FLUCHTEN UND RÄUME

Ein Musik-Gedicht.

Von Lars Schall

 

 

In meinem Bette liegend,

ohne zu wissen, dass ich träume,

bewege ich mich durch eines großen Hauses Fluchten und Räume.

 

Zu Beginn des Traumes

waren die Zimmer viel bevölkert, weit und hell;

es gab Musik, die Tänze und Gespräche verliefen beschwingt und schnell.

 

Was gefeiert wurde

in jenen Hallen, weiß ich nicht zu sagen:

Ich vergaß, während dem ich durchzog, jemanden danach zu fragen.

 

Bald darauf jedoch

wurden die Räume leerer, enger und nächtlicher,

und statt Musik, Tanz und Gespräch ward es zunehmend bedächtiger.

 

Nun bewege ich mich,

ohne zu wissen, dass ich träume,

ganz allein durch des großen Hauses Fluchten und Räume.

 

Vor mir liegt

die geballte, geheimnisvolle Dunkelheit,

und von Tür zu Tür wachsen in mir die Stille und Verlassenheit.

 

 

Im vorletzten Zimmer,

das ich noch betrete, erahne ich eine blanke Messerklinge;

einzig in der Finsternis darauf wartend, dass ich über sie springe.

 

Blut tropft auf den Boden –

ich muss über die Klinge gesprungen sein,

und gehe schon weiter ins letzte der vielen Zimmer hinein.

 

Im letzten Zimmer

wartet nichts, außer ein leeres Blatt Papier;

es gibt keine Ausflüchte mehr und jetzt stehe ich hier.

 

Mit meinem Blut

muss ich das weiße, unbeschriebene Blatt wohl benetzen,

und eben drum galt es sich vorher an der schneidenden Klinge zu verletzen.

 

Der Traum ist aus

und der Job wird eine gewisse Qual.

Nun ja, denk ich mir, dann wollen wir mal.

Both comments and pings are currently closed.

Comments are closed.

Subscribe to RSS Feed Lars Schall auf Twitter folgen

Bei weiterer Nutzung dieser Webseite, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr Infos

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen