Die klügsten Kerle im Raum 1919 – 1945: Sullivan & Cromwell

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Von den Zwanziger bis Vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts entwickelte sich die Wall Street-Firma Sullivan & Cromwell zur größten Rechtsanwaltskanzlei der Welt. Ihre Aktivitäten bieten eine ungewöhnliche, gleichzeitig aber auch unverzichtbare Perspektive auf Geschäftsgrundlagen des Dritten Reichs.

Von Lars Schall

Die klügsten Kerle im Raum 1919 – 1945: Sullivan & Cromwell

Anlässlich der Friedensvertragsverhandlungen, die nach dem Ersten Weltkrieg 1919 in Paris und Versailles stattfanden, trat eine ganze Garde junger US-Diplomaten erstmals auf großem, internationalem Parkett auf. Zu ihnen gehörte Allen Welsh Dulles, der sich bei den Vertragsgesprächen auf Fragen konzentrierte, die im Zusammenhang mit der Schaffung der Tschechoslowakei und den Gebietsabtretungen Deutschlands und Österreichs standen. Gleichzeitig war er zugunsten der US-Delegation verantwortlich für die politische Informationsgewinnung in Zentraleuropa. (1)

Im Vergleich dazu legte sein fünf Jahre älterer Bruder John Foster den wesentlich bedeutenderen Auftritt in Versailles hin. Er war 1911 bei der prestigeträchtigen Wall-Street-Kanzlei Sullivan & Cromwell untergekommen; allerdings erst, nachdem sein Großvater John Watson Foster, einstmals US-Außenminister, persönlich Fürsprache für ihn einlegte. Ursprünglich hatte der frischgebackene Absolvent der George Washington University Law School nach seinem Bewerbungsgespräch (wie schon zuvor beim Konkurrenten Spooner & Cotton) eine Abfuhr erhalten. Bewirkt durch die Intervention seines Großvaters wurde er zu einem wöchentlichen Gehalt von $12.50 schließlich doch noch eingestellt. (2)

Die bis heute bestehende Kanzlei Sullivan & Cromwell ging aus der Beziehung hervor, die der New Yorker Rechtsanwalt Algernon Sydney Sullivan (1826–1887) zu William Nelson Cromwell (1854–1948) unterhielt, der seit 1870 für Sullivan als Buchmacher arbeitete. Sullivan förderte Cromwells Talente, indem er ihm erst ein Studium an der Columbia Law School finanzierte und dann mit ihm einige Jahre später ein gemeinsames Anwaltsbüro startete. (3) Die beiden Partner ergänzten sich famos: „Sullivan brachte Geschäftsklienten, ging vor Gericht und zu öffentlichen Veranstaltungen”, indes „Cromwell im Büro blieb … und den Angestellten sein extremes Arbeitspensum aufzwang.” (4) Der 28 Jahre jüngere Cromwell „hatte ein Gehirn für Zahlen”, und „seine guten Ratschläge, endlose Energie und erfindungsreichen Methoden, um Klienten wachsen, vorankommen und dem Bankrott entgehen zu lassen, trugen ihren Teil dazu bei, den Ruf der Kanzlei, basierend auf Sullivans Arbeit vor Gericht, gedeihen zu lassen.“ (5)

Zu Cromwells Mandantenkreis gehörten der deutschstämmige Unternehmer Henry Villard, der Eisenbahn-Magnat Edward Henry Harriman und der Banker John Pierpont Morgan. Letzterer war ein Mandant sowohl bei der Gründung von General Electric wie auch der National Tube Company und der United States Steel Company – wobei U.S. Steel „das erste amerikanische Unternehmen mit einer Kapitalsumme von einer Milliarde Dollar” wurde. (6) „Vielleicht war es sogar Cromwell, der Morgan auf die Idee gebracht hatte, die Stahlindustrie mit U.S. Steel zu vereinen, wie Morgans Mann für Öffentlichkeitsarbeit, Ivy Lee, behauptete. Es gab aber auch andere, die die Originalidee für sich beanspruchten, denn statt einfach seinen Wunsch zuzugeben, alles verkaufen und sich zur Ruhe setzen zu wollen, verbreitete Andrew Carnegie Gerüchte, dass er Konkurrenz für zwei von Morgan unterstützte Firmen, die Pennsylvania Railroad und die National Tube Company, ins Leben rufen würde. Morgan sah sich gezwungen, den listigen Schotten auszubezahlen, um diese Herausforderungen zu vermeiden. Obwohl Morgan 500 Millionen Dollar an Carnegie bezahlte, war er derjenige, der ein paar Jahre später zuletzt lachte, da Carnegie ihm gestand: ,Ich hätte 100 Millionen mehr von Ihnen verlangen sollen‘, und Morgan antwortete: ,Nun, die hätten sie bekommen, wenn sie es getan hätten.‘“ (7)

Cromwell beaufsichtigte bei der Firmengründung die Herausgabe von Aktien im Wert von $550 Millionen und von Anleihen im Wert von ebenfalls $550 Millionen. „Die Anleihen repräsentierten den Vermögenswert der neuen Firma und die Aktien das Profitpotential. Anleihen wurden als sichere Investition angesehen, die Aktien als Risiko, basierend auf dem Wachstum der Firma. Dreihundert Insider, unter ihnen Cromwell, erhielten für 25 Millionen Dollar Aktien der neuen Firma im Wert von 200 Millionen Dollar. Innerhalb des ersten Monats stiegen die Aktien um 10 Prozent. …  Cromwell selbst bekam Anteile im Wert von 2 Millionen Dollar, für die er 250.000 Dollar bezahlte. Er und andere Insider erhielten durch eine Sonderdividende das Dreifache ihrer ursprünglichen Investition zurück, und trotz gelegentlicher Anteilsverkäufe blieb U.S. Steel ein wesentlicher Teil von Cromwells Vermögen bis zu seinem Tod ein halbes Jahrhundert später.” (8)

Einen weiteren Teil seines Vermögens verdiente Cromwell, der sich den Ruf eines cleveren Anwalts erwarb, „der die Räuberbarone lehrte, wie man raubt“, (9) durch die langjährige Arbeit, die er zur Verwirklichung des Panamakanals leistete.

Er war es schließlich auch, der John Foster Dulles nach der Fürsprache von John Watson Foster bei Sullivan & Cromwell einstellte. Nachdem die Kanzlei „schon im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts auf dem Gebiet des internationalen Rechtsbeistandes Pionierarbeit geleistet“ hatte, wenn es um die Interessen von Banken, Unternehmen und Syndikaten reicher Investoren ging, sollte es zu Dulles‘ vorrangiger Aufgabe werden, „sicherzustellen, dass diese Dienstleitungen sich auch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts weiterentwickelten. Zu seinen ersten Kunden in seinen frühen Jahren bei Sullivan & Cromwell gehörten das mächtige deutsch-amerikanische pharmazeutische Unternehmen Merck & Co, französische Banken, die in den Eisenbahnbau in Brasilien investierten, US-amerikanische und britische Banken, die Nikaragua aufkauften, und ein Syndikat sehr großer US-Investoren, die ihre Finanzen zusammengelegt hatten, um in europäische Aktien und Anleihen zu investieren.“ (10)

1915 wurde der Onkel von John Foster Dulles, Robert Lansing, Außenminister der Vereinigten Staaten, als William Jennings Bryan nach der Versenkung des Schiffes Lusitania zurückgetreten war, „weil er dachte, dass Präsident Wilson, der neutral zu bleiben geschworen hatte, absichtlich eine deutsche Aggression provoziert habe, um Amerika in den Krieg hineinzuziehen. Da die Lusitania ein bewaffnetes britisches Schiff war, hatten die Deutschen den USA geraten, keine Amerikaner an Bord gehen zu lassen. Wilson ignorierte die Warnung, zum Teil, so vermutete Bryan, um amerikanischen Zorn gegenüber den Deutschen zu wecken.” (11)

Kurz bevor die USA am 6. April 1917 dem Deutschen Reich den Krieg erklärten, schickte Lansing seinen Neffen auf Erkundungstour nach Nikaragua, Costa Rica und Panama, um herauszufinden, wie die dortige Unterstützung im Falle eines Kriegseintritts der Vereinigten Staaten aussah. Den Diktator Nikaraguas, General Emiliano Chamorro, konnte Dulles veranlassen, die diplomatischen Beziehungen zu Deutschland zu kappen. (12) Der Führung Panamas sicherte Dulles im Gegenzug für eine Kriegserklärung an Deutschland steuerliche Vergünstigungen bei den Einnahmen des Panamakanals zu; der Wunsch der USA wurde erfüllt. (13)

Im Anschluss fungierte Dulles zunächst beim War Trade Board als Verhandlungsspezialist für politisch-ökonomische Fragen, ehe er „einer der wichtigsten Repräsentanten des State Departments bei der Pariser Friedenskonferenz von 1919“ wurde. (14) Sein von Bernard Baruch geförderter Part war es, Norman Davis, dem Hauptverhandlungsführer der USA, als ein auf „deutsche Kriegsreparationen und damit zusammenhängende finanzielle Angelegenheiten“ spezialisierter Assistent zu dienen. (15) Zum Zeitpunkt, da Dulles in Paris zur Friedensverhandlung eintraf, war er lediglich ein Junior Legal Councel der amerikanischen Delegation. „Als er ein paar Monate später wieder abreiste, hatte er sich aus eigener Kraft zu einem wichtigen Verhandlungsführer aufgeschwungen. Er entwarf einen großen Teil der vorgeschlagenen Vertragsformulierungen, die Kriegs-Reparationszahlungen betrafen, und er wurde zum bedeutendsten US-Rechtsexperten auf diesem lukrativen neuen Gebiet.“ (16) Tatsächlich konnte seine Frau Janet in einem Brief stolz an seine Mutter vermelden: „Foster hat eine Kopie des Abkommens und ein großer Teil der Reparations- und Entschädigungsklauseln darin sind genauso, wie Foster sie schrieb!” (17)

Beobachtet von William Cromwell, der sich während des Ersten Weltkriegs in einer Suite im Hotel Ritz an der Place Vendôme einquartiert hatte, (18) erwies sich Dulles in Versailles „unentbehrlich als Verhandlungsführer ohne eigene Meinung“, während andere der jungen amerikanischen Delegierten frustriert hinschmissen, „weil, wie William C. Bullitt, einer von ihnen, schrieb: ,unsere Regierung sich auf … neue Unterdrückungen, neue Unterwerfungen und neue Zersplitterungen eingelassen hat – ein neues Jahrhundert des Krieges.‘“ (19)

Das Hauptaugenmerk von Norman Davis und der US-Delegation bei den Reparationsverhandlungen lag darauf, „die Handelsmaschine neu zu starten, die vom Krieg zum Erliegen gebracht worden war. Ohne eine wirtschaftliche Erholung Deutschlands, schrieb Norman Davis, ,ist es für den Rest Europas unmöglich, zurück an die Arbeit zu gehen und zu florieren. Es ist für die zukünftige Stabilität Europas das Allerwichtigste, dass [Geschäfts-]Vertrauen und Kredit wiederhergestellt werden, solange irgendeine große Nation in Europa unter einer finanziellen Last keucht, von der die Investoren der Welt denken, sie könne sie nicht schultern.‘ Davis sprach nicht einfach nur in einem  abstrakten Sinn von Stabilität, sondern er sprach von einer besonderen Ordnung; einer Ordnung, die ,die Investoren der Welt‘ für tragfähig halten. Die Aufgabe war, Mittel- und Osteuropa aus dem Monarchismus des 19. Jahrhunderts ohne eine Revolution wie die in Russland in den modernen Kapitalismus überzuleiten.“ (20)

Dulles zeigte sich dieser Auffassung gegenüber nützlich, und quasi zur Belohnung erhielt er Zugang „zur aufkeimenden Machtstruktur der Nachkriegszeit“, einhergehend mit dem „täglichen Arbeitskontakt zu Staatsmännern, die seinen derben Intellekt zu schätzen wussten.“ (21) Sobald er aus Paris in New York zurück war, ernannte ihn William Cromwell zum Partner in der Kanzlei Sullivan & Cromwell. (22) „Cromwell erkannte in seinem jungen Protegé einen verwandten Geist. Beide machten sich leidenschaftlich Gedanken um internationale Angelegenheiten, mit Zugang und der Fähigkeit, die Staatsoberhäupter der Welt zu bezaubern. Für Cromwell war Dulles die perfekte Verbindung zwischen seinen eigenen Interessen und die zwar lukrative, aber prosaische Aktivität der Kanzlei“, während Dulles eine Wall Street-Karriere „abseits des eintönigen Lebens der meisten Anwälte“ offen stand: „Für jeden anderen war selbst eine Partnerschaft keine Garantie dafür, über der Plackerei ordinärer Arbeit zu stehen, doch für Dulles war die Partnerschaft die Bestätigung, dass er sich niemals mehr mit Routinearbeit befassen musste.“ (23)

In den Folgejahren entwickelte sich John Foster Dulles auf juristischer Ebene zu einem der wichtigsten Akteure, als die Wall Street dazu überging, ein gerüttelt Maß an US-Dollar nach Europa zu verleihen, insofern er den Syndikaten als Berater diente, die den Dawes- und den Young-Plan finanzierten. Durch den Dawes-Plan wurde „eine Ära deutscher Prosperität“ initiiert, welche auf Kredite gründete, die aus den Vereinigten Staaten flossen – „eine desaströse Formel, die Sullivan & Cromwell energisch förderte.“ (24) So wurde für die Essener Krupp Stahlwerke (und dem Anleihe-Emittenten J. & W. Seligman & Company) die erste amerikanische Anleihe eines deutschen Konzerns überhaupt von Sullivan & Cromwell organisiert, maßgeblich eingefädelt von John Foster Dulles. (25) Und das war nur der Auftakt „zu einer unglaublichen Ära, als Sullivan & Cromwell einen großen Bereich amerikanischer Investitionen dominierte.“ Die Banken konkurrierten regelrecht miteinander darum, dass Sullivan & Cromwell für sie nach deutschen Kunden suchte. Schon im ersten Jahr des Dawes-Plans flossen 150 Millionen US-Dollar aus den USA gen Weimarer Republik –  „eine Summe, die sogar der deutschen Regierung Sorgen bereitete. Sie warnte vor dem ,unbedachten Platzieren deutscher Anleihen auf dem amerikanischen Markt, insbesondere wenn die Leihnehmer deutscher Nationalität und die Zwecke nicht produktiv sind.‘“ (26)

Das Außenministerium der USA sah die Entwicklung ebenfalls mit Sorgen. Durch Artikel in Foreign Affairs und öffentliche Auftritte versuchte Dulles diese Sorgen fortzujagen. „Seine Reden wurden in den Zeitungen abgedruckt, insbesondere dann, wenn er sich und seine Kollegen für den Dawes-Plan lobte, und für die ,finanzielle und wirtschaftliche Wiederbelebung, welche vielleicht die bemerkenswerteste Leistung dieser Art ist, die die Welt jemals kannte.‘“ Es handelte sich in seinen Worten um „einen weisen und konstruktiven und entschiedenen Einsatz der finanziellen Macht dieser Nation.” (27)

Sullivan & Cromwell beaufsichtigte die Herausgabe einer schier „endlosen Serie an deutschen Anleihen“, und die Aufträge ergingen so schnell, dass Fehler in den begleitenden Prospekten auftauchten. Manche wurden vor Veröffentlichung nicht gründlich korrekturgelesen, „was wohl kaum überraschend war, wenn man sieht, wie verzweifelt die Versuche wurden, neue Anleihen zu akquirieren. Andere waren absichtlich irreführend. Ein bayrischer Anleihe-Prospekt aus dem Jahre 1926 begann: ,Bayern hat eine exzellente finanzielle Geschichte‘, dabei die Zeitspanne vor 1914 diskutierend, wohingegen Bayern im Jahr zuvor, 1925, seine Schulden nicht mehr begleichen konnte.“ (28)

1931 wunderte sich der Finanzminister Preußens im Rückblick: „Zwischen 1925 und 1926 verging nicht eine Woche, in der nicht Repräsentanten amerikanischer Banken zu mir kamen, aus eben diesem Grund (Kredite erzeugen). Die deutschen Behörden wurden mit Darlehensangeboten aus dem Ausland regelrecht überschwemmt.” (29) Die mit Abstand führenden US-Banken bei diesen Anleihegeschäften waren die National City Bank und Dillon, Read & Company. (30)

Inzwischen war John Foster Dulles 1927 zum alleinigen Geschäftsführer bei Sullivan & Cromwell ernannt worden, nachdem „der bejahrte William Cromwell selbst den hart arbeitenden, sich selbstverherrlichenden Dulles auswählte, die Firma zu leiten.” (31) Bis dahin hatte sich Dulles als „ein unersättlicher und genauer juristischer Handwerker, ein Savonarola bei Gerichtsverfahren” erwiesen. (32)

Unter seiner alleinigen Geschäftsführung entwickelte sich Sullivan & Cromwell für die folgenden zwei Jahrzehnte zur größten Rechtsanwaltskanzlei der Welt. (33) Um dem Andrang Herr zu werden, der durch amerikanische Kreditgeber entstand, gründete Sullivan & Cromwell schließlich eine Kanzlei in Berlin, die von Heinrich Albert geleitet wurde. (34)

Dulles hatte sich zunehmend auf die rechtlichen Aspekte hinsichtlich der deutschen Reparationen spezialisiert. Sein Dienst in der Versailler Reparationskommission hatte ihm „die Vertrautheit des Insiders mit den erlesenen Finanzabteilungen in jenem Europa“ verschafft, „das aus dem Großen Krieg hervorging, und das ermöglichte ihm den Sprung“ zu weiteren Taten. „Schon 1920 durchstreifte er den Kontinent, ,um einige Untersuchungen anzustellen und einige Verhandlungen im Interesse amerikanischer Bankiers zu führen‘, wie er an einen Bekannten schrieb, ,die in Deutschland, Polen und der Tschechoslowakei zu investieren wünschen.‘ Fosters Unterstützer taten sich zusammen, um die Overseas Securities Corporation aufzubauen, in der er Rechtsberater sein sollte. Gleichzeitig sagte Foster zu, als Berater der U.S. Governments War Finance Corporation zu fungieren, einer Einrichtung, die amerikanische Exporte garantierte, wenn die üblichen Kanäle versagten.“ (35)

Zudem war er vom Bankhaus J.P. Morgan 1923-24 dem Dawes-Komitee als Sonderberater empfohlen worden. Banken aus den USA und Großbritannien hatten das Komitee in der Hoffnung auf den Weg gebracht, „einen Ausweg aus dem Sumpf der Reparationen zu finden. Dulles half bei der Entwicklung eines Planes, nach dem US-amerikanische und ausländische Banken der Reichsbank neue Darlehen gaben. Diese benutzte das Geld zur Zahlung von Reparationen an Großbritannien, Frankreich und andere europäische Mächte, die im Gegenzug die Kriegsanleihen, die sie von den USA bekommen hatten, abzahlten. Dieses Finanz-Karussell schuf Millionen Dollar an Zinszahlungen an die internationalen Kreditgeber und ließ Darlehen, die Milliarden von Dollar wert waren, noch ein wenig länger fortlaufen. Wie lange das geliehene Geld weiterhin rotieren können würde, war eine offene Frage, aber solange es funktionierte, wurde John Foster Dulles als Meister des internationalen Finanzwesens gefeiert.“ (36)

Zur gleichen Zeit leistete Sullivan & Cromwell „Pionierarbeit mit der Schaffung eines ähnlichen Systems für private US-Investitionen“ in der Weimarer Republik. Amerikanisches Geld suchte Anlagemöglichkeiten in Übersee: „Die Vereinigten Staaten gingen mit einer Währung und Industrie aus dem Ersten Weltkrieg hervor, die stärker als je zuvor waren, jedenfalls solange Großbritannien und andere Schuldner ihre Rechnungen bezahlten. Der Boom der 1920er Jahre, angetrieben von Imperialismus, billigem Öl und einer aufstrebenden Automobil-Wirtschaft in den USA, schuf enorme Mengen an Investmentgeldern in den Banken von New York und Boston.“ Diese Gelder flossen in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre größtenteils nach Deutschland, dem „wichtigsten internationalen Markt für das Recycling des neuen privaten Reichtums in den USA“. Das Recycling geschah durch die Vergabe von „Darlehen an die deutsche Industrie, direkte US-Investitionen in deutsche Unternehmen, Entwicklungs-Darlehen an deutsche Städte und Dawes-Plan-Kredite im Wert von  Millionen von Dollar, die indirekt die deutschen Kriegsreparationen finanzierten. Der Umfang des Kapitalflusses von den USA nach Deutschland in den 1920er Jahren ist niemals vollkommen dokumentiert worden, aber der Teil davon, der verfolgt werden kann, kommt insgesamt 1,5 Milliarden nahe, worin die Dawes-Plan-Kredite noch nicht enthalten sind. In heutiger Währung würde die Summe einige zehn Milliarden Dollar betragen.“ (37)

Die Direktinvestitionen, die US-Unternehmen bei deutschen Firmen eingingen, lassen sich vom Umfang her mit dem Wort „beträchtlich“ umschreiben. (38) Die Chancen, „sich zum Schnäppchenpreis in die europäischen Märkte einkaufen“ zu können, standen äußerst günstig. (39) So erwarb die International Telephone and Telegraph Corporation (ITT) „in den späten 1920er und frühen 1930er Jahren ein halbes Dutzend deutscher Fabriken für Telekommunikationsausrüstung, während General Motors 1929 die Kontrolle des Adam-Opel-Unternehmens übernahm (und damit etwa 40 Prozent des deutschen Automobil-Marktes). Zu dem Abkommen gehörte, dass Fritz Opel ins Direktorium eintrat. Ford Motor Company baute eine große Fabrik in Köln und nutzte diese dazu, Autos für ganz Mittel- und Osteuropa herzustellen. Es gab auch Gemeinschaftsunternehmen, z. B. die Verträge von IG Farben mit Standard Oil of New Jersey, von denen einige, wie sich herausstellte, US-Recht verletzten. General Electric kaufte wesentliche Anteile der deutschen Elektronik-Riesen AEG und Siemens und startete Gemeinschaftsunternehmen mit beiden Firmen.“ (40)

Diese Direktinvestitionen aus den USA konzentrierten sich „in den Händen von weniger als zwei Dutzend großen Unternehmen“. (41) Die Wirtschaftshistorikerin Mira Wilkins berichtet, dass folgende US-Firmen das Geschäft mit Deutschland bestimmten: „Öl- und Chemie-Unternehmen wie du Pont, Standard Oil of New Jersey und Texaco, Nahrungsmittel- und Verbraucher-Produkt-Unternehmen wie Corn Products Refining Co. (heute CPC International) und United Fruit, dazu Bergwerksunternehmen wie American Metal (heute AMAX), Anaconda, International Nickel (mit Sitz in Kanada, aber in amerikanischem Besitz) und die großen Guggenheim-Minen-Interessen.“ Die am stärksten engagierten Industrie-Investoren der USA waren dem Anschein nach „Automobil-  und Leichtindustrie-Unternehmen, darunter Ford, GE, GM, Goodrich, IBM, International Harvester, ITT, National Cash Register (Gemeinschaftsunternehmen mit Krupp), Singer und einige kleinere Unternehmen.“ (42)

Verwaltet wurde der riesige Kapitalfluss, der nach Deutschland hinüberschwappte, „fast ohne Ausnahme (…) von einer kleinen Gruppe von Spezialisten“, (43) wie etwa den privaten Investmentbankern des Hauses Dillon, Read & Co, die sich um Darlehen an Flick, Siemens und die Deutsche Bank kümmerten. (44) „Zwischen 1925 und dem Börsen-Crash von 1929 stiegen diese Darlehen auf mehr als eine Viertel Milliarde Dollar an. Friedrich Flick baute in den 1920er Jahren sein Vermögen auf und benutzte Anleihen, die Dillon, Read & Co verkaufte, um fremdfinanzierte Firmenübernahmen von deutschen und polnischen Kohle- und Stahl-Unternehmen durchzuführen. Der größte Teil des Eigenkapitals von Dillon, Read & Co war Öl-Geld, darunter wesentliche Summen von den Rockefeller-, Draper- und Dillon-Familien. Der größte Teil des Geldes jedoch, das an Deutschland geliehen wurde, wurde über Kommanditgesellschaften auf den US-Märkten erhoben.“ Im Umkehrschluss bedeutete dies, dass das Haus Dillon, Read & Co und seine wichtigsten Partner bereits ausgezahlt waren, als Deutschland in den frühen 1930er Jahren hinsichtlich einer Reihe von Darlehen zahlungsunfähig wurde. Kleinere Anleger, die sich an diesen Anleihegeschäften beteiligt hatten, mussten dagegen herbe Verluste hinnehmen. (45)

Unter den Führungskräften von Dillon, Read & Co befanden sich zur damaligen Zeit „James Forrestal (später US-Verteidigungsminister), William Draper (später Wirtschaftschef der US-Militärregierung während der Besetzungen Deutschlands und Japans durch die USA), Paul Nitze (bekannter US-Diplomat und nationaler Sicherheitsberater), Ferdinand Eberstadt (später Vizevorsitzender des War Production Board und eine zentrale Figur bei der Schaffung der CIA) und C. Douglas Dillon (US-Diplomat und später Finanzminister).“ (46)

Ähnlich prominent wie Dillon, Read & Company war eine weitere Wall-Street-Firma besetzt, die sich auf den Handel zwischen den USA und Deutschland spezialisierte hatte, Brown Brothers Harriman. An ihrer Spitze stand William Averell Harriman, „dessen Familien-Vermögen mit dem der Rockefellers konkurrierte. Harriman wurde für die folgenden fünfzig Jahre eine der einflussreichsten Gestalten in der US-Außenpolitik. Zu seinen wichtigsten politischen Verbündeten, die auch als ranghohe Manager der Bank dienten, gehörten Robert Lovett (später US-Verteidigungsminister) und Prescott Bush (bekannter Senats-Abgeordneter und Vater des US-Präsidenten).“ (47)

John Foster Dulles wiederum, das lässt sich aus seinen Notizbüchern rekonstruieren, zählte zu seinen Kunden „so gut wie alle bedeutenden US-Banken, die sich mit internationalem Handel befassen: J.P. Morgan & Co.; Kuhn, Loeb & Co.; Lee, Higginson & Co.; Brown Brothers, Harriman und die eng mit ihnen verbundene W. A. Harriman & Co.; Dillon, Read & Co.; Guaranty Trust Company of New York; First National Corporation of Boston und weitere von ähnlichem Kaliber.“ (48) Zumeist arbeitete Dulles an „komplexen drei- oder vierseitigen Finanzprojekten“, deren Erfolg von seinem Verhandlungsgeschick einerseits und seinen Kontakten zu ausländischen Regierungen andererseits abhing. „Normalerweise traten Privatbanken und Maklergesellschaften an führende deutsche und andere ausländische Unternehmen, Banken und Kommunalverwaltungen heran“, indem sie ihnen Darlehen in US-Dollar anboten – etwa für den Bau neuer Fabriken. Wenn das Geschäft zustande kam, wurden Anleihen im Wert von Millionen von Dollar ausgestellt und unterhalb des Marktpreises an die Klienten von Dulles verkauft. Diese verkauften die erworbenen Anleihen an andere US-Banken oder einzelne Investoren zu höheren Preisen weiter. Für gewöhnlich erhielten „Dulles und Sullivan & Cromwell zwei oder drei Prozent des Gesamtwertes der Anleihen für die von ihnen geleisteten Dienste“. (49)

Aber nicht nur Unternehmen, sondern auch ausländische Regierungen gehörten zu den Schuldnern, mit denen Dulles als Mittelsmann arbeitete, darunter so „verschiedene Regierungen wie die von Argentinien, der Tschechoslowakei und Dänemark. Dulles legte jedoch eindeutig besonderen Wert auf Projekte für Deutschland, die Militär-Junta in Polen und Mussolinis faschistischen Staat Italien.“ (50)

Paul Nitze schrieb in seiner Autobiographie über eine aufschlussreiche Unterredung, die er 1929 mit Clarence Dillon gehabt hatte, dem Vorsitzenden von Dillon, Read & Company. Sein Förderer erzählte Nitze, dass in dem vorangegangenen halben Jahrhundert „die New Yorker Bankgemeinde mehr Einfluss als die Politiker in Washington ausgeübt“ hätten. Im Laufe der gesamten Geschichte seien Gemeinschaften immer von Gesellschaftselementen „aus dem einfachen Volk oder aus der Aristokratie beherrscht“ worden – „und von Zeit zu Zeit von wohlhabenden Finanzleuten. Dieses letztere Element fand seinen Weg an die Spitze der Hierarchie in den Stadtstaaten Italiens während der Tage der Medici, eine Zeit lang in Frankreich und … in den Vereinigten Staaten.“ (51)

Die „wohlhabenden Finanzleute“, die es in den USA „an die Spitze der Hierarchie“ geschafft hatten, übten „großen Einfluss auf die Außenpolitik der USA“ aus, „was sich oftmals direkt im Foreign Service, bei den Diplomaten des Außenministeriums, zeigte. Wie Nitzes eigene Karriere demonstrieren sollte, gab es eine Drehtür zwischen dem internationalen Dienst für große Banken und Anwaltskanzleien einerseits und Posten im US-Außenministerium andererseits. Es gab auch einiges an Familienbande, wie sich etwa zeigte, als Allen Dulles im Auswärtigen Dienst (Foreign Service) blieb und sein Bruder zu Sullivan & Cromwell zurückkehrte.“ (52)

Die Top-Diplomaten im Foreign Service und die Top-Investmentbanker der Wall Street „hatten häufig die gleichen Privatschulen und Eliteuniversitäten besucht“, und oftmals „gehörten sie derselben Gesellschaftsschicht an und teilten die gleichen Ansichten bei Themen, die von (…) Geopolitik bis hin zum Kleidungsstil reichten.“ (53) Wichtig unter den Führungskräften des Foreign Service wurden George Kennan, Robert Murphy, Loy Henderson, Joseph Grew, Hugh Gibson, James Clement Dunn, Elbridge Durbrow, Ray Atherton und Arthur Bliss Lane. Sie „und eine Handvoll anderer Persönlichkeiten“ bildeten „das Rückgrat des Foreign Service“ – vor allem bezüglich „sämtlicher Aspekte der europäisch-amerikanischen und (später) der sowjetisch-amerikanischen Beziehungen“. (54) Dieser Personenkreis wähnte, die UdSSR sei im Vergleich zu Deutschland der „langfristig gefährlichere Gegner für die USA“, und er beabsichtigte, „Mitteleuropa in irgendeine Form von Pufferzone gegen die Bolschewiken“ einzubinden. (55) Die von diesen Personen vertretenen Postulate wurzelten in den von Daniel Yergin („Der zerbrochene Frieden“) so bezeichneten „Riga-Axiomen“, die sich in den 1920er Jahren unter den Foreign Service-Mitarbeitern in Riga, Berlin und Warschau herauskristallisierten. Wie von Yergin und anderen Forschern aufgezeigt wurde, wirkten sich die Überzeugungen der Riga-Gruppe dauerhaft auf das Verhältnis zwischen den USA und der UdSSR aus. (56) Noch stärker vielleicht aber geriet „der Einfluss der Riga-Gruppe auf die amerikanisch-deutschen Beziehungen, insbesondere nachdem Hitler an die Macht gekommen war.“ (57) William C. Bullitt etwa, der erste US-Botschafter in Moskau binnen der Roosevelt-Ära, verließ die Sowjetunion mit der Überzeugung, „dass nur Nazi-Deutschland den Vormarsch des Sowjet-Bolschewismus nach Europa stoppen könnte“. (58)

Außerhalb des Foreign Service fanden die „Riga-Axiome“ nachhaltig Unterstützung durch John Foster Dulles, James Forrestal, Paul Nitze, Charles Edward Wilson, Philip Reed und „Führungspersönlichkeiten des integrierten Du Pont/General Motors/U.S. Rubber-Imperiums jener Zeit“. (59)

Auf der anderen Seite des Atlantiks traten im Deutschen Reich ähnliche Entwicklungen zwischen den Banken und Anwaltskanzleien auf, wie wir sie für die USA darstellten. Heinrich Albert beispielsweise, tätig bei der Berliner Kanzlei Albert & Westrick, zählte zu den „wichtigsten deutschen Förderern von US-Krediten an Deutschland während der 1920er Jahre“. (60) In den Hitlerjahren übernahm er die Geschäftsführung des deutschen Ford Motor-Tochterunternehmens und diverser anderer US-Unternehmen im Deutschen Reich. Zu John Foster Dulles unterhielt Albert enge Beziehungen: „er arbeitete mindestens dreißig Jahre lang bei einer Fülle von Projekten mit ihm zusammen.“ (61)

Zwischen der Industrie und dem Finanzsektor im Deutschen Reich existierte in den 1920er/30er Jahren eine sehr enge Verzahnung, so dass beide Bereiche „von einer Handvoll mächtiger Unternehmen kontrolliert“ wurden. (62) Es gab weder Anti-Kartell- noch Anti-Monopolgesetze, die dem einen Riegel vorgeschoben hätten. Die resultieren Großorganisationen, „Trusts“ genannt, waren „darauf ausgerichtet, Preise zu diktieren, Wettbewerber aus bestehenden Märkten herauszuhalten und die Ausübung politischer Macht zu koordinieren. Dies führte zu einem dicht geknüpften Netz von weniger als 300 Personen, die die Führungspersönlichkeiten und Unternehmensleitung praktisch jedes Großunternehmens im Land stellten. Innerhalb dieses Kreises konzentrierte sich die Macht auf die größten Banken, Versicherungsgesellschaften und Produktionsunternehmen.“ (63)

Aufgrund der mit ihnen verbundenen Industriekonzerne und der wechselseitigen Geschäftsleitungs- und Finanzverflechtungen, die zwischen beiden Häusern gepflegt wurden, übten unter den Banken insbesondere die Deutsche Bank und die Dresdner Bank großen Einfluss aus. (64)

Der Vorstand und einzelne Führungsmitglieder der Deutschen Bank saßen während der 1930er Jahre in den Leitungsgremien von rund 525 anderen deutschen Unternehmen. (65)  „Die Deutsche Bank hatte nicht weniger als drei gemeinsame Direktoren mit der Allianz-Versicherungsgruppe (der weltweit größten Versicherungsgesellschaft), sechs gemeinsame Direktoren mit Daimler Benz, vier mit der vorgeblichen Daimler-Konkurrentin BMW, fünf mit dem Mannesmann-Stahlkonzern, vier mit dem Elektroriesen AEG, drei mit dem Kohle- und Stahlspezialisten Hoesch AG, sechs mit einem der größten deutschen Rüstungsunternehmen DEMAG und nicht weniger als acht mit der Siemens-Firmengruppe, die seit Generationen den deutschen Markt für Elektrotechnik und Kommunikationsausrüstungen beherrschte. In der Tat kann man gut und gern sagen, dass die Deutsche Bank, Mannesmann und Siemens als eine wirtschaftliche Einheit groß geworden sind.

Die Dresdner Bank als zweitgrößte deutsche Bank war in den 1920ern und 1930ern ebenfalls mit führenden Unternehmen liiert, darunter das Krupp-Imperium und Stahlmagnat Friedrich Flick. In späteren Jahren finanzierte die Dresdner das System der SS-Konzentrationslager und die staatlich gesponserten Hermann-Göring-Werke, die als weitreichende Holdinggesellschaft für Dutzende von den Nazis beschlagnahmte Bergbau-, Stahl- und Rüstungsunternehmen diente.“ (66)

Zwar konkurrierten die Deutsche Bank und die Dresdner Bank miteinander, wenn es um die Erlangung geschäftlichen und politischen Einflusses ging; „gleichzeitig arbeiteten sie oft bei Geschäften für Firmentrusts zusammen, die einfach zu groß für eine Bank allein waren, wie zum Beispiel für das Chemiekombinat I.G. Farben und die Vereinigten Stahlwerke.“ (67)

Die Elite-Akteure auf Seiten der USA und Deutschlands bildeten „eine vergleichsweise kleine Gruppe“, selbst unter dem Gesichtspunkt betrachtet, dass sie sich „in der geschlossenen Welt des amerikanischen und deutschen Rechts- und Bankensektors“ bewegten. (68) Außenpolitische Zusammenhänge gehörten zu ihren Spezialitäten, und „im Laufe von zehn, zwanzig, ja sogar dreißig Jahren bauten sie starke Beziehungen zueinander auf. Sie teilten oft die gleichen Überzeugungen im Hinblick auf soziale Klassen, Geschäfte und die Bedeutung der amerikanisch-deutschen Beziehungen. In vielen Fällen waren sie auch über Geschäftspartnerschaften und Beteiligungen miteinander verbunden.“ (69) Und so hieß „der Kitt, der diese Gruppen zusammenhielt“, Handel, nicht Politik – „das heißt, zumindest nicht Politik im engen Sinne dieses Begriffs.“ (70) Allen Dulles zum Beispiel gehörte in den 1930er Jahren an der Wall Street durchaus zu denen, die vor den Nazis warnten; zugleich arbeitete er für die United Fruit Company, die „auf internationaler Ebene maßgeblich daran beteiligt war, Wege zu finden, den Handel mit Deutschland trotz Hindernissen seitens der amerikanischen und britischen Regierung auszuweiten“. (71)

Der zeitweilig auftretenden Differenzen zum Trotz, „teilten diese amerikanisch-deutschen ,Referenzgruppen‘ oder ,Verbindungsgruppen‘, wie die Soziologen sie nannten, gemeinsame Überzeugungen, die für sie weitaus fundamentaler waren: die zentrale Bedeutung des Erhalts der Lebensfähigkeit des Kapitalismus als nationales und globales Wirtschaftssystem, und die Schlüsselrolle der produktiven Kapazitäten und Märkte in den USA und Deutschland im Rahmen dieser Anstrengungen. Gemessen an diesem grundlegenderen Werten wurden die Nazis und ihr ganzer brutaler Apparat von einem Großteil der Elite als etwas Vorübergehendes gesehen, zumindest in den 1920er und 1930er Jahren.“ (72)

Später, nachdem ein weiterer Weltkrieg vonstattengegangen war, sollte John Foster Dulles den Prozess, an dem er kontinuierlich teilnahm, in diese Worte fassen: „Die Reparationsgläubiger hatten innerhalb Deutschlands eine Maschine errichtet, die beabsichtigte, das Zahlen von Reparationen zu ermöglichen, die aber tatsächlich Deutschland in die Lage versetzte, den vernichtendsten Krieg aller Zeiten vom Zaun zu brechen.” (73)

Indes Foster im Zuge dieses Prozesses zu einem der bestbezahlten Anwälte der Wall Street aufstieg, trat sein jüngerer Bruder Allen im diplomatischen Dienst zunehmend auf der Stelle. Notgedrungen holte er Mitte der 1920er Jahre an der George Washington University ein Jura-Studium nach, um im Anschluss bei Sullivan & Cromwell unterzukommen, wo sein Bruder fünf Monate zuvor verantwortlich für das Einstellen neuer Rechtsanwälte geworden war. (74) Zugleich bekam Allen den Mitgliederstatus im Council on Foreign Relations verliehen und entwickelte sich zu „einem verlässlichen Mitwirkenden bei Foreign Affairs“. (75) 1930 stieg auch Allen zum Partner bei Sullivan & Cromwell auf. Seine Spezialität bestand im Aufspüren von Möglichkeiten zur Umgehung von Regularien und Verboten der US-Regierung. Mandanten wie die Mellons (76) und Dupont (77) dankten es ihm, dem „praktischen Problemlöser mit einem pfiffigen Wissen von der Welt.“ (78) Im Großen und Ganzen war es jedoch weiterhin Foster, „der sich in wichtigen Aufsichtsratsposten sonnte“ und „die Finanz-Schlagzeilen in gefeierten Gerichtsverfahren beherrschte. Allen hielt die Klienten zweiten Ranges ruhig, besuchte von Zeit zu Zeit Paris, und sah in den beiden kleinen Büros vorbei, die Sullivan und Cromwell in Hamburg und im Esplanade in Berlin unterhielt.“ (79)

Als man sich in Deutschland anschickte, einen großdeutschen Demagogen aus Braunau am Inn zum Reichskanzler zu machen, erhielt Foster im Mai 1932 einen Brief von Allen, in dem zu lesen war: „Mit der preußischen Wahl scheint die Frage der Beteiligung des Hitler-Faktors in der preußischen Regierung und anschließend in der Reichsregierung erneut aufgeworfen zu werden. Ich persönlich hoffe, dass diese Beteiligung geklärt wird, da ich glaube, dass jede Regierung in Frankreich kaum irgendwelche weit reichenden Vereinbarungen mit einer deutschen Regierung eingehen wird, die nicht in irgendeiner Weise von dem Hitler-Element unterzeichnet oder abgesegnet wurden.“ (80)

John Foster sah den Aufstieg europäischer Diktatoren seinerseits „als eine Repräsentation des unvermeidlichen Regresses durch die unterdrückten, aber dynamischen jüngeren Mächte Europas gegen das statische imperiale Gefolge.“ In einem Artikel für Foreign Affairs, der im Oktober 1933 erschien, verteidigte er Deutschland, indem er auf die Argumentation von Hjalmar Schacht zurückgriff, „dass es die USA waren, die von all diesen nicht zurückgezahlten Krediten an Deutschland profitierten, was sich ‚in der Zeit von 1924 bis Mitte 1930 zu einem wichtigen Überschuss entwickelte‘, während die Vereinigten Staaten florierten. ‚Wie die individuellen Ansichten des Einzelnen auch aussehen‘, so Foster abschließend ‚niemand kann seine Augen vor der Tatsache verschließen, dass uns das Volumen von Auslandsfinanzierungen, die wir bereits ausgiebig getätigt haben, dazu verpflichtet, mehr zu tun.“ (81)

Hjalmar Schacht, den seit März 1933 wieder amtierenden Reichsbankpräsidenten, hatte Foster durch die Vermittlung von Allen während des Kapp-Putsches kennengelernt, der im März 1920 in Berlin stattfand. (82) Über die Jahre hielten sie Kontakt zueinander, und in den 1930er Jahren wuchs ihre Beziehung „zu einer engen Zusammenarbeit. Schacht erkannte den Wert eines Amerikaners mit seinen eigenen Gründen, deutsche Interessen zu fördern, und er benutzte Dulles und Sullivan & Cromwell von der Zeit an, da die Nazis die Macht an sich rissen, bis hin zum Zweiten Weltkrieg.” (83)

Im gleichen Monat, als sein Foreign Affairs-Beitrag mit der Schacht-Argumentation erschien, kam Foster in einem Brief an den Reichsbankpräsidenten auf die Schuldenrückzahlungsverhandlungen im Zusammenhang mit der Reederei Norddeutsche Lloyd zu sprechen, welche sich in seinen Worten „schwierig“ gestalteten, „teilweise aufgrund der Tatsache, dass die führenden Bankiers Kuhn, Loeb & Co. hinsichtlich ihrer Haltung gegenüber Deutschland etwas voreingenommen sind“. (84)

Die anti-jüdische Haltung, die Hitler-Deutschland in wachsendem Maße an den Tag legte, führte im Spätsommer 1935 zur Schließung der Niederlassung von Sullivan & Cromwell in Berlin (drei Partner der Kanzlei – Edward Green, Eustace Seligman und Art Jaretzki – waren Juden). Bei dem entscheidenden Meeting sprach sich Foster vehement gegen einen solchen Schritt aus, da Mandanten wie Remington, Standard Oil und General Motors in Deutschland rechtliche Vertretungen bräuchten. Als die Abstimmung anders ausfiel als von ihm erwünscht, soll er mit Tränen in den Augen aus dem Raum gejagt sein. (85) Heinrich Albert, der die Geschäfte von Sullivan & Cromwell in Berlin leitete, übernahm nach der Büro-Schließung auf Wunsch der Nazis die Führung der Ford Motor Company in Deutschland. (86)

Trotz der geschlossenen Sullivan & Cromwell-Niederlassung würden die Dulles-Brüder auch weiterhin mit deutschen Industriellen und Bankern engen Umgang pflegen. Seinen Geschäftsdokumenten ist zu entnehmen, dass John Foster mit einer Ausnahme jedes Jahr bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs ins Dritte Reich reiste. Ferner akzeptierte er lange nach Hitlers Machtantritt „einen Posten als Direktor und Vertreter der amerikanischen Aktionäre der Consolidated Silesian Steel Company (CSSC). Dies lief auf eine Holdinggesellschaft hinaus, durch welche der Nazi-Bankier Kurt von Schröder (der Hitler mit seiner finanziellen Unterstützung unmittelbar an die Macht brachte) seinem Erzpatron Friedrich Flick (der zwei Drittel der Aktien kontrollierte) die Vorherrschaft in Polens größter Bergbaugesellschaft und industriellen Unternehmung verschaffte.“ (87) Sein Bruder Allen seinerseits hatte „sowohl für Farben als auch Vereinigte Stahlwerke“ gearbeitet, wie 1969 in einem Nachruf in der New York Times stand, (88) und „versuchte sich in der Politik, kokettierte mit der New York Republican Party und dem World Affairs Council“, während er „tagsüber durch die Gerichte schlich, um gefährdetes Eigentum für die großen, nazifizierten Überseekunden des Unternehmens zu retten“. (89)

Die Dulles-Brüder besaßen auch Verbindungen zur 1929/30 anlässlich des sogenannten Young-Plans gegründeten „Zentralbank der Zentralbanken“, der in der Schweiz ansässigen Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), die die sich teilweise in privatem Besitz befindet und während des Zweiten Weltkriegs die verfeindeten Kriegsparteien „schiedlich-friedlich“ an einen gemeinsamen Tisch brachte. (90)

Offiziell wurde die BIZ ins Leben gerufen, um die Zahlungen zu verwalten, die das Deutsche Reich auf Grundlage des Versailler Vertrags zu entrichten hatte. „Ihr eigentlicher Zweck wurde in der Satzung aufgeführt“ – und demnach ist sie geschaffen worden, um „,die Zusammenarbeit der Zentralbanken (zu fördern) und zusätzliche Angebote für internationale Finanzgeschäfte (zu schaffen).‘ Die Gründung der BIZ war der Höhepunkt des Jahrzehnte alten Traums der Zentralbanker, eine eigene Bank zu haben – mächtig, unabhängig und frei von störenden Politikern und neugierigen Reportern. Gemäß den Bedingungen des Gründungsvertrags konnte das Vermögen der Bank nicht beschlagnahmt werden, auch nicht in Zeiten des Krieges.“ Überdies war die BIZ „eigenfinanziert und würde das in alle Ewigkeit sein. Ihre Kunden waren ihre eigenen Gründer und Gesellschafter – Zentralbanken.“ (91)

Zum ersten Präsidenten der BIZ wurde Gates McGarrah ernannt, der zuvor der Generaldirektor der Chase National Bank gewesen war und das Amt des Vorsitzenden der Federal Reserve Bank of New York innegehabt hatte. McGarrah, der Großvater des späteren CIA-Direktors Richard Helms, prahlte damit, dass die BIZ „völlig von jeglicher staatlichen oder politischen Kontrolle enthoben“ gewesen sei. (92)

Die BIZ diente als Ort für vertrauliche Treffen, die Hjalmar Schacht etwa mit Montagu Norman suchte, dem Gouverneur der Bank of England (1920 – 1944) und Mitglied der Anglo-German Fellowship, die dem Cliveden Set nahestand. (93) John Foster Dulles fungierte als amerikanischer Anwalt der BIZ, nachdem er zuvor schon das Syndikat beraten hatte, welches den Young-Plan finanzierte. In den Leitungsgremien der BIZ saß von deutscher Seite nicht zuletzt Kurt Freiherr von Schröder, jener Teilhaber des Kölner Bankhauses J. H. Stein, der für Hitler vor und nach 1933 äußerst nützlich gewesen war. (94) Im Vorstand der BIZ wurde Deutschland außerdem von Hermann Schmitz repräsentiert, dem Vorstandsvorsitzenden der I.G. Farben von 1935 bis 1945 – damalig das viertgrößte Unternehmen der Welt (nach den US-Firmen General Motors, US Steel und Standard Oil), das nach 1945 insbesondere durch das Schädlingsbekämpfungsmittel Zyklon B bekannt werden sollte. Die I.G. Farben übernahm wichtige Funktionen für die Ziele des Nazi-Staats: „Ohne ihre reiche technische Erfahrung und ohne die wirtschaftliche Macht, die in ihren Händen konzentriert war, wäre Deutschland nicht in der Lage gewesen, im September 1939 seinen Angriffskrieg zu beginnen“, schrieb im September 1945 US-Colonel Bernard Bernstein in einem Bericht an den stellvertretenden Militärgouverneur für Deutschland, Lucius D. Clay. (95)

Mitte 1936 wurde von der New Yorker J. Henry Schroder Banking Corporation, ein unabhängig operierendes Tochterunternehmen der Londoner Handelsbank J. Henry Schroeder & Co., die Investmentbank Schroder, Rockefeller & Company initiiert, um das allgemeine Wertpapiergeschäft zu übernehmen, das bis dahin von der J. Henry Schroder Banking Corporation wahrgenommen wurde. Einer der Gründer: Percy Avery Rockefeller, Sohn von William Rockefeller, des Standard Oil-Mitbegründers, und Schwiegersohn von James Stillman, dem Präsidenten der First National City Bank (der späteren Citibank). 1967 verschmolz die Schroder, Rockefeller & Company mit der J. Henry Schroder Banking Corporation, und der Name Rockefeller fiel weg.

Percy Avery Rockefeller, der seit den späten 1920er Jahren bei der J. Henry Schroder Banking Corporation tätig gewesen war, hielt an dem neuen Hybrid einen Anteil von 42 Prozent, während in England Bruno Freiherr von Schröder und in Deutschland dessen Cousin ersten Grades Kurt Freiherr von Schröder zusammen 47 Prozent besessen haben sollen, wie der Pulitzer-Preisträger Burton Hersh schreibt. (96) Zum ersten Präsidenten von Schroder, Rockefeller & Company ernannte man Carlton P. Fuller, zuvor Vize-Präsident der J. Henry Schroder Banking Corporation. Die rechtlichen Dinge der Gründung wurden von Sullivan & Cromwell gehandhabt, und zwar von deren Senior-Partnern John Foster und Allen Dulles. Immer wieder wurde in der Folgezeit darauf hingewiesen, „dass die New Yorker Schroder-Niederlassungen unabhängig vom Londoner Haus tätig waren, ganz zu schweigen von Gebrüder Schröder in Hamburg oder J.H. Stein in Köln. Tatsache bleibt, dass der dominierende Anteilseigner in beiden J. Henry Schroder-Firmensitzen weiterhin der majestätische Freiherr Bruno in London war.“ (97)

Tatsache bleibt nicht minder, dass Bruno Freiherr von Schröder in den einflussreichen Kreisen Großbritanniens unermüdlich für „Verständnis“ gegenüber dem Dritten Reich warb, und dass er es war, der Joachim von Ribbentrop mit der Londoner Gesellschaft bekanntmachte, als dieser der neue deutsche Botschafter in der Carlton House Terrace 9 wurde. Das Time Magazine nannte seine Bank 1939 „einen wirtschaftlichen Antreiber der Rom-Berlin-Achse“. (98)

John Foster und Allen Dulles blieben der Neugründung Schroder, Rockefeller & Company als Rechtsanwälte auf Dauer erhalten. Überdies hatte Allen Dulles ab 1937 einen Direktoriumsposten der J. Henry Schroder Banking Corporation inne und wurde 1938 deren General Counsel. Tatsächlich bedeutete letztere Position, dass „die Hälfte der Rechtsfälle von Dulles bis in die späten 1930er Jahre hinein im Zusammenhang mit den New Yorker Schroeder [sic]-Investments standen”. Ein guter Teil davon bestand in juristischer Routinearbeit, die uns nicht zu interessieren braucht. „Doch vieles betraf direkt oder indirekt Deutschland; als Jahr für Jahr der Krieg wahrscheinlicher wurde, reagierten die Schroder-Banker auf die immer dringlicheren Anfragen Schachts nach strategischen Materialien. Zusammen mit dem agilen Risikokapitalgeber Henry Mann bei der Chase National Bank umging Schroder die Restriktionen des US-Finanzministeriums für Deutschland, indem ausgefeilte strukturierte Dollar-für-Reichsmark-Swaps aufgelegt wurden, damit Kupfer- und Baumwollbestände gehortet werden konnten.“ (99) Schon „eine oberflächliche Durchsicht der Unterlagen”, die zu den Fällen gehören, die Allen Dulles in den späten Dreißiger / frühen Vierziger Jahren betreute, fördert suggestive Vorgänge wie etwa „SCHRODER TRUST: United Steel Read Plan“ oder „SCHRODER: Schweizer Verträge“ zutage. (100) Eine Untersuchung des Kilgamore-Ausschusses ergab, dass Schroder auf Geheiß der Nazis tätig wurde, um Problemen der Devisenbeschaffung zu begegnen. „James Stewart Martin sagte [als Zeuge] aus, dass die „Chase National Bank der Stadt New York und die J. Henry Schroeder [sic] Banking Corporation mit Sitz in New York zusammen mit dem deutschen Wirtschaftsministerium das Verfahren verfeinerten und erweiterten … den Verkauf sogenannter ,Rückwanderer-Mark‘ in die Vereinigten Staaten durchzuführen.’ Ein Großteil dieser Devisen wurde über eine Tarnfirma, Intermares, (vermutlich alles unter Beteiligung des General Counsel Dulles) kanalisiert, um den deutschen Handel in Südamerika abzuwickeln und den Kauf strategischer Materialien zu arrangieren, die unter Umgehung der britischen Blockade an deutsche Hersteller verschifft werden konnten.” (101)

In späteren Jahren sollten die Dulles-Brüder jegliche Verstrickungen in Angelegenheiten des Dritten Reichs abstreiten. John Foster etwa wollte die Welt glauben machen. dass weder er noch die Kanzlei Sullivan & Cromwell je in irgendeiner Weise I.G. Farben repräsentiert hätten. (102) Fakt ist, dass John Foster Dulles zukünftigen I.G. Farben-Managern zu helfen versuchte, noch ehe der global agierende Konzern 1926 geschaffen wurde.

Die Interessen zukünftiger I.G. Farben-Manager betreffend hatte John Foster Dulles „bereits 1917 in seinen Tagen beim U.S. War Trade Board erfolglos versucht, zugunsten der Metallgesellschaft, einem künftigen Unternehmen der I.G. Farben, zu intervenieren.“ 1920 riet er einem anderen I.G. Farben-Unternehmen der Zukunft, der Badischen Anilin (BASF), in den Konkurs zu gehen, um sich so „dem Zugriff des Alien Property Custodian (Treuhänder für [konfiszierte] ausländische Vermögenswerte) zu entziehen. Im sensationellen Nachgang dazu reichten die Schmiergeldzahlungen der BASF offensichtlich bis hoch zu Hardings korruptem Generalstaatsanwalt Harry Daugherty. Mitten in einem Verfahren warf Daughertys schillernder Anwalt Max Steuer 1926 dem erschütterten Dulles vor, bei der Friedenskonferenz herumstolziert zu sein und sich als ,Lansings Neffe‘ ausgegeben zu haben, während er eine ,Tasche bei sich trug‘ (für Bestechungsgeld), seinen Klienten irregeleitet und sich insgesamt benommen habe wie ,ein Gauner, dem man die Anwaltslizenz entziehen sollte‘.“ (103)

Dulles erholte sich schnell von der „Erschütterung“, die Steuer verursachte, und ging hernach eifrig Geschäften mit der I.G. Farben nach. Das Kartell „war überall im Geschäft“, sobald es sich gefunden hatte, „es versprach durchweg eine enorme Marktmacht zu entfalten“ und war „möglicherweise ein Superklient“, der „unzählige Tochtergesellschaften“ aufwies, „viele davon getarnt.“ (104) Tatsächlich war Dulles später in seiner Funktion sowohl als Direktor wie auch Mitglied der Geschäftsführung der International Nickel Company of Canada (INCO) aktiv an der Herbeiführung des Marktaufteilungsabkommens beteiligt, das 1934 zwischen der INCO-Gruppe und dem I.G. Farben-Kombinat geschlossen wurde. (105) Sullivan & Cromwell entwarf die ausgeklügelten Kartell- und Joint-Venture-Verträge, die zwischen der I.G. Farben und Solvay & Cie aus Belgien, Imperial Chemical Industries aus Großbritannien und Allied Chemical aus den USA geschlossen wurden. Einseitige Patentbestimmungen, die US-Schwergewichte wie Standard Oil mit der I.G. Farben unterzeichneten, bremsten „Fortschritte bei lebenswichtigen Materialien ‒ von Buna-Kautschuk bis hin zu synthetischem Benzin ‒ in den Vereinigten Staaten“ aus und behinderten die Aufrüstung der USA, als man in den Zweiten Weltkrieg eingriff. (106)

Nach John D. Rockefeller Jr., der den Spitzenrang innehielt, war die I.G. Farben der größte Aktienbesitzer, den Standard Oil zu dieser Zeit aufwies. (107)

Als der Zweite Weltkrieg vom Deutschen Reich entfesselt und ausgeweitet wurde, intervenierte John Foster Dulles noch immer, „um die amerikanischen Vermögenswerte der I.G. Farben zu schützen. Ende 1942 taten sich Anwälte unter Fosters Führung zusammen, um die Beschlagnahmung von 4.725 Aktien der General Dyestuff Corporation, die offenkundig Geschäfte unter der Kontrolle von I.G. Farben-Beauftragten tätigte, durch den Alien Property Custodian zu blockieren. Eine andere Maßnahme, die das Interesse der Öffentlichkeit auf sich zog, war der letzte verzweifelte juristische Versuch von Sullivan & Cromwell zur Rettung der General Aniline and Film Corporation“, deren Dachorganisation in der Schweiz lag. Auf Drängen von Henry Morgenthau kam es zu einer Beschlagnahmung der Niederlassungen der General Aniline, „deren Tausende von Mitarbeitern im Farbenvertrieb und in der Blaupausen- und Filmverarbeitung eng mit der US Army zusammenarbeiteten – potenziell eine unschätzbare Informationsquelle für den deutschen Geheimdienst.“ (108)

Um den Verlust der General Aniline abzuwenden, wurde Marcus Wallenberg von der Stockholmer Enskilda Bank in die Vereinigten Staaten entsandt. Dort sollte er im Verbund mit der amerikanischen Robert-Bosch-Niederlassung „den Eigentumstitel übernehmen, bis der Krieg zu Ende war. Mit Hilfe seiner Freunde an der Wall Street – James Forrestal war als Vizepräsident der General Aniline eingetragen – bedrängte das Management der I.G. Farben die US-Regierung, entweder Walter Teagle von Standard Oil oder Sosthenes Behn von ITT als Stellvertreter während des Notstands zuzulassen.

Der Alien Property Custodian, Leo Crowley, stand auf der Gehaltsliste der New Yorker J. Henry Schroder Bank, der Depotbank für die General Aniline, in deren Direktorium sowohl Foster als auch Allen Dulles saßen. Foster arrangierte für sich eine Ernennung als Sonderrechtsberater für den Alien Property Custodian, während er nach der Beschlagnahmung der General Dyestuff gleichzeitig Ernest Halbach von der General Dyestuff gegenüber dem Custodian vertrat. Nach mehreren verwirrenden Monaten (…) sorgte eine Posten-Reorganisation dafür, dass Crowley Verwaltungsdirektor bei der General Aniline wurde. Er revanchierte sich, indem er den I.G. Farben-Handlager Ernest Halbach zum Vorsitzenden der GAF ernannte. Gleichzeitig drückte Dulles seine Klage für die beschlagnahmte General Dyestuff durch und sicherte Halbach dem Vernehmen nach 696.544 US-Dollar plus Zinsen.” (109)

Zu diesem Zeitpunkt war die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) zu einem wesentlichen Akteur internationaler Finanzen geworden. Ihr Präsident im Zweiten Weltkrieg hieß Thomas McKittrick, ein Anwalt aus den USA, der nach dem Ersten Weltkrieg an den Verhandlungen über die Reparationszahlungen des Deutschen Reichs teilgenommen hatte. Zudem hatte McKittrick von London aus Auslandsinvestitionen in Deutschland betreut, die von John Foster Dulles arrangiert wurden, tätig bei Sullivan & Cromwell an der Ecke Wall Street und William Street. Sein Bruder Allen hatte McKittrick bei Sullivan & Cromwell ebenfalls lange zum Klientenkreis gezählt.

Die 1939 von McKittrick übernommene BIZ „war ursprünglich ein Geschöpf deutscher Interessen, das Hjalmar Schacht zusammensetzte“, um die Reparationszahlungen der Deutschen handzuhaben; während der Kriegsjahre entwickelte sich die BIZ dann zu „einer unschätzbaren Clearingstelle für Preise des Dritten Reiches in ganz Europa und in Übersee.“ (110)

Über ihren amerikanischen Präsidenten McKittrick heißt es, er habe letztlich „eine entscheidende Rolle beim Leisten von Beihilfe zu Hitlers Krieg“ gespielt: „Unter seiner Aufsicht akzeptierte die BIZ bereitwillig Nazi-Raubgold, führte Devisengeschäfte für die Reichsbank aus und erkannte die Invasion und Annexion der eroberten Länder durch die Nazis an. Auf diese Weise legitimierte sie auch die Rolle der nationalen Banken in den besetzten Ländern bei der Aneignung jüdischen Vermögens. Tatsächlich war die BIZ für das Nazi-Gesamtprojekt so unentbehrlich, dass der Vizepräsident der Reichsbank Emil Puhl – der später für Kriegsverbrechen angeklagt wurde – die BIZ einmal die einzige ,Auslandsniederlassung‘ der Reichsbank nannte.“ (111)

In einem Interview, das ich für Asia Times Online mit dem politischen Ökonom Guido Preparata führte, (112) kam ich auf den Young-Plan aus dem Jahre 1929 zu sprechen, der nach Owen D. Young benannt ist, seinerzeit Vorstandsvorsitzender von General Electric und Führungsmitglied der Rockefeller Foundation. Durch den Young-Plan erlebte die Welt die Gründung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich im schweizerischen Basel. Im Zusammenhang mit der BIZ konfrontierte ich Preparata, Autor des Buches Conjuring Hitler, mit diesem berühmten Zitat des US-Historikers Carroll Quigley in Tragedy and Hope:

„Die Mächtigen des Finanzkapitalismus hatten noch ein weiteres, sehr weit reichendes Ziel. Das war kein geringeres als die Schaffung einer weltweiten Finanzkontrolle in privaten Händen, die fähig sein sollte, die Politik jedes Landes und die Weltwirtschaft insgesamt zu steuern. Diese Kontrolle sollte nach feudalistischer Manier von den vereint handelnden Zentralbanken der Welt durch geheime Abkommen in häufig geheimen Treffen und Konferenzen kontrolliert werden. Die hierarchische Spitze des Mechanismus sollte die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel in der Schweiz sein, eine private Bank, die von den Weltzentralbanken, die ihrerseits private Unternehmen waren, getragen und kontrolliert wurde.“ (113)

Guido Preparata: Ja, ein beunruhigendes Kapitel, welches dutzende Verschwörungstheoretiker beschäftigt hat. Der Young-Plan ist nicht so wichtig, da er nur eineinhalb Jahre Bestand hatte. Die Krise annullierte ihn. Was die Erschaffung der BIZ als Mittelpunkt eines gewaltigen Netzwerks von Zentralbanken angeht, die jeweils durch Bankerbrüder kontrolliert werden, so ist das ein beunruhigendes Bild. Um ehrlich zu sein, weiß ich nicht, wie dominant die BIZ heutzutage ist. Ich weiß nicht, ob sie jemals jene Rolle als Koordinationszentrale einnahm, welche ihr so oft nachgesagt wird.

Es ist hingegen sicher, dass es diese extra-territoriale Einrichtung war, außerhalb der jeweiligen Territorien gelegen, in denen die kriegsführenden Parteien, einschließlich der Vertreter Nazi-Deutschlands, sich am selben Tisch zusammensetzten, um Rückzahlungen, Zinsen und Dividenden untereinander zu verteilen. Oder, um die verstörende Wahrheit konkreter auszusprechen: dort war es, wo die Nazis ihre fortlaufenden Verbindlichkeiten beglichen, um den Krieg voranzutreiben (für Nachschub und Provision, in Anbetracht von Deutschlands Mangel an Rohmaterialien), und das von Angesicht zu Angesicht mit ihren Kriegsgegnern, während ein amerikanischer Banker, McKittrick, den Vorsitz hatte.

Unglaublich. Was sich im Basel dieser Tage wirklich ereignete, steht noch herauszufinden. Als ich zum Beispiel Archivnachforschungen betrieb, wurden mir bestimmte Akten der Bank of England vorenthalten, die Informationen über die Anteilseigner der BIZ enthielten. Alles an dieser ganzen Affäre ist übelkeitserregend. Und was mich noch mehr besorgt, ist, dass jeder, der sich damit beschäftigt hat, ganz genau weiß, dass die einzelnen Teile der Geschichte, wie man sie uns erzählt hat, nicht zusammenpassen. Aber aus Angst oder einer Art tiefenpsychologischer Konditionierung bewahren sie einen Anschein unterwürfiger Gemütsruhe. Solange es diese Art Denkhaltung gibt, und die Angst dazu, solange gibt es keine Zukunft für eine reformierte Welt.

Sodann meinte ich zu Preparata im weiteren Verlauf des Interviews: „Laut Charles Higham führten die Staaten der Alliierten und der Achsenmächte während des Zweiten Weltkrieges ihre Geschäfte bei der BIZ wie gewohnt weiter, ganz so, als hätte es keinen weltweiten Krieg zwischen ihnen gegeben. (114) Was sagt uns das?“

Guido Preparata: Das sagt uns, dass selbst die Allerextremsten unter den sogenannten Verschwörungstheoretikern noch drei Lagen zu kurz greifen, was die Wahrheit über die Natur dieses Machtspiels angeht. Es scheint wie eine Suggestion von Orwells ständigem Krieg, bei dem die üblichen Geschäfte hinter dem Gemetzel weitergehen. Es ist so, als wäre das Theater des Kalten Kriegs bereits während der letzten Akte des Zweiten Weltkriegs begonnen worden, das heißt zu einer Zeit, als die Hitlerianer bekanntermaßen bereits erledigt waren und nach Stalingrad einen langsamen, aber unabwendbaren Tod starben. Die letzte Phase des Kriegs scheint gelenkt worden zu sein, um andere Ziele zu konsolidieren, ein neues Bühnenbild vis-a-vis des großen, räudigen Zirkus‘ der UdSSR zu setzen. Allein die Tatsache, dass sich die großen Machtparteien 1944, also zu einer Zeit, als der Krieg noch gar nicht vorbei war, in Bretton Woods trafen, um die finanzielle Architektur der Pax Anglo-Americana zu gestalten, lässt tief blicken.

Wenn Guido Preparata auf die Phase nach Stalingrad hinweist, so ist es schon erstaunlich, dass Thomas McKittrick im Winter 1942 einen (mit Problemen bei der Rückreise) verbundenen Abstecher nach New York City unternahm; zu einem Zeitpunkt also, als die Vernichtung der deutschen 6. Armee in Stalingrad – und damit der endgültige Wendepunkt des Zweiten Weltkriegs – gerade unmittelbar bevorstand. Noch erstaunlicher ist vielleicht aber, was dort geschah.

„Am 17. Dezember 1942 gab Leon Fraser, ein amerikanischer Banker und selbst ehemaliger Präsident der BIZ, ein Abendessen für McKittrick im University Club. Siebenunddreißig der mächtigsten Finanzleute, Industriellen und Geschäftsleute der Vereinigten Staaten trafen sich zu seinen Ehren. Dazu gehörten die Präsidenten der New Yorker Federal Reserve, der National City Bank, des Bankers Trust und General Electric sowie ein ehemaliger Staatssekretär des Schatzamtes und ehemaliger US-Botschafter in Deutschland. Standard Oil, General Motors, JP Morgan, Brown Brothers Harriman, mehrere Versicherungen und auch Kuhn Loeb schickten Führungskräfte. Es war wohl das größte einzelne Zusammentreffen von Amerikas Kriegsgewinnlern. Viele dieser Unternehmen und Banken hatten, wie McKittrick, ein Vermögen aus ihren Verbindungen mit Deutschland gemacht, Verbindungen, die weit nach Hitlers Machtübernahme im Jahre 1933 und erst recht nach dem Ausbruch des Krieges im Jahre 1939 Profite produzierten.“ (115)

Nach Kriegsende, als er 1946 aus seinem Amt bei der BIZ ausschied, kehrte McKittrick nach New York City zurück, um im selben Jahr eine langjährige Tätigkeit bei der Chase National Bank aufzunehmen. Zugleich brachte er die BIZ in eine neue Rolle, und zwar im Zusammenhang mit der Wirtschaftshilfeprogramm, das die USA nach dem Zweiten Weltkrieg in Europa durchführten, dem sogenannten Marshallplan. Der Autor Gian Trepp vertritt in seiner Auseinandersetzung mit der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich die Auffassung, dass der Marshallplan der eigentlichen Aufgabe des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank „weitgehend den Boden (entzog): Nach machtpolitischen Kriterien geplanter Wiederaufbau mit à fonds perdu Hilfe, staatlich verbilligte Entwicklungskredite und privilegierte Handelsbeziehungen der USA zu Westeuropa, wie sie die Truman-Aussenwirtschaftspolitik vorsah, waren das Gegenteil von Wiederaufbau durch globalen Freihandel, Entwicklungskredite zu Marktkonditionen und globalem Multilateralismus à la Bretton Woods.“ (116)

Es schlug die Stunde der BIZ zu Basel. In einem zeitgenössischen Wirtschaftsblattartikel wurde der BIZ bescheinigt, sie sei „primär eine technische Institution, welche die Bretton Woods-Institutionen nicht konkurrenziert, sondern ergänzt“, und dass sie „wieder eine Zukunft“ habe, denn: „Sie kann im Rahmen des Marshallplans wichtige Aufgaben erfüllen.“ (117)

Wie erwähnt, war Thomas McKittrick nach seinem Ausscheiden als BIZ-Vorsitzender 1946 zur Chase National Bank nach New York gewechselt. Nunmehr, im Juni 1947, „berief Präsident Trumans Europa-Sonderbotschafter Averell Harriman den Chase Bank-Vize McKittrick zum Chef einer Aktionsgruppe für den Wiederaufbau des innereuropäischen Zahlungsverkehrs. Diese Gruppe war Teil der ersten US-Marshallplan-Organisation, welche im Juni 1947 in Paris die Arbeit aufnahm, und wurde im Juli 1947 als technisches Subkomitee für Zahlungsabkommen in die erste Europäische Marshallhilfe-Konferenz integriert. (Aus der sich später die OECD entwickelte.) Die Aufgabe des McKittrick-Komitees … bestand in der raschen Wiederherstellung eines effizienten und verlässlichen zwischenstaatlichen Zahlungsverkehrs im Dienste von Wiederaufbau und Integration in Westeuropa.“ (118)

McKittrick befand, die BIZ sei angesichts des zu lösenden Problems für Expertise heranzuziehen: „Während der letzten 17 Jahre“, sagte er, „erwarb sich die BIZ umfassende Kenntnisse über die europäischen Währungsverhältnisse und über die spezifischen Arbeitsweisen der einzelnen Zentralbanken im zwischenstaatlichen Zahlungsverkehr.“ Gian Trepp kommentiert: „Und genau diese Kenntnisse waren im Herbst 1947 wieder gefragt. Nicht zuletzt jene Technik des mehrseitigen Verrechnungsverkehrs im Neuen Europa der Nationalsozialisten, welche die BIZ-Bankabteilung zu Anfang des Jahrzehnts bei der Reichsbank gelernt hatte.“ (119)

Mit einem Abkommen, das unter McKittricks Aufsicht im November 1947 ratifiziert wurde, starteten neun europäische Staaten den mehrseitigen Verrechnungsverkehr ab Januar 1948. „Als Verwaltungs- und Abrechnungszentrale wurde die BIZ in Basel bestimmt.“ (120)

BIZ-Fachmann Gian Trepp erklärt uns Mechanismus und Effekt:

„Obwohl die Währungen der Teilnehmerstaaten untereinander nicht konvertibel waren und die überschuldeten Europäer auch keine freien Dollarreserven hatten, konnte der Aussenhandel mit dem multilateralen Clearing angekurbelt werden. Gleichzeitig förderte das Zahlungsabkommen durch den Übergang von den bilateralen Handelsverträgen zum Multilateralismus die Konvertibilität. Konkret funktionierte das System so, dass die nationalen Zentralbanken der Teilnehmerstaaten spezielle Clearing-Konten eröffneten. Dort mussten die Importeure ihre Importe in Lokalwährung bezahlen, während die Exporteure für ihre Exporte aus dem gleichen Konto und ebenfalls in Lokalwährung ausbezahlt wurden. Die Differenz auf diesen nationalen Clearing-Konten mussten die Zentralbanken einmal pro Jahr in Basel zum offiziellen Wechselkurs in Dollar umrechnen und untereinander ausgleichen.“ (121)

Und so stand die BIZ kurze Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg „wieder voll rehabilitiert“ im internationalen Finanzwesen da. (122)

(Noch wesentlich mehr dazu können Sie auf dieser Website hier in einem exklusiv übersetzten Essay von Peter Dale Scott erfahren, „Der US-Geheimdienstapparat und das Schicksal des privaten internationalen Bankensystems der Vorkriegszeit“.)

Was die Dulles-Brüder anging, so sahen sie sich nach dem Zweiten Weltkrieg kaum nennenswerter Kritik ob ihrer Deutschland-Geschäfte ausgesetzt. Wenn überhaupt kritische Worte „ihren Weg in die Print-Medien fanden“, erwiesen sie sich oftmals als „ideologisch befrachtet oder enthielten gerade genug Fehler, dass die Dulles-Brüder den Behauptungen ausweichen und diese diskreditieren konnten. Das von den Sowjets unterstützte Kominform (in den späten 1940ern aus Komintern hervorgegangen) veröffentlichte eine äußerst kritische Erklärung zur finanzwirtschaftlichen und politischen Rolle“, welche die beiden Anwälte von Sullivan & Cromwell in Deutschland gespielt hatten. Diese Erklärung war „eines der Elemente der Nachkriegs-Propagandaoffensive der UdSSR gegen die US-amerikanische Politik in Europa“. In ihr fand sich „die Behauptung, dass die Flut von Kapital nach Deutschland in den 1920er Jahren am Ende beim Aufbau der industriellen Infrastruktur von Hitlers Staat half und dass Allen Dulles, John Foster Dulles und die Anwaltskanzlei Sullivan & Cromwell maßgeblich an diesem Prozess beteiligt waren. All das war nur zu wahr. Das Kominform behauptete dann, dass Allen Dulles ,Vertreter der Interessen von J. Henry Schroeder [sic] in London, Köln und Hamburg‘ war, dass der deutsche Stahltrust die „führende Rolle“ in Schroeders Bankangelegenheiten spielte und Sullivan & Cromwell in „enger Beziehung‘ zu Standard Oil, der Chase National Bank und den Interessen Rockefellers im Allgemeinen stand.

Als diese Behauptungen 1948 publik wurden, wurde in den Vereinigten Staaten nahezu jeder Kommentar aus einer kommunistischen Quelle einfach in Misskredit gebracht. In diesem speziellen Fall sahen die Fakten so aus, dass die J. Henry Schroeder Bank London in den 1920ern tatsächlich gemeinsam mit den Rockefellers und Dillon, Read Millionen von Dollar in den deutschen Stahltrust investierte, der das Kapital wiederum nutzte, um neue Fabriken aufzubauen, die sich nach einigen Jahren hauptsächlich der militärischen Produktion widmeten. Allen Dulles war zwischen 1937 und 1943 einer der Direktoren der New Yorker Zweigstelle der Londoner Schroder Bank. Die Londoner Bank unterhielt umfangreiche familiäre, bankspezifische und geschäftliche Beziehungen zur im Besitz der Schroder-Familie befindlichen Bank in Deutschland, die ein entscheidender Finanzier der SS war. Aber die deutsche Schröder Bank wurde getrennt von der Londoner Schroeder und der New Yorker Schroders eingegliedert und finanziert. Die verschiedenen Schroder-Banken arbeiteten häufig bei internationalen Investitionen zusammen, waren aber nicht die gleiche Institution, betonten die Verteidiger der Dulles-Brüder. Indes war – obwohl sich die Sullivan- & Cromwell-Partner gemeinsam mit den Rockefellers sehr wahrscheinlich viele Investitionen, politische Prozesse und soziale Vereine teilten – die Anwaltskanzlei selbst während des Investitionsrausches der 1920er Jahre nicht Prozessbevollmächtigter für Standard Oil oder für die Chase Bank.

Die Dulles-Brüder nutzten diese Diskrepanzen, um die Kritik von Kominform als ,völlig haltlos‘ zu verurteilen und schließlich gelang es ihnen, die sowjetische Anprangerung als eine Art ,Beweis‘ anzuführen, dass eine solche Kritik per Definition falsch und wahrscheinlich kommunistisch inspiriert war. Als die liberale New York Post während einer hart umkämpften Senatskampagne Fragen zu John Foster Dulles aufwarf, schrieb er als Antwort, der Post-Artikel sei ,völlig irreführend und paraphrasiert lediglich die Hetzkampagne, die sich die sowjetischen kommunistischen Zeitungen zu eigen gemacht hatten. Vgl. z. B. die Ausgabe der Moscow New Times vom 28. Februar 1947…‘

Und dabei blieb es, trotz gelegentlichem Gemurre der politischen Linken. Ein paar Jahre später kam John Foster Dulles‘ Nominierung als US-Außenminister vor den Senat, was sich als letzte Gelegenheit für eine öffentliche Untersuchung der offenen Fragen hinsichtlich Dulles‘ Beziehung zur deutschen Finanzelite in den Hitlerjahren erweisen sollte. Die Anhörungen fanden genau zu dem Zeitpunkt statt, als der Koreakrieg in eine neue und noch gefährlichere Phase ging, Senator Joseph McCarthy in Umfragen ganz vorne lag und das Weiße Haus zum ersten Mal nach zwanzig Jahren wieder in republikanischer Hand war.“ Die Anhörungen von John Foster Dulles vor dem Senat „verliefen reibungslos“ und er wurde Außenminister der USA. „Einen Monat später ernannte Präsident Eisenhower seinen Bruder Allen zum Direktor der CIA.“ (123)

QUELLEN:

(1) Vgl. Christopher Simpson: “The Splendid Blond Beast – Money, Law, and Genocide in the Twentieth Century”, Grove Press, New York, 1993, Seite 22.

(2) Vgl. Nancy Lisagor / Frank Lipsius: “A Law Unto Itself – The Untold Story of the Law Firm of Sullivan and Cromwell“, William Morrow and Company, New York, 1988, Seite 61. Siehe ferner Burton Hersh: “The Old Boys – The American Elite and the Origins of the CIA”, Tree Farm Books, St. Petersburg, 1992, Seite 21.

(3) Vgl. Nancy Lisagor / Frank Lipsius: “A Law Unto Itself”, a.a.O., Seite 20.

(4) Ebd., Seite 16.

(5) Ebd.

(6) Ebd., Seite 34.

(7) Ebd.

(8) Ebd., Seite 35.

(9) Vgl. ebd., Seite 31.

(10) Christopher Simpson: “The Splendid Blond Beast”, a.a.O., Seite 21.

(11) Nancy Lisagor / Frank Lipsius: “A Law Unto Itself”, a.a.O., Seite 65.

(12) Vgl. ebd.

(13) Vgl. ebd., Seite 66.

(14) Christopher Simpson: “The Splendid Blond Beast”, a.a.O., Seite 21.

(15) Vgl. ebd. Für die Verbindung zwischen Bernard Baruch und der Berufung von John Foster Dulles als Delegationsberater der amerikanischen Seite in der Allied Reperations Commission siehe Burton Hersh: “The Old Boys“, a.a.O., Seite 22.

(16) Christopher Simpson: “The Splendid Blond Beast”, a.a.O., Seite 44.

(17) Nancy Lisagor / Frank Lipsius: “A Law Unto Itself”, a.a.O., Seite 73.

(18) Vgl. ebd., Seite 70.

(19) Ebd., Seite 74.

(20) Christopher Simpson: “The Splendid Blond Beast”, a.a.O., Seiten 44-45.

(21) Burton Hersh: “The Old Boys”, a.a.O., Seite 22.

(22) Vgl. Nancy Lisagor / Frank Lipsius: “A Law Unto Itself”, a.a.O., Seite 77.

(23) Vgl. ebd., Seite 77-78.

(24) Vgl. ebd., Seite 91.

(25) Vgl. ebd., Seite 92.

(26) Ebd., Seite 93.

(27) Ebd.

(28) Ebd.

(29) Zitiert in Burton Hersh: “The Old Boys”, a.a.O., Seite 42.

(30) Vgl. ebd. Die National City Bank wurde später zur Citibank. Die 1832 gegründete Investmentbank William A. Read & Company of New York bzw. Dillon, Read & Company wurde 1997 vom Schweizerischen Bankverein (SBV) übernommen und mit der 1995 aufgekauften Investmentbank S.G. Warburg Plc. in London zusammengeführt, um für kurze Zeit unter SBC Warburg Dillon Read zu firmieren. Im Zuge des Zusammengehens der SBV mit der damaligen Schweizerischen Bankgesellschaft (SBG) zur UBS im Juni 1998 und der anschließenden Umstrukturierung von UBS im Jahre 2000, löste sich der Name Dillon Read auf. Drei Jahre später folgte der Name Warburg. Seither heißt die Bank nur noch UBS.

(31) Ebd.

(32) Ebd.

(33) Vgl. Nancy Lisagor / Frank Lipsius: “A Law Unto Itself”, a.a.O., Seite 106.

(34) Vgl. ebd., Seite 93.

(35) Burton Hersh: “The Old Boys“, Seite 41.

(36) Christopher Simpson: “The Splendid Blond Beast“, Seiten 45-46.

(37) Vgl. ebd., Seiten 46-47.

(38) Vgl. ebd., Seite 47.

(39) Vgl. ebd.

(40) Ebd.

(41) Vgl. ebd.

(42) Vgl. ebd.

(43) Vgl. ebd.

(44) Vgl. ebd.

(45) Ebd., Seite 48.

(46) Ebd.

(47) Ebd.

(48) Ebd., Seite 49. Basierend auf Angaben des Dulles-Biographen Ronald Pruessen, gibt uns Simpson mit folgender Liste einen gewissen Einblick in die Geschäfte, an denen Dulles persönlich als Mittelsmann beteiligt war:

  • The 1924 German External Loan of $100 million (Dawes Plan loan); managed in the U.S. by J.P. Morgan & Co., National City Co., Lee, Higginson & Co., and Kuhn, Loeb & Co.
  • Bond sales underwritten by Harris Forbes & Co. for the city of Munich ($8.7 million), Electrowerke AG ($5.5 million), and Deutsche Raiffeisenbank AG ($10 million).
  • A sale of $10 million worth of bonds for the First Mortgage Bank of Saxony managed by Brown Brothers, Harriman & Co.
  • A 1925 loan by Lehman Brothers of $3 million to Leonhard Tietz Aktiengesellschaft.
  • A $5 million bond offering in 1926 for the city of Nuremberg underwritten by the Equitable Trust Co., Lee, Higginson, and one other partner.
  • Bonds sold by Brown Brothers, Harriman on behalf of the German Union of Mortage Banks ($10 million), the Mannfeld coal and iron syndicate ($3 million), the Hamburg railway ($8 million) the City of Berlin ($15 million), and the City of Hannover ($3.5 million).
  • A 1927, $20 million bond sale for the North German Lloyd steamship Company by Kuhn, Loeb & Co., Guaranty Trust Co., and Lee, Higginson.
  • A 1927 loan of at least $10 million to the Terni Societa per l’Índustria e lÉlecttricita of Italy by W. A. Harriman and Co., and a large purchase by W. A. Harriman of General Electric Company of Sicily bonds undertaken the same year.
  • Goldman, Sachs purchase of 400,000 shares of the Creditanstalt bank of Vienna.
  • A 1927 Bankers Trust Company (and associates) offering of $70 million of government of Poland bonds for industrial expansion.

Alles in allem, so Simpson, überschritten diese und mehr als ein Dutzend ähnlich gearteter Transaktionen einen Gesamtwert von mehr als 1 Milliarde US-Dollar.

(49) Vgl. ebd., Seite 48.

(50) Ebd.

(51) Vgl. ebd., Seiten 50-51.

(52) Ebd., Seite 51.

(53) Ebd., Seite 51.

(54) Ebd., Seite 52.

(55) Ebd.

(56) Ebd.

(57) Ebd.

(58) Ebd.

(59) Ebd.

(60) Ebd., Seite 53. Simpson weist darauf hin, dass Heinrich Albert 1945 Treuhänder von US-amerikanischen und britischen Firmenvermögen in Berlin wurde. Außerdem spielte er in der Nachkriegszeit eine Schlüsselrolle bei der Gründung der Christlich Demokratischen Union (CDU). Gerhardt Westrick, Alberts Sozietätspartner und Bruder des prominenten Bankers Ludger Westrick, war Vorsitzender / Vorstandsmitglied eines halben Dutzends deutscher ITT- und Kodak-Tochtergesellschaften. Zudem vertrat er die Interessen von Texaco in Mitteleuropa sowie deutsche Industrieunternehmen in den USA. Ein ähnliches Beispiel wäre Karl Lindemann, Direktor der Dresdner Bank und der HAPAG-Schiffsreederei – und zugleich Vorsitzender der angeblichen HAPAG-Konkurrenz, nämlich der Norddeutschen Lloyd-Dampfschiffgesellschaft (Norddeutscher Lloyd). Darüber hinaus leitete er auch die Deutsch-Amerikanische Petroleum Gesellschaft, eine 100 %-ige Tochter von Standard Oil of New Jersey. In den Hitlerjahren wurde Lindemann ein führender Unterstützer der SS in deutschen Industriekreisen. Vgl. ebd.

(61) Ebd.

(62) Ebd., Seiten 53-54.

(63) Ebd., Seite 54.

(64) Ebd. Simpson beruft sich auf eine Schätzung der US-Regierung nach dem Zweiten Weltkrieg.

(65) Ebd.

(66) Ebd., Seite 55.

(67) Ebd.

(68) Ebd. Simpson weist darauf hin, dass die Elite-Akteure auf Seiten der USA und Deutschlands keinen einheitlichen Standpunkt vertraten, was das Hitler-Phänomen anging – „sowohl vor als auch nach dem Aufstieg der Nazis zur Macht 1930-1933. Entgegen den populären Mythen um die Dulles-Brüder war Allen Dulles ein relativ früher Befürworter der amerikanischen Unterstützung für die Briten in ihrem Kampf gegen Deutschland, während John Foster Dulles gegenüber dem Nazismus erheblich toleranter blieb. Andere waren prominente Juden, die von den Nazis enteignet werden sollten. Der Bankier Eric Warburg wurde gezwungen, die meisten seiner deutschen Vermögenswerte Anfang der 1930er Jahre zu verkaufen, kehrte jedoch nach 1945 für den Wiederaufbau zurück. Manche Mitglieder der Elite wurden Parteigänger Hitlers, wie Karl Lindemann von der Dresdner Bank, der von einem der führenden Direktoren des Geldhauses, Hans Schippel, als ,fanatischer Nazi‘ bezeichnet wurde.“ Vgl. ebd.

(69) Ebd.

(70) Ebd., Seiten 55-56. Trotz anders lautender Bekundungen unterhielt Sullivan & Cromwell starke Beziehungen zu deutschen Konzernen. „Schon seit den 1920ern hatten John Foster Dulles und Sullivan & Cromwell die Metallgesellschaft AG, das weltweit größte Nichteisenmetallunternehmen, mit Sitz in Frankfurt repräsentiert. Zu jenem Zeitpunkt bestand Dulles´ Aufgabe in der Wiederherstellung der Kontrolle des Frankfurter Unternehmens über die American Metal Company, einer US-Tochter der Metallgesellschaft, die während des Krieges als Feindvermögen konfisziert worden war. Seine Bemühungen waren erfolgreich. Fast zwanzig Jahre später verpflichtete der Direktor der IG Farben, Hermann Schmitz, der in der Causa Metallgesellschaft eine tragende Rolle gespielt hatte, im Jahr 1938 Sullivan & Cromwell, um sich um die Zweite Weltkrieg-Variante der US-Vorschriften über ausländisches Vermögen (U.S. Alien Property Regulations) zu kümmern. Laut den Ermittlern des US-Justizministeriums und der US-Börsenaufsicht (Securities and Exchange Commission ‒ SEC) führte die im Fotofilmgeschäft tätige I.G. Farben-Tochter GAF zu jener Zeit komplexe Finanzmanöver durch, die ihre Beziehung zur I.G. verschleiern sollten. Die GAF wollte die rigiden Vorschriften des Finanzministeriums bezüglich der Kontrolle von ausländischen Finanzmitteln umgehen und der Möglichkeit zuvorkommen, dass möglicherweise auch sie als Feindvermögen konfisziert werden würde, sollte der Krieg ausbrechen. Chester T. Lane, in den 1930ern General Counsel der SEC, erinnerte sich: ,Die deutsche Staatsführung reichte, vertreten durch ihre hiesigen Repräsentanten, Finanzberater und Anwälte, die, soweit ich mich erinnere, Sullivan & Cromwell waren, einen Zulassungsantrag zur Refinanzierung vieler ihrer in den Vereinigten Staaten gehaltenen Wertpapiere bei uns ein. Es war offensichtlich als PR-Schachzug geplant.‘ Lane und die SEC reagierten darauf mit der Forderung, der Nazi-Staat ,möge uns einen vollständigen Wirtschaftsplan (des Landes), einschließlich sämtlicher indirekten Veranlagungen über Parteibeiträge, indirekten Steuern und seiner gesamten Finanzstruktur übermitteln.‘ Frustriert gaben die Deutschen das Vorhaben schließlich auf.“ Vgl. ebd., Seite 56.

(71) Ebd., Seiten 56-57.

(72) Nancy Lisagor / Frank Lipsius: “A Law Unto Itself”, a.a.O., Seite 77.

(73) Vgl. ebd., Seiten 100-101.

(74) Burton Hersh: “The Old Boys”, a.a.O., Seite 45.

(75) Vgl. Nancy Lisagor / Frank Lipsius: “A Law Unto Itself“, a.a.O., Seiten 129-130.

(76) Vgl. Burton Hersh: “The Old Boys”, a.a.O., Seite 46.

(77) Vgl. Nancy Lisagor / Frank Lipsius: “A Law Unto Itself“, a.a.O., Seite 129.

(78) Burton Hersh: “The Old Boys”, a.a.O., Seite 48.

(79) Ebd., Seite 47.

(80) Ebd. Dem kommenden Kriegstreiber im Deutschen Reich sollte Allen Dulles einige Monate später persönlich begegnen: am 8. April 1933 hatte er zusammen mit Norman Davis, dem amerikanischen Delegationsführer auf der Genfer Abrüstungskonferenz und zukünftigen Präsidenten des Council on Foreign Relations (1936 bis 1944), einen Besuch beim neuen Reichskanzler Adolf Hitler abgestattet. „Die beiden Amerikaner waren von Hitler unmittelbar vor einer großen Rede im Berliner Sportpalast empfangen worden. Hitler verglich die Friedensbedingungen des Versailler Vertrags mit denen des US-Bürgerkriegs, wobei er sich darüber aufregte, dass dem Süden Schwarze als Richter aufgezwungen worden waren. Dulles war von Hitler wenig beeindruckt, zumal dieser nicht wusste, dass ausgerechnet Dulles an der Ausarbeitung des kritisierten Versailler Vertrags beteiligt gewesen war.“ Vgl. Markus Kompa: „Über einen Täuschungskünstler, der die Welt zu seiner Bühne machte: Die schmutzigen Tricks des Allen Dulles“, Teil 1 von 4, veröffentlicht am 4. Oktober 2007 unter: http://www.heise.de/tp/artikel/26/26326/1.html. Wie Allen Dulles (und dessen Bruder John Foster) war auch Norman Davis, von 1919 bis 1920 US-Staatssekretär der Finanzen, am Zustandekommen des Versailler Vertragswerks beteiligt gewesen. Hitler sprach mit Davis am 8. April 1933 im Beisein von Allen Dulles über die Situation an Deutschlands Grenzen. Im Westen gab es die britisch-italienische Garantie der deutschen Grenzen qua des Rheinpaktes im Falle eines französischen Angriffs. Es bereitete Hitler in jenen Tagen mit Blick auf Polen Sorgen, dass eine solche Garantie im Osten fehlte, und „solange London nicht bereit sei, Commitments in Osteuropa zu übernehmen“, lautete seine Überzeugung, „brauche Deutschland die Hilfe Russlands gegenüber Polen.“ Deutschland sei ständig der Gefahr einer möglichen Attacke durch Polen ausgesetzt. Vgl. Alexander Wolz: „Die Rheinlandkrise 1936 – Das Auswärtige Amt und der Locarnopakt 1933-1936“, Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München, 2014, Seite 92.

(81) Vgl. Nancy Lisagor / Frank Lipsius: “A Law Unto Itself“, Seiten 82-84.

(82) Vgl. ebd., Seite 122.

(83) Ebd.

(84) Burton Hersh: “The Old Boys“, a.a.O., Seite 47.

(85) Vgl. ebd., Seite 65.

(86) Vgl. Nancy Lisagor / Frank Lipsius: “A Law Unto Itself”, a.a.O., Seite 141.

(87) Burton Hersh: “The Old Boys“, a.a.O., Seite 48.

(88) Vgl. ebd., Seite 66.

(89) Ebd., Seite 12.

(90) Zur Eigentümerstruktur der BIZ siehe Stephen Zarlenga: „Der Mythos vom Geld. Die Geschichte der Macht“, Conzett Verlag, Zürich, 2008, Seite 473, unter „Eigentum und Kontrolle der BIZ“. Zur wirklich sehr interessanten Entstehungsgeschichte, anfänglichen Funktion und „schiedlich-friedlichen“ Arbeit der BIZ im Zweiten Weltkrieg siehe ferner Charles Higham: “Trading with the Enemy. The Nazi-American Money Plot 1933 – 1949“, iUniverse Inc., Lincoln, 1983, 2007, Seite 1 – 19, Kapitel 1: “A Bank for All Reasons“, sowie Gian Trepp: „Bankgeschäfte mit dem Feind – Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich im Zweiten Weltkrieg: Von Hitlers Europabank zum Instrument des Marshallplans“, Rotpunktverlag, Zürich, 1997.

(91) Adam LeBor: “Meet the American Banker Who Helped Hitler Loot Jewish Gold—While Spying for the OSS“, veröffentlicht von Tablet am 30 August 2013 unter: http://tabletmag.com/jewish-news-and-politics/143053/hitlers-american-banker

(92) Vgl. ebd.

(93) Für die Aktivitäten von Zentralbankern wie Hjalmar Schacht und Montagu Norman gilt freilich, was Caroll Quigley in Tragedy and Hope notierte: „Man darf allerdings nicht meinen, dass diese Leiter der wichtigsten Zentralbanken der Welt für sich wichtige Machtspieler in der Weltfinanz gewesen wären. Das waren sie nicht. Eher waren sie die Techniker und Vertreter der führenden Investmentbanker ihrer eigenen Länder, die sie nach oben gebracht hatten und die ohne Weiteres fähig blieben, sie auch wieder nach unten zu stoßen.“ Siehe Caroll Quigley: „Katastrophe und Hoffnung – Eine Geschichte der Welt in unserer Zeit“, Perseus Verlag, Basel, 2007, Seite 219.

(94) Vgl. Anneliese Fikentscher / Andreas Neumann: „Wer war Kurt Freiherr von Schröder?“, veröffentlicht auf NRhZ-Online im September 2014 unter: http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=20855.

(95) Vgl. Bernd Ulrich: „I.G.-Farben-Prozess vor 70 Jahren – Für immer mit der Ausbeutung von KZ-Häftlingen verbunden“, veröffentlicht von Deutschlandfunk am 3. Mai 2017 unter: http://www.deutschlandfunk.de/i-g-farben-prozess-vor-70-jahren-fuer-immer-mit-der.871.de.html?dram:article_id=385174. Im Weltkrieg beteiligte sich die I.G. Farben eifrig am „Vernichtung durch Arbeit“-System der Nazis: „Insgesamt lässt sich sagen, dass am Ende des Zweiten Weltkriegs ungefähr die Hälfte der gesamten Belegschaft … KZ-Häftlinge, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter waren – die Hälfte heißt in diesem Fall von 330.000 Arbeitskräften.“ Gegen 23 leitende Angestellte der I.G. Farben, die ein riesiges Herstellungswerk für künstliches Buna-Gummi in der Nähe des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau betrieb, wurde im Mai 1947 Anklage vor einem US-Militärgericht in Nürnberg erhoben. Knapp ein Jahr später wurden die Urteile verkündet: es gab zehn Freisprüche und 13 Verurteilungen zu Haftstrafen, wobei alle Inhaftierten bis 1951 wieder auf freiem Fuß waren. Die I.G. Farben wurde nach dem Weltkrieg abgewickelt; die endgültige Löschung im Handelsregister fand am 31. Oktober 2012 statt. Vgl. Bernd Ulrich: „I.G.-Farben-Prozess vor 70 Jahren“, a.a.O.

(96) Vgl. Burton Hersh: The Old Boys, Seite 67.

(97) Ebd.

(98) Vgl. Nancy Lisagor / Frank Lipsius: “A Law Unto Itself”, a.a.O., Seite 139.

(99) Burton Hersh: “The Old Boys“, a.a.O., Seite 66.

(100) Vgl. ebd.

(101) Ebd., Seiten 66-67.

(102) Vgl. ebd., Seite 61.

(103) Vgl. ebd., Seiten 61-62.

(104) Ebd., Seite 62.

(105) Ebd.

(106) Ebd.

(107) Vgl. ebd.

(108) Ebd., Seite 62..

(109) Ebd., Seiten 62-63. Siehe hierzu auch Nancy Lisagor / Frank Lipsius: “A Law Unto Itself“, a.a.O., Seiten 136-137, 148-152 und 157-159.

(110) Vgl. Burton Hersh: “The Old Boys”, a.a.O., Seite 92.

(111) Vgl. Adam LeBor: “Meet the American Banker Who Helped Hitler Loot Jewish Gold”, a.a.O.

(112) Vgl. Lars Schall: „Die üblichen Geschäfte hinter dem Gemetzel“, Interview mit Guido Preparata, veröffentlicht auf LarsSchall.com am 5. August 2012 unter: http://www.larsschall.com/2012/08/05/die-ublichen-geschafte-hinter-dem-gemetzel/.

(113) Caroll Quigley: „Katastrophe und Hoffnung“, a.a.O., Seite 216.

(114) Bezüglich der historischen Tatsache, dass die Alliierten vor und während des Zweiten Weltkriegs business as usual mit Nazi-Deutschland betrieben, vergleiche die Geschichte der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Charles Higham: “Trading with the Enemy“, a.a.O., sowie in Gian Trepp: „Bankgeschäfte mit dem Feind“, a.a.O.

(115) Adam LeBor: “Meet the American Banker Who Helped Hitler Loot Jewish Gold”, a.a.O. Ein unbedingt zu nennendes Beispiel für US-amerikanische Firmen, die aus der Kriegsmaschinerie Hitler-Deutschlands Profit schlugen, wäre das am 17. Dezember 1942 vertreten gewesene Unternehmen Standard Oil, das auf technisch-finanzieller Ebene „entscheidende Hilfestellung für die Vorbereitungen des nationalsozialistischen Deutschland auf den Zweiten Weltkrieg (leistete)“, zum Beispiel in Sachen Tetra-Äthyl, Iso-Oktan und der synthetischen Gewinnung von Öl durch Kohle. Tatsache ist: Standard Oil gewährte Hitler-Deutschland Patente, die es den USA vorenthielt. Siehe Antony C. Sutton: „Wall Street und der Aufstieg Hitlers”, Perseus Verlag, Basel, 2009, Seite 69.

Standard Oil war aber beileibe nicht die einzige US-Firma, die der Nazi-Kriegsmaschinerie entscheidende Hilfestellung bot, wie der britische Ökonom und Historiker Sutton darzulegen weiß. Andere Großunternehmen wie z. B. General Electric (Osram / AEG) und General Motors (Opel) partizipierten ebenfalls nur zu gerne am „Nazi-Kuchen“. General Motors-Manager James D. Mooney bekam für seine Verdienste um das Dritte Reich den höchsten Orden für Ausländer, den Deutschen Adlerorden mit Stern. Ebenso Tom J. Watson, langjähriger Chef bei IBM. Ein weiterer Ordensträger: Henry Ford, der legendäre US-amerikanische Automobilhersteller, der dem Anschein nach bereits 1920 erste Gelder gen München fließen ließ.

Für die tiefen Verstrickungen, die zwischen Henry Ford / Ford Company und Adolf Hitler / NSDAP bestanden, aber auch für eine Analyse der Gemeinsamkeiten des publizierten Antisemitismus von Henry Ford mit dem von Adolf Hitler in „Mein Kampf“ artikulierten Antisemitismus, siehe Hermann Ploppa: „Hitlers amerikanische Lehrer – Die Eliten der USA als Geburtshelfer des Nationalsozialismus“, Liepsen Verlag, 2008. Zum Geldfluss, der zwischen Ford und Hitler bestand, siehe Wolfgang Zdral: „Der finanzierte Aufstieg des Adolf H.“, Wirtschaftsverlag Ueberreuter, 2002. Zur Verbindung Ford-Hitler und deren Unterdrückung in der Geschichtsschreibung siehe des Weiteren Ralf Georg Reuth: „Hitlers Judenhass – Klischee und Wirklichkeit“, Piper, 2009. Darauf muss hingewiesen werden, insofern der US-Historiker Michael Parenti alles andere als Unrecht hat, wenn er urteilt: „Der grausame Dienst des Faschismus für das Großkapital bleibt eine fast gänzlich verborgene Geschichte.“ Gleichwohl sollte auch gesagt werden, dass es sich beim nationalsozialistischen Regime um „keine Regierung von, durch und für die Industrie“ handelte, „sondern eine Regierung von der und durch die Partei für die Industrie. Die Wünsche und Interessen dieser beiden waren nicht identisch. Die Partei war zu großen Teilen paranoid, rassistisch, vehement nationalistisch und glaubte tatsächlich an ihre eigene Propaganda über Deutschlands imperiale Mission mit ‚Blut und Boden’. Die Industrie wollte die Wiederaufrüstung und eine aggressive Außenpolitik zur Abstützung der Wiederaufrüstung, nicht um eine paranoide Politik durchzuführen, sondern weil sie darin das einzige Programm sah, das Vollbeschäftigung und Auslastung der Anlagen mit Profiten verbinden konnte. Von 1936 bis 1939 liefen die ‚Wiederbewaffnung für den Krieg’ und die ‚Wiederbewaffnung für Profite’ parallel. Von 1939 an waren sie nur noch insoweit parallel, als die beiden Gruppen sich die Beute der eroberten Gebiete teilten, und liefen auseinander wegen der Gefahr der Niederlage. Diese Gefahr erschien der Partei als ein unvermeidliches Risiko auf dem Weg zur Welteroberung; sie schien der Industrie ein vermeidbares Risiko bei der Maximierung ihrer Profite.“ Aus Caroll Quigley: „Katastrophe und Hoffnung“, a.a.O., Seite 306-307.

Joachim C. Fest meinte: „Keineswegs zufällig neigt die Verschwörungstheorie … zu breiten und unscharfen Begriffen, um ‚das’ Großkapital und die NSDAP zusammenzuführen, während auf der Ebene pseudowissenschaftlicher Polemik Hitler allen Ernstes zum ‚mühselig hochgespielten und teuer bezahlten politischen Kandidaten’ einer im Hintergrund wirkenden kapitalistischen ‚Nazi-Clique’, zu ihrem ‚Public-Relations’-Manager, wird. Im Gegensatz dazu gab es deutlich divergierende Interessen zwischen den einzelnen Unternehmen sowie den Unternehmenszweigen.“ Nach Erläuterung näherer Zusammenhänge angesichts der Reserviertheit der Schwerindustrie gegenüber Hitlers NSDAP „zumindest vor 1933“, zitiert Fest Hjalmar Schacht: „Die Schwerindustrie, klagte Schacht in einem Brief an Hitler, trage ihren Namen zu Recht; denn sie entschließe sich schwer.“ Aus Joachim C. Fest: „Hitler. Eine Biographie“, Spiegel-Verlag, Hamburg, 2006, Seite 482.

(116) Gian Trepp: „Bankgeschäfte mit dem Feind“, a.a.O., Seite 190.

(117) Vgl. ebd., Seite 191.

(118) Ebd., Seiten 191-192.

(119) Ebd., Seiten 192-193.

(120) Ebd., Seite 193.

(121) Ebd., Seiten 193-194.

(122) Vgl. ebd., Seite 194. Adam Le Bor, der Autor des BIZ-Buchs Tower of Basel: The Shadowy History of the Secret Bank that Runs the World, schreibt über die heutige Bank für Internationalen Zahungsausgleich:

Nowadays the BIS’s main mission, in its own words, is threefold: “to serve central banks in their pursuit of monetary and financial stability, to foster international cooperation in these areas, and to act as a bank for central banks.” The BIS also hosts much of the practical and technical infrastructure that the global network of central banks and their commercial counterparts need to function smoothly. It has two linked trading rooms: at the Basel headquarters and Hong Kong regional office. The BIS buys and sells gold and foreign exchange for its clients. It provides asset management and arranges short-term credit to central banks when needed.

The BIS is a unique institution: an international organization, an extremely profitable bank and a research institute founded, and protected, by international treaties. The BIS is accountable to its customers and shareholders—the central banks—but also guides their operations. The main tasks of a central bank, the BIS argues, are to control the flow of credit and the volume of currency in circulation, which will ensure a stable business climate, and to keep exchange rates within manageable bands to ensure the value of a currency and so smooth international trade and capital movements. This is crucial, especially in a globalized economy, where markets react in microseconds and perceptions of economic stability and value are almost as important as reality itself.

The BIS also helps to supervise commercial banks, although it has no legal powers over them. The Basel Committee on Banking Supervision, based at the BIS, regulates commercial banks’ capital and liquidity requirements. It requires banks to have a minimum capital of eight percent of risk-weighted assets when lending, meaning that if a bank has risk-weighted assets of $100 million it must maintain at least $8 million capital. The committee has no powers of enforcement, but it does have enormous moral authority.

Vgl. Adam LeBor: “The Bank of International Settlements: Meet The Secretive Group That Runs The World”, veröffentlicht von Global Research am 13. April 2015 unter: http://www.globalresearch.ca/the-bank-of-international-settlements-meet-the-secretive-group-that-runs-the-world/5442583.

(123) Christopher Simpson “The Splendid Blond Beast”, a.a.O., Seiten 273-274.

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