Wenn Zentralbanken Handel an den Terminbörsen treiben

Ein Akteur an den Terminbörsen in den USA ist allen Anschein nach die Federal Reserve Bank of New York.

Von Lars Schall

In meinem Buch „Notizen zur jüngeren Weltgeschichte“ komme ich hinsichtlich des Terminwarenhandels von Gold auf zwei Dokumente zu sprechen, die von der CME Group stammten, einem Unternehmen, das große Terminbörsen in den Vereinigten Staaten betreibt. In einem Jahresbericht (10-K Filing) der CME Group aus dem Jahr 2013 wurde offenbar, dass zu den Kunden der CME Group „Regierungen und Zentralbanken“ gehören. (1) Das zweite Dokument ist ein Brief vom Januar 2014, der vom Geschäftsführer der CME Group, Christopher Bowen, an die U.S. Commodity Futures Trading Commission geschickt wurde. Dem Brief war zu entnehmen, dass die CME Group den Zentralbanken bei allen Future-Kontrakten Handelsmengenrabatte anbot – nicht nur bei Finanz-Future-Kontrakten, sondern auch bei jenen für Gold, Silber und Rohstoffe. (2)

Was ich bislang nicht wusste: die New Yorker Fed betreibt in der Nähe der Chicago Mercantile Exchange (CME) ein eigenes Handelsbüro. Dies ist dem Buch „The Lords of Easy Money – How the Federal Reserve Broke the American Economy“ von Christopher Leonard zu entnehmen, erschienen bei Simon & Schuster. Leonard berichtet dort auf Seite 242 über die „Markets Group“ der New York Fed, indem er folgendes beschreibt:

„Der Konferenzraum der New Yorker Fed befand sich in unmittelbarer Nähe des Haupthandelsraums, und seine Türen standen während der Sitzungen offen, so dass die Leute leise hinein- und hinausgehen konnten. Der Raum war mit einem großen Tisch ausgestattet, an dessen Wand eine Couch stand, auf der die Mitarbeiter mit ihren Laptops sitzen und Notizen machen konnten. An einer Wand hing eine Reihe großer digitaler Monitore, von denen einer eine Live-Videoübertragung aus einem unheimlich identischen Raum in Chicago lieferte, in einem Satellitenbüro der Fed in der Nähe der wichtigen Chicago Mercantile Exchange.“

Da ich es bemerkenswert finde, wenn Zentralbanken offensichtlich Handel an Terminbörsen treiben, habe ich heute der New Yorker Fed eine Email geschrieben:

Subject: Press Inquiry

To: GeneralInfo.NYFed@ny.frb.org

Dear Ladies and Gentlemen,

according to the book, „The Lords of Easy Money – How the Federal Reserve Broke the American Economy“ by Christopher Leonard (Simon & Schuster, 2022), the Federal Reserve Bank of New York is said of not just having a trading room in New York City, but also a trading room in Chicago – „in a Fed satellite office near the important Chicago Mercantile Exchange.“

May I ask: if true, why is this the case, and what is the NY Fed trading in either trading room?

Kind regards,

Lars Schall.

Ich gehe nicht davon aus, eine Antwort zu erhalten, und wenn dem doch der Fall sein sollte, halte ich Sie auf dem Laufenden.

Davon abgesehen sollte vielleicht noch erwähnt werden: die New Yorker Fed ist keine reine staatliche Einrichtung, sondern befindet sich im Besitz privater Geschäftsbanken wie JPMorgan Chase und Citibank (siehe dazu hier: Über die vertrackte Eigentümerstruktur der U.S. Federal Reserve). Pikant an dieser Konstellation, wenn man den Goldmarkt betrachtet: 90% aller von US-Banken gehaltenen Derivate auf Gold und andere Edelmetalle werden von zwei Banken gehalten: JPMorgan Chase und Citibank (siehe dazu hier).

Quellen:

(1) Vgl. Chris Powell: Another smoking gun of market rigging, but Warburton saw it all back in 2001. GATA, 5. September 2014; http://www.gata.org/node/14411

(2) Vgl. Chris Powell: Central banks get discounts for trading EVERYTHING through CME Group and Comex. GATA, 30. August 2014; http://www.gata.org/node/14385

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