Die Woche im Rückspiegel betrachtet

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Jede Woche am Sonntag stelle ich eine Auslese der zehn bemerkenswertesten Geschichten und Veröffentlichungen vor, über die ich bei meinen Streifzügen durch die Tiefen und Weiten des weltumspannenden Informationsnetzes gestolpert bin.

Von Lars Schall

Geneigte Leserin, geneigter Leser,

willkommen bei Die Woche im Rückspiegel betrachtet. Mit diesem Format möchte ich Ihnen immer wieder des Sonntags im Schnelldurchlauf Geschichten und Veröffentlichungen zu 10 Themenbereichen präsentieren, die mir im Laufe der jeweils vorangegangenen Woche als wie auch immer beachtenswert auffielen.

Und damit ohne weiteren Aufhebens zu den…

TOP 10-LINKS DER WOCHE

Auf Platz 10 dürfen US-Demokraten noch lange nicht, was US-Republikaner dürfen – wie hier festzustellen wäre.

Auf Platz 9 ist’s so: als ich ihn im Frühjahr 2013 interviewte, war Norbert Häring drauf und dran, Kooperationsmöglichkeiten mit dem Institute for New Economic Thinking (INET) auszuloten (siehe dazu hier). Der Wind hat sich mittlerweile eindeutig gedreht – was hier und hier aufploppt.

Zur “Finanzoligarchie“ zählen gewiss die Zentralbanken, und zu deren Entstehungsgeschichte klicken wir uns mal kurz hier hinein.

Auf Platz 8 räumt das Pentagon hier ein, keinerlei Beweise darüber vorliegen zu haben, dass das Assad-Regime in Syrien Giftgas einsetzte.

Auf Platz 7 war Emma Best fleißig, um Neuigkeiten zur PROMIS-Saga publik zu machen, nämlich hier und hier.

Ein zentraler Akteur in der PROMIS-Saga, Rafi Eitan, war kürzlich in Berlin, um der AfD Unterstützung zu geben – worauf Sie hier aufmerksam gemacht werden.

Auf Platz 6 befasste ich mich im Laufe dieser Woche für gewisse Buchrecherchen mit drei Videos, in denen die NSA-Whistleblower Thomas Drake und Bill Binney zu Worte kommen.

In dem Video Nr. 1 sagt Thomas Drake u.a.:

“9/11 war ein Geschenk an die NSA.“

Dies spiegelt nicht die Privatmeinung von Drake wider; so lautete vielmehr die Einschätzung seiner direkten Vorgesetzten bei der NSA namens Maureen Baginski, die sagte: “9/11 war ein Geschenk an die NSA, wir werden das ganze Geld bekommen, das wir brauchen, und noch mehr als das.“ (Siehe für dieses Zitat hier.)

Drake sagt in dem Video des Weiteren:

“Wenn die NSA Informationen weitergegeben hätte und diese richtig bearbeitet worden wären, hätte das wahrscheinlich den 11. September gestoppt – unabhängig von anderen Geheimdiensten oder Ministerien.“

Der damalige NSA-Chef Hayden habe die Ausgaben für das vor 9/11 initiierte Trailblazer-Programm “verdoppelt“, und man sah allgemein eine “gewaltige Ausweitung dessen, was bereits vor dem 11. September weitgehend vorhanden“ gewesen sei.

“Das Profitmotiv wurde zu einer treibenden Kraft“, und zwar im Sinne von: “Wie viel Geld können wir aus dieser Krise herausschlagen?“ – ganz so, wie einst Rahm Emanuel feststellte: man solle „eine Krise nicht ungenutzt verpuffen lassen.“

“9/11 wurde zu einem Profitcenter für viele, viele Unternehmen, die mit dem militärisch-industriellen Komplex verbunden sind.“

Das Video Nr. 1 finden Sie hier.

Dem Video Nr. 2 entnahm ich eine Beschreibung von Bill Binney zur grundlegenden Idee, die hinter dem Metadaten-Analyseprogramm Thinthread steckte (dem Konkurrenzprodukt zu Trailblazer). Binney sagt, die Idee sei “ziemlich einfach“ gewesen: man stelle sich vor, eine große Datenmenge analysieren zu müssen. Daraus ergibt sich die Frage, wie man die Daten “so zu verpacken vermag, dass man sieht, was sie wirklich bedeuten“, ohne gezwungen zu sein, alles einzeln durchgehen zu müssen. “Was dabei herauskam, war sehr einfach: anstatt zu lesen oder zuzuhören, was die Leute tun oder sagen, schaut man sich die Beziehungen zwischen Individuen an“ – sprich: ihre sozialen Netzwerke. “Es geht um die Metadaten – das sind Ihre Telefonnummern oder Ihre E-Mail-Adressen oder Bankkontoverbindungen, wo man Transaktionen zwischen Bankkonten oder Telefonanrufe oder E-Mails zwischen Menschen sehen kann, und das ermöglicht einen Verkettungsprozess: A spricht mit B – A spricht mit C – A spricht mit D – D spricht mit A – D spricht mit C, und so weiter.  So baut man ein soziales Netzwerk auf. Verwendet man dies als Grundprinzip, kann man die Kommunikation der ganzen Welt in soziale Netzwerke aufteilen. Wenn man weiß, welche sozialen Netzwerke wichtig sind oder wer Straftaten begeht oder militärische Handlungen plant, kann man sich darauf konzentrieren und die relevanten Daten analysieren“ – das heißt: man braucht “nicht die gesamten Daten der Welt“ zu betrachten. “Dadurch hat man die Möglichkeit, nur das herauszufiltern, was relevant ist“, und auf recht elegante Weise gäbe man “gleichzeitig allen sofort Privatsphäre.“

Das Video Nr. 2 finden Sie hier.

Das Video Nr. 3 besteht in dem Dokumentarfilm “A Good American” (Friedrich Moser, 2015). Dort erklärt Binney, dass dieses soeben dargelegte Verfahren in Militär- und Geheimdienstkreisen grundsätzlich länger bekannt und erprobt war. Beispielsweise stellte die Tet-Offensive, zu der es im Vietnamkrieg am 30. Januar 1968 kam, keinen Überraschungsangriff dar: durch Metadatenanalysen war die U.S. Army Security Agency (ASA) imstande, sie zwei Monate im Voraus vorherzusagen.

Das Video Nr. 3 finden Sie hier, wobei Sie auf die Aussagen zur Tet-Offensive im Zeitraum von Minute 1:01:54 bis 1:05:31 stoßen.

Auf Platz 5 schauen wir uns zunächst hier einen New York Times-Artikel von Lawrence Wilkerson zum Thema “Nächste Station: Teheran“ an, ehe wir ihm hier zusätzlich unser Ohr leihen wollen.

Zum Iran-Thema berücksichtigen wir ferner auch dies hier.

Auf Platz 4 werden Einheiten der U.S. Marines hier gen Ostasien entsandt, um gegen die “Konkurrenz“ aus China vorzugehen.

Andererseits ist, siehe hier, “America First“ irgendwie “China First“.

Auf Platz 3 ist es dann wohl bald soweit: Kommenden Monat startet China den Öl-Terminwarenhandel in Yuan, wie Bloomberg hier meldet.

Auf Platz 2 verlinken wir uns hier und hier nach längerer Zeit mal wieder mit der “John Batchelor Show“, um Stephen F. Cohen zu lauschen. Außerdem habe ich zu Stephen F. Cohen noch dieses hier für Sie im Angebot.

Und auf Platz 1 prangt ein glitzernder Gedanke von Simone Weil (1909 – 1943), den ich diese Woche mit Entzückung im Englischen las. Ich übersetze für Sie:

“Das vorgestellte Böse ist romantisch und abwechslungsreich; das reale Böse ist bedrückend, monoton, fade und langweilig. Das vorgestellte Gute ist langweilig; das reale Gute ist stets neu, herrlich und berauschend. Alles Schöne trägt ein Zeichen der Ewigkeit.“

Zuletzt noch das Musikstück der Woche: LYNN ANDERSON: (I Never Promised You A) Rose Garden.

So smile for a while and let’s be jolly, love shouldn’t be so melancholy
Come along and share the good times while we can…

In dem Sinne, ganz der Ihre,

Lars Schall.

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