SPENGLER: Ein Handels-Sitzkrieg, kein Blitzkrieg

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David P. Goldman erwartet, dass sich China „auf einen intensiveren Handelskrieg vorbereiten“ wird, indem es alternative Lieferketten und High-Tech-Lösungen aufbaut, die chinesische Währung in ruhiger Weise als Handelswährung einsetzt und das einheimische Bankensystem gegen mögliche Schocks wappnet.

Von Spengler / David P. Goldman, Übersetzung Lars Schall

Die exklusive Übersetzung des nachfolgenden Artikels ins Deutsche für LarsSchall.com erfolgt mit ausdrücklicher und persönlicher Genehmigung von David P. Goldman. Der englische Original-Artikel erschien hier am 6. Juli 2018.

David P. Goldman, unserer Ansicht nach weltweit einer der überragenden Essayisten unserer Zeit, war in der Vergangenheit der globale Leiter für die Research-Abteilung festverzinslicher Wertpapiere bei der Bank of America (2002-2005) und der globale Leiter für Kredit-Strategie bei Credit Suisse (1998-2002). Des Weiteren arbeitete er in leitender Funktion bei Bear Stearns, Cantor Fitzgerald und Asteri Capital. Heute leitet er den Beratungsservice Macrostrategy.

Von 1994 bis 2001 war Goldman ferner Kolumnist des Forbes-Magazins. Darüber hinaus diente er während der 1980er Jahre Norman A. Bailey, dem damaligen Director of Plans des National Security Council der USA.

Auf Asia Times Online veröffentlicht er seit 2000 regelmäßig seine “Spengler“-Essays (so benannt nach dem deutschen Historiker und Philosophen Oswald Spengler). Goldman ist der Autor des Buches “How Civilizations Die (and why Islam is Dying, Too)”, veröffentlicht bei Regnery Press. Eine Sammlung seiner Essays, “It’s Not the End of the World – It’s Just the End of You”, erschien bei Van Praag Press.

David P. Goldman lebt in New York City, U.S.A.

Ein Handels-Sitzkrieg, kein Blitzkrieg

von Spengler / David P. Goldman, Übersetzung Lars Schall

Dieser Handelskrieg wird wahrscheinlich nicht dem Ersten Weltkrieg ähneln, als die gegnerischen Mächte alles, was sie hatten, in die ersten Wochen des Kampfes warfen. Er ähnelt eher dem Zweiten Weltkrieg, als der „seltsame Krieg“ oder „Sitzkrieg“ mehr als ein Jahr andauerte, ehe Deutschland in Frankreich einmarschierte.

Chinas Reaktion auf die Trump-Zölle ist begrenzt, und dies verständlicherweise. Seine Position ist paradox: Zur gleichen Zeit, da es Vergeltungszölle auf US-Waren verhängt, versucht es, die Exporte von Qualcomm-Handset-Chips an den Telekommunikationsausrüster ZTE wiederherzustellen, der gerade sein Top-Management entlassen hat, um eine erwartete Vereinbarung mit der Trump-Regierung zu erfüllen.

Würde China die US-Wirtschaft schädigen wollen, wurde weithin beobachtet, würde es die chinesischen Verbraucher ermutigen, in China verkaufte US-Waren von Apple bis hin zu Starbucks zu meiden. Es hat nichts dergleichen getan. Eine mögliche Ausnahme ist das Urteil des chinesischen Gerichts zugunsten der United Microelectronics Corporation gegen Micron, das zum Verbot bestimmter Micron-Chips führte.

Stattdessen wird sich China auf einen intensiveren Handelskrieg vorbereiten, indem es seinen Zugang zu Schlüsseltechnologien, insbesondere Halbleitern, sichert. Handset-Chips sind nach der ZTE-Affäre der offensichtlichste Fall.

Den bestinformierten Schätzungen zufolge wird China eineinhalb Jahre benötigen, um eine alternative Lieferkette zu etablieren, wobei ein nahezu unbegrenztes Forschungs- & Entwicklungs-Budget und eine fortgesetzte Kooperation von Taiwan und Südkorea, den wichtigsten Anbietern von Halbleitern nach China, vorausgesetzt wird.

Huawei zum Beispiel versorgt einige seiner Top-Mobilphone mit dem Kirin-Chipsatz. Die Chips werden von Taiwan Semiconductor hergestellt. Peking müsste sich darauf verlassen können, dass Taiwan im Falle eines umfassenden Handelskriegs mit den Vereinigten Staaten eine alternative Lieferkette unterstützen würde.

Was wir nicht gesehen haben, und auch nicht bald sehen werden, ist:

1: Die chinesische Regierung fordert, dass Verbraucher US-Marken boykottieren;
2: Eine konkurrierende Abwertung des RMB;
3: Politisch motivierte Verkäufe von US-Treasuries; und
4: Aggressivere militärische Bewegungen im Südchinesischen Meer.

Was wir sehen werden (und wonach wir vielleicht mühsam Ausschau halten müssen) ist:

1: Ein Crash-Programm, um wichtige High-Tech-Komponenten durch einheimische Substitute zu ersetzen;
2: Ruhige Bemühungen, den RMB als Handelswährung zu nutzen;
3: Die Fortsetzung des Schuldenabbaus von Finanzinstituten, um Chinas Bankensystem gegen mögliche Schocks zu stärken; und
4: Subtiler militärischer Druck auf Taiwan und Südkorea.

China wird die Absichten von Präsident Trump beurteilen wollen, bevor es über zukünftige Maßnahmen entscheidet, und gleichzeitig seine Position für den Fall einer Eskalation des Handelskrieges absichern.

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