Der globale „Kreditkarten-Krieg“ der USA

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In der Vergangenheit wandten die USA verschiedene Mechanismen an, um ihre Kriege zu finanzieren, und niemals zuvor haben die Vereinigten Staaten einen Krieg fast ausschließlich über die Aufnahme von Krediten geführt – so wie sie es nunmehr beim „globalen Krieg gegen den Terror“ tun.

Von Lars Schall

In der Vergangenheit wandten die USA verschiedene Mechanismen an, um ihre Kriege zu finanzieren; beispielsweise über die Anhebung von Steuern und den Verkauf von Kriegsanleihen. Niemals zuvor haben die Vereinigten Staaten einen Krieg fast ausschließlich über Kreditaufnahme geführt – so wie sie es nun beim anhaltenden „globalen Krieg gegen den Terror“ tun, für den sie sich seit mehr als anderthalb Jahrzehnten Gelder borgen: zu 60 Prozent im Inland bei wohlhabenden Personen (das heißt u.a. Renten- und Investmentfonds) und Regierungsbehörden wie der U.S. Federal Reserve; und zu 40 Prozent bei ausländischen Kreditgebern (wie Zentralbanken, die US-Schuldtitel erwerben). In diesem Zusammenhang wird auch von Credit-Card Wars gesprochen.

Setzt man die verschiedenen von den USA in der Vergangenheit eingesetzten Kriegsfinanzierungsmechanismen in Vergleich miteinander, ergibt sich die Tendenz, „dass die Kreditaufnahme des Staates, um für Kriege aufzukommen, zu einer größeren sozialen Ungleichheit nach dem Krieg führt. Dies geschieht, wenn Kriege über die allgemeine Staatsverschuldung im Gegensatz zu einer Kriegsanleihen-Kampagne bezahlt werden, insbesondere wenn sie mit indirekten Steuern (wie Verkaufs-, Mehrwert-, Verbrauchs- und Zollsteuern) oder einer Steuersenkung kombiniert werden. Umgekehrt führen Kriege, die über Anleihekampagnen für Bevölkerungsgruppen mit niedrigem und mittlerem Einkommen und direkte Steuern (wie Einkommens-, Vermögens- und Unternehmenssteuern) finanziert werden, zu mehr sozialer Gleichheit.“

Das heißt auf den kreditfinanzierten, von kontinuierlichen Steuersenkungen begleiteten „globalen Krieg gegen den Terror“ angewandt, dass er „zu einer wachsenden sozialen Ungleichheit in den USA geführt hat und dies auch weiterhin tun wird.“

Historisch stellte die „inländische Kreditaufnahme (…) das primäre Mittel“ dar, „mit dem die US-Regierung ihre Kriege finanziert hat. Vom Krieg von 1812 bis zum Ersten Weltkrieg wurde die Kriegsschuld von Krediten dominiert, die bei wohlhabenden Eliten und / oder Bankensyndikaten genommen wurden.“ Während der beiden Weltkriege waren „Steuern als Prozentsatz der Kriegsfinanzierung (…) von Bedeutung“: im 1. Weltkrieg wurden 30 Prozent der Kosten und im 2. Weltkrieg fast 50 Prozent der Kosten durch Steuern gedeckt. Im Koreakrieg erlebte die Kriegsfinanzierug durch Besteuerung ihren Höhepunkt; die Kosten wurden vollständig vom Steueraufkommen getragen. „Im Vergleich dazu begannen sowohl der Vietnamkrieg als auch die Kriege nach dem 11. September mit einer Steuersenkung.“ Zugleich hat „die Rolle der externen Finanzierungen, der Finanzhilfen von Alliierten und der Auslandskredite zunehmend an Bedeutung gewonnen.“

QUELLE:

Rosella Cappella Zielinski: “How Do War Financing Strategies Lead to Inequality? A Brief History from the War of 1812 trough the Post-9/11 Wars”, veröffentlicht vom Watson Institute an der Brown University am 28. Juni 2018 unter: http://watson.brown.edu/costsofwar/files/cow/imce/papers/2018/Cappella%20Zielinski_June%202018_War%20Financing%20and%20Inequality.pdf.

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