Zur Kunst der psychologischen Kriegsführung

Angenommen, die Anfänge der Massenkommunikationsforschung lägen u.a. beim US-Geheimdienst CIA, wäre das nicht recht vertrackt, so doch all unser Wissen direkt oder indirekt auf die Medien zurückgeht?

Von Lars Schall

Seit der Ausrufung des „Kriegs gegen den Terror“ im Jahre 2001 befinden sich nicht zuletzt auch die Massen-Medien im Krieg. Wenn aber die großen Medien selbst zum Kriegsschauplatz werden, geraten wir in ein großes Dilemma. Denn all unser Wissen stammt aus den (Massen-)Medien. Ihnen entnehmen wir die Informationen, die unser Weltbild maßgeblich prägen. Sie bilden damit gleichsam, um ein altes Wort von Hans-Magnus Enzensberger zu bemühen, eine ganze „Bewusstseinsindustrie“, die mit uns, den Rezipienten, allerhand „Schabernack“ anzustellen in der Lage ist. (1) So heißt es in einer Studie zur psychologischen Kriegsführung aus den 1950er Jahren, die den „Schabernack“ verbalisiert:

Wenn man jemanden sieben Jahre lang mit korrekten Informationen versorgt, wird er geneigt sein, am ersten Tag des achten Jahres die falsche Information zu glauben, wenn man der Ansicht ist, dass es notwendig ist, dass er das tut. Die erste Aufgabe ist es, die Glaubwürdigkeit und Authentizität seiner Propaganda aufzubauen und den Feind dazu zu überreden, einem zu vertrauen, obwohl man sein Feind ist.“ (2)

Christopher Simpson weist in seinem Buch The Science of Coercion: Communication Research and Psychological Warfare 1945-1960 darauf hin, dass der Begriff psychological warfare 1941 in den englischen Sprachgebrauch überging – als eine Übertragung des Nazi-Begriffs „Weltanschauungskrieg“, den Simpson definiert als „die angeblich wissenschaftliche Anwendung von Propaganda, Terror und staatlichem Druck als Mittel zur Sicherung eines ideologischen Siegs über seine Feinde“. (3) Der Wall Street-Anwalt William Donovan, der das neugeschaffene Office of Strategic Services (OSS) leitete, „betrachtete das Verständnis der psychologischen Nazi-Taktiken als eine wichtige Quelle für ,amerikanisierte‘ Versionen“ solcher Operationen in der Zukunft und schob viele Initiativen zur Erprobung dieses Feldes innerhalb der US-Regierung an. (4)

Die gleiche Stiftung, welche die War and Peace Studies des Council on Foreign Relations finanzierte, die zwischen 1939 und 1945 stattfanden, tat sich zur selben Zeit auch bei der Erforschung der psychologischen Kriegsführung hervor: die 1913 gegründete Rockefeller Foundation.

Eine wegweisende Verhaltensstudie im Bereich der Medien wurde 1935 von den Psychologen Hadley Cantril und Gordon Allport veröffentlicht, The Psychology of Radio, in dem die beiden Autoren befanden: „Radio ist ein völlig neuartiges Medium der Kommunikation, herausragend als ein Mittel der sozialen Kontrolle und epochal in seinem Einfluss auf die geistigen Horizonte der Menschen.“ (5) Die Arbeit erregte das Interesse von John Marshall, der in leitender Funktion bei der Rockefeller Foundation arbeitete. So kam es schließlich, dass Cantril auf Anregung von Marshall hin an der Princeton University das sogenannte Princeton Radio Project (PRP) übernahm, das von der Rockefeller Foundation finanziert wurde. Ihm hinzugesellten sich Frank Stanton, Director of Research bei CBS, und der österreichische Sozialwissenschaftler Paul Felix Lazarsfeld, der 1933 als Stipendiat der Rockefeller Foundation in die USA gekommen war, ehe er 1935 beschloss, ganz in die Vereinigten Staaten überzusiedeln. Zuvor hatte er mit Marie Jahoda und Hans Zeisel die bahnbrechende Studie über „Die Arbeitslosen von Marienthal“ durchgeführt. Weitere Teilnehmer am PRP: der schon erwähnte Gordon Allport und der deutsche Philosoph, Soziologe und Musiktheoretiker Theodor W. Adorno, der Anfang 1938 in die USA emigrierte. (6)

Gegen Ende desselben Jahres, genauer: am 30. Oktober 1938 lieferte Orson Welles‘ Hörspielsensation „Krieg der Welten“ den Anlass für eine umfassende Analyse im Rahmen des Princeton Radio Project. (7)

„Lazarsfeld sah das Ereignis als besonders bemerkenswert an und fragte Stanton sofort nach CBS-Mitteln, um die Reaktion auf das zu untersuchen, was zu der Zeit der größte unmittelbare Akt der Massenbeeinflussung in der menschlichen Geschichte war. In den nächsten Monaten wurden Gespräche mit Krieg der Welten-Zuhörer gesammelt … und anschließend in Cantrils Studie aus dem Jahre 1940 analysiert, The Invasion From Mars: A Study in the Psychology of Panic.

Unter Hinweis auf den Mangel an ,grundlegenden Informationen über ihre Formung und Tätigkeit‘, entwickelte die Stiftung danach ein noch konzertierteres Interesse für das Verständnis der öffentlichen Meinung während der Zeiten des Krieges. ,Der Krieg in Europa‘, behauptete der Bericht der Stiftung von 1939, ,hat diesem Land eine außergewöhnliche Gelegenheit zur Untersuchung der Entwicklung der öffentlichen Meinung gegeben, welche Veränderungen die Meinung unter verschiedenen Bedingungen erfährt, und die Gründe für die Veränderung.“ (8)

1940 initiierte Cantril das Office of Public Opinion Research (OPOR) an der Princeton University, nachdem dafür Finanzierungsmittel von der Rockefeller Foundation bereitgestellt worden waren. „Ein Hauptziel des OPOR war die systematische Untersuchung, wie die öffentliche Meinung geschmiedet wird“. (9) Weitere Gelder der Rockefeller Stiftung gingen an die School of Public and International Affairs in Princeton, die europäische Radioprogramme auswertete, und an den Politikwissenschaftler Harold Lasswell, der ein Institut an der Library of Congress „für generellere Studien von Radioübertragungen, der Presse und anderen Medien“ gründen sollte. (10)

Ebenfalls im Jahre 1940 wurde Cantril von Nelson Rockefeller gebeten, sich auch dem südamerikanischen Kontinent zu widmen. Nelson Rockefeller war Ende der 1920er Jahre im Dartmouth College ein Zimmergenosse von Cantril gewesen. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs bekleidete Rockefeller das Amt des Koordinators des Inter-American Affairs Office des US-Außenministeriums – ein Nachrichtendienst, der hauptsächlich auf psychologische Operationen in Südamerika konzentriert war. „Ein vorrangiges Anliegen von Rockefeller war die Ermittlung der öffentlichen Meinung in Südamerika im Vorgriff auf die Ausdehnung der Banken- und Öl-Interessen der Rockefellers in der Region. Rockefellers Ansicht nach würde Macht nicht mehr durch militärische Kontrolle über Kolonien bestimmt werden, sondern durch die Ausübung von ,Soft Power‘, bei der das Verständnis und die Erahnung der öffentlichen Meinung zentral figurierten.“ (11) Rockefeller trug zu diesem Zwecke zur Gründung des American Social Surveys bei, das von Cantril und „Meinungs-Impressario“ George Gallup geleitet wurde. Mit Geldern, die von Werbe-Tycoon Gerard Lambert flossen, begann 1942 obendrein The Research Council Inc im Psychological Warfare Research Bureau in Princeton mit der Arbeit, angeführt von Cantril und Lloyd Free, der in leitender Position bei der Rockefeller Communications Groups arbeitete. (12) The Research Council Inc fokussierte sich auf die Beobachtung der öffentlichen Meinung in den USA während des Krieges und führte Projekte für die Psychological Warfare Branch of Military Intelligence, das Außenministerium und das Office of Strategic Services durch.

Nach dem Krieg arbeitete Cantrils Research Council weiterhin eng mit US-Interessen zusammen. „Nelson Rockefeller war so begeistert von Cantrils weitergehenden Analysen der öffentlichen Meinung der europäischen Länder“, dass er ihm und Lloyd Free 1955 eine lebenslange Patronage von 1 Million Dollar anbot. Cantril und Free griffen zu: „Mit der gewaltigen Summe, über die zwei Jahrzehnte später in der New York Times enthüllt wurde, dass sie tatsächlich von der CIA über die Rockefeller Stiftung geleitet wurde, gründeten die Forscher eine gemeinnützige Einrichtung, das Institute for International Social Research“, wobei Nelson Rockefeller ein Treuhänder der Einrichtung wurde. (13) Insbesondere aber diente Rockefeller zu jener Zeit US-Präsident Eisenhower als Repräsentant im Operations Coordinating Board, einem geheimen Ausschuss des Nationalen Sicherheitsrates der USA, und er war als Sonderberater für Cold War Strategy and Psychological Warfare Eisenhowers persönlicher Verbindungsmann zur CIA.

Im selben Zeitraum unterstützte die Rockefeller Stiftung mit 200.000 Dollar die Studien, die der Yale-Psychologe Carl Hovland zur psychologisch orientierten Medienwirkungsforschung durchführte. Ein weiterer Wissenschaftler, der von der Rockefeller Stiftung mit Forschungsgeldern ausgestattet wurde, war Bernard Berelson, der nach dem Zweiten Weltkrieg das Bureau of Applied Social Research an der Columbia University leitete und mit Paul Lazarsfeld zusammenarbeitete. Gleichzeitig wurden Studien zur Erforschung der psychologischen Kriegsführung im Kalten Krieg vor allem aber nunmehr vom US-Militär finanziert.

Was CIA-Studien zum gleichen Forschungsfeld angeht, „findet man eine Fülle von Beweisen, die zeigen, dass insgeheim von der CIA finanzierte Projekte eine herausragende Rolle in US-Massenkommunikationsstudien“ in den 1950er Jahren spielten, wie Historiker Christopher Simpson schreibt. „Die Geheimhaltung, die jede CIA-Operation umgibt, macht eine vollständige Dokumentation unmöglich, aber die fragmentarischen Informationen, die jetzt zur Verfügung stehen, genehmigen die Identifizierung mehrerer wichtiger Beispiele.“ (14)

Als eines davon führt Simpson die Arbeit von Hadley Cantril an, der wie bereits erwähnt finanzielle Zuwendungen von der CIA genoss. „Ein wichtiger Schwerpunkt von Cantrils Arbeit unter CIA-Vertrag waren Umfragen der US-amerikanischen öffentlichen Meinung bei außen- und innenpolitischen Fragen – ein Einsatz von staatlichen Mitteln, von dem viele Beobachter behaupten würden, dass er rechtswidrig war. Dort führte Cantril eine wichtige methodische Innovation ein“, indem er demographische Merkmale der Befragten und ihren Platz im ideologischen Spektrum berücksichtigte – laut Simpson „ein Vorläufer der politischen Meinungsanalysetechniken, die die US-Wahlkämpfe in den 1980er Jahren revolutionieren sollten“. (15)

Ein weiteres Beispiel ist die Arbeit, die vom Center for International Studies (CENIS) am Massachusetts Institute of Technology (MIT) durchgeführt wurde. Der Hauptfinanzier von CENIS in den 1950er Jahren war die CIA, „obwohl weder von CENIS noch von der CIA bekannt ist, dass sie je öffentlich Informationen zu ihrer Beziehung bereitgestellt hätten. Es wurde jedoch weithin berichtet, dass die CIA die ursprüngliche Gründung von CENIS finanzierte; dass die Agency die Veröffentlichung bestimmter CENIS-Studien sowohl in klassifizierten wie auch nicht klassifizierten Ausgaben übernahm; dass CENIS als Kanal für CIA-Gelder an Forscher an anderen Institutionen diente, insbesondere dem Center for Russian Research in Harvard; dass der Direktor von CENIS, Max Millikan, unmittelbar vor der Übernahme des CENIS-Postens als stellvertretender Direktor der CIA gedient hatte; und dass Millikan während seiner Amtszeit als CENIS-Direktor als ,Berater für die Central Intelligence Agency‘ diente, wie Aufzeichnungen des State Department es ausdrücken. … CENIS erwies sich als eines der wichtigsten Zentren der Kommunikationswissenschaften Mitte der 1950er Jahre, und es hielt diese Rolle für den Rest des Jahrzehnts bei.“ (16) Simpson hält fest: „Das CENIS-Programm generierte den Großteil der Artikel über psychologische Kriegsführung, die während der zweiten Hälfte der 1950er Jahre in führenden Fachzeitschriften erschienen.“ (17)

Um sich zu vergegenwärtigen, welche Ideale den erwähnten Rockefeller-Interessen vorschwebten, die bei den Anfängen der Massenkommunikationsforschung eine gewisse Rolle spielten, mag ein kurzer Blick auf die von ihnen angeschobene Stiftung General Education Board (GEB) nützlich sein, deren Gesetzesvorlage von Senator Nelson Aldrich, dem Schwiegervater von John D. Rockefeller Jr., durch beide Kammern des Kongresses gebracht und im Januar 1903 von Präsident Theodore Roosevelt unterzeichnet wurde. Zweck der Stiftung sollte die „Förderung der Erziehung in den Vereinigten Staaten ohne Ansehen von Rasse, Geschlecht oder Glaube“ sein. Die Gründungssumme der Stiftung betrug 1 Million Dollar, gegeben von Standard Oil-Gründer John D. Rockefeller. In den Jahren 1905 und 1907 spendete Rockefeller dem GEB nochmals Mittel im Wert von circa 42 Millionen US-Dollar. Die Vorstandsmitglieder des GEB merkten in einem Dankesschreiben an, dass es sich um die größte Summe handelte, „die je von einem Mann in der Menschheitsgeschichte für soziale oder philanthropische Zwecke gegeben wurde”. (18) Insgesamt soll Rockefeller dem GEB 180 Millionen US-Dollar gespendet haben. Geleitet wurde das GEB in diversen Funktionen von Frederick Taylor Gates, einem Berater und Vermögensverwalter von John D. Rockefeller. Gates umriss die Aufgaben des GEB im Jahre 1904 dergestalt:

„In unseren Träumen haben wir unbegrenzte Ressourcen und die Menschen ergeben sich mit vollständiger Fügsamkeit in unsere formenden Hände. Die derzeitigen pädagogischen Gepflogenheiten verschwinden aus unseren Köpfen und ungehindert durch Tradition übertragen wir unseren eigenen guten Willen auf eine dankbare und empfängliche Landbevölkerung. Wir werden nicht versuchen, aus diesen Leuten oder einem ihrer Kinder Philosophen oder Gelehrte oder Männer der Wissenschaft zu machen. Wir müssen nicht Schriftsteller, Pädagogen, Dichter oder Literaten unter ihnen aufziehen. Wir werden nicht nach den Keimen für große Künstler, Maler, Musiker, noch nach Anwälten, Ärzten, Predigern, Politikern, Staatsmännern suchen, von denen wir reichlich haben.

Die Aufgabe, die wir uns gestellt haben, ist sowohl eine sehr einfache als auch eine sehr schöne, die Menschen, wie wir sie vorfinden, auszubilden für ein vollkommen ideales Leben, dort wo sie sind. So werden wir unsere Kinder anleiten und sie lehren in einer perfekten Art und Weise die Dinge zu tun, die ihre Väter und Mütter in einer unvollkommenen Weise tun, in ihrem Zuhause, in den Handwerksbetrieben und auf der Farm.“ (19)

Das General Education Board hörte Anfang der 1960er Jahre als eigenständige Entität zu existieren auf und seine Programme wurden Teil der Rockefeller Foundation. (20) Die Rockefeller Foundation wiederum entsprang einer der Ideen, die Frederick Taylor Gates gegenüber John D. Rockefeller zur Gründung weiterer Stiftungseinrichtungen geäußert hatte. Es war Gates, der die geplante Stiftung im Jahre 1910 zusammen mit dem Rechtsanwalt Starr J. Murphy der Presse vorstellte. Murphy war sechs Jahre zuvor in das General Education Board aufgenommen worden und von 1904 bis 1921 bei Rockefellers Standard Oil tätig. Aufgrund der Größe der vorgesehenen Stiftung – das Stiftungsvermögen betrug über 100 Millionen USD – regte sich ob des Gründungsvertrags Widerstand im politischen Washington, so dass die Stiftung schließlich in einem Bundesstaat (New York) gegründet werden musste und kein US-Regierungsgesetz wurde. Die Stiftungssatzung unterschrieb New Yorks Gouverneur William Sulzer im Mai 1913. Natürlich besitzt „das Stiftungswesen so sein Geschmäckle: das Stiftungsgeld ist der Solidargemeinschaft als Steuereinnahme vorenthalten. Nicht die Öffentlichkeit entscheidet demokratisch, wie das Geld eingesetzt wird. Vielmehr entscheidet der Industriemagnat nach eigenem Gutdünken wie ein Kurfürst, wo das Geld eingesetzt wird.“ (21) Erster Präsident der Rockefeller Foundation wurde John D. Rockefeller Jr., der zu diesem Zeitpunkt 39 Jahre alt war. Zu einem späteren Treuhänder sollte Wall Street-Banker Jerome D. Green ernannt werden, der an der Gründung des Council on Foreign Relations beteiligt war. Green fungierte ebenso als Treuhänder des General Education Board. (22)

Erklärtes Ziel der Rockefeller Foundation war von Anfang an, dem „Wohl der Menschheit auf der ganzen Welt“ zu dienen. Zu den Nutznießern finanzieller Zuwendungen der Rockefeller Foundation gehörten später in den 1930er Jahren das Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik in Berlin und die Deutsche Forschungsanstalt für Psychiatrie in München, welche von Ernst Rüdin geleitet wurde, dem Präsidenten der International Federation of Eugenic Organizations. (23) „Bis 1940 hat die Rockefeller Foundation die für damalige Verhältnisse astronomische Summe von vier Millionen Dollar in die deutsche Humanbiologie unter Nazi-Regie investiert.“ (24) Zuvor war die Eugenik „dank der tatkräftigen Finanzierung“ der Rockefeller- und Carnegie-Stiftungen „in den Zwanzigerjahren in den USA der Mainstream“ geworden. (25)

Nach 1945 geriet die Eugenik öffentlich in Verruf. Das Imageproblem, welches die Nationalsozialisten bewirkten, machte eine Umbenennung eugenischer Absichten erforderlich: in den Fokus rückte nun das Problem der „Überbevölkerung“ bzw. „Bevölkerungskontrolle“. „Eugenische Ziele“, schrieb Frederick Osborn, zuvor Mitbegründer der American Eugenics Society, „werden am ehesten unter einem anderen Namen als dem der Eugenik erreicht.“ (26) In diesem Sinne schloss sich die American Eugenics Society dem bis heute in New York City ansässigen Population Council an, der von John D. Rockefeller III (und Geldmitteln des Rockefeller Brothers Fund) in Gang gesetzt wurde. Als Rockefeller 1957 vom Präsidentenposten des Population Council zurücktrat, hieß sein Amtsnachfolger Frederick Osborn.

QUELLEN:

(1) Hans-Magnus Enzensberger: “The Consciousness Industry: On Literature, Politics and the Media“, New York, Continuum Books/ Seabury Press, 1974.

(2) Zitat aus William E. Daugherty / Morris Janowitz: “A Psychological Warfare Casebook“ – Operations Research Office – Johns Hopkins University, Mai 1958.

(3) Vgl. Christopher Simpson: “’Worldview Warfare’ and The Science of Coercion”, veröffentlicht auf Global Research am 23. November 2003 unter: http://globalresearch.ca/articles/SIM311A.html. Es handelt sich hierbei um Auszüge aus Christopher Simpsons Buch The Science of Coercion: Communication Research and Psychological Warfare 1945-1960, Oxford University Press, 1994.

(4) Vgl. ebd.

(5) James F. Tracy: “Early ’Psychological Warfare’ Research and the Rockefeller Foundation”, veröffentlicht auf Global Research am 29. April 2012 unter: http://www.globalresearch.ca/early-psychological-warfare-research-and-the-rockefeller-foundation/30594

(6) Neben seiner Tätigkeit am PRP steht zu Buche, dass Cantril im Jahre 1938 auch Gründungsherausgeber von Public Opinion Quarterly wurde, einer bis zum heutigen Tag erscheinenden Fachzeitschrift für Kommunikations- und Politikwissenschaften.

(7) Ob Orson Welles‘ „Krieg der Welten“-Hörspiel tatsächlich, wie vielfach berichtet, eine öffentliche Panik auslöste, ist heute zunehmend in Zweifel zu ziehen, wie A. Brad Schwartz in dem Buch Broadcast Hysteria: Orson Welles’s War of the Worlds and the Art of Fake News darlegt. Siehe Barbara Spindel: The ‘War of the Worlds’ Panic Is a Myth”, veröffentlicht von The Daily Beast am 7. März 2015 unter: http://www.thedailybeast.com/articles/2015/07/03/the-war-of-the-worlds-panic-is-a-myth.htm.

(8)  James F. Tracy: “Early ’Psychological Warfare’ Research and the Rockefeller Foundation”,a.a.O.

(9) Ebd.

(10) Ebd. Für Lasswell arbeiteten Nathan Leites (RAND Corporation), Heinz Eulau (Stanford), Irving Janis (Yale) und Ithiel de Sola Pool (MIT).

(11) Vgl. Michael Barker: “The Liberal Foundations of Media Reform? Creating Sustainable Funding Opportunities for Radical Media Reform”, veröffentlicht auf Global Research am 3. Juni 2008 unter: http://www.globalresearch.ca/the-liberal-foundations-of-media-reform-creating-sustainable-funding-opportunities-for-radical-media-reform/9167. Zum Sachverhalt, wie Nelson Rockefeller seinen Geschäftsinteressen in Latein-Amerika nachging, siehe Gerard Colby / Charlotte Dennett: “Thy Will Be Done: The Conquest of the Amazon – Nelson Rockefeller and Evangelism in the Age of Oil“, Harper Collins, New York, 1995.

(12) Vgl. James F. Tracy: “Early ’Psychological Warfare’ Research and the Rockefeller Foundation”, a.a.O.

(13) Vgl. Ebd.

(14) Christopher Simpson: “’Worldview Warfare’ and The Science of Coercion”, a.a.O.

(15) Ebd.

(16) Vgl. ebd. Dem CENIS-Planungskomitee gehörten Hans Speier, Jerome Bruner, Wallace Carroll, Harold Lasswell, Paul Lazarsfeld, Edward Shils und Ithiel de Sola Pool an. Hans Speier, ein US-amerikanischer Soziologe deutscher Herkunft, war gleichzeitig zu seinem -Posten der Direktor der Sozialwissenschaftsforschungsabteilung der RAND Corporation, Edward Shils war ein Sprecher des von der CIA unterstützten Congress for Cultural Freedom Project, und Wallace Carroll war ein auf den Bereich der nationalen Sicherheit spezialisierter Journalist, „der eine Reihe von klassifizierten Berichten über heimliche Kriegsführung gegen die Sowjetunion für die US-Militär-Geheimdienste produziert hatte“. Vgl. ebd.

(17) Ebd.

(18) Vgl. “The General education board: an account of its activities, 1902-1914. Appendix II“, Briefwechsel Rockefeller und GEB, Seite 220, online abrufbar unter: http://www.archive.org/stream/generaleducatio00nygoog#page/n306/mode/2up.

(19) Vgl. Paolo Lionni: “The Leipzig Connection: Sabotage of the US Educational System”, veröffentlicht auf SNTP.Net unter: http://www.sntp.net/education/leipzig_connection_6.htm. Es handelt sich hierbei um einen Auszug aus dem gleichnamigen Buch von Lionni aus dem 6. Kapitel, das mit Molding Hands überschrieben ist. Als Quelle für das Zitat wird der Occasional Letter No. 1 des General Education Board angegeben, geschrieben von Frederick Taylor Gates.

(20) Vgl. John Ensor Harr / Peter J. Johnson: “The Rockefeller Century: Three Generations of America’s Greatest Family”, Scribner, New York, 1988, Seite 195.

(21) Hermann Ploppa: „Die Macher hinter den Kulissen – Wie transatlantische Netzwerke heimlich die Demokratie unterwandern“, Nomen Verlag, Frankfurt a.M., 2014, Seite 34.

(22) Ein weiterer interessanter Charakter im GEB war Whitney Shepardson, zeitweise Direktor des GEB. Shepardson beteiligte sich wie Green an der Gründung des Council on Foreign Relations und wirkte in einer Führungsposition an dessen War and Peace Studies mit. Ferner leitete er die Secret Intelligence Branch des Office of Strategic Services während des Zweiten Weltkriegs. Sowohl Shepardson als auch Green hatten an den Pariser Friedensverhandlungen von 1919 teilgenommen.

(23) Vgl. Hermann Ploppa: „Hitlers amerikanische Lehrer – Die Eliten der USA als Geburtshelfer des Nationalsozialismus“, Liepsen Verlag, Sterup, 2008, Seiten 152-153. Ploppa weist darauf hin, dass Rüdin 1932 die Position als Präsident der International Federation of Eugenic Organizations erhielt, nachdem Averell Harriman von der New Yorker Investmentbank Brown Brothers Harriman seinen Einfluss in der eugenischen Bewegung geltend gemacht hatte. Der Gründungspräsident der American Eugenics Society war übrigens in den frühen 1920er Jahren der Ökonom Irving Fisher – wie Averell Harriman ein Mitglied des Geheimbunds Skull & Bones.

(24) Ebd., Seite 152. Ploppa bezieht sich bei dieser Angabe auf Paul Weindling: “The Rockefeller Foundation and German Biomedical Sciences, 1920 – 1940: from Education Philantropy to International Science Policy“, in Nicolas Rupke (Hrsg.): “Science, Politics, and the Public Good”, Basingstoke, London, 1988, Seiten 119-140.

(25) Hermann Ploppa: „Die Macher hinter den Kulissen“, a.a.O., Seite 35. Als es aus Nazi-Sicht galt, die Diskriminierung „rassisch-minderwertiger“ Volksgruppen in Gesetzesform zu gießen, ließ man sich bewusst von Gesetzgebungen inspirieren, die diesbezüglich in den USA existierten. Vgl. James Q. Whitman: “Hitler’s American Model – The United States and the Making of Nazi Race Law”, Princeton University Press, Princeton, 2017. Auch der investigative Journalist Edwin Black gelangte in seiner Forschung zum Ergebnis, dass die Nazi-Bewegung deutliche Anleihen bei der Eugenik-Bewegung in den USA machte. Vgl. Edwin Black: “War Against the Weak – Eugenics and America’s Campaign to Create a Master Race”, Dialog Press, Washington DC, 2012. In einem früher veröffentlichten Artikel schrieb Edwin Black, dass die Eugenik der „bizarre“ Stoff für „Salongespräche“ gewesen wäre, wenn es nicht die finanzielle Unterstützung durch die Stiftungen und Vermögen von Carnegie, den Rockefellers und den Harrimans gegeben hätte, die „mit einigen der angesehensten Wissenschaftlern Amerikas von so angesehenen Universitäten wie Stanford, Yale, Harvard und Princeton verbündet“ waren. „Diese Akademiker setzten sich für Rassentheorie und Rassenwissenschaft ein und fälschten und verdrehten dann Daten, um den rassistischen Zielen der Eugenik zu dienen. (…) Die Rockefeller-Stiftung half bei der Gründung des deutschen Eugenik-Programms und finanzierte sogar das Programm, in dem Josef Mengele [unter Leitung von Otmar Freiherr von Verschuer] arbeitete, bevor er nach Auschwitz ging.“ Hitler seinerseits hatte sich mit amerikanischen Eugenik-Gesetzgebungen eingehend beschäftigt. „Er versuchte, seinen Antisemitismus zu legitimieren, indem er ihn medizinisch verpackte und in die schmackhaftere pseudowissenschaftliche Fassade der Eugenik einwickelte. Hitler konnte unter vernünftigen Deutschen mehr Anhänger rekrutieren, indem er behauptete, die Wissenschaft sei auf seiner Seite. Hitlers Rassenhass entsprang seiner eigenen Gesinnung, aber die intellektuellen Umrisse der 1924 angenommenen Eugenik Hitlers wurden in Amerika gemacht. (…) In ,Mein Kampf‘, veröffentlicht 1924, zitierte Hitler die amerikanische eugenische Ideologie und zeigte offen eine gründliche Kenntnis der amerikanischen Eugenik. (…) Hitler erzählte seinen Parteigenossen stolz, wie genau er den Fortschritt der amerikanischen Eugenik-Bewegung verfolgte“, und er habe „mit großem Interesse die Gesetze mehrerer amerikanischer Staaten zur Verhinderung der Reproduktion von Menschen studiert, deren Nachkommen aller Wahrscheinlichkeit nach keinen Wert haben oder den Rassenbestand schädigen würden. Hitler schrieb sogar einen Fanbrief an Madison Grant, den amerikanischen Eugenik-Führer, und nannte sein rassenbasiertes Eugenik-Buch ,The Passing of the Great Race‘, seine ,Bibel‘.“ Vgl. Edwin Black: “Eugenics and the Nazis – the California Connection”, veröffentlicht von SFGate am 9. November 2003 unter: http://articles.sfgate.com/2003-11-09/opinion/17517477_1_eugenics-ethnic-cleansing-master-race.

(26) Vgl. “Eugenics Policies and Proposals (Excerpt)“, aus: Frederick Osborn: “The Future of Human Heredity: An Introduction to Eugenics in Modern Society“, 1968, veröffentlicht von Vermont Eugenics: A Documentary History unter: http://www.uvm.edu/~eugenics/primarydocs/orfofhh000068.xml. Ähnlich ging man in Großbritannien vor: Carlos Paton Blacker, der damalige Ehren-Sekretär der britischen Eugenics Society, erarbeitete 1957 ein Papier (“The Eugenics Society’s Future”), welches bei einer Sondersitzung des Councils der Eugenics Society vorgestellt wurde. Darin vertrat er die Ansicht, in Zukunft eine „Krypto-Eugenik“ zu betreiben. (“…the Society should persue eugenic ends by less obvious means, that is by a policy of crypto-eugenics, which was apparently proving successful with the US Eugenics Society.“) Kurz danach benannte sich die britische Eugenics Society in Galton Institute um. Vgl. Faith Schenk / A.S. Parkes: “The Activities of the Eugenics Society“, veröffentlicht als PDF-Datei unter: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2906074/pdf/eugenrev00003-0012.pdf.

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