jr., „…dessen gesamte bisherige Arbeit für die Allgemeinheit darin bestand, dass er zu den bekanntesten Berliner Lebemännern gehörte“, (48) schloss sich dem 5. Sturm der Münchener SS an, unter direkter Beobachtung von Heinrich Himmler, der „offensichtlich einen Narren am dem großen, blonden, blauäugigen Burschen gefressen“ hatte. In einem Brief an den besorgten Jagdfreund von Alvensleben Sen. hieß es: „Er ist ja im Grunde ein prachtvoller Kerl.“ (49)

W.v.A. Jr. brannte darauf, sich zu bewähren, und die Gelegenheit dazu bekam er alsbald im Sommer 1933. Ausgestattet mit einem falschen Pass, (den die Münchener Polizei unter Führung Himmlers auf den Namen Fritz Steigers ausstellte), überquerte er die Grenze zu Österreich. Sein Auftrag: die Ermordung des Austro-Faschisten Richard Steidle. Der Versuch, dem Anführer der Tiroler Heimwehr das Leben zu nehmen, scheiterte. W.v.A. Jr. musste das Land fluchtartig per Automobil verlassen. (50)

Ein paar Wochen später war W.v.A. Jr. einmal mehr mit Mord-Auftrag in Österreich. Doch zum Versuch, den Bundesminister Emil Fey zu töten, kam es diesmal erst gar nicht; der Attentäter wurde festgenommen, noch ehe das geplante Attentat ansatzweise geschehen konnte. (51)

W.v.A. Jr. trat eine Haftstrafe an, die bereits am 30. Dezember 1933 mit Begnadigung endete. „In München begrüßte sein alter SS-Sturm ihn freudig. Schon am nächsten Tag empfing SA-Chef Röhm die Familie Alvensleben zum Essen und fand in seiner Tischrede freundliche Worte für den Möchtegern-Mörder. Heinrich Himmler schickte ihm ein Telegramm: ,Reichfuehrer SS hat Urlaub des Scharfuehrers von Alvensleben bis 4. Maerz genehmigt.‘“ (52)

Nach dem genehmigten Urlaub trat W.v.A. Jr. einen Monat lang in den Dienst der Berliner „SS Leibstandarte Adolf Hitler“ ein. Anfang April 1934 reiste er „nach Bad Tölz, wo eine SS Junkerschule aufgebaut wurde. Dort traf er in den nächsten Tagen Himmler noch einmal. Das ist das Letzte, was man über Werner von Alvenslebens Zeit in Deutschland sicher weiß. Danach überschlugen sich die Ereignisse – in Bayern und Berlin, bei NSDAP, SA, SS und bei den Alvenslebens.“ (53)

Denn Ende Juni 1934 ließ Adolf Hitler die paramilitärisch aufgerüstete SA durch die „Niederschlagung“ des sogenannten „Röhm-Putsches“ weitestgehend entmachten. Binnen kurzer Zeit brachten SS-Mordkommandos, (zumeist aus Mitgliedern der „Leibstandarte Adolf Hitler“ bestehend), in Berlin, München, Dresden, Breslau und anderen Städten ungefähr 200 Menschen um, darunter Ernst Röhm; Teile der obersten SA-Führung (insgesamt circa 50 Mann); die abtrünnige Partei-Größe Gregor Strasser; die Publizisten Fritz Gerlich („Der gerade Weg“) und „Pater“ Bernhard Stempfle (alias „Spectator Germaniae“); Gustav Ritter von Kahr, der im November 1923 als bayerischer Generalstaatskommissar Hitler beim gescheiterten Putschversuch die Gefolgschaft versagt hatte; und General von Schleicher (sowie dessen Frau). „Auf der Liste der SS-Killerkommandos stand auch ein Freund Ernst Röhms: der alte Alvensleben. Warum er nicht ermordet, sondern nach vier Wochen Haft wieder freigelassen wurde, weiß heute niemand mehr.“ (54) Eines ließ sich jedoch klären, nämlich dass Werner von Alvensleben Sen. vor der „Nacht der langen Messer“-Aktion eine Warnung erhielt, und zwar von Kurt Freiherr von Hammerstein-Equord, wie mir Christian von Alvensleben erzählte.

Während der Reichstagsrede, in der sich Hitler am 13. Juli 1934 rechtfertigte und seine Version der „Nacht der langen Messer“ schilderte, fand Werner von Alvensleben Sen. in abgekürzter Form persönlich Erwähnung. Hitler sagte:

„Ohne mich jemals davon zu verständigen, und ohne daß ich es zunächst auch nur ahnte, hat Stabschef Röhm durch Vermittlung eines durch und durch korrupten Hochstaplers, eines Herrn von A., Ihnen allen bekannt, die Beziehung zu General Schleicher aufgenommen.“ (55)

Im direkten Anschluss legte Hitler „nicht undeutlich und im Grunde mit Stolz“ dar, er habe den Befehl gegeben, General von Schleicher „totschießen“ zu lassen. (56) Er machte zudem unmissverständlich klar, wer Herr über Leben und Tod im Dritten Reich war:

„Meutereien bricht man nach ewiggleichen eisernen Gesetzen. Wenn mir jemand den Vorwurf entgegenhält, weshalb wir nicht die ordentlichen Gerichte zur Aburteilung herangezogen hätten, dann kann ich ihm nur sagen: In dieser Stunde war ich verantwortlich für das Schicksal der deutschen Nation und damit des deutschen Volkes oberster Gerichtsherr. Meuternde Divisionen hat man zu allen Zeiten durch Dezimierung wieder zur Ordnung gerufen. (…) Ich habe den Befehl gegeben, die Hauptschuldigen an diesem Verrat zu erschießen, und ich gab weiter den Befehl, die Geschwüre unserer inneren Brunnenvergiftung und der Vergiftung des Auslandes auszubrennen bis auf das rohe Fleisch. Und ich gab weiter den Befehl, bei jedem Versuch des Widerstandes der Meuterer gegen ihre Verhaftung, diese sofort mit der Waffe niederzumachen. Die Nation muß wissen, daß ihre Existenz – und diese wird garantiert durch innere Ordnung und Sicherheit – von niemandem ungestraft bedroht wird! Und es soll jeder für alle Zukunft wissen, daß, wenn er die Hand zum Schlage gegen den Staat erhebt, der sichere Tod sein Los ist.“

Für den jungen von Alvensleben, der im Laufe der „Niederschlagung“ des „Röhm-Putsches“ unter nicht geklärten Umständen festgenommen wurde, bedeutete die „Nacht der langen Messer“: „Der Vater verhaftet, dessen Freund Ernst Röhm erschossen, hunderte gläubige Nazis über die Klinge gesprungen, ermordet von seinen Kumpanen aus der SS-Leibstandarte, unter Führung seines Schutzherren Heinrich Himmler.“ (57)

In den Akten des ehemaligen US-Auslandsgeheimdienstes Office of Strategic Services (OSS) findet sich die Geschichte wieder, die W.v.A. Jr. gegenüber dem X-2-Agenten in Portugiesisch Ost-Afrika über sein weiteres Schicksal verlautbarte: er sei zunächst „verhaftet, nach Wochen freigelassen, erneut mehrere Monate in Haft gehalten und dann wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Das kann stimmen – oder auch nicht. Fest steht nur eins: 1935 setzte sich Werner von Alvensleben nach Afrika ab. Am 6. Mai landete er nach eigenem Bekunden in Kapstadt.“ (58) Nach Angaben, die ich von Christian von Alvensleben erhielt, musste sein Onkel das Land verlassen, da von den Nazis „ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt“ worden sei.

Dem in Deutschland zurückgebliebenen W.v.A. Sen. wurde das Leben schwergemacht: Zwar war er nach Gefangennahme während des „Röhm-Putsch“-Massakers wieder freigelassen worden; doch 1937 geriet er erneut in Haft. Sein Bruder Hans Bodo Graf von Alvensleben musste für ihn bürgen und ihn auf dem Gut in Neugattersleben aufnehmen, wo er unter Hausarrest gestellt wurde.

Trotz der widrigen Lebensumstände, in denen sich W.v.A. Sen. wiederfand, unterhielten er und andere Familienmitglieder Kontakte zu Vertretern des „Deutschen Widerstands“. Nach dem Anschlag, der am 20.Juli 1944 in der Wolfsschanze in den masurischen Wäldern bei Kętrzyn auf das Leben von Adolf Hitler zur Ausführung kam („Operation Walküre“), wurde W.v.A. Sen. festgenommen und über die Hintergründe der Verschwörung vernommen (siehe beispielsweise den Bericht von Ernst Kaltenbrunner, Leiter der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes des Reichsführers SS, an den „Sekretär des Führers“ Martin Bormann vom 29. Juli 1944). Im Anschluss steckten ihn die Nazis bis Ende des Krieges in Gefängnis- und Lagerhaft.

Sein Sohn versuchte sich unterdessen im südlichen Teil des afrikanischen Kontinents durchzuschlagen – zuerst (zusammen mit seinem Vetter Heinz) als Jäger in Südafrika, dann als Arbeiter (und schließlich Manager) einer Goldmine in Rhodesien. Als im September 1939 der Krieg in Europa ausbrach, nahm das britische Rhodesien die im Land befindlichen deutschen Staatsangehörigen in Haft, darunter W.v.A. Jr. (59) Doch er konnte fliehen: „,Zwei deutsche Internierte, Baron Werner von Alvensleben und Horst Emil Rohe, entkamen Sonntagnacht aus dem Lager Salisbury‘, meldete der ,Rhodesian Herald‘ am 7. November 1939: ,Es wird angenommen, dass sie durch den Drahtzaun drangen, der unter Strom stand.‘ Das Blatt druckte eine genaue Beschreibung der Flüchtlinge, einschließlich Alvenslebens Narbe, und bat Farmer, Bergarbeiter und Reisende um Hilfe beim Aufspüren der Deutschen. Vergebens. Unter abenteuerlichen Umständen gelang es den Flüchtlingen, ins neutrale Portugiesisch-Ostafrika zu entkommen.“ (60)

Es folgt ein Agenten-Drehbuch-Szenario unter der sengenden Sonne im kolonialen Lourenço Marques an der Delagoa-Bucht. In den Hauptrollen: W.v.A. Jr. und seine zukünftige Frau Maria Adriana de Barros Moreira de Sousa Costa (oder auch einfach bloß Bibla gerufen). „In den Nebenrollen: deutsche Nazis, englische Agenten, italienische Faschisten, amerikanische Geheimdienstler, japanische Spione, südafrikanische Buren, bestochene Kolonialbeamte.“ (61)

Die Geschichte: Die junge Bibla, deren Vater Jurist ist, wird just zu der Zeit, da W.v.A. Jr. die Szenerie betritt, von Justus Leidenberg, „dem führenden Kopf der Deutschen in Mosambik“, Ehefrau genannt. Die bildhübsche Bibla ist unzufrieden mit ihrem Leben an der Seite des Mannes, denn man auch „Gauleiter“ ruft. (Tatsächlich ist er der deutsche Generalkonsul.) Was tut sie? „Sie schafft Geld beiseite“ für eine Zukunft ohne Herrn Leidenberg. Wo bunkert sie es? „[B]eim OSS-[X-2-]Agenten [Huntington] Harris“ Über Bibla erfährt dieser zudem „alles, was sie über die Nazis in der Kolonie weiß. Das ist eine Menge. Außerdem verliebt sich Bibla in einen hübschen, jungen Deutschen aus bestem Hause, der genau wie sie von Gauleitern die Nase voll hat: Werner von Alvensleben.“ (62)

Auch W.v.A. Jr. dient dem OSS-X-2-Beamten Harris als Quelle – unter dem Code-Namen „DRAM“.  „Die OSS-X-2 oder -Gegenspionage“, der Harris angehörte, „war die geheimste und am höchsten klassifizierte der OSS-Abteilungen und diejenige, deren genaue Mission darin bestand, den deutschen Sicherheitsdienst (SD) zu durchdringen.“ (63)

W.v.A. Jr. entpuppt sich als „die beste Quelle der Amerikaner in Mosambik. Wegen seiner Flucht aus Rhodesien verehren ihn die Deutschen als Helden. Er erfährt alles, was den OSS interessiert: wer für den deutschen Geheimdienst arbeitet – dass der deutsche Vizekonsul Diamanten schmuggelt – wie man den italienischen Chefspion entführen kann.“ (64)

Bibla und W.v.A. Jr. träumen davon, Mosambik zu verlassen – es zieht sie über den Atlantik, nach Amerika. Huntington Harris wird den Versuch, ins „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ zu gelangen, unterstützen; doch das State Department lehnt ab. Man traut W.v.A. Jr. nicht. (65)

Nach dem Attentat, das am 20. Juli 1944 von Claus Schenk Graf von Stauffenberg auf Adolf Hitler im Führerhauptquartier Wolfsschanze verübt wurde, fiel W.v.A. Jr., (wie einem OSS-X-2-Bericht vom 14. Oktober 1944 zu entnehmen ist), dadurch auf, dass er zusammen mit einem Landsmann (Hans Georg Dedek) „unter den Deutschen in Laurenco Marques ein Manifest zum kürzlichen Mordanschlag auf Hitler“ in Umlauf brachte.

(PDF-OSS-Report 1944.)

W.v.A. Jr. erfährt vom deutschen Generalkonsulat in Mosambik, „dass die Reichsregierung ihm die deutsche Staatsangehörigkeit entzogen habe, ,weil Sie sich der Ehre, ein Deutscher zu sein, unwürdig gezeigt haben.‘“ (66) Er wird fortan für immer staatenlos bleiben – und fand daran großen Gefallen, wie mir sein Neffe Christian von Alvensleben schilderte.

Als die Waffen in Europa langsam zu schweigen beginnen, tritt W.v.A. Jr. „ganz offiziell“ in den Arbeitsdienst „für die Amerikaner in Mosambik“ ein, indem er dabei hilft, „die Akten des deutschen Konsulats zu sichten und zu sichern. Am 1. Mai 1945 heiratet Werner seine Bibla. ,Quelle hat sich mit dem Leben in der Kolonie versöhnt und hofft, ihren Lebensunterhalt mit dem Fang und Verkauf von Wildtieren an ausländische Zoos zu verdienen.‘“ (67)

Und so soll „das Drehbuch des Dokumentarfilms aus dem Agentenleben des Werner von Alvensleben“ geendet haben. (68)

Das mag stimmen, muss aber nicht.

Das in den USA ansässige Assassination Archive and Research Center (AARC), welches sich um die öffentliche Freilegung wichtiger Geheimdienstdokumente bemüht, vertritt die Auffassung:

„Als ein wertvoller Doppelagent für das OSS während des Zweiten Weltkriegs, wäre Werner von Alvensleben ein erstklassiger Kandidat gewesen, um nach dem Krieg als CIA-Aktivposten in Portugiesisch-Ostafrika (Mosambik) zu dienen.“ (69)

Deshalb verlangt das AARC, dass nach Dokumenten der CIA und des US-Außenministeriums im Zusammenhang mit W.v.A. Jr. gesucht wird.

Im Anschluss seines offiziellen Dienstes für die USA, erwarb Werner von Alvensleben „die Konzession für ein riesiges Revier entlang des Flusses Save, von der rhodesischen Grenze im Süden bis zum Indischen Ozean. Er baute ein zentrales Jagdcamp mit großer Bar, kleinem Speiseraum und Hütten für die Gäste und nannte es Zinhave.“ (70)

„Safarilandia“ geriet in den Folgejahren zum großen Erfolg – nicht zuletzt aufgrund der Tätigkeit des US-Journalisten Robert Ruark, der bei Werner von Alvensleben Jagdtouren unternahm und „darüber für amerikanische Blätter“ Erlebnisberichte verfasste. „Ein steter Strom von US-Kunden war die Folge.“ (71) Aber „auch der europäische Hoch- und Geldadel“ ging bei Werner von Alvensleben am Rio Save in den 1960er Jahren ein und aus: „Prinz Juan Carlos, der spätere König von Spanien, Frankreichs späterer Präsident Valerie Giscard d’Estaing, der griechische Reeder Stavros Niarcos, VW-Chef Heinz Nordhoff, Graf Cinzano aus Italien, Fürst und Fürstin zu Leiningen … Alle hinterließen ihre Namen an den Wänden der Bar des Hauptcamps.“ (72)

Gerichtsverfahren

Die Verbindung D.H. Byrd / Werner von Alvensleben spielt in zwei Rechtsstreitigkeiten hinein, die vor dem US-Bundesgericht in Washington D.C. verhandelt werden: zum einen “Aron DiBacco, et. al. vs. U.S. Dep’t of Army, et. al.” (Civil Action No. 87-3349); zum anderen “AARC vs CIA” (Civil Action No. 17- 00160).

Der Gehlen-Komplex

Die Gerichtssache “Aron DiBacco vs U.S. Dep’t of Army” begann ursprünglich in den 1980er Jahren als “Oglesby vs. U.S. Dep’t of Army“. Der US-Autor Carl Oglesby hatte 1976 das Buch “The Yankee-Cowboy War” veröffentlicht, in dem er von einem Geheimübereinkommen berichtete, das nach dem Zweiten Weltkrieg zwischen ranghohen Vertretern der USA und dem Leiter der Abteilung Fremde Heere Ost (FHO), dem Generalmajor der Deutschen Wehrmacht Reinhard Gehlen beschlossen wurde. Gehlen hatte sich am 22. Mai 1945 dem Counter Intelligence Corps (CIC) der U.S. Army ergeben und war daraufhin nach Fort Hunt im US-Bundesstaat Virginia gebracht worden. Dort sollen ihm als Ergebnis von Verhandlungen Versprechungen unterbreitet worden sein: Im Gegenzug dafür, dass sich Gehlen bereit erklärte, ein antisowjetisches Nachrichtendienstnetzwerk für die USA in Europa zu organisieren, gab sich die US-Seite damit einverstanden, dass er sich „nur mit Kommunisten befassen würde und nicht gezwungen sein würde, die Entnazifizierungsbemühungen der Vereinigten Staaten zu unterstützen.“ Ferner wurde Gehlen zugesagt, dass er nichts unternehmen müsse, „was er als gegen die Interessen des souveränen Deutschlands gerichtet erachten könnte.“ Sollte Deutschland wieder souverän sein, so wurde ihm in Aussicht gestellt, würde die US-Kontrolle über ihn enden und er könne ein Teil der deutschen Regierung werden – zusammen mit seiner intakten Organisation. Laut Oglesby dauerte die US-Kontrolle daraufhin zehn Jahre an, ehe die Gehlen-Organisation als Bundesnachrichtendienst (BND) in der Bundesrepublik Deutschland offiziell Fuß fasste. (73)

Nach Veröffentlichung von “The Yankee-Cowboy War“ forschte Carl Oglesby über die Geschichte von Reinhard Gehlen weiter. Im August und September 1985 reichte er Anfragen in Rahmen des Freedom of Information Act (FOIA) bei der Central Intelligence Agency (CIA), National Security Agency (NSA), dem Federal Bureau of Investigation (FBI), dem Heeresamt (U.S. Department of the Army), US-Außenministerium und der National Archives and Records Administration (NARA) ein. Oglesby fragte bei den Behörden nach Aufzeichnungen zu Reinhard Gehlen:

– für den Zeitraum der Jahre 1944 bis 1956;

– zu den Besprechungen in Fort Hunt, Virginia, an denen im Sommer 1945 General George Strong (U.S. Army) und Allen Dulles (Office of Strategic Services, OSS) beteiligt waren;

– zur „Operation Rusty“, die die U.S. Army zwischen 1945 und 1948 in Europa durchführte;

– zur „Operation Rusty“ in Papieren der Central Intelligence Group (CIG),

– zu deutschen NS-Untergrundorganisationen der Nachkriegszeit wie „Odessa“, „Kameradenwerk“, „Bruderschaft“, „Werwölfe“ und „Die Spinne“;

– zur Nazi-Untergrundorganisation „La Arana“;

– zur „Operation Sunrise“ des OSS im Jahre 1945;

– zur Beziehung, die Gehlen zu den OSS-Führungsfiguren William J. Donovan und Allen Dulles unterhielt.

Nachdem die Behörden seine Anfragen abblockten, zog Oglesby 1987 vor Gericht. Bis heute ist der Rechtsstreit nicht beigelegt. Oglesby starb im September 2011, weswegen seither in dem von ihm angefangenen Gerichtsverfahren seine Tochter Aron DiBacco und seine Partnerin Barbara Webster als Kläger auftreten – juristisch beraten durch das Assassination Archive and Research Center (AARC). Seit 2016/17 geht es in diesem Verfahren auch um Informationen zu D.H. Byrd und Werner von Alvensleben.

Dokumente zu diesem Gerichtsfall am US-Bundesgericht in Washington DC:

PDF; PDF; PDF; PDF.

Wiewohl nur wenig darüber bekannt ist, steht fest, dass Reinhard Gehlen für die US-Seite von Elitefiguren des „Eastern Establishment“ (Murray N. Rothbard) engagiert wurde: „Zwischen 1945 bis 1947 konspirierten Elemente in der US-Armee, um Kontakte mit früheren deutschen Anti-Kommunisten in Europa und ihrem deutschen Kommandanten Reinhard Gehlen aufrechtzuerhalten. Fünf Männer waren beteiligt, von denen drei (William J. Donovan, Allen Dulles und Frank Wisner) Repräsentanten der Wall Street-Oberwelt und auch des New York Social Register waren, das die Mitglieder der New Yorker High Society listete.“ (74)

Unter Reinhard Gehlen, der an den Planungen der „Operation Barbarossa”, dem Angriff Hitlers auf die Sowjetunion im Sommer 1941, involviert war und im Zuge des Stalingrad-Desasters zum Chef der Ostspionage („Abteilung Fremde Heere Ost“) avancierte, wurde zunächst die „Organisation Gehlen“ und dann der Bundesnachrichtendienst in Pullach aufgebaut; mit freundlicher Hilfe der CIA. Die Aktivitäten der „Fremde Heere Ost“, die er zuvor beaufsichtigte, standen nicht bloß im militärischen Zusammenhang der Ostfront, sondern auch in dem der sogenannten „Endlösung der Judenfrage“, welche „Teil des Kontextes“ war, „in dem Entscheidungen, die mit dem ,Osten‘ verbunden waren, in Nazi-Deutschland getroffen wurden“. (75)

„Selbsternannte Pragmatiker innerhalb der US-Geheimdienste haben immer wieder argumentiert, dass der ansonsten fragwürdige Einsatz von Gehlen und selbst reuelosen Nazis durch die Org wegen ihrer wichtigen Unterstützung gegen einen mächtigen und rücksichtslosen Rivalen gerechtfertigt war: die Sowjetunion. ,Er ist auf unserer Seite‘, sagte CIA-Direktor Allen Dulles später über Gehlen, ,und das ist alles, was zählt.‘“ (76)

Park Armstrong, lange Jahre Leiter des Office of Intelligence and Research des US-Außenministeriums, schätzte die Informationen, die von der „Org“ kamen, als „essentiell für amerikanische Interessen” ein. „Der Beitrag unseres deutschen Verbündeten zum Verständnis des sowjetischen Militärs war oftmals ein Standard, gegen den wir unsere eigene Arbeit verglichen.“ (77)

Tatsächlich wurden die Berichte und Analysen, die von Gehlens „Org“ stammten, in den ersten Jahren der CIA „manchmal einfach nur neu auf CIA-Briefpapier abgetippt und Präsident Truman bei den morgendlichen Sicherheitsbriefings ohne jeden weiteren Kommentar vorgelegt. Gehlens Organisation ,prägte, was wir über die Sowjets in Osteuropa und insbesondere in der DDR wussten‘.“ (78)

Vom praktischen Standpunkt aus gesehen war die Abhängigkeit von Gehlen „ein Schnitzer“, insofern das Einsetzen von Gehlens „Org“ prinzipiell für sich eine Eskalation des Kalten Krieges darstellte, die propagandistisch ausgeschlachtet werden konnte; mehr noch aber, weil es die „Org“ den sowjetischen Spionen einfacher gestaltete, die westlichen Geheimdienste zu infiltrieren. (79) Wichtiger noch: „Gehlens Leute bestärkten die Vorliebe der US-Geheimdienste, dem Kommunismus und der Sowjetunion mit Paranoia zu begegnen. Dies trug stark dazu bei, weitverbreitete Desinformationen über sowjetisches Verhalten zu verankern.

,Gehlen musste sein Geld verdienen, indem er eine Bedrohung schuf, vor der wir Angst hatten‘, sagt Victor Marchetti, der frühere führende CIA-Analyst für sowjetische Kriegspläne und Fähigkeiten, ,also gaben wir ihm mehr Geld, um uns davon zu erzählen.‘ Er fährt fort: ,Meiner Meinung nach hat uns Gehlens Organisation nichts Substantielles zum Verständnis oder zur Einschätzung militärischer oder politischer Fähigkeiten der Sowjets in Osteuropa oder irgendwo sonst gegeben.‘ Gehlen zu beschäftigen war „eine Verschwendung an Zeit, Geld und Aufwand, mit Ausnahme vielleicht der Tatsache, dass es einen gewissen Gegenspionage-Wert hatte, weil jeder in seiner Organisation die Hände in beiden Töpfen hatte.‘ Mit anderen Worten, Gehlen hat keine der von ihm erwarteten verlässlichen Informationen geliefert, für die er beschäftigt wurde, aber das vorsichtige Überwachen der Org könnte möglicherweise Hinweise über sowjetische Spionageaktivitäten geliefert haben, weil die Gruppe stark von Doppelagenten durchsetzt war. Es war also eine sehr teure, nicht aber sehr effektive Art für die USA, sowjetische Spione im Auge zu behalten.” (80)

Im Frühjahr 1948 lieferte Gehlens „Org” besonders ernsthafte Falschdarstellungen der „sowjetischen Gefahr“, wodurch dem Kalten Krieg erheblicher Zunder gegeben wurde. (81) Und „durch seine Beeinflussung der Informationen, die das Weltgeschehen beeinflussten, spielte er eine gewichtige Rolle in der Weltpolitik. Seine Unterstützung für einen endlos feindseligen, kalten Krieg mit der UdSSR … hinterließ eine dauerhafte Spur in der europäischen Geschichte.” (82)

Die CIA habe Gehlen geliebt, räumt Marchetti ein, „weil er uns mit dem fütterte, was wir hören wollten. Wir haben sein Zeug immer wieder verwendet und haben es an jeden weiterverfüttert: ans Pentagon; ans Weiße Haus; an die Zeitungen. Die haben’s auch geliebt. Es war aber überdrehter russischer Schreckgespenstunsinn, und das hat diesem Land sehr geschadet.” (83)

Als weitere Beispiele für die dubiose Nähe zwischen „OSS / CIA – Wall Street“ einerseits und faschistischem Personal andererseits, dürfen dem interessierten Leser Stichworte wie Overcast, Ratline, Paperclip, Alsos, Surgeon, TICOM (Target Intelligence Committee), MK Ultra (1953 unter Allen Dulles gestartet) und Gladio an die Hand gegeben werden. Die New York Times berichtete im November 2010 unter der Überschrift Nazis Were Given ‘Safe Haven’ in U.S., Report Says von einer 2006 abgeschlossenen, aber vier Jahre lang geheim gehaltenen Untersuchung des Office of Special Investigations (OSI) des US-Justizministeriums über die Bereitstellung eines „sicheren Hafens“ in den Vereinigten Staaten für führende Nazis und deren Kollaborateure durch US-Ministerien und insbesondere seitens der CIA. (84) So war man sich keineswegs zu schade, jemanden wie Otto von Bolschwing, einem fleißigen Handlanger Adolf Eichmanns bei der Ausarbeitung der „Endlösung der Judenfrage“, nach dem Zweiten Weltkrieg Einlass in die USA zu gewähren und für die CIA arbeiten zu lassen. Ende der 1960er Jahre wurde von Bolschwing gar der Vorsitzende der Hightech-Rüstungsfirma Trans-International Computer Investment Corporation, die Geheimaufträge vom Pentagon ausführte. Der Veterinärmediziner Erich Traub arbeitete als Laborchef für das Dritte Reich an der Entwicklung von Biowaffen; nach dem Zweiten Weltkrieg durfte er seine Forschungen erst in Fort Detrick in Maryland und dann auf Plum Island in New York fortsetzen. Der für Zwangsexperimente an Konzentrationslagerinsassen verantwortliche Mediziner Hubertus Strughold wurde nach dem Krieg in die USA gelassen, wo er sich zum Helden der NASA entwickelte. Es gibt zahlreiche andere Beispiele für Nazi-Verbrecher, die von der CIA und weiteren US-Behörden im Dienste der „nationalen Interessen“ jahrzehntelang verdeckt verwendet wurden. Und so kann etwa der Folterskandal, der 2004 über das irakische Gefängnis Abu Ghraib publik wurde und das Ansehen der USA beschädigte, durchaus mit einer Vorgeschichte in Verbindung gebracht werden, „die bis auf das Ende des 2. Weltkriegs und die stillschweigende Integration deutscher KZ-Ärzte und Folterspezialisten in amerikanische Dienste zurückgeht.“ (85)

Die Tatsache, dass Reinhard Gehlen von Repräsentanten des New York Social Register engagiert wurde, sollte uns nicht weiter verwundern, denn das (Auslands-)Geheimdienstnetzwerk der USA in Form von zunächst Office of Strategic Services (OSS, geleitet von Wall Street-Rechtsanwalt William „Wild Bill“ Donovan) und dann Central Intelligence Agency (CIA) unterhielt starke Bande zum New Yorker Finanzdistrikt. (86)

Ehe es Geheimdienste im heutigen Sinne gab, beschäftigten Banken, Konzerne und Rechtsanwaltskanzleien in ihren Unternehmen Mitarbeiter eigens „als unabhängig angestellte Agenten, um Informationen über Konkurrenten und Geschäftsmöglichkeiten im Ausland zu sammeln.“ Viele der ersten Geheimdienst-Rekruten der USA wurden entsprechend „von Ölfirmen, Wall Street-Banken und Eliteuniversitäten genommen“, und es war kaum überraschend, dass diese „häufig die Interessen ihrer mächtigen Businesspartner mit den nationalen Interessen“ gleichstellten – oder in den Worten des einstigen US-Präsidenten John Calvin Coolidge ausgedrückt: „Das Geschäft Amerikas ist das Geschäft”. (87)

Nur konsequent war ebenso, dass an der Schaffung und Ausrichtung der US-Geheimdienststruktur führende Wall Street-Anwälte beteiligt waren. „In vielerlei Hinsicht erreicht ein vertrauenswürdiger Unternehmensanwalt im Wesentlichen das für seine Klienten, was eine zentrale Anlaufstelle für nachrichtendienstliche Informationen für ihren Auftraggeber erreichen kann: er handelt die Deals aus, er dämpft Paniken und beruhigt Krisen, er begleitet den Prozess so vertraulich wie möglich. Er findet allesmögliche heraus und verwendet jedes erdenkliche Mittel, um das Resultat zu beeinflussen.“ (88)

Freilich hat das Folgen: „Ein Nachrichtendienst, der von Anwälten ausgeheckt wurde – Männern, die es gewohnt sind, Probleme nicht nur zu erkennen, sondern sie auch zu definieren und ihren Klienten Lösungsvorschläge zu unterbreiten –, wird weitaus wahrscheinlicher die Politik beeinflussen als ein traditioneller militärischer Nachrichtendienst. Anwälte haben eine verführerische Art, ihre Klienten unterzuordnen und ihre Kunstgriffe anzuwenden, bis sie die Dinge bewegen. So ergibt es sich, dass in vielen strategischen Verwicklungen die Anwälte mindestens so viel Kontrolle über das Geschehen haben wie die gewählten Amtsträger.“ (89)

Dementsprechend wurde der National Security Act, aus dem die CIA hervorging, von Clark Clifford geschrieben. Clifford war Berater von Präsident Harry S. Truman und Verteidigungsminister der USA unter Lyndon B. Johnson. Welcher Profession ging Clifford außerdem nach? „Wall Street-Rechtsanwalt und Banker.“ (90)

Bei der Ausarbeitung des National Security Act folgte Clifford Vorgaben von Allen Dulles, der unter Eisenhower ab 1953 die Funktion des CIA-Direktors bekleidete (und von John F. Kennedy im Frühjahr 1961 als solcher entlassen wurde). Welcher Profession ging Allen Dulles außerdem nach? „Partner bei Sullivan and Cromwell, der – bis heute – mächtigsten Anwaltskanzlei der Wall Street“, (91) die sich insbesondere aufs Auslandsgeschäft verlegt hatte und unter anderem Standard Oil-Firmen; Chase National Bank (bzw. Chase Manhattan); United Fruit Company; Mellon; Dupont; U.S. Steel; Merck & Co.; I.G. Farben; Remington, General Motors; J.P. Morgan & Co.; Kuhn, Loeb & Co.; J. Henry Schroder Banking Corporation (und die eng mit ihr verbundene Schroder, Rockefeller & Co.); Lee, Higginson & Co.; Brown Brothers, Harriman (und die eng mit ihr verbundene W. A. Harriman & Co.); Dillon, Read & Co.; und Guaranty Trust Company of New York vertrat.

Was den National Security Act betrifft, so erzählt Richard Helms, der CIA-Direktor von 1966 bis 1973 (und Enkel von Gates McGarrah, einem früheren Vorsitzenden der Federal Reserve Bank of New York), dass Allen Dulles im Jahre 1946 die Aufgabe zugeteilt bekam, „,Vorschläge für die Form und die Organisation dessen zu entwerfen, was 1947 die Central Intelligence Agency werden sollte.‘ Dulles bildete umgehend eine beratende Gruppe von sechs Männern, von denen alle bis auf einen Wall Street-Investmentbanker und -Rechtsanwälte waren. 1948 ernannte Forrestal Dulles zum Vorsitzenden eines Ausschusses mit zwei anderen New Yorker Rechtsanwälten, um die Leistung der CIA zu überprüfen. ,Die drei Anwälte beratschlagten fast ein Jahr lang in einem der Sitzungsräume von J.H. Whitney‘, eine andere Wall Street-Investmentfirma.“ (92)

Kurz nach Verabschiedung des National Security Acts war die CIA die am schnellsten expandierende Behörde innerhalb des US-Regierungsapparats geworden und ihre Berichte nahmen bald größere Bedeutung für das Weiße Haus an, als die des Außenministeriums. (93) „Die Agency operierte zunehmend verselbstständigt, als ein praktisch autonomer Arm der außenpolitischen Bürokratie, fast eine Regierung innerhalb einer Regierung.“ (94) Im Frühjahr 1948 bildete sich eine von Präsident Harry S. Truman veranlasste Kommission zur Straffung des US-Regierungsapparats, die von Ex-Präsident Hoover geleitet wurde. Eine Task Force, die der Kommission bei Angelegenheiten der Verteidigung und der Geheiminformationsgewinnung zuarbeiten sollte, wurde von Ferdinand Eberstadt geleitet und umfasste unter anderem US-Verteidigungsminister James Forrestal und den damaligen Weltbankpräsidenten John J. McCloy. Welcher Profession ging Eberstadt nach? Wall Street-Anwalt und Investmentbanker bei Dillon, Read & Co. Welcher Profession ging Forrestal nach, bevor er Verteidigungsminister wurde? Investmentbanker bei Dillon, Read & Co. Welcher Profession ging McCloy abseits solcher Posten wie dem des Weltbankpräsidenten (und später dem des Warren-Kommissionsmitglieds) nach? Rechtsanwalt und Partner bei der Wall Street-Kanzlei Milbank, Tweed, Hadley & McCloy (sowie zeitweilig Vorstandsvorsitzender bei Chase Manhattan).

„Bis Ende 1948 hatte die Eberstadt-Arbeitsgruppe ihre Vorschläge parat. Beim kritischen Punkt der verdeckten Geheimoperationen schlussfolgerten McCloy und die anderen Mitglieder der Arbeitsgruppe, dass ,jene, die für Operationen in der CIA verantwortlich sind, weitgehende Autonomie erhalten müssten.‘ Die CIA, so glaubten sie, müsse mehr tun, insbesondere hinsichtlich verdeckter Propaganda. ,Die Schlacht um die Herzen der Menschen könnte den Kampf für die Menschheit entscheiden. Das Komitee empfand die existierende Einrichtungen und Mechanismen für psychologische Kriegsführung als ungenügend.‘” (95)

Mit der Unterstützung von CFR-Mitglied George F. Kennan, dem Direktor des Policy Planning Staff des US-Außenministeriums, wurde daraufhin eine wichtige Abteilung innerhalb der CIA auf den Weg gebracht, das Office of Policy Coordination (OPC). Der erste Chef des OPC hieß Frank Wisner. Welcher Profession ging Wisner zuvor nach? „Wall Street-Rechtsanwalt.“ (96)

„Unter Wisners energischer Führung begann das OPC sehr schnell mit umfangreichen, andauernden, weltweiten Geheimdienstoperationen. Er arbeitete mit der größtmöglichen administrativen Freiheit, wobei er nur sporadisch Berichte an die Führungsetage des State Department, des Verteidigungsministeriums und des CIA liefern musste. Das Wachstum von Wisners Einheit lässt sich am deutlichsten mit dessen Wachstum von 302 Mitgliedern im Jahre 1949 auf 2812 Mitarbeiter plus 3142 Auftragsagenten in Übersee im Jahre 1952 verdeutlichen. Bald darauf machte sich Wisner regionale Währungsgegenwertmittel zunutze, die vom Marshall-Plan generiert wurden, um seine Aktivitäten in Europa zu finanzieren. 1949 belief sich sein Budget auf $4,7 Millionen; drei Jahre später war es auf $82 Millionen angewachsen. Durch ihre Empfehlung trugen McCloy und seine Kollegen aus der Eberstadt Arbeitsgruppe eine schwere Verantwortung für das, was Wisner nunmehr seinen ,mächtigen Wurlitzer‘ nannte.“ (97)

Die enge Liaison zwischen Wall Street und CIA, der wir hier begegnen, vermag kaum als reiner Zufall abgetan zu werden. Schließlich stammten in den ersten zwei Dekaden ihrer Existenz alle „sieben der bekannten stellvertretenden Direktoren der CIA (…) aus denselben New Yorker Anwalts- und Finanzkreisen; sechs von ihnen wurden darüber hinaus im New York Social Register geführt.“ (98)

Ein weiterer wichtiger Mann in der Geschichte der CIA war William Joseph Casey. Während des Zweiten Weltkriegs führte er die europäische Nachrichtenabteilung des Office of Strategic Services (OSS) an. (99) Für seine geleisteten Dienste erhielt er die Bronze Star Medal der US-Streitkräfte. Nachdem Ronald Reagan den Amtseid als US-Präsident im Januar 1981 abgelegt hatte, wurde Casey, sein vorheriger Wahlkampfmanager, auf den Posten des Director of Central Intelligence berufen. In dieser Funktion beaufsichtigte Casey die gesamten Geheimdienste der USA, während er die CIA persönlich leitete und lenkte. Unter Reagans Amtsvorgänger Richard Nixon hatte Casey zuvor der Securities and Exchange Commission (SEC) vorgesessen, die für die Aufsicht des Wertpapierhandels in den USA zuständig zeichnet. Welcher Profession ging William Casey außerdem nach? „Wall Street-Rechtsanwalt und Börsenhändler.“ (100)

Der Walküre-Komplex

Die Klage bezieht sich auf Erkenntnisse, die das Assassination Archive and Research Center (AARC) aus einem Memorandum gewann, welches Colonel Walter M. Higgins am 25. September 1963 zu einem Treffen der Joint Chiefs of Staff verfasste (Betreff: “Briefing by Mr. Desmond FitzGerald on CIA Cuban Operations and Planning“). Das Higgins-Memorandum besagt, dass Desmond FitzGerald, Chef der CIA-Kuba-Taskforce, die Joint Chiefs darüber unterrichtete, dass die CIA den Plan studierte, der hinter dem Attentat auf Adolf Hitler steckte, um Fidel Castro, den Staats- und Regierungschef Kubas, von der Macht zu entfernen.

(PDF Higgins-Memorandum 1963.)

Das Memorandum gelangte 1998 im Rahmen des vom US-Kongress verabschiedeten President John F. Kennedy Records Collection Act of 1992 an die Öffentlichkeit. Im August und Oktober 2012 wandte sich der US-Rechtsanwalt James H. Lesar im Namen des AARC an die Central Intelligence Agency (CIA), um die Herausgabe bestimmter Dokumenten zu erbitten, namentlich im Zusammenhang mit:

– Plänen zur Ermordung Adolf Hitlers und insbesondere CIA-Studien solcher Pläne im Herbst 1963 als Teil ihrer Bemühungen, den kubanischen Machthaber Fidel Castro zu stürzen – einschließen, aber nicht beschränkt darauf: alle Aufzeichnungen, die in irgendeiner Weise die Studien reflektieren, die von der CIA zu Attentatsplänen auf Hitler durchgeführt wurden, oder die darauf Bezug nehmen;

– Mitteilungen von oder an Allen Dulles über Hitler-Attentatspläne, die während seiner Dienstzeiten bei den folgenden Behörden entstanden: Office of Strategic Services (OSS), Central Intelligence Agency (CIA) und Office of Policy Coordination (OPC).

Da sich die CIA nicht kooperativ zeigte, zog das AARC Anfang 2017 vor Gericht; seither wird der Fall am US-Bundesgericht in Washington D.C. als “ AARC vs. CIA“ (Civil Action No. 17- 00160) verhandelt.

Durch eine eidesstattliche Erklärung, die der US-Autor William E. Kelly, Jr. am 12. November 2017 abgab, um am nächsten Tag vor Gericht eingereicht zu werden, spielt nunmehr auch die Verbindung D.H. Byrd / Werner von Alvensleben in den Rechtsstreit “AARC vs. CIA“ hinein.

Im zweiten Teil von „JFK und ,Operation Walküre‘“ werden wir u.a. einen genauen Blick auf die eidesstattliche Erklärung von William E. Kelly, Jr. werfen.

Hier geht’s zum zweiten Teil…

Quellen:

(1) “The day of the assassination, 22 November 1963, the Dallas Morning News printed a full-page advertisement, ominously bordered in black, accusing Kennedy, again among a long list of other complaints, of being a Communist patsy. It was signed by the American Fact-finding Committee, which eventually was identified as a group of right-wingers led by Nelson Bunker Hunt, of the oil-rich Dallas family. It was this advertisement that prompted Kennedy’s remark: ‘We’re heading into nut country today’.” Vgl. Peter Pringle: “We’re heading into nut country today”, veröffentlicht von The Independent am 20. November 1993 unter: http://www.independent.co.uk/life-style/were-heading-into-nut-country-president-kennedy-said-this-to-an-aide-as-he-began-his-fatal-visit-to-1505387.html.

(2) Vgl. Select Committee on Assassinations, Summary of Findings, Findings of the Select Committee on Assassinations in the Assassination of President John F. Kennedy in Dallas, Tex., November 22, 1963, veröffentlicht von National Archives unter: https://www.archives.gov/research/jfk/select-committee-report/summary.html. “The committee believes, on the basis of the evidence available to it, that President John F. Kennedy was probably assassinated as a result of a conspiracy.”

(3) In der US-amerikanischen Zählweise handelte es sich um das sechste Stockwerk, in deutscher Zählweise um den fünften Stock des Texas School Book Depository.

(4) Byrd hatte das TSBD in den 1930er Jahren erworben.

(5) Bevor er zusammen mit Gill Robb Wilson an der Gründung der Civil Air Patrol beteiligt war, wurde D.H. Byrd bereits 1938 vom damaligen texanischen Gouverneur James Allred in die Texas Civil Aeronautics Commission berufen. Während des Zweiten Weltkriegs nahm Byrd zeitweise leitende Aufgaben in der Civil Air Patrol wahr.

(6) Vgl. Peter Dale Scott: “The War Conspiracy – JFK, 9/11, and the Deep Politics of War”, Skyhorse Publishing, New York, 2008, Seiten 342-343.

(7) Vgl. ebd., Seite 343.

(8) Ebd., Seite 343.

(9) Ebd. Scott schreibt dort: „Der signifikanteste Fall ist der eines Südstaaten-Rassisten und Aktivisten, Joseph Milteer, der gegenüber einem Informanten der Miami Police korrekt vorhergesagt hat, dass Kennedy ,von einem Bürogebäude aus mit einem Hochleistungsgewehr‘ erschossen werden würde. Aber der Fall Milteer war nicht einzigartig.“

(10) In der Mitteilung vom 9. November 2017 schrieb mir Peter Dale Scott: “Through their partnership in Omega Corp., James Ling of LTV and D.H. Byrd bought ’132,600 shares of LTV stock in November 1963 for some $2 million, which were worth some $26 million by 1967.’(*) Ling’s participation made this an insider purchase, and it got picked up in an insider-trades report which I read. Ling and Byrd didn’t report the purchase (as required by law) until sometime in 1964.” (*) Peter Dale Scott, ”The Dallas Conspiracy” (unpublished MS, ca. 1972), p. III-36.

(11) Was den Vietnamkrieg angeht, kann als gesichert angesehen werden, dass John F. Kennedy keine Eskalation wünschte. Im Oktober 1963 unterzeichnete er das National Security Action Memorandum 273, welches nicht nur einen Abzug von 1000 US-Soldaten bis zum Ende des Jahres vorsah, sondern auch den kompletten Truppenabzug bis Ende 1965. Vgl. James K. Galbraith: “Exit Strategy. In 1963, JFK ordered a complete withdrawal from Vietnam”, veröffentlicht in Boston Review, Oktober/November 2003, online unter: http://bostonreview.net/BR28.5/galbraith.html. Eingebunden in die größeren Zusammenhänge schreibt Galbraith dort: “Kennedy’s decision to withdraw from Vietnam was, as Jones writes (in: Death of a Generation), ‘unconditional, for he approved a calendar of events that did not necessitate a victory.’ It was also part of a larger strategy, of a sequence that included the Laos and Berlin settlements in 1961, the non-invasion of Cuba in 1962, the Test Ban Treaty in 1963. Kennedy subordinated the timing of these events to politics: he was quite prepared to leave soldiers in harm’s way until after his own reelection. His larger goal after that was to settle the Cold War, without either victory or defeat—a strategic vision laid out in JFK’s commencement speech at American University on June 10, 1963.” Siehe ferner James K. Galbraith: “JFK’s Vietnam Withdrawal Plan Is a Fact, Not Speculation”, veröffentlicht von The Nation am 22. November 2013 unter: https://www.thenation.com/article/jfks-vietnam-withdrawal-plan-fact-not-speculation/.

(12) Es war Peter Dale Scott, der 1972 in den von Mike Gravel herausgegebenen „Pentagon Papieren“ erstmals nahelegte, dass Johnsons NSAM 273 in der Tat eine Abkehr von Kennedys Politik darstellte. Vgl. Galbraith: “Exit Strategy”, a.a.O.

(13) Vgl. James W. Douglass: “JFK and the Unspeakable: Why He Died and Why It Matters”, Simon and Schuster, New York, 2008, Seite 375.

(14) Howard Zinn: “Peoples History of the United States, 1492 – Present“, Harper Collins, New York, 1999, Twentieth Anniversary Edition, Seite 476. Die öffentliche Darstellung des „Tonkin-Zwischenfalls” wurde durch die sogenannten „Pentagon-Papiere“, die Daniel Ellsberg 1971 ans Licht brachte, eindeutig widerlegt. Das Gleiche gilt durch die 2005 freigegebenen Dokumente des US-Geheimdienstes NSA.

(15) Vgl. Gareth Porter: “How LBJ Was Deceived on Gulf of Tonkin”, veröffentlicht auf Consortiumnews am 5. August 2014 unter: http://consortiumnews.com/2014/08/05/how-lbj-was-deceived-on-gulf-of-tonkin/

(16) Vgl. “Daniel Ellsberg: Top Military Brass Knew in Advance Vietnam War Would Fail”, veröffentlicht von MintPressNews am 12. Januar 2016 unter: http://readersupportednews.org/news-section2/318-66/34567-focus-daniel-ellsberg-top-military-brass-knew-in-advance-vietnam-war-would-fail.

(17) Vgl. Donald Gibson: “Battling Wall Street – The Kennedy Presidency”, Sheridan Square Press, New York, 1994. Zur konkreten, mit Abrüstung einhergehenden Friedenspolitik, die Kennedy unter dem Eindruck der Kuba-Krise 1962 einschlug, und zu seinen Bemühungen, den Kalten Krieg mit der UdSSR zu beenden, siehe James W. Douglas: “JFK and the Unspeakable“, a.a.O.

(18) Howard Zinn: “A Peoples’s History of the United States”, a.a.O., Seite 417.

(19) Manfred Berg: „Kalter Krieg – Wer ist Herr im Weißen Haus?“, erschienen in „Die Zeit“ am 4. September 2008, Nr. 37.

(20) F. William Engdahl: „Mit der Ölwaffe zur Weltmacht. Der Weg zur neuen Weltordnung“, Kopp-Verlag, Rottenburg, 2006, Seite 156.

(21) Vgl. Lars Schall: “The CFR is ‘the most powerful private organization in the United States…’“, Interview mit Laurence Shoup, veröffentlicht von LarsSchall.com am 12. August 2016 unter: http://www.larsschall.com/2016/08/12/the-cfr-is-the-most-powerful-private-organization-in-the-united-states/. Zum Interesse und Einfluss des Council on Foreign Relations in der US-Politik gegenüber Südostasien und Vietnam siehe ferner Laurence H. Shoup: “Wall Street’s Think Tank – The Council on Foreign Relations and the Empire of Neoliberal Geopolitics, 1976-2014”, Monthly Review Press, New York, 2015, Seiten 18-19, und Lawrence H. Shoup / William Minter: “Imperial Brain Trust: The Council on Foreign Relations and US Foreign Policy“, Monthly Review Press, New York, 1977. Bezüglich der Ermordung von John F. Kennedy, die ihren Teil zur Eskalation des Vietnamkriegs beitrug, fällt ins Auge, dass mit Allen Dulles, John J. McCloy und Gerald Ford drei Mitglieder des Council on Foreign Relations in der Warren-Kommission saßen, die das Attentat vom 22. November 1963 offiziell untersuchen sollte. McCloy sagte beim ersten Zusammentreffen der Kommissionsmitglieder, Ziel der Warren-Kommission sei es, der Welt zu zeigen, dass Amerika keine Bananenrepublik sei, deren Regierung durch eine Verschwörung geändert werden könne. Vgl. Peter Dale Scott: “Deep Politics and the Death of JFK“, University of California Press, Berkeley, 1993, Seite 296.

(22) Peter Dale Scott bezieht sich hier auf Nelson A. Rockefeller: “Partners in Progress: A Report to the President”, datierend vom März 1951.

(23) Vgl. Lars Schall: „Amerika, würdest du bitte aufwachen!“, Interview mit Peter Dale Scott, veröffentlicht auf LarsSchall.com am 12. August 2011 unter: http://www.larsschall.com/2011/08/12/amerika-wurdest-du-bitte-aufwachen/.

(24) Vgl. Louis Wesseling: “Fuelling the War – Revealing an Oil Company’s Role in Vietnam“, Tauris, London, 1999.

(25) Rolf D. Baldus / Werner Schmitz (Hrsg.): „Auf Safari – Legendäre Afrikajäger von Alvensleben bis Zwilling”, Franckh-Kosmos Verlags GmbH, Stuttgart, 2014, Seite 207.

(26) „If I could have ONE rifle that resonates with the heritage of the Frontier Partisans, it would not be one of the obvious choices. No Jacob Dickert longrifle for me; no Hawken nor Winchester nor even the Sharps Big Fifty. No, it would be a later model, the apogee of firearms craftsmanship — the Mannlicher-Schonauer Model 1903. The rifle of Karamoio Bell, Werner von Alvensleben, Ernest Hemingway.” Vgl. Jim Cornelius: “The Magnificent Mannlicher”, veröffentlicht von Frontier Partisans am 3. März 2015 unter: http://frontierpartisans.com/3432/the-magnificent-mannlicher/. Bezüglich Werner von Alvenslebens Können an der Mannlicher-Schönauer: „Hunting history is rife with the tales of derring-do with 6.5mm cartridges. W.D.M. Bell whacked many elephants and Werner von Alvensleben slew hundreds of buffalo with what they termed a ’small-bore rifle,’ namely, the 6.5×54 Mannlicher-Schönauer.” Vgl. Steve Gash: “Gun Test: Alexander Arms 6.5 Grendel Hunter”, veröffentlicht von The Daily Caller am 12. August 2015 unter:http://dailycaller.com/2015/08/12/gun-test-alexander-arms-6-5-grendel-hunter/#ixzz3qMkGtu2F. Bezüglich ”World’s Finest Rifle“: „When a smooth, easy pointing rifle with a great trigger is chambered for a light recoiling and effective game cartridge, the average hunter and shooter is liable to suddenly become a good shot. Good shooting takes a lot of game, and 6.5×54 M-S rifles and carbines did just that, at first in Europe and then very soon in Africa, where the 6.5×54 cartridge was found to be excellent for plains game. Ultimately, the reliable and deadly Mannlicher-Schoenauer became known as the ‘World’s Finest Rifle.’” Vgl. Chuck Hawks: “A Brief History of Mannlicher-Schoenauer Rifles, the ‘World’s Finest Rifle’“, veröffentlicht von ChuckHawks.Com unter: http://www.chuckhawks.com/m-s_carbine.htm. In dem von Baldus und Schmitz herausgegebenen Buch „Auf Safari“ findet das Mannlicher-Schönauer keinerlei Erwähnung im Zusammenhang mit Werner von Alvensleben. Die Waffen, die stattdessen mit ihm in Verbindung gebracht werden, sind: Mauser 8×57 (für die Zeit in Rhodesien), ein Martini-Henry-Gewehr (.577-450), ein Jeffrey-Gewehr (.404), und eine weitere nicht spezifizierte Waffe (.375). Laut Chr. v. Alvensleben handelte es sich „zu 90 Prozenz“ bei der „.375“ um eine Winchester.

(27) Die Western Cartridge Company soll zur Verwendung im Griechischen Bürgerkrieg (März 1946 – Oktober 1949) eine Munition (6.5mm) für das Mannlicher-Schönauer hergestellt haben, die letztlich zwischen dem Mannlicher-Schönauer und dem Mannlicher-Carcano austauschbar gewesen sei. Zu diesem Thema wäre ein Thread im “Deep Politics Forum“ zu beachten. Der Autor Bob Prudhomme gibt an, dass die 6,5-mm-Munition, die von der Western Cartridge Company für die US-Regierung hergestellt wurde, ein Geschoss mit einem Durchmesser von 0,264 Zoll (.264 inch bullet) aufwies – im Unterschied zum vom Mannlicher-Carcano verwendeten Geschoss von 0,268 Zoll (.268 inch bullet). Das 0,264 Zoll-Geschoss hatte die richtige Größe für das Mannlicher-Schönauer-Gewehr. Die Verwendung des etwas kleineren Geschosses im Mannlicher-Carcano-Gewehr führt zu Ungenauigkeiten beim Schießen, heißt es. Der Autor gibt an, dass die Platzierung des 0,264 Zoll Geschosses auf der Carcano-Patrone vorgenommen wurde, damit diese Munition sowohl in den Schönauer- als auch in den Carcano-Gewehren abgefeuert werden konnte – wenn auch mit einer Verschlechterung der Genauigkeit im Carcano. Der Autor glaubt, dass die Patrone CE 399 eine 0,264 Zoll-Kugel (.264 bullet) ist und keine 0,268 Zoll-Kugel (.268 bullet). Vgl. Bob Prudhomme: “FBI Evidence Proves Oswald’s Ammunition was not Capable of Sufficient Accuracy to Kill JFK”, veröffentlicht von Deep Politics Forum am 27. März 2014 unter: https://deeppoliticsforum.com/forums/showthread.php?13292-FBI-Evidence-Proves-Oswald-s-Ammunition-was-not-Capable-of-Sufficient-Accuracy-to-Kill-JFK.

(28) Siehe dieses Dokument hier mit einem Auszug der Befragung von Robert A. Frazier im Zusammenhang mit dem Mannlicher-Schönauer-Gewehr.

(29) Anfang Dezember 1963 schoss Christian von Alvensleben ein Trophäen-Photo auf dem „Safarilandia“-Jagdgelände seines Onkels: es zeigt einen erlegten Elephanten, dessen mit weißer Farbe beschriftetes Ohr hochgehalten wird. Auf dem Ohr steht: „Shot by Harold Byrd. 7 Dec.1963“. Vgl. Photos der Ausstellung “The Leopard’s Trail – Death in Mozambique“ auf der Website von Christian von Alvensleben unter: http://www.alvensleben-photography.de/exhibitions/the_leopards_trail.html. Unter der dort gezeigten Auswahl befinden sich auch zwei Photographien mit Thomas May. Auf einem der Bilder steht er auf der linken Seite (weißer Hut, weißes Hemd) mit zwei Männern, am Boden liegt eine tote Kudo-Antilope; auf einem anderen Photo ist er vor einem Jeep mit einem erlegten Zebra abgelichtet. Unter diesem Link: http://www.alvensleben-photography.de/gallery_03_cva.html, können auf der GALLERY 03 sieben Afrika-Fotos etwas grösser angeschaut werden (1. Reihe von Bild 06 bis 2. Reihe Bild 02). Laut Auskunft, die ich von Chr. v. Alvensleben erhielt, war Thomas May eigenem Bekunden nach nicht nur texanischer Schulbuch-Verleger, sondern auch Angehöriger der Marines und ein General.

(30) Vgl. James H. Lesar: ”Reply to Defandant’s Opposition to Second Renewed Motion for Partial Summary Judgement, etc.“, Aron DiBacco vs U.S. Departement of the Army, C.A. No. 87-3349, 3. August 2016.

(31) Persönliche Mitteilung an den Autor vom 20. November 2017.

(32) Vgl. „Kein Meister traf den Kopf der Puppe“, veröffentlicht von Der Spiegel am 3. April 1967 unter: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46437618.html. Bisweilen wird auch behauptet, im Texas School Book Depository sei ein anderes Gewehr als das Mannlicher-Carcano gefunden worden; ein deutsches Mauser-Jagdgewehr. Vgl. “Was a Mauser found in the Texas School Book Depository?”, veröffentlicht von JFK Facts am 9. April 2013 unter: http://jfkfacts.org/fact-check-was-a-mauser-found-in-the-texas-school-book-depository/.

(33) „Kein Meister traf den Kopf der Puppe“, a.a.O.

(34) Ebd. Der Artikel bezieht sich auf Mark Lane: “Rush to Judgement“ (Deutsch: „Mark Lane klagt an“, Wilhelm Frick Verlag, Wien, 1967.)

(35) Ebd.

(36) Ebd.

(37) Ebd.

(38) Ebd.

(39) Ebd.

(40) Ann Donaldson: “Young Huntress – Storybook Adventure’s Real”, The Dallas Morning News am 9. Januar 1964. (PDF)

(41) Kenneth Fores: “Baron Takes Look at Texas Hunters”, The Dallas Morning News am 19. Januar 1964. (PDF)

(42) Vgl. “Famed ‘Oswald Window‘“, veröffentlicht von The Washington Times am 2. Mai 2006 unter: https://www.washingtontimes.com/news/2006/may/02/20060502-103326-3519r/. An anderer Stelle liest man: “For more than two decades, the window–or what one man believed was the famous sniper’s perch window–hung like a trophy, or a deer’s head, in the banquet room of one of the wealthiest men in Dallas. Col. D. Harold Byrd kept it in his University Park home as a souvenir, a tragic keepsake he ordered removed from the building on Elm and Houston streets that he owned and leased to the Texas School Book Depository. Byrd kept it there until his death in 1986. (…) Until the end of the 1960s, the Texas School Book Depository Company remained in the building, which was owned by Col. D. Harold Byrd. Byrd was an oil millionaire and husband of Mattie Caruth, whose family once owned most of the land from downtown Dallas to Park Lane. (…) Afraid that curiosity seekers would carve off pieces of the sniper’s-nest window, Byrd instructed his employee, Buddy McCool, to remove the window six weeks after the assassination, according to interviews with McCool and Byrd filmed in the early 1970s. (…) [Byrd] decorated the bottom half of the window with newspaper clippings of the assassination and postcard pictures of Kennedy, Dealey Plaza, and the book depository; then he had the whole thing framed. He hung it in the banquet room of his Vassar Street mansion–later bought by oilman T. Boone Pickens–next to photos and mementos of his long, colorful career, which included co-founding the Civil Air Patrol, drilling numerous wildcat oil wells in East Texas, and funding the Antarctic explorations of his cousin, Admiral Richard E. Byrd, who named an Antarctic mountain range after the Texas colonel. Byrd held onto the former book depository building until 1970. (…) [Conover Hunt] knew several people, including Joe Dealey Sr., late publisher of The Dallas Morning News, who had seen the window hanging in Colonel Byrd’s house.” Vgl. Ann Zimmermann: “Stained Glass “, veröffentlicht von Dallas Observer am 27. November 1997 unter: http://www.dallasobserver.com/news/stained-glass-6402278.

(43) Vgl. „Haus Neugattersleben“, Website der Familie v. Alvensleben e.V. unter: https://www.familie-von-alvensleben.de/index.php/familiengeschichte-1800-1930-mainmenu-32/neugattersleben-mainmenu-264. Unter „Haus Neugattersleben – Familiengeschichte 1800 bis 1930“ lässt sich Werner von Alvensleben hier ausfindig machen: „VI 61. Konstantin Bodo Alvo Werner 21., Sohn von VI 38, geb. 23. 4. 1913  in Berlin, gest. 23.10.1998 in Lissa­bon, wohnte 1930 bei seinen Eltern.“ Vgl. „Haus Neugattersleben – Familiengeschichte 1800 bis 1930“ unter: https://www.familie-von-alvensleben.de/index.php/familiengeschichte-1800-1930-mainmenu-32/neugattersleben-mainmenu-264.

(44) Vgl. Baldus / Schmitz: „Auf Safari“, a.a.O., Seiten 195-196.

(45) Ebd., Seiten 196-197. Zu den genauen Hintergründen des Mordversuchs, an dem Werner von Alvensleben Jr. in Österreich beteiligt war, siehe Richard Schober / Josef Riedmann (Hrsg.): „Tiroler Heimat 76 (2012)“, Wagner Innsbruck (Verlag), 2012, darin: Richard Schober: „,Ein politisch verführter junger Mann?‘ Werner von Alvensleben und das Attentat auf Richard Steidle (1933)“, und Richard Schober / Josef Riedmann (Hrsg.): „Tiroler Heimat 78 (2014)“, Wagner Innsbruck (Verlag), 2015, darin: Richard Schober: „Zur Begnadigung des Steidle-Attentäters Werner von Alvensleben jun. (1933). Die Korrespondenz von Werner von Alvensleben sen. mit Heinrich Himmler.“

(46) Baldus / Schmitz: „Auf Safari“, a.a.O., Seite 197.

(47) Vgl. „Warten auf Hitler“, veröffentlicht von „Der Spiegel“ am 31. Januar 1983 unter: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-14018665.html.

(48) Baldus / Schmitz: „Auf Safari“, a.a.O., Seite 199. Nachrichtenstelle der österreichischen Regierung über Werner von Alvensleben nach der Festnahme in Wien 1933.

(49) Ebd., Seite 198.

(50) Vgl. ebd. Seiten 198-199.

(51) Vgl. ebd., Seite 199.

(52) Ebd., Seite 200.

(53) Ebd.

(54) Ebd., Seite 200.

(55) Vgl. Hans Rothfels / Theodor Eschenburg (Hrsg.): „Zur Ermordung des Generals Schleicher“, in: Viertelsjahreshefte für Zeitgeschichte, Jahrgang 1, Heft 1, Deutsche Verlagsanstalt Stuttgart, 1953.

(56) Ebd. Hitler in der Reichstagsrede: „General Schleicher war der Mann, der dem inneren Wunsche des Stabschefs Röhm den äußeren Ausdruck verlieh. Es war es, der konkret die Auffassung fixierte und vertrat, daß 1. das heutige deutsche Regiment unhaltbar sei, daß 2. vor allem die Wehrmacht und sämtliche nationalen Verbände in einer Hand zusammengefaßt werden müßten, daß 3. der dafür allein gegebene Mann nur Stabschef Röhm sein könnte, daß 4. Herr von Papen entfernt werden müßte und er bereit sein würde, die Stelle eines Vizekanzlers einzunehmen, daß weiter auch noch andere wesentliche Veränderungen des Reichskabinetts vorgenommen werden müßten. Wie immer in solchen Fällen, begann nunmehr das Suchen nach Männern für die neue Regierung, immer unter der Annahme, daß ich selbst in meiner Stellung, wenigstens für zunächst, belassen würde. Die Durchführung dieser Vorschläge des Generals von Schleicher mußte schon im Punkte 2 auf meinen nie zu überwindenden Widerstand stoßen. Es wäre mir weder sachlich noch menschlich jemals möglich gewesen, meine Einwilligung zu einem Wechsel im Reichswehrministerium zu geben und die Neubesetzung durch den Stabschef Röhm vorzunehmen. (…) General von Schleicher nahm das außenpolitische Spiel teilweise persönlich wahr bzw. ließ es durch seinen Kurier, General von Bredow, praktisch betreiben. (…) Ein ausländischer Diplomat erklärt, daß die Zusammenkunft mit Schleicher und Röhm selbstverständlich ganz harmloser Natur gewesen wäre. Ich hatte mich darüber mit niemandem zu unterhalten. Die Auffassungen über das, was harmlos ist und was nicht, werden sich auf politischem Gebiet niemals decken. Wenn aber drei Hochverräter in Deutschland mit einem auswärtigen Staatsmann eine Zusammenkunft vereinbaren und durchführen, die sie selbst als ,dienstlich‘ bezeichnen, unter Fernhaltung des Personals durchführen und mir durch strengsten Befehl verheimlichen, dann lasse i c h solche Männer t o t s c h i e ß e n , auch wenn es zutreffend sein sollte, daß bei einer vor mir so verborgenen Beratung nur über Witterung, alte Münzen u. dgl. gesprochen worden sein soll…“

(57) Baldus / Schmitz: „Auf Safari“, a.a.O., Seite 201.

(58) Ebd. Gegenüber OSS-X-2 äußerte Werner von Alvensleben Jr., er sei nach seiner zweiten Festnahme von August 1934 an für mehrere Monate ohne Prozess in Haft gehalten worden. Nachdem er im April 1935 freigelassen worden sei, habe man ihn zur Ausreise gezwungen. Die Verhaftungen, von denen W.v.A. Jr. mit dem OSS sprach, seien jeweils auf seine Gefolgschaft von „Straser” zurückzuführen gewesen (“Subject’s arrests were caused by his being a follower of STRASER“) – gemeint ist Gregor Strasser. W.v.A. Jr. gab ferner an, er sei beide Mal aufgrund von Interventionen des Deutschen Oberkommandos aus der Haft entlassen worden. Vgl. William E. Kelly, Jr.: “OSS X 2 Report on Werner von Alvensleben“, veröffentlicht von JFKCountercoup2 am 30. Oktober 2015 unter: http://jfkcountercoup2.blogspot.de/2015/10/oss-x-2-report-on-werner-von-alvensleben.html

(59) Vgl. ebd., Seiten 201-202.

(60) Ebd., Seiten 202-203.

(61) Vgl. ebd., Seite 203.

(62) Ebd.

(63) Vgl. Peter Dale Scott: “American War Machine – Deep Politics, the CIA Global Drug Connection, and the Road to Afghanistan“, Rowman & Littlefield, Lanham, 2010, Seite 164.

(64) Baldus / Schmitz: „Auf Safari“, a.a.O., Seite 203.

(65) Vgl. ebd., Seite 204.

(66) Ebd., Seite 204.

(67) Ebd.

(68) Ebd.

(69) Vgl. James H. Lesar: „Reply to Defandant’s Opposition to Second Renewed Motion for Partial Summary Judgement, etc.“, Aron DiBacco vs U.S. Department of the Army, C.A. No. 87-3349, 3. August 2016.

(70) Baldus / Schmitz: „Auf Safari“, a.a.O., Seite 207.

(71) Ebd.

(72) Ebd., Seite 208.

(73) Vgl. Carl Oglesby: “The Yankee-Cowboy War – Conspiracies from Dallas to Watergate and Beyond”, Berkley Publishing Corp., New York, 1976, Seiten 39-43.

(74) Peter Dale Scott: “The Road to 9/11 – Wealth, Empire, and the Future of America”, University of California Press, Berkeley, 2007, Seite 12.

(75) Vgl. Christopher Simpson: „Blowback – America’s Recruitement of Nazis and Its Effects on the Cold War”, Weidenfeld & Nicolson, New York, 1988, Seite 158.

(76) Ebd., Seite 53.

(77) Ebd.

(78) Ebd., Seiten 53-54.

(79) Vgl. ebd., Seite 54.

(80) Ebd., Seiten 54-55. Die Wissenschaftler Armin Wagner und Matthias Uhl kommen zu anderen Schlussfolgerungen, insofern der BND – auch aufgrund seines „Fremde Heere Ost“-Vorwissens – sehr wohl in der Lage gewesen sei, erfolgreiche Militärspionage gegen die Sowjetunion durchzuführen. Der BND habe ein realistisches Bild der militärischen Stärke der Sowjetarmee in der DDR besessen und qualifizierte Berichte darüber verfasst. Vgl. Armin Wagner / Matthias Uhl: „BND contra Sowjetarmee – Westdeutsche Militärspionage in der DDR“, C.H.. Links-Verlag, Berlin, 2007.

(81) Vgl. ebd., Seite 61-65.

(82) Ebd., Seite 282.

(83) Ebd., Seite 65. Die Gruppen, die an einem Eskalationskurs gegenüber der Sowjetunion interessiert waren, umriss der damalige Handelsminister und vorherige Vize-Präsident der USA, Henry A. Wallace, in einer wenig beachteten Tagebuchnotiz vom 29. Dezember 1945. Dort schrieb er: “My brother-in-law, Charles Bruggmann, told me about some friends who were in Dublin, Ireland, recently. At a social gathering were present several Jesuit priests who indicated that one of their supreme purposes was to bring about a war between the United States and Russia. Later on I began to speculate about the forces that are interested in trying to bring about such a war. In addition to a small group in the Catholic hierarchy there is also a small group among the English Tories and a small group in the American Army.“ Für die Fraktion innerhalb der US-Armee wäre auf Leslie R. Groves, den Wallace als „Faschisten“ bezeichnete, oder auch auf Curtis LeMay, einem späteren Mitbegründer der RAND Corporation, zu verweisen. Ferner nannte Wallace “a small group among the American big-business hierarchy, a substantial group among the Chinese Nationalists, the London Poles, and in general the more wealthy people who live in the countries close to Russia. Also there is a small group in the Navy (note for example Admiral Stark’s statement in the Pearl Harbor hearings with regard to communism being a greater danger than Nazism); also there should be included in this group a very strong element in the Republican Party. All of these people feel that it is only by the United States whipping Russia that they have a chance to maintain their present position in life. Against this group is found the peace-loving people everywhere. Unfortunately, the love of peace is a general sentiment and doesn’t bind people together in the same way as hatred binds together those who are intent on producing war between specific countries. The bulk of the Catholics, the bulk of the British, and the bulk of the common people everywhere do not want a third world war. These various groups that want a third world war in order to lick Russia are not at the present time working together but as time goes on they will tend more and more to coalesce. This is the great danger of the future.“ Vgl. “Peaceful Atomic Abundance – Excerpts from the Diary of Henry A. Wallace 1945 – Into the Cold War“, veröffentlicht von Studien von Zeitfragen unter: http://druckversion.studien-von-zeitfragen.net/Wallace%20Into%20the%20Cold%20War%201945.pdf

(84) Vgl. Eric Lichtblau: “Nazis Were Given ‘Safe Haven’ in U.S., Report Says“, veröffentlicht von The New York Times am 13. November 2010 unter:

(85) Mathias Bröckers: „Eine neue Inquisition. Der CIA-Folterreport – Teil 2“, veröffentlicht am 18. Januar 2015 auf Telepolis unter: http://www.broeckers.com/2015/01/18/eine-neue-inquisition/. Bröckers verweist in diesem Zusammenhang auf die Forschungsergebnisse in den Büchern „Die CIA-Lüge – Foltern im Namen der Demokratie“ von Egmont R. Koch (2008) und „Foltern und Foltern lassen – 50 Jahre Folter-Forschung und -Praxis von CIA und Militär“ von Alfred McCoy (2005).

(86) Für die historischen Bande zwischen CIA und Wall Street siehe Michael C. Ruppert: “Crossing the Rubicon“, New Society Publishers, Gabriola Island, 2004, Seite 53 – 57, und Peter Dale Scott: “The Road to 9/11. Wealth, Empire, and the Future of America”, University of California Press, Berkeley, 2007, Seite 11-14. Insgesamt verfügt die US-Regierung mittlerweile über 16 voneinander getrennte, vom Office of the Director of National Intelligence (ODNI) koordinierte Nachrichtendienste. Neben der CIA sind dies: das Federal Bureau of Investigation (FBI); die National Security Agency (NSA); die Defense Intelligence Agency (DIA); das Bureau of Intelligence and Research des US-Außenministeriums; das Office of Intelligence and Analysis des US-Finanzministeriums; Office of Intelligence and Counterintelligence des US-Energieministeriums; das Office of National Security Intelligence der Drug Enforcement Administration (DEA); das National Reconnaissance Office; das Office of Naval Intelligence (ONI); Air Force Intelligence, Surveillance, and Reconnaissance; Army Military Intelligence; Marine Corps Intelligence; die National Geospatial Intelligence Agency; Coast Guard Intelligence, und das Office of Intelligence Analysis des Department of Homeland Security (DHS).

(87) Russ Baker: “Family of Secrets”, Bloomsbury Press, New York, 2009, Seite 15.

(88) Burton Hersh: “The Old Boys – The American Elite and the Origins of the CIA”, Tree Farm Books, St. Petersburg, 2002, Seite 4.

(89) Ebd.

(90) Vgl. Michael C. Ruppert: “Crossing the Rubicon”, a.a.O., Seite 53. Ruppert erwähnt, dass Clark Clifford zusammen mit seinem Geschätspartner Robert Altman auf illegal Weise zum Kauf der US-amerikanischen Bank First American Bankshares durch die „Drogengeld- und Terror-Bank“ BCCI beitrug.

(91) Vgl. ebd., Seite 53.

(92) Peter Dale Scott: “The Road to 9/11”, a.a.O., Seite 12.

(93) Vgl. Kai Bird: “The Chairman: John J. McCloy – The Making of the American Establishment“, Simon & Schuster, New York, 1992, Seite 301

(94) Ebd.

(95) Ebd., Seite 304.

(96) Peter Dale Scott: “The Road to 9/11”, a.a.O., Seite 13.

(97) Kai Bird: “The Chairman”, a.a.O., Seite 304. Die Missionen, in denen sich das OPC engagierte, wählte Wisner vierteljährig mit dem ehemaligen Investmentbanker Paul Nitze (Dillon, Read) und Brigadier General John Magruder, dem Vertreter des Verteidigungsministers, aus. Vgl. Burton Hersh: “The Old Boys“, a.a.O., Seite 271-272.

(98) Peter Dale Scott: “The Road to 9/11“, a.a.O., Seite 12.

(99) Vgl. Eric Pace: “Obituary of Mr William Casey“, veröffentlicht von The New York Times am 7. Mai 1987 unter: http://www.nytimes.com/1987/05/07/obituaries/william-casey-ex-cia-head-is-dead-at-74.html

(100) Vgl. Michael C. Ruppert: “Crossing the Rubicon”, a.a.O., Seite 54.

You can leave a response, or trackback from your own site.

Leave a Reply


+ 1 = 9

Subscribe to RSS Feed Lars Schall auf Twitter folgen