CIA und Wall Street schreiben iranische Geschichte: Von Mossadegh über Pahlewi zu Khomeini

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Die Iranische Revolution, die das Regime des Ayatollah Khomeini an die Macht brachte, bedeutete für den politischen Islam eine Art “Big Bang“, dessen Auswirkungen noch heute zu spüren sind. Wie aber kam es zu diesem Ereignis, das unter anderem zur Besetzung der US-Botschaft in Teheran führte – und welche komplexe Rolle spielten dabei Interessen der Wall Street?

Von Lars Schall

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CIA und Wall Street schreiben iranische Geschichte: Von Mossadegh über Pahlewi zu Khomeini

„Politik ist der Schattenwurf auf die Gesellschaft durch das Big Business.“ (1)

John Dewey (1859-1952)

Ausgangspunkt: CIA & Wall Street

Der Auslandsgeheimdienst der USA, die Central Intelligence Agency (CIA), wurde auch und gerade zur Wahrung langfristiger Wirtschaftsinteressen der Wall Street kreiert. Eine steile These? Nun, die Verbindung fällt recht offensichtlich aus, wenn man sich vor Augen hält, welches Personal an der Schaffung der CIA im Jahre 1947 und ihrer nachfolgenden Entwicklung entscheidend beteiligt war.

Ehe es Geheimdienste im heutigen Sinne gab, beschäftigten Banken, Konzerne und Rechtsanwaltskanzleien in ihren Unternehmen Mitarbeiter eigens „als unabhängig angestellte Agenten, um Informationen über Konkurrenten und Geschäftsmöglichkeiten im Ausland zu sammeln.“ Viele der ersten Geheimdienst-Rekruten der USA wurden entsprechend „von Ölfirmen, Wall Street-Banken und Eliteuniversitäten genommen“, und es war kaum überraschend, dass diese „häufig die Interessen ihrer mächtigen Businesspartner mit den nationalen Interessen“ gleichstellten – oder in den Worten des einstigen US-Präsidenten John Calvin Coolidge ausgedrückt: „Das Geschäft Amerikas ist das Geschäft”. (2)

Nur konsequent war ebenso, dass an der Schaffung und Ausrichtung der US-Geheimdienststruktur führende Wall Street-Anwälte beteiligt waren. „In vielerlei Hinsicht erreicht ein vertrauenswürdiger Unternehmensanwalt im Wesentlichen das für seine Klienten, was eine zentrale Anlaufstelle für nachrichtendienstliche Informationen für ihren Auftraggeber erreichen kann: er handelt die Deals aus, er dämpft Paniken und beruhigt Krisen, er begleitet den Prozess so vertraulich wie möglich. Er findet allesmögliche heraus und verwendet jedes erdenkliche Mittel, um das Resultat zu beeinflussen.“ (3)

Freilich hat das Folgen: „Ein Nachrichtendienst, der von Anwälten ausgeheckt wurde – Männern, die es gewohnt sind, Probleme nicht nur zu erkennen, sondern sie auch zu definieren und ihren Klienten Lösungsvorschläge zu unterbreiten –, wird weitaus wahrscheinlicher die Politik beeinflussen als ein traditioneller militärischer Nachrichtendienst. Anwälte haben eine verführerische Art, ihre Klienten unterzuordnen und ihre Kunstgriffe anzuwenden, bis sie die Dinge bewegen. So ergibt es sich, dass in vielen strategischen Verwicklungen die Anwälte mindestens so viel Kontrolle über das Geschehen haben wie die gewählten Amtsträger.“ (4)

Der Vorgänger der CIA, das Office of Strategic Services (OSS), wurde im Laufe des Zweiten Weltkriegs von William Donovan geleitet, dem Gründer der bis 1998 bestehenden Wall Street-Anwaltskanzlei Donovan, Leisure, Newton & Irvine.

An der Entwicklung des National Security Act, aus dem im Sommer 1947 die CIA hervorging, wirkte Clark Clifford mit. Clifford war Berater von Präsident Harry S. Truman und Verteidigungsminister der USA unter Lyndon B. Johnson. Welcher Profession ging Clifford außerdem nach? „Wall Street-Rechtsanwalt und Banker.“ (5)

Bei der Ausarbeitung des National Security Act folgten Clifford und andere Berater den Vorgaben von Allen Dulles, der unter Dwight D. Eisenhower ab Frühjahr 1953 die Funktion des CIA-Direktors bekleidete (und von John F. Kennedy im Frühjahr 1961 als solcher entlassen wurde). Welcher Profession ging Allen Dulles, ein OSS-Veteran, außerdem nach? „Partner bei Sullivan and Cromwell, der – bis heute – mächtigsten Anwaltskanzlei der Wall Street“, (6) die sich insbesondere aufs Auslandsgeschäft verlegt hatte und unter anderem Standard Oil-Firmen; Chase National Bank (bzw. Chase Manhattan); United Fruit Company; Mellon; Dupont; U.S. Steel; Merck & Co.; I.G. Farben; Remington, ITT, General Motors; J.P. Morgan & Co.; Kuhn, Loeb & Co.; J. Henry Schroder Banking Corporation (und die eng mit ihr verbundene Schroder, Rockefeller & Co.); Lee, Higginson & Co.; Brown Brothers, Harriman (und die eng mit ihr verbundene W. A. Harriman & Co.); Dillon, Read & Co.; und Guaranty Trust Company of New York vertrat.

Was den National Security Act betrifft, so erzählt Richard Helms, der CIA-Direktor von 1966 bis 1973 (und Enkel von Gates McGarrah, einem früheren Vorsitzenden der Federal Reserve Bank of New York und der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich), dass Allen Dulles im Jahre 1946 die Aufgabe zugeteilt bekam, „,Vorschläge für die Form und die Organisation dessen zu entwerfen, was 1947 die Central Intelligence Agency werden sollte.‘ Dulles bildete umgehend eine beratende Gruppe von sechs Männern, von denen alle bis auf einen Wall Street-Investmentbanker und -Rechtsanwälte waren. 1948 ernannte [US-Verteidigungsminister James] Forrestal Dulles zum Vorsitzenden eines Ausschusses mit zwei anderen New Yorker Rechtsanwälten, um die Leistung der CIA zu überprüfen. ,Die drei Anwälte beratschlagten fast ein Jahr lang in einem der Sitzungsräume von J.H. Whitney‘, einer anderen Wall Street-Investmentfirma.“ (7)

Kurz nach Verabschiedung des National Security Acts war die CIA die am schnellsten expandierende Behörde innerhalb des US-Regierungsapparats geworden und ihre Berichte nahmen bald größere Bedeutung für das Weiße Haus an, als die des Außenministeriums. (8) „Die Agency operierte zunehmend verselbstständigt, als ein praktisch autonomer Arm der außenpolitischen Bürokratie, fast eine Regierung innerhalb einer Regierung.“ (9) Im Frühjahr 1948 bildete sich eine von Präsident Harry S. Truman veranlasste Kommission zur Straffung des US-Regierungsapparats, die von Ex-Präsident Herbert Hoover geleitet wurde. Eine Task Force, die der Kommission bei Angelegenheiten der Verteidigung und der Geheiminformationsgewinnung zuarbeiten sollte, wurde von Ferdinand Eberstadt angeführt und umfasste unter anderem US-Verteidigungsminister James Forrestal und den damaligen Weltbankpräsidenten John J. McCloy. Welcher Profession ging Eberstadt nach? Wall Street-Anwalt und Investmentbanker bei Dillon, Read & Co. Welcher Profession ging Forrestal nach, bevor er Verteidigungsminister wurde? Investmentbanker bei Dillon, Read & Co. Welcher Profession ging McCloy abseits solcher Posten wie dem des Weltbankpräsidenten nach? Rechtsanwalt und Partner bei der Wall Street-Kanzlei Milbank, Tweed, Hadley & McCloy.

„Bis Ende 1948 hatte die Eberstadt-Arbeitsgruppe ihre Vorschläge parat. Beim kritischen Punkt der verdeckten Geheimoperationen schlussfolgerten McCloy und die anderen Mitglieder der Arbeitsgruppe, dass ,jene, die für Operationen in der CIA verantwortlich sind, weitgehende Autonomie erhalten müssten.‘ Die CIA, so glaubten sie, müsse mehr tun, insbesondere hinsichtlich verdeckter Propaganda. ,Die Schlacht um die Herzen der Menschen könnte den Kampf für die Menschheit entscheiden. Das Komitee empfand die existierende Einrichtungen und Mechanismen für psychologische Kriegsführung als ungenügend.‘” (10)

Mit der Unterstützung von Council on Foreign Relations-Mitglied George F. Kennan, dem Direktor des Policy Planning Staff des US-Außenministeriums, wurde daraufhin eine wichtige Abteilung innerhalb der CIA auf den Weg gebracht, das Office of Policy Coordination (OPC). Der erste Chef des OPC hieß Frank Wisner. Welcher Profession ging Wisner zuvor nach? „Wall Street-Rechtsanwalt.” (11)

„Unter Wisners energischer Führung begann das OPC sehr schnell mit umfangreichen, andauernden, weltweiten Geheimdienstoperationen. Er arbeitete mit der größtmöglichen administrativen Freiheit, wobei er nur sporadisch Berichte an die Führungsetage des Außenministeriums, des Verteidigungsministeriums und der CIA liefern musste. Das Wachstum von Wisners Einheit lässt sich am deutlichsten mit dessen Wachstum von 302 Mitgliedern im Jahre 1949 auf 2812 Mitarbeiter plus 3142 Auftragsagenten in Übersee im Jahre 1952 verdeutlichen. Bald darauf machte sich Wisner regionale Währungsgegenwertmittel zunutze, die vom Marshall-Plan generiert wurden, um seine Aktivitäten in Europa zu finanzieren. 1949 belief sich sein Budget auf $4,7 Millionen; drei Jahre später war es auf $82 Millionen angewachsen. Durch ihre Empfehlung trugen McCloy und seine Kollegen aus der Eberstadt-Arbeitsgruppe eine schwere Verantwortung für das, was Wisner nunmehr seinen ,mächtigen Wurlitzer‘ nannte.“ (12)

William Harding Jackson war Anfang der 1950er Jahre stellvertretender Direktor der CIA und später Nationaler Sicherheitsberater der USA. Welcher Profession ging Jackson zuvor nach? Teilhaber der Wall Street-Anwaltskanzlei Carter, Ledyard & Milburn und geschäftsführender Partner der Investmentbank J.H. Whitney & Co.

Ein weiterer wichtiger Mann in der Geschichte der CIA war William Joseph Casey. Während des Zweiten Weltkriegs führte er die europäische Nachrichtenabteilung des CIA-Vorgängers Office of Strategic Services (OSS) an. (13) Für seine geleisteten Dienste erhielt er die Bronze Star Medal der US-Streitkräfte. Nachdem Ronald Reagan den Amtseid als US-Präsident im Januar 1981 abgelegt hatte, wurde Casey, sein vorheriger Wahlkampfmanager, auf den Posten des Director of Central Intelligence berufen. In dieser Funktion beaufsichtigte Casey die gesamten Geheimdienste der USA, während er die CIA persönlich leitete und lenkte. Unter Reagans Amtsvorgänger Richard Nixon hatte Casey zuvor der Securities and Exchange Commission (SEC) vorgesessen, die für die Aufsicht des Wertpapierhandels in den USA zuständig zeichnet. Welcher Profession ging William Casey außerdem nach? „Wall Street-Rechtsanwalt und Börsenhändler.“ (14)

In der Zeit von William Casey als CIA-Chef war Stanley Sporkin der General Councel der CIA, nachdem er zuvor über zwanzig Jahre lang ebenfalls in leitender Position bei der SEC tätig war. Welcher Profession ging Sporkin nach seiner Zeit bei der CIA nach? „Wall Street-Rechtsanwalt“ in der Kanzlei Weill, Gottschall & Menges. (15)

Sein Nachfolger als General Councel der CIA war David Doherty, der späterhin zur New York Stock Exchange wechselte, um dort als Executive Vice-President zu arbeiten. (16)

John Deutch, der CIA-Direktor von 1995 bis 1996, wechselte im direkten Anschluss in den Aufsichtsrat von Citigroup, der nominell zweitgrößten Bank der USA. (17) Dort fand sich auch Nora Slatkin ein, ehemals Exekutivdirektion der CIA. (18)

Vor seinem Engagement als Exekutivdirektor der CIA in den Jahren 2001 bis 2004 fungierte A. B. Buzzy Krongard als stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Banker’s Trust und als Vorstandsvorsitzender der Investmentbank Alex Brown. (19)

Die enge Liaison zwischen Wall Street und CIA, der wir bisher begegneten, vermag kaum als reiner Zufall abgetan zu werden. Schließlich stammten in den ersten zwei Dekaden ihrer Existenz alle „sieben der bekannten stellvertretenden Direktoren der CIA (…) aus denselben New Yorker Anwalts- und Finanzkreisen; sechs von ihnen wurden darüber hinaus im New York Social Register geführt“ – einem Verzeichnis der High Society in New York. (20)

Dazu wollte ich etwas mehr von Peter Dale Scott erfahren, der die letztgenannten Fakten für sein Buch The Road to 9/11 recherchierte.

Lars Schall: Lassen Sie uns über die CIA reden, aber den Fokus auf Finanzen halten. In Ihrem Buch “The Road to 9/11“ weisen Sie darauf hin, dass die meisten der Schlüsselfiguren dieser Organisation einen Hintergrund in der Hochfinanz und dem Investmentbanking haben. (21) Wäre es eine Übertreibung, wenn man annehmen würde, dass die CIA mehr oder weniger geschaffen wurde, um langfristige Interessen der Wall Street in der Welt abzuschirmen, und dass sie auf diese Weise bis heute aktiv ist?

Peter Dale Scott: Nun, ich denke, dass die CIA, die 1947 geschaffen wurde – in den öffentlichen Debatten ging es um die Notwendigkeit für einen Geheimdienst außerhalb der jeweiligen Einrichtungen der Armee, der Marine und der neuen unabhängigen Luftwaffe (das gleiche Gesetz, das die Luftwaffe schuf, schuf die CIA) –; aber hinter den Kulissen wollten Leute von der Wall Street und der Finanzwelt die gleiche Kontrolle über die Geheimdienste wiedererlangen, die sie während des Zweiten Weltkriegs durch das OSS hatten. Wir könnten ein ganzes Interview nur darüber führen, aber die amerikanischen Finanzinvestitionen in Europa wurden vom OSS geschützt, es wurden wichtige Entscheidungen getroffen, um Fabriken, Staudämme etc. nicht anzugreifen, und das war das OSS. Truman hat immer versucht, eine Person zu bekommen, die nicht von der Wall Street war, um die CIA anzuführen, und das traf zu, bis Allen Dulles von der Wall Street die Leitung unter Eisenhower übernahm, doch darunter waren fast alle von Truman ernannten stellvertretenden Direktoren Leute von der Wall Street. Sie müssen sich die Situation nach dem Zweiten Weltkrieg vorstellen: eine weitestgehend zerstörte Weltwirtschaft, man hatte private Geheimdienst-Unternehmen, etwas, das sich die World Commerce Corporation nannte, mit lauter Ex-Kriegszeit-Geheimdienstlern aus England und Amerika, die mit privaten Ressourcen versuchten – und jetzt hören wir möglicherweise mit beschlagnahmten Finanzmitteln der SS in Deutschland oder Österreich (22) , den Welthandel in einer Weise anzuschieben, dass Amerika und Großbritannien ihn dominieren würden. (23)

In seinem Buch American War Machine kommt Peter Dale Scott auf einen konkreten Einsatz von Nazi-Finanzmitteln durch das umrissene Milieu zu sprechen, indem er auf den „mysteriösen“ E. P. Barry verweist. Barry sollte nach dem Zweiten Weltkrieg Investitionspartner von Paul Helliwell und Bruce Rappaport werden. Helliwell war ein früherer OSS-Mitarbeiter, der Drogenbanken gründete, die mit der CIA kooperierten. Rappaport, ein Mann aus dem Erdölgeschäft, war Eigentümer der wichtigen Schweizer (Drogen-)Banken Inter Maritime Bank und Banque de Commerce et de Placements (BCP), letztere ein Tochterunternehmen der berühmtesten Drogenbank der 1980er Jahre: der pakistanischen Bank of Credit and Commerce International (BCCI). Überdies war E. P. Barry wohl auch ein enger Verbündeter von William Casey, dem CIA-Direktor von 1981 bis 1987. (24)

Scott schreibt: „Eine der sehr wenigen Sachen, die über Barry bekannt sind, ist, dass er während des Zweiten Weltkriegs im OSS war und dass Donovan ihn gegen Ende des Krieges zum Leiter der OSS-Gegenspionage (X-2) in Wien ernannte. Die OSS-X-2 oder -Gegenspionage war die geheimste und am höchsten klassifizierte der OSS-Abteilungen und diejenige, deren genaue Mission darin bestand, den deutschen Sicherheitsdienst (SD) zu durchdringen. Laut einem OSS-Report von 1946: ,Eine gleichermaßen interessante X-2-Aktivität war die Untersuchung von RSHA (SD) Finanztransaktionen ‚ (Operation Safehaven). Im Laufe dieser Untersuchungen nahm die Dritte US-Armee einen SD-Major ,auf mehrere Reisen nach Italien und Österreich, und als Resultat dieser vorausgehenden Reisen wurden über $500.000 an Gold und auch Juwelen gesichert.‘ Einiges von dem unter der Oberaufsicht von Barry gesicherten Nazi-Gold wurde daraufhin benutzt, um US-Geheimdienstoperationen in den unmittelbaren Nachkriegsjahren in Deutschland zu finanzieren.“ (25)

Hinzu kam die direkte Indienstnahme gewisser Nazi-Persönlichkeiten. Beispielsweise konspirierten zwischen 1945 bis 1947 „Elemente in der US-Armee, um Kontakte mit früheren deutschen Anti-Kommunisten in Europa und ihrem deutschen Kommandanten Reinhard Gehlen aufrechtzuerhalten. Fünf Männer waren beteiligt, von denen drei (William J. Donovan, Allen Dulles und Frank Wisner) Repräsentanten der Wall Street-Oberwelt und auch des New York Social Register waren, das die Mitglieder der New Yorker High Society listete.“ (26)

Der US-Autor Carl Oglesby berichtete 1976 in seinem Buch The Yankee-Cowboy War, dass nach dem Zweiten Weltkrieg zwischen dem Leiter der „Abteilung Fremde Heere Ost“ (FHO), dem Generalmajor der Deutschen Wehrmacht Reinhard Gehlen, und ranghohen Vertretern der USA ein geheimes Übereinkommen getroffen wurde. Zuvor hatte sich Gehlen am 22. Mai 1945 dem Counter Intelligence Corps (CIC) der U.S. Army ergeben und war daraufhin nach Fort Hunt im US-Bundesstaat Virginia gebracht worden. Dort sollen ihm als Ergebnis von Verhandlungen Versprechungen unterbreitet worden sein: Im Gegenzug dafür, dass sich Gehlen bereit erklärte, ein antisowjetisches Nachrichtendienstnetzwerk für die USA in Europa zu organisieren, gab sich die US-Seite damit einverstanden, dass er sich „nur mit Kommunisten befassen würde und nicht gezwungen sein würde, die Entnazifizierungsbemühungen der Vereinigten Staaten zu unterstützen.“ Ferner wurde Gehlen zugesagt, dass er nichts unternehmen müsse, „was er als gegen die Interessen des souveränen Deutschlands gerichtet erachten könnte.“ Sollte Deutschland wieder souverän sein, so wurde ihm in Aussicht gestellt, würde die US-Kontrolle über ihn enden und er könne ein Teil der deutschen Regierung werden – zusammen mit seiner intakten Organisation. Laut Oglesby dauerte die US-Kontrolle daraufhin zehn Jahre an, ehe die Gehlen-Organisation als Bundesnachrichtendienst (BND) in der Bundesrepublik Deutschland offiziell Fuß fasste. (27)

Nach Veröffentlichung von The Yankee-Cowboy War forschte Carl Oglesby über die Geschichte von Reinhard Gehlen weiter. Im August und September 1985 reichte er Anfragen in Rahmen des Freedom of Information Act (FOIA) bei der Central Intelligence Agency (CIA), National Security Agency (NSA), dem Federal Bureau of Investigation (FBI), dem Heeresamt (U.S. Department of the Army), US-Außenministerium und der National Archives and Records Administration (NARA) ein. Oglesby fragte bei den Behörden nach Aufzeichnungen zu Reinhard Gehlen:

– für den Zeitraum der Jahre 1944 bis 1956;

– zu den Besprechungen in Fort Hunt, Virginia, an denen im Sommer 1945 General George Strong (U.S. Army) und Allen Dulles (Office of Strategic Services, OSS) beteiligt waren;

– zur „Operation Rusty“, die die U.S. Army zwischen 1945 und 1948 in Europa durchführte;

– zur „Operation Rusty“ in Papieren der Central Intelligence Group (CIG),

– zu deutschen NS-Untergrundorganisationen der Nachkriegszeit wie „Odessa“, „Kameradenwerk“, „Bruderschaft“, „Werwölfe“ und „Die Spinne“;

– zur Nazi-Untergrundorganisation „La Arana“;

– zur „Operation Sunrise“ des OSS im Jahre 1945;

– zur Beziehung, die Gehlen zu den OSS-Führungsfiguren William J. Donovan und Allen Dulles unterhielt.

Nachdem die Behörden seine Anfragen abblockten, zog Oglesby 1987 vor Gericht. Bis heute ist der Rechtsstreit nicht beigelegt – das heißt: die Dokumente sind immer noch nicht freigegeben. Oglesby starb im September 2011, weswegen seither in dem von ihm angefangenen Gerichtsverfahren seine Tochter Aron DiBacco und seine Partnerin Barbara Webster als Kläger auftreten – juristisch beraten durch das Assassination Archive and Research Center (AARC).

Dokumente zu diesem Gerichtsfall “Aron DiBacco, et. al. vs. U.S. Dep’t of Army, et. al.” (Civil Action No. 87-3349) am US-Bundesgericht in Washington DC:

PDF; PDF; PDF; PDF.

Unter Reinhard Gehlen, der an den Planungen der „Operation Barbarossa”, dem Angriff Hitlers auf die Sowjetunion im Sommer 1941, involviert war und im Zuge des Stalingrad-Desasters zum Chef der Ostspionage („Abteilung Fremde Heere Ost“) avancierte, wurde zunächst die „Organisation Gehlen“ und dann der Bundesnachrichtendienst in Pullach aufgebaut; mit freundlicher Hilfe der CIA. Die Aktivitäten der „Fremde Heere Ost“, die er zuvor beaufsichtigte, standen nicht bloß im militärischen Zusammenhang der Ostfront, sondern auch in dem der sogenannten „Endlösung der Judenfrage“, welche „Teil des Kontextes“ war, „in dem Entscheidungen, die mit dem ,Osten‘ verbunden waren, in Nazi-Deutschland getroffen wurden“. (28)

„Selbsternannte Pragmatiker innerhalb der US-Geheimdienste haben immer wieder argumentiert, dass der ansonsten fragwürdige Einsatz von Gehlen und selbst reuelosen Nazis durch die Org wegen ihrer wichtigen Unterstützung gegen einen mächtigen und rücksichtslosen Rivalen gerechtfertigt war: die Sowjetunion. ,Er ist auf unserer Seite‘, sagte CIA-Direktor Allen Dulles später über Gehlen, ,und das ist alles, was zählt.‘“ (29)

Park Armstrong, lange Jahre Leiter des Office of Intelligence and Research des US-Außenministeriums, schätzte die Informationen, die von der „Org“ kamen, als „essentiell für amerikanische Interessen” ein. „Der Beitrag unseres deutschen Verbündeten zum Verständnis des sowjetischen Militärs war oftmals ein Standard, gegen den wir unsere eigene Arbeit verglichen.“ (30)

Tatsächlich wurden die Berichte und Analysen, die von Gehlens „Org“ stammten, in den ersten Jahren der CIA „manchmal einfach nur neu auf CIA-Briefpapier abgetippt und Präsident Truman bei den morgendlichen Sicherheitsbriefings ohne jeden weiteren Kommentar vorgelegt. Gehlens Organisation ,prägte, was wir über die Sowjets in Osteuropa und insbesondere in der DDR wussten‘.“ (31)

Vom praktischen Standpunkt aus gesehen war die Abhängigkeit von Gehlen „ein Schnitzer“, insofern das Einsetzen von Gehlens „Org“ prinzipiell für sich eine Eskalation des Kalten Krieges darstellte, die propagandistisch ausgeschlachtet werden konnte; mehr noch aber, weil es die „Org“ den sowjetischen Spionen einfacher gestaltete, die westlichen Geheimdienste zu infiltrieren. (32) Wichtiger noch: „Gehlens Leute bestärkten die Vorliebe der US-Geheimdienste, dem Kommunismus und der Sowjetunion mit Paranoia zu begegnen. Dies trug stark dazu bei, weitverbreitete Desinformationen über sowjetisches Verhalten zu verankern.

,Gehlen musste sein Geld verdienen, indem er eine Bedrohung schuf, vor der wir Angst hatten‘, sagt Victor Marchetti, der frühere führende CIA-Analyst für sowjetische Kriegspläne und Fähigkeiten, ,also gaben wir ihm mehr Geld, um uns davon zu erzählen.‘ Er fährt fort: ,Meiner Meinung nach hat uns Gehlens Organisation nichts Substantielles zum Verständnis oder zur Einschätzung militärischer oder politischer Fähigkeiten der Sowjets in Osteuropa oder irgendwo sonst gegeben.‘ Gehlen zu beschäftigen war „eine Verschwendung an Zeit, Geld und Aufwand, mit Ausnahme vielleicht der Tatsache, dass es einen gewissen Gegenspionage-Wert hatte, weil jeder in seiner Organisation die Hände in beiden Töpfen hatte.‘ Mit anderen Worten, Gehlen hat keine der von ihm erwarteten verlässlichen Informationen geliefert, für die er beschäftigt wurde, aber das vorsichtige Überwachen der Org könnte möglicherweise Hinweise über sowjetische Spionageaktivitäten geliefert haben, weil die Gruppe stark von Doppelagenten durchsetzt war. Es war also eine sehr teure, nicht aber sehr effektive Art für die USA, sowjetische Spione im Auge zu behalten.” (33)

Im Frühjahr 1948 lieferte Gehlens „Org” besonders ernsthafte Falschdarstellungen der „sowjetischen Gefahr“, wodurch dem Kalten Krieg erheblicher Zunder gegeben wurde. (34) Und „durch seine Beeinflussung der Informationen, die das Weltgeschehen beeinflussten, spielte er eine gewichtige Rolle in der Weltpolitik. Seine Unterstützung für einen endlos feindseligen, kalten Krieg mit der UdSSR … hinterließ eine dauerhafte Spur in der europäischen Geschichte.” (35)

Die CIA habe Gehlen geliebt, räumt Marchetti ein, „weil er uns mit dem fütterte, was wir hören wollten. Wir haben sein Zeug immer wieder verwendet und haben es an jeden weiterverfüttert: ans Pentagon; ans Weiße Haus; an die Zeitungen. Die haben’s auch geliebt. Es war aber überdrehter russischer Schreckgespensterunsinn, und das hat diesem Land sehr geschadet.” (36)

 

„Operation Ajax“

 

Dass die CIA auch und gerade zur Absicherung langfristiger Wall Street-Interessen geschaffen wurde, zeigte sich während der Frühphase ihrer Existenz besonders deutlich im Zuge der 1953 im Iran durchgeführten „Operation Ajax“.

Anfang der 1950er Jahre regierte im persischen Reich der populäre Premier Mohammad Mossadegh. Noch als Oppositionspolitiker brachte Mossadegh 1951 ein Gesetz zur Verstaatlichung der iranischen Erdölfelder im Parlament ein. Anlass hierfür war die Haltung des britisch geführten AIOC-Konzerns (später BP) gegenüber der Frage, wie die Gewinnanteile, die durch das Ölgeschäft im Iran erzielt wurden, mit dem Gastgeberland neu zu verteilen seien. Zuvor hatten die Briten „mit Hilfe des Schahs und dessen loyaler Gefolgschaft“ versucht, „den politischen Aufstieg der Nationalen Front zu verhindern“ – was aber nicht gelang. Die Nationale Front, die von Mossadegh angeführt wurde, „unterbreitete der AIOC einen Vorschlag zur angemesseneren Aufteilung der Erdöleinnahmen. Die aber lehnte Verhandlungen ab.“ (37) Erst danach erhob sich im Iran die Forderung nach einer Verstaatlichung der AIOC; eine Forderung, der sich die Nationale Front anschloss.

Um die Lage zu entschärfen, die durch die drohende Verstaatlichung verursacht wurde, sandte US-Präsident Harry S. Truman einen seiner engsten Berater nach London und Teheran, den New Yorker Investmentbanker W. Averell Harriman. Jedoch durfte Harriman die Rückreise nach Washington ohne konkrete Verhandlungsergebnisse antreten.

Großbritannien war – nicht zuletzt durch den Weitblick des damaligen ersten Lords der Admiralität, Winston Churchill – seit den 1910er Jahren verstärkt in Persien tätig geworden, nachdem dort am 26. Mai 1908 bei Masjid-i-Sulaiman riesige Erdölvorkommen entdeckt worden waren. Verantwortlich hierfür zeichnete sich der australische Geschäftsmann William Knox D’Arcy. Sogleich horchte der britische Geheimdienst auf und schickte seine Vertrauensmänner Sidney Reilly und Lord Strathcona in die Region, um Verkaufsgespräche mit D’Arcy aufzunehmen. (38) Was Churchill betraf, so „blickte (dieser) mit Sorge und Misstrauen auf die internationale Situation. Er fürchtete eine russische Expansion im Nahen Osten und misstraute dem Plan der Deutschen, eine Bahn von Berlin nach Bagdad zu bauen.“ (39)

Die sogenannte „Bagdadbahn“, die der deutsche Historiker Golo Mann als „etwas Großartig-Kompaktes und ganz im Sinn der schönsten Traume von 1848“ bezeichnete, scheint bei der britischen Führungsschicht in der Tat arge Gedanken freigesetzt zu haben. (40) Der US-amerikanische Finanzhistoriker Stephen Zarlenga gibt in seinem Buch Der Mythos vom Geld diesbezüglich zum Besten, dass die deutsche Industrie durch Verwirklichung der von der Reichsbank finanzierten Bagdadbahn „mit noch weiter östlich gelegenen Märkten direkt verbunden werden und auf diese Weise die überlegene Seemacht Großbritannien umgehen“ hätte können. „Hjalmar Schacht, eine der Schlüsselfiguren im Finanzwesen Deutschlands des 20. Jahrhunderts, bemerkte, dass die Finanzierung der Bagdadbahn den Engländern ,ein Dorn im Auge‘ war. Und Francis Neilson, ehemaliger Abgeordneter des britischen Parlaments und Autor des Buches The Makers of War, vertritt die Ansicht, dass sich die Altherrenriege der englischen Industrie nicht imstande sah, der deutschen Konkurrenz in industrieller Hinsicht Paroli zu bieten.

1907 erhielt der allgemein geachtete amerikanische Diplomat Henry White den Auftrag, die britische Haltung zu ermitteln. Er traf sich mit seinem Freund Arthur Balfour:

Balfour (etwas abfällig): ,Wir sind wahrscheinlich Narren, dass wir keinen Grund finden, um den Deutschen den Krieg zu erklären, bevor sie zu viele Schiffe bauen und uns unseren Handel streitig machen.‘

White: ,Wenn Sie es mit dem deutschen Handel aufnehmen wollen, müssen Sie sich eben mehr anstrengen.‘

Balfour: ,Das würde bedeuten, dass wir eine Senkung unseres Lebensstandards hinnehmen müssten. Vielleicht wäre es für uns einfacher einen Krieg zu führen.‘ Und dann, als Reaktion auf Whites Schock nach dieser Aussage: ,Geht es denn um richtig oder falsch? Vielleicht geht es nur darum, dass wir unsere Vormachtstellung behaupten.’“ (41)

Damit Kehrtwende und zurück zu den in dieser Ära gerade entdeckten iranischen Ölquellen bei Masjidi-Sulaiman und den Sorgen von Winston Churchill, dem damaligen ersten Lord der Admiralität: „Auch im eigenen Land gab es Druck, denn der eigenwillige Admiral Fisher bestand darauf, die britische Flotte von Kohle auf Öl umzustellen. Da Großbritannien noch keine eigene Ölquelle hatte – das Nordseeöl war noch nicht entdeckt –, wurde die Frage der Belieferung immer kritisch bleiben, und Churchill wollte sich weder auf das amerikanische Öl noch auf Shell mit seinen holländischen Verbindungen verlassen müssen. Mittlerweile konkurrierten folgende Ölkonzerne miteinander: Royal Dutch/Shell, Gulf, Texaco und Standard Oil Company. Die Vorstellung, Zugriff auf diese Ölquelle in Persien zu haben, gefiel Churchill, und deshalb überredete er die britische Regierung, sich mit 50 Prozent am Unternehmen von D’Arcy zu beteiligen. Die Anglo-Persian Oil Company, ein Vorläufer der British Petroleum (BP), wurde im Sommer 1914 mit königlicher Zustimmung gegründet, just zu der Zeit, als die ersten Anzeichen eines neuen Krieges auftauchten. Die Anglo-Persian Oil Company war im Vergleich zu den anderen Ölkonzernen also kein privates Unternehmen, sondern ein Regierungskonzern, der die Aufgabe hatte, die Royal Navy mit Öl zu versorgen.“ (42)

Nachdem die britische Regierung die Monopol-Konzession von D´Arcy gekauft und die Anglo-Persian Oil Company gegründet hatte, errichtete das neue Unternehmen die größte Raffinerie der Welt am Hafen von Abadan am Persischen Golf. 1935 wurde aus der Anglo-Persian Oil Company die Anglo-Iranian Oil Company (AIOC). Zwei Jahre zuvor war eine neue Konzessionsvereinbarung in Kraft getreten, die Anfang der 1950er Jahre noch immer galt und üppige Gewinne aus dem Geschäft im Iran generierte. Bis zum Zweiten Weltkrieg allein „waren etwa 800 Millionen Pfund Sterling Gewinn nach Großbritannien geflossen, während der Iran lediglich 105 Millionen Pfund erhielt.“ (43)

Als er Großbritannien als Premierminister diente, bezeichnete Churchill die AIOC als einen „Preis aus dem Märchenland, jenseits unserer kühnsten Träume.“ (44) Noch bis in die 1950er Jahre hinein kamen rund 90 Prozent allen Öls, das in Europa gehandelt wurde, aus der Raffinerie in Abadan. (45)

Begleitet von Streiks, Unruhen und der Ermordung des bis dato herrschenden Generals Rasmara, wurde das eingebrachte Verstaatlichungsgesetz bezüglich der iranischen Ölquellen schließlich verabschiedet und Mossadegh zum neuen Premierminister ernannt. Obwohl das Gesetz Entschädigungsleistungen zugunsten der Briten vorsah, hieß die Konsequenz, dass auf dem internationalen Markt kaum noch iranisches Erdöl abgesetzt werden konnte. Den Ausfall, den AIOC im Iran zu beklagen hatte, kompensierte der Konzern, indem er kurzerhand die Produktionsraten im Irak und in Kuweit erhöhte (beide Länder waren Geschöpfe Großbritanniens aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg und nach wie vor intakter Teil der britischen Interessensphäre (46)). Darüber hinaus erhielt die AIOC sämtliche Unterstützung der übrigen Ölgiganten und der britischen Regierung, was unter anderem zur Einfrierung iranischer Auslandskonten führte.

Die Vereinten Nationen wollten sich des Streitfalls derweil nicht annehmen, obschon Mossadegh persönlich nach New York gereist war, um für die legitimen iranischen Interessen zu werben. Nachdem der britische Auslandsgeheimdienst bereits den Direktor des US-amerikanischen Pendants, Allen Dulles, von der Notwendigkeit eines Staatsstreichs im Iran überzeugen konnte, versuchte der britische Premier Winston Churchill auf diplomatischer Ebene den amtierenden US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower „davon zu überzeugen, dass Mossadegh letztlich dem Kommunismus in Iran Tür und Tor öffnen würde.“ (47) Die Propaganda, die alsbald einsetzte, war denn auch klare „Kalte-Kriegs- Rhetorik“, die immer wieder in den folgenden Jahrzehnten auftauchte, wo englische und amerikanische Wirtschaftsinteressen auf dem Spiel standen. Aber nicht nur das. Es handelt sich um „ein Grundmuster, das die USA und ihre Verbündeten noch immer bei angestrebten Regimewechseln anwenden: die Dämonisierung des Gegners im Vorfeld der eigentlichen Operation.“ Der damalige Außenminister Großbritanniens Anthony Eden „verglich Mossadegh wiederholt mit Hitler.“ Ein CIA-Dokument beschrieb ihn „in einer Sprache, die sich später fast wortgleich gegenüber Diktatoren wie Saddam Hussein, Gaddafi oder Bashar al-Assad wiederfindet, als ,unberechenbar, irre, gerissen, provokant (…) Einer der gefährlichsten Gegner, mit denen wir es je zu tun hatten.‘ Das iranische Volk habe er gegen die Briten aufgehetzt, indem er sie als ,böse‘ bezeichnet habe.“ (48)

Nicht ganz unerheblich in der ganzen Konstellation: Bevor Allen Dulles 1953 CIA-Direktor wurde, hatte er im Anschluss an den Zweiten Weltkrieg und seiner Zeit bei der CIA-Vorgängerorganisation Office for Strategic Services (OSS) wieder bei Sullivan & Cromwell an der Wall Street gearbeitet – wo einer seiner Mandanten Mohammad Reza Pahlewi war, der persische Schah.

Trotz der erheblichen Einbußen, die der Iran aufgrund der Exportausfälle am Ölmarkt zu verzeichnen hatte, gewann Mossadegh im August 1953 ein Volksreferendum, das ihn mit weitreichenden Kompetenzen ausstattete. Der einflussreichste Mann der iranischen Streitkräfte, Mohammed Reza Pahlewi, wurde in den königlichen Palästen unter Hausarrest gestellt. Zu diesem Zeitpunkt waren Churchills Bemühungen in der Pennsylvania Avenue schon von Erfolg gekrönt gewesen: US-Präsident Eisenhower hatte einen Putschplan bewilligt, der von Kermit Roosevelt Jr., einem ranghohen Mitarbeiter der CIA, in die Tat umgesetzt werden sollte. CIA-Direktor Allen Dulles stellte hierfür eine Summe von circa einer Million US-Dollar bereit, während sein Bruder, der amtierende Außenminister John Foster Dulles, den US-Botschafter in Teheran anwies, kraft der freigemachten Finanzmittel bereitwillige Iraner anzuwerben. (49)

Interessant ist nun, dass der Preis der AIOC-Aktie zu steigen begann, sobald die oberste Ebene aus Politik und Geheimdiensten in den USA und Großbritannien den Coup im Iran beschlossen hatte. Dies war mitnichten dem Zufall geschuldet, wie die Ökonomen Arindrajit Dube, Ethan Kaplan und Suresh Naidu in ihrer wissenschaftlichen Studie Coups, Corporations, and Classified Information („Staatsstreiche, Konzerne und geheimeingestufte Informationen“) darlegen. Ihr im April 2011 veröffentlichtes Papier zeigt unter anderem am Beispiel Iran, dass Regierungsumstürze, die von den USA unterstützt wurden, nicht bloß multinationalen Konzernen zugutekamen, sondern auch bestens informierten Insidern an der Börse, die aus Top-Secret eingestuften Plänen Geld herauszuschlagen wussten. (50)

Peter Dale Scott macht darauf aufmerksam, dass das Justizministerium unter Eisenhowers Vorgänger Harry S. Truman zuvor den Versuch unternommen hatte, „die Kartellvereinbarungen auseinanderzubrechen, durch die Standard Oil of New Jersey (heute Exxon) und vier weitere Ölkonzerne die globale Ölverteilung kontrollierten. (Die anderen vier waren Standard Oil Company of New York, Standard Oil of California oder Socony, Gulf Oil und Texaco; zusammen mit Royal Dutch Shell und Anglo-Iranian bildeten sie die sogenannten Sieben Schwestern des Kartells). Konfrontiert mit einer Regierung, die die Aushändigung relevanter Unterlagen forderte, weigerte sich Exxon-Anwalt Arthur Dean von Sullivan und Cromwell, wo Foster Dulles ein Senior-Partner war: ,Wenn es nicht um eine Frage der nationalen Sicherheit ginge, wären wir durchaus bereit, einem Strafverfahren oder einer Zivilklage entgegenzublicken. Aber das ist die Art von Informationen, die der Kreml gerne in seine Hände bekäme.‘ (51)

Zu diesem Zeitpunkt arbeitete das Ölkartell eng mit der britischen Anglo-Iranian Oil Company (AIOC, später BP) zusammen, um die Verstaatlichung von AIOC durch den iranischen Premier Mossadegh zu verhindern, und zwar durch die Einführung eines erfolgreichen Boykotts iranischer Öl-Exporte im Mai 1951.

,Im Mai 1951 sicherte sich AIOC die Unterstützung der anderen Ölkonzerne, die jedes Interesse an einer Entmutigung von Verstaatlichungen hatten …. Keines der großen Unternehmen würde iranisches Öl anrühren; trotz ein oder zwei malerischer Episoden hielt der Boykott.‘ (52)

Im Ergebnis fiel die iranische Ölproduktion von 241 Millionen Barrel im Jahre 1950 auf 10.6 Millionen Barrel im Jahre 1952.

,Dies wurde erreicht, indem dem Iran die Fähigkeit verweigert wurde, sein Erdöl exportieren zu können. Zu dieser Zeit kontrollierten die sieben Schwestern fast 99% der Rohöltanker der Welt für solche Exporte, und noch wichtiger ist, die Märkte, die sie ansteuerten.‘ (53)

Aber Truman lehnte eine Beteiligung der CIA bei Bemühungen zum Sturz von Mossadegh ab, trotz eines direkten persönlichen Appells von Churchill, und schickte stattdessen Averell Harriman nach Teheran, um in gescheiterten Bemühungen um eine friedliche Beilegung der Differenzen mit Mossadegh zu verhandeln. (54)

All dies änderte sich mit der Wahl von Eisenhower im November 1952, gefolgt von der Ernennung der Dulles-Brüder, Außenminister und Chef der CIA zu sein. Die Strafanzeige des Justizministeriums gegen das Öl-Kartell wurde schnell durch eine Zivilklage ersetzt, aus der das Öl-Kartell schließlich unbeschadet hervorging. (55)

,Eisenhower, ein offener Freund der Ölindustrie … veränderte die Anklage von strafrechtlich auf zivilrechtlich und übertrug die Verantwortung für den Fall vom Justizministerium ans Department of State – das erste Mal in der Geschichte, dass ein Kartellverfahren zur Strafverfolgung an das Außenministerium gegeben wurde. Wenn man sieht, dass der Außenminister John Foster Dulles war, und dass der Verteidiger für das Öl-Kartell Dulles’ ehemalige Kanzlei (Sullivan und Cromwell) war, war der Fall bald so gut wie tot.‘“ (56)

Im Anschluss daran, so Peter Dale Scott, „(blieb die) kooperative Steuerung des Weltmarktes durch die großen Ölgesellschaften mit unterschiedlichem Erfolg bis zum Öl-Embargo von 1973 bis 1974 in Kraft. Dass die Zusammenarbeit mehr als stillschweigend war, kann durch die Tatsache ersehen werden, dass die kartellrechtlichen Regelungen speziell im Zeitraum 1950-1973 oftmals beiseitegeschoben wurden, was den großen Unternehmen erlaubte, als Gruppe mit verschiedenen Nahost-Ländern zu verhandeln, und nach ihrer Gründung [1960] mit der Organisation der Erdöl exportierenden Länder oder OPEC.“ (57)

Die Planungen von CIA-Beamten, um die CIA „an den Bemühungen des MI6 und der Ölgesellschaften im Iran“ zu beteiligen, begannen im November 1952, so Peter Dale Scott (58); und das, „obwohl ihre berüchtigte Operation TP / AJAX, um Mossadegh zu stürzen, von Eisenhower erst am 22. Juli 1953 endgültig genehmigt wurde. (59)

Die Ereignisse von 1953 stärkten die Rolle des Ölkartells als eine strukturelle Komponente des amerikanischen tiefen Staats, sich dabei auf seine starke Verbindungen sowohl zur Wall Street als auch zur CIA stützend. (60) (Eine weitere solche Komponente war die Arabian-American Oil Company oder ARAMCO in Saudi-Arabien, die die Ölproduktion in den Jahren 1951 bis 1953 erhöhte, um den Verlust von Öl aus dem Iran wettzumachen. Bis sie vollständig 1980 verstaatlicht wurde, hielt ARAMCO Undercover-CIA-Personal wie William Eddy unter seinen Top-Beratern. (61)) Die fünf amerikanischen Ölkonzerne waren insbesondere gestärkt durch den Erfolg von AJAX, da Anglo-Iranian (später umbenannt in BP) fortan gezwungen wurde, 40 Prozent des Öls aus seinen iranischen Raffinerien mit ihnen zu teilen.

Nahezu alle jüngeren Darstellungen des Mossadegh-Sturzes behandeln ihn als eine verdeckte Geheimdienstoperation, bei dem das Öl-Kartell eine (wenn es überhaupt erwähnt wird) untergeordnete Rolle spielte. Doch die Chronologie, und vor allem die verspätete Genehmigung von Eisenhower, deuten darauf hin, dass es die CIA war, die 1953 verspätet zu einer früheren Ölkartell-Operation hinzustieß, und nicht umgekehrt. Was den tiefen Staat betrifft, initiierte das Öl-Kartell oder der tiefe Staat im Jahre 1951 einen Prozess, den der öffentliche Staat Amerikas erst zwei Jahre später genehmigte. Doch die unvermeidlichen Verzerrungen in der akademischen oder Archivierungs-Geschichtsschreibung, die nur mit den primären Quellen arbeitet, die öffentlich zugänglich sind, besteht darin, die Mossadegh-Tragödie schlicht als ,CIA-Coup‘ zu betrachten.“ (62)

Was den „CIA-Coup“ betraf, so reiste Kermit Roosevelt Jr. im Juli 1953 in den Iran ein. Zusammen mit General Fazlollah Zahedi, einem Nazi-Sympathisanten, der während des Zweiten Weltkriegs größtenteils unter britischem Arrest gestanden hatte, organisierte er die geplante „Operation Ajax“, bei der iranische Offiziere und Zivilisten eingesetzt wurden. Der eingeweihte, aber nervöse General Mohammed Reza Pahlewi, der Welt besser als Schah von Persien bekannt, floh nach Rom und wartete von dort aus die weitere Entwicklung ab, während Allen Dulles die Operation per Radio in Genf verfolgte. Drei Tage nach der Flucht des Schahs begann der Staatsstreich mit Schießereien vor dem Haus von Mossadegh. Die von General Zahedi befehligten Truppen obsiegten, der Schah kehrte zurück, und am 28. Oktober 1954 wurde unter dem neuen Premierminister Zahedi ein Nachfolgevertrag mit einer Laufzeit von 25 Jahren unterschrieben, der die eingeführte Verstaatlichung des persischen Öls rückgängig machte. Der Gewinnanteil an den Erdöleinnahmen für den Iran wurde angehoben, der Rest ging an ein internationales Konsortium, dem neben AIOC/BP weitere namhafte Vertreter des Ölgeschäfts angehörten: Standard Oil of New Jersey/Esso und Mobil Oil, die später zu ExxonMobil fusionierten; Standard Oil of California, woraus später Chevron wurde; Texaco, woraus durch den Zusammenschluss mit Chevron wiederum ChevronTexaco wurde; Gulf Oil; sowie Royal Dutch/Shell und die in den 1920er Jahren gegründete Compagnie Francaise des Petroles, ein Vorläufer von Total Elf Aquitaine. (63)

Die Mitglieder des Konsortiums trafen darüber hinaus eine vor den Iranern geheim gehaltene Übereinkunft, wonach die Ölmenge, die jedes Mitglied förderte, durch ein ausgeklügeltes Quotensystem begrenzt sein würde, das die Produktion (und damit die Zahlungen an die iranische Regierung) niedrig hielt, solange andernorts genügend Öl vorhanden war. „Irans Öl wurde von den Wechselfällen der Politik des Mittleren Ostens gefangengenommen, ein Machtmittel, auf das sich das Erdölkartell stützen konnte, um die Scheichs auf Linie zu halten.“ (64)

Als er die CIA im Jahre 1958 verließ, heuerte Kermit Roosevelt Jr. bei Gulf Oil an, das großen wirtschaftlichen Nutzen aus dem Staatsstreich im Iran zog. Zwei Jahre später wurde Roosevelt zum stellvertretenden Vorsitzenden des Unternehmens ernannt. Während der Gala, die zum Anlass seiner Reinthronisation veranstaltet wurde, hatte der Schah das Glas zu Ehren von Roosevelt erhoben und gesagt: „Ich verdanke meinen Thron Gott, meinem Volk, meiner Armee und Ihnen!“ (65)

Mossadegh wurde später ein Schauprozess bereitet. Er erhielt drei Jahre Gefängnisstrafe und stand bis zu seinem Tod unter Hausarrest. „Mossadegh ist sicher die tragischste Figur in diesem Drama: Er war ein überzeugter Anhänger des Parlamentarismus, ein Bewunderer Mahatma Gandhis, von Abraham Lincoln und der amerikanischen Demokratie. Heute hieße es wohl: Er teilte die westlichen Werte. Was ihm allerdings nichts nutzte, im Gegenteil.“ (66)

Die langfristigen Wirtschaftsinteressen der Wall Street schienen durch die Intervention der CIA gesichert, wobei es nicht sonderlich schwer fällt, folgende Verbindung herzustellen: Ein Begünstigter des Staatsstreiches von 1953 waren Standard Oil-Firmen. Standard Oil gehörte zur Klientel der Kanzlei Sullivan & Cromwell. Partner bei Sullivan & Cromwell war Allen Dulles gewesen (wie schon zuvor sein Bruder John Foster). Allen Dulles verfügte über beste geschäftliche und persönliche Beziehungen zu Standard Oil beziehungsweise zur Familie Rockefeller, deren Hausbank zu den größten Eignern der New York Fed zählte (und heute als J.P. Morgan Chase noch immer zählt). Einen Teil der Erlöse, die mit iranischem Erdöl nach dem Putsch erzielt wurden, handhabte die britische Handelsbank J. Henry Schroeder & Co., das Mutterunternehmen der amerikanischen J. Henry Schroder Banking Corporation. Die J. Henry Schroeder & Co.-Bank und J. Henry Schroder Banking Corporation – mit der sowohl Allen als auch John Foster Dulles eng verbunden waren – zählten wenig später abermals zu den Nutznießern einer verdeckten CIA-Operation unter Allen Dulles, als es 1954 zu einem Regierungsumsturz in Guatemala kam.

1957 führte ein Geheim-Komitee eine Untersuchung der verdeckten Aktivitäten der CIA im Mittleren Osten durch. Der von dem Komitee produzierte „Bruce Lovett Report“ berichtete von Staatsstreichplänen, die für Ägypten, Jordanien, Syrien, Iran und Irak entwickelt wurden, und kam zum Schluss, dass die CIA-Eingriffe in die Angelegenheiten anderer Nationen dem Ansehen der USA erheblich schadeten. (67)

Die Auswirkungen des Staatsstreichs in Teheran betreffend sticht hervor, dass die Privatgelder und -investitionen von Mohammad Reza Pahlavi zu einem guten Teil von Chase Manhattan gehandhabt werden sollten, und dass die Ölgewinne der iranischen Ölgesellschaft in substanziellem Maße ebenfalls über die gleiche New Yorker Bank liefen. Chase Manhattan war „des Shahs bevorzugteste Bank“. (68) Und der Iran wiederum „wurde zum Kronjuwel im internationalen Bankportfolio von Chase“. (69) Ohne den Staatsstreich von 1953 wäre es dazu nicht gekommen.

Die Chase International Investment Corporation, welche in den 1950er Jahren von John J. McCloy initiiert worden war, schloss viele langfristige Joint Ventures im Iran ab. Laut McCloy hielt der Schah 2.5 Milliarden US-Dollar seines Privatvermögens auf einem Konto von Chase Manhattan. Der Familien-Trust der Pahlavis besaß ebenfalls ein Konto bei Chase. Auf dem Chase-Konto, das der Iran selber unterhielt, lagen 6 Milliarden US-Dollar. Dieser Betrag mag „nicht viel im Verhältnis zu den Gesamteinlagen von Chase“ gewesen sein. „Allerdings ist es im Spiel der globalen Finanzen nicht immer die Größe, die zählt, sondern die Position und die Gelegenheiten, die mit den Einlagen einhergehen.“ (70)

Dem Putsch im Iran folgte in der Stadt zwischen Hudson und East River alsbald eine Zeit vermehrter Bankenfusionen. „Rockefellers Chase National Bank hatte sich mit der Bank of Manhattan zur Chase Manhattan Bank zusammengeschlossen“, und zwar im Jahre 1955. „Deren Direktor wurde Rockefellers Anwalt und Treuhänder der Rockefeller-Stiftung, John J. McCloy, damals Vorsitzender des New Yorker Council on Foreign Relations, der erst kurz zuvor von seinem Posten als Hoher Kommissar der USA in Deutschland nach New York zurückgekehrt war. Die National City Bank of New York übernahm die First National Bank of New York und bildete unter Vorsitz von James Stillman die City Bank of New York, die spätere Citibank. … Andere große New Yorker Banken, darunter die Chemical Bank, Manufacturers Hanover und Bankers Trust durchliefen ähnliche Fusionen und Zusammenschlüsse, bis schließlich –  wie es in einem Bericht des US-Justizministeriums von 1961 formuliert wurde – die fünf größten Banken von New York unter Führung der beiden Banken der Rockefeller-Interessen 75 Prozent aller Einlagen in der größten Stadt der USA kontrollierten, die gleichzeitig das Finanzzentrum der Welt war.“  (71)

 

Pahlewi – ein weiterer Bauer im großen Nah-Ost-Schach

 

Der inthronisierte Schah von Persien war von Anfang an „ein ,schwacher König‘, und das wusste er. Doch versuchte er sich darüber hinweg zu träumen, dass er nur ein weiterer Bauer im großen Nah-Ost-Schach war. Er fantasierte davon, sich durch die Schaffung eines modernen Persischen Reiches freikaufen zu können. Schließlich schuf er mit den Öleinnahmen einen Zwei-Klassen-Staat – eine französisch sprechende Elite auf der einen Seite – und eine entfremdete Masse auf der anderen.“ Zwar stieg das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf im nächsten Vierteljahrhundert unter der „Regentschaft des Schahs … drastisch, doch blieb das Land nicht weniger gespalten als zuvor.“ (72) Am Ende trugen ihn nur die Oberschicht und der Geheimdienst wirklich – und „diese Machtbasis erwies sich als zu dünn“. (73)

1963, zehn Jahre nach der Wiedereinsetzung des Schahs auf dem persischen Thron, flammten in Ghom, einer der heiligen Städte der Schia, Proteste auf, die sich gegen Reformen richteten, die in der Hauptstadt Teheran drei Jahre zuvor eingeleitet worden waren („Weiße Revolution“). Der Anführer der Proteste, ein schiitischer Geistlicher namens Ruhollah Musavi Khomeini, war ein früherer Gefolgsmann des Ayatollah Kashani gewesen, der zu jenen schiitischen Mullahs gezählt hatte, die ein Jahrzehnt zuvor nach CIA-Geldern gegriffen hatten, um den Sturz von Mohammad Mossadegh mitvoranzutreiben. Khomeini ließ am Gedenktag an den Imam Hussein, der im Kampf gegen den Kalifen Jasid zu Tode kam, in den Moscheen von Ghom eine Predigt verlesen, in der er den Schah als den „Jasid unserer Zeit“ bezeichnete. Die Geheimpolizei SAVAK verhaftete Khomeini am nächsten Tag, woraufhin Proteste ausbrachen. Zunächst wurde der Geistliche in die Türkei abgeschoben; doch dort wollte man ihn nicht behalten. Der dem Iran nicht wohlgesinnte Irak sprang ein: für fünfzehn Jahre durfte Khomeini in Nadschaf, ebenfalls einer heiligen Stadt der Schia, ins Exil gehen. (74)

Im November 1963 ließ Khomeini die US-Regierung via Mittelsmann Haj Mirza Khalil Kamarei wissen, dass er amerikanischen Interessen im Iran nicht ablehnend gegenüberstünde und eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Islam und anderen Weltreligionen wünsche. (75)

Auf internationaler Ebene machte sich der Schah – an und für sich seit langem „ein dankbarer Empfänger amerikanischer Militärhilfen und großzügiger Einkäufer ihrer Waffen“ (76) – einige Jahre später wenig Freunde in den USA, als er zusammen mit dem irakischen Vize-Präsidenten Saddam Hussein auf dem OPEC-Gipfel im März 1975 alle Differenzen beilegte, die bis dahin zwischen den Regierungen des Iran und Irak bestanden hatten. „Ihr erklärtes Ziel war es ,ihre Reihen als Öl-Produzenten zu schließen‘, und vor allem ,sowohl die USA als auch die Sowjetunion von der strategischen Golfregion fernzuhalten‘. … Ein CIA-Analyst hielt das damals ,in der Ära für eine der überraschendsten Wendungen nach dem Zweiten Weltkrieg‘.“ (77)

Es besteht wenig Zweifel daran, dass den USA ein Konfrontationskurs zwischen den beiden Golfstaaten weitaus genehmer gewesen wäre.

An der Erdöl-Front hatte der Schah einige Verstimmung bewirkt, als er Mitte der 1960er Jahre eine Neuaufteilung der Gewinne aus dem iranischen Erdölgeschäft erzwang – aus einem Verhältnis, das den ausländischen Firmen die Hälfte, dem iranischen Kaiserreich die andere Hälfte der Erträge zuteilte, wurde ein Verhältnis von 25:75 zugunsten des Iran.

In den Siebzigern folgte weitere Verstimmung, als der Schah mit den internationalen Erdölgesellschaften noch einmal grundsätzlich über den Ölförderkonzessionsvertrag von 1954 verhandeln ließ. Dabei berief man sich auf Verstöße der Konsortialpartner gegen die Interessen des Iran. In einer Rede, die er am 23. Januar 1973 hielt, machte der Schah unmissverständlich klar, dass der alte Vertrag über das Jahr 1979 hinaus nicht verlängert werden würde. Schließlich wurde im Sommer ‘73 ein neues Vertragswerk unterzeichnet, welches vorsah, dass die National Iranian Oil Company die Kontrolle über die Förderung und den Verkauf der iranischen Öl- und Gasvorkommen erlangte. So waren aus den internationalen Mineralölkonzernen eher Kunden geworden, denen das wertvolle Gut zu Vorzugspreisen verkauft wurde. Von 1975 an drängten die ausländischen Ölunternehmen wegen ihrer Einnahmeverluste dann ihrerseits auf eine Neuverhandlung der Vertragsbedingungen des sogenannten Purchase and Sale Agreement vom Juli 1973, jedoch konnte über die nächsten Jahre hinweg keinerlei Einigung erzielt werden.

Nicht minder argwöhnisch betrachtete Washington die festen Absichten des Schah, im großen Stil europäische „Nuklear-Technologie gegen Öl einzutauschen“, um sich weniger abhängig vom – wie man erwartete – knapper werdenden Erdöl zu machen. (78) Ein beträchtlicher Teil der Gelder, die durch das iranische Petroleumgeschäft generiert wurden, floss bis dahin, siehe oben, auf Bankkonten, die in den USA beheimatet waren, und die amerikanischen Oil Majors hatten, wenn die Pläne des Schahs Wirklichkeit werden sollten, große Marktanteile zu verlieren. Zusammen mit British Petroleum und Royal Dutch Shell kontrollierten die sogenannten Big Five der US-Erdölindustrie – Exxon, Mobil, Gulf, Texaco und Standard Oil of California (später: Chevron) – im Jahre 1972 noch rund 83 Prozent der Erdölproduktion im Mittleren Osten. (79) Drei Unternehmen dieser Big Five – Exxon, Mobil und Standard Oil of California – gingen direkt auf das Erdöl-Imperium von John D. Rockefeller zurück – dem Großvater von David Rockefeller, welcher zu dieser Zeit den Vorsitz bei Chase Manhattan innehatte. Sämtliche Unternehmen der Big Five waren intensiv mit den sieben größten Geschäftsbanken der USA verbandelt, insofern Firmen wie Exxon mit Geldhäusern wie Chase Manhattan, Citibank und Chemical Bank ein und dieselben Vorstandsmitglieder teilten. (80) Zudem waren die Banken bedeutende Aktieninhaber der Öl-Unternehmen – welche ihrerseits reichlich Nutzen aus dieser Allianz zogen: „Die engen Verbindungen zwischen den beiden Branchen stellten nicht nur sicher, dass eine Interessengemeinschaft zwischen ihnen bestand, sondern verlieh diesen Öl-Unternehmen auch einen starken Kontrollhebel. Jene, die sonst womöglich in der Lage gewesen wären, ihre Kontrolle über die Weltmärkte herauszufordern, waren vom Verlust an Krediten bei den größten Banken bedroht. Nur wenige waren in der Lage, diese Einheitsfront herauszufordern.“ (81)

Nehmen wir als ein Beispiel für diese „Einheitsfront“ die Familie Rockefeller, welche 1979 jeweils folgende Prozentanteile der Stimmrechtaktien hielt: 1,74 Prozent bei Exxon, 1,82 Prozent bei Mobil und 2,11 Prozent bei Standard Oil of California. (82) Die Prozente, die im gleichen Zeitraum jeweils von Chase Manhattan direkt und allein mit Stimmrecht an diesen Firmen gehalten wurden, fielen kaum geringer aus – wobei die Familie Rockefeller 1979 wiederum 2,4 Prozent der Stimmrechtaktien von Chase Manhattan in Besitz hielt. (83) Durchschnittlich besaßen die sieben größten Banken der USA (Bank of America, Bankers Trust, Chemical Bank of N.Y., Citibank, Chase Manhattan, Manufactures Hanover und Morgan Guaranty) im Jahre 1979 knapp 5,5 Prozent aller Aktien der Big Five-Unternehmen. (84) Untereinander kontrollierten diese Banken wiederum durchschnittlich je 5,63 Prozent der Aktien, die sie selber herausbrachten. (85)

Überdies war der größte Kreditgeber, über den der Iran Mitte / Ende der 1970er Jahre international verfügte, Chase Manhattan.  „Ende 1978 hatte Chase Kredite in Höhe von beinahe zwei Milliarden Dollar an den Iran vergeben, eine gewaltige Summe für eine einzelne Bank und einen einzelnen Kreditnehmer. Käme es bei der Rückzahlung durch den Iran zu Schwierigkeiten, so säße die Chase tief in der Patsche.“ (86)

Die Kredite aus dem Ausland waren dringend nötig, da der Iran zu jener Zeit ein wachsendes Staatsdefizit aufwies. Im Land wuchs der öffentliche Unmut „gegen die verschwenderisch hohen Ausgaben des Schah-Regimes, besonders für amerikanische Rüstungsgüter.“ (87)

Unterdessen hatte der Iran zugleich begonnen, die Öleinkünfte verstärkt für den Aufbau einer modernen Infrastruktur zu nutzen. Vor allem wurde zunehmend Geld eingesetzt, um ein landesweites, sich aus Kernenergie speisendes Energieversorgungsnetz zu entwickeln. Partner dafür waren Frankreich und Deutschland. Mit französischer Seite existierte beispielsweise seit 1974 ein Vertrag „über den Bau einer Kernforschungsanlage und von fünf kommerziellen Kernkraftwerken. 1975 wurde der Vertrag erweitert. Nun umfaßte er den Bau von acht Kernkraftwerken für 8,6 Milliarden Dollar. Gleichzeitig kaufte sich der Schah mit zehn Prozent der Aktien in die französische Urananreicherungsanlage von Tricastin ein und unterstützte ihren Bau mit einem Kredit von einer Milliarde Dollar.“ (88)

Drei Jahre später verkündete der Iran noch ehrgeizigere Ziele, indem er „das viertgrößte Kernenergieprogramm der Welt“ startete; bis Mitte der 1990er Jahre gedachte Teheran jetzt „20 Kernkraftwerke mit insgesamt 23000 Megawatt elektrischer Leistung“ zu verwirklichen. (89) Zu diesem Zeitpunkt waren bei der deutschen Kraftwerk Union (KWU), einem Tochterunternehmen von AEG und Siemens, allein sechs Kernkraftwerke in Bestellung gegeben worden. (90)

Gegen Ende desselben Jahres scheiterten die Verhandlungen des Nachfolgers der Anglo-Iranian Oil Company (AIOC), der British Petroleum Company, mit dem Iran über einen neuen Erdölvertrag. Das hatte schwerwiegende Folgen: „London reagierte auf den Abbruch der Gespräche mit einer Abnahmeweigerung, die einem Boykott iranischen Öls gleichkam. Durch einen provozierten Streik wurde zusätzlich noch die Ölproduktion lahmgelegt.“ (91) Im Dezember 1978 stand die Erdölförderung im Iran praktisch komplett still, wodurch dem Golfstaat gleichsam das Öl für den einheimischen Verbrauch wie auch für die benötigten Exporteinkünfte ausging.

Zusammen mit einer spürbaren Inflation schürte das die Protestwelle, die seit Anfang des Jahres durchs Land zu schwappen begonnen hatte. Am 9. Januar 1978 machten Studenten in der Stadt Ghom ihre Sympathien für Ruhollah Khomeini auf den Straßen lautstark kund, nachdem tags zuvor in Teherans größter Tageszeitung Ettela’at ein Anti-Khomeini-Artikel veröffentlicht worden war. Die staatlichen Sicherheitskräfte griffen ein, es kam zu vier Todesfällen unter den Demonstranten. Danach folgten in Ghom weitere Proteste im Gedenken an die vier Getöteten in einem Abstand von je 40 Tagen, und von Mal zu Mal schlossen sich mehr und mehr Menschen den Kundgebungen an.

Anlässlich des ersten rituellen 40. Tags der Trauer nach den Ausschreitungen von Anfang Januar fanden am 18. Februar 1978 bereits übers ganze Land verteilt viele Demonstrationen statt. Im Norden des Iran, in Täbris, brach gar ein Volksaufstand aus: „Banken und Regierungsgebäude brennen. Soldaten schießen in die Menge, es gibt etwa 60 Tote.“ (92)

Durch die Presselandschaft des Westens ging zugleich eine langandauernde Welle der Empörung über die iranische Geheimpolizei SAVAK, die nach 1953 mit Hilfe amerikanischer, britischer und israelischer Geheimdienste neuorganisiert worden war. „Die Akte der SAVAK war wahrscheinlich genau so schmutzig wie die irgendeines anderen orientalischen ,Sicherheitsapparats‘. Doch die westliche Presse bestand darauf, dass diese Organisation über ein Budget von Millionen von Dollar und eine Arbeitskraft Zig-Tausender verfüge, Zehntausende ermordet und Hunderttausende als politische Gefangene inhaftiert habe, was von Amnesty International aufgegriffen wurde.“ (93)

Auf die öffentlichen Unmutsbekundungen im Land antwortete das Schah-Regime mit tatsächlich zunehmender Gewalt. Pahlewi und die Seinen scheinen schlichtweg „schlecht beraten“ gewesen zu sein: „Amerikanische ,Berater‘ trieben die gefürchtete SAVAK … bei wachsender Unruhe und steigenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu einem immer brutaleren, provokativeren Vorgehen an. … (P)rombt beschwerte sich die Regierung Carter über die ,Verletzung der Menschenrechte‘ im Iran. Dabei wussten (der Nationale Sicherheitsberater) Brzezinski und die CIA sehr genau, was da gespielt wurde.“ (94)

Ein Höhepunkt des gegenseitigen Aufeinanderhetzens von Regierung und Opposition ereignete sich am 8. September 1978; ein Datum,  das als „Schwarzer Freitag“ in die Geschichte des Iran eingehen sollte. Zuvor war am Ende einer von Großdemonstrationen geprägten Woche für den 8. September ein Ausgehverbot über Teheran verhängt worden. „Eine große Menge von Leuten, darunter zahlreiche Frauen und Kinder, hatten sich am gleichen Tag gegen Nachmittag“ in der Innenstadt von Teheran  „auf dem Jaleh-Platz versammelt. Sie sassen auf der Erde und hörten sich Reden an. Nach ihren Angaben wussten sie noch nichts von dem Ausgehverbot. (Der General Gholam Ali) Oveissi liess nach einer kurzen Warnung mit Maschinengewehren das Feuer eröffnen. Dies jedenfalls war die Version der Opposition, die allgemein Glauben fand. Die Überlebenden flohen in die engen Gassen der Altstadt. Die Soldaten verfolgten sie schiessend, doch stiessen sie dort auf Widerstand durch Leute mit Molotow-Cocktails und einigen Pistolen. Es gab eine grosse Zahl von unschuldigen Opfern, Hunderte müssen es gewesen sein. Die genaue Zahl wurde nie bekannt.“ (95)

Während die SAVAK und der Schah im Westen denkbar schlechte Presse erhielten, erfreute sich Ruhollah Khomeini, der als eine Art „Heiliger“ im irakischen Exil lebte, eines stetig größer werdenden Zuspruchs. Ohne genaue Einsicht in seine Schriften genommen zu haben, priesen die westlichen Medien „diesen senilen und unkultivierten Mullah“ als „einen brillanten Philosophen und Theologen“ an. „,Das sorgfältig gestaltete Bild‘ von Khomeini war die Arbeit von PR-Profis gewesen. Es kam weltweit im gesamten Spektrum der öffentlichen Meinung gut an: die Aureole der Heiligkeit sprach fromme Konservative an, die revolutionäre Neigung gewann die Linke und die demokratische, antidiktatorische Einstellung gefiel den Liberalen.“ (96)

In Frankreich fanden sich bei Le Monde und in der Person des „Star-Philosophen“ Michel Foucault prominente publizistische Unterstützer, indes der britische Radiosender BBC gar „Programme in persischer Sprache“, die Khomeinis Propaganda zum Inhalt hatten, „bis in die hintersten Winkel Persiens ausstrahlte“. (97) Mehrfach bat der Schah persönlich die britische Regierung und die Verantwortlichen der BBC, derlei Einmischungen in die Angelegenheiten seines Landes, die über dem britischen Staatsrundfunk stattfanden, einzustellen. Doch ohne jeden Erfolg: Ausländische Medien „strahlten weiterhin gegen das Regime gerichtete Propaganda aus und verbreiteten diese auch im Land des offiziellen Verbündeten. Das war bisher beispiellos.“ (98)

Der chinesische Staatspräsident, der im September in Teheran zu Gast war, ließ den Schah wissen, dass die USA und die Sowjetunion gleichermaßen „sein Regime zu sabotieren“ beabsichtigten. Auch der Chef des französischen Nachrichtendienstes Alexandre de Marenches sowie „gut informierte Kreise“ in der Türkei warnten ihn auf konsularischem Wege, „sich vor der Carter-Administration in Acht zu nehmen. Diese, sagte man ihm vertraulich, betreibe im Einverständnis ,mit bestimmten religiösen Autoritäten‘ seinen Sturz.“ (99) Der Schah, der schwer an Krebs erkrankt war (was aber damals nur er und seine französischen Ärzte wussten), schlug die Warnungen in den Wind. Nachdem Alexandre de Marenches ihm mitgeteilt hatte, dass gewisse Amerikaner an seiner Ersetzung arbeiteten, entgegnete er nur, dass es dumm wäre, ihn zu ersetzen: „Ich bin der beste Verteidiger des Westens in diesem Teil der Welt; ich habe die beste Armee und die größte Macht; die ganze Sache ist so absurd, dass ich sie unmöglich glauben kann.“ (100)

Im selben Monat des „Schwarzen Freitags“, am 28. September, vermeldete die US Defense Intelligence Agency ähnlich überzeugt, „es werde ,erwartet, dass der Schah in den nächsten zehn Jahren aktiv an der Macht bleibt‘.“ (101)

Sowohl aufgrund des Drängens des Schahs als auch wegen irakischer Befürchtungen, dass er zu großen Einfluss über die schiitische Minderheit im Irak gewinnen könne, wurde Ruhollah Khomeini Anfang Oktober von der irakischen Regierung des Landes verwiesen. Da er keinen Zutritt nach Kuweit erhielt, fand sich Frankreich zur Aufnahme bereit – wo er dann schließlich in Neauphle-le-Château in der Nähe von Paris Quartier bezog. Vom Oktober 1978 bis zum Januar 1979 begannen währenddessen 100.000 Menschen den Iran zu verlassen. (102)

Erst einige Zeit später, als er selber ins Exil gegangen und wegen seiner Krebserkrankung bereits sicher dem Tod geweiht war, sah Mohammed Reza Pahlewi den Prozess, der vor sich ging, deutlicher vor Augen: „Damals wußte ich es nicht oder wollte es vielleicht auch nicht wissen“, ließ er in einem Interview durchblicken, „aber jetzt ist es mir klar: Es waren die Amerikaner, die mich weg haben wollten. Es besteht gar kein Zweifel mehr, das war es, was die Advokaten der Menschenrechte im State Department wollten. … Was sollte ich von der plötzlichen Entscheidung halten, den früheren Staatssekretär im Außenministerium George Ball als Sonderberater für Iran-Angelegenheiten ins Weiße Haus zu holen? Ball gehörte zu jenen jungen Amerikanern, die mich und auch mein Land loswerden wollten.“ (103)

Im Dezember 1978 entstand fürs Weiße Haus eine umfassende Analyse der Iran-Lage, die der erwähnte George W. Ball bereitstellte. In der achtzehnseitigen Schrift namens Issues and Implications of the Iranian Crisis behauptete Ball, „dass die autoritäre Herrschaft des Schahs keine Chance hatte, wieder hergestellt zu werden. Deshalb … sollten die Vereinigten Staaten den Iran bei der Bildung einer breiten Koalitionsregierung unterstützen.“ (104) Öffentlich beteuerte Washington zwar weiterhin, dass seine Kaiserliche Hoheit, der Shah-an-shah, auch zukünftig eine wichtige Rolle „als Symbol der Einheit und Kontinuität“ habe; doch im Hintergrund nahm der Druck auf den persischen Herrscher, seine Macht abzutreten, immer weiter zu. (105)

Einen Monat zuvor hatte der US-Botschafter in Teheran, William H. Sullivan, ein Kabel gen Washington geschickt, das Thinking the Unthinkable betitelt war.  Sullivan legte nahe, dass es für das amerikanische Führungspersonal „gesund” sei, einige Optionen zu überdenken, die bislang nicht tunlich erschienen.  Das Vertrauen in den Schah, der Khomeini-Bedrohung Einhalt gebieten zu können, war immer noch gegeben; sollte dies allerdings fehlschlagen, müsste Washington „das Undenkbare denken“ und mit einer kohärenten Politik reagieren, die die vitalen Interessen der USA schützen würde. (106)

Tatsächlich hatte Sullivan „das Undenkbare“ bereits im Mai 1978 zu denken begonnen, als er  „die Überlebenschance des Schah auf weniger als 50 Prozent“ bezifferte. (107)

Nachdem im Laufe des Jahres immer wieder Ölarbeiter an verschiedenen Orten des Landes die Arbeit niedergelegt hatten, streikten ab November insgesamt 37.000 Arbeiter in den Ölraffinerien des Iran. Ausländische Facharbeiter flohen mit ihren Familien außer Landes. Von Dezember 1978 bis März 1979 fielen die Exporte von bis dahin 5.5 Millionen Barrel pro Tag auf null. (108)

Mit dem Beginn des schiitischen Trauermonats Muharram setzte im Dezember eine neue heftige Demonstrationswelle ein. Khomeini hatte zuvor in seinem französischen Exil „für den Trauermonat zu verstärkten Bemühungen zum Sturz des Schah aufgerufen“. (109) Am 2. Dezember alleine kamen rund um den Teheraner Freiheitsturm über zwei Millionen Protestierer zusammen. „Mit Maschinengewehren und teilweise auch mit Panzerkanonen und Granaten ging die iranische Armee gegen unzählige Demonstranten in den Straßen Teherans vor. Die Menschen hatten sich fast auf die Minute genau zu Beginn der Ausgangsperre um 21 Uhr versammelt. Sie riefen in Sprechchören Parolen wie ,Gott ist groß‘ und ,Tod dem Schah‘.“ (110)

In der folgenden Woche begannen unter westlichen Botschaftern Gerüchte die Runde zu machen, dass der Schah zurücktreten werde. Zwar veröffentlichte das persische Informationsministerium ein Dementi; doch die Frage blieb, wie es in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 7. Dezember 1978 hieß, ob der Schah „den erst am 31. Dezember endenden islamischen Trauermonat Muharram ohne wesentliche Machtverluste durchstehen“ könne. Wenn ja, „hätte er im Ringen um die innere Stabilität Irans eine Feldschlacht gewonnen.“ (111)

Wenige Tage später, als mit dem Aschura-Fest der Höhepunkt des Trauermonats Muharram anstand, gingen am 10. Dezember mehr Iraner denn je zum Demonstrieren auf die Straßen. Die Protestierer trugen schwarze und grüne Fahnen mit sich, hielten Schilder mit religiösen Aufschriften und Portraitbilder der Mullahs hoch, und riefen: „Wir grüßen Khomeini“. Die Demonstration in Teheran verlief friedlich, und „gerade weil die Demonstration friedlich verlief, wurde deutlich, dass vor einer solchen Bewegung alle Eingriffsmöglichkeiten einer Regierung, und seien sie noch so despotisch und rücksichtslos, nichts bewirken. Hätte der Schah eine Panzerdivision dagegen anrollen lassen, wären vor den Kanonen und unter den Ketten Zehntausende verblutet, die Massen hätten die Truppen einfach aufgeschluckt. Es mögen zwei Millionen oder vier Millionen Menschen gewesen sein, die dem Demonstrationsaufruf gefolgt waren, und es ist möglich, dass die wirkliche Zahl vier Millionen noch übersteigt.“ (112)

Am nächsten Tag das gleiche Bild: „,Es lebe Chomeini, nieder mit dem Schah, Tod dem Kommunismus, Tod dem Imperialismus‘ – diese Rufe schallten am Aschura-Tag millionenfach durch Teheran. Unzählbar war die Menschenmenge, die, wie am Vortag, dem Aufruf der religiösen Führer und der oppositionellen ,Nationalen Front‘ gefolgt war, um für den exilierten Schiitenführer Chomeini und gegen den Schah und seine Politik zu demonstrieren.“ (113)

 

Konferenz auf Guadeloupe, oder: Khomeini ante portas

 

Die Proteste rissen nun nicht mehr ab und die Lage im Lande wurde zunehmend vertrackter: Aufgrund des Ölarbeiterstreiks, den der iranische Klerus unterstützte, musste Ende Dezember eine landesweite Treibstoffrationalisierung eingeführt werden, die staatliche Fluggesellschaft des Iran konnte keine Flüge mehr durchführen, das Brot wurde knapp, die Einfuhr von Konsumgütern kam zum Erliegen. „Alle dreißig Minuten appellierte der Rundfunk an die streikenden Ölarbeiter und die religiösen Führer des Landes, der Ölindustrie die Produktion von zumindest so viel Öl zu erlauben, wie für den Verbrauch im Lande erforderlich sei.“ (114)

Allmählich war der Schah bereit, sich mit einer Machtbeschränkung und Regierungsneubildung einverstanden zu geben, und am 31. Dezember machte er Schapur Bachtiar, ein Führungsmitglied der Nationalen Front, zum neuen Premierminister.

Genau ein Jahr zuvor, am letzten Tag des Jahres 1977, war US-Präsident Jimmy Carter noch auf Staatsbesuch im Niavaran-Palast gewesen und „lobt den autoritär regierenden Schah mit den Worten: ,Unter Ihrer großartigen Führung, Majestät, ist Iran eine Insel der Stabilität.‘ In den Abendnachrichten trinkt der Schah auf Carters Wohl Champagner. Es ist das erste Mal, dass eine muslimische Nation im Fernsehen zusieht, wie ihr Führer Alkohol trinkt.“ (115)

Ein Jahr nach dem Staatsbesuch aus Washington erhielt die Opposition rund um die Exil-Figur Khomeini, der sowohl geheimdienstliche Kontakte in den Osten wie auch in den Westen nachgesagt wurden, (116) nunmehr entscheidende Hilfe vom Westen, insbesondere von Frankreich: „Aus der ersten großen, die Mächte bis heute beschäftigenden iranisch-islamischen Revolution wäre ohne den Exilboden Frankreich nichts geworden. Paris unterstützte die Islamische Revolution gastfreundlich, finanziell, sicherheitsmäßig, motorisch, mit Kassettenrekordern zwecks Verbreitung der islamischen Botschaften. Der wahrhaft charismatische Theokrat Ruhollah Musavi Khomeini organisierte im französischen Neauphle-le-Château mit Mullahs, Bürgerlichen, Führern der Nationalen Front, der Tudeh-Partei, der Linken – lauter Persern – den Sturz des Monarchen.“ (117) Der französische Journalist Dominique Lorenz schrieb in seinem Buch Une Guerre, dass sich den Amerikanern die Aufgabe stellte, Khomeini aus dem Irak herauszubringen, ihn mit Ehrbarkeit zu kleiden und in Paris anzusiedeln – letztlich „eine Abfolge von Ereignissen, die nicht hätte auftreten können, wenn die Führung in Frankreich dagegen gewesen wäre“. (118)

Dabei blieb es nicht seitens des Westens: „Die Regierungschefs Giscard d’Estaing, Jimmy Carter, James Callaghan, Helmut Schmidt griffen dem ,rachsüchtigen Greis‘ Khomeini (Eric Hobsbawm) Anfang Januar 1979“ im Zuge der Gipfelkonferenz von Guadeloupe „unter die Arme und schieden sich vom Schah.“ (119)

Bei der Konferenz auf der Karibikinsel Guadeloupe, die als „informelles Treffen“ galt, (120) stand die Frage im Raum, ob der Shah weiterhin Unterstützung vom Westen erhalten sollte oder aber ob Ayatollah Khomeini, der in Paris bereits die Koffer gepackt hatte, das Startsignal zum Aufbruch gen Teheran bekommen würde. Im Vorfeld der Konferenz, die vom 4. bis 7. Januar 1979 stattfand, hatte US-Sicherheitsberater Zbigniew Brzezinski verlautbart, dass die USA den Schah nach wie vor voll unterstützten. Zu Beginn der Konferenz vollzog US-Präsident Carter vor den anderen drei Staatschefs dann eine Kehrtwende. Valéry Giscard d’Estaing, der Gastgeber der Konferenz, schrieb darüber in seinen Memoiren Le Pouvoir et La Vie: „Präsident Jimmy Carter erklärte uns überraschenderweise, dass die Vereinigten Staaten entschieden hätten, das Regime des Schahs nicht länger zu unterstützen. Ohne die Unterstützung der Vereinigten Staaten ist das Regime verloren. Ich hatte noch den Bericht von Michel Poniatowski gegenwärtig, der mir mitgeteilt hatte, dass der Schah voll handlungsfähig sei, allerdings voller Trauer, müde und desillusioniert. Er war davon ausgegangen, dass die USA ihn weiter unterstützen würden. Aber innerhalb einer Woche, hatte sich der Wind gedreht. … Jimmy Carter erklärt uns die weitere Entwicklung. Das Militär werde die Macht an sich reißen und die Ordnung im Land wiederherstellen. Die militärischen Anführer seien alle pro-westlich, die meisten von ihnen seien in den USA ausgebildet worden.“ (121)

Frankreich schien ohnehin „aus der zuvor eingegangen Verpflichtung, dem Iran kerntechnisches Wissen zu Verfügung zu stellen“, in der Zwischenzeit abgerückt zu sein und „sich neu aufgestellt“ zu haben. (122)

Helmut Schmidt soll von den vier Staatsoberhäuptern dagegen das „am wenigsten begeisterte“ gewesen sein. (123)

Mit Ende der Konferenz von Guadeloupe, auf der zwar keine offiziellen Beschlüsse gefasst wurden, der Sturz des Schah aber dennoch einen kräftigen Vorwärtsschub erhielt, wurde Giscard d’Estaing die Aufgabe zuteil, die Fühler zu Ajatollah Khomeini auszustrecken, um mit ihm auf diskrete Weise einen möglichen Regierungswechsel im Iran zu diskutieren.

Das Bild eines desillusionierten Schahs wurde für den 8. Januar vom britischen Botschafter in Teheran Sir Anthony Parsons überliefert, mit dem Pahlewi über die Angelegenheiten des Landes „ruhig und unberührt“ sprach, „als wären sie nicht mehr länger von Bedeutung für ihn“. (124)

Washington beauftragte unterdes den Vier-Sterne-General Robert E. Huyser, Vizechef der amerikanischen Streitkräfte in Europa, eine längere Reise gen Teheran anzutreten. Der Schah erfuhr von der Anwesenheit Huysers im Iran erst, nachdem dieser bereits über mehrere Tage hinweg ab 10 Uhr morgens „die Spitzen der kaiserlichen iranischen Streitkräfte zu treffen“ pflegte. (125) Der Schah, immerhin deren Oberbefehlshaber, reagierte erstaunt, als er über den Besucher aus den USA in Kenntnis gesetzt wurde. Wann immer Huyser zuvor nach Teheran gekommen war, legte Pahlewi später in seinen Memoiren dar, hatte jener „vor seiner Ankunft um eine Audienz nachgesucht.“ (126) Nicht so diesmal. Was den Schah verwunderte. „Er fragte sich: ,Was tat dieser amerikanische General im Iran? Ein Mann von solchem Rang spielt nicht Versteck, ohne einen triftigen Grund zu haben.“ (127)

Huyser war sich einige Tage lang selber nicht ganz im Klaren darüber, weshalb er in Teheran weilte. Am 3. Januar hatte US-Präsident Carter beschlossen, einen Emissär in den Iran zu schicken. Die Wahl fiel auf Huyser, da er gute Beziehungen zum iranischen Generalstab besaß – und seine Reise sollte in der Tat auf die Militärführung des Iran abzielen; allerdings waren die US-Offiziellen zurückhaltend, was genaue, schriftlich gegebene Instruktionen anging. Erst als Huyser protestierte, erhielt er einen Text, dessen Angaben aber auch nur „grundlegend und unvollständig“ waren, wie Huyser später in seinem Tagebuch schrieb. (128) Längst in Teheran angekommen und bei General Gast wohnend, dem Leiter der dortigen US-Militärmission, kabelte Huyser am 12. Dezember eine Nachricht an US-Verteidigungsminister Harold Brown und General David Jones, dem Vorsitzenden der Joint Chiefs of Staff. Darin brachte er sechs Punkte vor, von denen er glaubte, dass er sie im Auftrag von Präsident Carter mit der iranischen Generalität besprechen sollte.

„Erstens sei es von entscheidender Bedeutung für die USA und den Iran, ,starke und stabile Regierungsbeziehungen zu haben‘. Zweitens sei Carter ,tief beeindruckt‘ von den kaiserlich-iranischen Streitkräften. Drittens glaube der Präsident, ,die besten Interessen aller könnten durch eine starke und stabile Zivilregierung verwirklicht werden‘.

Viertens müsse Bachtiars neue zivile Regierung ,die volle Unterstützung des Militärs haben‘. Fünftens könne diese Unterstützung ,nur erreicht werden, wenn die Militärs bei ihren Jobs bleiben‘: sie sollten das Land nicht verlassen und ,als ein Team arbeiten‘. Sechstens stünde die US-Regierung ,vom Präsidenten abwärts‘“ nach wie vor hinter den Generälen. (129)

Überdies teilte Huyser in dem Kabel mit, dass er gegenüber den Generälen wiederholt betont habe, „dass die Unterstützung der USA für einen zukünftigen Staatsstreich abhängig von ihrer vorherigen Unterstützung für Bachtiar sei: ,Ich habe ihnen gesagt, dass ich einen Militärputsch als absolut letztes Mittel erachte.‘“ (130)

In den Worten von Alexandre de Marenches stattete Huyser den „Speisälen“ der Generäle eine Tour ab, (131) ehe er mehrfach auf Repräsentanten der Opposition traf – und dann zusammen mit US-Botschafter William Sullivan schließlich auch auf den Schah. „Beide waren nur interessiert daran das Datum herauszufinden, an dem ich gehen würde“, meinte jener später zu der Unterredung. (132)

Die Tatsache, dass das Weiße Haus den Präsidentenpalast nicht über die Anwesenheit Huysers in Kenntnis gesetzt hatte, stellte einen blanken Protokollbruch dar. (133) Ebenfalls recht unüblich waren die Kontakte, die Botschafter Sullivan zu Khomeinis Vertretern in Teheran knüpfte. Zudem kam dem Schah zu Ohren, dass Sullivan an Verhandlungen beteiligt war, die über die Rückkehr Khomeinis in den Iran geführt wurden. (134)

Bereits Anfang Januar fiel Sullivan die Rolle zu, den Schah „so höflich wie möglich“ zu unterrichten, dass Washington es für das beste halten würde, wenn er den Iran verließe. „Der Schah, schreibt der Diplomat in seinen Erinnerungen ,Mission to Iran‘, breitete seine Arme aus und fragte ,fast flehentlich‘: ,Ja, aber wohin soll ich denn gehen?‘

Das wußte Sullivan auch nicht. Seine Instruktionen sagten nichts zu diesem Problem.“ (135)

In den nächsten Monaten sollte das die entscheidende Frage bleiben: Wo würde Mohammad Reza Pahlewi Exil finden?

Wie aus ehemals geheimen diplomatischen Depeschen, Sitzungsprotokollen und Memos hervorgeht, über die der persische Dienst der BBC im Sommer 2016 berichtete, unterhielt die Carter-Regierung in den folgenden Wochen einen Kommunikationskanal zu Ayatollah Khomeini in Frankreich. Khomeini ließ in einer Nachricht an Carter ausrichten, man hege keine „besondere Feindschaft“ gegenüber den Amerikanern, woraufhin das Weiße Haus signalisierte, dass man Verfassungsänderungen im Iran nicht ablehnend gegenüberstünde, ehe wiederum Khomeini versicherte: „Der Ölfluss wird nach der Gründung der Islamischen Republik fortgesetzt werden.“ (136)

Pahlewi konnte unterdessen vorerst bei einem Freund Station machen, dem ägyptischen Staatspräsidenten Anwar el-Sadat, nachdem er anfangs auf die Einladung aus Kairo misstrauisch reagiert hatte. (137) Am 16. Januar flog Pahlewi vom Teheraner Flughafen los und landete mit seinem privaten Jet auf dem Flughafen Assuan, wo Sadat „einen vollen militärischen Empfang befohlen hatte, denn obwohl im Iran eine Interimsregierung eingesetzt worden war, galt der Schah noch immer als das offizielle Staatsoberhaupt.“ (138) Sogleich nach Begrüßung des Schahs bot Sadat den iranischen Streitkräften einstweiliges Asyl an. „,Warum ziehst du nicht die Maschinen deiner Luftwaffe und deine Flotteneinheiten ab?‘, schlug er vor. ,Ägypten wird sie beherbergen, bis sich die Lage im Iran stabilisiert hat.‘

Die Antwort des Schahs bewies, daß er alle Hoffnung verloren hatte. ,Weil die Amerikaner es nicht erlauben werden‘, sagte er traurig. ,Sie haben mich gezwungen, das Land zu verlassen; der Botschafter hat auf dem Flughafen immer wieder auf seine Uhr gesehen und erklärt, daß jede Minute, die ich noch zögere, weder in meinem noch im Interesse des Iran sein könne.‘‘

Jehan Sadat, die Ehefrau Sadats, beschreibt „das Entsetzen, das Anwars Miene ausdrückte. Später vertraute er mir an, er vermöge einfach nicht zu fassen, warum ein Staatschef, vor allem der Schah, duldete, daß die Politik seines Landes von einer ausländischen Macht dirigiert werde. In diesem Augenblick wußte er, daß der Schah verloren war.“ (139)

General Huyser blieb noch einige Tage lang in Teheran, nachdem der Schah die Hauptstadt seines Reiches für immer verlassen hatte, „und die Beamten der US-Botschaft beteiligten sich während dieser Zeit gar an Besprechungen über die Ankunft und Begrüßung Khomeinis in Teheran. Unter diesen Umständen verlief die Entlassung von General Alexander Haig – dem Oberbefehlshaber der NATO, und damit Huysers Vorgesetztem – aufgrund seines Widerstandes gegen die Berufung seines Stellvertreters zu dieser Mission fast unbemerkt. Reagans späterer Außenminister war tatsächlich dagegen, der Iranischen Revolution irgendeine amerikanische oder westliche Unterstützung angedeihen zu lassen.

Francois Charles-Roux, ehemals französischer Botschafter im Iran – und ein Mann, der das Land gut kannte –, wurde zu dieser Zeit vom Élysée-Palast konsultiert, und er hörte dort mehrfach den französischen Präsidenten im Zusammenhang mit der Entscheidung von Guadeloupe befriedigt sagen: ,Endlich werden wir mit Khomeini Stabilität im Iran haben!‘“ (140)

Am 31. Januar war es dann soweit: Khomeini begab sich nur dreieinhalb Wochen nach der Konferenz von Guadeloupe mit 200 Journalisten (darunter Peter Scholl-Latour, der in seinem Handgepäck die neue Verfassung des Iran mitbrachte) und seinen engsten Gefolgsleuten in einer Air-France-Boeing 747 auf die Reise nach Teheran, wo er von Millionen Iranern jubelnd begrüßt wurde.

 

„Project Alpha“

 

Der Abreise des Schahs aus Teheran folgte steigender Druck, ihm die Einreise in die USA zu gewähren – ausgeübt „von ,einer Handvoll mächtiger Leute innerhalb und außerhalb der Regierung. Besonders intensiv waren der Nationale Sicherheitsberater Zbigniew Brzezinski, der Bankmagnat David Rockefeller, der frühere Außenminister Henry Kissinger, und der geschätzte Elder Statesman John J. McCloy, eine Clique, die Brzezinski als ,einflussreiche Freunde des Schahs‘ bezeichnete.“ (141)

Das Team Rockefeller-Kissinger-McCloy repräsentierte Chase Manhattan: David Rockefeller war Vorstandsvorsitzender bei Chase, Henry Kissinger, seit langem ein Protegé von Nelson und David Rockefeller, saß im internationalen Aufsichtsrat der Bank, und John J. McCloy, der ehemalige Chase-Vorsitzende, zählte die Rockefeller-Hausbank zu den Mandanten, die er als Partner der Rechtsanwaltskanzlei Milbank Tweed Hadley & McCloy betreute (ein weiterer Mandant: der Schah). (142)

Keine andere westliche Bank war von den Vorgängen, die im Iran nach der Ankunft Khomeinis eintraten, so betroffen wie Chase Manhattan.

Gleich im Februar wurde die Kooperation zwischen dem Iran und den westlichen Ölfirmen über die Rechte am persischen Öl durch Teheran aufgekündigt. Die National Iranian Oil Company (NIOC) riss das Monopol über die Produktion und Vermarktung des iranischen Öls vollends an sich und binnen weniger Monate produzierte der Iran wieder so viel Öl wie unter dem Schah. Die westlichen Ölkonzerne vermochten dagegen wenig auszurichten: Unter den Marktbedingungen der späten 1970er Jahre konnte kein Sanktionsregime ins Felde geführt werden, wie dies noch zu Beginn der 1950er Jahre gegen Mossadegh möglich gewesen war. Seinerzeit hatte der Iran vergleichsmäßig wenig Öl exportiert, und so konnte es leicht wettgemacht werden. „Aber in den späten 1970er Jahren exportierte der Iran nicht nur eine große Menge an Öl, er hatte auch ausreichend Devisen, um dem Verlust an Öleinnahmen einige Zeit lang widerstehen zu können. Die Devisenreserven des Iran betrugen Anfang 1979 beispielsweise über 12 Mrd. US-Dollar und es wurde geschätzt, dass sie im Januar 1980 20 Mrd. US-Dollar erreichen würden. Der Öleinnahmeverlust hätte keine unmittelbare Bedrohung für die Wirtschaft des Iran aufgeworfen.

Eine andere Weise, den Ölexport für den Iran schwierig zu machen, musste gefunden werden. Ein Einfrieren der iranischen Vermögenswerte wäre – für die Ölgesellschaften – eine attraktive Möglichkeit.“ (143) Immerhin hätte ein solcher Schritt die starke Devisenposition der neuen Machthaber in Teheran schlagartig geschwächt.

Ein von den Iranern unabhängig durchgeführter Ölverkauf konnte auch jenen Banken nicht gefallen, die mit den Oil Majors verbündet waren. Diese Gefahr bestand durch ihre engen Verbindungen zu drei Konzernen der damaligen Big Five-Ölunternehmen (Exxon, Mobil und Standard Oil of California) in schärferer Weise für Chase Manhattan als für andere Banken, und man dürfte so „ein größeres Interesse an Handlungen gehabt haben – einschließlich einem Einfrieren der Vermögenswerte –, die einen solchen Schritt zu blockieren versprachen.“ (144)

Nicht verloren darf gehen, dass sich das neu formierende Regime in Teheran nicht durchweg antiamerikanisch gab. Geschäfte mit US-Unternehmen waren immer noch willkommen. „Die meisten US-Unternehmen waren durch den Regierungswechsel nicht finanziell bedroht. Tatsächlich profitierten einige Unternehmen, insbesondere eine Reihe von großen amerikanischen Banken mit Ausnahme von Chase, stark von den Zustrom an Kontoguthaben, die Chase verlor.“ (145)

Die Wahrheit ist: das neue Regime war gegen weitere Geschäfte mit Chase Manhattan eingestellt, und diese Feindschaft, die der Iran dem Bankgiganten in New York City zunehmend zu spüren gab, trennte Chase „von jenen Banken, die ansonsten bei Versuchen, den unabhängigen Ölvertrieb des Iran zu durchkreuzen, womöglich bereitwillige Verbündete gewesen wären. Der Stachel, den jene anderen Banken wegen Irans Ölpolitik empfanden, wurde gemildert, als der Iran die Erlöse aus solchen Verkäufen in diese Banken einzahlte.“ Chase dagegen gewann keine neuen iranischen Einlagen hinzu, stattdessen verlor sie sie nur. „Somit wurde sie zweifach durch die Politik des neuen iranischen Regimes bedroht.“ (146)

Ein Einfrieren des iranischen Vermögens hätte zur Folge gehabt, dass einem weiteren Verlust von iranischen Kontoguthaben bei Chase ein Riegel vorgeschoben worden wäre.

Die ultimative Macht einer Bank besteht darin, dass sie die Einlagen eines Kreditnehmers beschlagnahmen kann, wenn dieser nicht in der Lage ist, den Kredit zurückzuzahlen. (147) Den Krediten, die Chase an den Iran vergeben hatte, standen iranische Guthaben bei Chase gegenüber. Würde der Iran einmal nicht in der Lage sein, seine fälligen Kreditschulden zu bedienen, würde Chase in der Lage sein, den entsprechenden Betrag aus den Kontoguthaben zu beschlagnahmen. An und für sich befand sich Chase in einer guten Ausgangslage im Februar 1979. Dann begann der Iran jedoch, zwar nur allmählich, dafür aber konstant Kontoguthaben bei Chase aufzulösen. (148) Das Risiko, die Kredite nicht durch die Einlagen wettmachen zu können und dadurch Verluste von Hunderten von Millionen Dollar verbuchen zu müssen, wuchs stetig.

Es bedarf eines guten Grunds, um Kontoguthaben beschlagnahmen zu können, damit säumige Kredite ausgeglichen werden. „Nur unter bestimmten Umständen, die in jedem Kreditvertrag niedergelegt sind, kann der Kredit als in Verzug befindlich bezeichnet werden“ – und nur dann kann eine Bank aus den Einlagen des Kontoinhabers den Gegenwert des ausgefallenen Kredits entnehmen. „Die Verträge für Kredite an den Iran in den 1970er Jahren spezifizierten eine Reihe von Situationen, in denen die kreditgebenden Banken vom Zahlungsverzug der Kredite sprechen konnten. Das Offensichtlichste war natürlich die Nichtbegleichung von Tilgungs- und Zinszahlungen, aber es gab auch viele andere. Praktisch alle iranischen Kredite enthielten beispielsweise so genannte ,Drittverzugsklauseln‘ (Cross-Default-Clauses), wonach der Zahlungsverzug bei einem Kredit ein hinreichender Grund war, andere Kredite ebenfalls als in Verzug zu betrachten. Darüber hinaus enthielten viele der Kreditverträge Klauseln zu ,wesentlichen nachteiligen Veränderungen‘, die es den Banken ermöglichten, den Zahlungsverzug von Krediten zu deklarieren, wenn sich die Bedingungen im Iran so drastisch veränderten, dass die Rentabilität des Kredits in Frage gestellt wurde. Weil die Banken letztendlich selbst darüber urteilten, was eine ,wesentliche nachteilige Veränderung‘ darstellte, räumten solche Klauseln den Banken in Geschäften mit dem Iran enorme Vorteile ein.

Die Chase Bank wäre besonders gut positioniert gewesen, diesen Einfluss auf den Iran auszunutzen, weil sie als Vermittler für derart viele iranische Kredite eine besondere Macht hatte, den Zahlungsverzug eines Kredits zu deklarieren. Bei Eintritt einer der im Vertrag festgelegten Verzugsvoraussetzungen kann der Vermittler beispielsweise den Zahlungsverzug eines Kredits deklarieren, auch wenn dies die anderen Konsortialbanken nicht wünschen. Gleichzeitig ist die kreditabwickelnde Bank nicht verpflichtet, den Zahlungsverzug zu deklarieren, nur weil eine der Verzugsvoraussetzungen eintritt – entscheidet sie, dies nicht zu tun, kann sie nur durch Mehrheitsbeschluss der anderen Konsortialbanken überstimmt werden. Weil andere amerikanische Banken weniger gewillt waren als die Chase, den Zahlungsverzug des Iran zu deklarieren, hätte dies ein enormes Hindernis sein können, wäre die Chase nicht Vermittler für so viele Kredite gewesen.“ (149)

Ein Vorwand, die iranischen Vermögen zu beschlagnahmen, fand sich letztlich, wie wir sehen werden, als dem Schah die Einreise in die USA bewilligt wurde.

Eigentlich hatte man in Washington erwartet, dass der Schah schon bald nach seiner Ausreise gen Ägypten um Asyl in den USA ersuchen würde. Stattdessen legte der Schah eine weitere Zwischenstation ein, diesmal in Marokko bei König Hassan II., und es vergingen Wochen.

Zwischenzeitlich kam es am 14. Februar zu einer kurzen Besetzung der US-Botschaft in Teheran durch militante Gruppierungen. War man anfangs bereit gewesen, dem Schah Exil in den USA zu gewähren, führte dieser Vorfall zu einem Umdenken im Weißen Haus. Ein Betreten amerikanischen Bodens durch den Schah stellte möglicherweise eine Gefahr für die Sicherheitslage in Teheran dar, und die US-Botschaft würde längere Zeit benötigen, um sich auf eine etwaige Wiederholung der Vorfälle vom 14. Februar vorzubereiten. Bruce Laingen, der Charge d’Affaires der US-Botschaft, riet davon ab, dem Schah Eintritt in die USA zu genehmigen, bis die Botschaft eine Schutztruppe haben würde, weil „die Gefahr von Geißelnahmen im Iran bestehen bleiben wird.“ (150)

Da der Schah von König Hassan gebeten wurde, das Königreich Marokko beizeiten wieder zu verlassen, blieb sein weiterer Aufenthalt auf der Agenda stehen. US-Außenminister Cyrus Vance bat Botschafter Sullivan um seine Ansicht bezüglich einer Einreise des Schahs in die Vereinigten Staaten. Sullivan unterstützte das Urteil, dass dem Schah die Einreise verweigert werden sollte – sowohl aufgrund des unzureichenden Schutzes der US-Botschaft wie auch zugunsten der Verbesserung der politischen Beziehungen zwischen Washington und Teheran.

Das Außenministerium der USA hörte sich diskret um, welche Staaten zur Aufnahme des Schahs bereitstanden. Die beiden einzigen Kandidaten, die sich bereitfanden, waren Südafrika und Paraguay. Der Schah weigerte sich, dort Asyl zu nehmen. „Dennoch telefonierte Außenminister Vance mit David Rockefeller und Henry Kissinger und fragte, ob einer von ihnen willens war dem Schah mitzuteilen, dass es das Beste wäre, wenn er jede Reise nach Amerika verschöbe. Beide Männer lehnten entrüstet ab und begannen ihre eigenen Telefonate rund um die Welt in Ausschau nach einem Hafen für den Schah zu tätigen.“ (151)

David Rockefeller und Henry Kissinger konnten für den Schah Ende März einen einstweiligen Stopp auf den Bahamas arrangieren, wo er fortan von Robert Armao betreut wurde, der zuvor PR-Agent von Nelson Rockefeller gewesen war. Joseph Reed, David Rockefellers persönlicher Assistent bei Chase Manhattan, kümmerte sich um die Finanzen des Schahs, um seine Reise-Arrangements und um die Logistik seiner Sicherheitsbedürfnisse. Zusammen mit dem Vize-Präsidenten der Nahost-Abteilung von Chase, Archibald Roosevelt, einem ehemaligen CIA-Mitarbeiter (und Bruder jenes Kermit Roosevelt Jr., welcher 1953 den „CIA-Coup“ im Iran durchgeführt hatte), starteten Rockefeller, Kissinger, McCloy und Reed das sogenannte „Project Alpha“, um für den Schah die Einreise in die USA zu bewirken. Ab sofort fanden im Hauptquartier von Chase Manhattan regelmäßige Treffen statt, und David Rockefeller bezahlte die Angestellten von Chase und Milbank Tweed, die Extrastunden für „Project Alpha“ leisteten, aus der eigenen Tasche.

Anfang April führte Kissinger ein Telefonat mit Carters Nationalem Sicherheitsberater Brzezinski, in dem er die Wünsche des „Project Alpha“ anklingen ließ. Kissinger konnte Brzezinski nicht leiden, doch Brzezinski teilte seine Meinung, dass Carters politische Linie in Sachen Iran „naiv“ sei. „Er stimmte auch überein, dass dem Schah hätte Zuflucht angeboten werden sollen. Am Ende ihrer Unterredung ermutigte Brzezinski Kissinger, den Präsidenten direkt anzurufen. Kissinger tat dies beinah sofort und erinnerte Carter, dass er eine Verabredung hätte, um zwei Tage später David Rockefeller zu treffen. Er sagte dem Präsidenten, dass er hinter allem stehen würde, was Rockefeller über des Schahs Dilemma zu sagen habe.“ (152)

Der Besuch Rockefellers im Weißen Haus fand am 9. April statt. In seinem Tagebuch schrieb Carter darüber:  „David Rockefeller. . . kam vorbei, um Zeit mit mir zu verbringen. … Der Hauptzweck des Besuchs ist offenbar zu versuchen, den Schah in unser Land kommen zu lassen. Rockefeller, Kissinger und Brzezinski scheinen das als ein gemeinsames Projekt zu adoptieren.“ (153)

Rockefeller, der Carter mitgeteilt hatte, dass sich „eine große Macht wie unsere“ keiner Form von „Erpressung“ beugen dürfe, verließ das Weiße Haus mit dem „Eindruck, dass der Präsident davon nichts hören wollte“. (154)

Anderthalb Wochen später erfuhr Carter von Außenminister Vance, dass die Kampagne, um die Position des Weißen Hauses in der Frage des Schah-Aufenthalts zu ändern, fortschritt. „McCloy … ruft weiterhin einflussreiche Leute im ganzen Land an. Wir denken, dass McCloys Bemühungen weiterhin von Henry Kissinger und durch die Bemühungen von Ardeshir Zahedi [dem iranischen Botschafter in den Vereinigten Staaten] angeregt werden.“ (155)

Noch im April bekam Vance eine neue Bewertung der Lage aus der US-Botschaft in Teheran zugeschickt, welche die bisherige Annahme des Außenministeriums bestätigte, dass die Sicherheit von US-Beamten und sonstigen US-Bürgern im Iran gefährdet wäre, sollte dem Schah Eintritt in die USA gewährt werden.

Rockefeller befand sich über solche Sicherheitsbedenken im Bilde. David Newsom, der im US-Außenministerium zu der Zeit die dritthöchste Position bekleidete, hatte ihn bereits Mitte März angerufen gehabt, um ihn darüber zu informieren, dass Geheimdienstberichte davor warnten, den Schah in die USA einreisen zu lassen, da in dem Fall die US-Botschaft in Teheran gestürmt werden könnte. Dennoch ging „Project Alpha“ unbeirrt weiter, indem Rockefeller bald nach seiner persönlichen Unterredung mit Carter auch mit Außenminister Vance zusammentraf, während Kissinger das persönliche Gespräch mit Vize-Präsident Walter Mondale suchte. Die Position der Carter-Administration änderte sich dadurch nicht. Stattdessen vermochte man bei Chase Manhattan die Beobachtung anzustellen, wie in den folgenden Wochen mit jedem Tag die iranischen Guthaben dahinschmolzen. Bis Mitte des Sommers hatte der Iran „vollständig die Mechanismen in Gang gesetzt, um die NIOC-Konten bei Chase zu umgehen. Alle Zahlungen für Öl gingen nun direkt in Bank Markazi-Konten bei einer Reihe von Banken ein, nicht nur Chase.“ (156) Alle weiteren Zahlungen, die von Ölunternehmen auf NIOC-Konten bei Chase eingingen, flossen sofort auf Konten ab, die die NIOC bei anderen Banken zu führen begann. Zudem nahmen die Transfers, die mit bestehenden Guthaben bei Chase vorgenommen wurden, bis August an Tempo zu. „Indem sich das NIOC-Konto erschöpfte und neue Zahlungen für Öl zu anderen Banken geleitet wurden, sah Chase einige ihrer lukrativsten Konten schwinden.“ (157) Der Tag rückte näher, ab dem die noch vorhandenen Einlagen die ausstehenden Kredite nicht mehr decken würden.

Die Carter-Regierung versuchte in jenen Tagen die Unterstützung von Henry Kissinger bei den Gesprächen über den SALT II-Vertrag zur nuklearen Rüstungsbegrenzung zu erhalten, und im Juli teilte Kissinger dem Nationalen Sicherheitsberater Brzezinski mit, dass seine Unterstützung abhängig von einer entgegenkommenderen Haltung bei der Schah-Frage sei. (158) John McCloy, von dem die Carter-Regierung ebenfalls Unterstützung beim SALT II-Vertrag erwünschte, telefonierte nicht weniger mit Brzezinski, und setzte ansonsten Außenminister Cyrus Vance, seinem Stellvertreter Warren Christopher, dem dritten Mann im Außenministerium David Newsom und dem UN-Botschafter Donald McHenry zu. (159) Zusätzlich wies er Anwälte seiner Kanzlei Milbank Tweed an, am Zusammentragen von Beweisen für das zu arbeiten, was zuvor die „Mullah-Theorie“ getauft worden war. Bei dieser Theorie spielte der Einfluss des iranischen Klerus eine Rolle, und zwar im Sinne der in den Kreditverträgen enthaltenen Klauseln bezüglich „wesentlich nachteiliger Veränderungen“. „Die Theorie war notwendig, um das zu unterstützen, was die Rockefeller-Reed-McCloy-Strategie wurde“, nämlich das Herbeiführen eines technischen Zahlungsverzugs des Irans bei einem der Chase-Kredite, um diesen Zahlungsverzug sodann dafür zu benutzen, alle Kredite und Einlagen des Iran sperren zu können. (160)

Ob die internationalen Gerichte die „Mullah Theorie“ je akzeptiert hätten, sei dahingestellt; „der springende Punkt ist, dass die Vorbereitungen bei Chase zur Verrechnung der iranischen Kredite und Einlagen bis zum Sommer 1979 bereits ziemlich weit fortgeschritten waren.“ (161)

Beim vorrangigen Adressaten des „Project Alpha“, US-Präsident Jimmy Carter, stießen die Bemühungen der „einflussreichen Freunde des Schahs“ zunehmend übel auf. Die New York Times berichtete, dass Carter mehr als einmal bei dem Thema die Beherrschung verlor. (162) Als ihn sein Berater Hamilton Jordan darauf hinwies, dass sein Widerstand gegenüber dem Druck, der von Kissinger und den „Project Alpha“-Leuten ausgeübt wurde, politisch gefährlich sei, entfuhr Carter: „Zur Hölle mit Henry Kissinger, ich bin der Präsident dieses Landes!“ (163)

„Es stimmte, dass Carter der Präsident war, und Kissinger nur Teil des Rockefeller-Teams. Aber dieses Team behielt die Oberhand.” (164)

Der Schlüssel, um sich durchzusetzen, bestand darin, den schlechten Gesundheitszustand des Schahs ins Spiel zu bringen. Benjamin H. Kean, ein persönliche Arzt von David Rockefeller, flog zweimal nach Mexiko, wo sich Mohammad Reza Pahlewi mit seiner Familie seit dem 10. Juni 1979 in Cuernavaca aufhielt. Zuvor war Kissinger im April nach Mexiko geflogen, „um die mexikanischen Behörden zu bitten, den Schah aufzunehmen“, berichtete der „Spiegel“ später. „Nach anfänglichem Zögern gewährten die Mexikaner schließlich ein Visum, das allerdings auf drei Monate beschränkt war. Daraufhin bemühten sich das Büro David Rockefellers und Kissinger erneut, das Verbot einer Einreise in die Vereinigten Staaten aufzuheben.

Ende Juli richtete das State Department eine dringende Botschaft an Laingen, in der es hieß, daß mehr und mehr auf eine Aufnahme des Schah noch vor Oktober gedrängt werde. Bald danach jedoch gaben die Mexikaner nach und erklärten, Beamten des State Department zufolge, der Schah könne länger bleiben.“ (165)

Dr. Kean, ein Mediziner am New York Hospital-Cornell Medical Center, riet Berichten zufolge nach seinen Untersuchungen des Schahs, bei dem er Lymphdrüsenkrebs diagnostizierte, „dass es für den Schah ,vorzuziehen‘ war, in einem amerikanischen Krankenhaus behandelt zu werden.“ (166) Dr. Keans Report wurde von Robert Armao an Dr. Eban H. Dustin im Außenministerium weitergegeben – woraufhin zuerst Cyrus Vance und dann auch Jimmy Carter kleinbeigaben: dem Schah wurde der Eintritt in die Vereinigten Staaten bewilligt.

Carter erinnerte sich später gegenüber der New York Times an den Bericht von Dr. Kean dahingehend, „dass das medizinische Gerät und die Behandlung, die der Schah benötige, nur in New York verfügbar sei, und dass der Schah ,an der Schwelle zum Tod stehe‘.“ Dr. Kean dagegen meinte, dass dies nicht das gewesen sei, was er Dr. Dustin mitgeteilt habe – nämlich dass eine Behandlung des Schahs in New York „vorzuziehen“ sei, wenngleich sie auch „in Mexiko oder praktisch überall gemacht werden könnte. Trotz dieser Tatsache argumentierte Armao kurz nachdem der Schah in New York eintraf, dass sein Arbeitgeber Mexiko verlassen habe, weil solches Gerät dort nicht vorhanden sei, und dass die Ärzte behauptet hätten, dass die besondere Strahlenbehandlung, der er sich unterziehen müsse, nirgendwo sonst auf der Welt verfügbar wäre.“ (167)

„Der Adler“, wie der „Project Alpha“-Codename für den Schah lautete, landete am 22. Oktober 1979 in New York City, um sogleich unter dem Pseudonym „David D. Newsom“ ins New York Hospital-Cornell Medical Center gebracht zu werden. Newsom wurde erst durch Zeitungsberichte über den Missbrauch seines Namens in Kenntnis gesetzt. (168)

Als die Einreise Pahlewis kurz bevorstand, fragte Präsident Carter bei einer Stabsbesprechung in die Runde seiner Berater hinein: „Und was raten Sie mir, wenn die Iraner unsere Leute in Teheran als Geißeln nehmen?“ (169)

Nachdem sich in der iranischen Hauptstadt die Nachricht verbreitete, dass dem Schah die Einreise in die USA bewilligt worden war, konnten dahingehende Ratschläge im Weißen Haus gut gebraucht werden, da am Morgen des 4. November knapp 400 militante Studenten die US-Botschaft stürmten: Fortan befanden sich mehrere Dutzend US-Diplomaten bis zum 20. Januar 1981 durchgehend in ihrer Hand. „Sie forderten die Auslieferung des Schahs, der sich vor Gericht verantworten sollte. Ihre Aktion wurde vom neuen Führer des Irans, Ayatollah Chomeini, unterstützt. Die Beziehungen zwischen dem Iran und den USA erreichten einen neuen Tiefpunkt.“ (170)

Aus Sicht des „Project Alpha“ wäre nochmals zu betonen, dass das Triumvirat Rockefeller-Kissinger-McCloy die Chase Manhattan Bank repräsentierte – „eine Institution, die von der iranischen Revolution in besonderem Maße betroffen war.“ Die neue Regierung in Teheran zog in den ersten acht Monaten des Jahres 1979 „etwa 6 Mrd. US-Dollar von Konten der Chase ab. Im Sommer 1979 wurde offensichtlich, dass die Chase bald nicht mehr über genug iranische Einlagen verfügen würde, um die Kredite der Bank für das Pahlewi-Regime zu decken. Die Chase war Konsortialführer eines 500-Millionen-Dollar-Kredits, der von der Revolutionsregierung problemlos hätte zurückgewiesen werden können. Die Chase hatte den Kredit 1977 genehmigt, obwohl ihre eigenen iranischen Anwälte darauf hinwiesen, dass der Schah nicht die Unterstützung des Parlaments hatte, wie von Artikel 25 der iranischen Verfassung verlangt. Technisch gesehen war das verfassungswidrig. Sollte Teheran den Kredit zurückweisen, müsste die Chase den anderen an dem Konsortium beteiligten Banken gegenüber Rechenschaft ablegen. Der gute Ruf der Chase stand ebenso auf dem Spiel wie ihre Kredite.“

Pulitzerpreisträger Kai Bird streicht in seiner Biographie über John J. McCloy heraus, dass Chase trotz dieser Probleme „als unmittelbare Folge des Geiseldramas erstaunlich erfolgreich“ davonkam. Gleiches galt für die Anwaltskanzlei von McCloy, „welche die Chase repräsentierte und in einigen Fällen ihre Strategie steuerte. An dem Tag, als die Botschaft eingenommen wurde, erhielt die Chase ein Telex von der iranischen Regierung, mit dem die Zahlung von 4,05 Millionen Dollar an fälligen Zinsen für den 500-Millionen-Kredit autorisiert wurde. Die Chase sollte die Zahlung, die am 15. November fällig wurde, von einem der iranischen Konten ihrer Londoner Filiale buchen. Die Chase setzte diese Anweisung jedoch nicht um.“ Zeitgleich drängten die Anwälte von Milbank, Tweed beim Finanzministerium der USA darauf, die iranischen Guthaben einzufrieren. „Diese Möglichkeit war schon im Februar 1979, als Khomeini an die Macht kam, sowohl vom Finanzministerium als auch von Mitarbeitern der Chase in Betracht gezogen worden. Doch nun gewann sie ausgesprochen an Dringlichkeit. Und als am frühen Morgen des 14. November gemeldet wurde, dass Irans amtierender Außenminister Abol Hassan Bani Sadr angekündigt hatte, sein Land würde alle Einlagen von amerikanischen Banken abziehen, fror die Carter-Regierung alle iranischen Guthaben ein, die sich im In- und Ausland bei amerikanischen Banken befanden. Die ausländische Bankengemeinschaft war überrascht von der Pauschalität der Order. Es war eine Sache, iranische Guthaben in den Vereinigten Staaten einzufrieren, aber dies auf amerikanische Banken auszuweiten, die unter ausländischer Gerichtsbarkeit operierten, war äußerst ungewöhnlich.“

Chase ging noch einen Schritt weiter, wie Bird fortfährt: „Da Carters Einfrierorder einen Tag vor Fälligkeit der iranischen Zinszahlung von 4,05 Millionen Dollar in Kraft getreten war, wurde die Zahlung von der Londoner Filiale der Chase nicht vorgenommen. Gegen die energischen Einwände der ausländischen Banken des Konsortiums deklarierte die Chase dann den Zahlungsverzug des 500-Millionen-Dollar-Kredits. Mit bewusster Hast – und sogar noch vor Erhalt der erforderlichen Autorisierung durch das Finanzministerium – pfändete die Chase sämtliche ihrer iranischen Konten und nutzte diese Gelder, um sie mit ausstehenden iranischen Krediten zu ,verrechnen‘.“ Der Finanzanalyst Mark Hulbert konstatierte: „Nachdem sich der Staub gelegt hatte, gab es keine iranischen Kredite mehr in den Büchern der Chase.“ Dieses Vorgehen erfolgte mit rechtsberatender Aufsicht von Milbank Tweed – wozu denn auch McCloy zählte. Für McCloy waren sich „die Interessen der Chase Bank und die Interessen des Landes sehr ähnlich“, denn die USA sollten mit dem Iran  „nicht schwach oder defensiv“ umgehen. „Er ging sogar so weit, 1980 einem Mitarbeiter des Außenministeriums zu sagen, dass ,nationale Ehre wichtiger ist als amerikanische Leben‘. Gleichzeitig erforderte die treuhänderische Verantwortung für Chase, alles in der Macht stehende zu tun, um ihre iranischen Kredite zurückzuerlangen.“

Auf den ersten Blick mag das Geiseldrama in Teheran, das bis zum 20. Januar 1981 andauerte, den Anschein gemacht haben, als sei es „von tief verwurzelten, antiamerikanischen Neigungen und schiitisch religiösen Intrigen geprägt“ gewesen, meint Bird. „Mit der Zeit wurde jedoch klar, dass das Schicksal der Geiseln eng mit Teherans Wunsch verbunden war, die eingefrorenen Guthaben wiederzuerlangen, und mit den Forderungen der amerikanischen und europäischen Banker, angeführt von der Chase, ihre iranischen Kredite zurückgezahlt zu bekommen.“ Ohne eine solche finanzielle Einigung würde es keine Freilassung der Geiseln geben. „Am Ende konnten nicht nur die Chase, sondern alle Banken eine großzügige Einigung für sich verbuchen. Der Iran zahlte schließlich 3,7 Milliarden Dollar aus. Als die amerikanischen Banker erfuhren, dass ihre Kredite vollständig zurückgezahlt werden würden, ,fielen sie fast von ihren Stühlen‘. Die Anwälte der Wall Street – und besonders die von Milbank, Tweed – verdienten Millionen von Dollar an Anwaltsgebühren.“ Für die Anwälte, so der Autor und Gerichtsreporter Paul Hoffman, war das Geiseldrama nichts weniger als eine „Goldgrube“. (171)

Die Iranische Revolution, die mit Hilfe des Westens entfesselt worden war und ohne den Putsch von 1953 undenkbar ist, stellte letztlich den Durchbruch des islamischen Fundamentalismus dar, und „dabei spielte es keine Rolle, dass der Iran ein schiitisches Land ist, die Mehrheit der Muslime aber aus Sunniten besteht. Für den politischen Islam wurde Khomeini zum Big Bang – fast möchte man ironisch anmerken: Mit freundlichen Empfehlungen von CIA und MI6, in memoriam Kermit ,Kim‘ Roosevelt Junior (1916-2000).“ (172)

 

Epilog: Ein Staat im Staat

 

„Die Bürger in vielen Ländern fragen sich“, schrieb der ehemalige CIA-Beamte Philip Giraldi, „wie bestimmte Regierungspolitiken trotz einer weit verbreiteten Opposition oder klaren Wahrnehmung, dass sie schädlich sind, fortbestehen können. Diese Beharrungskraft wird häufig einem ,Deep State‘ (,tiefen Staat‘) zugeschrieben.“ Jedes Land besäße eine Art von tiefem Staat. In den Vereinigten Staaten sei dieser in der Vergangenheit The Establishment genannt worden, „wo er aus der Washington-New York-Achse der Sicherheitsbehörden-Beamten und Finanzdienstleistungs-Führungskräften entstand. Sie sollen wissen, was das ,beste‘ für das Land ist und dementsprechend handeln, egal wer im Weißen Haus sitzt.“ (173)

Der republikanische Analyst Mike Lofgren sprach ebenfalls von einem „tiefen Staat”, als er erklärte: „Es gibt die sichtbare Regierung rund um die Mall in Washington, und dann gibt es eine andere, schattenhafte, undefinierbarere Regierung, die nicht in Staatsbürgerkunde 101 erklärt wird oder für Touristen im Weißen Haus oder am Kapitol beobachtbar ist. Die erste ist die traditionelle Washingtoner Parteipolitik: Die Spitze des Eisbergs, die eine Öffentlichkeit, die C-SPAN schaut, täglich sieht und welche theoretisch über Wahlen steuerbar ist. Den untergründigen Teil des Eisbergs werde ich den Deep State nennen, der nach seinem eigenen Kompasskurs unabhängig davon operiert, wer formell an der Macht ist.“ (174) Lofgren befand, dass die Pro-forma-Wahlen in den USA dafür gesorgt hätten, den wahren Zustand der Nation zu verschleiern; dieser bestünde darin, dass die Demokratie von „einer Oligarchie“ gebrochen worden sei. (175)

Der „tiefe Staat” ist eng verbunden mit dem, was der kanadische Politikforscher und ehemalige Diplomat Peter Dale Scott in den 1990er Jahren erstmals als Deep Politics bezeichnete: „All jene politischen Praktiken und Arrangements, absichtlich oder nicht, die im öffentlichen Diskurs eher verdrängt, statt anerkannt werden.“ (176)

In seinem Buch The American Deep State macht Scott darauf aufmerksam, dass man „in Henry Fairlies Definition einer herrschenden Klasse (Establishment) in Großbritannien einen Vorläufer des Begriffs Deep State [tiefer Staat, auch: Staat im Staat] sehen könne: ,die gesamte Matrix der offiziellen und sozialen Beziehungen, innerhalb derer Macht ausgeübt wird.‘ Ein bedeutsamerer Vorläufer war Wright Mills’ Idee einer dreigeteilten amerikanischen Machtelite aus Unternehmensvorständen, dem militärischen Establishment und einem ,politischen Direktorat.‘ Beide Konzepte sind relevant, doch Fairlies Establishment war mehr eine einschränkende als befähigende Kraft, während sich Mills’ Machtelite (die staatliche Elemente und Elemente des tiefen Staates kombinierte) umgekehrt auf jene mit offeneren und aktiveren Führungsrollen konzentrierte.“ (177)

Ursprünglich war die Begrifflichkeit vom „tiefen Staat“ 1996 nach dem sogenannten Susurluk-Vorfall als „derin devlet“ in der Türkei entstanden. Sie bezog sich „auf US-gestützte Elemente (…)  vor allem in den Geheimdiensten und im Militär, die immer wieder Gewalt angewendet hatten, um den demokratischen politischen Prozess in der Türkei zu stören und neu auszurichten. Manchmal ist die Definition auf Elemente innerhalb der Regierung (oder ,einen Staat im Staat‘) eingeschränkt, aber häufiger wird der Begriff in der Türkei aus historischen Gründen erweitert benutzt, um ,Mitglieder der türkischen Unterwelt‘ miteinzubeziehen.“ (178)

Scott verwendet den Begriff des „tiefen Staats“ im erweiterten Sinne, um sowohl die Ebene „der geheimen Regierung innerhalb Washingtons als auch jene Außenseiter zu berücksichtigen, die entweder in der Unterwelt oder der Oberwelt mächtig genug sind, ihm Richtung geben zu können.“ Den Begriff des „tiefen Staats“ setzt Scott mit dem gleich, was er bereits Ende der 1990er Jahre ein „tiefes politisches System“ nannte: „eines, das gewöhnlich auf Entscheidungs- und Durchsetzungsverfahren außerhalb wie auch innerhalb des von Gesetz und Gesellschaft öffentlich sanktionierten Bereichs zurückgreift.“ (179)

Analog zu Scott sieht auch Mike Lofgren „eine zweideutige Symbiose zwischen zwei Aspekten des tiefen Staats Amerikas“ gegeben: „1.) die Beltway-Behörden der Schattenregierung, wie die CIA und NSA, die vom öffentlichen Staat eingerichtet worden sind und ihn jetzt überschatten, und 2.) die viel ältere Macht der Wall Street, die sich auf den mächtigen Banken und Anwaltskanzleien dort gründet.“ (180)

Scott legt nahe: „Spitzenbeamte des Finanzministeriums, CIA-Funktionäre und Wall Street-Banker und -Rechtanwälte denken aufgrund der ,Drehtür‘, mit deren Hilfe sie leicht vom privaten in den öffentlichen Dienst und zurück wechseln können, sehr ähnlich.“ (181)

Oder in Mike Lofgrens Worten: „Es ist nicht zu viel gesagt, dass die Wall Street der eigentliche Eigentümer des tiefen Staats und seiner Strategien sein könnte, und sei es aus keinem anderen Grund als dem, dass sie das Geld hat, um Regierungsvertreter mit einer zweiten Karriere zu belohnen, die von der Attraktivität her weit über die Träume eines angestellten Regierungsbeamten hinausgeht.“ (182)

Scott weist darauf hin, dass Lofgrens Einbeziehung der Wall Street im Einklang mit Franklin D. Roosevelts Beobachtung steht, die er 1933 in einem Brief an seinen Freund Colonel House, dem einstigen „Alter-Ego“ von Woodrow Wilson, festhielt: „Die wirkliche Wahrheit … ist, wie Sie und ich wissen, dass ein Finanz-Element in den größeren Zentren die Regierung von jeher seit den Tagen Andrew Jacksons besessen hat.“ (183)

Eine dominante Kraft der US-amerikanischen Spielart des tiefen Staats ist die Wall Street in der Tat. Dazu gehören aber laut Scott „nicht nur Banken und Rechtsanwaltkanzleien, sondern auch die Oil Majors, deren Kartell-Arrangements erfolgreich gegen die US-Regierung von der Kanzlei Sullivan und Cromwell verteidigt wurden, der Heimat der Dulles-Brüder.“ (184) Diesen größeren Komplex nennt Scott die „Wall Street-Oberwelt“ (Wall Street overworld). „Durch die Anerkennung dieser Macht-Reichweite der Wall Street” wird ersichtlich, dass die Vorstellung „,eines Staates im Staate’ zu eingeschränkt ist: Diejenigen mit dieser internen Macht (wie etwa in den höheren Rängen der CIA) üben sie nicht durch ihre Abgeschiedenheit, sondern durch ihre Interaktionen mit einer externen Oberwelt aus. Und Lofgrens Metapher des tiefen Staates als Eisberg, obschon nützlich, riskiert die Vorstellung einer allzu soliden oder strukturellen Beziehung zu dieser Oberwelt. Anders als der Staat stellt der tiefe Staat keine Struktur, sondern ein System dar, so schwierig zu definieren, aber auch so real und mächtig wie ein Wettersystem.“ (185)

Michael J. Glennon, ein Politologe an der Tufts University, gelangt in seiner Forschungsarbeit zum Schluss, dass ein Großteil der US-Regierung in der Praxis nicht so funktioniert, dass die Bürger lenkenden Einfluss auf ihre Regierung durch die Wahl neuer Abgeordneten nehmen. Stattdessen spricht er vielmehr von der Existenz eines Double Government des US-Verteidigungs- und nationalen Sicherheitsapparats, dem mannigfache Möglichkeiten offenstehen, um sich effektiv selbst zu verwalten – „praktisch ohne Rechenschaftspflicht, Transparenz oder Checks and Balances jeglicher Art.“ Den Begriff „Doppelregierung“ verwendet Glennon, ein Mitglied des Council on Foreign Relations, dabei so: „Es gibt die, die wir wählen, und dann gibt es die dahinter…“. (186)

Womit (wie schon bei Lofgren) ein altes Bild anklingt; das einer „unsichtbaren Regierung“, von der einstmals Theodore Roosevelt in The Progressive Platform sprach: „Hinter der sichtbaren Regierung sitzt eine unsichtbare Regierung auf dem Thron, die dem Volk keine Treue schuldet und keine Verantwortlichkeit anerkennt. Diese unsichtbare Regierung zu vernichten, den gottlosen Bund zwischen korruptem Geschäft und korrupter Politik zu lösen, ist die Aufgabe des heutigen Staatsmannes.“

QUELLEN:

(1) Vgl. Robert Brett Westbrook: “John Dewey and American Democracy”, Cornell University Press, 1991, Seite 440. Der ehemalige CIA-Beamte John Stockwell beschreibt die Beziehung zwischen der finanziellen / unternehmerischen Elite und der CIA, wie wir sie hier in diesem Artikel betrachten, dergestalt: „Die CIA und die großen Konzerne befanden sich meiner Erfahrung nach im Gleichschritt miteinander. Später wurde mir klar, dass sie vielleicht über Einzelheiten der Strategie streiten – einen kleinen Krieg hier oder dort. Allerdings sind beide nachhaltig auf die Unterstützung des Systems eingeschworen.“ Vgl. Bill Blunden: “Is There a ’Triple Government’ at Work?”, veröffentlicht auf WhoWhatWhy am 4. Januar 2015 unter: http://whowhatwhy.org/2015/01/04/triple-government-work/.

(2) Russ Baker: “Family of Secrets”, Bloomsbury Press, New York, 2009, Seite 15.

(3) Burton Hersh: “The Old Boys – The American Elite and the Origins of the CIA”, Tree Farm Books, St. Petersburg, 2002, Seite 4.

(4) Ebd.

(5) Vgl. Michael C. Ruppert: “Crossing the Rubicon“, New Society Publishers, Gabriola Island, 2004, Seite 53. Ruppert erwähnt, dass Clark Clifford Jahrzehnte später zusammen mit Geschäftspartner Robert Altman auf illegal Weise zum Kauf der US-amerikanischen Bank First American Bankshares durch die „Drogengeld- und Terror-Bank“ BCCI beitrug. Der National Security Act von 1947, an dessen Entstehung Clifford mitwirkte, enthielt keine „Covert Operations“-Aufgaben für die CIA. Diese kamen erst mit einer Direktive des Nationalen Sicherheitsrats vom 18 Juni 1948 hinzu, der NSC 10/2. Auffällig ist, dass der frühere US-Präsident Harry S. Truman, unter dem die CIA geschaffen und die NS 10/2 autorisiert wurde, am 22. Dezember 1963 einen Meinungsartikel in der Washington Post veröffentlichte. Darin schrieb Truman genau einen Monat nach dem Attentat auf John F. Kennedy: „Ich denke, es ist notwendig geworden, einen Blick auf den Zweck und die Operationen unserer Central Intelligence Agency zu werfen. (…) Seit einiger Zeit bin ich beunruhigt über die Art, wie die CIA von ihrem ursprünglichen Auftrag zweckentfremdet worden ist. Sie ist zu einem operationalen, zuweilen Politik treibenden Arm der Regierung geworden. Dies hat zu Ärger geführt und womöglich unsere Schwierigkeiten auf explosiven Gebieten verstärkt.“ So habe sich die CIA „zum Symbol für finstere und geheimnisvolle ausländische Intrigen“ entwickelt. Daheim sei die CIA aber auch eine Gefahr, schrieb Truman. „Wir sind als Nation erwachsen geworden, und wir werden respektiert für unsere freien Institutionen und unsere Fähigkeit, eine freie und offene Gesellschaft zu bleiben. Etwas an der Vorgehensweise der CIA wirft einen Schatten auf unsere historische Position und ich habe das Gefühl, dass wir das korrigieren müssen.“  Vgl. E. Martin Schotz: “History Will not Absolve Us: Orwellian Control, Public Denial, and the Murder of President Kennedy“, Kurtz, Ulmer & DeLucia Book Publishers, Brookline, 1996, Seiten 237-38. Bald nach Veröffentlichung des Truman-Artikels versuchte der frühere CIA-Direktor Allen Dulles – teilweise mit Hilfe von Clark Clifford –, Einfluss auf den Ex-Präsidenten zu nehmen, so dass dieser öffentlich Abstand nähme von seiner Erklärung; doch Truman ließ Dulles abblitzen und blieb bei seinem Artikel. Vgl. David Talbot: “The Devil’s Chessboard – Allen Dulles, the CIA, and the Rise of America’s Secret Government“, William Collins Books, London, 2015, Seiten 569-572.

Die Direktive des Nationalen Sicherheitsrats vom 18 Juni 1948 – NSC 10/2 – besagt im Ganzen:

Office of Special Projects

Washington, June 18, 1948.

  1. The National Security Council, taking cognizance of the vicious covert activities of the USSR, its satellite countries and Communist groups to discredit and defeat the aims and activities of the United States and other Western powers, has determined that, in the interests of world peace and US national security, the overt foreign activities of the US Government must be supplemented by covert operations.
  2. The Central Intelligence Agency is charged by the National Security Council with conducting espionage and counter-espionage operations abroad. It therefore seems desirable, for operational reasons, not to create a new agency for covert operations, but in time of peace to place the responsibility for them within the structure of the Central Intelligence Agency and correlate them with espionage and counter-espionage operations under the over-all control of the Director of Central Intelligence.
  3. Therefore, under the authority of Section 102(d)(5) of the National Security Act of 1947, the National Security Council hereby directs that in time of peace:
  4. A new Office of Special Projects shall be created within the Central Intelligence Agency to plan and conduct covert operations; and in coordination with the Joint Chiefs of Staff to plan and prepare for the conduct of such operations in wartime.
  5. A highly qualified person, nominated by the Secretary of State, acceptable to the Director of Central Intelligence and approved by the National Security Council, shall be appointed as Chief of the Office of Special Projects.
  6. The Chief of the Office of Special Projects shall report directly to the Director of Central Intelligence. For purposes of security and of flexibility of operations, and to the maximum degree consistent with efficiency, the Office of Special Projects shall operate independently of other components of Central Intelligence Agency.
  7. The Director of Central Intelligence shall be responsible for:

(1) Ensuring, through designated representatives of the Secretary of State [1] and of the Secretary of Defense, that covert operations are planned and conducted in a manner consistent with US foreign and military policies and with overt activities. In disagreements arising between the Director of Central Intelligence and the representative of the Secretary of State or the Secretary of Defense over such plans, the matter shall be referred to the National Security Council for decision.

(2) Ensuring that plans for wartime covert operations are also drawn up with the assistance of a representative of the Joint Chiefs of Staff and are accepted by the latter as being consistent with and complementary to approved plans for wartime military operations.

(3) Informing, through appropriate channels, agencies of the US Government, both at home and abroad (including diplomatic and military representatives in each area), of such operations as will affect them.

  1. Covert operations pertaining to economic warfare will be conducted by the Office of Special Projects under the guidance of the departments and agencies responsible for the planning of economic warfare.
  2. Supplemental funds for the conduct of the proposed operations for fiscal year 1949 shall be immediately requested. Thereafter operational funds for these purposes shall be included in normal Central Intelligence Agency Budget requests.
  3. In time of war, or when the President directs, all plans for covert operations shall be coordinated with the Joint Chiefs of Staff. In active theaters of war where American forces are engaged, covert operations will be conducted under the direct command of the American Theater Commander and orders therefor will be transmitted through the Joint Chiefs of Staff unless otherwise directed by the President.
  4. As used in this directive, “covert operations” are understood to be all activities (except as noted herein) which are conducted or sponsored by this Government against hostile foreign states or groups or in support of friendly foreign states or groups but which are so planned and executed that any US Government responsibility for them is not evident to unauthorized persons and that if uncovered the US Government can plausibly disclaim any responsibility for them. Specifically, such operations shall include any covert activities related to: propaganda, economic warfare; preventive direct action, including sabotage, anti-sabotage, demolition and evacuation measures ; subversion against hostile states, including assistance to underground resistance movements, guerrillas and refugee liberation groups, and support of indigenous anti-communist elements in threatened countries of the free world. Such operations shall not include armed conflict by recognized military forces, espionage, counter-espionage, and cover and deception for military operations.
  5. This Directive supersedes the directive contained in NSC 4-A, which is hereby cancelled.

(6) Vgl. ebd., Seite 53. Zur Kundschaft von Sullivan & Cromwell zur Jahrtausendwende, so Ruppert, gehörten Enron, AIG und das Harvard Endowment. Für die Dienste, die Sullivan & Cromwell den Oil Majors der USA erbrachte, siehe Peter Dale Scott: „Der Staat, der tiefe Staat und die Wall Street-Oberwelt“, veröffentlicht auf LarsSchall.com am 14. März 2014 unter: http://www.larsschall.com/2014/03/14/der-staat-der-tiefe-staat-und-die-wall-street-oberwelt-2/, und ders.: „Der US-Geheimdienstapparat und das Schicksal des privaten internationalen Bankensystems der Vorkriegszeit“, veröffentlicht auf LarsSchall.com am 30. April 2014 unter: http://www.larsschall.com/2014/04/30/der-us-geheimdienstapparat-und-das-schicksal-des-privaten-internationalen-bankensystems-der-vorkriegszeit/.

(7) Peter Dale Scott: “The Road to 9/11 – Wealth, Empire, and the Future of America”, University of California Press, Berkeley, 2007, Seite 12.

(8) Vgl. Kai Bird: “The Chairman: John J. McCloy – The Making of the American Establishment“, Simon & Schuster, New York, 1992, Seite 301

(9) Ebd.

(10) Ebd., Seite 304.

(11) Peter Dale Scott: “The Road to 9/11”, a.a.O., Seite 13. Wisner war übrigens Mitglied des Geheimbunds The Seven Society, ansässig an der University of Virginia, wo er vor seiner Zeit an der Wall Street studierte.

(12) Kai Bird: “The Chairman”, a.a.O., Seite 304. Die Missionen, in denen sich das OPC engagierte, wählte Wisner vierteljährig mit dem ehemaligen Investmentbanker Paul Nitze (Dillon, Read & Co.) und Brigadier General John Magruder, dem Vertreter des Verteidigungsministers, aus. Vgl. Burton Hersh: “The Old Boys“, a.a.O., Seite 271-272.

(13) Vgl. Eric Pace: “Obituary of Mr William Casey“, veröffentlicht von The New York Times am 7. Mai 1987, online unter: http://www.nytimes.com/1987/05/07/obituaries/william-casey-ex-cia-head-is-dead-at-74.html.

(14) Vgl. Michael C. Ruppert: “Crossing the Rubicon”, a.a.O., Seite 54.

(15) Vgl. ebd., Seite 54 – 56.

(16) Vgl. ebd., Seite 56.

(17) Vgl. ebd. Deutch, ein Mitglied der Trilateralen Kommission, schloss sich ferner dem Aufsichtsrat der US-Rüstungsschmiede Raytheon an. Seit 2008 ist Deutch überdies Mitglied des National Petroleum Council der USA.

(18) Vgl. Nafeez M. Ahmed: “Geheimsache 09/11. Hintergründe über den 11. September und die Logik amerikanischer Machtpolitik“, Goldmann Verlag, München, 2004, Seite 462. Ahmed beruft sich hierbei auf einen Bericht von Mike Ruppert unter: http://www.copvcia.com/stories/july_2001/part_2.html.

(19) Ebd.

(20) Peter Dale Scott: “The Road to 9/11“, a.a.O., Seite 12.

(21) Vgl. Peter Dale Scott: “The Road to 9/11”, a.a.O., Seiten 11-14.

(22) Vgl. Amy B. Zegart: “Flawed by Design – The Evolution of the CIA, JCS, and NSC,“ Stanford University Press, 1999, Seite 189.

(23) Vgl. Lars Schall: „Amerika, würdest du bitte aufwachen!“, Interview mit Peter Dale Scott, veröffentlicht von LarsSchall.com am 12. August 2011 unter: http://www.larsschall.com/2011/08/12/amerika-wurdest-du-bitte-aufwachen/.

(24) Vgl. Peter Dale Scott: “American War Machine. Deep Politics, the CIA Global Drug Connection, and the Road to Afghanistan“, Rowman & Littlefield, Lanham, 2010, Seite 163.

(25) Ebd., Seite 164.

(26) Peter Dale Scott: “The Road to 9/11“, a.a.O., Seite 12.

(27) Vgl. Carl Oglesby: “The Yankee-Cowboy War – Conspiracies from Dallas to Watergate and Beyond”, Berkley Publishing Corp., New York, 1976, Seiten 39-43.

(28) Vgl. Christopher Simpson: ”Blowback – America’s Recruitement of Nazis and Its Effects on the Cold War”, Weidenfeld & Nicolson, New York, 1988, Seite 158.

(29) Ebd., Seite 53.

(30) Ebd.

(31) Ebd., Seiten 53-54.

(32) Vgl. ebd., Seite 54.

(33) Ebd., Seiten 54-55. Die Wissenschaftler Armin Wagner und Matthias Uhl kommen zu anderen Schlussfolgerungen, insofern der BND – auch aufgrund seines „Fremde Heere Ost“-Vorwissens – sehr wohl in der Lage gewesen sei, erfolgreiche Militärspionage gegen die Sowjetunion durchzuführen. Der BND habe ein realistisches Bild der militärischen Stärke der Sowjetarmee in der DDR besessen und qualifizierte Berichte darüber verfasst. Vgl. Armin Wagner / Matthias Uhl: „BND contra Sowjetarmee – Westdeutsche Militärspionage in der DDR“, C.H.. Links-Verlag, Berlin, 2007.

(34) Vgl. ebd., Seiten 61-65.

(35) Ebd., Seite 282.

(36) Ebd., Seite 65. Die Gruppen, die an einem Eskalationskurs gegenüber der Sowjetunion interessiert waren, umriss der damalige Handelsminister und vorherige Vize-Präsident der USA, Henry A. Wallace, in einer wenig beachteten Tagebuchnotiz vom 29. Dezember 1945. Dort schrieb er: “My brother-in-law, Charles Bruggmann, told me about some friends who were in Dublin, Ireland, recently. At a social gathering were present several Jesuit priests who indicated that one of their supreme purposes was to bring about a war between the United States and Russia. Later on I began to speculate about the forces that are interested in trying to bring about such a war. In addition to a small group in the Catholic hierarchy there is also a small group among the English Tories and a small group in the American Army.“ Für die Fraktion innerhalb der US-Armee wäre auf Leslie R. Groves, den Wallace als „Faschisten“ bezeichnete, oder auch auf Curtis LeMay, einem späteren Mitbegründer der RAND Corporation, zu verweisen. Ferner nannte Wallace “a small group among the American big-business hierarchy, a substantial group among the Chinese Nationalists, the London Poles, and in general the more wealthy people who live in the countries close to Russia. Also there is a small group in the Navy (note for example Admiral Stark’s statement in the Pearl Harbor hearings with regard to communism being a greater danger than Nazism); also there should be included in this group a very strong element in the Republican Party. All of these people feel that it is only by the United States whipping Russia that they have a chance to maintain their present position in life. Against this group is found the peace-loving people everywhere. Unfortunately, the love of peace is a general sentiment and doesn’t bind people together in the same way as hatred binds together those who are intent on producing war between specific countries. The bulk of the Catholics, the bulk of the British, and the bulk of the common people everywhere do not want a third world war. These various groups that want a third world war in order to lick Russia are not at the present time working together but as time goes on they will tend more and more to coalesce. This is the great danger of the future.“ Vgl. “Peaceful Atomic Abundance – Excerpts from the Diary of Henry A. Wallace 1945 – Into the Cold War“, veröffentlicht von Studien von Zeitfragen unter: http://druckversion.studien-von-zeitfragen.net/Wallace%20Into%20the%20Cold%20War%201945.pdf

(37) Vgl. Michael Lüders: „Wer den Wind sät – Was westliche Politik im Orient anrichtet“, C.H.Beck Verlag, München, 2015, Seite 16.

(38) Vgl. F. William Engdahl: „Mit der Ölwaffe zur Weltmacht. Der Weg zur neuen Weltordnung“, Kopp-Verlag, Rottenburg, 2006, Seite 42.

(39) Colin J. Campbell: „Ölwechsel!“, Deutscher Taschenbuch Verlag, München, 2007, Seite 130.

(40) Golo Mann: „Deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts“, Fischer Verlag, Frankfurt a. M., 9. Auflage 2003, Seite 518.

(41) Stephen Zarlenga: „Der Mythos vom Geld. Die Geschichte der Macht“, Conzett Verlag, Zürich, 2008, Seite 450.

(42) Colin J. Campbell: „Ölwechsel!“, a.a.O., Seite 130.

(43) Michael Lüders: „Wer den Wind sät“, a.a.O., Seite 15.

(44) Vgl. ebd.

(45) Vgl. ebd., Seite 16.

(46) Die Schöpfung des Irak war Resultat des Vertragswerks, das 1919 in Versailles zur Verhandlung stand. Die Grenzen des Irak „wurden von den Verhandlungspartnern in Paris mit dem Lineal gezogen, ein künstliches Gebilde aus verschiedenen Volksstämmen. Im Süden, im Gebiet des unteren Tigris, lebten die so genannten Marscharaber, die sich eher am schiitischen Teheran orientierten als am sunnitischen Bagdad. Im Norden des Landes lebten die Kurden in einem Berggürtel, der sich von der Türkei über den nördlichen Irak bis zum Iran erstreckt. Ihre Interessen blieben bei der Neuordnung ebenfalls unberücksichtigt, eine konfliktreiche Situation, die sich bis heute nicht entschärft hat.“ [A]

Den Raum des Nahen und Mittleren Osten betreffend, galt es in Versailles mehreren Wünschen gleichzeitig Rechnung zu tragen. So sollte unter anderem auch der nationalen Entwicklung Saudi-Arabiens Vorschub geleistet werden, um die dortigen Stämme zu befriedigen, die durch die bisweilen arg untreu auftretende „Doppeldiplomatie“ der Briten enttäuscht zu werden drohten. [B]

Insbesondere musste jedoch ein Weg freigemacht werden, der „die britischen, französischen und ganz neu erwachten amerikanischen Interessen am Öl nicht behinderte. In keinem Fall wollten die Politiker in London, Paris und Washington den neu entstandenen Staaten ihre wertvollen Ölvorkommen allein überlassen. Mit dem Kriegseintritt der Vereinigten Staaten 1917 war klar geworden, dass es sich bei Rohöl nicht nur um eine industriell nutzbare Ressource handelte, sondern um einen wichtigen strategischen Stoff.“ [C]

Diese Erkenntnis und den Wettbewerb, den sie hervorbrachte, fasste der französische Unternehmer und Politiker Henri Berenger um genau jene Zeit herum wie folgt zusammen: „Derjenige, der das Erdöl besitzt, wird die Welt besitzen. Denn er wird das Meer durch das Schweröl beherrschen, die Luft durch die feinstraffinierten Öle und das Land durch Benzin und die Leuchtöle. Außerdem wird er seine Mitmenschen wirtschaftlich beherrschen aufgrund des phantastischen Reichtums, den er vom Erdöl herleiten wird – dieser wundervollen Substanz, welche heute gesuchter und wertvoller ist als selbst Gold.“ [D]

Außerdem muss vermerkt werden, dass die USA mittels der großen Ölvorkommen, die sie beisteuern konnten, den Sieg der Alliierten garantierten. Nicht von ungefähr stellte der britische Außenminister Lord Curzon, der der Milner-Gruppe nahestand, im November 1918 anlässlich einer Sieges-Rede vor dem Inter-Allied Petroleum Council fest: „Die Alliierten wurden auf einer Erdölwelle zum Sieg getragen.“ [E]

Das war dann wohl der Beitrag von Standard Oil.

Mitten im Krieg, als sie sich „ihrer Übermacht und ihres Sieges in Europa sicher waren“, hatten Großbritannien und Frankreich damit begonnen, den Golfraum insgeheim neu zu ordnen: „In bilateralen Gesprächen wurde die Teilung des Gebietes für die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg verhandelt. Der Unterhändler für Frankreich war Charles George Picot, Englands Interessen vertrat Sir Mark Sykes. Der Vertrag, auf den man sich 1916 einigte, ist nach ihnen benannt.“ [F]

Zu diesem Geheimabkommen darf sogleich gesagt werden, dass die Franzosen den eindeutig schlechteren „Deal“ machten, da die Gebiete, die sie nach dem Ersten Weltkrieg als Einflusssphäre zugeteilt bekamen, keine nennenswerten Ölvorkommen aufwiesen. Diese sollten allesamt in den Gebieten der Briten zutage treten, sprich im Süden des Irak, in Kuwait und dem späteren Saudi-Arabien. Nach dem Sykes-Picot-Abkommen positionierte sich Großbritannien bereits während des Ersten Weltkriegs mit Militär. Man könnte auch praktisch sagen: abgesetzt – denn immerhin fehlte genau dieses Militär fortan auf den französischen Schlachtfeldern. Die Zahl der getöteten und verwundeten Soldaten auf Seiten Frankreichs waren entsprechend sehr viel höher im Vergleich zu dem, was England an Opfern zu beklagen hatte.

Mit dem geheimen Sykes-Picot-Vertrag begannen England und Frankreich also, die Golfregion in neue Protektorate und Mandatsgebiete aufzuteilen. Ein vorrangiges Motiv der USA, dem Krieg beizutreten, war gewiss, den beiden europäischen Führungsnationen die „Ölpfründe“ nicht gänzlich alleine zu überlassen. Obwohl die Vereinigten Staaten der größte Ölproduzent der Welt waren, wurden sie bereits damals von der Furcht umgetrieben, „dass die nationalen Reserven nicht für alle Ewigkeit ausreichen würden.“ [G]

Das hätte eine eklatante Abhängigkeit von Großbritannien bedeutet, (allzumal das Britische Empire mehr oder minder die uneingeschränkte Kontrolle über die Erdölvorkommen in Lateinamerika inne hatte) – weswegen „die Vereinigten Staaten einen rein europäischen Weg nicht akzeptieren (konnten). Alles war in Gefahr – das Business der amerikanischen Ölkonzerne ebenso wie die nationalen und globalen Interessen als Siegermacht.“ [H]

Auf diplomatischem Wege wurde in den kommenden Jahren durch die USA  großer Druck ausgeübt, um amerikanische Firmen an den zu erwartenden Ölvorkommen in der Golfregion beteiligt zu sehen. [I]

Bei diesem Ringen begegnen wir auch Allen Dulles, dem späteren CIA-Chef, in seiner Funktion als Leiter der Abteilung für Angelegenheiten im Nahen Osten des State Departments – ehe er als Anwalt in die auf das Auslandsgeschäft spezialisierte Wirtschaftskanzlei Sullivan & Cromwell wechselte.

Die interessante Tatsache, dass die Schaffung der Federal Reserve dem Ersten Weltkrieg in Europa ein knappes Jahr vorausging, kommentierte Cordell Hull, der spätere Außenminister der USA, mit den Worten, dass das Federal Reserve System „gerade rechtzeitig zum Ersten Weltkrieg“ fertig geworden sei. [J]

Für die Firmen der Rockefeller- und Morgan-Imperien, den beiden maßgeblichen Kräften hinter der Schaffung der Fed, sollte dieser Krieg ein äußerst ertragreiches Geschäft werden, und beide hatten entscheidenden Anteil an seinem Ausgang. Das Bürogebäude in 23 Wall Street, in dem das House of Morgan residierte, ermöglichte es den Engländern und ihren Verbündeten überhaupt, dem Deutschen Reich und seinen Verbündeten erfolgreich Paroli zu bieten. Freilich zum Preis, dass sich England und seine Verbündeten sagenhaft bei der J. P. Morgan Company verschuldeten. Über die genauen Beweggründe, die zur Beteiligung der USA am Krieg führten, darf bis heute munter nachgedacht werden. Hervorhebenswert scheint in jedem Fall, dass der Erste Weltkrieg für J. P. Morgan und die mit ihm assoziierten New Yorker Financiers kein ertragreiches Geschäft gewesen wäre, wenn England den Krieg verloren hätte: die angehäuften Schulden wären vielmehr für alle Beteiligten zur reinsten Katastrophe geworden (was bei einem vorzeitigen Friedensschluss nach deutschen Vorgaben nicht minder der Fall gewesen wäre). Dadurch, dass das Deutsche Reich den Krieg verlor, konnte man ihm, das ja nach Paragraph 231 des Versailler Vertrages die Alleinverantwortung für den Krieg trug, die Schulden in Form von Reparationszahlungen aufbürden.

US-Präsident Woodrow Wilson und Jack Morgan, der Chef von J.P. Morgan, arbeiteten im Sommer 1914 eng zusammen, um die Alliierten in den ersten Tagen des Krieges zu finanzieren. Beide Männer wussten: die Kredite, die Federal Reserve, die großen Banken, die US-Wirtschaft und der Krieg waren untrennbar miteinander verbunden. Nomi Prins schreibt zu ihrem gemeinsamen Tun pro Alliierter unter anderem:

„Unwillens, die Kriegsfinanzierung dem Zufall zu überlassen, kam Wilsons und Morgans Macht-Allianz in Gang. Auf Anfrage hochrangiger Beamter des State Department vertiefte sich Morgan sofort in Kriegsfinanzierungsfragen. Am 10. August 1914 schrieb Außenminister William Jennings Bryan an Wilson, dass Morgan nachgefragt habe, ob es irgendwelche Vorbehalte dagegen gäbe, so seine Bank Darlehen an die französische Regierung und die Bank der Rothschilds (die auch für die französische Regierung vorgesehen waren) geben würde. Bryan war besorgt, dass die Genehmigung einer solchen Kapitalverlängerung womöglich die Neutralitätsposition, die Wilson angenommen hatte, beeinträchtigen und, schlimmer noch, andere Kreditanfragen von Nationen einladen könnte, mit denen die Vereinigten Staaten weniger als mit Frankreich verbündet waren, wie Deutschland oder Österreich. Die Morgan Bank war nur an der Unterstützung der Alliierten interessiert. (…) Wilson sollte Morgans Anfrage nicht zurückweisen. Er genehmigte den 100-Millionen-Dollar-Kredit, um die Kriegsbedürfnisse der Französischen Republik zu finanzieren. Die Entscheidung spiegelte die Vergangenheit wider, hatte aber auch Auswirkungen auf die Zukunft der politisch-finanziellen Allianzen und ihre Anwendungen auf Kriege. Während des deutsch-französischen Kriegs von 1870 hatte Jacks Großvater, J.S. Morgan, französische Anleihen im Wert von 50 Millionen Dollar durch sein Büro in London erworben, nachdem die französische Regierung daran gescheitert war, ihre Wertpapiere an Londoner Banker zu verkaufen, um Geld einzusammeln. Nicht nur war die Transaktion profitabel; sie machte Morgan und seine Firma auch bei der französischen Regierung beliebt.

Ungeachtet der privaten Bankenaktivitäten forderte Wilson die Amerikaner am 19. August 1914 dazu auf, ob des Kampfes neutral zu bleiben. Doch Morgan und seine Partner nahmen die Politik der Unparteilichkeit niemals an. Wie Morgan-Partner Thomas Lamont später schrieb: “Von Anfang an haben wir alles getan, was wir konnten, um für die Sache der Alliierten einen Beitrag zu leisten.”

Abgesehen von Jack Morgans persönlichen Ansichten gegen Deutschland und vom Vermächtnis der Entscheidungen seines Großvaters, genoss die Morgan Bank enge Beziehungen mit den britischen und französischen Regierungen durch ihre Schwester-Unternehmungen – Morgan, Grenfell & Company, die renommierte Handelsbank in London; und Morgan, Harjes & Company in Paris. Die Bank folgte, wie ein Land, dem Krieg entlang der Linien ihrer vergangenen Geschäftsallianzen, sogar bis zu dem Punkt, dass sie Firmen in Zeiten erbitterter Kämpfe verärgerte, die an französischen Krediten teilzunehmen wünschten.

Zwei Wochen nach Wilsons Rede vom 19. August, als er aufgrund des Krieges mit mehr Hebelkraft bewaffnet war, nahm es Jack Morgan auf sich, Wilson ob seiner einheimischen Anliegen anzuschreiben. ,Dieser Krieg … hat eine enorme und plötzliche Belastung auf den amerikanischen Geldmarkt geworfen‘, schrieb Morgan. ,Er hat die bereits ausgeprägte Tendenz der europäischen Inhaber amerikanischer Wertpapiere verstärkt, sie für welchen Preis auch immer zu verkaufen, den sie erhalten können, und der US-Anleger muss die europäischen Investoren dieser Wertpapiere allmählich und wie er kann entlasten.‘ Markt-Spannungen wurden durch die Tatsache verschärft, dass die europäischen Investoren Wertpapiere verkauften, um an Geld zu kommen. Das war ein Problem, dessen Lösung die Bereitstellung von noch mehr Krediten erforderte. Aber es gab da noch etwas anderes, mit nachhaltigeren inländischen Auswirkungen, das die Zerschlagung der Morgan-Interessen in US Steel widerhallen ließ.

Morgan argumentierte, dass die Interstate Commerce Commission der Regierung, die 1887 geformt worden war, um die nationale Industrie zu regulieren, die Investoren nicht ermunterte, sich sicher zu fühlen, sondern das Gegenteil tat, indem sie die östlichen Eisenbahnfrachtsätze beschränkte und Eisenbahngesellschaften untersuchte. In Morgans Vorstellung war der Krieg definitiv nicht die Zeit für verbesserte Regeln gegenüber der Geschäftswelt. Und sollten Eisenbahn-Wertpapiere gegenüber den von ihnen gesicherten Darlehen an Wert verlieren, würden die Banken nicht in der Lage sein, genug Geld zu verleihen, um den Unterschied wettzumachen. Das ganze Kreditsystem könnte erstarren.

Wie Morgan des Weiteren warnte: ,Große Abschreibung auf den Wert dieser Wertpapiere‘ würden ,auf die von ihnen gesicherten Bankdarlehen zurückfallen‘ und zu einer ,großen Bindung der Bankmittel‘ führen, ,was den Start des neuen Federal Reserve Systems stören und Panik-Bedingungen erzeugen wird.‘ Er folgerte, dass der Krieg ,eine große Chance für Amerika sein (sollte)‘, aber nicht ,so lange, wie das Unternehmen des Landes unter dem Eindruck der Angst steht, in der es sich jetzt abmüht.‘ Solche schweren Gefahren aufwerfend, war Morgan der erste Banker, der enthüllte, dass die Kredite, die Federal Reserve, die großen Banken, die US-Wirtschaft und der Krieg untrennbar miteinander verbunden waren. Wilson wusste das auch.

Generell bedeutete der Krieg, dass sich der gute Wille des Präsidenten gegenüber Banken und Unternehmen fortsetzte, Kredit-Protokolle inklusive. Ein Nachrichtenbericht vom 15. Oktober 1914 verkündete: ,Amerikanische Banker könnten Kredite an Kriegsnationen geben.‘ Es war eine Entscheidung der Regierung, die durch das Banken-Kontingent angeschoben worden war und während des Krieges und danach nachhallte, um klarere Linien des Wettbewerb unter den verschiedenen Wall Street-Kraftpaketen zu zeichnen. Obwohl die Pro-Alliierte Morgan Bank die Zusammenarbeit mit den Briten suchte, richtete die National City Bank internationale Niederlassungen in Europa und Russland ein, um für eine zukünftige Finanzmacht in den Wettbewerb einzutreten, was zu einem Bruch zwischen zwei der drei größten New Yorker Banken führte, die den Krieg finanzierten. Teilweise hatte das Zerwürfnis mit dem Führungswechsel bei diesen Firmen zu tun.

Jack Morgans Freund James Stillman, der Leiter der National City Bank, hatte Ideen zum Krieg, die Morgans eigene stark widerspiegelten: obwohl der Krieg zahlreiche Expansionsmöglichkeiten darbot, mussten alte Verbindungen zu den britischen und französisch Banken während des Prozesses respektiert werden, die ihre Länder eindeutig unterstützten. Stillmans Nummer-Zwei-Mann – der im Mittleren Westen geborene Frank Vanderlip, der einen Groll gegen das östliche Banken-Establishment und Wilson ob der kalten Schulter hegte, die ihm während seiner Präsidentschaftskampagne gezeigt worden war –, teilte nicht die gleichen Loyalitäten. Er war wegen des Ausgangs des Krieges weniger besorgt als sein Oberschichten-Chef und die Morgan-Partner und lehnte die amerikanische Intervention bis 1916 offen ab, als die deutsch-amerikanischen Beziehungen offensichtlicher zerschlagen wurden. Auch unterstützte er nicht die britischen Forderungen, dass die National City Bank ihren geschäftlichen Umgang mit deutschen Banken beenden sollte, worauf Stillman geantwortet hatte, dass sich die Briten im Fall des Sieges an die Banken erinnern würden, die ihnen geholfen hatten.

So war es denn Ende 1914 die National City Bank, die eine 5 Millionen-Dollar-Kreditlinie an Russland im Gegenzug für den russischen Einkauf von Kriegsmaterial in den Vereinigten Staaten gab. Die Morgan Bank blieb ihrer Pro-Alliierten-Position treu und entschied, sich nicht an solchen Geschäften zu beteiligen, während Vanderlip losgelöster war und versuchte, die Position der National City Bank zu stärken, was auch immer die Nachkriegswelt mit sich bringen würde.

Stillman war weniger an kriegsbedingten Finanzierungen als Vanderlip interessiert, welcher glaubte, dass sie die Position der Bank als auch den globalen Status Amerikas erweitern würden. Für ihn war es wichtig, in Lateinamerika und in anderen unterentwickelten Ländern voranzutreiben, während die europäischen Finanzmächte mit ihrem Krieg beschäftigt waren. Dass Stillman sich einiges von dem Rat zu Herzen nahm, ermöglichte es der National City Bank, viel an Boden in der Nachkriegszeit gutzumachen, nicht nur in Bezug auf die europäischen Banken, sondern auch gegenüber der Morgan Bank. Wie Vanderlip an Stillman im Dezember 1915 schrieb: ,Wir werden wirklich zu einer Weltbank in einem sehr weiten Sinne, und ich bin vollkommen überzeugt, dass der Weg offen für uns ist, das mächtigste, weitreichendste Weltfinanzinstitut zu werden, das es je gegeben hat.‘“ [K]

[A] Siehe Colin Campbell: „Ölwechsel!“, a.a.O., Seite 137.

[B] Vgl. Helmut Mejcher: „Der arabische Osten im zwanzigsten Jahrhundert 1914-1985“, in: Ulrich Haarmann (Hg.): „Geschichte der arabischen Welt“; C. H. Beck-Verlag, München, 1987, Seiten 432-501.

[C] Siehe Colin Campbell: „Ölwechsel!“, a.a.O. Seite 137.

[D] Siehe Mohssen Massarrat: „Amerikas Weltordnung. Hegemonie und Kriege um Öl“, VSA-Verlag Hamburg, 2003, Seite 80. Massarrat zitiert aus Ludwell Denny: „Ölquellen, Kriegsquellen“, Zürich und Leipzig, 1930.

[E] Vgl. Mohssen Massarrat: „Amerikas Weltordnung“, a.a.O., Seite 134.

[F] Vgl. Colin Campbell: „Ölwechsel!“, a.a.O., Seite 135.

[G] Vgl. ebd., Seite 138.

[H] Vgl. ebd., Seite 139.

[I] Vgl. Mohssen Massarrat: „Amerikas Weltordnung“, a.a.O., Seite 136 – 137.

[J] Vgl.. Stephen Zerlenga: „Der Mythos vom Geld“, a.a.O., Seite 405.

[K] Vgl. Nomi Prins: „Erster Weltkrieg: Banker ziehen in den Krieg“, veröffentlicht auf LarsSchall.com am 30. Juni 2014 unter: http://www.larsschall.com/2014/06/30/erster-weltkrieg-banker-ziehen-in-den-krieg/. Es handelt sich hierbei um einen Auszug aus ihrem Buch “All the Presidents’ Bankers: The Hidden Alliances that Drive American Power“, Nation Books, 2014.

(47) Vgl. Wilfried von Bredow: „Spätfolgen. Der Putsch im Iran 1953“, veröffentlicht in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung am 12. Februar 2009. Hierbei handelt es sich um eine Rezension des Buches „Im Dienste des Schah. CIA, MI6 und die Wurzeln des Terrors im Nahen Osten“ von Stephen Kinzer, Weinheim 2009.

(48) Michael Lüders: „Wer den Wind sät“, a.a.O., Seite 17.

(49) Vgl. Rainer Traub: „Im Namen der Demokratie“, veröffentlicht am 29. Juli 2008 in „Spiegel Spezial Geschichte“, Nr. 3, Seite 57.

(50) Vgl. Arindrajit Dube, Ethan Kaplan und Suresh Naidu: “Coups, Corporations, and Classified Information“, NBER Working Paper No. 16952, veröffentlicht April 2011, online abrufbar unter: http://www.nber.org/papers/w16952.

Die nachfolgenden Quellenangaben 51- 61stammen aus Peter Dale Scott: „Der Staat, der tiefe Staat und die Wall Street-Oberwelt“, veröffentlicht auf Lars Schall.com am 14. März 2014 unter: http://www.larsschall.com/2014/03/14/der-staat-der-tiefe-staat-und-die-wall-street-oberwelt-2/

(51) Ovid Demaris, Dirty Business: The Corporate-Political Money-Power Game (New York: Avon, 1974), 213-14.

(52) J.P.D. Dunbabin, International relations since 1945 : a history in two volumes (London: Longman, 1994), Vol 2, 344. The boycott is denied without argumentation in Exxon’s corporate history (Bennett H. Wall et al., Growth in a changing environment: a history of Standard Oil Company (New Jersey), Exxon Corporation, 1950-1975 (New York: McGraw-Hill, 1988), Vol. 4, 476: “Despite oft-printed statements to the contrary, the oil majors did not conspire to boycott NIOC oil.”

(53) Robert Palmer Smith, Darkest truths of black gold: an oil industry executive breaks the industry’s code of silence (New York: iUniverse, 2007), 256. In July 1952 Mossadeq attempted to break the embargo by contracting to sell oil to a small private Italian oil firm. The manoeuver was frustrated by the British Royal Navy, which in July 1952 intercepted the Italian tanker Rose Mary and redirected it to Aden. The news dissuaded other tankers from trying to reach Abadan (Mary Ann Heiss, Empire and Nationhood: The United States, Great Britain, and Iranian Oil, 1950-1954 [New York: Columbia University Press, 1997], 130; Stephen Kinzer, All the Shah’s men: an American coup and the roots of Middle East terror Hoboken, NJ: John Wiley & Sons, 2003], 136).

(54) Mostafa Elm, Oil, Power, and Principle: Iran’s Oil Nationalization and Its Aftermath (Syracuse, NY: Syracuse University Press, 1992), 198-99 (Churchill); Robert Moskin, American Statecraft: The Story of the U.S. Foreign Service (New York: Thomas Dunne Books/ St. Martin’s Press, 2013), 627-28 (Harriman).

(55)Demaris, Dirty Business, 214-25: “The incoming Eisenhower Administration… quickly dropped the criminal case. The civil suit that was instituted alleged that the five American oil companies violated the Sherman Antitrust and the Wilson Tariff Acts by conspiring to divide and control foreign production and distribution…. An inadequate staff was assigned to the case and the action finally petered out a decade later with a couple of meaningless consent decrees.”

(56) Robert Sherrill, The oil follies of 1970-1980: how the petroleum industry stole the show (and much more besides) (Garden City, NY: Anchor Press/Doubleday, 1983), 221).

(57) William R. Freudenburg and Robert Gramling, Oil in troubled waters: perceptions, politics, and the battle over offshore drilling (Albany : State University of New York Press, 1994); 17; citing Shukri Mohammed Ghanem, OPEC, the Rise and Fall of an Exclusive Club (London : KPI, 1986); Mira Wilkins, “The Oil Companies in Perspective,” in Raymond Vernon (ed.), The Oil Crisis (New York: Norton, 1976).

(58) William Roger Louis, “Britain and the Overthrow of Mossadeq,” in Mark J. Gasiorowski and Malcolm Byrne (eds.), Mohammad Mosaddeq and the 1953 coup in Iran (Syracuse: Syracuse University Press, 2004), 168. Cf. William R. Clark, Petrodollar warfare: oil, Iraq and the future of the dollar (Gabriola Island, B.C.: New Society Publishers, 2005), 125: “[T]he Dulles brothers had already conceived a plot when Eisenhower became president in January 1953.”

(59) Scott Macdonald, Rolling the iron dice : historical analogies and decisions to use military force in regional contingencies (Westport, CT: Greenwood Press, 2000), 98. Cf. Richard H. Immerman, John Foster Dulles: Piety, Pragmatism, and Power in U.S. Foreign Policy (Wilmington, DE: Scholarly Resources, 1999), 67. Allen Dulles played a personal role in TP/AJAX, by flying to Italy and persuading the frightened Shah to return to Tehran.

(60) In the past, wishing to dissociate the term “deep state” from organizational connotations, I have written of the American “deep state” as “a milieu both inside and outside government with the power to steer the history of the public state and sometimes redirect it” (“William Pawley, the Kennedy Assassination, and Watergate,” Global Research, November 29, 2012. But because there are extra-governmental structural components to the deep state, it might be better to think of it as not just a milieu, but more analogous to an oligopolistic market.

(61) See Chalmers A Johnson, The Sorrows of Empire: Militarism, Secrecy, and the End of the Republic (New York: Metropolitan Books, 2004), 218-19; Timothy Mitchell, Carbon Democracy: Political Power in the Age of Oil (New York: Verso Books, 2011), 212.

(62) Peter Dale Scott: „Der Staat, der tiefe Staat und die Wall Street-Oberwelt“, a.a.O. Für Dokumente, die Ende 1952 im Vorfeld des Putsches gegen Irans Premierminister Mohammad Mosaddeq entstanden, Malcolm Byrne /Mark Gasiorowski: “1953 Iran Coup: New U.S. Documents Confirm British Approached U.S. in Late 1952 About Ousting Mosaddeq”, veröffentlicht von National Security Arcive der George Washington University am 8. August 2017 unter: http://nsarchive.gwu.edu/NSAEBB/NSAEBB601-British-appealed-to-US-in-1952-for-coup-against-Mosaddeq-in-Iran/. Die Geschichte des Coups im Iran 1952/53 aus der internen CIA-Sicht, geschrieben im März 1954 von Donald N. Wilber, findet sich als „Cladestine Service History – Overthrow of Premier Mossadeq Of Iran, November 1952- August 1953“ online unter: https://archive.org/details/OverthrowOfPremierMossadeqOfIranNovember1952August1953.

(63) Nach Unterzeichnung des neuen Vertrages über das iranische Öl benannte sich AIOC in British Petroleum Company um. Aus British Petroleum wurde nach der Übernahme durch Amaco (zuvor Standard Oil of Indiana) zunächst BP Amaco, um heutzutage nur noch unter dem Akronym BP zu firmieren. Für ChevronTexaco gilt ähnliches: der Beisatz Texaco wurde in der Zwischenzeit wieder fallen gelassen, seither heißt das fusionierte Unternehmen nur noch Chevron.

(64) Burton Hersh: “The Old Boys”, a.a.O., Seite 313.

(65) Vgl. Guido Giacomo Preperata: „Die Ideologie der Tyrannei – Neognostische Mythologie in der amerikanischen Politik“, Duncker & Humblot, Berlin, 2015, Seite 266.

(66) Michael Lüders: „Wer den Wind sät“, a.a.O., Seite 19.

(67) Geht man über den Mittleren Osten hinaus und schaut, wie oft die USA weltweit in den demokratischen Prozess anderer Nationen eingriffen, landet man für die Jahre zwischen 1946 und 2000 bei über 80 direkten Eingriffen allein über eine Einflussnahme auf den Ausgang von Wahlen. Das ist das Ergebnis von Dov Levin, Forscher an der Carnegie Mellon University. Staatsstreiche wie 1953 im Iran lässt Levin bei seiner Auflistung außen vor; ansonsten wäre die Anzahl der Eingriffe noch höher. Vgl. Ari Shapiro: “Database Tracks History Of U.S. Meddling In Foreign Elections”, veröffentlicht von National Public Radio am 22. Dezember 2016 unter: http://www.npr.org/2016/12/22/506625913/database-tracks-history-of-u-s-meddling-in-foreign-elections.

(68) Mark Hulbert: “Interlock – The untold story of American banks, oil interests, the Shah’s money, debts, and the astounding connections between them”, Richardson & Snyder, New York, 1982, Seite 112.

(69) Vgl. Kai Bird: “The Chairman“, a.a.O., Seite 642.

(70) Nomi Prins: “All the President’s Bankers”, a.a.O., Seite 305.

(71) F. William Engdahl: „Der Untergang des Dollar-Imperiums“, Kopp-Verlag, Rottenburg, 2009, Seite 306.

(72) Guido Giacomo Preperata: „Die Ideologie der Tyrannei“, a.a.O., Seite 266.

(73) Michael Lüders: „Wer den Wind sät“, a.a.O., Seite 21.

(74) Vgl. Guido Giacomo Preperata: „Die Ideologie der Tyrannei“, a.a.O., Seiten 266 – 267.

(75) Vgl. “Khomeini’s secret dialogue with ‚The Great Satan’”, veröffentlicht von BBC am 2. Juni 2016 unter: http://www.bbc.com/news/world-us-canada-36438556. Zu den Beziehungen / Kommunikationen Khomeines mit dem Westen, insbesondere mit Großbritannien, siehe Mark Curtis: “Secret Affairs – Britain’s Collusion with Radical Islam”, Serpent’s Tail, London, 2010, Seiten 123-130.

(76) F. William Engdahl: „Mit der Ölwaffe zur Weltmacht“, a.a.O., Seite 219.

(77) Guido Giacomo Preperata: „Die Ideologie der Tyrannei“, a.a.O., Seiten 267 – 268.

(78) Ebd., Seite 268.

(79) Mark Hulbert: “Interlock”, a.a.O., Seite 27.

(80) Vgl. ebd., Seiten 27 – 28.

(81) Ebd., Seite 28.

(82) Vgl. ebd., Seite 41.

(83) Vgl. ebd.

(84) Vgl. ebd., Seite 42.

(85) Vgl. ebd., Seite 43.

(86) F. William Engdahl: „Es klebt Blut an Euren Händen“, Finanzbuch Verlag, München, 2012, Seite 126.

(87) Ebd.

(88) F. William Engdahl: „Mit der Ölwaffe zur Weltmacht“, a.a.O., Seite 219.

(89) Ebd.

(90) Vgl. ebd., Seite 220.

(91) Ebd., Seite 260.

(92) Charlotte Wiedemann „Iran: Wie alles begann“, veröffentlicht von Die Zeit am 28. Juli 2009 unter: http://www.zeit.de/2008/48/Iran-Chronologie.

(93) Guido Giacomo Preparata: „Die Ideologie der Tyrannei“, a.a.O., Seite 269.

(94) F. William Engdahl: „Mit der Ölwaffe zur Weltmacht“, a.a.O., Seite 260.

(95) Arnold Höttinger: „Islamische Welt. Der Nahe Osten: Erfahrungen, Begegnungen, Analysen“, Ferdinand Schöningh Verlag, Paderborn, 2004, Seite 636.

(96) Guido Giacomo Preparata: „Die Ideologie der Tyrannei“, a.a.O., Seite 270.

(97) F. William Engdahl: „Mit der Ölwaffe zur Weltmacht“, a.a.O., Seite 261.

(98) Guido Giacomo Preparata: „Die Ideologie der Tyrannei“, a.a.O., Seite 270.

(99) Ebd.

(100) Vgl. Houchang Nahavandi: “The Last Shah of Iran – Fatal Countdown of A Great Patriot betrayed by the Free World, A Great Country whose Fault was Success”, Aquilion Ltd, Slough, 2005, Seite 228. Bereits ein Jahr zuvor soll Giscard d’Estaing den Schah gewarnt haben, dass Frankreich und die USA ihn fallen lassen würden, wenn der Iran und seine Freunde in der OPEC ihre Haltung gegenüber den westlichen Mächten nicht änderten. Vgl. Nahavandi: “The Last Shah of Iran“, a.a.O., Seite 246.

(101) F. William Engdahl: „Es klebt Blut an Euren Händen“, a.a.O., Seite 127.

(102) Vgl. Charlotte Wiedemann „Iran: Wie alles begann“, a.a.O.

(103) Zitiert in F. William Engdahl: „Mit der Ölwaffe zur Weltmacht“, a.a.O., Seite 261.

(104) Barbara Zanchetta: “The Transformation of American International Power in the 1970’s“, Cambridge University Press, New York, 2013, Seiten 259-260.

(105) Vgl. ebd. , Seite 260.

(106) Vgl. Barbara Zanchetta: “The Transformation of American International Power in the 1970’s“, a.a.O., Seite 259.

(107) Vgl. „Zeitgeschichte – Lektion erteilt“, veröffentlicht in der Der Spiegel (Nr. 5 / 1980) vom 28. Januar 1980, Seite 143.

(108) Vgl. Nomi Prins: “All the President’s Bankers”, a.a.O., Seite 305.

(109) Vgl. „Wieder Tote und Verletzte bei Unruhen in Teheran“, veröffentlicht von Frankfurter Allgemeine Zeitung am 4. Dezember 1978, Seite 1.

(110) Ebd.

(111) Vgl. Harald Vocke: „Gerüchte in Teheran – Der islamische Trauermonat wird über die Zukunft des Schahs entscheiden“, veröffentlicht von Frankfurter Allgemeine Zeitung am 7. Dezember 1978, Seite 10.

(112) Vgl. Jürgen Busche: „Chomeini ist unser Führer, Nieder mit dem Schah”, veröffentlicht von Frankfurter Allgemeine Zeitung am 11. Dezember 1978, Seite 2.

(113) Vgl. Jürgen Busche: „Chomeini kämpft wie ein Märtyrer – Wir wollen ein unabhängiges Iran“, veröffentlicht von Frankfurter Allgemeine Zeitung am 12. Dezember 1978, Seite 3.

(114) Vgl. „Die Lage in Iran spitzt sich weiter zu”, veröffentlicht von Frankfurter Allgemeine Zeitung am 29. Dezember 1978, Seite 1.

(115) Charlotte Wiedemann: „Iran: Wie alles begann“, a.a.O.

(116) Vgl. Houchang Nahavandi: “The Last Shah of Iran”, a.a.O., Seiten 76 – 77 und 232 – 233.

(117) Herbert Kremp: „Der lange Marsch von Khomeini zu Charlie Hebdo“, veröffentlicht von Die Welt am 16. Februar 2015 unter: http://www.welt.de/debatte/kommentare/article137479675/Der-lange-Marsch-von-Khomeini-zu-Charlie-Hebdo.html.

(118) Vgl. Houchang Nahavandi: “The Last Shah of Iran”, a.a.O., Seite 235.

(119) Herbert Kremp: „Der lange Marsch von Khomeini zu Charlie Hebdo“, a.a.O.

(120) In einer Meldung auf der Titelseite der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hieß es im Vorfeld des Treffens: „Der französische Staatspräsident Giscard d’Estaing hat Bundeskanzler Schmidt, den amerikanischen Präsidenten Carter und den britischen Premierminister Callaghan für den 5. und 6. Januar zu einem Gipfeltreffen auf die Karibikinsel Guadaloupe eingeladen. Wie am Donnerstag in Paris ein Sprecher des Staatspräsidenten sagte, soll bei diesem Treffen ,die Weltlage am Ende des Jahres 1978‘ erörtert werden. Das Treffen werde ,informeller Natur‘ sein. Es würden weder Erklärungen abgegeben noch würde ein Kommuniqué veröffentlicht. Auch sollten keine Entscheidungen erwartet werden. Bei den Gesprächen sollte es den vier Politikern ermöglicht werden, ungezwungen die allgemeine internationale Situation zu diskutieren.“ Vgl. „Einladung Giscards zu Gipfeltreffen Anfang Januar“, veröffentlicht von Frankfurter Allgemeine Zeitung am 8. Dezember 1978, Seite 1.

(121) Zitiert in Mike Evans: “Jimmy Carter: The Liberal Left and World Chaos“, Time Worthy Books, Phoenix, 2009, Seite 219.

(122) Guido Giacomo Preparata: „Die Ideologie der Tyrannei“, a.a.O., Seite 271.

(123) Vgl. Houchang Nahavandi: “The Last Shah of Iran”, a.a.O., Seite 379.

(124) Vgl. ebd., Seite 365.

(125) Vgl. „Zeitgeschichte – Lektion erteilt“, a.a.O., Seite 143.

(126) Ebd.

(127) Ebd.

(128) Vgl. Andrew Scott Cooper: “Declassified diplomacy: Washington’s hesitant plans for a military coup in pre-revolution Iran”, veröffentlicht von The Guardian am 11. Februar 2015 unter: http://www.theguardian.com/world/iran-blog/2015/feb/11/us-general-huysers-secret-iran-mission-declassified.

(129) Ebd.

(130) Ebd.

(131) Vgl. Houchang Nahavandi: “The Last Shah of Iran”, a.a.O., Seite 380.

(132) Vgl. ebd.

(133) Vgl. Andrew Scott Cooper: “Declassified diplomacy: Washington’s hesitant plans for a military coup in pre-revolution Iran”, a.a.O.

(134) Vgl. ebd.

(135) „Wie eine tote Ratte aus dem Land geworfen“, veröffentlicht von Der Spiegel (Nr. 42 / 1986) vom 13. Oktober 1986, Seite 218.

(136) Vgl. “Khomeini’s secret dialogue with ‚The Great Satan’”, veröffentlicht von BBC am 2. Juni 2016 unter: http://www.bbc.com/news/world-us-canada-36438556.

(137) Vgl. Jehan Sadat: „Ich bin eine Frau aus Ägypten – Die Autobiographie einer außergewöhnlichen Frau unserer Zeit“, Heyne, München, 2005, Seite 357.

(138) Ebd., Seiten 357 – 358.

(139) Vgl. ebd., Seiten 358 – 359.

(140) Houchang Nahavandi: “The Last Shah of Iran”, a.a.O., Seiten 381 – 382.

(141) Vgl. Peter Dale Scott: “The Road to 9/11”, a.a.O., Seite 81.

(142) Vgl. Kai Bird: “The Chairman“, a.a.O., Seite 642. Ferner hatte McCloy in seiner Funktion bei Milbank Tweed im Laufe der Jahre für sämtliche Mitgliederunternehmen der Sieben Schwestern gearbeitet. Vgl.  Mark Hulbert: “Interlock“, a.a.O., Seite 31.

(143) Mark Hulbert: “Interlock“, a.a.O., Seite 34.

(144) Ebd., Seite 37.

(145) Ebd., Seite 112.

(146) Vgl. ebd., Seite 113.

(147) Vgl. ebd., Seite 114.

(148) Vgl. ebd., Seite 114.

(149) Ebd., Seiten 114 – 115.

(150) Vgl. Peter Dale Scott: “The Road to 9/11”, a.a.O., Seite 309.

(151) Kai Bird: “The Chairman”, a.a.O., Seite 645.

(152) Vgl. Nomi Prins: “All the President’s Bankers”, a.a.O., Seite 308.

(153) Kai Bird: “The Chairman”, a.a.O., Seite 645.

(154) Vgl. Nomi Prins: “All the President’s Bankers”, a.a.O., Seite 308.

(155) Vgl. Mark Hulbert: “Interlock”, Seite 136.

(156) Ebd., Seite 143.

(157) Ebd., Seite 144.

(158) Vgl. Peter Dale Scott: “The Road to 9/11“, a.a.O., Seite 82.

(159) Vgl. ebd.

(160) Vgl. ebd., Seite 82.

(161) Mark Hulbert: “Interlock”, a.a.O., Seiten 117-118.

(162) Vgl. Peter Dale Scott: “The Road to 9/11”, a.a.O., Seite 83.

(163) Ebd.

(164) Vgl. Bernard Gwertzman: „Kissinger machte seinen Einfluß geltend“, veröffentlicht in der Der Spiegel (Nr. 49 / 1979) vom 3. Dezember 1980, Seiten 158-159.

(165) Vgl. Peter Dale Scott: “The Road to 9/11”, a.a.O., Seite 83.

(166) Vgl. ebd., Seiten 83-84.

(167) Vgl. ebd., Seite 84.

(168) Vgl. Terrence Smith: “The Shah’s Health: A Political Gamble”, veröffentlicht von der New York Times am 17. Mai 1981, online unter: http://www.nytimes.com/1981/05/17/magazine/the-shah-s-health-a-political-gamble.html?pagewanted=all.

(169) Vgl. Bernard Gwertzman: „Kissinger machte seinen Einfluß geltend“, a.a.O., Seite 158.

(170) F. William Engdahl: „Es klebt Blut an Euren Händen“, a.a.O., Seite 131.

(171) Vgl. Kai Bird: “The Chairman“, a.a.O., Seiten 653-654.

(172) Michael Lüders: „Wer den Wind sät“, a.a.O., Seite 22.

(173) Vgl. Philip Giraldi: “America’s ‘Establishment’ Has Embraced ‘Deep State’”, veröffentlicht von The New York Times am 6. November 2015 unter:

http://www.nytimes.com/roomfordebate/2015/11/06/do-secret-cabals-rule-more-than-the-imagination-in-turkey-and-egypt/americas-establishment-has-embraced-deep-states

(174) Vgl. Mike Lofgren: “A Shadow Government Controls America”, veröffentlicht von Reader Supported News am 22. Februar 2014 unter: http://readersupportednews.org/opinion2/277-75/22216-a-shadow-government-controls.

(175) Vgl. Mike Lofgren: “An oligarchy has broken our democracy. It must be dislodged”, veröffentlicht von The Guardian am 17. Januar 2016 unter: http://www.theguardian.com/commentisfree/2016/jan/17/oligarchy-broken-our-democracy-must-be-dislodged-election-2016

(176) Peter Dale Scott: “Deep Politics and the Death of JFK”, University of California Press, Berkeley, 1998, Seite 7.

(177) Peter Dale Scott: “The American Deep State: Wall Street, Big Oil, and the Attack on U.S. Democracy”, Rowman & Littlefield, Lanham, 2015, Seite 12. Der „tiefe Staat“ wurde von Abdul-Azim Ahmed im britischen Newsletter On Religion als „die eingebetteten antidemokratischen Machtstrukturen innerhalb einer Regierung“ definiert, „etwas, von dem nur sehr wenige Demokratien behaupten können, frei zu sein.“ Vgl. Abdul-Azim Ahmed: “What is the Deep State?”, veröffentlicht von On Religion am 4. Juli 2013 unter: http://www.onreligion.co.uk/what-is-the-deep-state/.

(178) Vgl. Gareth Jenkins: “Susurluk and the Legacy of Turkey’s Dirty War”, veröffentlicht von  Terrorism Monitor am 1. Mai 2008, zitiert in Peter Dale Scott: “9/11, Deep State Violence and the Hope of Internet Politics“, veröffentlicht von Global Research am 11. Juni 2008 unter: http://www.globalresearch.ca/9-11-deep-state-violence-and-the-hope-of-internet-politics.

Zum Susurluk-Vorfall schreibt Peter Dale Scott in seinem Buch American War Machine: “In 1996 the crash of a speeding Mercedes on a Turkish highway near Susurluk opened a window into the darker side of Turkish politics, and eventually the darker face of globalization as well. Any one of the victims would have made the local news, but the biggest news was that they were traveling together. Found in the wreckage were the bodies of a member of Parliament, a former deputy police chief, a beauty queen, and her lover, a politically connected heroin trafficker and murderer named Abdullah Çatli. (a) The intrigue was heightened by the contents of the car: a cache of narcotics, thousands of U.S. dollars, pistols with silencers, machine guns, and six different sets of official identity documents for Çatli, including a special ’Green Passport’ (for public officials) signed by the Turkish minister of the interior. (b) The more the press researched this so-called Susurluk incident, the more complex it became. The name in Çatli’s passport, Mehmet Özbay, was an alias that, according to Lucy Komisar, was also in the passport of the Turkish shooter of Pope John Paul II, Mehmet Ali Agca. (c) ’But what raised eyebrows was the seemingly incongruous presence of . . . Abdullah Catli riding with the top police and government officials. Police had supposedly been hunting Catli, a convicted international drug smuggler since 1978, for his part in the killing of scores of left-wing activists. At that time, Catli had been head of the ’Gray Wolves,’ the youth arm of the neo-fascist MHP (National Action Party).’ (d)

Both Çatli and Agca were indeed death squad members of a right-wing paramilitary organization, the Grey Wolves. Douglas Valentine, in The Strength of the Pack, reports the suspicions of Drug Enforcement Administration (DEA) officers that the Grey Wolves were a unit in the Counter-Guerrilla Center in Istanbul, advised by CIA officers Henry P. Schardt and Duane (’Dewey’) Clarridge. (e) Daniele Ganser’s less controversial claim is that the Grey Wolves overlapped with the Gladio program of ’stay-behind’ covert counterguerrilla forces supported by the U.S. Military Mission and the CIA: (f) ‘After the discovery of NATO’s secret stay-behind armies across Western Europe in 1990 it was revealed in Turkey that CIA liaison officer [Colonel] Türks had recruited heavily among the Grey Wolves to staff the secret stay-behind army which in Turkey operated under the name Counter-Guerrilla.’

More than a decade earlier, Turkish General Turhan had said of Counter-Guerrilla, which had tortured him, ’This is the secret unit of the NATO countries.’ (g) And for two decades Counter-Guerrilla had performed such functions as mob violence, torture, and assassinations for the Turkish army, operating, as General Turhan was told by his torturers, ’outside the constitution and the laws.’ (h) Like other groups in liaison with the CIA, the methods taught and commanded by Counter-Guerrilla included ’assassinations, bombings, armed robbery, torture, . . . disinformation, violence, and extortion.’ (i)

In the extended discussions of the Susurluk incident, the concept emerged in Turkey of a deep state (gizli devlet or derin devlet) underlying the public state, consisting of a parastatal alliance between the official police and the criminal death squads they were supposed to round up. But there were clearly international as well as national aspects to the grey alliance represented by the Turkish deep state. In 1982 Çatli had entered the United States at Miami together with Stefano delle Chiaie, an Italian neofascist and killer with whom he had much in common. (j) Delle Chiaie had his own connections to post-Gladio terrorist activities in Italy, to the World Anti-Communist League (WACL), and more specifically to death squads working for Chile’s Operation Condor in Argentina and Bolivia. (k)” Vgl. Peter Dale Scott: “American War Machine: Deep Politics, the CIA Global Drug Connection, and the Road to Afghanistan”, Rowman & Littlefield Publishers, Inc., Lanham, 2010, Seite Seiten 19-20.

(a) Gareth Jenkins, “Susurluk and the Legacy of Turkey’s Dirty War,” Terrorism Monitor, May 1, 2008, http://www.jamestown.org/terrorism/news/article.php?articleid=2374142.

(b) Martin A. Lee, “Turkey’s Drug-Terrorism Connection,” ConsortiumNews, January 25, 2008, http://www.consortiumnews.com/2008/012408a.html.

(c) Lucy Komisar, “The Assassins of a Pope,” Albion Monitor, April 6, 1997, http://www.monitor.net/monitor/9703b/turkeycia-sidebar.html: “Both had worked together in a previous assassination effort. In 1979, Ali Agca killed a Turkish newspaper editor. Catli was in on the plot. When the police arrest[ed] Agca, they found a false passport belonging to Catli. Catli then reportedly helped organize Agca’s escape from an Istanbul military prison, and some have suggested Catli was even involved in the Pope’s assassination attempt.” In 1998 Le Monde diplomatique alleged that Abdullah Çatli had organized the assassination attempt on the pope “in exchange for the sum of 3 million German marks” for the Grey Wolves (“Turkey’s Pivotal Role in the International Drug Trade,” Le Monde diplomatique, July 1998).

(d) Ertugrul Kurkcu, “Turkey: Trapped in a Web of Covert Killers,” Covert Action Quarterly 61, http://mediafilter.org/CAQ/caq61/CAQ61turkey.html.

(e) Douglas Valentine, The Strength of the Pack: The People, Politics and Espionage Intrigues that Shaped the DEA (Springfield, OR: TrineDay, 2009), 140.

(f) Daniele Ganser, NATO’s Secret Armies: Operation Gladio and Terrorism in Western Europe (London: Frank Cass, 2005), 228–30; Kurkcu, “Turkey.”

(g) Ganser, NATO’s Secret Armies, 229.

(h) Ganser, NATO’s Secret Armies, 230.

(i) Ganser, NATO’s Secret Armies, 230, quoting from Directive ST 31/15 for Operations against Irregular Forces.

(j) Sibel Edmonds has charged that “in 1989, while ‘most wanted’ by Interpol, [Catli] came to the U.S., was granted residency, and settled in Chicago, where he continued to conduct his operations until 1996” (American Conservative, November 2009, http://www.amconmag.com/article/2009/nov/01/00006). Other charges by Edmonds in the same article have since been corroborated by John M. Cole, a former FBI counterintelligence and counterespionage manager.

(k) “Turkey’s Pivotal Role in the International Drug Trade,” Le Monde diplomatique, July 1998; cf. Ganser, NATO’s Secret Armies, 108–9, 237–38, 298; Scott Anderson and Jon Lee Anderson, Inside the League (New York: Dodd, Mead, 1986), 147.

(179) Peter Dale Scott: “Deep Politics and the Death of JFK”, a.a.O., Seiten xi-xii.

(180) Peter Dale Scott: “The American Deep State”, a.a.O., Seite 13

(181) Ebd.

(182) Mike Lofgren: “A Shadow Government Controls America”, a.a.O.

(183) Zitiert in Peter Dale Scott: “The Road to 9/11”, a.a.O., Seite 1. An anderer Stelle, während einer öffentlichen Diskussion seines Buches The American Deep State mit David Talbot im Februar 2015, sagte Peter Dale Scott, dass das einzig Falsche an dem Ausspruch Roosevelts darin bestünde, dass er zeitlich nicht weit genug zurückgegangen wäre. Vgl. “Peter Dale Scott & David Talbot in conversation”, veröffentlicht auf Youtube am 18. Mai 2015 unter: https://www.youtube.com/watch?v=-QH9yOzhkio.

(184) Peter Dale Scott: “The American Deep State”, a.a.O., Seite 14.

(185) Ebd.

(186) Vgl. Jordan Michael Smith: “Vote all you want. The secret government won’t change”, veröffentlicht von Boston Globe am 19. Oktober 2014 unter: http://www.bostonglobe.com/ideas/2014/10/18/vote-all-you-want-the-secret-government-won-change/jVSkXrENQlu8vNcBfMn9sL/story.html?p1. Als ich ihn auf den Begriff „Doppelregierung“ ansprach, den Michael Glennon in seinem Buch National Security and Double Government (Oxford University Press, 2014) anwendet, antwortete mir Peter Dale Scott: “I talk nowadays of both a very old establishment deep state (the system), and also a mostly post-War structural (or ’Beltway’) deep state, the institutions like CIA and NSA that have grown up to project US influence abroad. Glennon’s Double Government examines the state and the structural deep state. I examine a whole spectrum of institutions (e.g. Booz Allen Hamilton) and practices that knit the various levels of the deep state together.”

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