Die Goldmarkt-Manipulation hat viele Informanten, sie werden nur stets ignoriert

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Ich erwähne diese Fälle von Enthüllungen über den Goldmarkt nur, um zu zeigen, dass die Frage nicht ist, warum es keine Enthüllungen im Goldmarkt gibt, sondern warum über sie nicht berichtet wird.

Von Chris Powell, Lars Schall

Die folgende Übersetzung ist eine exklusive Veröffentlichung auf LarsSchall.com durch persönliche Genehmigung von Chris Powell. Das englische Original, “Gold-market rigging has many whistleblowers; they’re just always ignored“, ist hier zu finden:

http://www.larsschall.com/2012/01/23/gold-market-rigging-has-many-whistleblowers-theyre-just-always-ignored/.

Die Goldmarkt-Manipulation hat viele Informanten, sie werden nur stets ignoriert

Präsentation von Chris Powell
Secretary / Treasurer, Gold Anti-Trust Action Committee Inc.
Vancouver Resource Investment Conference
Vancouver Convention Center West
Vancouver, British Columbia, Kanada
Sonntag, 21 Januar, 2012

Viele Leute fragen, warum, wenn es wirklich ein Programm zur Goldpreisdrückung gibt – ein Programm zur Devisenmarkt-Intervention, um den Dollar und andere Währungen gegenüber der wahren internationale Leitwährung, dem Gold, zu unterstützen -, nicht einige Informanten (Whistleblowers) hervorgetreten sind, um es bloßzustellen.

Tatsächlich ist über das Programm zur Goldpreisdrückung im Laufe der Jahre viele Male informiert worden, und das von den höchsten Autoritäten. Sie wurden nur noch nicht als Informanten durch die Medien und Finanzanalysten anerkannt.

Viele von Ihnen haben von der berühmte Bemerkung des Federal Reserve-Vorsitzenden Alan Greenspan über Gold in seiner Aussage vor dem Kongress im Juli 1998 gehört: „Die Zentralbanken sind bereit, Gold in immer größeren Mengen zu verleihen, sollte der Preis steigen.“

Das heißt, dass Greenspan der üblichen Zentralbanken-Erklärung für das Verleihen von Gold widersprach – angeblich, um ein wenig Zinsen an einem toten Vermögenswert zu verdienen – und einräumte, dass das Verleihen von Gold gänzlich mit der Drückung des Preises zu tun hat. Greenspans Eingeständnis ist immer noch auf der Internetseite der Fed veröffentlicht:

http://www.federalreserve.gov/boarddocs/testimony/1998/19980724.htm.

Und auf der von GATA:

http://www.gata.org/files/GreenspanTestimony-07-24-1998.htm_.txt.

Aber das offizielle Informieren von Missständen geht weit darüber hinaus.

Vor ein paar Jahren wurde ein sensationelle Memorandum in den Archiven von William McChesney Martin entdeckt, dem am längsten amtierende Vorsitzenden der Fed, von 1951 bis 1970. Sein Archiv befindet sich im Besitz der Missouri Historical Society und Material von ihnen ist auf der Internetseite der Federal Reserve Bank of St. Louis veröffentlicht.

Das sensationelle Memorandum datiert vom 5. April 1961 und trägt den Titel „US Foreign Exchange Operations:. Needs and Methods “ (Devisen-Operationen der USA: Anforderungen und Methoden). Es ist ein detaillierter Plan heimlichen Eingreifens durch die US-Regierung zur Manipulation der Währungs- und Goldmärkte, um den Dollar zu unterstützen und zu verbergen, zu verschleiern oder sogar US-Regierungsdokumente und -berichte so zu verfälschen, damit die Manipulation möglicherweise nicht entdeckt wird.

Wir wissen nicht, ob der Plan je vollständig umgesetzt wurde, aber das Memo beweist, dass eine solche heimliche Kursmanipulation durch die US-Regierung zumindest bis ins kleinste Detail in Betracht gezogen worden war:

http://www.gata.org/node/7096.

Paul Volcker war Unterstaatssekretär für internationale Währungsfragen beim US-Schatzamt von 1969 bis 1974 und wurde Vorsitzender der Fed im Jahre 1979. In letzter Zeit war er ein Berater von Präsident Obama gewesen. Volcker hat einige Erinnerungen geschrieben, die, so weit wir das beurteilen können, nur in Auszügen von The Nikkei Weekly in Japan veröffentlicht wurden.

Am 15. November 2004 veröffentlichte The Nikkei Weekly den folgenden Auszug aus Volckers Erinnerungen über die US-Dollar-Revaluation, die am 12. Februar 1973 stattfand. Volcker schreibt:

„An diesem Tag gaben die Vereinigten Staaten bekannt, dass der Dollar um 10 Prozent abgewertet werden würde. Durch das Umschalten des Yen auf einen frei schwankenden Wechselkurs wertete die japanische Währung auf und eine ausreichende Neuausrichtung der Wechselkurse wurde realisiert. Eine gemeinsame Intervention in den Goldabsätzen, um einen steilen Anstieg im Goldpreis zu verhindern, wurde jedoch nicht vorgenommen. Das war ein Fehler.“

http://www.gata.org/node/8209.

Haben Sie das verstanden? Ein ehemaliger Chef der Federal Reserve, derjenige, dem das Auswringen der Inflation aus dem US-Dollar in den späten 1970er und frühen 1980er Jahren gutgeschrieben wird, sagt, dass es ein Fehler der US-Regierung gewesen ist, den Goldmarkt nicht manipuliert zu haben.

Volcker ist immer noch da, um Fragen zu beantworten, aber soweit wir wissen, hat ihn kein Finanzjournalist je gefragt, warum die Nicht-Manipulation des Goldmarkts ein Fehler war.

Arthur Burns war Chef der Fed von 1970 bis 1978. Am 3. Juni 1975 schrieb Burns einen Brief an Präsident Ford über heimliche Bemühungen der Fed, um den Goldpreis zu unterdrücken. Dieser Brief ist durch verschiedene Quellen freigegebener US-Regierungsdokumente verfügbar und auf GATAs Internetseite veröffentlicht:

http://www.gata.org/files/FedArthurBurnsOnGold-6-03-1975.pdf.

Burns teilte dem Präsidenten mit: “Ich habe ein geheimes Einverständnis in schriftlicher Form mit der Bundesbank, unter Beipflichtung von Herrn Schmidt“- das ist Helmut Schmidt, der Kanzler Westdeutschlands zu der Zeit – “dass Deutschland kein Gold kaufen wird, weder vom Markt noch von einem anderen Staat, zu einem Preis über dem offiziellen Preis von $ 42,22 pro Unze.“

Burns fügte hinzu: “Ich bin überzeugt, dass die bei weitem beste Position zu diesem Zeitpunkt für uns ist, Vereinbarungen zu widerstehen, die für Zentralbanken und Regierungen großen Spielraum bieten, um Gold zu einem marktgerechten Preis zu erwerben.”

Das heißt, dass der Vorsitzende der Fed 1975, vier Jahre nachdem der US-Dollar von jeder formalen Konvertierbarkeit in Gold abgekoppelt worden war, dem Präsidenten sagte, dass die US-Regierung eine Preisbildung im Markt von Gold entmutigen sollte.

Vor ein paar Wochen kontaktierte der deutsche freie Journalist Lars Schall Schmidts Büro bezüglich des Burns-Briefes. Schmidt antwortete durch eine Sekretärin, er könne sich an das geheime Einverständnis, das der Brief beschrieb, nicht erinnern, aber er leugnete es nicht ab. (1)

Die Enthüllungen über die Goldpreisdrückung durch die ehemaligen Fed-Vorsitzenden Greenspan, Martin, Volcker und Burns mag ein wenig wie Historie erscheinen. Aber es gab ein ähnliches Informieren vor zwei Jahren.

GATAs Antrag im Rahmen des Freedom of Information Act auf Zugang zu den Golddokumenten der Fed bewertend, antwortete ein Mitglied des Fed-Vorstands, Kevin M. Warsh, dem Anwalt von GATA im September 2009, dass unter den Golddokumenten, bezüglich derer die Fed auf Geheimhaltung beharrte, Aufzeichnungen über Gold-Swap-Vereinbarungen der Fed mit ausländischen Banken seien:

http://www.gata.org/files/GATAFedResponse-09-17-2009.pdf.

Natürlich ist der einzige Zweck von Gold-Swap-Vereinbarungen die Marktintervention.

Fed-Vorstandsmitglied Warsh hat nicht geschrieben, dass diese Gold-Swap-Vereinbarungen tatsächlich umgesetzt worden sind. Aber unser deutscher freier Journalisten-Freund Schall und andere haben die Bundesbank dahin bekommen, Aussagen zu machen, die nah an der Bestätigung dafür sind, dass die Bundesbank Gold-Swaps mit den Vereinigten Staaten durchgeführt hat, um das zu verfolgen, was die Bundesbank ihre „strategischen“ Aktivitäten auf dem Markt nennt:

http://www.gata.org/node/9363.

Und erst im vergangenen Monat schrieb Warsh, der als Fed-Vorstand zurückgetreten ist, einen Aufsatz in The Wall Street Journal über das immer beliebter werdende Thema „Finanzrepression“ – das heißt, staatliche Eingriffe gegen Märkte. Warsh schrieb, dass “die politischen Entscheidungsträger es verlockend finden, ‘Finanzrepression’ zu betreiben – die Unterdrückung von Marktpreisen, die sie nicht mögen.”

http://www.gata.org/node/10839

Ein paar Wochen später zitierte eine Kolumnistin der Financial Times Warshs Kommentar in ihrer eigenen Kolumne in der FT:

http://www.gata.org/node/10828 (2)

Aber weder sie noch sonst jemand, so weit es für GATA möglich war, das herauszubekommen, ging zurück zu Warsh, um die offensichtlichen und zwingenden Fragen zu stellen:

Welche politischen Entscheidungsträger versuchen, Marktpreise zu unterdrücken?

Welche Preise versuchen sie zu unterdrücken?

– Wie genau wissen Sie über diese Bemühungen, bestimmte Preise zu unterdrücken, Bescheid? Wissen Sie davon wegen Ihrer Erfahrung als Mitglied des Fed-Vorstands für fünf Jahre?

– Haben die Öffentlichkeit und die Märkte in einem demokratischen Land das Recht, deutlich und konkret von der öffentlichen Politik der „Finanzrepression“ Bescheid zu wissen, so dass sie verstehen könnten, auf welche Märkte gezielt wird und welche Märkte überhaupt gar keine wirklichen Märkte mehr sind?

Da die Medien und Finanz-Autoren nicht geneigt zu sein scheinen, Warsh die offensichtlichen und zwingenden Fragen zu stellen, die sein Essay aufwarf, versuchte GATA, dies zu tun. Wir erreichten Warsh durch die Hoover Institution an der Stanford University in Kalifornien, wo er ein Visiting Fellow wurde, und fragten, ob wir ihn zu seinem Essay im Wall Street Journal über „Finanzrepression“ interviewen könnten. Warsh war langsam mit der Reaktion, aber nach ein paar Wochen reagierte er sehr herzlich und entschuldigte sich für die Verzögerung.

Während er zwar die Anfrage für ein Interview unbeantwortet ließ, antwortete Warsh, dass er für den kommenden Donnerstag an der Stanford University seine ersten öffentlichen Äußerungen seit dem Weggang von der Fed zu machen gedenkt, dass diese Bemerkungen die “Finanzrepression“ ausführlich behandeln, und dass die Universität seine Kommentare weithin zur Verfügung stellen wird. Warsh veranlasste sogar, dass ein Publizist der Universität kontaktierte, damit ich einen schnellen Zugriff auf seine Kommentare haben würde. Sie könnten von größtem Interesse für Verfechter der freien Märkte und Demokratie sein.

Werden Warshs Kommentare von irgendeinem Interesse für die Finanz-Medien sein? Ich würde mich nicht darauf verlassen. Aber ich erwähne diese Fälle von Enthüllungen über den Goldmarkt, die alle in der Sektion „Dokumentation“ auf GATAs Internetseite beschrieben werden – http://www.gata.org/taxonomy/term/21 – nur, um zu zeigen, dass die Frage nicht ist, warum es keine Enthüllungen im Goldmarkt gibt, sondern warum über sie nicht berichtet wird.

Anmerkung des Übersetzers:

(1) Vgl. Lars Schall: “Ehemaliger deutscher Bundeskanzler schweigt zu Fed-Memorandum“, veröffentlicht auf LarsSchall.com am 18. November 2011 unter:

http://www.larsschall.com/2011/11/18/ehemaliger-deutscher-bundeskanzler-schweigt-zu-fed-memorandum/

(2) Vgl. Chris Powell: Was ist “Finanzrepression”?, veröffentlicht auf LarsSchall.com am 31. Dezember 2011 unter:

http://www.larsschall.com/2011/12/31/was-ist-finanzrepression/,

und Chris Powell: Was ist “Finanzrepression“? – Teil 2, veröffentlicht auf LarsSchall.com am 1. Januar 2012 unter:

http://www.larsschall.com/2012/01/01/was-ist-%E2%80%9Cfinanzrepression%E2%80%9C-teil-2/

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