Indien drängt zur BRICS-Rettung auf „Shock-and-Awe“-Währungsplan

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Ambrose Evans-Pritchard vom Daily Telegraph berichtet mit Sorge, dass Indien auf eine gemeinsame „Shock-and-Awe“-Intervention der wichtigsten Entwicklungsländer drängt, um die Kapitalflucht zu stoppen und ihre Währungen abzustützen. Der Schachzug könnte nach hinten losgehen und einen Teufelskreis auslösen. Zuvor hat die US Federal Reserve Asien, Lateinamerika, Afrika und Osteuropa schon einmal wissen lassen, dass sie tot umfallen sollen.

Von Ambrose Evans-Pritchard, Übersetzung Lars Schall

Die exklusive Übersetzung der Artikel “India pushes ’shock and awe’ currency plan to save BRICS“ und “Emerging market rout is too big for the Fed to ignore“, beide im englischen Original auf der Website des Daily Telegraph erschienen, wurde von Ambrose Evans-Pritchard für LarsSchall.com ausdrücklich und persönlich genehmigt.

Ergänzend zu diesem Artikel siehe von Ambrose Evans-Pritchard auf LarsSchall.com auch “Schwellenländer ersetzen Europa als Dreh- und Angelpunkt des Risikos in der Welt“.

Ambrose Evans-Pritchard, geboren 1957, berichtet seit über 30 Jahren über Weltpolitik, Wirtschaft und Finanzen aus Europa, den USA und Lateinamerika. Er kam 1991 zum Daily Telegraph, wo er zunächst Korrespondent in Washington und dann (von 1999 bis 2004) Europakorrespondent in Brüssel war. Heute ist er International Business Editor der Zeitung in London. Vor seinem Engagement beim Daily Telegraph arbeitete er unter anderem beim The Economist. Er studierte am Malvern College, am Trinity College, an der Cambridge University und La Sorbonne.

Zusätzlich zum nachfolgenden Beitrag findet sich auf LarsSchall.com ein Exklusiv-Interview mit Ambrose Evans-Pritchard,Europe and America will not allow deflation to take root”. Für eine Gesamt-Übersicht der exklusiv für LarsSchall.com übersetzten Artikel von Ambrose Evans-Pritchard siehe hier.

Indien drängt zur BRICS-Rettung auf „Shock-and-Awe“-Währungsplan
von Ambrose Evans-Pritchard

Indien drängt auf eine gemeinsame „Shock-and-Awe“-Intervention von wichtigen Entwicklungsländern, um Kapitalflucht zu stoppen und Währungen zu stützen, in einem Schachzug, der nach hinten losgehen und einen Teufelskreis auslösen könnte.

„Es wird eher im Laufe von Tagen statt Wochen geschehen, Brasilien und Indien könnten den Schritt starten“, sagte Dipak Dasgupta, ein indischer Top-Beamter.

Herr Dasgputa sagte Reuters, dass China, Brasilien, Indien, die Türkei, Russland und Südafrika allesamt in die Klemme geraten, da die US-Federal Reserve die Straffung der Geldpolitik vorbereitet. Eine gemeinsame Maßnahme würde Schwellenländern größere Feuerkraft verschaffen, so dass sie ihre kombinierten $ 8.7 Billionen (£ 5.6 Billionen) an Reserven einsetzen und “Spekulanten“ vernichten können, anstatt eines nach dem anderen abgegriffen zu werden.

Es ist jedoch unklar, ob eine solche Maßnahme irgendeinem nützlichen Zweck dienen wird, da das eigentliche Problem die Erschöpfung der Aufholwachstums-Modelle in diesen Ländern und ein Boom-Bust-Kreditzyklus ist. „Das könnte nach hinten losgehen „, sagte Ian Stannard von Morgan Stanley. „Wenn sie das täten, würden sie amerikanische und europäische Anleihen verkaufen müssen, und das würde die Renditen nach oben drücken. Es waren steigenden Renditen, die diesen Prozess überhaupt erst begonnen haben.“

Der Nebeneffekt einer solchen Intervention würde die Straffung der Geldpolitik sein, was die Länder in tiefere Probleme brächte. Indiens Wachstum fiel auf 4.4 Prozent im zweiten Quartal, das niedrigste Ergebnis seit der Post-Lehman-Krise im Jahre 2009. Dies erodiert die Steuereinnahmen und schob das Haushaltsdefizit wieder über 5 Prozent des BIP; eine Rating-Herabstufung droht.

„Wir stehen zweifelsohne vor großen Herausforderungen“, sagte Manmohan Singh, Indiens Premierminister. Die Rupie ist im freien Fall begriffen und stürzte um 25 Prozent in den vergangenen vier Monaten auf ein Rekordtief von 68,84 gegenüber dem Dollar ab.

„Die populistische Finanzpolitik holt Indien ein“, sagte Kunal Kundu von Societe Generale. Nahrungs- und Kraftstoff-Subventionen verschlangen viel des Haushaltes, während die Investitionen verkümmerten. Indien hat über seine Verhältnisse gelebt, mit einem Leistungsbilanzdefizit von 4.8 Prozent des BIP im vergangenen Jahr. Herr Kundu sagte, Indien braucht große Kapitalzuflüsse, nur um seine kurzfristigen Auslandsschulden abzudecken, doch das heiße Geld verlässt das Land.

Beamte haben Pläne erörtert, wonach Indiens Goldreserven als Sicherheiten für Kredite des Internationalen Währungsfonds verwendet werden sollten, aber der IWF würde tief greifende Reformen und Kürzungen bei den Subventionen verlangen.

„Die indischen Behörden haben ein komplettes politisches Chaos veranstaltet“, sagte Lars Christensen von der Danske Bank. „Sie versuchen eine Quasi-Anbindung der Rupie, anstatt die Währung die Fundamentaldinge widerspiegeln zu lassen.“

Es bleibt abzuwarten, ob andere Länder die Kräfte mit Indien bündeln. Südafrika hat Unterstützung signalisiert, aber Brasiliens Zentralbank sagte, sie sei sich über etwaige Pläne nicht bewusst. Peter Attard Montalto von Nomura wies die Gerüchte über die gemeinsame Aktion als „Rauschen“ von Politikern zurück, die sich an Strohhalme klammerten. „Wir sind sehr skeptisch“, sagte er.

Die Schwellenländer-Schlappe ist zu groß, um von der Fed ignoriert werden zu können

Die US Federal Reserve hat Asien, Lateinamerika, Afrika und Osteuropa gesagt, tot umzufallen.

Dies hat das Zeug zu einem ernsthaften Politik-Fehler: bestenfalls eine Wiederholung der dramatischen Ereignisse im Herbst 1998, schlimmstenfalls ein vollständiges Debakel und ein Abgleiten in eine zweite Runde der Langen Krise.

Schwellenländer sind nunmehr groß genug, um die Weltwirtschaft nach unten ziehen zu können. Indem Indonesien, Indien, die Ukraine, Brasilien, die Türkei, Venezuela, Südafrika, Russland, Thailand und Kasachstan versuchen, ihre Währungen zu stützen, wird der Effekt zu einem Querschläger durch höhere Fremdkapitalkosten in der fortgeschrittenen Welt. Auch China fühlte sich gezwungen, 20 Milliarden Dollar an US-Treasuries im Juli zu verkaufen.

„Sie reduzieren Reserven durch den Verkauf von US-amerikanischen und europäischen Anleihen, was zu einer sich selbst verstärkenden Rückkopplung wird“, sagte Simon Derrick von BNY Mellon.

Uns wird gesagt, dass die Schwellenländer widerstandsfähiger als in früheren Krisen seien, weil sie $ 9 Billionen an Reserven haben. Aber jede Verwendung dieses Schatzes, um den Wechselkurs zu verteidigen, bringt eine Straffung der Geldpolitik mit sich, und fügt den Ländern, die sich bereits in Schwierigkeiten befinden, einen kontrahierenden Schock zu.

Uns wird auch gesagt, dass sie sich Geld heutzutage in ihren eigenen Währungen leihten, immun gegen die Art von Dollar-Klemme, die solche Verwüstung in den frühen 1980er Jahren und Mitte der 1990er Jahre verursachte. Das ist wahr, aber zweischneidig. Indien, Brasilien und andere werden sicherlich versucht sein, die Kämpfe gegen die Märkte einzustellen, ihre Währungen gleiten zu lassen und die Schmerzen auf Ausländer abzuwälzen – das heißt, auf Ihre Pensionskasse.

Mirza Baig von BNP Paribas rät ihnen, Abwertungen vorzunehmen, nannte es müßig, Quasi-Anbindungen zu verteidigen. „Die Kosten der Kämpfe sind außer Kontrolle geraten „, sagte er.

Herr Baig sagte, Ausländer trügen 90 Prozent des Währungsrisikos in Malaysia, 81 Prozent in Thailand, in Korea 79 Prozent und in Indien 74 Prozent. Man lasse sie den Schuldenschnitt hinnehmen müssen. Sollten diese Länder diesen Weg nehmen, werden sie einen deflationären Handelsschock im Westen verursachen. Die Eurozone ist in keinem fitten Zustand, um damit umzugehen. Gleiches gilt für Großbritannien.

Wir befinden uns in gänzlich unbekannten Gewässern. Die Schwellenländer waren weniger als 15 Prozent des globalen BIP in den frühen 1980er Jahren, als die monetäre Straffung der Volcker-Fed Lateinamerika zum Absturz brachte. Das war eine hässliche Episode für westliche Banken, aber leicht einzudämmen. China stand damals in Autarkie, abgesperrt von der Welt. Die Sowjetunion und ihre Satelliten bildeten ein geschlossenes System.

Das Bild war schon ab Mitte der 1990er Jahre sehr unterschiedlich, als Ex-Kommunisten der Party beigetreten waren. Bis dahin waren die Schwellenländer auf ein Drittel des weltweiten BIP angewachsen, groß genug, um das Boot ins Schaukeln zu bringen, wie der Fed-Vorsitzende Alan Greenspan nach der Zahlungsunfähigkeit Russlands im August 1998 entdeckte.

Herr Greenspan ward besorgt genug, den Fed-Gouverneure die Notwendigkeit einer Reaktion auf der Jackson Hole-Konklave in jenem Monat zu zeichnen. Die Fed senkte die Zinsen im September, aber es war nicht genug, um die Krise davon abzuhalten, außer Kontrolle zu geraten, als in ganz Ostasien Währungen abstürzten und das Prä-EWU-„Konvergenzspiel“ in Europa heftig umkehrten.

Die New York Fed war gezwungen, im Oktober 1998 zu intervenieren, damit den Hedge-Fonds Long Term Capital Management rettend. Die Fed senkte die Zinsen abermals im Oktober und im November. Herr Greenspan sagte: „Die Wahrscheinlichkeit eines systemischen Zusammenbruchs war ausreichend groß, um uns unwohl zu fühlen, nichts zu tun.“

Wenn die Einsätze damals hoch waren, sind sie jetzt höher. Die Schwellenländer sind die Hälfte der Weltwirtschaft nach IWF-Daten. Die „Power-Ratio“ ist nicht mehr 1:2, sie ist 1:1. Diejenigen, die sich in die BRICS und Mini-BRICS im Boom verliebten, hatten völlig Recht zu behaupten, dass eine wirtschaftliche Revolution stattfand.

Doch alles, was wir diesmal von Jackson Hole gehört haben, waren ablehnende Äußerungen, dass die Schwellenländer-Schlappe nicht das Problem der Fed sei. „Andere Länder haben das einfach als Realität hinzunehmen und sich uns anzupassen“, sagte Dennis Lockhart, der Chef der Atlanta Fed. Terrence Checki von der New Yorker Fed sagte: „Es gibt keinen Geniestreich, der die Länder vor finanziellen Ausstrahlungseffekten isolieren würde.“

Das Gesprächs für Fed-Korridore scheint mir gefährlich sorglos zu sein. Die Bank hat eine Reihe von Fehlern in den letzten sechs Jahren gemacht, das Ergebnis eines „geschlossenen Makroökonomie-Modells“, das darin versagt, in vollem Umfang globalen Wechselwirkungen in Rechnung zu setzen. Es scheiterte daran zu antizipieren, wie das Treten auf die Bremse vor der Lehman-Pleite ein Gerangel um Dollar auslösen würde; das Zünden einer Feuersbrunst. Die Bank spielte eine Schlüsselrolle beim Lostreten späterer Krämpfe in der EWU-Schuldenkrise mit Falken-Talk, von dem sie jedes Mal gezwungen war, später einen Rückzieher zu machen.

„Die große Gefahr ist, dass die Fed-Straffung einen Ansturm auf US-Dollar auslösen wird. Das ist, wenn die Fed aufhört, selbstgefällig zu sein“, sagte Lars Christensen von der Danske Bank. „Die Zentralbanken auf der ganzen Welt denken, dass sie etwas getan haben, was sie mit all diesen Stimulus, den sie gegeben haben, nicht hätten tun sollen, und sie wollen es so schnell wie möglich entspannen. Doch die Gefahr ist, dass sie zu weit gehen und einen Rückfall auslösen wie 1937.“

Die Fed hat eine Sorgfaltspflicht gegenüber den Schwellenländern, da die eigenen Hände kaum sauber sind. Nullzinsen und die Quantitative Lockerung waren die Ursache für die Dollar-Liquidität, die diese Länder überschwemmte. Es war der wichtigste Grund, warum sich nach 2008 die Netto-Kapitalströme in die Schwellenländern von $ 4 Billionen auf $ 8 Billionen verdoppelten, ein Großteil davon verschwendet in einem späten Zyklusschwund.

Ja, China, Brasilien, Indien und andere handhabten das Liquiditätsbad schlecht. Sie fuhren die Krediterzeugung hoch, ohne viel an lohnendem Wachstum zu generieren. Im Falle Chinas ist die wirtschaftliche Rendite auf das Kreditwachstum von einem Verhältnis von 0,85 auf 0,17 zusammengebrochen. Die abnehmenden Ertragszuwächse sind auf fast nichts geschrumpft.

Der Kredit-Boom verkleidete die zugrunde liegende Fäulnis, als der BRICS-Club seine Arbeitnehmerschaft-Wettbewerbsfähigkeit verlor. Jeder Fall ist anders, aber nirgends war der Mythos von der Realität sosehr geschieden wie in Brasilien. Das Land ist auf dem 130. Platz im Weltbank-Ranking bezüglich der Leichtigkeit, Geschäfte machen zu können, die Industrieproduktion beträgt noch 3 Prozent des Vorkrisenniveaus und es hat seinen Weg mit der Abhängigkeit von Eisenerz und Rohstoff-Exporten verloren.

Wie Matt King von Citigroup in einer markigen Notiz sagt, haben die Touristen entdeckt, dass „die Realität weniger gut als in der Broschüre“ in den Schwellenländern ist, und jetzt sehnten sie sich danach, sofort nach Hause zu kommen. “Nicht alle kommen auf einmal nach Hause. Die Weggänge sind klein“, warnte er.

Man kann den USA nicht die Schwächen dieser Länder anlasten, doch Ben Bernanke und sein Nachfolger werden immer noch mit den Konsequenzen leben müssen. Die Globalisierung hat die Fed eingeschlossen. Ob Sie’s mögen oder nicht, die Fed ist die weltweit monetäre Supermacht.

Der Exodus des Geldes aus den Schwellenländern, den wir bisher gesehen haben, ist nichts im Vergleich mit dem, was passieren könnte, wenn diese Episode misshandelt wird. Die schnelle Eskalation hin zu einem westlichen Raketenangriff auf Syrien lässt die Dinge schnell in den Kopf springen; die Rede ist von einem sprunghaften Anstieg der Rohölpreise auf $ 150 pro Barrel, ihre eigene Kettenreaktion auslösend.

Wenn die Fed wirklich denkt, dass sich der Rest der Welt “uns anzupassen“ habe, indem sie komme, was wolle, auf eine Trockenlegung der globalen Liquidität besteht, wird sie womöglich einmal mehr eine sehr böse Überraschung erleben.

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